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Zweiter Platz beim Klimaretter-Award

Das Uniklinikum Würzburg wurde für sein Engagement beim bundesweiten Projekt „Klimaretter – Lebensretter“ ausgezeichnet: In der Kategorie „Große Unternehmen“ erzielte es den zweiten Platz.

Julia Weimert von der Stabsstelle Nachhaltigkeit nahm für das Uniklinikum Würzburg den Klimaretter-Award 2024 entgegen.
Julia Weimert von der Stabsstelle Nachhaltigkeit nahm für das Uniklinikum Würzburg den Klimaretter-Award 2024 entgegen. © Pronova bkk, Stiftung viamedica

Würzburg / Leverkusen. Die gemeinnützige Stiftung viamedica vergab am 11. Juni 2024 in Leverkusen zum sechsten Mal die Klimaretter-Awards in sechs Kategorien. Die Trophäen erhielten die bundesweit besten Unternehmen, Teams und Einzelpersonen für ihr Engagement im Projekt „Klimaretter – Lebensretter“, das sich speziell an die Beschäftigten des Gesundheitssektors richtet. In der Kategorie „Große Unternehmen“ mit über 4.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erzielte das Uniklinikum Würzburg (UKW) den zweiten Platz. Julia Weimert von der Stabsstelle Nachhaltigkeit des UKW nahm den Preis entgegen.

Beim Projekt „Klimaretter – Lebensretter“ werden Beschäftige aus dem Gesundheitswesen motiviert, mit einfachen Klimaschutzaktionen am Arbeitsplatz Energie und Ressourcen einzusparen: Treppe statt Aufzug, Standby vermeiden oder richtig lüften. Im online verfügbaren Klimaretter-Tool wählen sie aus 26 vorgegebenen Aktionen ihre individuellen Maßnahmen aus den Bereichen Energie, Mobilität und Konsum aus und setzen diese in einem frei wählbaren Zeitraum um. Die Umrechnung in vermiedene Kohlendoxid-Emissionen macht den jeweiligen Beitrag zum Klimaschutz direkt sichtbar. Das UKW beteiligt sich seit Juli 2023 an dem Projekt.
https://projekt.klimaretter-lebensretter.de 

Text: Pressestelle / UKW

Julia Weimert von der Stabsstelle Nachhaltigkeit nahm für das Uniklinikum Würzburg den Klimaretter-Award 2024 entgegen.
Julia Weimert von der Stabsstelle Nachhaltigkeit nahm für das Uniklinikum Würzburg den Klimaretter-Award 2024 entgegen. © Pronova bkk, Stiftung viamedica

G-BA empfiehlt duale Lotsenstruktur bei unklarer Diagnose

Fachärztinnen und Fachärzte für psychische Gesundheit verbessern diagnostischen Prozess in Zentren für Seltene Erkrankungen

Fallbesprechung des Teams im Büro von Helge Hebestreit
Prof. Dr. Helge Hebestreit (zweiter von links) hat in einer multizentrischen Studie gezeigt, dass die Beurteilung einer Seltenen Erkrankung mit der Einbeziehung einer Expertin oder eines Experten für psychische Gesundheit in sämtliche Aspekte der Diagnostik – von der Bewertung der Krankenakten über Klinikbesuche, telemedizinische Versorgung bis hin zu Fallkonferenzen – besser gelingt. © Kirstin Linkamp / UKW

Würzburg. ZSE-DUO ist eine vom Uniklinikum Würzburg geleitete multizentrische Studie, in der eine neue Versorgungsform zur besseren Betreuung von Menschen mit unklaren und komplexen Beschwerden und Verdacht auf eine Seltene Erkrankung umgesetzt und untersucht wurde. Kern des Projekts war eine duale Lotsenstruktur an insgesamt elf deutschen Zentren für Seltene Erkrankungen (ZSE), bei der die Patientinnen und Patienten von Anfang an eine kombinierte Betreuung durch somatische und psychiatrisch-psychosomatische Fachärztinnen und Fachärzte erhielten. 

Aufnahme der dualen Betreuung in die Regelversorgung 

Die im EClinicalMedical publizierte Evaluation zeigt, dass die Einbeziehung einer Fachärztin beziehungsweise eines Facharztes aus dem Bereich Psychiatrie oder Psychosomatik die Diagnosefindung verbessert und beschleunigt, mehr Patientinnen und Patienten in die Regelversorgung überführt werden können, und die Zufriedenheit bei einer dualen Betreuung steigt. Nun hat auch der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) zum Projekt ZSE-DUO einen äußerst positiven Beschluss veröffentlicht. Er empfiehlt den relevanten Entscheidungsträgern eine Integration der neuen Versorgungsform in bestehende Vertrags- und Gesetzesregelungen zu prüfen. 

Anteil der Diagnosen in Interventionsgruppe mehr als doppelt so hoch 

Insgesamt erhielten Patientinnen und Patienten mit dualer Betreuung ihre Diagnose schneller und wurden häufiger zur Weiterbehandlung überwiesen als die Personen mit Standardversorgung. Der Anteil der Patientinnen und Patienten, die innerhalb von zwölf Monaten eine Diagnose erhielten, die ihre Symptome vollständig erklärte, war mit der innovativen dualen Versorgung mit 42 Prozent mehr als doppelt so hoch wie in der Standardversorgung durch nur einen somatischen Facharzt mit 19 Prozent. Die Zahl der Erkrankten, die erfolgreich in die Regelversorgung überführt wurden, verdoppelte sich von 12,3 auf 27,5 Prozent. Während der Anteil der Seltenen Erkrankungen in beiden Gruppen ähnlich war, wurden in der Interventionsgruppe signifikant mehr psychische Störungen und nicht-seltene somatische Erkrankungen diagnostiziert. Und trotz der zusätzlichen Termine durch die psychiatrisch-psychosomatische Betreuung war die Zufriedenheit der Patientinnen und Patienten aus der Interventionsgruppe höher.

Psychische Symptome bis hin zu psychischen Erkrankungen

Weltweit sind schätzungsweise 300 Millionen Menschen von einer der rund 7.000 bis 10.000 Seltenen Erkrankungen betroffen. Aufgrund der unspezifischen Symptome und der Auswirkungen auf mehrere Organsysteme gleicht der Weg zur Diagnose oft einer Odyssee. Die komplexe Symptomatik umfasst häufig auch psychische Symptome bis hin zu psychischen Erkrankungen. Manchmal entwickeln sich die Symptome erst im Laufe der langwierigen Diagnostik, manchmal treten sie unabhängig von der Seltenen Erkrankung auf oder imitieren diese sogar. Aber: eine Seltene Erkrankung kann auch als psychische Erkrankung fehldiagnostiziert werden. 

„Die Ergebnisse unserer Studie sind eindeutig und legen eine interdisziplinäre Herangehensweise nahe. Die frühzeitige Einbeziehung einer Spezialistin oder eines Spezialisten für psychische Gesundheit sollte ein integraler Bestandteil der Diagnostik und Behandlung von Personen mit einer vermuteten Seltenen Krankheit sein“, sagt Prof. Dr. Helge Hebestreit, Direktor des Zentrums für Seltene Erkrankungen (ZESE) am UKW. 

Der Ergebnis- und Evaluationsbericht sowie der Beschluss des G-BA zum Projekt ZSE-DUO können hier eingesehen werden.


Eine ausführliche Pressemitteilung zur Publikation im EClinicalMedical (https://doi.org/10.1016/j.eclinm.2023.102260) gibt es hier

Beteiligte Einrichtungen: 
Für die Studie wurden Patientinnen und Patienten in den Zentren für Seltene Erkrankungen an den (Universitäts-)Klinika in Aachen, Bochum, Frankfurt/Main, Hannover, Magdeburg/Halle, Mainz, Münster, Regensburg, Tübingen Ulm und Würzburg rekrutiert. An der Datenanalyse waren Einrichtungen des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, der Medizinische Hochschule Hannover und der Universität Würzburg beteiligt. Weitere Konsortialpartner waren ACHSE e.V., die Techniker Krankenkasse; IKK gesund plus. Die AOK Hessen war als Kooperationspartner dabei. 

Die Studie wurde durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses in Deutschland finanziert, Förderkennzeichen 01NVF17031.

Kontakt: Prof. Dr. Helge Hebestreit: zese@ukw.de, Telefon: +49 931 201-29029 


Text: Kirstin Linkamp / UKW

 

Fallbesprechung des Teams im Büro von Helge Hebestreit
Prof. Dr. Helge Hebestreit (zweiter von links) hat in einer multizentrischen Studie gezeigt, dass die Beurteilung einer Seltenen Erkrankung mit der Einbeziehung einer Expertin oder eines Experten für psychische Gesundheit in sämtliche Aspekte der Diagnostik – von der Bewertung der Krankenakten über Klinikbesuche, telemedizinische Versorgung bis hin zu Fallkonferenzen – besser gelingt. © Kirstin Linkamp / UKW

Neue katholische Klinikseelsorgerin

Dr. Regina Augustin ist seit 1. Juni 2024 Teil des Seelsorgeteams des Uniklinikums Würzburg.

Regina Augustin
Dr. Regina Augustin verstärkt seit 1. Juni 2024 das Seelsorgeteam des Uniklinikums Würzburg. Bild: Regina Augustin / UKW

Würzburg. Ergänzend zu ihrer Teilzeittätigkeit als Studienleiterin der Domschule Würzburg nahm Dr. Regina Augustin Anfang Juni dieses Jahres mit einer 50-Prozent-Stelle die Arbeit als Klinikseelsorgerin am Uniklinikum Würzburg (UKW) auf. „Meine Schwerpunkte in der Domschule als Akademie des Bistums Würzburg sind Gesellschaft, Kultur und Ethik – da gibt es viele Anknüpfungsmöglichkeiten zum UKW. Bewogen, mich am Klinikum zu bewerben, hat mich der Wunsch, wieder stärker in direkten Kontakt mit Menschen zu treten“, schildert die 1980 geborene Theologin und fährt fort: „Ich freue mich darauf, in eine neue Welt einzutauchen. Ich denke, dass es am UKW Raum gibt für Begegnungen, die an anderen Orten so nicht möglich sind. Begegnungen, die vielleicht auch ein Stück transzendent sein können.“ Außerdem sei sie sehr gespannt auf die Zusammenarbeit mit anderen Klinikumsmitarbeitenden.

Bereits als Klinikclownin engagiert

Die Lebenswelt Krankenhaus kennt die aus Villach stammende Österreicherin unter anderem durch ihr Engagement als Klinikclownin Daisy. Ferner sieht sie ihre Erfahrungen als ehemalige Studierendenseelsorgerin sowie diverse Zusatzausbildungen als hilfreich an. So ist sie aktuell dabei, eine Ausbildung zur Trauerbegleiterin abzuschließen.

Regina Augustin studierte ab dem Jahr 2000 Katholische Fachtheologie an der Universität Salzburg, wo sie 2014 auch promovierte. Es schlossen sich die Mitarbeit am Salzburger Zentrum zur Erforschung des christlichen Ostens und die Leitung des Generalsekretariates der Stiftung Pro Oriente in Wien an. Weitere Stationen waren die wissenschaftliche Mitarbeit bei den Theologischen Kursen Wien und die Studienleitung im Salzburger Bildungshaus St. Virgil. Vor ihrem Wechsel zur Domschule Würzburg im Jahr 2022 war sie zuletzt als Generalsekretärin der Katholischen Frauenbewegung Österreichs aktiv.

 

Text: Pressestelle / UKW

Regina Augustin
Dr. Regina Augustin verstärkt seit 1. Juni 2024 das Seelsorgeteam des Uniklinikums Würzburg. Bild: Regina Augustin / UKW

Gen- und zellbasierte Therapie: Aufstrebender Hoffnungsträger der Medizin und Wirtschaftsfaktor

Übergabe der Nationalen Strategie für gen- und zellbasierte Therapien an Bundesministerin für Bildung und Forschung Bettina Stark-Watzinger am 12. Juni in Berlin

Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sowie Behörden, Stiftungen und Patientenorganisationen entwickelten gemeinsam ein Strategiepapier, um die Translation neuer Erkenntnisse aus der Forschung in die Krankenversorgung zu verbessern. Prof. Dr. Michael Hudecek, Leiter des Lehrstuhls für Zelluläre Immuntherapie am Universitätsklinikum Würzburg (UKW), vertrat das Handlungsfeld „Forschung und Entwicklung“ bei der Podiumsdiskussion im Rahmen der Veröffentlichung des Strategiepapiers im Berliner Futurium.

 

Michael Hudecek spricht auf dem Podium
Am Mikrofon: Prof. Dr. Michael Hudecek, Leiter des Lehrstuhls für Zelluläre Immuntherapie am UKW und Sprecher der Arbeitsgruppe „Forschung und Entwicklung“, erläutert bei der Podiumsdiskussion im Rahmen der Veröffentlichung des Strategiepapiers im Berliner Futurium, welche Maßnahmen notwendig sind, um die Nationale Strategie für gen- und zellbasierte Therapien erfolgreich umzusetzen. Foto: Svea Pietschmann
Gruppenbild im Futurium nach der Übergabe der Nationalen Strategie GCT
Gruppenbild mit Bettina Stark-Watzinger, Bundesministerin für Bildung und Forschung, nachdem sie von Prof. Dr. Christopher Baum, Sprecher der Nationalen Strategie GCT und Vorsitzender des BIH-Direktoriums, die Nationale Strategie für gen- und zellbasierte Therapien empfangen hat. Mit im Bild die Teilnehmenden der Podiumsdiskussion, ganz rechts Prof. Dr. Michael Hudecek, Sprecher der AG "Forschung und Entwicklung". Foto: Svea Pietschmann
Szene im Labor von Michael Hudecek
Eine Empfehlung im Strategiepapier ist die Vernetzung und die Bildung von dezentralen Hubs in ganz Deutschland: Die Kernkompetenzen in der Entwicklung und Herstellung von GCT an den verschiedenen Standorten soll weiter ausgebaut und etabliert und die Infrastruktur mit allen anderen Akteuren geteilt werden. © Daniel Peter / UKW

Würzburg/Berlin. Gen- und zellbasierte Therapien (GCT) stehen im Mittelpunkt der zukünftigen biomedizinischen Forschung und klinischen Versorgung. Sie sind aber nicht nur medizinisch relevant, sondern auch gesellschaftspolitisch wichtig und eines Tages möglicherweise ein ebenso großer Wirtschaftsfaktor wie die Automobil- und Elektroindustrie. Um die Wettbewerbsfähigkeit des Forschungs- und Innovationsstandortes Deutschland langfristig zu sichern und den Zugang zu diesen neuartigen Therapien für Patientinnen und Patienten zu gewährleisten, wurde im Rahmen der Nationalen Strategie für gen- und zellbasierte Therapien im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und koordiniert durch das Berlin Institute of Health (BIH) eine Multi-Stakeholder-Strategie entwickelt. Die Strategie soll die Grundlage für einen zeitnahen Dialog mit politischen Entscheidungsträgern bilden.

Mit Optimismus und großen Erwartungen nach Berlin gefahren

Übergeordnetes Ziel der Nationalen Strategie GCT ist es, innovative Produkte und Anwendungen zu entwickeln, die ursächlich wirken, die Gesundheit fördern und dabei sicher, effizient, finanzierbar und breit verfügbar sind. Nach der offiziellen Übergabe des Strategiepapiers an die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Bettina Stark-Watzinger, erläuterten die Vertreterinnen und Vertreter der acht am Papier beteiligten Arbeitsgruppen, welche Maßnahmen notwendig sind, um die Strategie erfolgreich umzusetzen. Prof. Dr. Michael Hudecek, Leiter des Lehrstuhls für Zelluläre Immuntherapie am UKW und der Außenstelle des Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie IZI in Würzburg, vertrat dabei die wichtige Arbeitsgruppe „Forschung und Entwicklung“, laut Hudecek den Motor der GCT. Die 28-köpfige Arbeitsgruppe hat innerhalb eines Jahres konkrete Handlungsempfehlungen erarbeitet. 

Michael Hudecek, Sprecher der Arbeitsgruppe „Forschung und Entwicklung“: „Wir sind heute mit Optimismus und großen Erwartungen nach Berlin gefahren, um Maßnahmen vorzustellen und wichtige Impulse zu geben, damit Deutschland in der Entwicklung gen- und zellbasierter Therapien weiterhin international wettbewerbsfähig ist.“

Dezentrale Knotenpunkte mit verschiedenen Kernkompetenzen 

Ein wesentlicher Punkt der Handlungsempfehlungen ist die Vernetzung und die Bildung von Knotenpunkten, so genannten Hubs. An vielen Standorten in Deutschland gibt es exzellente Forschung und Entwicklung, aber auch viele Redundanzen. „Um die Kernkompetenzen in der Entwicklung und Herstellung von GCT an den verschiedenen Standorten weiter auszubauen und zu etablieren, müssen wir dezentrale Hubs schaffen, deren Infrastruktur mit allen anderen Akteuren geteilt wird“, postuliert Michael Hudecek. Und diese Infrastruktur muss ausgebaut werden, sei es für die Herstellung von Vektoren oder GMP-konformen Materialien, Biotech-Inkubatoren oder Spin-offs. „Der Bedarf an gen- und zellbasierten Therapien wird steigen“, so Hudecek. „Um hier weder zeitlich noch finanziell von Herstellern im Ausland abhängig zu sein, müssen wir unsere Kapazitäten in Deutschland ausbauen.“ Auch in die Ausbildung des Personals müsse mehr investiert werden, sowohl in der Produktion als auch in der Anwendung. 

Agilere Förderrahmen und Patientenbeteiligung 

Das Potenzial in Deutschland werde oft nicht erkannt und die Vergabe von Fördermitteln sei zu langsam, um mit den rasanten Entwicklungen Schritt zu halten. Hudecek fordert mehr Mut zum Risiko, damit das Wissen und die Wertschöpfungskette in Deutschland bleiben. 
Eine agilere Förderung ist eine öffentliche Investition, von der die gesamte Gesellschaft profitiert, vor allem aber die Patientinnen und Patienten. Diese sollten auch stärker in die Forschung und Entwicklung dieser Zukunftsmedizin einbezogen werden. Neben Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Klinik, Biotech- und Pharmaindustrie waren deshalb auch Juliane Friedrichs vom Haus der Krebs-Selbsthilfe - Bundesverband e.V. und Markus Wartenberg, Patientenvertreter in der Deutschen Sarkom-Stiftung und Sprecher des Patientenforschungsrates Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT), in der Arbeitsgruppe "Forschung und Entwicklung" aktiv. 

Würzburger Beteiligungen am 130 Seiten starken Strategiepapier gab es in drei weiteren Arbeitsgruppen: Michael Hudecek engagierte sich neben seiner Sprecherfunktion in der Arbeitsgruppe „Forschung und Entwicklung“ auch beim Thema „Technologietransfer“. Prof. Dr. Matthias Eyrich, Leiter der Bereiche Zelltherapie, GMP-Labor und Hämatologisches Labor im Kinderonkologischen Zentrum des UKW, engagierte sich in der Arbeitsgruppe „Qualitäts- und Kapazitätsentwicklung im Bereich der GMP-Herstellung“ und Prof. Dr. Hermann Einsele, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II, verstärkte die Arbeitsgruppe „Marktzulassung und Anwendung in der Versorgung“.

Matthias Eyrich, Mitglied der Arbeitsgruppe "Qualitäts- und Kapazitätsentwicklung im Bereich der GMP-Herstellung": „Es ist bemerkenswert, dass 140 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in nur neun Monaten ein solches Strategiepapier erstellen und konsentieren konnten. Das zeigt, dass in Deutschland der große Wunsch vorhanden ist, die Gen- und Zelltherapie international kompetitiv aufzustellen. Ich bin zuversichtlich, dass die Politik mit diesen detaillierten Angaben nun leistungsfähige Rahmenbedingungen schaffen wird, mit denen wir diese innovativen Produkte unseren Patientinnen und Patienten schneller und besser zur Verfügung stellen können."

Weitere Informationen in der Pressemitteilung des Berlin Institute of Health in der Charité (BIH).

Zum Download des Strategiepapiers.

Text: Kirstin Linkamp / UKW 

Mehr Fürsorge statt Profitdenken

Beim 14. Ethiktag des Uniklinikums Würzburg am 10. Juni 2024 teilte der bekannte Publizist Prof. Dr. Dr. h.c. Heribert Prantl seine Gedanken zur „Kapitalisierung der Medizin“ mit rund 200 Zuhörerinnen und Zuhörern.

Gruppenbild Akteure Ethiktag mit Referent Heribert Prantl
Beim Ethiktag 2024 des Klinischen Ethik-Komitees (KEK) am Uniklinikum Würzburg: Gastreferent Prof. Dr. Heribert Prantl (Vierter von links) mit – von links – Marcus Huppertz (Pflegedirektor), Prof. Dr. Christoph Schimmer, Doris Eyrich, Dr. Elisabeth Jentschke, Dr. Christian Markus (alle vier KEK), PD Dr. Tim von Oertzen (Ärztlicher Direktor) und Philip Rieger (Kaufmännischer Direktor). Bild Helmuth Ziegler / UKW

Würzburg. „In einer Zeit, in der medizinische Fortschritte uns immer neue Möglichkeiten eröffnen, ist es unerlässlich, uns stets an die vier Grundsätze der Medizinethik zu erinnern: Autonomie, Nicht-Schaden, Wohltun und Menschenwürde.“ Mit diesen Worten führte Privatdozent Dr. Tim von Oertzen, der Ärztliche Direktor des Uniklinikums Würzburg (UKW), in den 14. Ethiktag des Würzburger Großkrankenhauses am 10. Juni 2024 ein. Mit rund 200 Teilnehmenden zog die vom Klinischen Ethikkomitee des UKW organisierte und von der Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp geförderte Veranstaltung in diesem Jahr besonders viele Interessierte in den Hörsaal des Zentrums für Operative Medizin. Aus gutem Grund – schließlich war es dem von Dr. Elisabeth Jentschke geleiteten Komitee gelungen, mit Prof. Dr. jur. Dr. theol. h.c. Heribert Prantl einen Referenten von mindestens bundesweitem Ruf zu gewinnen. Dieser war zunächst Richter und Staatsanwalt, bevor er sich dem Journalismus zuwandte. 25 Jahre lang leitete er die Redaktionen Innenpolitik und Meinung der Süddeutschen Zeitung (SZ) und war zudem acht Jahre lang auch Mitglied in deren Chefredaktion. Heute arbeitet er als ständiger Autor und Kolumnist der SZ, verfasst Bücher und fungiert als politischer Kommentator für zahlreiche Medien. Der Honorarprofessor an der Juristischen Fakultät der Universität Bielefeld und Ehrendoktor der Theologie an der Universität Erlangen wurde unter anderem mit dem Geschwister-Scholl-Preis, dem Kurt-Tucholsky-Preis, dem Erich-Fromm-Preis und dem Brüder-Grimm-Preis ausgezeichnet.

Gute Pflege im Alter ist eine Ehrenschuld

Thema seines Vortrags am UKW war die „Kapitalisierung der Medizin“. Nach seinen Beobachtungen wird im aktuellen Gesundheitssystem Geld zunehmend nicht mehr als Mittel zur Versorgung von Kranken gesehen, sondern die Versorgung als Mittel, um Geld zu verdienen. Im Zusammenhang mit dieser Ökonomisierung richtete er den Scheinwerfer auf viele Fehlentwicklungen, wie zum Beispiel den Preiskampf in der Arzneimittelversorgung, die Krankenhausbudgetierung oder auch den Umgang mit Alter und Demenz. „Eine Gesellschaft ist ‚ver-rückt‘, wenn die Alten nicht mehr in Würde verrückt werden dürfen“, kommentierte Prantl. Vielmehr sei seiner Meinung nach eine bezahlbare und gute Pflege im Alter eine Ehrenschuld der Gesellschaft.

Pflege und Krankheit sind nicht renditefähig

„Es heißt bisweilen noch immer, das Gesundheitswesen leide an einem zu eingeschränkten Wettbewerb. Ich frage mich: Leidet es nicht eher daran, dass es ein Markt ist, an dem zuallererst verdient werden will?“, kritisierte der Publizist. Für ihn ist klar: Pflege und Krankheit sind nicht börsen- und renditefähig, Renditen im zweistelligen Bereich seien nicht vertretbar. „Die Aktivitäten von Private Equity sind Gift für das Gemeingesundheitswesen. Der Verkauf von Krankenhäusern, medizinischen Gesundheitszentren und Arztpraxen an internationale Finanzplayer muss gestoppt werden“, unterstrich Prantl.

Das Grundgesetz als hilfreiche Leitlinie

Als Gegenentwurf und Leitlinie kam der Referent mehrfach auf den Artikel 1 des in seinen Augen grandios formulierten Grundgesetzes zurück: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ Damit werde nicht zuletzt ein fürsorgliches Gesundheitssystem gefordert. „Auch eine Rückbesinnung auf den Gemeinwohlgedanken, wie ihn die Bayerische Verfassung mustergültig formuliert, ist hilfreich“, so Prantl. Generell brauche es nach seinen Worten die Auferstehung von Werten wie Nächstenliebe, Geborgenheit, Barmherzigkeit und Vertrauen.

 

Über das Klinische Ethikkomitee am UKW

Das Klinische Ethikkomitee (KEK) ist ein unabhängiges Gremium aus Mitarbeitenden verschiedener Berufsgruppen am Uniklinikum Würzburg. Es hat die Aufgabe, in ethischen Krisensituationen alle an der Behandlung beteiligten Personen beratend zu unterstützen. 
www.ukw.de/kek

 

Text: Pressestelle / UKW

Klinikseelsorgerin Marion Mack verabschiedet

Anfang Juni dieses Jahres verabschiedete das Seelsorgeteam des Uniklinikums Würzburg ihre Kollegin Marion Mack in die Freistellungsphase der Altersteilzeit.

Marion Mack
Marion Mack war von 2015 bis 2024 als Klinikseelsorgerin am Uniklinikum Würzburg tätig. Bild: Tobias Mack
Wandergruppe beim Quellentag mit Marion Mack
Marion Mack (Bildmitte mit roter Weste) organisierte zwei Mal jährlich unter dem Titel „Quellentage“ spirituelle Wanderungen für interessierte Beschäftigte des Uniklinikums Würzburg. Bild: Marion Mack / UKW

Würzburg. Zum 1. Juni 2024 startete Marion Mack in die Freistellungsphase der Altersteilzeit. Die katholische Klinikseelsorgerin war seit dem Jahr 2015 Teil des Seelsorgeteams des Uniklinikums Würzburg (UKW). „Die schönsten Momente in meiner Dienstzeit waren für mich immer dann, wenn es mir – wie ich glaube, vom Geist Gottes – geschenkt wurde, Menschen durch mein Zuhören und Mitaushalten in ihrer Not aufzufangen“, blickt die 63-Jährige zurück. Dazu seien manchmal gar keine Worte nötig gewesen, etwa wenn sie durch ein Ritual mit Gebeten und Liedern Trost spenden konnte. „Unvergesslich sind mir auch Momente, in denen mir spontan und wieder vom Geist geschenkt etwas einfiel, das in schweren Situationen alle Beteiligten aufatmen und manchmal sogar eine Leichtigkeit und Heiterkeit aufkommen ließ“, fügt Mack hinzu.

Mit großer Freude leitete sie zudem am UKW die AG „Spirituelle Angebote“. Dort wurden beliebte, mittlerweile fest etablierte spirituelle Impulse entwickelt, wie die Sternaktion in der Adventszeit und die Kreuzaktion in der Fastenzeit.

„Ein echtes Highlight im Jahr waren für mich außerdem die beiden Quellentage“, berichtet die Seelsorgerin. Anfangs als Auszeit für die Mitarbeitenden der Palliativstation angeboten, entwickelte sie aus den spirituellen Wanderungen in der Region Mainfranken ein Angebot für alle UKW-Beschäftigten.

Für den kommenden Ruhestand freut sie sich unter anderem auf mehr Zeit für das Klarinette-Spielen, die Familie, die Gartenpflege, Naturerlebnisse und Sport. „Eventuell schreibe ich auch ein Buch mit meditativen Texten“, kündigt Marion Mack an. Darüber hinaus plant sie, am UKW hin und wieder in der seelsorgerischen Rufbereitschaft und bei den Gottesdiensten auszuhelfen.

 

Text: Pressestelle / UKW

Marion Mack
Marion Mack war von 2015 bis 2024 als Klinikseelsorgerin am Uniklinikum Würzburg tätig. Bild: Tobias Mack
Wandergruppe beim Quellentag mit Marion Mack
Marion Mack (Bildmitte mit roter Weste) organisierte zwei Mal jährlich unter dem Titel „Quellentage“ spirituelle Wanderungen für interessierte Beschäftigte des Uniklinikums Würzburg. Bild: Marion Mack / UKW

G-BA-Innovationsfonds-Projekt BRIDGE steht in den Startlöchern

Ein neues interdisziplinäres Forschungsprojekt unter der gemeinsamen Leitung der Universitätsmedizin Mainz und der MSB Medical School Berlin und mit Beteiligung der Universitätsmedizin Würzburg untersucht die Wirksamkeit einer innovativen Versorgungsform für multimorbide, ältere Menschen mit Depression: BRIDGE ist ein Aktivierungsprogramm, das unmittelbar an einen Krankenhausaufenthalt in der Geriatrie oder Gerontopsychiatrie anschließt. Es soll zu mehr körperlicher Aktivität und positiven Erlebnissen im Alltag der Patientinnen und Patienten beitragen und so die depressiven Symptome reduzieren und die Lebensqualität verbessern. Das Projekt startet am 1. Juli 2024 und wird über einen Zeitraum von 39 Monaten mit insgesamt rund 5,3 Millionen Euro durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) gefördert.

Etwa jeder fünfte ältere Mensch ist von einer depressiven Erkrankung betroffen. Bei älteren Menschen, die zu Hause leben und bei denen zusätzlich körperliche Mehrfacherkrankungen bestehen, ist das Depressionsrisiko noch weiter erhöht. Diese besonders vulnerablen Personen benötigen beim Übergang von einer gerontopsychiatrischen oder geriatrischen stationären Behandlung in die ambulante Versorgung Unterstützungsangebote, um die bereits erzielten Therapieerfolge zu festigen und eine erneute gesundheitliche Verschlechterung zu vermeiden. Bisher fehlen jedoch in vielen Fällen diese speziellen Versorgungsangebote. Hier setzt das vom G-BA geförderte Innovationsfonds-Projekt „BRIDGE – Behaviorale und körperliche Aktivierung für multimorbide, ältere Patientinnen und Patienten mit depressiven Symptomen beim stationär-ambulanten Übergang“ an. 

BRIDGE soll zu mehr körperlicher Aktivität und positiven Erlebnissen im Alltag beitragen 

„Im Erfolgsfall steht mit BRIDGE erstmals eine Versorgungsform zur Verfügung, die eine stationäre mit einer ambulanten Behandlung älterer depressiver Patientinnen und Patienten mit körperlichen Mehrfacherkrankungen verbindet und dazu beiträgt, Krankheitssymptome zu reduzieren, stationäre Behandlungstage zu verringern und die Funktionsfähigkeit und Lebensqualität der Betroffenen zu erhöhen“, betont die Projektleiterin Prof. Dr. Alexandra Wuttke, die neben ihrer Professur für die Prävention von Demenz und Demenzfolgeerkrankungen am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) gemeinsam mit der stellvertretenden Projektleiterin, Dr. Katharina Geschke, die Zentrale Forschungseinheit für psychische Gesundheit im Alter (ZpGA) der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz leitet. Im Mainz ist die Konsortialführung des Forschungsprojekts angesiedelt. 
Im Rahmen des Versorgungsangebots BRIDGE werden Patientinnen und Patienten zu körperlicher Aktivität und einer positiven Alltagsroutine ermutigt und befähigt. Sie lernen, körperliche Bewegung in ihre täglichen Abläufe zu integrieren und für mehr angenehme Erlebnisse im Lebensalltag zu sorgen. Diese sollen ein Gegengewicht zu teils unveränderlichen Belastungen bilden. „Das Grundprinzip lautet: Nicht darauf warten, bis es besser wird; sondern den Alltag aktiv in die Hand nehmen, selbst wenn die Lust und Motivation zunächst fehlt. Dadurch wird der Teufelskreis zwischen Inaktivität und Depressivität unterbrochen – Stimmung und Lebensqualität verbessern sich“, erläutert die Berliner Projektleiterin Prof. Dr. Eva-Marie Kessler. Die Professorin für Gerontopsychologie an der MSB Medical School Berlin entwickelt das Programm inhaltlich gemeinsam mit Prof. Dr. Lisa Warner (MSB Medical School Berlin) und der Sportwissenschaftlerin Prof. Dr. Claudia Voelcker-Rehage (Westfälische Wilhelms-Universität Münster).

Das Aktivierungsprogramm wird bereits im Rahmen des Klinikaufenthaltes angebahnt und dann nahtlos bei den Patientinnen und Patienten zu Hause durch speziell geschulte Pflegefachkräfte weitergeführt. Diese arbeiten in sogenannten BRIDGE-Teams mit Psychotherapeutinnen und -therapeuten und Bewegungswissenschaftlerinnen und –wissenschaftlern zusammen. Zusätzlich wird das neuartige Versorgungsangebot auch videobasiert im häuslichen Umfeld ermöglicht. Die Studienteilnehmenden können Videoanrufe mit den Pflegekräften durchführen und Bewegungsübungen digital abrufen. In einem Stepped Care-Ansatz wird, je nach Ausprägung der depressiven Symptomatik, eine achtwöchige Basis- oder eine zwölfwöchige Intensivversion des Programms angeboten. 

Großes deutschlandweites Konsortium setzt BRIDGE um 

Die Wirksamkeit der neuartigen Versorgungsform soll ab Anfang 2025 bei insgesamt 800 Teilnehmenden an 13 Kliniken in Rheinland-Pfalz, Hessen, Saarland und Bayern erprobt werden. Dazu gehören das Agaplesion Elisabethenstift, die Agaplesion Frankfurter Diakonie Kliniken, die Geriatrische Fachklinik Rheinhessen-Nahe, die Rheinhessen-Fachklinik Alzey, die Saarland-Heilstätten GmbH, die Universitätsmedizin Mainz sowie das Universitätsklinikum Würzburg. 

Es wird geprüft, wie die Teilnehmenden die neue Versorgungsform annehmen und wie die Leistungserbringenden den Nutzen des Programms einschätzen und die Zusammenarbeit bewerten. Die IKK Südwest und die Techniker Krankenkasse (TK) liefern Routinedaten aus ihrem Versichertenbestand für die gesundheitsökonomische Evaluation. Grundsätzlich können aber alle gesetzlich versicherten betroffenen Patientinnen und Patienten an der Studie teilnehmen. 

Um eine unabhängige Bewertung der Projektergebnisse zu gewährleisten, führt das IGES Institut in Berlin eine externe Evaluation durch. Die Datenerhebung erfolgt dabei am Institut für klinische Epidemiologie und Biometrie (IKE-B) der Universität Würzburg. Die Zentrale für klinische Studien des Universitätsklinikums Würzburg führt zudem ein Monitoring zur Sicherstellung der Datenqualität durch.

Die Deutsche Depressionsliga e. V. (DDL) wird als Vertretung der Patientinnen und Patienten alle Phasen des Projekts begleiten. Sie wird dabei von der Initiative Bündnisse gegen Depression Rheinland-Pfalz und dem Darmstädter Bündnis gegen Depression unterstützt. 
Weitere Kooperationspartner sind die Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DGVT), die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz, die Katholische Hochschule Mainz, die Goethe-Universität Frankfurt am Main, die Medizinische Hochschule Brandenburg sowie das Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit Rheinland-Pfalz.