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DFG-Förderung: 830.000 Euro für Forschungsstandort Würzburg / Drei Anträge zum Thema Phagen erfolgreich

Würzburg, 27. Juli 2021 – Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert drei Würzburger Forschungsvorhaben zum Thema Phagen im Rahmen ihres aktuellen Schwerpunktprogramms SPP 2330. Für einen Projektzeitraum von drei Jahren vergibt die Wissenschaftsorganisation insgesamt rund 830.000 Euro an Wissenschaftler:innen am Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) und an der Julius-Maximilians-Universität (JMU).

Pressemeldung Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI)

Bakterien kennt jeder, allein im menschlichen Mikrobiom gibt es Billionen von ihnen. Häufiger als die Bakterien selbst kommen in der Natur jedoch Phagen vor: Das sind Viren, die ihrerseits Bakterien befallen. In der translationalen, also der auf die medizinische Anwendung zielenden Grundlagenforschung sind Phagen von besonderem Interesse. Sie können beispielsweise als Antibiotikaersatz dienen und somit Auswege aus dem Problem zunehmender Resistenzen bieten. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert jetzt drei Würzburger Forschungsvorhaben zum Thema Phagen im Rahmen ihres aktuellen Schwerpunktprogramms SPP 2330. Dabei vergibt die Organisation insgesamt rund 830.000 Euro an Wissenschaftler:innen der Mainstadt.

Einer der erfolgreichen Antragsteller auf dem Medizin-Campus ist Jörg Vogel, Professor an der JMU und geschäftsführender Direktor am Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI). Er will an sogenannten Riesenphagen forschen. Deren großes Genom und ihre komplexe Lebensweise bieten beste Voraussetzungen, um sich den molekularen Faktoren der Wirtsmanipulation zu widmen, die während eines Infektionsprozesses wirken. Dabei könnten neuartige Proteine mit spezialisierten Funktionen entdeckt und analysiert werden, hofft der Biochemiker.

Ebenfalls erfolgreich ist Chase Beisel aus dem Antragsverfahren hervorgegangen. Der Professor und Gruppenleiter am HIRI will neuartige Immunsysteme zur Abwehr von Phagen in nativen bakteriellen Wirten untersuchen, um sie besser zu verstehen und mit anderen inhärenten Schutzmechanismen zu vergleichen. Der dritte Würzburg-Zuschlag geht an Mercedes Gomez de Agüero, Nachwuchsgruppenleiterin am Institut für Systemimmunologie (Max-Planck-Forschungsgruppe) der JMU. Sie will mithilfe der DFG-Förderung die Dynamik und die Mechanismen entziffern, die wechselseitig zwischen Phagen und Bakterienwirt in der Haut von Neugeborenen wirken.

Infektionsforschung herausragend in Würzburg

Dass diesmal gleich drei voneinander vollkommen unabhängige Würzburger Projekte von der DFG gefördert würden, sei durchaus bemerkenswert, meint Jörg Vogel. „Die dreifach erfolgreiche Drittmittelakquise zeigt, wie stark die Infektionsbiologie am Forschungsstandort Würzburg ist“, freut sich der HIRI-Direktor und ergänzt: „Phagen waren ganz wichtige Forschungsobjekte in den Anfangszeiten der Molekularbiologie im 20. Jahrhundert, führten in dieser Disziplin in den vergangenen Jahrzehnten jedoch eher ein Schattendasein.“ Dass das Thema aktuell eine starke Renaissance erlebe, sei auf die neuen Analysetechniken und ein besseres Verständnis der schieren Zahl und Vielfalt dieser bakteriellen Viren zurückzuführen.

Das DFG-Schwerpunktprogramm SPP 2330 startet jetzt unter dem Motto „Neue Konzepte der Virus-Wirt-Interaktion in Prokaryoten – von Einzelzellen zu mikrobiellen Gemeinschaften“ in seine erste Förderperiode. Sein Ziel ist es, den Weg für die Entdeckung grundlegend neuer Konzepte und Mechanismen in der Biologie zu ebnen. Der Fokus liegt dabei auf drei Komplexen der viralen Organisation: virale Zellbiologie, neue ein- und mehrzellige antivirale Abwehrmechanismen und virale Auswirkungen auf mikrobielle Gemeinschaften.

DFG-Schwerpunktprogramm SPP 2330: Die geförderten Würzburger Projekte

Prof. Dr. Jörg Vogel
Institut für Molekulare Infektionsbiologie (IMIB)
Julius-Maximilians-Universität (JMU)
Projekt: „Identifizierung von molekularen Faktoren des ΦKZ Phagen zur Modulation der Wirtsproteinsynthese“

Prof. Dr. Chase Beisel
Biologie Synthetischer RNA
Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI)
Projekt: „Untersuchung neuartiger Immunsysteme zur Abwehr von Phagen in nativen bakteriellen Wirten“

Dr. Mercedes Gomez de Agüero
Institut für Systemimmunologie
Max-Planck-Forschungsgruppe
Julius-Maximilians-Universität (JMU)
Projekt: „Dynamik und Mechanismen der frühen Wechselwirkungen zwischen Bakteriophagen und seinem Bakterienwirt in der Haut“

Diese Medieninformation findet sich auch online unter:
https://www.helmholtz-hiri.de/de/newsroom/news/detail/news/dfg-foerderung-wuerzburg0/  

Uniklinikum Würzburg: Lang anhaltende Remission bei Lymphknotenkrebs beobachtet

Eine Langzeitbeobachtung beweist: Patient*innen mit einem wiederkehrenden oder therapieresistenten diffus großzelligen B-Zell-Lymphom sprechen dauerhaft sehr gut auf eine Kombinationstherapie aus dem Antikörper Tafasitamab und dem Immunmodulator Lenalidomid an. Erstautor der entsprechenden Publikation ist Dr. Johannes Düll, Oberarzt der Medizinischen Klinik II des Uniklinikums Würzburg.

 

„Es wird immer wahrscheinlicher, dass wir Patientinnen und Patienten mit aggressivem B-Zell-Lymphom mit einer Kombination aus Tafasitamab und Lenalidomid tatsächlich heilen können“, sagt Dr. Johannes Düll. Der Oberarzt der Medizinischen Klinik II des Uniklinikums Würzburg (UKW) stützt sich bei dieser Aussage auf die Ergebnisse der Langzeitbeobachtung zur multizentrischen Phase-2-Studie L-MIND. Die Publikation zu den Drei-Jahresdaten erschien im Juli dieses Jahres in der Zeitschrift Haematologica. 

Johannes Düll, Erstautor der Veröffentlichung, erläutert: „Tafasitamab ist ein humanisierter, monoklonaler Antikörper in klinischer Entwicklung. Das parallel verabreichte Lenalidomid ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Immunmodulatoren. Es stimuliert das eigene Immunsystem, um die Wirkung des Antikörpers zu verstärken.“ 

Lange Ansprechdauer, bemerkenswertes Gesamtüberleben

Nach seinen Worten bestätigt der spätere Zeitschnitt zu der vor gut einem Jahr in der Zeitschrift Lancet Oncology veröffentlichten Studie L-MIND die lange Ansprechdauer und das bemerkenswerte Gesamtüberleben unter dieser Therapie. „Im Gegensatz zu anderen Antikörper-Therapien sieht es ganz so aus, als könnte ‚Tafasitamab plus Lenalidomid‘ für sehr lang anhaltende Remissionen sorgen“, schildert Johannes Düll. Wichtig sei auch, dass in der Langzeitbeobachtung keine neuen Toxizitäten aufgetreten seien. „Diese Behandlungsmethode zeigt generell eine gute Verträglichkeit. Außerdem erfordert sie keine Chemotherapie, ist sofort einsetzbar und kann ambulant gegeben werden“, zählt der Mediziner weitere Vorteile auf. 

Auf dem Weg zur europäischen Marktzulassung

Nachdem diese Therapieoption im vergangenen Jahr bereits von der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA zugelassen wurde, wird nun vermutlich auch Europa bald nachziehen: Der Ausschuss für Humanarzneimittel der Europäischen Arzneimittel-Agentur (European Medicines Agency, EMA) gab Ende Juni 2021 eine Stellungnahme ab, in der er die bedingte Marktzulassung von Tafasitamab in Kombination mit Lenalidomid für die in der L-MIND-Studie umrissene Patientenzielgruppe empfahl.

Literatur:

Long-term outcomes from the Phase II L-MIND study of tafasitamab (MOR208) plus lenalidomide in patients with relapsed or refractory diffuse large B-cell lymphoma.Johannes Duell, Kami J Maddocks, Eva González-Barca, Wojciech Jurczak, Anna Marina Liberati, Sven de Vos, Zsolt Nagy, Aleš Obr, Gianluca Gaidano, Pau Abrisqueta, Nagesh Kalakonda, Marc André, Martin Dreyling, Tobias Menne, Olivier Tournilhac, Marinela Augustin, Andreas Rosenwald, Maren Dirnberger-Hertweck, Johannes Weirather, Sumeet Ambarkhane and Gilles Salles.Haematologica. 2021; 106:xxxdoi:10.3324/haematol.2020.275958

 

Kastentext:

Über das DLBCL

Das diffuse großzellige B-Zell-Lymphom (DLBCL) ist eine bösartige Erkrankung des lymphatischen Systems und zählt zur Gruppe der Non-Hodgkin-Lymphome. Diese aggressive Form des Lymphdrüsenkrebses schreitet schnell voran und ist vor allem bei einem Rezidiv sehr schwer zu behandeln. 

 

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Planetare Gesundheit und Ernährung

Die Lehrklinik der medizinischen Fakultät Würzburg lädt herzlich zum dritten Termin ihrer Seminarreihe Klima.Umwelt.Gesundheit. am 20. Juli 2021, 20 Uhr ein.

Dr. Claudia Löffler ist Oberärztin in der Onkologie am Universitätsklinikum Würzburg und spezialisiert auf Integrative und Ernährungsmedizin. Sie berichtet über die wissenschaftlichen Hintergründe zu gesunder und nachhaltiger Ernährung. Dr. Jörg Schmid ist Arzt und Referent für die Akademie der Physicians Association for Nutrition e.V. (PAN) und Curriculumsentwickler für Planetare Gesundheit an der Lehrklinik Würzburg. Er beschäftigt sich mit der Frage nach der optimalen Ernährung für die menschliche Gesundheit und die Gesundheit unseres Planeten. Den Anmeldelink zum Zoom Meeting sowie weitere Informationen zum Programm und den Referentinnen finden sie hier: https://www.med.uni-wuerzburg.de/lehrklinik/globale-und-planetare-gesundheit/seminarreihe-planetare-gesundheit-klimaumweltgesundheit/ 

 

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Kickers spendierten Mützchen für die Würzburger Universitäts-Frauenklinik

Der FC Würzburger Kickers finanzierte eine Sonderserie von Mützchen für die Neugeborenen an der Frauenklinik des Uniklinikums Würzburg. Der geschenkte „Fanartikel“ kam bei den Eltern sehr gut an.

Am Anfang war der Wunsch der Verantwortlichen beim Fußball-Club Würzburger Kickers e.V., die für die Region so wichtige Arbeit der Würzburger Universitäts-Frauenklinik zu unterstützen. Ein Ansatzpunkt dafür waren die Mützchen, die die Klinik ihren Neugeborenen schenkt. Hier finanzierte der Verein kürzlich eine Sonderserie: Die Mitarbeiterinnen aus der Geburtshilfe und der Stillberatung der Klinik gestalteten eine Version der zarten Kopfbedeckungen, die mit den Logos des Uniklinikums und der Kickers bedruckt wurden. „So konnten wir nicht nur das Budget der Frauenklinik etwas entlasten, sondern gleichzeitig auch den jüngsten Menschen unserer Region die Kickers nahebringen“, schmunzelt Matthis Frankenstein, der Marketingleiter des Vereins. 

Laut Claudia Freudinger, Still- und Laktationsberaterin der Frauenklinik, kamen die lokalpatriotischen Mützen bei den Müttern und Vätern so gut an, dass der 200 Exemplare umfassende Bestand schon fast wieder vergriffen ist. „Ich bedanke mich beim Verein für die freundliche Unterstützung und die nette Idee, die sicher für die nächste Fan-Generation sorgen wird – für die Kickers, wie auch für das Uniklinikum“, kommentiert Klinikdirektor Prof. Dr. Achim Wöckel augenzwinkernd.

 

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Was hilft gegen Herzschmerz?

In einer Übersichtsarbeit im Nature Reviews haben Wissenschaftler aus Würzburg, Essen und Mainz Therapien bei Angina Pectoris unter die Lupe genommen

Der antianginale Kompass empfiehlt Medikamente für Patienten mit chronischem Koronarsyndrom mit und ohne Herzinsuffizienz. CCB Kalziumantagonisten; CCB-DHP Kalziumkanalblocker vom Dihydropyridin-Typ; LAN langwirksame Nitrate; RNLZ Ranolazin; TMZD Trimetazidin; rEF Herzinsuffizienz mit reduzierter systolischer Funktion; pEF erhaltene linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF > 40 %). © adaptiert von Bertero et al., Nat Rev Cardiol 2021

Etwa fünfeinhalb Millionen Menschen leiden hierzulande an der Koronaren Herzkrankheit, kurz KHK. Durch die Verengung der Herzkranzgefäße kommt es zu Durchblutungsstörungen, der Herzmuskel wird nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Die Folge: Brustenge und brennende Schmerzen, vor allem bei Belastung - Angina Pectoris. Christoph Maack, Sprecher des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI), hat gemeinsam mit dem Mediziner Edoardo Bertero, dem Pathophysiologen Gerd Heusch vom Uniklinikum Essen und dem Kardiologen Thomas Münzel von der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz die derzeitigen medikamentösen Angina-Therapien unter die Lupe genommen. Ergebnis: Kein Medikament verlängert das Leben, und keines ist dem anderen wirklich überlegen. Wer jedoch Medikamente personalisiert verschreibt, der kann zumindest die Lebensqualität seiner Patienten deutlich verbessern. Mit dem von den Kardiologen und Wissenschaftlern entwickelten Kompass hat nun jeder Arzt eine schnelle Entscheidungshilfe an der Hand, Details zu den Mechanismen können Interessierte in der Fachzeitschrift Nature Reviews Cardiology nachlesen.

Klassische Medikamente gegen den Brustschmerz sind Betablocker, Kalziumantagonisten und Nitrate. Sie verringern den Sauerstoffverbrauch des Herzens, erweitern die Gefäße und verbessern so die Durchblutung des Herzmuskels. Zur neuen Medikamentengeneration gehören Wirkstoffe wie Ranolazin, Trimetazidin und Ivabradin. Während Ivabradin die Herzfrequenz verlangsamt, greifen Ranolazin und Trimetazidin in den Stoffwechsel des Herzens ein.

Personalisierte Medizin bei Angina Pectoris

Die Palette der pharmazeutischen Behandlungsmöglichkeiten bei Angina Pectoris wächst. Doch es gibt bislang für kein Medikament den Nachweis, dass es die Prognose verbessert. Für die klassischen Medikamente fehlen die großen Studien, für die neuen Wirkstoffe haben die Studien Sicherheit, aber keine Evidenz für eine Lebensverlängerung erbracht. Kein Medikament ist deutlich besser als das andere. „Es sei denn, man nimmt die Auslöser der Erkrankung und die Pathophysiologie bei jedem einzelnen Patienten als Entscheidungsgrundlage für die Behandlung“, bemerkt Christoph Maack, Leiter der Translationalen Forschung am DZHI.  

Nachdem die European Society of Cardiology (ESC) bei der Überarbeitung der Leitlinien im Jahr 2019 die Empfehlung aufgenommen hat, die antianginöse medikamentöse Behandlung zu personalisieren, hat Christoph Maack gemeinsam mit Edoardo Bertero, Gerd Heusch und Thomas Münzel die Studienlage geprüft und einen Kompass für die Behandlung von Patienten mit chronischem Koronarsyndrom mit und ohne Herzinsuffizienz erstellt.

Wichtige Parameter des Kompasses sind Blutdruck und Herzfrequenz. Hier sind nicht nur die hohen Werte relevant, sondern auch die normalen und niedrigen. Die Kombination sei entscheidend, so Maack. Ist der Blutdruck höher als 140 zu 80 mmHg, und liegt die Herzfrequenz über 70 Schlägen pro Minute, werden zum Beispiel Betablocker und Nitrate empfohlen, bei reduzierter Herzleistung kann neben Betablockern auch Ivabradin gegeben werden, bei erhaltenem Auswurf sind Kalziumantagonisten ratsam. Bei niedrigem Puls und Blutdruck bietet sich die Einnahme von Ranolazin und Trimetazidin an.

Gesunder Lebensstil, Statine und Ranolazin bei Diabetes

Das Herz verstoffwechselt 70 bis 80 Prozent Fettsäuren und 10 bis 20 Prozent Zucker. Bei der Metabolisierung der Glukose benötigen die Mitochondrien, die Kraftwerke unserer Zellen, allerdings weniger Sauerstoff für die Energiegewinnung als bei der Verarbeitung von Fettsäuren. Die Wirkstoffe Ranolazin und Trimetazidin blockieren die Fettsäureverstoffwechselung. Das Herz ist flexibel und schaltet automatisch auf Glukose um. Ranolazin reduziert darüber hinaus den Natriumeinstrom in den Zellen, was wiederum günstig in den Kalziumhaushalt eingreift. Durch die Reduzierung des Kalziums entspannen sich die Herzmuskelzellen, die Durchblutung bessert sich.

Bei Diabetes ist die Gabe von Ranolazin besonders wirksam, da durch die verbesserte Aufnahme von Zucker in die Zellen die Blutzuckerspiegel abnehmen. Ferner, und das ist gut belegt, hilft ein gesunder Lebensstil. Dazu gehören Nikotinverzicht, gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und das Erlangen sowie Halten des Normalgewichts. Auch Statine sind Teil des Behandlungsplans bei Diabetikern, da sie ein höheres Risiko für Ereignisse wie zum Beispiel Infarkte haben. Die Statine senken das Cholesterin, stabilisieren die Gefäßinnenschicht und schützen so vor einem Infarkt, der oft durch akutes Aufreißen der Gefäßinnenschicht verursacht wird.

Positiver Stress fürs Herz - Schutz durch Präkonditionierung

Ob das Aufdehnen eines verengten Herzkranzgefäßes mittels Katheter und die Implantation eines Stents ratsam sind, sollte den Autoren zufolge ebenfalls individuell entschieden werden. „Bei der KHK in stabiler Situation bringt die Katheterbehandlung zwar meist eine Verbesserung der Symptome, verlängert aber auch nicht das Überleben“, so Maack. Somit könnte ein personalisierter Medikamentenplan oft eine sinnvolle Alternative zum Katheter sein. Medikamente könnten dem Muskel helfen, mit der Engstelle umzugehen. „Ein bisschen Stress kann dem Herzen auch guttun“, schildert Maack die so genannte Präkonditionierung. „Das Herz aktiviert molekulare Selbst- Schutzmechanismen und optimiert seinen Stoffwechsel, sodass es resistenter gegen Sauerstoffmangel wird.“

Publikation: Edoardo Bertero, Gerd Heusch, Thomas Münzel, Christoph Maack. A pathophysiological compass to personalize antianginal drug treatment. Nat Rev Cardiol (2021). doi.org/10.1038/s41569-021-00573-w

 

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Der antianginale Kompass empfiehlt Medikamente für Patienten mit chronischem Koronarsyndrom mit und ohne Herzinsuffizienz. CCB Kalziumantagonisten; CCB-DHP Kalziumkanalblocker vom Dihydropyridin-Typ; LAN langwirksame Nitrate; RNLZ Ranolazin; TMZD Trimetazidin; rEF Herzinsuffizienz mit reduzierter systolischer Funktion; pEF erhaltene linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF > 40 %). © adaptiert von Bertero et al., Nat Rev Cardiol 2021

Planetare Gesundheit in Würzburg und Bayern

Die Lehrklinik der medizinischen Fakultät Würzburg lädt herzlich zum dritten Termin ihrer Seminarreihe Klima.Umwelt.Gesundheit. am 14. Juli 2021, 20 Uhr ein.

Prof. Heiko Paeth ist Geograph und Klimatologe an der Universität Würzburg und zeigt unter anderem anhand eigener Forschungsdaten die Projektionen für die Klimaerhitzung und Trockenheit von Würzburg und Bayern. Dr. Christian Göpfert leitet die Stabsstelle Klima und Nachhaltigkeit der Stadt Würzburg und stellt Optionen und Herausforderungen in den Bereichen des Klimaschutzes und Klimaanpassung in Würzburg –und darüber hinaus– dar. Den Anmeldelink zum Zoom Meeting sowie weitere Informationen zum Programm und den Referentinnen finden sie hier: https://www.med.uni-wuerzburg.de/lehrklinik/globale-und-planetare-gesundheit/seminarreihe-planetare-gesundheit-klimaumweltgesundheit/ 

 

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Uniklinikum Würzburg: Bundestagsabgeordnete informierten sich zu Forschungsthemen

Drei SPD-Politiker nutzten die Sommerpause des Deutschen Bundestages, um sich am Uniklinikum über Aspekte aus der medizinischen Forschungslandschaft Würzburgs zu informieren.

 

Am 8. Juli dieses Jahres statteten drei SPD-Politiker dem Uniklinikum Würzburg (UKW) sowie dem Rudolf-Virchow-Zentrum in Würzburg einen Besuch ab. Das Gästetrio bestand aus Oliver Kaczmarek, Sprecher für Bildung und Forschung der SPD-Bundestagsfraktion, René Röspel, stellvertretender Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion für Forschung, sowie Bernd Rützel, Bundestagsabgeordneter aus dem Wahlkreis Main-Spessart und Miltenberg. Die Politiker nutzen derzeit die Sommerpause des Bundestags, um vor Ort mehr über ausgewählte Forschungseinrichtungen in Deutschland zu erfahren. 

Als Einstieg präsentierte Prof. Dr. Stefan Frantz, der stellvertretende Ärztliche Direktor des UKW, das Klinikum als mit über 7.300 Beschäftigten größten Arbeitgeber Würzburgs. „Abhängig von der jeweiligen Fachrichtung ist es das Krankenhaus der höchsten Versorgungsstufe für ein bis zwei Millionen Menschen in einer weitgehend ländlich geprägten Region“, erläuterte der Kardiologe. Nach seinen Worten sorgen ferner zahlreiche Kooperationspartnerschaften mit externen Kliniken und Einrichtungen für eine flächendeckend sehr gute Krankenversorgung in Mainfranken und den angrenzenden Gebieten.

Diverse Fördermaßnahmen für forschende Ärzt*innen 

Anschließend leitete Prof. Dr. Matthias Goebeler in seiner Funktion als Sprecher des Interdisziplinären Zentrums für Klinische Forschung (IZKF) zur medizinischen Forschung als Hauptthema des Treffens über. Der Dermatologe schilderte den Mangel an qualifiziertem wissenschaftlichem ärztlichem Nachwuchs als eine der großen Herausforderungen der Universitätsmedizin. Eine Herausforderung, auf die in Würzburg schon seit etlichen Jahren mit gezielten Fördermaßnahmen, wie zum Beispiel Clinician Scientist-Programmen und dem Integrative Clinician Scientist College oder zuletzt dem Advanced Clinician Scientist Programm, reagiert wird. Und das mit einigem Erfolg. „Die Programme bewirken, dass unsere forschenden Ärztinnen und Ärzte nicht in der klinischen Arbeit untergehen und wissenschaftliche Arbeit für sie kein ‚Freizeitvergnügen‘ sein muss“, fasste Prof. Goebeler zusammen. 

NCT: Für eine noch bessere Translation

Damit die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Krebsforschung möglichst schnell zu einer signifikanten Verbesserung der Patientenversorgung und Lebensqualität führen können, wurde im vergangenen Jahr das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen Würzburg, Erlangen, Regensburg und Augsburg – kurz NCT WERA – gestartet. Nach einer Konzeptionsphase von einem Jahr, in dem das NCT-Netzwerk zusammenwachsen soll und sich einer neuen Begutachtung unterziehen wird, wird es seinen Betrieb aufnehmen. Dazu wird ein neues Gebäude in Würzburg entstehen, in dem neue Professuren und Nachwuchsgruppen sowie patientenrelevante Bereiche – wie interdisziplinäre Sprechstunden und Therapieambulanzen, eine Patientenakademie und ein Patientenbüro – untergebracht werden. „Der Fokus des NCT liegt auf der Klinischen Translation und Innovation, die in Deutschland nach wie vor den Flaschenhals in der Translationskette bilden“, unterrichtete Prof. Dr. Hermann Einsele, der Würzburger Standort-Koordinator des neuen Zentrums, die Politiker. Nach den Ausführungen des Krebsexperten bringt die Würzburger Universitätsmedizin als besondere Stärken die T-Zell-basierte Immuntherapie, Ubiquitin-basierte Therapeutika sowie Modelle für Leistungen in der onkologischen Versorgung des ländlichen Raumes mit modernster Diagnostik und innovativer Therapie sowie Studienkonzepten in das NCT WERA ein. 

RVZ: Forschung an Schlüsselproteinen auf höchstem Niveau

Im Anschluss stellte Prof. Dr. Caroline Kisker die vielfältigen Forschungsbereiche des von ihr geleiteten Rudolf-Virchow-Zentrums – Center for Integrative and Translational Bioimaging (RVZ) vor. Bei einem kleinen Rundgang gewannen die Abgeordneten ein direktes Bild von der zur Uni Würzburg gehörenden Einrichtung. So konnten sie sich bei Prof. Dr. Hermann Schindelin über die Strukturbiologie und Wirkstoffentwicklung informieren und selbst eine Wirkstoffstruktur in das 3D-Modell eines Proteins einfügen, das zuvor am Computer modelliert worden war. Bei der Besichtigung des Labors von Prof. Dr. Katrin Heinze zeigten sie sich beeindruckt von den Möglichkeiten der hochauflösenden Mikroskopie. Auch für einen kurzen Blick ins Schülerlabor des RVZ blieb noch Zeit und alle waren sich einig, wie wichtig es ist, schon früh die Begeisterung für die Wissenschaft zu wecken.

Das HIRI: Modernste Technologien für die RNA- und Infektionsforschung

Oliver Kaczmarek und René Röspel besichtigten zudem noch das dem RVZ benachbarte Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI). Dort präsentierten ihnen Prof. Dr. Chase Beisel, Forschungsgruppenleiter, und Verwaltungsleiterin Alice Hohn die Arbeitsschwerpunkte ihres Instituts und stellten den geplanten HIRI-Neubau vor. Bei einem Gang durch die Labore erfuhren die Gäste mehr über modernste Verfahren im Bereich Einzelzell-Sequenzierung und erhielten Informationen aus erster Hand zu aktuellen Erkenntnissen über SARS-CoV-2. Die Abgeordneten waren begeistert von den Forschungserfolgen des HIRI, darunter LEOPARD – eine neue Technologie, die das Potenzial hat, die medizinische Diagnostik nicht nur von Covid-19, sondern auch von Tuberkulose, Sepsis oder seltenen genetischen Erkrankungen zu revolutionieren. 

Am Ende des Informationsnachmittags lobten die Politiker die vorgestellten Strukturen und Leistungen. So kommentierte Oliver Kaczmarek: „Unser Besuch in Würzburg hat ein weiteres Mal gezeigt, dass in Deutschland an ganz vielen Stellen exzellente Forschung getrieben wird – eben nicht nur in den großen Zentren.“

 

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