Aktuelle Pressemitteilungen

Schnittstellen in der kardiovaskulären Medizin

Prof. Dr. Christoph Maack ist Tagungspräsident der 90. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e. V., die vom 3. bis 6. April in Mannheim stattfindet.

Porträt von Christoph Maack
Prof. Dr. Christoph Maack, Sprecher des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz Würzburg, ist Tagungspräsident der 90. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e. V., die vom 3. bis 6. April in Mannheim stattfindet. © Daniel Peter / UKW
Folie zu den Schnittstellen in der kardiovaskulären Medizin

Würzburg/Mannheim. „Schnittstellen in der kardiovaskulären Medizin“ lautet das Kongressmotto der 90. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK). Einen Überblick über die Vielzahl an Schnittmengen gab Prof. Dr. Christoph Maack zu Beginn des dreitägigen Kongresses, dessen Vorsitz er in diesem Jahr innehat. Dem Sprecher des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI) und Leiter der Translationalen Forschung am DZHI liegen vor allem die Synergien zwischen Prävention und Umwelt am Herzen. 

Schnittstelle Mensch und Umwelt

Wer sich gesund ernährt und viel bewegt, schütze nicht nur sein Herz und Kreislaufsystem vor Erkrankungen, die hierzulande nach wie vor die Haupttodesursache sind, sondern auch die Umwelt, was sich wiederum positiv auf unsere Gesundheit auswirke. Der Kardiologe nennt hier beispielsweise die mediterrane Ernährung, die nachweislich das Risiko für Diabe-tes, Krebs und koronare Sterblichkeit senkt und gleichzeitig die globalen Treibhaus-Emissionen und den Landbedarf reduziert. Das gleiche gelte für körperliche Bewegung. Wer das Auto häufiger stehen lässt und mehr läuft und mit dem Fahrrad fährt, stärke sein Herz und könne gleichzeitig seinen CO2-Fußabdruck reduzieren. 
Christoph Maack, der selbst jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit fährt und tierische Produkte meidet, mahnt: „Die globale Erwärmung zusammen mit zunehmender Luftverschmutzung haben erheblichen Einfluss auf die Herzgesundheit. Hitze und Feinstaubbelastung können sich potenzieren und das Risiko sogar verdreifachen. Auch Lärm und Lichtverschmutzung erhöhen langfristig das Risiko. Deshalb hat die DGK die neue Task Force „Planetare Ge-sundheit“ eingerichtet, zu deren Mitglieder neben Christoph Maack auch Fabian Kerwagen vom DZHI zählt. „Auch wir Ärztinnen und Ärzte müssen uns überlegen, wie wir in Zukunft nachhaltiger und klimaneutraler arbeiten können“, bemerkt Christoph Maack. 

Schnittstelle Herz und andere Organe

Eine weitere Schnittstelle betrifft die Kommunikation des Herzens mit anderen Organen. Kardiologinnen und Kardiologen betrachten die Herzschwäche und Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht mehr als isolierte Organerkrankungen, sondern als Systemerkrankun-gen, bei denen das Herz mit anderen Organen im kommunikativen Austausch steht. Insbe-sondere in der Grundlagenforschung beschäftigt sich die Wissenschaft aktuell mit der Fra-ge, auf welche Arten das Herz mit anderen Organen kommuniziert. Dazu gehören die Hor-monaktivierung, Entzündungs- und Stoffwechselprozesse. 

Schnittstelle Metabolismus und Herz

Im metabolischen Therapieansatz geht es hauptsächlich um die Behandlung von Überge-wicht und Diabetes. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat Adipositas Anfang des Jahrtausends zur globalen Epidemie erklärt. „Für die kommenden Jahre rechnen wir mit einem Anstieg von Neuerkrankungen mit Diabetes in der Bevölkerung, als Folge des Über-gewichts“, so Maack. „Das wiederum bedeutet, dass wir uns auf mehr Fälle von Herz-schwäche mit erhaltener Pumpfunktion (HFpEF) einstellen müssen.“ Bei der HFrEF („heart failure with reduced ejection fraction“) pumpt das Herz normal, ist aber zu steif, damit sich die Herzkammern ausreichend füllen. Zu den größten Risikofaktoren zählen hier zuneh-mendes Alter, Bluthochdruck und – stärker als bei der Herzinsuffizienz mit reduzierter Pumpfunktion (HFrEF) – Übergewicht. 

Christoph Maack resümiert: „Wir werden immer stärker mit anderen Gesellschaftsbereichen und medizinischen Disziplinen zusammenarbeiten müssen, wenn wir die wachsenden Prob-leme im Bereich Herzgesundheit in den Griff bekommen wollen.“ 


Hier geht es zur ausführlichen Zusammenfassung des Vortrags von Prof. Dr. Christoph Maack auf der DGK-Seite, hier zu den Folien. 

Zahlen, Daten, Fakten: 

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache in Deutschland. Im Jahr 2022 starben mehr als 350.000 Menschen an Herz-Kreislauferkrankungen, was 34% aller Todesfälle entspricht, gefolgt von 22% Krebs und 6% Erkrankungen der Atmungsorgane. Gegenüber 2020 nahmen die Herz-Kreislauftodesfälle damit um 6% zu, während sie bei den Tumorerkrankungen konstant blieben. 
  • Zwei Dritteln aller Herzinsuffizienzfälle liegt ein vorangegangener Infarkt zugrunde. 
  • Im Schnitt sind die Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz 76 Jahre alt. Einmal pro Jahr werden sie wegen ihrer Krankheit stationär im Krankenhaus aufgenommen. Mehr als die Hälfte der Patientinnen und Patienten mit Herzschwäche haben sieben oder mehr Be-gleiterkrankungen wie Übergewicht und Diabetes, aber auch chronische Niereninsuffizienz und Blutarmut.
  • Seit den 1960ern wird eine Zunahme von Übergewicht beobachtet. Vor allem zwischen den Jahren 1980 und 2000 hat sich der Trend massiv beschleunigt. 
  • Seit den 1960er Jahren ist auch ein deutlicher Temperaturanstieg zu verzeichnen. In Würz-burg ist zum Beispiel in den letzten zwölf Jahren die Durchschnittstemperatur um 1,7 °C gestiegen.
     
Porträt von Christoph Maack
Prof. Dr. Christoph Maack, Sprecher des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz Würzburg, ist Tagungspräsident der 90. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e. V., die vom 3. bis 6. April in Mannheim stattfindet. © Daniel Peter / UKW
Folie zu den Schnittstellen in der kardiovaskulären Medizin

Tagung in Würzburg bietet Wissensgewinn und Austausch zur Kinder- und Jugendmedizin

Anfang Mai veranstaltet die Süddeutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. ihre Jahrestagung 2024 in Würzburg. Das zweitägige Programm verspricht dem interdisziplinären Fachpublikum umfangreichen Informationsgewinn und praxisnahen Austausch.

Ein Baby wir mit einem Stethoskop an der Brust abgehört
Bei der SGKJ-Jahrestagung 2024 steht erneut die bestmögliche Versorgung von Kindern und Jugendlichen im Mittelpunkt. Bild: Angie Wolf / UKW

Würzburg. Nach zweijähriger Unterbrechung findet am 3. und 4. Mai 2024 wieder die Jahrestagung der Süddeutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (SGKJ) statt. Veranstaltungsort ist dieses Jahr das Vogel Convention Center (VCC) in Würzburg. Die Tagungspräsidentschaft teilen sich Prof. Dr. Christoph Härtel, Direktor der Würzburger Universitäts-Kinderklinik, und Prof. Dr. Christian Wieg, Chefarzt der Abteilung für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin am Klinikum Aschaffenburg-Alzenau. „Die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen ist eine wichtige Basis für unsere Zukunft. Die SGKJ-Jahrestagung wird wieder eine bewährte Plattform für den Austausch zwischen Klinik und Praxis in verschiedenen Gesundheitsberufen bieten“, kündigt Prof. Härtel an. Und Gastprofessor Dr. Wieg ergänzt: „Mit dem Transfer von aktuellem Wissen zielen wir auf eine stete Verbesserung der Versorgung von Kindern und Jugendlichen ab. Dafür konnten wir Top-Spezialistinnen und -Spezialisten aus ganz Süddeutschland gewinnen.“
Zu den Schwerpunktthemen der Fachtagung gehören unter anderem die Neuro- und Sozialpädiatrie, die Kinder- und Jugendpsychiatrie, die Entzündungsmedizin, die Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin sowie die Infektiologie. Das vollständige Programm sowie eine Anmeldemöglichkeit gibt es unter https://sgkj-jahrestagung.de
 

Von Hautzellen über Stammzellen zu Nervenzellen

Wie Ablagerungen in Nervenzellen zu Schmerzen und einer gestörten Temperaturwahrnehmung bei Morbus Fabry führen.

Prof. Dr. Nurcan Üçeyler und ihrem Team ist es erstmals gelungen, aus Hautzellen von Patientinnen und Patienten mit Morbus Fabry Stammzellen herzustellen und diese in sensible Nervenzellen umzuwandeln. Mit diesen patienteneigenen Nervenzellen konnten die Forschenden neue molekulare und funktionelle Erkenntnisse gewinnen, die Hinweise auf Mechanismen geben, welche zu den für die Stoffwechselerkrankung typischen Schmerzen und Gefühlsstörungen beitragen.

Collage aus Porträts von Dr. Julia Grüner und Prof. Dr. Nurcan Üçeyler
Dr. Julia Grüner (links) und Prof. Dr. Nurcan Üçeyler haben für ihre Forschung aus Hautzellen von Patientinnen und Patienten mit Morbus Fabry Stammzellen hergestellt und diese in sensible Nervenzellen umgewandelt. © UKW
Abbildung: Sphingolipidablagerungen in Stammzellen und Nervenzellen
Die Abbildung zeigt die für Morbus Fabry charakteristischen Sphingolipidablagerungen in patienteneigenen Stammzellen und Nervenzellen. Die Ablagerungen wurden mit Hilfe eines Farbstoff-gekoppelten Toxins (STxB, Shiga-Toxin B Untereinheit, grün) sichtbar gemacht, das spezifisch an ein Sphingolipid bindet. In den Stammzellen konnten die Ablagerungen innerhalb der Lysosomen (LAMP1, Lysosom-assoziiertes Membranprotein 1, magenta) nachgewiesen werden. Auch in den Nervenzellen, die aus den Stammzellen generiert und mit Hilfe eines neuronalen Markers sichtbar gemacht wurden (Tuj1, beta-III-Tubulin, magenta), konnten die akkumulierten Sphingolipide nachgewiesen werden. Im Vergleich dazu sind sowohl Stammzellen als auch Neurone einer gesunden Kontrolle frei von Ablagerungen. Zur Darstellung der Zellkerne wurden NucO (Nuclear Orange, blau) und DAPI (4′,6-Diamidin-2-Phenylindol, blau) verwendet. Die Balken entsprechen 1 µm bei Stammzellen und 25 µm bei Neuronen. © Thomas Klein / UKW

Würzburg. Morbus Fabry ist eine seltene Stoffwechselerkrankung mit unterschiedlich ausgeprägten Symptomen, die sich im Laufe des Lebens verstärken. Zu den ersten, bereits in der Kindheit auftretenden Beschwerden zählen starke Schmerzen an Füßen und Händen. Im weiteren Verlauf kommt es bei den Betroffenen zudem zu einer gestörten Wahrnehmung von Temperaturreizen. Schuld daran ist die Störung kleinster Nervenfasern, so genannte small fibers, die mit ihren Enden in die Haut einwachsen. Die zugehörigen Nervenzellkörper befinden sich in Nervenknoten entlang der Wirbelsäule, den Spinalganglien. Informationen wie Schmerz und Temperatur werden über die Nervenfasern zu den Spinalganglien und von dort zum Rückenmark geleitet, bevor sie schließlich im Gehirn verarbeitet und interpretiert werden.

Fettverbindungen lagern sich in den Zellen ab

Bei Morbus Fabry ist diese Signalübertragung durch einen Gendefekt gestört. Bei den Betroffenen funktioniert das lebenswichtige lyosomale Enzym Alpha-Galaktosidase A nur noch teilweise oder gar nicht mehr. Dadurch können bestimmte Abfallprodukte in den Zellen nicht ausreichend abgebaut und entsorgt werden. Die Folge ist, dass sich vor allem Fettverbindungen, so genannte Sphingolipide, in den Nervenzellen, aber auch in anderen Zellen im ganzen Körper anreichern. Neben dem Nervensystem werden vor allem Organe wie Herz und Nieren geschädigt. 

Molekulare und funktionelle Erkenntnisse 

Eine, die sich seit vielen Jahren mit Schmerzen bei Morbus Fabry und der mit der Erkrankung verbundenen Kleinfaserneuropathie beschäftigt, ist Prof. Dr. Nurcan Üçeyler, leitende Oberärztin in der Neurologie des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) und Professorin für „Translationale Somatosensorik“. Sie ist zudem langjährig als Neurologin und Neurowissenschaftlerin aktives Mitglied des Würzburger Fabry-Zentrums für interdisziplinäre Therapie (FAZiT). Das FAZiT ist seit seiner Gründung im Jahr 2001 kontinuierlich zum größten Fabry-Zentrum in Deutschland gewachsen. Gemeinsam mit klinischen und wissenschaftlichen Kolleginnen und Kollegen hat Nurcan Üçeyler nun neue molekulare und funktionelle Erkenntnisse gewonnen, die erste Hinweise auf die den Schmerzen und Gefühlsstörungen zugrundeliegenden Mechanismen geben. 

Aus Hautzellen werden Stammzellen und schließlich Nervenzellen 

„In unserer Studie ist es uns erstmals gelungen, aus Hautzellen von Patienten mit Morbus Fabry induzierte pluripotente Stammzellen herzustellen, die wir in der Petrischale zu sensiblen Nervenzellen umwandeln konnten. Anhand dieser patienteneigenen Nervenzellen konnten wir zeigen, dass die Ablagerungen zu einer veränderten Aktivität der Nervenzellen führen und möglicherweise auch den Energiehaushalt in den Nervenfasern stören, was zu Schmerzen beitragen kann“, berichtet Nurcan Üçeyler. Dr. Julia Grüner, Ko-Erstautorin der Studie, fügt hinzu: „Für eine funktionierende Weiterleitung von Reizen benötigen die Nervenzellen bestimmte Kanäle, die sich öffnen sobald ein Signal die Zelle erreicht. Wir konnten in Nervenzellen von Morbus Fabry-Patienten zeigen, dass die Aktivität dieser Kanäle bei erhöhter Temperatur beeinträchtig ist. Dies könnte zu den typischen, bei Fieber einsetzenden Schmerzen und zur gestörten Temperaturwahrnehmung der Betroffenen beitragen.“
Die neurowissenschaftliche Arbeit, die nach fast neun Jahren intensiver Forschung jetzt in der Fachzeitschrift Brain Communications veröffentlicht wurde, steht auch für die besonders enge interdisziplinäre und interprofessionelle Zusammenarbeit am FAZiT, insbesondere mit dem internistischen Fachbereich. Und sie rundet das wissenschaftliche Spektrum am FAZiT ab. „Neben der anspruchsvollen klinischen und tierexperimentellen Forschung haben wir nun auch die stammzellbasierte Forschung im Portfolio, was im Bereich Neurologie und Morbus Fabry durchaus Alleinstellungscharakter hat“, so Üçeyler, die bis 2023 eine Heisenberg-Forschungsprofessur innehatte. 

Für die Neurologin und ihr Team bietet die Multisystemerkrankung Morbus Fabry zahlreiche wissenschaftliche Fragestellungen und Antworten, die sich auch auf andere neurologische Erkrankungen übertragen lassen. So könnten die hier gewonnenen Erkenntnisse Hinweise darauf geben, wie diese Mechanismen möglicherweise auch bei anderen Schmerz- und Neuropathiesyndromen ablaufen.

Wie hängen Nervenfasern und Hautzellen zusammen?

Wie geht es weiter? Die Methoden sollen weiter verfeinert werden, um ein tieferes Verständnis für die Zusammenhänge zwischen Nervenfasern und Hautzellen zu erlangen. Zudem wollen die Forschenden die Schnittstelle zwischen dem peripheren und dem zentralen Nervensystem bei Morbus Fabry auf der Ebene des Rückenmarks untersuchen, dies ebenfalls in vollständig humanen Zellkultursystemen.

Förderung

Die Studie wurde unterstützt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), sowie vom Interdisziplinären Zentrum für klinische Forschung (IZKF) der Medizinischen Fakultät der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU).

Kollaborationspartnerinnen und -partner (alphabetisch): 

  • Jan Dudek, Deutsches Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (UKW) 
  • Frank Edenhofer, ehemals Institut für Anatomie und Zellbiologie (JMU), aktuell Institut für Molekularbiologie (Universität Innsbruck)
  • Julian Fink, Institut für Organische Chemie (JMU)
  • Kevin Gauss, Medizinische Biophysik, Institut für Physiologie und Pathophysiologie (Universität Heidelberg)
  • Eva Klopocki, Institut für Humangenetik (JMU)
  • Christoph Maack, Deutsches Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (UKW)
  • Rebecca Mease, Medizinische Biophysik, Institut für Physiologie und Pathophysiologie (Universität Heidelberg)
  • Sebastian Reinhard, Lehrstuhl für Biotechnologie und Biophysik (JMU)
  • Markus Sauer, Lehrstuhl für Biotechnologie und Biophysik (JMU)
  • Jan Schlegel, ehemals Lehrstuhl für Biotechnologie und Biophysik (JMU), aktuell Department of Women’s and Children’s Health (Karolinska Institutet, Stockholm)
  • Tamara Schneider, ehemals Institut für Humangenetik (JMU), aktuell Institut für Biologie und Umweltwissenschaften (Universität Oldenburg)
  • Jürgen Seibel, Institut für Organische Chemie (JMU)
  • Erhard Wischmeyer, ehemals Physiologisches Institut (JMU), aktuell Zelluläre Neurophysiologie (Medizinische Fakultät Ostwestfalen-Lippe)

Publikation: 
Thomas Klein, Julia Grüner, Maximilian Breyer, Jan Schlegel, Nicole Michelle Schottmann, Lukas Hofmann, Kevin Gauss, Rebecca Mease, Christoph Erbacher, Laura Finke, Alexandra Klein, Katharina Klug, Franziska Karl-Schöller, Bettina Vignolo, Sebastian Reinhard, Tamara Schneider, Katharina Günther, Julian Fink, Jan Dudek, Christoph Maack, Eva Klopocki, Jürgen Seibel, Frank Edenhofer, Erhard Wischmeyer, Markus Sauer, Nurcan Üçeyler, Small fibre neuropathy in Fabry disease: a human-derived neuronal in vitro disease model and pilot data, Brain Communications, Volume 6, Issue 2, 2024, fcae095, doi.org/10.1093/braincomms/fcae095

Über das Würzburger Fabry-Zentrum für interdisziplinäre Therapie FAZiT
Die X-chromosomal vererbte Multisystemerkrankung Morbus Fabry erfordert einen interdisziplinären und interprofessionellen Ansatz, der in Würzburg seit mehr als 20 Jahren intensiv gelebt wird. Neben Nephrologie, Kardiologie und Neurologie stehen im FAZiT zahlreiche weitere Fachabteilungen vom UKW wie der Kinderklinik, kardiovaskulären Genetik, Neuroradiologie, HNO sowie Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie aber auch aus den Instituten für Humangenetik und Pathologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) für die Forschung und Behandlung zur Verfügung. FAZiT ist das größte Fabry-Zentrum in Deutschland. In seiner Spezialambulanz werden aktuell über 300 Erwachsene und Kinder betreut. Viele der Patientinnen und Patienten nehmen an Studien teil. Die krankheitsbezogenen Daten fließen sowohl in die interne Datenbank als auch in internationale Register wie etwa das weltweite Fabry Registry, welches von Würzburg aus mitgeleitet wird. So werden bei dieser sehr seltenen Erkrankung Informationen zusammengetragen, die verlässliche Aussagen über den Krankheitsverlauf der Krankheit und den Erfolg der Behandlungen ermöglichen.

Collage aus Porträts von Dr. Julia Grüner und Prof. Dr. Nurcan Üçeyler
Dr. Julia Grüner (links) und Prof. Dr. Nurcan Üçeyler haben für ihre Forschung aus Hautzellen von Patientinnen und Patienten mit Morbus Fabry Stammzellen hergestellt und diese in sensible Nervenzellen umgewandelt. © UKW
Abbildung: Sphingolipidablagerungen in Stammzellen und Nervenzellen
Die Abbildung zeigt die für Morbus Fabry charakteristischen Sphingolipidablagerungen in patienteneigenen Stammzellen und Nervenzellen. Die Ablagerungen wurden mit Hilfe eines Farbstoff-gekoppelten Toxins (STxB, Shiga-Toxin B Untereinheit, grün) sichtbar gemacht, das spezifisch an ein Sphingolipid bindet. In den Stammzellen konnten die Ablagerungen innerhalb der Lysosomen (LAMP1, Lysosom-assoziiertes Membranprotein 1, magenta) nachgewiesen werden. Auch in den Nervenzellen, die aus den Stammzellen generiert und mit Hilfe eines neuronalen Markers sichtbar gemacht wurden (Tuj1, beta-III-Tubulin, magenta), konnten die akkumulierten Sphingolipide nachgewiesen werden. Im Vergleich dazu sind sowohl Stammzellen als auch Neurone einer gesunden Kontrolle frei von Ablagerungen. Zur Darstellung der Zellkerne wurden NucO (Nuclear Orange, blau) und DAPI (4′,6-Diamidin-2-Phenylindol, blau) verwendet. Die Balken entsprechen 1 µm bei Stammzellen und 25 µm bei Neuronen. © Thomas Klein / UKW

Zum Weltgesundheitstag 2024: Gesundheit als globale gesamtgesellschaftliche Aufgabe anerkennen

Anlässlich des Gründungsdatums der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 1948 findet jährlich am 7. April der Weltgesundheitstag statt. Das Motto für 2024 lautet „Recht auf Gesundheit“. Hierzu im Folgenden einige Gedanken von Prof. Dr. August Stich. Der Leiter des Schwerpunkts Infektiologie am Uniklinikum Würzburg gilt als renommierter Tropenmediziner und beschäftigt sich unter anderem mit dem Konzept der Globalen Gesundheit.

Prof. Dr. August Stich vom Uniklinikum Würzburg sitz am Computer
Prof. Dr. August Stich vom Uniklinikum Würzburg beschäftigt sich unter anderem mit dem vergleichsweise neuen Themenfeld Globale Gesundheit (Global Health).

Auch wenn den Regierungen der einzelnen Staaten die Hauptverantwortung zukommt, muss Gesundheit als globale gesamtgesellschaftliche Aufgabe gesehen werden. Die Chancen, einen frühzeitigen Tod abzuwenden oder gravierende Krankheitsfolgen zu verringern, dürfen nicht von der Einkommenshöhe der Betroffenen, ihren persönlichen Beziehungen oder der Einsichtsfähigkeit ihrer Regierungen abhängen. 

Deutschland muss zu Verbesserung der Gesundheit in benachteiligten Weltregionen beitragen


Die Industrienationen müssen ihre eigene Verantwortung im Hinblick auf Krankheitsursachen, die in der kolonialen und neokolonialen Ausbeutung wurzeln, erkennen. Deshalb müssen wirtschaftlich privilegierte Staaten wie Deutschland einen Beitrag für die Verbesserung der Gesundheitssituation der benachteiligten Teile der Menschheit leisten. Dazu gehört sowohl die angemessene Beteiligung an der Finanzierung der Gesundheitssysteme und der gesundheitsfördernden Maßnahmen, als auch die Mitarbeit an der Überwindung von krankmachenden, ja oft todbringenden Lebensverhältnissen. Nur mit einem konsequent auf diese Grundwerte ausgerichteten Zugang kann es gelingen, den Weg heraus zu finden aus der fatalen Spirale von fehlenden Lebensperspektiven, Umweltzerstörung, sozialen Gegensätzen und gewalttätigen Konflikten, die inzwischen die Zukunft aller bedrohen.

Die Abwehr von Migrantinnen und Migranten ist die schlechteste Reaktion


Gerade auch die Hinwendung zu den Menschen, die auf der Flucht vor Gewalt und Unterdrückung ihre gesamten Existenzgrundlagen verloren haben und durch grausame Erlebnisse traumatisiert wurden, stellt ein ethisches Gebot und eine besondere Herausforderung dar. Aber auch den Menschen, die durch Abwanderung der Elendsfalle in ihrer Heimat zu entkommen suchen, müssen wir mit Verständnis und Menschlichkeit begegnen. Abwehr ist die schlechteste Reaktion, denn sie führt zwangsläufig zur Entmenschlichung der eigenen Gesellschaft und potenziert zukünftige Konflikte.

Erfolge und Defizite der globalen Gesundheitspolitik


Die Verabschiedung der Millenniums-Erklärung und der daraus abgeleiteten Millenniums-Entwicklungsziele hat die Weltgemeinschaft zu deutlich verstärkten Bemühungen angespornt, um die inhumansten Formen der Armut und die verheerendsten Gesundheitsprobleme zu vermindern. Insgesamt wurden in Entwicklungs- und Schwellenländern beeindruckende Fortschritte erzielt, auch wenn gerade die am stärksten benachteiligten Regionen und Bevölkerungsgruppen daran nur unzureichend teilhaben konnten.
Nach über zwei Jahren internationaler Konsultationen und Verhandlungen einigten sich die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen am 2. August 2015 auf die sogenannte Agenda für nachhaltige Entwicklung. Das Dokument wurde im gleichen Jahr verabschiedet. Die Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) sollen bis zum Jahr 2030 die Entwicklungsbemühungen aller Länder einschließlich der Industriestaaten leiten. Der neue Handlungsrahmen zur „Umwandlung unserer Welt“ enthält durchaus wichtige Einsichten, richtige Prinzipien und ehrgeizige Einzelziele. Diese hängen aber in der Luft, weil zahlreiche Regierungen konkrete Verpflichtungen verweigert haben, um die notwendigen Finanzmittel bereitzustellen und einen gebotenen Politikwechsel einzuleiten.

Die unzureichende Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele und aktuelle Kriege geben Grund zu Besorgnis


Die unzureichende Umsetzung von Bestrebungen zu „Mehr Gesundheit in der Einen Welt“ sehe ich mit großer Besorgnis, gerade mit dem Blick auf alle benachteiligten Menschen, die ihre Hoffnungen auf ein besseres und gesünderes Leben in das Zustandekommen und die Umsetzung einer wirklich zukunftsweisenden Agenda gesetzt haben. Hinzu kommen jetzt noch zusätzlich die aktuellen politischen Entwicklungen, insbesondere die anhaltenden furchtbaren kriegerischen Konflikte in viel zu vielen Regionen der Welt.

Erfolge in der Weltgesundheit haben einen ökologischen Preis


Doch die Erfolge bei der Bekämpfung von Kinder- und Müttersterblichkeit, die Steigerung der Impfquoten und die Verbesserung der Basisgesundheitsversorgung, generell jede Entwicklung – alles hat seinen Preis, gerade im Hinblick auf das ökologische Gleichgewicht unseres Planeten. Das neue Feld „Planetare Gesundheit“ steht für das Wohlergehen der menschlichen Zivilisation und der Systeme, von denen sie abhängt. Mehr noch als früher müssen wir uns der Verantwortung für zukünftige Generationen bewusst sein.
Gesundheit als solche kann nicht nachhaltig sein, schließlich werden wir alle sterben! Doch andererseits haben alle Menschen einen Anspruch auf eine adäquate medizinische Versorgung. Dies ist ein Menschenrecht und sollte überall auf der Welt einklagbar sein.
 

Wenn Profis von Profis lernen: Gemeinsamer Kurs zur Notfallversorgung

Fachkenntnisse wurden vertieft / Weitere Kurse folgen

Die Notfallversorgung nach einem Herzinfarkt stand im Mittelpunkt des dreitägigen Kurses am UKW. Foto: Lena Ossiander

Würzburg. Um im Notfall schnell und zielgerichtet die richtigen Maßnahmen treffen zu können, fand jetzt ein interner Notfallkurs der American Heart Association (AHA) am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) statt. Der durchgeführte ACLS-Kurs („Advanced Cardiac Life Support“) schult die Mitarbeitenden neben der Notfallversorgung nach einem Herzinfarkt in Teamarbeit und Kommunikation. „Ziel des Kurses ist es, die Patientensicherheit am Universitätsklinikum stetig weiter zu steigern“, so Manuel Hassemer (UKW), der Organisator dieses Lehrgangs. Das Besondere: Es werden nicht nur Teilnehmer ausgebildet, sondern auch Instruktoren, welche später selbst Mitarbeitende am UKW nach diesem zertifizierten Kurssystem ausbilden können.

Möglich wurde dieses Seminar durch die Unterstützung der Anästhesisten PD Dr. Hendrik Eismann und PD Dr. Markus Flentje von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). „Bei einem gemeinsamen Simulationstraining vergangenen Jahres am UKW entstand der Kontakt“, so Hassemer. Dank der Zustimmung durch Prof. Dr. Wolfgang Koppert, Klinikdirektor der Anästhesie an der MHH, konnte dieses Projekt realisiert werden. In drei Tagen bildeten die Dozenten aus Hannover zwölf Teilnehmer und sechs Instruktoren aus. Diese setzten sich aus Ärzten und Pflegefachkräften der Anästhesie und der Inneren Medizin zusammen.

Das Uniklinikum Würzburg wurde bereits 2019 vom Deutschen Rat für Wiederbelebung als Cardiac Arrest Center (CAC) zertifiziert. Ein „CAC“ ist eine Klinik, die auf die Akutbehandlung von Patienten nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand spezialisiert ist. Um Patientinnen und Patienten optimal in Notfallsituationen zu versorgen, werden am UKW in Zukunft durch weitere Kurse berufsgruppenübergreifend Mitarbeitende ausgebildet, die wertvolle Fachkenntnisse in Atemwegsmanagement, manueller Defibrillation und Postreanimationsbehandlung erwerben.

Die Notfallversorgung nach einem Herzinfarkt stand im Mittelpunkt des dreitägigen Kurses am UKW. Foto: Lena Ossiander

klinikum & wir erschienen: Das ZESE im Porträt

Seit zehn Jahren gibt es am Uniklinikum Würzburg das Zentrum für Seltene Erkrankungen (ZESE). Dieses Jubiläum war der Anlass, die exzellente Einrichtung im Top-Thema des soeben erschienenen Magazins klinikum & wir genauer vorzustellen.

Titelbild des Magazins klinikum & wir
Titelbild des Magazins klinikum & wir

Würzburg. Mit dem ZESE unterstützt und koordiniert am Uniklinikum Würzburg (UKW) seit dem Jahr 2014 ein interdisziplinäres Zentrum die Patientenversorgung, Forschung und Lehre auf dem Gebiet der Seltenen Erkrankungen. Doch wann sind Krankheiten als „selten“ zu bezeichnen, welche besonderen Probleme rufen sie hervor und wie kann die Würzburger Spezialeinrichtung hier weiterhelfen? Antworten darauf gibt das Magazin der Würzburger Universitätsmedizin klinikum & wir im Top-Thema seiner gerade erschienenen Ausgabe 1/2024. 
Die 40-seitige Publikation berichtet darüber hinaus über das in neuen Räumen frisch gestartete Kinderwunschzentrum und über die Fortschritte bei der Planung einer neuen, klinikumseigenen Kita. Sie interviewt werdende Medizinische Technologinnen und Technologen und erläutert, warum der Donnerstag am UKW jetzt der „Veggie-Day“ ist. Hinzukommt ein Überblick über jüngst publizierte Forschungsergebnisse sowie anlaufende wissenschaftliche Projekte. Weitere Beiträge – zum Beispiel zu preiswürdigen Leistungen, zu Nachhaltigkeitsthemen oder zu kommenden Informations- und Sportveranstaltungen mit Klinikumsbeteiligung – machen klinikum & wir zu einer für viele Interessenslagen informativen und unterhaltsamen Lektüre. 
Neben den gedruckten Exemplaren, die an vielen öffentlich zugänglichen Stellen im Klinikum zum Mitnehmen ausliegen, gibt es klinikum & wir auch als Webmagazin unter www.ukw.de/medien-kontakt/presse/magazine
 

Mehr Sichtbarkeit für Menschen mit Autismus

Jedes Jahr wird am 2. April auf der ganzen Welt der von der UN initiierte Welt-Autismus-Tag begangen. Dieses Jahr lautet das Motto „Not invisible“ – damit Menschen mit Autismus und ihre Angehörigen in der Gesellschaft besser sichtbar werden. Das Uniklinikum Würzburg (UKW) macht auf die Autismus-Spektrum-Störung aufmerksam, stellt die Smartphone-App ProVIA-Kids vor und bewirbt die Matinée des Autismus Kompetenzzentrums Unterfranken e. V. mit dem Film „Wochenendrebellen“ am 14. April.

Collage mit Regina Taurines und Julia Geißler und Puzzleteilen in UKW-Farben.
Regina Taurines (rechts) und Julia Geißler aus der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (KJPPP) am Uniklinikum Würzburg (UKW) zum Welt-Autismus-Tag am 2. April. Die verschiedenen Puzzleteile in der Collage stehen für die große Vielfalt der Autismus-Spektrum-Störungen. © UKW

Würzburg. Autismus wird oft als nicht sichtbare Erkrankung beschrieben, unter anderem auch deshalb, weil viele Betroffene versuchen, sich ihre Besonderheiten nicht anmerken zu lassen und sie „maskieren“, um nicht negativ aufzufallen. Das möchte der internationale Welt-Autismus-Tag am 2. April mit seinem diesjährigen Motto „Not invisible“ - „Nicht unsichtbar“ ändern. 

Allein in Deutschland leben rund 800.000 Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung. Der offizielle Name sagt es: Das Spektrum der Symptome ist breit. „Nicht alle Betroffenen haben sogenannte hochfunktionale Formen, wie sie in den Medien meist gezeigt werden, wo keine kognitiven Einschränkungen bestehen und eine relativ selbstständige Lebensführung möglich ist“, sagt Privatdozentin Dr. med. Regina Taurines, stellvertretende Direktorin der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (KJPPP) am Uniklinikum Würzburg (UKW). 

Weniger Sichtbarkeit erfahren laut Regina Taurines stärker betroffene Autistinnen und Autisten, die vielleicht nie Sprache entwickeln und ihr Leben lang Unterstützung in verschiedenen Alltagssituationen benötigen. Häufig treten auch Verhaltensweisen wie zum Beispiel Fremdaggression oder Selbstverletzung auf, die das soziale Umfeld vor große Herausforderungen stellen. Die Ursachen dieses Problemverhaltens lassen sich auf Grund der eingeschränkten Kommunikationsfähigkeit der Kinder zudem oft nur schwer ermitteln, was wiederum den Handlungsspielraum der Bezugspersonen in Familie, Schule oder Wohneinrichtung im Umgang mit dem Verhalten stark einschränkt und mit Belastung und Überforderungserleben eingeht. Eben diese „Nichtsichtbarkeit“ führt immer wieder zu Ausgrenzungen in der Gesellschaft, so der Bundesverband zur Förderung von Menschen mit Autismus e.V.

Studien zur Wirksamkeit neuer Unterstützungs- und Beratungsangebote 

Die KJPPP kümmert sich im Rahmen ihrer Behandlung und Forschung daher nicht nur um die Patientinnen und Patienten, sondern auch um die Betreuungspersonen. „Problemverhalten verstehen und vorbeugen bei intellektueller Entwicklungsstörung und Autismus-Spektrum-Störungen“ ist zum Beispiel das Ziel eines neuen Projekts, das von Dr. Julia Geißler geleitet wird. Gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Pädagogik bei geistiger Behinderung und dem Lehrstuhl für Medizininformatik der Universität Würzburg entwickelt die Psychologin eine Smartphone-App zur Unterstützung von Betreuungspersonen von Kindern mit Autismus oder Intelligenzminderung, die herausforderndes Verhalten zeigen. „Unsere App ProVIA-Kids hilft beim Erkennen der individuellen Ursachen des Verhaltens und bietet geeignete verhaltenstherapeutisch und pädagogisch basierte Handlungsempfehlungen zum Umgang mit den problematischen Verhaltensweisen und zur Prävention des Verhaltens an“, erläutert Julia Geißler. Das Projekt wird vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales gefördert. 

Zentrale Beratungs- und Vernetzungsstelle

In der Spezialambulanz „Autismus“ der KJPPP erfolgt eine ausführliche Diagnostik. Bei Sicherung der Diagnose bietet das Team eine eingehende Beratung, Weichenstellung und Behandlung in enger Vernetzung mit regionalen Kooperationspartnern. „Leider sind die Wartezeiten aufgrund der hohen Nachfrage in der ambulanten kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung seit der Pandemie deutlich gestiegen“, bedauert Regina Taurines, die auch Vorstandsmitglied des Autismus Kompetenzzentrum Unterfranken ist. Der eingetragene Verein berät, informiert und vernetzt Autistinnen und Autisten, deren Angehörige sowie Institutionen und Einrichtungen, die sich mit dem Thema Autismus befassen und dafür interessieren. 

„Wochenendrebellen“ - Matinée im Kino Central mit Vater-Sohn-Autoren-Duo 

Anlässlich des WAT veranstaltet das Autismus Kompetenzzentrum Unterfranken am Sonntag, den 14. April, um 10 Uhr eine Matinée mit dem Film „Wochenendrebellen“ im Kino Central im Bürgerbräu in Würzburg. Die deutsche Tragikkomödie basiert auf der Autobiografie „Wir Wochenendrebellen“ von Mirco von Juterczenka und seinem autistischen Sohn Jason, die als besondere Gäste mit dabei sein werden und anschließend für einen persönlichen Austausch zur Verfügung stehen. 

Über Autismus-Spektrum-Störungen
Autismus-Spektrum-Störungen sind durch Beeinträchtigungen in der Sprache und dem sozialen Miteinander sowie durch umschriebene, unflexible Verhaltensweisen gekennzeichnet. Kinder mit Autismus-Spektrum-Störungen fangen häufig verspätet oder gar nicht an zu sprechen, halten kaum Blickkontakt und zeigen wenig Mimik und Gestik. Das Spielverhalten ist oft sehr einseitig. Bei der Beschäftigung mit einem Spielzeugauto sind manche Kinder mit Autismus zum Beispiel nur daran interessiert, die Räder des Autos zu drehen, anstatt mit dem Auto fantasievoll zu spielen. Sie kommen oft nur schwer in Kontakt mit Gleichaltrigen und tun sich mit Veränderungen im gewohnten Ablauf sehr schwer. Autismus-Spektrum-Störungen gehen häufig mit weiteren psychischen, aber auch körperlichen Begleiterkrankungen einher. Eltern machen sich aufgrund der meist erheblichen Entwicklungsauffälligkeiten oft große Sorgen um ihre Kinder.
 

Collage mit Regina Taurines und Julia Geißler und Puzzleteilen in UKW-Farben.
Regina Taurines (rechts) und Julia Geißler aus der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (KJPPP) am Uniklinikum Würzburg (UKW) zum Welt-Autismus-Tag am 2. April. Die verschiedenen Puzzleteile in der Collage stehen für die große Vielfalt der Autismus-Spektrum-Störungen. © UKW