Aktuelle Pressemitteilungen

Zum Weltgesundheitstag 2024: Gesundheit als globale gesamtgesellschaftliche Aufgabe anerkennen

Anlässlich des Gründungsdatums der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 1948 findet jährlich am 7. April der Weltgesundheitstag statt. Das Motto für 2024 lautet „Recht auf Gesundheit“. Hierzu im Folgenden einige Gedanken von Prof. Dr. August Stich. Der Leiter des Schwerpunkts Infektiologie am Uniklinikum Würzburg gilt als renommierter Tropenmediziner und beschäftigt sich unter anderem mit dem Konzept der Globalen Gesundheit.

Prof. Dr. August Stich vom Uniklinikum Würzburg sitz am Computer
Prof. Dr. August Stich vom Uniklinikum Würzburg beschäftigt sich unter anderem mit dem vergleichsweise neuen Themenfeld Globale Gesundheit (Global Health).

Auch wenn den Regierungen der einzelnen Staaten die Hauptverantwortung zukommt, muss Gesundheit als globale gesamtgesellschaftliche Aufgabe gesehen werden. Die Chancen, einen frühzeitigen Tod abzuwenden oder gravierende Krankheitsfolgen zu verringern, dürfen nicht von der Einkommenshöhe der Betroffenen, ihren persönlichen Beziehungen oder der Einsichtsfähigkeit ihrer Regierungen abhängen. 

Deutschland muss zu Verbesserung der Gesundheit in benachteiligten Weltregionen beitragen


Die Industrienationen müssen ihre eigene Verantwortung im Hinblick auf Krankheitsursachen, die in der kolonialen und neokolonialen Ausbeutung wurzeln, erkennen. Deshalb müssen wirtschaftlich privilegierte Staaten wie Deutschland einen Beitrag für die Verbesserung der Gesundheitssituation der benachteiligten Teile der Menschheit leisten. Dazu gehört sowohl die angemessene Beteiligung an der Finanzierung der Gesundheitssysteme und der gesundheitsfördernden Maßnahmen, als auch die Mitarbeit an der Überwindung von krankmachenden, ja oft todbringenden Lebensverhältnissen. Nur mit einem konsequent auf diese Grundwerte ausgerichteten Zugang kann es gelingen, den Weg heraus zu finden aus der fatalen Spirale von fehlenden Lebensperspektiven, Umweltzerstörung, sozialen Gegensätzen und gewalttätigen Konflikten, die inzwischen die Zukunft aller bedrohen.

Die Abwehr von Migrantinnen und Migranten ist die schlechteste Reaktion


Gerade auch die Hinwendung zu den Menschen, die auf der Flucht vor Gewalt und Unterdrückung ihre gesamten Existenzgrundlagen verloren haben und durch grausame Erlebnisse traumatisiert wurden, stellt ein ethisches Gebot und eine besondere Herausforderung dar. Aber auch den Menschen, die durch Abwanderung der Elendsfalle in ihrer Heimat zu entkommen suchen, müssen wir mit Verständnis und Menschlichkeit begegnen. Abwehr ist die schlechteste Reaktion, denn sie führt zwangsläufig zur Entmenschlichung der eigenen Gesellschaft und potenziert zukünftige Konflikte.

Erfolge und Defizite der globalen Gesundheitspolitik


Die Verabschiedung der Millenniums-Erklärung und der daraus abgeleiteten Millenniums-Entwicklungsziele hat die Weltgemeinschaft zu deutlich verstärkten Bemühungen angespornt, um die inhumansten Formen der Armut und die verheerendsten Gesundheitsprobleme zu vermindern. Insgesamt wurden in Entwicklungs- und Schwellenländern beeindruckende Fortschritte erzielt, auch wenn gerade die am stärksten benachteiligten Regionen und Bevölkerungsgruppen daran nur unzureichend teilhaben konnten.
Nach über zwei Jahren internationaler Konsultationen und Verhandlungen einigten sich die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen am 2. August 2015 auf die sogenannte Agenda für nachhaltige Entwicklung. Das Dokument wurde im gleichen Jahr verabschiedet. Die Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) sollen bis zum Jahr 2030 die Entwicklungsbemühungen aller Länder einschließlich der Industriestaaten leiten. Der neue Handlungsrahmen zur „Umwandlung unserer Welt“ enthält durchaus wichtige Einsichten, richtige Prinzipien und ehrgeizige Einzelziele. Diese hängen aber in der Luft, weil zahlreiche Regierungen konkrete Verpflichtungen verweigert haben, um die notwendigen Finanzmittel bereitzustellen und einen gebotenen Politikwechsel einzuleiten.

Die unzureichende Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele und aktuelle Kriege geben Grund zu Besorgnis


Die unzureichende Umsetzung von Bestrebungen zu „Mehr Gesundheit in der Einen Welt“ sehe ich mit großer Besorgnis, gerade mit dem Blick auf alle benachteiligten Menschen, die ihre Hoffnungen auf ein besseres und gesünderes Leben in das Zustandekommen und die Umsetzung einer wirklich zukunftsweisenden Agenda gesetzt haben. Hinzu kommen jetzt noch zusätzlich die aktuellen politischen Entwicklungen, insbesondere die anhaltenden furchtbaren kriegerischen Konflikte in viel zu vielen Regionen der Welt.

Erfolge in der Weltgesundheit haben einen ökologischen Preis


Doch die Erfolge bei der Bekämpfung von Kinder- und Müttersterblichkeit, die Steigerung der Impfquoten und die Verbesserung der Basisgesundheitsversorgung, generell jede Entwicklung – alles hat seinen Preis, gerade im Hinblick auf das ökologische Gleichgewicht unseres Planeten. Das neue Feld „Planetare Gesundheit“ steht für das Wohlergehen der menschlichen Zivilisation und der Systeme, von denen sie abhängt. Mehr noch als früher müssen wir uns der Verantwortung für zukünftige Generationen bewusst sein.
Gesundheit als solche kann nicht nachhaltig sein, schließlich werden wir alle sterben! Doch andererseits haben alle Menschen einen Anspruch auf eine adäquate medizinische Versorgung. Dies ist ein Menschenrecht und sollte überall auf der Welt einklagbar sein.
 

Wenn Profis von Profis lernen: Gemeinsamer Kurs zur Notfallversorgung

Fachkenntnisse wurden vertieft / Weitere Kurse folgen

Die Notfallversorgung nach einem Herzinfarkt stand im Mittelpunkt des dreitägigen Kurses am UKW. Foto: Lena Ossiander

Würzburg. Um im Notfall schnell und zielgerichtet die richtigen Maßnahmen treffen zu können, fand jetzt ein interner Notfallkurs der American Heart Association (AHA) am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) statt. Der durchgeführte ACLS-Kurs („Advanced Cardiac Life Support“) schult die Mitarbeitenden neben der Notfallversorgung nach einem Herzinfarkt in Teamarbeit und Kommunikation. „Ziel des Kurses ist es, die Patientensicherheit am Universitätsklinikum stetig weiter zu steigern“, so Manuel Hassemer (UKW), der Organisator dieses Lehrgangs. Das Besondere: Es werden nicht nur Teilnehmer ausgebildet, sondern auch Instruktoren, welche später selbst Mitarbeitende am UKW nach diesem zertifizierten Kurssystem ausbilden können.

Möglich wurde dieses Seminar durch die Unterstützung der Anästhesisten PD Dr. Hendrik Eismann und PD Dr. Markus Flentje von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). „Bei einem gemeinsamen Simulationstraining vergangenen Jahres am UKW entstand der Kontakt“, so Hassemer. Dank der Zustimmung durch Prof. Dr. Wolfgang Koppert, Klinikdirektor der Anästhesie an der MHH, konnte dieses Projekt realisiert werden. In drei Tagen bildeten die Dozenten aus Hannover zwölf Teilnehmer und sechs Instruktoren aus. Diese setzten sich aus Ärzten und Pflegefachkräften der Anästhesie und der Inneren Medizin zusammen.

Das Uniklinikum Würzburg wurde bereits 2019 vom Deutschen Rat für Wiederbelebung als Cardiac Arrest Center (CAC) zertifiziert. Ein „CAC“ ist eine Klinik, die auf die Akutbehandlung von Patienten nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand spezialisiert ist. Um Patientinnen und Patienten optimal in Notfallsituationen zu versorgen, werden am UKW in Zukunft durch weitere Kurse berufsgruppenübergreifend Mitarbeitende ausgebildet, die wertvolle Fachkenntnisse in Atemwegsmanagement, manueller Defibrillation und Postreanimationsbehandlung erwerben.

Die Notfallversorgung nach einem Herzinfarkt stand im Mittelpunkt des dreitägigen Kurses am UKW. Foto: Lena Ossiander

klinikum & wir erschienen: Das ZESE im Porträt

Seit zehn Jahren gibt es am Uniklinikum Würzburg das Zentrum für Seltene Erkrankungen (ZESE). Dieses Jubiläum war der Anlass, die exzellente Einrichtung im Top-Thema des soeben erschienenen Magazins klinikum & wir genauer vorzustellen.

Titelbild des Magazins klinikum & wir
Titelbild des Magazins klinikum & wir

Würzburg. Mit dem ZESE unterstützt und koordiniert am Uniklinikum Würzburg (UKW) seit dem Jahr 2014 ein interdisziplinäres Zentrum die Patientenversorgung, Forschung und Lehre auf dem Gebiet der Seltenen Erkrankungen. Doch wann sind Krankheiten als „selten“ zu bezeichnen, welche besonderen Probleme rufen sie hervor und wie kann die Würzburger Spezialeinrichtung hier weiterhelfen? Antworten darauf gibt das Magazin der Würzburger Universitätsmedizin klinikum & wir im Top-Thema seiner gerade erschienenen Ausgabe 1/2024. 
Die 40-seitige Publikation berichtet darüber hinaus über das in neuen Räumen frisch gestartete Kinderwunschzentrum und über die Fortschritte bei der Planung einer neuen, klinikumseigenen Kita. Sie interviewt werdende Medizinische Technologinnen und Technologen und erläutert, warum der Donnerstag am UKW jetzt der „Veggie-Day“ ist. Hinzukommt ein Überblick über jüngst publizierte Forschungsergebnisse sowie anlaufende wissenschaftliche Projekte. Weitere Beiträge – zum Beispiel zu preiswürdigen Leistungen, zu Nachhaltigkeitsthemen oder zu kommenden Informations- und Sportveranstaltungen mit Klinikumsbeteiligung – machen klinikum & wir zu einer für viele Interessenslagen informativen und unterhaltsamen Lektüre. 
Neben den gedruckten Exemplaren, die an vielen öffentlich zugänglichen Stellen im Klinikum zum Mitnehmen ausliegen, gibt es klinikum & wir auch als Webmagazin unter www.ukw.de/medien-kontakt/presse/magazine
 

Mehr Sichtbarkeit für Menschen mit Autismus

Jedes Jahr wird am 2. April auf der ganzen Welt der von der UN initiierte Welt-Autismus-Tag begangen. Dieses Jahr lautet das Motto „Not invisible“ – damit Menschen mit Autismus und ihre Angehörigen in der Gesellschaft besser sichtbar werden. Das Uniklinikum Würzburg (UKW) macht auf die Autismus-Spektrum-Störung aufmerksam, stellt die Smartphone-App ProVIA-Kids vor und bewirbt die Matinée des Autismus Kompetenzzentrums Unterfranken e. V. mit dem Film „Wochenendrebellen“ am 14. April.

Collage mit Regina Taurines und Julia Geißler und Puzzleteilen in UKW-Farben.
Regina Taurines (rechts) und Julia Geißler aus der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (KJPPP) am Uniklinikum Würzburg (UKW) zum Welt-Autismus-Tag am 2. April. Die verschiedenen Puzzleteile in der Collage stehen für die große Vielfalt der Autismus-Spektrum-Störungen. © UKW

Würzburg. Autismus wird oft als nicht sichtbare Erkrankung beschrieben, unter anderem auch deshalb, weil viele Betroffene versuchen, sich ihre Besonderheiten nicht anmerken zu lassen und sie „maskieren“, um nicht negativ aufzufallen. Das möchte der internationale Welt-Autismus-Tag am 2. April mit seinem diesjährigen Motto „Not invisible“ - „Nicht unsichtbar“ ändern. 

Allein in Deutschland leben rund 800.000 Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung. Der offizielle Name sagt es: Das Spektrum der Symptome ist breit. „Nicht alle Betroffenen haben sogenannte hochfunktionale Formen, wie sie in den Medien meist gezeigt werden, wo keine kognitiven Einschränkungen bestehen und eine relativ selbstständige Lebensführung möglich ist“, sagt Privatdozentin Dr. med. Regina Taurines, stellvertretende Direktorin der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (KJPPP) am Uniklinikum Würzburg (UKW). 

Weniger Sichtbarkeit erfahren laut Regina Taurines stärker betroffene Autistinnen und Autisten, die vielleicht nie Sprache entwickeln und ihr Leben lang Unterstützung in verschiedenen Alltagssituationen benötigen. Häufig treten auch Verhaltensweisen wie zum Beispiel Fremdaggression oder Selbstverletzung auf, die das soziale Umfeld vor große Herausforderungen stellen. Die Ursachen dieses Problemverhaltens lassen sich auf Grund der eingeschränkten Kommunikationsfähigkeit der Kinder zudem oft nur schwer ermitteln, was wiederum den Handlungsspielraum der Bezugspersonen in Familie, Schule oder Wohneinrichtung im Umgang mit dem Verhalten stark einschränkt und mit Belastung und Überforderungserleben eingeht. Eben diese „Nichtsichtbarkeit“ führt immer wieder zu Ausgrenzungen in der Gesellschaft, so der Bundesverband zur Förderung von Menschen mit Autismus e.V.

Studien zur Wirksamkeit neuer Unterstützungs- und Beratungsangebote 

Die KJPPP kümmert sich im Rahmen ihrer Behandlung und Forschung daher nicht nur um die Patientinnen und Patienten, sondern auch um die Betreuungspersonen. „Problemverhalten verstehen und vorbeugen bei intellektueller Entwicklungsstörung und Autismus-Spektrum-Störungen“ ist zum Beispiel das Ziel eines neuen Projekts, das von Dr. Julia Geißler geleitet wird. Gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Pädagogik bei geistiger Behinderung und dem Lehrstuhl für Medizininformatik der Universität Würzburg entwickelt die Psychologin eine Smartphone-App zur Unterstützung von Betreuungspersonen von Kindern mit Autismus oder Intelligenzminderung, die herausforderndes Verhalten zeigen. „Unsere App ProVIA-Kids hilft beim Erkennen der individuellen Ursachen des Verhaltens und bietet geeignete verhaltenstherapeutisch und pädagogisch basierte Handlungsempfehlungen zum Umgang mit den problematischen Verhaltensweisen und zur Prävention des Verhaltens an“, erläutert Julia Geißler. Das Projekt wird vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales gefördert. 

Zentrale Beratungs- und Vernetzungsstelle

In der Spezialambulanz „Autismus“ der KJPPP erfolgt eine ausführliche Diagnostik. Bei Sicherung der Diagnose bietet das Team eine eingehende Beratung, Weichenstellung und Behandlung in enger Vernetzung mit regionalen Kooperationspartnern. „Leider sind die Wartezeiten aufgrund der hohen Nachfrage in der ambulanten kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung seit der Pandemie deutlich gestiegen“, bedauert Regina Taurines, die auch Vorstandsmitglied des Autismus Kompetenzzentrum Unterfranken ist. Der eingetragene Verein berät, informiert und vernetzt Autistinnen und Autisten, deren Angehörige sowie Institutionen und Einrichtungen, die sich mit dem Thema Autismus befassen und dafür interessieren. 

„Wochenendrebellen“ - Matinée im Kino Central mit Vater-Sohn-Autoren-Duo 

Anlässlich des WAT veranstaltet das Autismus Kompetenzzentrum Unterfranken am Sonntag, den 14. April, um 10 Uhr eine Matinée mit dem Film „Wochenendrebellen“ im Kino Central im Bürgerbräu in Würzburg. Die deutsche Tragikkomödie basiert auf der Autobiografie „Wir Wochenendrebellen“ von Mirco von Juterczenka und seinem autistischen Sohn Jason, die als besondere Gäste mit dabei sein werden und anschließend für einen persönlichen Austausch zur Verfügung stehen. 

Über Autismus-Spektrum-Störungen
Autismus-Spektrum-Störungen sind durch Beeinträchtigungen in der Sprache und dem sozialen Miteinander sowie durch umschriebene, unflexible Verhaltensweisen gekennzeichnet. Kinder mit Autismus-Spektrum-Störungen fangen häufig verspätet oder gar nicht an zu sprechen, halten kaum Blickkontakt und zeigen wenig Mimik und Gestik. Das Spielverhalten ist oft sehr einseitig. Bei der Beschäftigung mit einem Spielzeugauto sind manche Kinder mit Autismus zum Beispiel nur daran interessiert, die Räder des Autos zu drehen, anstatt mit dem Auto fantasievoll zu spielen. Sie kommen oft nur schwer in Kontakt mit Gleichaltrigen und tun sich mit Veränderungen im gewohnten Ablauf sehr schwer. Autismus-Spektrum-Störungen gehen häufig mit weiteren psychischen, aber auch körperlichen Begleiterkrankungen einher. Eltern machen sich aufgrund der meist erheblichen Entwicklungsauffälligkeiten oft große Sorgen um ihre Kinder.
 

Collage mit Regina Taurines und Julia Geißler und Puzzleteilen in UKW-Farben.
Regina Taurines (rechts) und Julia Geißler aus der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (KJPPP) am Uniklinikum Würzburg (UKW) zum Welt-Autismus-Tag am 2. April. Die verschiedenen Puzzleteile in der Collage stehen für die große Vielfalt der Autismus-Spektrum-Störungen. © UKW

Zusätzliche Belastung bei Knochenmarkkrebs

Wie sich Übergewicht und Bewegung auf die Knochengesundheit beim Multiplen Myelom auswirken

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert ein Forschungsprojekt der Universitätsmedizin Würzburg zur Auswirkung von Fettleibigkeit und mechanischer Belastung auf die Knochensubstanz beim Multiplen Myelom mit rund 645.000 Euro. Weitere 420.000 Euro erhalten die Kooperationspartner in St. Etienne und Lyon von der französischen Agence Nationale de la Recherche (ANR).

 

Die beiden Wissenschaftlerinnen Ebert und Jundt im Labor
Prof. Dr. Regina Ebert vom Lehrstuhl für Regeneration Muskuloskelettaler Gewebe (links) und Prof. Dr. Franziska Jundt von der Medizinischen Klinik und Poliklinik II untersuchen in Würzburg, wie sich Übergewicht und Bewegung auf die Knochengesundheit beim Multiplen Myelom auswirken. © Regina Ebert / Franziska Jundt

Würzburg. Oh My Bone. Der Name des neuesten Forschungsprojekts der Würzburger Professorinnen Franziska Jundt und Regina Ebert ist Programm. Es geht um Knochen (Bone), die bei der Tumorerkrankung Multiples Myelom (My) porös werden, sowie um den Einfluss von Fettleibigkeit (Obesity) und der Intensität von mechanischer Belastung (hyper-/hypo-mechanichal loading) bei der Knochenregeneration. 

„Bei der Blutkrebserkrankung Multiples Myelom greifen die bösartigen Plasmazellen im Knochenmark in den Knochenstoffwechsel ein. In der Folge bilden sich Löcher im Knochen, die zu Brüchen und massiven Schmerzen bei den Patientinnen und Patienten führen können“, erläutert Prof. Dr. Franziska Jundt, Oberärztin der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Universitätsklinikums Würzburg und Leiterin des Zentrums für das Myelom im Zentrum für Seltene Erkrankungen Nordbayern (ZESE). „Selbst wenn eine Therapie erfolgreich die Tumorzellen im Knochenmark beseitigt, bleiben die Löcher im Knochen oftmals erhalten. Es wird keine neue Knochensubstanz aufgebaut“, ergänzt Prof. Dr. Regina Ebert, Biologin am Lehrstuhl für Regeneration Muskuloskelettaler Gewebe der Julius-Maximilians-Universität Würzburg an der Orthopädischen Klinik König-Ludwig-Haus. 

Mechanische Stimulation kann Schwere einer Knochenerkrankung entgegenwirken

Doch es gibt Hoffnung. Die Wissenschaftlerinnen konnten bereits an Mäusen mit Multiplem Myelom zeigen, dass eine mechanische Stimulation dem Knochenabbau entgegenwirkt, die Knochenheilung fördert und sogar das Tumorwachstum bremsen kann. Nun wollen Franziska Jundt und Regina Ebert untersuchen, ob ein Wiederaufbau der Knochenstruktur auch dann möglich ist, wenn neben der Myelom-Knochenerkrankung eine Fettleibigkeit vorliegt. „Patientinnen und Patienten mit Multiplen Myelom und starkem Übergewicht haben ein höheres Risiko ein Multiples Myelom zu entwickeln“, weiß Franziska Jundt. „Wir wollen verstehen, wie sich die Myelom-Knochenerkrankung bei Fettleibigkeit auf die Knochen auswirkt und wie mechanische Belastung in dieser Situation helfen kann, die Krankheit zu behandeln.“

Risiko steigt mit zunehmender Adipositas und Bewegungsmangel 

Da die Zahl der Menschen mit Fettleibigkeit (Body Mass Index von 30 und höher) in den vergangenen Jahren stark gestiegen ist und weiter zunimmt - die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht von einer "Adipositas-Epidemie" - müsse man sich auch die Frage stellen, wie sich starkes Übergewicht auf die Entstehung und den Verlauf von Tumorerkrankungen generell auswirkt und ob man durch Stimulation von Muskeln und Knochen der Entwicklung und Ausbreitung von Tumorzellen im Knochen entgegenwirken kann. Auch der Bewegungsmangel ist auf einem neuen Rekordhoch (siehe Global status report on physical activity 2022). Daher interessiert die Wissenschaftlerinnen auch, wie sich ein inaktiver Lebensstil auf den Verlauf der Myelom-Erkrankung auswirkt.

Deutsch-Französische Kooperation 

Unterstützt werden sie dabei von Prof. Dr. Maura Strigini und Prof. Laurence Vico von der Université Jean Monnet in St. Etienne sowie Dr. Luciano Priola von der Université Lyon. Gemeinsam konnten sie bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG insgesamt 644.821 Euro einwerben und weitere 420.000 Euro bei der französischen Agence Nationale de la Recherche (ANR). 

Um die Mikroarchitektur des Knochens zu untersuchen und die Tumorlast zu messen verwenden die Forschenden neben Tiermodellen auch zwei- und dreidimensionale Zellkulturmodelle. In Würzburg werden momentan die für das Projekt relevanten Zellkulturmodelle aufgebaut. „Wir werden Vorläuferzellen des Knochens zu reifen Osteozyten, den mechanosensitiven Zellen des Knochens auf einer dreidimensionalen Matrix differenzieren und diese in einem Bioreaktor mechanisch stimulieren“, verdeutlicht Regina Ebert das Vorhaben.

Inaktivität vermeiden! 

Eine Empfehlung können die Wissenschaftlerinnen aber jetzt schon geben, bevor das Projekt richtig angelaufen ist: „Vermeiden Sie Inaktivität und bewegen Sie sich grundsätzlich so viel, dass Muskeln und Knochen beansprucht werden. Ideal ist es, wenn man mindestens 30 Minuten am Tag flott spazieren geht, mit dem Fahrrad fährt oder regelmäßig Krafttraining betreibt.“ 

Weitere Forschungsförderungen der DFG zum Thema Myelom-Knochenkrankheit: 

Regina Ebert und Franziska Jundt werden zudem im Schwerpunktprogramm µbone der DFG gefördert. Für ihr Projekt „Molekulare Dissektion der Signalwege, die knochenaufbauende und antitumorale Wirkungen physikalischer Stimuli bei der Myelom-Knochenkrankheit ausüben“ erhalten sie 554.000 Euro. Mit weiteren 363.589 Euro unterstützt die DFG das Projekt von Franziska Jundt mit dem Titel: „Identifizierung des frühen Fußabdrucks der Myelom-Knochenerkrankung: räumlich-zeitliche Kartierung und Quantifizierung von Biomarkern der extrazellulären Matrix in einem Mausmodell und menschlichen Knochenbiopsien.“ Und das Projekt von Regina Ebert „Molekulare und funktionelle Charakterisierung des Interfaces zwischen normalen und malignen Plasmazellen und Knochenzellen – von der Einzel-Zell-Analyse der wechselseitigen Interaktionen zu deren klinischen Implikationen für die Knochenerkrankung und das Überleben beim Multiplen Myelom“ wird von der DFG mit 310.000 Euro gefördert. 

Die beiden Wissenschaftlerinnen Ebert und Jundt im Labor
Prof. Dr. Regina Ebert vom Lehrstuhl für Regeneration Muskuloskelettaler Gewebe (links) und Prof. Dr. Franziska Jundt von der Medizinischen Klinik und Poliklinik II untersuchen in Würzburg, wie sich Übergewicht und Bewegung auf die Knochengesundheit beim Multiplen Myelom auswirken. © Regina Ebert / Franziska Jundt

Wie können Kinder beim Schreibenlernen unterstützt werden?

Einladung zu Schreibmotorik-Vortrag am UKW

Am Dienstag, 9. April 2024 referiert die Ergotherapeutin Annemarie Gräbner zum Thema „Schulvorbereitung für die Schreibmotorik“ in der Kinderklinik des Universitätsklinikums Würzburg (UKW). Die kostenlose Veranstaltung richtet sich an Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen sowie Interessierte.

Würzburg. Handschreiben gilt als Startkapital für den schulischen Erfolg, will aber gelernt sein. „Es ist gar nicht so einfach, wie es aussieht, sondern erfordert unter anderem fließende, kombinierte Fingerbewegungen und das Wissen um die bewusste Variation von Formen zu Buchstaben und Zahlen“, sagt Annemarie Gräber, Ergotherapeutin und Linkshänderberaterin aus Würzburg. Sie empfiehlt, Kinder, die bald in die Grundschule kommen, spielerisch darauf vorzubereiten und zu fördern.


Annemarie Gräbner referiert am Dienstag, 9. April 2024 um 19:30 Uhr im Hörsaal der Universitäts-Kinderklinik (Gebäude D31, Josef-Schneider-Straße 2). In der eineinhalbstündigen Veranstaltung erläutert sie das Schreibenlernen als eine Form des motorischen Lernens und stellt Handgeschicklichkeitsübungen vor, mit denen Schreibgeschwindigkeit, Schreibdruck und Schreibrhythmus trainiert werden können. 


Der Vortrag richtet sich an Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen sowie alle Interessierten und wird von der Interessengemeinschaft zur Förderung der Kinder der Würzburger Intensivstation e.V. (KIWI e.V.) ausgerichtet. 
Die Teilnahme ist kostenlos, um eine Spende an KIWI e.V. wird gebeten. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Weitere Informationen zur Veranstaltung: Tel.: 09305/1415. 

 

Spenden sind willkommen 


KIWI e.V. freut sich über jede Spende, die ausschließlich und ohne Verwaltungskosten der Versorgung der kleinen Patientinnen und Patienten sowie der Unterstützung von Eltern und des Personals der Intensivstation zugute kommt.

Spendenkonto


KIWI Interessengemeinschaft zur Förderung der Kinder der Würzburger Intensivstation e.V.
Sparkasse Mainfranken
IBAN DE91 7905 0000 0000 0262 45
BIC BYLADEM1SWU
Weiterführende Informationen zu KIWI: www.kiwiev.de 
 

Medizinische Technologien: Wäre das was für mich?

Ausbildung am UKW: Am 13. April können Schülerinnen und Schüler, Eltern und Interessierte am Uniklinikum Würzburg (UKW) zwei Ausbildungsberufe in der Radiologie und im Labor kennen lernen.

 

Poster zur Veranstaltung „Tag der offenen Tür für Medizinische Technologien“ am 13. April 2024 am Uniklinikum Würzburg. © UKW
„Tag der offenen Tür für Medizinische Technologien“ am 13. April 2024 am Uniklinikum Würzburg. © UKW
Eine Medizinische Technologin für Laboratoriumsanalytik steht in einem Labor
Medizinischen Technologinnen und Technologen für Laboratoriumsanalytik (MTL) wenden unter anderem biologische, chemische und physikalische Techniken auf der Suche nach Krankheitserregern und Abweichungen in Patientenproben, zum Beispiel in Blutproben, an. Das UKW bietet die Ausbildung jedes Jahr an. © Salih Usta / UKW

Würzburg. Zellen und Gewebe? Oder Röntgen, CT und MRT? Am Samstag, 13. April, haben Schülerinnen und Schüler, Eltern und Interessierte die Gelegenheit, Einblicke in die oft wenig bekannte Arbeitswelt von Medizinischen Technologinnen und Technologen für Laboratoriumsanalytik (MTL) und für Radiologie (MTR) zu erhalten und den Aufbau und Ablauf der beiden Ausbildungsberufe kennenzulernen. Das Würzburger Universitätsklinikum bildet gemeinsam mit der Staatlichen Berufsfachschule für Medizinische Technologie jährlich 32 MTL und 16 MTR aus. Die Ausbildung dauert jeweils drei Jahre. 

Laboratoriumsanalytik 


MTL arbeiten in einem Labor und führen selbständig biomedizinische Analyseprozesse in der Humanmedizin durch. Dabei werden biologische, chemische und physikalische Techniken auf der Suche nach Krankheitserregern und Abweichungen in Patientenproben, zum Beispiel in Blutproben, angewendet. Ferner bereiten MTL am Mikroskop Präparate aus Gewebe und Zellen zur ärztlichen Diagnostik auf. Auch bei der Erforschung neuer Diagnoseverfahren und Therapiemöglichkeiten sind die Tätigkeiten der MTL von großer Bedeutung.

Radiologie 


MTR sind in der Radiologie, der Nuklearmedizin oder der Strahlentherapie tätig. Die Fachkraft führt radiologische Untersuchungen selbstständig durch und kann überprüfen, ob die entstandenen Röntgen-, CT- oder MRT-Bilder qualitativ den Anforderungen entsprechen. In der Nuklearmedizin und in der Strahlentherapie kümmert sie sich um die technische Durchführung von Therapien. Wichtig bei all diesen Arbeiten ist der Strahlenschutz. Dessen Prinzipien beherrscht eine oder ein MTR um sich selbst, die Kolleginnen und Kollegen sowie die Patientin oder den Patienten zu schützen.

Führungen und unverbindliche Gespräche mit Ausbildungsverantwortlichen


Am Tag der offenen Tür für Medizinische Technologien können die Besucherinnen und Besucher kostenlos in die Arbeitswelt im Labor und in der Radiologie schnuppern und Aufbau und Ablauf der beiden Ausbildungsberufe kennenlernen. Es findet eine Führung durch das Zentrallabor und die Labore des Instituts für Transfusionsmedizin statt. Auch das Zentrum für Radiologie und der Schockraum, in dem die Erstversorgung und Untersuchung von Notfallpatientinnen und -patienten stattfindet, können besichtigt werden. Dabei besteht die Möglichkeit, unverbindlich mit den Ausbildungsverantwortlichen in Kontakt zu treten. Zudem gibt es eine kleine Osterüberraschung.

Anmeldung und Treffpunkt


Lehrkräfte, Auszubildende und Praxiskoordinatorinnen stehen von 11 Uhr bis 14 Uhr als Ansprechpersonen zur Verfügung. Start ist um 11:00 Uhr an der Pforte des Zentrums für Innere Medizin des UKW, Haus A3 in der Oberdürrbacher Straße 6. Um Anmeldung per E-Mail an praxisanleitungmt@ ukw.de wird gebeten.

Informationen zu den Ausbildungsberufen MTL und MTR (m, w, d,) gibt es HIER.