Aktuelle Pressemitteilungen

Personalia vom 3. September 2024 +++ Wir gratulieren!

Hier lesen Sie Neuigkeiten aus dem Bereich Personal: Neueinstellungen, Dienstjubiläen, Forschungsfreisemester und mehr.

Dr. Jochen Frietsch, Oberarzt, Zentrum für allogene Stammzellentherapie der Medizinischen Klinik und Poliklinik II, wurde mit Wirkung vom 23.07.2024 die Lehrbefugnis für das Fachgebiet Innere Medizin erteilt.

Dr. Miguel Goncalves, Oberarzt, Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, plastische und ästhetische Operationen, wurde mit Wirkung vom 23.07.2024 die Lehrbefugnis für das Fachgebiet Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde erteilt.

Dr. Maike Scherf-Clavel, wissenschaftliche Mitarbeiterin, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Universitätsklinikums Würzburg, wurde mit Wirkung vom 17.07.2024 die Lehrbefugnis für das Fachgebiet Klinische Neurochemie erteilt.

Dr. Sebastian Serfling, Leitender Oberarzt, Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin, wurde mit Wirkung vom 19.08.2024 die Lehrbefugnis für das Fachgebiet „Nuklearmedizin“ erteilt.

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 03.09.2024

Chemiker Lutz Nuhn mit Young Scientist Award ausgezeichnet

Für seine Arbeiten an Nanopartikeln, die medizinische Wirkstoffe gezielt durch den Körper transportieren, erhielt Chemieprofessor Lutz Nuhn einen Preis für herausragende jüngere Forschende.

Professor Lutz Nuhn (links) erhielt den Hanwha-TotalEnergies IUPAC Young Scientist Award 2024 zusammen mit Professorin Rongrong Hu (Mitte) aus den Händen von Professor Igor Lacik (rechts), Präsident der IUPAC Polymer-Division
Professor Lutz Nuhn (links) erhielt den Hanwha-TotalEnergies IUPAC Young Scientist Award 2024 zusammen mit Professorin Rongrong Hu (Mitte) aus den Händen von Professor Igor Lacik (rechts), Präsident der IUPAC Polymer-Division. (Bild: IUPAC Polymer Division)

Biologisch abbaubare Nanopartikel aus Polymeren entwickeln, sie mit Arzneistoffen beladen und auf die Reise in den menschlichen Körper schicken, damit sie Erkrankungen gezielter bekämpfen: Auf diesem Gebiet forscht Professor Lutz Nuhn, Leiter des Lehrstuhls für Makromolekulare Chemie am Institut für Funktionsmaterialien und Biofabrikation der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg.

Für seine innovativen Strategien zur Synthese solcher Nanopartikel wurde der 39-jährige Wissenschaftler nun ausgezeichnet: Er erhielt, gemeinsam mit Professorin Rongrong Hu von der South China University of Technology, den Hanwha-TotalEnergies IUPAC Young Scientist Award 2024.

Für Nachwuchstalente aus der Polymerchemie

Der Preis wird alle zwei Jahre beim World Polymer Congress der IUPAC (International Union of Pure and Applied Chemistry) an Nachwuchstalente der Polymerchemie aus der ganzen Welt vergeben. Lutz Nuhn und Rongrong Hu bekamen ihn Anfang Juli 2024 im Rahmen der IUPAC-Tagung Macro2024 in Warwick (England) überreicht.

Mit dem Preis würdigt die IUPAC Polymer-Division Lutz Nuhns Errungenschaften in der Herstellung bioabbaubarer Wirkstoffträger, mit denen sich gezielt Immunzellen ansteuern lassen, um darüber Immunreaktionen, zum Beispiel gegen Krebs, hervorzurufen.

Center of Polymers for Life im Aufbau

An der JMU ist Lutz Nuhn in Zusammenarbeit mit Professor Jürgen Groll maßgeblich am Aufbau des „Center of Polymers for Life“ beteiligt, das voraussichtlich 2025 auf dem Hubland-Campus eröffnet wird. Das Zentrum soll die Spitzenforschung in der Polymerwissenschaft und deren Anwendungen in den Lebenswissenschaften weiter vorantreiben.

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 03.09.2024

Professor Lutz Nuhn (links) erhielt den Hanwha-TotalEnergies IUPAC Young Scientist Award 2024 zusammen mit Professorin Rongrong Hu (Mitte) aus den Händen von Professor Igor Lacik (rechts), Präsident der IUPAC Polymer-Division
Professor Lutz Nuhn (links) erhielt den Hanwha-TotalEnergies IUPAC Young Scientist Award 2024 zusammen mit Professorin Rongrong Hu (Mitte) aus den Händen von Professor Igor Lacik (rechts), Präsident der IUPAC Polymer-Division. (Bild: IUPAC Polymer Division)

UKW öffnet historischen Turm des Heizkraftwerks zum Tag des offenen Denkmals am 8. September

Aufstieg auf 50 Meter in Kleingruppen von 10 bis 17 Uhr / Informationen zu technischen Berufen am UKW

Zum Tag des offenen Denkmals am 8. September kann der Turm des Heizkraftwerks am Universitätsklinikum Würzburg in Kleingruppen bestiegen werden.
Zum Tag des offenen Denkmals am 8. September kann der Turm des Heizkraftwerks am Universitätsklinikum Würzburg in Kleingruppen bestiegen werden. Foto: UKW / R. Wenzl

Würzburg. Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 8. September, öffnet das Universitätsklinikum Würzburg (UKW) den historischen Turm des Heizkraftwerks. Von 10 bis 17 Uhr sind begleitete Turmbesteigungen in Kleingruppen möglich. Zudem informiert das UKW vor Ort über die vielfältigen technischen Berufe und Ausbildungsmöglichkeiten im Geschäftsbereich Technik und Bau, z.B. als Schlosser, Elektriker oder Installateur.

162 Stufen zur Aussichtsplattform 

Das Heizkraftwerk des Uniklinikums Würzburg ging 1915 in Betrieb. Der markante historische 65 Meter hohe Abgaskamin des Heizkraftwerks auf dem Klinikgelände an der Josef-Schneider-Straße kann durchaus als „inoffizielles Wahrzeichen“ des Uniklinikums Würzburg gelten und ist eine markante Ortsmarke in Würzburg. Von 1999 bis 2001 wurde der Kamin umfangreich saniert. Auch heute dient er noch als Abgaskamin, bis in der 1960er Jahre wurde der Turm zudem als Wasserhochbehälter genutzt.

Die Turmbesteigungen erfolgen in Kleingruppen je nach Besucheraufkommen. So kann jeder, der sich fit genug fühlt, am 8. September auch die 162 Stufen bis zur Aussichtsplattform des historischen Abgaskamins besteigen. Aus gut 50 Metern Höhe bietet sich eine ungewöhnliche Perspektive auf Würzburg.

Termin:

Sonntag, 8. September, 10 bis 17 Uhr

Ort: Universitätsklinikum Würzburg, Josef-Schneider-Straße, Gebäude D 11 („Alt-Campus“)

Hinweis zur Anfahrt: In direkter Nähe des UKW-Heizkraftwerks stehen keine Parkplätze zur Verfügung. Bei Anfahrt mit dem PKW bitte die weiteren kostenpflichtigen Parkplätze auf dem Klinikgelände nutzen oder alternativ die Anfahrt mit dem ÖPNV planen und dann zu Fuß zum Turm gehen.
 

Zum Tag des offenen Denkmals am 8. September kann der Turm des Heizkraftwerks am Universitätsklinikum Würzburg in Kleingruppen bestiegen werden.
Zum Tag des offenen Denkmals am 8. September kann der Turm des Heizkraftwerks am Universitätsklinikum Würzburg in Kleingruppen bestiegen werden. Foto: UKW / R. Wenzl

Schilddrüseninfotag mit kostenlosen Ultraschalluntersuchungen

Die Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin des Uniklinikums Würzburg lädt am Samstag, den 12. Oktober 2024 Patientinnen und Patienten, deren Angehörige sowie alle sonstig Interessierten zu einem Infotag rund um Erkrankungen der Schilddrüse ein. Zum Angebot gehören auch kostenlose Schilddrüsen-Ultraschalluntersuchungen.

Um beim von der Klinik für Nuklearmedizin organisierten Schilddrüseninfotag dabei zu sein, ist eine Anmeldung per E-Mail erforderlich.
Um beim von der Klinik für Nuklearmedizin organisierten Schilddrüseninfotag dabei zu sein, ist eine Anmeldung per E-Mail erforderlich. © Katrin Heyer / UKW
Das Team der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin des Uniklinikums Würzburg. Beim Schilddrüseninfotag bringen weitere medizinische Fachrichtungen ihr Know-how ein.
Das Team der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin des Uniklinikums Würzburg. Beim Schilddrüseninfotag bringen weitere medizinische Fachrichtungen ihr Know-how ein. © Katrin Heyer / UKW

Würzburg. Am Samstag, den 12. Oktober 2024 stehen am Uniklinikum Würzburg (UKW) die Diagnostik und Therapie von gut- und bösartigen Schilddrüsenerkrankungen im Mittelpunkt: Die Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin lädt alle Interessierten zu einem kostenlosen Infotag um 10:00 Uhr in den Hörsaal des Zentrums für Innere Medizin an der Oberdürrbacher Straße ein. Experten aus verschiedenen medizinischen Fachrichtungen geben dort in laienverständlichen Kurzvorträgen Antworten auf Fragen wie: Was tun bei vergrößerter Schilddrüse mit Knoten? Wie lassen sich Über- und Unterfunktion der Schilddrüse erkennen und behandeln? Wann ist eine Operation erforderlich, wie läuft diese ab? Und wie sieht eine nuklearmedizinische Therapie aus? 

An den etwa zweistündigen Vortragsblock anschließend bietet die Klinik für Nuklearmedizin bis 14:00 Uhr auf Wunsch kostenlose Schilddrüsen-Ultraschalluntersuchungen an.
Für die Teilnahme am Schilddrüseninfotag 2024 wichtig ist eine Anmeldung bis spätestens 30. September unter E-Mail: selbsthilfe@ ukw.de

Über die Schilddrüse

Die Schilddrüse beeinflusst entscheidend das Herz-Kreislaufsystem, die Verdauung, den Stoffwechsel, die Nerven und das Gehirn. Wenn die wichtige Steuerzentrale nicht richtig funktioniert, kann dies viele Gesundheitsprobleme auslösen. In Deutschland werden jedes Jahr rund 70.000 Menschen an der Schilddrüse operiert, etwa 25.000 Patientinnen und Patienten erhalten eine Radiojodtherapie. In vielen Fällen ist es jedoch auch möglich, von der Schilddrüse verursachte Beschwerden mit Medikamenten effektiv zu behandeln. 
 

Text: Pressestelle / UKW

Um beim von der Klinik für Nuklearmedizin organisierten Schilddrüseninfotag dabei zu sein, ist eine Anmeldung per E-Mail erforderlich.
Um beim von der Klinik für Nuklearmedizin organisierten Schilddrüseninfotag dabei zu sein, ist eine Anmeldung per E-Mail erforderlich. © Katrin Heyer / UKW
Das Team der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin des Uniklinikums Würzburg. Beim Schilddrüseninfotag bringen weitere medizinische Fachrichtungen ihr Know-how ein.
Das Team der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin des Uniklinikums Würzburg. Beim Schilddrüseninfotag bringen weitere medizinische Fachrichtungen ihr Know-how ein. © Katrin Heyer / UKW

Thrombozyten im Griff: Wie sich Herz und Hirn nach einem Infarkt effektiver schützen lassen

Neuer hochwirksamer Thrombosehemmer in Sicht

Würzburger präsentieren vielversprechenden GPVI-Inhibitor EMA601 zur effizienten Prävention und Behandlung arterieller Thrombosen und Entzündungsreaktionen ohne erhöhtes Blutungsrisiko

 

Mikroskopisches Bild von Blutgerinnseln bei Mäusen
Mikroskopie ermöglicht die Visualisierung der Thrombusbildung in Mausarteriolen. Das linke Bild zeigt eine humanisierte GP6 (hGP6tg/tg) Kontrollmaus, bei der ein Gerinnsel (grün) das gesamte Gefäß blockiert. Im Gegensatz dazu verschließen die Thrombozyten bei der mit EMA601 behandelten hGP6tg/tg-Maus die Verletzung, bilden jedoch keinen verstopfenden Thrombus. © Experimentelle Biomedizin I
Prof. Dr. Bernhard Nieswandt im schwarzen Jacket steht links neben dem sitzenden Dr. Stefano Navarrro im weißen Kittel, im Hintergrund ein Monitor
Prof. Dr. Bernhard Nieswandt (links) und Dr. Stefano Navarro im Labor des Rudolf-Virchow-Zentrums. © Kerstin Siegmann / Experimentelle Biomedizin I

Würzburg. Ein ungesunder Lebensstil, Krankheiten oder Verletzungen, genetische Veranlagung sowie eine erhöhte Gerinnungsneigung können die Bildung von Thromben in den Blutgefäßen begünstigen. Diese Gerinnsel behindern den Blutfluss zu lebenswichtigen Organen. Ein Infarkt droht. Die Vorbeugung und Behandlung von Thrombosen ist daher entscheidend, um schwerwiegende Komplikationen zu vermeiden. 
Prof. Dr. Bernhard Nieswandt, Leiter des Lehrstuhls für Experimentelle Biomedizin I am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) und Forschungsgruppenleiter am Rudolf-Virchow-Zentrum (RVZ) der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) veröffentlichte jetzt mit seinem Team im European Heart Journal, eine Studie zu einem neuen, hochwirksamen und gleichzeitig sehr nebenwirkungsarmen antithrombotischen Wirkstoff, der breite therapeutische Anwendung finden könnte. Das European Heart Journal ist die weltweit führende Fachzeitschrift auf dem Gebiet der Herz-Kreislauf-Forschung.

Oberflächenrezeptor GPVI spielt Schlüsselrolle bei der Aktivierung und Aggregation von Blutplättchen 

Bernhard Nieswandt beschäftigt sich seit Beginn seiner wissenschaftlichen Laufbahn mit Thrombozyten, auch bekannt als Blutplättchen, und hat auf diesem Gebiet Pionierarbeit geleistet. Vor 25 Jahren beschrieb er erstmalig die Funktion des Rezeptors Glykoprotein VI, kurz GPVI, der ausschließlich in Thrombozyten und ihren Vorläuferzellen im Knochenmark zu finden ist. Dieser Oberflächenrezeptor ist vor allem für die Bindung von Kollagen an der verletzten Gefäßwand verantwortlich, was die Aktivierung und Aggregation, also das Verklumpen der Blutplättchen auslöst. So können die kleinen kernlosen Zellen, die nur einen Tausendstel Millimeter groß sind, und von denen wir etwa 250 Millionen in jedem Milliliter Blut haben, ihre zentrale Rolle bei der Hämostase erfüllen, und die Blutungen nach Verletzungen stillen. Eine übermäßige Aktivierung von GPVI kann jedoch zur Bildung krankhafter Thromben und damit zu Gefäßverschlüssen sowie akut bedrohlichen Ereignissen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall führen. Darüber hinaus sind Thrombozyten maßgeblich an Entzündungsreaktionen beteiligt und auch hier ist GPVI von zentraler Bedeutung.

„Die Würzburger Forschungsarbeiten der vergangenen 25 Jahre zeigten eindrücklich, dass GPVI eine vielversprechende Zielstruktur für anti-thrombotische und anti-entzündliche Therapien ist und legten damit das Fundament für die Entwicklung und klinische Erprobung von GPVI-Inhibitoren“, erklärt Bernhard Nieswandt. Der Biologe entdeckte einen Mechanismus, mit dem GPVI sowohl gehemmt als auch ausgeschaltet werden kann. Ein erstes Medikament, der GPVI-Hemmer ACT017/Glenzocimab, wurde inzwischen von einer französischen Forschungsgruppe - basierend auf der Grundlagenforschung der Würzburger Universitätsmedizin - in die klinische Phase III gebracht: „Erste klinische Daten mit diesem GPVI-Hemmer bei  Schlaganfallpatientinnen und -patienten, die kürzlich veröffentlicht wurden, waren sehr vielversprechend und deuten darauf hin, dass dieser therapeutische Ansatz im Menschen funktionieren kann“, sagt Bernhard Nieswandt. 

Auch sein Team hat einen GPVI-blockierenden Antikörper entwickelt, der in seiner Wirksamkeit die bisherigen Wirkstoffe weit übertrifft, sogar bei sehr niedrigen Dosen, und dabei gleichzeitig das Blutungsrisiko nicht erhöht. „Unser Antikörper ist um den Faktor 50 potenter als die bislang beschriebenen GPVI-Inhibitoren und dürfte daher eine höhere klinische Wirksamkeit und breitere Einsatzmöglichkeiten haben“, meint Bernhard Nieswandt. 

Late-Breakthrough-Abstract auf dem ISTH-Kongress in Bangkok

Entwickelt wurde der GPVI-Inhibitor EMA601 von der unterfränkischen Biotech-Firma EMFRET Analytics, die Bernhard Nieswandt einst mitbegründete. Funktionell untersucht wurde EMA601 von Forschenden des UKW, des RVZ und der JMU, allen voran Dr. Stefano Navarro. Er analysierte im Rahmen seiner Doktorarbeit sowohl Antikörperfragmente von Mäusen als auch humanisierte Antikörper in vitro und in vivo und fungiert als Erstautor der Publikation. Seine Ergebnisse stellte der Wissenschaftler bereits als Late-Breakthrough-Presentation auf dem ISTH-Kongress (Congress of the International Society on Thrombosis and Haemostasis) im Juni in Bangkok (Thailand) vor. Stefano Navarros Fazit: "EMA601 ist ein konzeptionell neuartiger und vielversprechender Wirkstoff zur Behandlung und Sekundärprophylaxe von Blutgerinnseln, um Infarkte zu verhindern, aber auch zur Unterdrückung von Entzündungsprozessen, die durch Blutplättchen verursacht werden und lebenswichtige Organe schädigen können.“

Bernhard Nieswandt erklärt die klinischen Hintergründe: „Sekundärprophylaxe bedeutet am Beispiel eines Schlaganfalls, dass nach erfolgreicher Entfernung des Embolus, der ins Hirn gewandert ist und die Blutversorgung unterbrochen hat, noch die Quelle des Embolus antithrombotisch behandelt werden muss. Doch selbst wenn der Blutfluss nach einem Infarkt in Herz oder Hirn wiederhergestellt wurde, können die Blutplättchen als Modulatoren des Immunsystems immer noch Entzündungen vorantreiben und Gewebeschädigungen begünstigen.“ Für diese Entzündungsprozesse wurde in Würzburg der Begriff Thrombo-Inflammation geprägt. 

Ein weiterer wesentlicher Vorteil des Antikörpers EMA601 ist, dass er die normale Blutgerinnung nicht zu beeinträchtigen scheint, während herkömmliche antithrombotische Wirkstoffe, die derzeit klinisch eingesetzt werden, mit einer erhöhten Blutungsneigung einhergehen. Bernhard Nieswandt: „In der Neurologie sehen unsere Kolleginnen und Kollegen immer noch eine beträchtliche Anzahl von Patientinnen und Patienten, deren Herzinfarkt kardiologisch gut behandelt wurde, bei denen aber plötzlich eine Hirnblutung auftritt. Auch für diese klinische Situation könnte der GPVI-Hemmer ein großer Fortschritt sein.“

Publikation: 
Stefano Navarro, Ivan Talucci, Vanessa Göb, Stefanie Hartmann, Sarah Beck, Valerie Orth, Guido Stoll, Hans M Maric, David Stegner, Bernhard Nieswandt, The humanized platelet glycoprotein VI Fab inhibitor EMA601 protects from arterial thrombosis and ischaemic stroke in mice, European Heart Journal, 2024;, ehae482, https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehae482

Hier finden Sie die die englische Version der Pressemitteilung.

Text: Kirstin Linkamp / UKW

Exzellenter wissenschaftlicher Nachwuchs für die Blutkrebsforschung

Max Köppel vom Universitätsklinikum Würzburg (UKW) erhält ein José Carreras-DGHO-Promotionsstipendium in Höhe von 12.400 Euro für die Entwicklung von Zellkulturmodellen zur Untersuchung von CAR-T-Zelltherapie-induzierten Leukämien bei Patientinnen und Patienten mit Multiplem Myelom.

Max Köppel im Labor
Im Rahmen seiner von der José Carreras Leukämie-Stiftung geförderten Promotion simuliert Max Köppel von der AG Waldschmidt am Uniklinikum Würzburg mit Hilfe innovativer Labormodelle, wie von CAR-T-Zelltherapie-induzierte myeloische Neoplasien bei Patientinnen und Patienten mit Multiplem Myelom entstehen. © Shilpa Kurian / UKW

Würzburg. In den letzten Jahren hat sich die Prognose von Krebspatientinnen und Krebspatienten durch den Einsatz von Immuntherapien deutlich verbessert. Vor allem bei der Behandlung von Blut- und Knochenmarkkrebs gelten Immuntherapien mit T-Zell-aktivierenden (bispezifischen) oder mit genetisch veränderten T-Zellen, so genannten CAR-T-Zellen, als große Hoffnungsträger. Trotz ihrer beachtlichen Wirksamkeit ist insbesondere die Therapie mit CAR-modifizierten Immunzellen weiterhin ein junges Therapieverfahren, dessen Nebenwirkungen noch nicht vollständig verstanden sind. Hier setzt Max Köppel von der AG Waldschmidt aus der Medizinischen Klinik und Poliklinik II mit seiner Doktorarbeit an, der er sich dank eines José Carreras-DGHO-Promotionsstipendiums in Höhe von 12.400 Euro nun ein Jahr lang in Vollzeit widmen kann. Der Titel seiner Arbeit lautet: „CARTCHIP - Entwicklung präklinischer Zellkulturmodelle zur Charakterisierung von CAR-T assoziierten Leukämien bei Patienten mit Multiplem Myelom“.

Wirkung und Nebenwirkungen von Anti-BCMA CAR-T-Zellen 

Beim Multiplen Myelom - nach der Leukämie die zweithäufigste Blutkrebserkrankung, bei der verschiedene bösartige Tumorherde im Knochenmark auftreten - werden häufig sogenannte Anti-BCMA-CAR-T-Zellen eingesetzt. CAR steht für den chimären Antigenrezeptor, mit dem die weißen Blutkörperchen des Immunsystems, die körpereigenen T-Zellen, im Labor ausgestattet werden, damit sie die Tumorzellen im Körper besser aufspüren und angreifen können. BCMA ist ein Protein, das auf der Oberfläche von Plasmazellen vorkommt, einschließlich derer, die beim Multiplen Myelom bösartig werden. Anti-BCMA-CAR-T-Zellen sind so programmiert, dass sie das BCMA-Protein auf den Krebszellen des Multiplen Myeloms erkennen und zerstören. 

Neuere Studien haben jedoch gezeigt, dass Patientinnen und Patienten mit Multiplem Myelom, die mit Anti-BCMA-CAR-T-Zellen behandelt werden, ein erhöhtes Risiko haben, therapiebedingte myeloische Neoplasien zu entwickeln. Auch andere Faktoren wie das Alter oder eine langjährige Behandlung mit sogenannten alkylierenden Chemotherapeutika können die Entstehung von Zweittumoren bei Patientinnen und Patienten mit Multiplem Myelom begünstigen. Alkylierende Chemotherapeutika wirken, indem sie die Struktur der DNA in den Krebszellen verändern und so deren Vermehrung und Wachstum hemmen. 

Zellkulturmodelle zur Charakterisierung CAR-T-assoziierten Leukämien

„In meinem Forschungsprojekt möchte ich mit Hilfe innovativer Labormodelle simulieren, wie solche myeloischen Neoplasien entstehen“, erklärt Max Köppel. „Mein Ziel ist es, das Risiko für das Auftreten von hämatologischen Zweitneoplasien nach einer CAR-T-Zelltherapie besser abschätzen zu können und damit zu einem noch sichereren Einsatz dieser hochwirksamen Therapieform beizutragen.“ 

José Carreras-DGHO-Stipendienprogramm für exzellenten und besonders motivierten wissenschaftlichen Nachwuchs

Die Relevanz der Fragestellung, das methodische Vorgehen und der Innovationsgehalt seines Forschungsvorhabens wurden im Vorfeld von renommierten Expertinnen und Experten aus Hämatologie und Onkologie der José Carreras Leukämie-Stiftung (DJCLS) und der  Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e. V. (DGHO) in einem Gutachterverfahren geprüft und für förderungswürdig befunden. Neben sechs weiteren Stipendiatinnen und Stipendiaten erhält Max Köppel nun ein Jahr lang monatlich 1.000 Euro. Zusätzlich kann die Teilnahme an Fachkongressen mit bis zu 400 Euro unterstützt werden. Die José Carreras-DGHO-Promotionsstipendien werden seit 2014 zweimal jährlich vergeben, um exzellenten und besonders motivierten wissenschaftlichen Nachwuchs für die Leukämieforschung zu gewinnen.

Zur Meldung der Deutschen José Carreras Leukämie-Stiftung.

Weitere Informationen zu Immuntherapien beim Multiplen Myelom
Jedes Jahr erhalten allein in Deutschland rund 7.000 Menschen die Diagnose Multiples Myelom. Diese Krebserkrankung, die von veränderten Plasmazellen im Knochenmark ausgeht, kann bisher nicht dauerhaft geheilt werden. Denn auch nach einer vermeintlich erfolgreichen Therapie müssen die Betroffenen immer wieder mit einem Rückfall rechnen. Ein besseres Verständnis der Entwicklung dieser entarteten Knochenmarkzellen könnte jedoch Diagnose und Therapie optimieren. Als große Hoffnungsträger gelten Immuntherapien mit Antikörpern oder genetisch manipulierten T-Zellen, so genannten CAR-T-Zellen. Die Wahl der Immuntherapie und ihr Erfolg hängen entscheidend davon ab, ob, wie viele und welche Antigene sich auf der Krebszelle befinden. Bei der CAR-T-Zelltherapie wird den weißen Blutkörperchen unseres Immunsystems, den T-Zellen, auf die Sprünge geholfen. Dazu werden die T-Zellen gentechnisch verändert und im Labor mit einem künstlichen, auf die jeweilige Krebsart zugeschnittenen Rezeptor, dem Chimären Antigen-Rezeptor, kurz CAR, ausgestattet. Anschließend werden die „scharf gemachten“ T-Zellen dem Patienten als lebendes Medikament zurückgegeben. Mit Hilfe des spezifischen Oberflächenmarkers können die CAR-T-Zellen die Tumorzellen im Körper aufspüren und zerstören. Das Universitätsklinikum Würzburg (UKW) nimmt bei der Erforschung, Anwendung und Weiterentwicklung dieses neuen Wirkstoffprinzips international eine führende Rolle ein. So wird in Würzburg das europaweit größte Myelom-Programm mit zahlreichen klinischen Studien und Begleitforschung zu den neuesten Therapieformen wie CAR-T-Zellen und verschiedenen T-Zell-aktivierenden (bispezifischen) Antikörpern angeboten. Prof. Dr. Hermann Einsele, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des UKW und Sprecher des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) WERA, gilt als Meinungsführer auf dem Gebiet der CAR-T-Zelltherapie.

Text: Kirstin Linkamp / UKW 

Max Köppel im Labor
Im Rahmen seiner von der José Carreras Leukämie-Stiftung geförderten Promotion simuliert Max Köppel von der AG Waldschmidt am Uniklinikum Würzburg mit Hilfe innovativer Labormodelle, wie von CAR-T-Zelltherapie-induzierte myeloische Neoplasien bei Patientinnen und Patienten mit Multiplem Myelom entstehen. © Shilpa Kurian / UKW

Max-Armbrecht-Leukämiehilfe e.V. spendet für die Kinderkrebsforschung

Der Max-Armbrecht-Leukämiehilfe e.V. übergab einen Spendenscheck in Höhe von 25.000 € an die von Prof. Dr. med. Paul-Gerhardt Schlegel geleitete Arbeitsgruppe an der Universitäts-Kinderklinik Würzburg. Die Spende dient der Finanzierung der Forschung von Dr. Ignazio Caruana.

Prof. Dr. med Paul-Gerhardt Schlegel, Harriet Armbrecht, Nicolas Sauer und Dr. med. Ignazio Caruana
Prof. Dr. med Paul-Gerhardt Schlegel, Harriet Armbrecht, Nicolas Sauer und Dr. med. Ignazio Caruana (von links nach rechts). Bild: Ilayda Tunali

Würzburg. Am Dienstag, den 13.08.2024 fand eine Scheckübergabe des Max-Armbrecht-Leukämiehilfe e.V. an die Universitäts-Kinderklinik statt. Prof. Dr. Paul-Gerhardt Schlegel nahm zusammen mit Dr. Ignazio Caruana stellvertretend für die Kinderklinik einen Scheck in Höhe von 25.000 € entgegen.

Dr. Caruana ist im Feld der CAR-T-Zell-Forschung tätig. Die personalisierte Immun-therapie mit gentechnisch veränderten Abwehrzellen ist eine große Hoffnung für Patientinnen und Patienten, die u.a. an einer Leukämie leiden. Damit die körpereigenen Abwehrzellen die bösartigen Zellen im Blut, im Knochenmark oder in den Lymphknoten besser aufspüren und vernichten können, wird den Betroffenen Blut abgenommen und eine sog. Leukapherese durchgeführt: für die Gewinnung der individuellen T-Zellen werden die weißen Blutzellen, die Leukozyten, aus dem Blut des jeweiligen Erkrankten gefiltert und die verbleibenden Bestandteile des Blutes, Plasma und rote Blutzellen, wieder in den Kreislauf zurückgeführt. Im Labor werden die T-Zellen mit einem auf die Krankheit zugeschnittenen Oberflächenmarker, dem chimären Antigenrezeptor, kurz CAR, ausgestattet. Mit diesem Biosensor können die CAR-T-Zellen die Krebszellen besser erkennen und eliminieren.

Das aktuelle Forschungsprojekt von Dr. Caruana entwickelt diese Zellen im Labor weiter. In diesem Projekt gelingt es, außerhalb des Körpers diese Zellen so fit zu machen, dass sie a) ihr Ziel noch besser erkennen und zerstören können (Effektivität) und b) wesentlich länger im Körper verbleiben können (Persistenz).

Das Vorantreiben von Behandlungsmöglichkeiten für junge Leukämiepatientinnen und – patienten ist dem Max-Armbrecht-Leukämiehilfe e.V. seit Langem ein wichtiges Anliegen. Die Vision des Max-Armbrecht-Leukämiehilfe e.V., eines Tages allen an Leukämie erkrankten Kindern eine verlässliche Perspektive auf Heilung geben zu können, kommt damit weiter voran.

Bis es so weit ist, unterstützt der Verein aber selbstverständlich auch betroffene Patientinnen und Patienten und deren Familien im Rahmen des Satzungszwecks weiterhin bestmöglich.

Text: Nicolas Sauer, Max-Armbrecht-Leukämiehilfe e.V.

Prof. Dr. med Paul-Gerhardt Schlegel, Harriet Armbrecht, Nicolas Sauer und Dr. med. Ignazio Caruana
Prof. Dr. med Paul-Gerhardt Schlegel, Harriet Armbrecht, Nicolas Sauer und Dr. med. Ignazio Caruana (von links nach rechts). Bild: Ilayda Tunali