Mit zwei Simulatoren für die Spaltlampenuntersuchung und indirekte Fundoskopie bringt das Uniklinikum Würzburg (UKW) die Lehre und Ausbildung in der Augenheilkunde auf Top-Niveau. Die EyeSi-Simulatoren kombinieren reale Hardware mit virtueller Realität. Dadurch können Lernende unabhängig vom klinischen Alltag realistische Diagnostik-Situationen üben.
Würzburg. Für Augenärztinnen und Augenärzte ist die Spaltlampe das, was für Internistinnen und Internisten das Stethoskop ist: ein zentrales Basisinstrument, das bei fast jeder Untersuchung zum Einsatz kommt. Durch die starke Vergrößerung und die spaltförmige Beleuchtung, mit der sich das Auge Schicht für Schicht durchleuchten lässt, ermöglicht die Spaltlampe die Untersuchung zahlreicher Strukturen des Auges. Mithilfe der Spaltlampe können beispielsweise Kratzer oder Infektionen der Hornhaut, der Graue Star der Linse oder die diabetische Retinopathie oder Makuladegeneration der Netzhaut diagnostiziert werden. Auch bei Entzündungen der Regenbogenhaut (Iritis) oder bei Verletzungen durch Fremdkörper liefert sie entscheidende Informationen.
Studierende für die Augenheilkunde begeistern
Umso wichtiger ist es deshalb, dass die Assistenzärztinnen und -ärzte in ihrer Ausbildung die Untersuchungen an der Spaltlampe trainieren und die Medizinstudierenden in ihrer Lehre ein Gefühl für die Augenheilkunde entwickeln. „Doch wie sollen wir die Studierenden für unser Fach begeistern, wenn für die Lehre nicht genügend Zeit an der Spaltlampe zur Verfügung steht?“, fragt Privatdozent Dr. Andreas Berlin vom Uniklinikum Würzburg (UKW). Im Vergleich zum Stethoskop sind Spaltlampen nicht nur eine knappe Ressource, sondern es ist auch sehr aufwendig, das Gerät zu bedienen bzw. den Nachwuchs an der Spaltlampe zu trainieren und dafür zu begeistern.
Das Erlernen der Untersuchung findet häufig direkt im klinischen Alltag statt. Dieser ist jedoch oft sehr eng getaktet, sodass nur begrenzter Raum für eine strukturierte Anleitung und Übung bleibt. Hinzu kommt, dass die Vermittlung der Untersuchungstechniken stark von den jeweiligen Lehrenden abhängt. Der Bedarf an strukturierten, standardisierten Trainingsmöglichkeiten ist daher groß.
EyeSi-Simulatoren für Spaltlampenuntersuchung und Fundoskopie
Andreas Berlin schafft nun Abhilfe dank der Unterstützung der Dr. Herbert-Brause-Stiftung, von Roche Pharma und Bayer Pharma sowie durch Mittel der Augenklinik des UKW. Der Oberarzt der Würzburger Augenklinik setzte sich für die Anschaffung von zwei Geräten ein, die wichtige Augenuntersuchungen simulieren. In der Lehrklinik am UKW wurden konkret eine EyeSi Slit Lamp für das Training von Spaltlampenuntersuchungen sowie ein EyeSi Indirect Simulator für die indirekte Fundoskopie aufgestellt. Bei der indirekten Fundoskopie, auch Ophthalmoskopie genannt, wird der Augenhintergrund untersucht, also die Netzhaut (Retina), die Aderhaut, die Gefäße und der Sehnervenkopf. Diese Untersuchung gilt als eine der schwierigsten Basisuntersuchungen, da sie optisch ungewohnt, motorisch komplex und didaktisch schlecht zu vermitteln ist – vor allem ohne strukturierte Trainingsmöglichkeiten.
Mit dem EyeSi Indirect Simulator lernen Studierende, Netzhauterkrankungen wie die diabetische Retinopathie, Netzhautablösungen oder die Makuladegeneration realitätsnah zu erkennen und die entsprechende Diagnostik zu üben.
„Beide Simulatoren kombinieren reale Hardware –Haag-Streit-Spaltlampe und Heine-Kopfophthalmoskop - mit virtueller Realität. Die Lernenden erhalten objektives Feedback und können bestimmte Untersuchungen wiederholt trainieren, ohne den klinischen Alltag zu belasten“, so Berlin.
Praktische Fertigkeiten vermitteln und theoretisches Wissen verbessern
Der Facharzt hat nun ein Konzept für eine Summer- und Winter-School erarbeitet, in der interessierte Studierende und Berufseinsteiger an den Simulatoren in der Lehrklinik am UKW die wichtigsten Untersuchungen in der Augenheilkunde erlernen und üben können. An einer zusätzlichen echten Haag-Streit-Spaltlampe können sich die Teilnehmenden gegenseitig untersuchen und die virtuelle Realität zumindest auf gesunde Menschen übertragen. „Wer strukturiert und standardisiert das Gleiche lernt, der kann auch im Alltag bestehen. Dann wissen wir als leitende Ärzte, dass wir uns auf die praktischen Fähigkeiten und das theoretische Wissen des Nachwuchses verlassen können“, sagt Andreas Berlin. „Denn auch wenn ich weiß, wie ich das Auge untersuchen muss, werde ich nicht sehen, was es zu sehen gibt, wenn ich nicht weiß, was es zu sehen geben könnte.“
Erste Würzburger SummerSchool for Ophthalmology im September
Die erste SummerSchool for Ophthalmology findet vom 10. bis 12. September 2026 statt - exklusiv für Medizinstudierende aus Würzburg.
Die Teilnehmenden erwarten in den drei Tagen spannende Vorträge, High-End-Simulatortraining an den Eyesi®-Simulatoren für Spaltlampenuntersuchung und indirekte Ophthalmoskopie sowie intensive Hands-on-Workshops – alles unter persönlicher Anleitung erfahrener und engagierter Augenärztinnen und Augenärzte. In persönlichen Gesprächen erhalten die Medizinstudierenden ehrliche Einblicke in den klinischen Alltag, verschiedene Karrierewege und die Faszination eines der innovativsten Fächer der Medizin.
Entdecke die Vielfalt der Ophthalmologie und erlebe, warum Präzision, Technologie und Teamarbeit dieses Fach so besonders machen.
Bewerbungen sind bis zum 8. August 2026 möglich: https://tally.so/r/7REbrP