Aktuelle Pressemitteilungen

Uniklinikum Würzburg: Zweites digitales Myelom-Forum am 21. November 2020

Nach der starken Beteiligung und den vielen positiven Rückmeldungen bei der Pilotveranstaltung im Juli dieses Jahres freuen sich die Experten des Uniklinikums Würzburg auf das zweite Digitale Myelom-Forum am Samstag, den 21. November 2020. Die Veranstaltung informiert Patienten, Angehörige und sonstige Interessierte erneut über aktuelle Erkenntnisse aus der Erforschung, Diagnostik und Therapie der bösartigen Krebserkrankung des Knochenmarks.

 

Keine aufwändige Anreise, keine Gesundheitsgefahren für immungeschwächte Patienten und eine problemlose Beteiligung auch der Familien der Patienten – die Teilnehmer*innen des ersten Digitalen Myelom-Forums des Uniklinikums Würzburg (UKW) im Juli dieses Jahres wussten die Vorteile des Corona-bedingt neuen Online-Formats zu schätzen. Am Samstag, den 21. November 2020 findet ab 9:30 Uhr die ebenfalls digitale Nachfolgeveranstaltung statt.

Mittleres Überleben in den letzten Jahren deutlich gesteigert

Bispezifische Antikörper, CAR-T-Zellen, neue Medikamente und innovative Behandlungsstrategien – zu Beginn wird Prof. Dr. Hermann Einsele, der Direktor der Medizinischen Klinik II des UKW, einen profunden Überblick über aktuelle Therapiemöglichkeiten für das Myelom geben. „Neue Daten lassen den Schluss zu, dass wir mittlerweile – speziell bei jüngeren Patienten – ein mittleres Überleben von über zwölf Jahren erreichen können“, berichtet der international anerkannte Experte.
Knochenmetastasen wirkungsvoll bekämpfen, aber gleichzeitig stabile Knochen sowie gesunde Zähne und Kiefer erhalten – dieses Spannungsfeld von Therapie und Nebenwirkungen zählt nach wie vor zu den Herausforderungen der Myelom-Therapie. Welche bewährten und innovativen Wege es zum Umgang mit dieser Problematik gibt, werden Prof. Dr. Alexander Kübler von der Zahn-, Mund- und Kieferklinik des UKW und Dr. Lothar Seefried von der Würzburger Orthopädischen Universitätsklinik, dem König-Ludwig-Haus, in zwei Vorträgen aufzeigen.

Anschließend wird Dr. Aleksander Kosmala vom Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie erläutern, wie mit aktuellen radiologischen Methoden die Ausdehnung des Myeloms im Körper exakt erfasst und das Ansprechen auf eine Therapie genau nachvollzogen werden kann.

Nierenschäden vermeiden

Das Myelom produziert Eiweiße, die zu schweren Nierenfunktionsstörungen führen können. Diese Zusammenhänge und Maßnahmen dagegen verdeutlicht Prof. Dr. Stefan Knop vom Schwerpunkt Hämatologie des UKW. Den Abschluss des Vortragsblocks des Forums liefert Prof. Dr. Andreas Buck von der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin. Er wird neue nuklearmedizinische Möglichkeiten in der Diagnostik und Therapie des Multiplen Myeloms präsentieren.

Im Anschluss – ab etwa 11:45 Uhr – haben die Teilnehmer*innen Gelegenheit, sich per Chat zu Wort zu melden und individuelle Fragen zu stellen.
Plattform der digitalen Veranstaltung ist Skype für Business. Man kann über Computer, Smartphone und Telefon – hier natürlich nur mit Ton-Empfang – teilnehmen. Nach der Anmeldung erhalten die Teilnehmer*innen per E-Mail die Zugangsdaten und eine detaillierte technische Anleitung. Anmelden kann man sich bei der Organisatorin Gabriele Nelkenstock unter E-Mail: info@ kampfgegenkrebs.de.
Das genaue Programm gibt es im Veranstaltungskalender unter www.ukw.de/medizinische-klinik-ii.

Kastentexte:

Über das Multiple Myelom

Beim Multiplen Myelom entarten im Knochenmark bestimmte Immunzellen. Sie überfluten den Körper mit fehlerhaft produzierten Antikörpern, unterdrücken durch ihr aggressives Wachstum die Blutbildung und schädigen durch verstärkten Knochenabbau das Skelett. In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 3.500 Menschen an dieser Untergruppe des Lymphknotenkrebses.

Über die Expertise des Uniklinikums Würzburg

Das Uniklinikum Würzburg ist eines der europaweit führenden Zentren bei der Behandlung von Multiplem Myelom. Außerdem gehört diese bösartige Krebserkrankung des Knochenmarks zu den Forschungsschwerpunkten der Medizinischen Klinik und Poliklinik II und des Comprehensive Cancer Centers (CCC) Mainfranken.

 

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Erste Arbeitsergebnisse des Bayerisches Forschungsnetzes in der Allgemeinmedizin

BayFoNet, das in diesem Frühjahr gestartete Bayerische Forschungsnetz in der Allgemeinmedizin, will hausärztliche Praxen als Partner der Wissenschaft gewinnen. Ende September traf sich der Projektbeirat am Uniklinikum Würzburg zum Austausch über die bisherigen Arbeitsergebnisse.

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Bayerische Forschungsnetz in der Allgemeinmedizin (BayFoNet) zielt darauf ab, ein bayernweites Netz von Forschungspraxen aufzubauen. An dem im Februar 2020 gestarteten Projekt sind Institute für Allgemeinmedizin der Universitätsklinika Würzburg und Erlangen sowie der Technischen Universität und des LMU Klinikums München beteiligt.

Am 24. September dieses Jahres trafen sich Vertreter*innen des Projektbeirates zu einer ersten Positionsbestimmung am Uniklinikum Würzburg (UKW). Dabei betonte Prof. Dr. Ildikó Gágyor vom UKW: „BayFoNet will nicht nur eine unabhängige und nachhaltige Forschungsinfrastruktur im Freistaat schaffen, sondern die Hausärztinnen und Hausärzte sowie deren Teams befähigen, eigene Forschungsideen zu entwickeln und umzusetzen.“

Projektdatenbank im Aufbau

Für einen Überblick sowohl über die teilnehmenden Forschungspraxen als auch über die Aktivität des Netzwerkes – d.h. aktuelle Schulungen sowie geplante, laufende und abgeschlossene Studien – wird laut Christian Kretzschmann derzeit eine Projektdatenbank aufgebaut. Der BayFoNet-Projektkoordinator und
-Netzwerkmanager wies bei dem Treffen darauf hin, dass dabei zur Sicherung des Datenschutzes alle Schritte eng mit dem Datenschutzbeauftragen des UKW abgestimmt werden.
Damit die Hausarztpraxen Forschungsprojekte auf hohem Niveau und gemäß wissenschaftlicher Standards durchführen können, müssen sie praxisnah geschult werden. Nach Angaben von Christina Kellerer von der TU München wurde dazu zwischenzeitlich das erste von drei Schulungs- und Fortbildungsmodulen entwickelt.

Studie evaluiert das gesamte Projekt

Die Erkenntnisse aus BayFoNet sollen eine Basis für den Aufbau weiterer Forschungspraxennetze in Deutschland darstellen. Hierfür wird das gesamte Projekt in einer Studie evaluiert. „Dabei betrachten wir sowohl die Perspektiven der Hausärzte, wie auch der Patienten, die wichtig für die Durchführbarkeit, Akzeptanz, Glaubwürdigkeit und Praktikabilität klinischer Studien sind“, sagte Dr. Linda Sanftenberg von der LMU München. Die Sichtweise und Beteiligung der Bürger*innen ist laut Larissa Burggraf vom Uniklinikum Erlangen im gesamten Verbundvorhaben wichtig. So wie die Mitglieder des Projektbeirates das BayFoNet durch ihre fachliche Expertise unterstützen, können sich auch Bürger*innen im Rahmen eines Bürgerforums mit ihren Erfahrungen und Vorstellungen einbringen und dadurch mithelfen, dass wissenschaftliche Untersuchungen so gestaltet werden, dass diese auch nachvollziehbar sind.

Für interessierte Hausarztpraxen, die Teil des Bayerischen Forschungsnetzes in der Allgemeinmedizin werden möchten, steht Christian Kretzschmann als Ansprechpartner zur Verfügung unter E-Mail: Kretzschma_C@ ukw.de oder Tel: 0931 201 47808.

 

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Uni Würzburg: Neuer Präsident gewählt

Der Psychologe Paul Pauli wird neuer Präsident der Universität Würzburg. Der Universitätsrat der JMU wählte ihn am Montag, 12. Oktober, zum Nachfolger von Alfred Forchel. Pauli tritt sein Amt am 1. April 2021 an.

Paul Pauli heißt der zukünftige Präsident der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU). Auf seiner Sitzung am Montag, 12. Oktober, wählte ihn der Universitätsrat der JMU zum Nachfolger von Alfred Forchel, wie Helmut Schwarz, der Vorsitzende des Universitätsrats erklärte.

Pauli hat derzeit den Lehrstuhl für Psychologie I - Biologische Psychologie, Klinische Psychologie und Psychotherapie an der JMU inne. Der 60-Jährige ist als Präsident der Universität für sechs Jahre gewählt und wird am 1. April 2021 Alfred Forchel ablösen, der die Universität seit Oktober 2009 leitet und nun aus Altersgründen ausscheidet.

Paul Paulis Ziele

„Das Wir-Gefühl der Universität durch eine Universitätskultur von Vertrauen, Wertschätzung und konstruktiver Kommunikation stärken, sodass wir zukünftige Herausforderungen gemeinsam, im Team, erfolgreich meistern können.“ So beschreibt Pauli eines der Ziele, die er in seiner Amtszeit als neuer Präsident der JMU erreichen möchte. Darüber hinaus ist es ihm wichtig, „unsere Exzellenz in der Forschung unter Berücksichtigung fachspezifischer Anforderungen und interdisziplinären Denkens zu stärken und Exzellenz in der Lehre zu fördern.“

Seit seinem Wechsel von England nach Würzburg habe Pauli die JMU in verschiedenen Funktionen - Institutsvorstand, Studiendekan, Dekan und DFG-Vertrauensdozent - sehr gut kennen und schätzen gelernt. In seiner Forschung habe er erfolgreich mit Medizinern, Biologen, Geisteswissenschaften und Ingenieuren kooperiert, unter anderem als Leiter eines Graduiertenkollegs und Ortssprecher eines Sonderforschungsbereichs.

„Diese Erfahrungen und Erfolge sowie meine Kompetenz, Kolleginnen und Kollegen für neue Projekte zusammenzubringen und sie dafür zu begeistern, haben mich motiviert, mich für das Amt des Präsidenten der Universität Würzburg zu bewerben“, so Pauli.

Zur Person

Pauli (Jahrgang 1960) stammt aus Biberach an der Riß. Er studierte von 1979 bis 1986 Diplom-Psychologie an der Universität Tübingen und arbeitete anschließend als Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Forschungsstipendiat am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München sowie als Wissenschaftlicher Angestellter am Institut für Psychosomatische Medizin, Psychotherapie und Medizinische Psychologie der Technischen Universität München.

1991 wurde Pauli promoviert; seine Habilitation schloss er 1997 im Fach „Medizinische Psychologie“ am Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie der Universität Tübingen ab. Von 2000 bis 2001 war er Inhaber des Lehrstuhls Clinical Psychology Research an der University of Southampton, England. Seit 2001 hat er an der JMU den Lehrstuhl für Psychologie I, Biologische Psychologie, Klinische Psychologie und Psychotherapie inne. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Angststörungen, Schmerzen und Sucht.

Gratulation vom Wissenschaftsminister

Wissenschaftsminister Bernd Sibler gratulierte dem künftigen Präsidenten der Julius-Maximilians-Universität Würzburg zur erfolgreichen Wahl: „Prof. Dr. Paul Pauli gestaltet den Universitätsbetrieb in Würzburg seit vielen Jahren engagiert mit: Als Forscher, Lehrender, Lehrstuhlinhaber sowie als Studiendekan und Dekan. Mit dem breiten Erfahrungsschatz, den er während seiner beruflichen Laufbahn bereits gesammelt hat, wird der promovierte Psychologe die älteste Universität Bayerns in eine erfolgreiche Zukunft führen und in Forschung, Lehre und Verwaltung neue Impulse setzen. Mit seiner Arbeit wird er die Universität Würzburg sicherlich weiterentwickeln und zugleich den Hochschulstandort Bayern stärken. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit!“

Wahl durch den Universitätsrat

Der Präsident der Universität wird gemäß dem bayerischen Hochschulgesetz vom Universitätsrat gewählt. Ihm gehören zehn externe Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft und beruflicher Praxis an sowie die zehn gewählten Mitglieder des Senats der Universität. Vorsitzender des Universitätsrats ist der ehemalige Präsident der Alexander-von-Humboldt-Stiftung, Professor Helmut Schwarz.

Neben Schwarz gehören zu den externen Mitgliedern des Universitätsrats die Professorinnen und Professoren Mechthild Dreyer (Universität Mainz) Dorothee Dzwonnek (Staatssekretärin a.D.), Jörg Hacker (ehemaliger Präsident der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina), Beate Kellner (Ludwig-Maximilians-Universität München), Eberhard Umbach (ehemaliger Präsident KIT) und Margret Wintermantel (ehemalige Präsidentin des DAAD). Weitere externe Mitglieder sind Dr.-Ing. Thomas Leicht (Leiter Brose Antriebstechnik GmbH & Co. KG, Berlin), Caroline Trips (Geschäftsführende Gesellschafterin der Trips GmbH) und Dr.-Ing. E.h. Manfred Wittenstein (Aufsichtsratsvorsitzender der Wittenstein SE).

Die zehn gewählten Mitglieder des Senats sind die Professorinnen und Professoren Thomas Baier (Klassische Philologie), Christoph Teichmann (Jura), Andreas Dörpinghaus (Humanwissenschaften), Caroline Kisker (Medizin), Markus Sauer (Biologie) und Holger Braunschweig (Chemie).

Der Physiker PD Dr. Volker Behr vertritt im Senat die wissenschaftlichen Mitarbeiter der Universität, Heidi Pabst vom Justiziariat die sonstigen Mitarbeiter. Stella Gaus und Chris Rettner vertreten die Interessen der Studierenden.

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 12. Oktober 2020

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Würzburger Zahnmedizin-Studierende mit bundesweitem Nachwuchs-Preis ausgezeichnet

Gleich drei Würzburger Zahnmedizin-Studierende erhielten kürzlich „Die Goldene Hedström-Feile 2019“. Mit diesem Preis würdigt die Fachzeitschrift Quintessenz Endotontie herausragende, während der studentischen Ausbildung erbrachte endodontische Leistungen – sprich exzellente Wurzelkanalbehandlungen.

Christine Karus, Elena Ries und Christian Hoyer sind Würzburger Zahnmedizin-Studierende, denen im Rahmen ihrer Ausbildung im Sommersemester 2019 oder im Wintersemester 2019/2020 im deutschlandweiten Vergleich exzellente Wurzelkanalbehandlungen gelangen. Dieser Meinung ist die Redaktion der Fachzeitschrift Quintessenz Endodontie und ehrte das Trio jeweils mit der Goldenen Hedström-Feile 2019. Mit dieser von einem Buchpreis begleiteten Auszeichnung sollen die Nachwuchsmediziner/innen schon während ihres Studiums zu hervorragenden endodontischen Behandlungen motiviert werden. Insgesamt erhielten 20 Studierende aus Deutschland und der Schweiz den Award, der nach einem zahnärztlichen Instrument benannt ist, mit dem Wurzelkanäle gesäubert und erweitert werden können.

 

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Neues Zentrum für zelluläre Immuntherapie am Uniklinikum Würzburg

Das Uniklinikum Würzburg hat in diesem Sommer ein Zentrum für zelluläre Immuntherapie gegründet. Neben der – nun gebündelten – interdisziplinären Expertise der beteiligten Mediziner zeichnet sich die Einrichtung durch ein hochspezialisiertes Labor aus. Dort kann klinikumsintern eine Vielzahl von Zellpräparaten hergestellt werden.

„Die Immuntherapie hat die Therapiemöglichkeiten in der Onkologie revolutioniert und in den letzten Jahren Erfolge erzielt, die bislang undenkbar waren“, zeigt sich Prof. Dr. Matthias Eyrich vom Uniklinikum Würzburg (UKW) begeistert. Der auf Krebs in der Kinderheilkunde spezialisierte Mediziner leitet auch den Bereich Zelltherapie an der Universitäts-Kinderklinik. Dort, wie auch an der von Prof. Dr. Hermann Einsele geleiteten Medizinischen Klinik II, werden schon seit über 15 Jahren Immuntherapien, überwiegend im Bereich der Stammzelltransplantation, angewandt. In der Onkologie sollen aktivierte Immunzellen die körpereigene Immunabwehr gezielt dabei unterstützen, Krebszellen aufzuspüren und anzugreifen. Die meisten Erfahrungen und Erfolge liegen dabei bislang bei der Behandlung von Blut- und Lymphknotenkrebs vor, nun sollen auch solide Tumoren auf diesem Weg therapiert werden. „Es zeigt sich, dass dies ungleich schwieriger ist, aber auch dies wird gelingen“, ist sich Prof. Eyrich sicher. Weitere Fachbereiche des UKW haben ein zunehmend starkes Interesse, das Immunsystem für die Behandlung von Krebserkrankungen in ihren Organbereichen zu nutzen, zum Beispiel bei Hautkrebs und Gehirntumoren. Diese Bestrebungen und Aktivitäten bündelt das UKW jetzt in dem im August dieses Jahres ins Leben gerufenen Zentrum für zelluläre Immuntherapie.

Erwartungen an die neue Zentrumsstruktur

Mit der neuen Struktur sind eine ganze Reihe von weitreichenden Erwartungen verbunden. „Dazu zählen sowohl eine Steigerung der Behandlungskapazität, wie auch eine Ausweitung der Anwendungsgebiete“, sagt Prof. Dr. Michael Hudecek, CAR-T-Zell-Spezialist an der Medizinischen Klinik II. Was nichts anderes bedeutet, als dass in Zukunft noch mehr Patienten auf diese Weise behandelt werden sollen – und die Medizinerinnen und Mediziner gleichzeitig ein noch breiteres Spektrum an Tumorerkrankungen in Angriff nehmen wollen. „Passend zum Aus- und Weiterbildungsauftrag des Uniklinikums werden wir im Zentrum außerdem für Ärztinnen und Ärzte, wie auch für Patienten gemeinsam verstärkt Schulungen zum richtigen Umgang mit Immuntherapien entwickeln und anbieten“, kündigt Prof. Eyrich an. Last but not least ist eine Zentrumsstruktur gut für die Forschung und ihre Unterstützung auf diesem Gebiet.

GMP-Zelltherapie-Labor als essentieller Leistungsträger

Immuntherapien gibt es in aller Regel nicht „von der Stange“. Vielmehr werden sie für jeden Patienten individuell hergestellt. Im Moment läuft das meistens so, dass dem Patienten eigene Zellen entnommen werden, diese werden dann in einem Speziallabor verändert und dem  Patienten anschließend zurückinfundiert. Das UKW hat den großen Vorteil, dass es viele dieser Zellmanipulationen selbst durchführen kann. Dazu betreibt es im Untergeschoss des Gebäudes D30 seit dem Jahr 2006 ein GMP-Zelltherapie-Labor. GMP steht für „Good Manufacturing Practice“, was bedeutet, dass hier nachweislich alle gesetzlichen Anforderungen wie bei der Herstellung von Fertigarzneimitteln erfüllt werden. Als Herstellungsleiter und sogenannte Sachkundige Person ist Prof. Eyrich für die hochspezialisierte Einrichtung verantwortlich. Er erläutert: „Aktuell haben wir vom Paul-Ehrlich-Institut als zuständiger Bundesoberbehörde die Genehmigungen für die Herstellung von 16 verschiedenen Zellprodukten und arbeiten daran, weitere zu bekommen. Diese Produktbreite ist bayernweit einzigartig.“ Pro Jahr stellt sein Laborteam aus sechs Medizinisch-technischen Assistentinnen und einem Leiter der Qualitätskontrolle unter Reinraumbedingungen rund 120 Produkte her, hauptsächlich im Bereich der Stammzelltransplantation. Etwa zwei Drittel der Produkte werden in der Medizinischen Klinik II an Erwachsene verabreicht, ein Drittel kommt in der Kinderklinik zum Einsatz. Desweiteren kommen mittlerweile auch Anfragen aus der gesamten Bundesrepublik.
Manche Zellmanipulationen müssen im Moment noch bei externen Biotechnologie- und Pharmafirmen stattfinden. „Hier arbeitet unser GMP-Labor als Kooperationspartner, der die hochkomplexe Logistik leisten kann, die erforderlich ist, um die Patientenzellen sicher um die halbe Welt zu senden“, beschreibt Prof. Eyrich.

Breite Forschungsbemühungen am UKW

Am UKW laufen derzeit mannigfaltige Forschungsbemühungen, um gerade auch für seltenere Tumore neue Zelltherapien zu entwickeln und verfügbar zu machen. „Das GMP-Zelltherapie-Labor fungiert hier unter anderem als Bindeglied zwischen präklinischer Laborforschung und klinischen Studien“, verdeutlicht der Herstellungsleiter. Aktuelle Studien am Würzburger Uniklinikum beschäftigen sich beispielsweise mit den Einsatzmöglichkeiten von Immuntherapien bei Erwachsenen mit Multiplem Myelom. Bei Kindern wird unter anderem an Behandlungsmöglichkeiten für das Neuroblastom, einem bösartigen Nerventumor, sowie an einem Tumorimpfstoff für kindliche Hirntumoren gearbeitet. Um für die jungen Krebspatienten solche Fortschritte nutzbar zu machen, konnte das UKW einen italienischen Wissenschaftler, Dr. Ignazio Caruana, rekrutieren, der erst vor wenigen Wochen seine Arbeit an der Kinderklinik aufnahm.

Was die Weiterentwicklung des GMP-Labors angeht, so ist laut Prof. Eyrich neben einer stärkeren Automatisierung von Herstellungsschritten vor allem die technische Weiterentwicklung der Herstellungsräume wichtig. Für den „Wachstumsbereich Zelltherapie“ werden in zwei bis drei Jahren im Zentrum für Innere Medizin des UKW neue Reinräume zur Verfügung stehen. „Dies wird unsere Abhängigkeit von industriell hergestellten Präparaten vermindern und es uns ermöglichen, auch für seltene Erkrankungen individualisierte Zellprodukte anbieten zu können,“ kündigt der Herstellungsleiter an.

 

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Im Netzwerk gegen Corona

Das „Netzwerk Universitätsmedizin“ (NUM) bündelt bis zum Frühjahr 2021 bundesweite Forschungen zur Verbesserung der Versorgung von Patientinnen und Patienten, die an Covid-19 erkranken. Das Universitätsklinikum und die Universität Würzburg sind in elf Verbünden vertreten.

Prävention, Behandlung und die Suche nach Impfstoffen gegen „Corona“ stellen die Gesundheitssysteme vor große Herausforderungen. Um Forschungsprojekte zu bündeln, Akteurinnen und Akteure zu vernetzen und Reibungsverluste zu verhindern, hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) das „Netzwerk Universitätsmedizin“ (NUM) ins Leben gerufen und fördert es mit 150 Millionen Euro. Alle deutschen Standorte der Universitätsmedizin sind vertreten, die Gesamtkoordination liegt bei der Berliner Charité.

Ein Ziel des Netzwerks NUM ist es, Kompetenzen und Ressourcen in Prävention, Diagnostik- und Behandlung aller deutschen Universitätskliniken zusammenzuführen und auszuwerten. Dadurch sollen Strukturen und Prozesse in den Kliniken geschaffen werden, die eine schnelle und qualitätsgesicherte Versorgung der an COVID-19 erkrankten Patientinnen und Patienten sicherstellen.

Um im NUM situationsgerecht und rasch agieren zu können, haben das Universitätsklinikum (UKW) und die Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg eine gemeinsame Task-Force unter der Leitung des Ärztlichen Direktors des Klinikums, Prof. Dr. Georg Ertl, und des Dekans der Medizinischen Fakultät, Prof. Dr. Matthias Frosch, eingerichtet. „Die Task Force kann auf die langjährige Erfahrung und internationale Reputation des Forschungsstandorts Würzburg bei Klinischen Studien und Registern zurückgreifen“, so der Koordinator der Würzburger Task Force, Professor Peter Heuschmann, Direktor des Instituts für Klinische Epidemiologie und Biometrie. Die zentrale Biobank ibdw bildet den elementaren Grundstein für die Bioprobenerfassung, das Servicezentrum Medizin-Informatik des UKW sorgt unter hohem Zeitdruck für notwendige Anpassungen der Datenerhebung, -speicherung und -verarbeitung. „Nahezu alle infektiologischen und klinischen Forschungsbereiche des Standorts Würzburg sind mit ihren Erfahrungen in der klinischen Forschung einbezogen“, meint der Dekan Professor Matthias Frosch.

Der Forschungsstandort Würzburg ist an insgesamt elf der 13 geförderten Verbünde des NUM-Netzes aktiv beteiligt. Die Themen decken ein breites Spektrum an medizinischer Forschung und Anwendung ab, beispielsweise Nachuntersuchungen bei COVID-19-Patientinnen und -Patienten (NAPKON), Evidenz für Maßnahmen zur Pandemiebewältigung (CEO-sys), Pandemiemanagement (EViPan Unimed) und Testung (B-FAST). Die Gesamtfördersumme beläuft sich für Würzburg auf über 4,3 Millionen Euro.

Neben der konkreten Verbesserung der Patientenbehandlung zielt das Netzwerk auch darauf, mit bislang gewonnenen Erkenntnissen im Krisenmanagement und in den organisatorischen Abläufen besser für zukünftige Krankheitsereignisse gewappnet zu sein. Die Themenfelder des Netzwerks fokussieren sich vor allem auf die Bereiche, die insgesamt einen größtmöglichen Mehrwert für eine „Pandemic Preparedness“, also die Vorbereitung auf pandemische Ereignisse, bieten. Der Leiter der Task Force und Ärztliche Direktor des UKW Professor Georg Ertl sagt: „Gerade die wieder gestiegenen Corona-Infektionszahlen ohne entsprechende COVID-19 Erkrankungen machen den Forschungsbedarf deutlich: Wer infiziert sich, wer wird krank und wer hat einen schweren Krankheitsverlauf? Was sind die Risikofaktoren für einen solchen schweren Verlauf?“ Auch die Würzburger STAAB-COVID-Studie, die am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) mit Unterstützung des Bayerischen Wissenschaftsministeriums und der Stadt Würzburg durchgeführt wird, widme sich diesen vielleicht wichtigsten Fragen. Der Bayerische Wissenschaftsminister Bernd Sibler weist darauf hin: „Hier zeigt die Universitätsmedizin, dass sie quasi aus dem Stand für die Gesellschaft wichtigste medizinische Forschungsfragen bearbeiten kann. In ihr sind Patientenversorgung und patientennahe Forschung so eng verzahnt, dass eine schnelle und wissenschaftlich fundierte Rückkopplung von Erkenntnissen in die medizinische Anwendung möglich ist. Sowohl in der Forschung als auch in der Versorgung ist die Universitätsmedizin die Speerspitze im Kampf gegen Corona“.

Die daraus gewonnenen Erkenntnisse können in Zukunft als Empfehlungen für Prävention und Behandlung in Gesellschaft und Politik einfließen.

 

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Prof. Dr. Ulrich Schlagenhauf: Experte für Parodontologie im Ruhestand

Prof. Dr. Ulrich Schlagenhauf leitete 20 Jahre lang die Abteilung für Parodontologie am Uniklinikum Würzburg. Ende September dieses Jahres ging der wegweisende Forscher, beliebte Arzt und hochengagierte Dozent in den Ruhestand.

Noch bis vor wenigen Jahrzehnten war die verbreitete Meinung, dass Parodontitis, also die Entzündung des Zahnbettes, eine Folge von mangelnder Mundhygiene sei. „Tatsächlich ist dies aber eine hochkomplexe Erkrankung, an der man sich intellektuell hervorragend abarbeiten kann“, sagt Prof. Dr. Ulrich Schlagenhauf. Und genau das tat der Zahnmediziner als Leiter der Abteilung für Parodontologie am Uniklinikum Würzburg (UKW) in den vergangenen 20 Jahren. Ende September dieses Jahres ging der Experte in den verdienten Ruhestand.

Prägender USA-Aufenthalt

Der Grundstein für das Verständnis der Parodontitis als in letzter Konsequenz internistischen Erkrankung mit hohen Bezügen unter anderem zu Biochemie, Mikrobiologie, Bakteriologie und Immunologie wurde bei dem gebürtigen Baden-Württemberger in den USA gelegt: In den 1980er Jahren verbrachte er ein zweijähriges Graduiertenstudium der Parodontologie inklusive Forschungsaufenthalt an der University of Washington in Seattle. „Dort hatte man bereits erkannt, dass bei vielen Patienten mit schwerer Parodontitis das eigentliche Problem in einem falschen Lebensstil zu suchen ist, der zu einer ungünstigen Zusammensetzung der Bakterien im Mund führt, aus der wiederum eine chronische Entzündung resultiert“, berichtet Prof. Schlagenhauf. Zurück in Deutschland musste er allerdings feststellen, dass in der hiesigen Hochschullandschaft die Zeit für diese Sichtweise noch nicht reif war. Deshalb arbeitete er – nach seiner Promotion und Habilitation in Tübingen – ab 1996 in einer auf Parodontologie spezialisierten Privatpraxis in Stuttgart. Den Kontakt zur Universitätsmedizin hielt er durch seine regelmäßige Lehrtätigkeit in den Fachgebieten Parodontologie und Prävention an der Abteilung für Zahnerhaltung der Universität Tübingen. In dieser Situation erreichte ihn im Jahr 2000 – nach eigenen Worten eher unerwartet – die Anfrage des UKW, die Nachfolge von Prof. Dr. Thomas Flemmig als Leiter der Abteilung für Parodontologie anzutreten.

Preiswürdige Lehrtätigkeit

An der Würzburger Zahnklinik konnte der leidenschaftliche Dozent sein Wissen über das „Dysbiosemodell der parodontalen Entzündung“ an die nächste Generation von Zahnmedizinerinnen und -medizinern weitergeben. „Der Mund ist ein Indikator der Lebensführung. Faktoren wie Stress, ungesunde Ernährung und Rauchen tragen ursächlich zur chronischen Entzündung bei, die langfristig die Zähne und das Zahnfleisch zerstört. Hinzu kommt eine erbliche Komponente“, schildert Prof. Schlagenhauf. Diese und viele weitere Botschaften vermittelte er so vorbildlich an die Studierenden, dass ihm Ende vergangenen Jahres der Albert-Kölliker-Lehrpreis der Medizinischen Fakultät der Uni Würzburg verliehen wurde. In der Begründung für die Preisvergabe heißt es unter anderem: „Seine Lehrveranstaltungen sind einzigartig und beinhalten stets moderne, neue Erkenntnisse, zu denen er selbst forscht und zahlreiche Publikationen veröffentlicht hat. Er überzeugt die Studierenden durch seine hohe Fachkompetenz und begeistert durch die Einflechtung von innovativen Therapieansätzen.“

Beachtete Forschungsergebnisse

Zu den von ihm erforschten, innovativen Therapieansätzen zählt zum Beispiel der Einsatz von Probiotika. „Allein durch das Lutschen von mit Lactobazillen ausgestatteten Bonbons lassen sich Entzündungen im Mund mehr als halbieren“, berichtet der Zahnmediziner.
Nicht nur in der Fachwelt hohe Aufmerksamkeit rief ferner eine klinische Studie hervor, die belegt, dass das Nitrat aus einem handelsüblichen Gemüsesaft den Verlauf chronischer Zahnfleischentzündungen nach nur zwei Wochen bereits spürbar verbessern kann. Für diese Erkenntnis wurden Prof. Schlagenhauf und sein Team mit dem Wrigley Prophylaxe Preis 2016 im Bereich Wissenschaft geehrt.

Pragmatische Therapiekonzepte und langjährige Patienten

Die Einfachheit dieser Behandlungsideen ist bezeichnend für das klinische Konzept des nun ehemaligen Abteilungsleiters, das auf eine möglichst gute Umsetzbarkeit im täglichen Leben der Patienten abzielt. Ein Konzept, das gut ankommt: Die Abteilung für Parodontologie hat über 2000 treue Patienten, die in die Würzburger Zahnklinik zur Behandlung kommen – in die studentischen Kurse und zu Prof. Schlagenhauf direkt. „Ein Aspekt, der mir an der Parodontologie gut gefällt, ist die oft langjährige Arzt-Patienten-Beziehung“, sagt der Professor und fährt fort: „Besonders befriedigend ist es, wenn es gelingt, die Zähne von Patienten mit ursprünglich schlechter Prognose noch jahrzehntelang zu erhalten.“

In der Gremienarbeit engagiert

Neben Klinik, Forschung und Lehre engagierte sich Prof. Schlagenhauf auch in der Verbandsarbeit sowie in der Gesundheits- und Hochschulpolitik. So war er von 2006 bis 2011 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie und von 2014 bis 2016 Präsident der Vereinigung der Hochschullehrer für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. Als Impulsgeber hatte er Anteil an der Erstellung des nationalen kompetenzbasierten Lernzielkataloges Zahnmedizin und war Mitglied in der Arbeitsgruppe für die Gestaltung der neuen zahnärztlichen Approbationsordnung, die zum 1. Oktober 2020 in Kraft trat.
Der 30. September 2020 markiert zwar das Ausscheiden von Prof. Schlagenhauf als Leiter der Abteilung Parodontologie, nicht aber das Ende seiner Arbeit am UKW. So wird er auch weiterhin in ausgewählten Forschungsprojekten aktiv sein.
Wer die Nachfolge von Prof. Schlagenhauf antreten wird, ist noch nicht endgültig entschieden, da das Berufungsverfahren formal noch nicht abgeschlossen ist.

 

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