Stefan Silbernagl: Universitätsarchiv hat Nachlass des Mediziners aufbereitet

Ein Forscherleben in 21 Schachteln: Wer im Universitätsarchiv die Deckel der Archivboxen öffnet, begegnet dem Geist, der den Würzburger Medizinprofessor Stefan Silbernagl mehr als 20 Jahre lang angetrieben hat.

 

„Der Silbernagl“ ist im Lauf der Jahrzehnte durch die Hände zahlloser Medizinstudierender gegangen. Gemeint ist das Standardwerk „Lehrbuch der Physiologie“, das der Würzburger Professor Stefan Silbernagl (1939-2025) mitverfasst hat.

Die Arbeit an dem Buch war nicht die einzige publizistische Tätigkeit des Professors. Er gehörte auch zum Herausgebergremium der Fachzeitschrift „Physiologie“. Sitzungsprotokolle, Manuskripte, Planungen für zukünftige Hefte: Was sich bei dieser Tätigkeit hinter den Kulissen abspielte, hat das Universitätsarchiv Würzburg jetzt erschlossen.

Die Unterlagen sind Teil des umfangreichen wissenschaftlichen Nachlasses, den das Universitätsarchiv nach dem Tod des renommierten Physiologen vom Institut übernommen hat. Immer wieder kümmert sich das Archivteam um solche Nachlässe von Universitätsangehörigen, bereitet sie auf und macht sie der Forschung zugänglich.

Renommierter Nieren- und Membranforscher

Stefan Silbernagl leitete von 1981 bis 2004 den Lehrstuhl für Physiologie in der Medizinischen Fakultät. Die Schwerpunkte seiner Forschung lagen auf der Nieren- und der Zellphysiologie. Für seine herausragenden Leistungen erhielt er viele Ehrungen; die JMU verlieh ihm 2015 die Verdienstmedaille „Bene merenti“ in Gold. Der Professor war elf Jahre lang Sprecher eines DFG-Sonderforschungsbereichs, in dem die Signalübertragung und der Stofftransport an Membranen untersucht wurden.

Zu diesem Forschungsgebiet finden sich in seinem Nachlass unter anderem persönlich angefertigte Zeichnungen, in denen er das Geschehen an den Zellmembranen skizziert hat. Ebenfalls sehenswert: Ein Fotoalbum, das Beschäftigte des Instituts und des Universitätsbauamts zur Fertigstellung des Institutsanbaus 1963 zusammengestellt haben. Das Bild auf der ersten Seite zeigt den Neubau, und auf dessen Parkplatz stehen einige angesagte Automodelle dieser Zeit.

Aktuell 50 Nachlässe im Uniarchiv

Drei Monate hat es gedauert, bis das Team des Uniarchivs den Nachlass des Physiologen erschlossen hatte. Das Ergebnis füllt 21 Archivschachteln, die etwa so groß wie ein Schuhkarton sind. Damit gehört der Silbernagl-Nachlass zu den umfangreicheren im Archiv – die meisten anderen der aktuell 50 Nachlässe bestehen aus deutlich weniger Stücken und passen oft in eine A4-Mappe.

Der Silbernagl-Nachlass umfasst Laborbücher mit Versuchsauswertungen, Ordner mit Vortragsmanuskripten, Protokolle über Versammlungen und Tagungen, lehrstuhlbezogene Dokumente, Materialien zur Deutschen Physiologischen Gesellschaft und Fotografien. Der Schriftverkehr mit in- und ausländischen Universitäten und anderen Institutionen zeigt, wie stark Silbernagl international vernetzt war.

Universitätsgeschichte wird bewahrt

Beim Aufbereiten von Nachlässen prüfen die Beschäftigten des Archivs jedes einzelne Stück sorgfältig. Sie verpacken dann alles in Mappen und Schachteln aus säurefreiem Material, damit es die Zeit gut überdauert, und erstellen ein digitales Verzeichnis, mit dem man die Dokumente leicht wiederfindet. Auf diese Weise ermöglichen sie unterschiedlichste Forschungsarbeiten und bewahren ein Stück Universitätsgeschichte.

Weblink: Universitätsarchiv Würzburg 

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 23. Juni 2026

Neues Institut und eigenhändige Zeichnung des Professors aus einem Fotoalbum von 1963.
Aus dem Nachlass des Würzburger Physiologen Stefan Silbernagl: Bild aus einem Fotoalbum von 1963 zum Neubau des Instituts und eigenhändige Zeichnung des Professors. UAWue NL Silbernagl 36 / UAWue NL Silbernagl 27. (Bild: Mareile Mansky / Universität Würzburg)
Eine eigenhändige Zeichnung des Physiologieprofessors Stefan Silbernagl.
Eine eigenhändige Zeichnung des Physiologieprofessors Stefan Silbernagl. UAWue NL Silbernagl 27 (Bild: Mareile Mansky / Universität Würzburg)

Aus dem Nachlass des Würzburger Physiologen Stefan Silbernagl: Bild aus einem Fotoalbum von 1963 zum Neubau des Instituts und eigenhändige Zeichnung des Professors. UAWue NL Silbernagl 36 / UAWue NL Silbernagl 27. (Bild: Mareile Mansky / Universität Würzburg)

Eine eigenhändige Zeichnung des Physiologieprofessors Stefan Silbernagl. UAWue NL Silbernagl 27 (Bild: Mareile Mansky / Universität Würzburg)