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Kulturpreis für Kathleen Wermke

KULTURPREIS DEUTSCHE SPRACHE: WÜRZBURGER ZENTRUM FÜR VORSPRACHLICHE ENTWICKLUNG UND ENTWICKLUNGSSTÖRUNGEN (ZVES) MIT INSTITUTIONENPREIS AUSGEZEICHNET

Prof. Dr. Kathleen Wermke erforscht seit Jahrzehnten das Weinen sowie die vorsprachlichen Lautäußerungen von Säuglingen und Kleinkindern auf fast allen Kontinenten. Ihre bahnbrechenden Erkenntnisse über Babylaute hat sie in dem Buch „Babygesänge. Wie aus Weinen Sprache wird“ zusammengefasst. Das Sachbuch wurde Anfang 2025 in Österreich bereits zum besten Wissenschaftsbuch des Jahres in der Kategorie Medizin/Biologie gewählt. Nun nahm Kathleen Wermke bei der Verleihung des Kulturpreises Deutsche Sprache in Baden-Baden für ihr Zentrum für vorsprachliche Entwicklung und Entwicklungsstörungen (ZVES) am Uniklinikum Würzburg den Institutionenpreis entgegen.

 

Kathleen Wermke hält auf der Bühne die Urkunde, Helmut Glück die gläserne Trophäe
Prof. Dr. Kathleen Wermke vom Universitätsklinikum Würzburg erhielt für ihre Forschung im Übergangsbereich zwischen Biologie, Medizin und Linguistik den Institutionenpreis Deutsche Sprache, überreicht durch Prof. Dr. Helmut Glück, Mitglied der Jury. © Eberhard-Schöck-Stiftung
Gruppenbild der Gewinner mit ihren Preisen und Laudatoren
Im Kurhaus Baden-Baden wurde zum 24. Mal der Kulturpreis Deutsche Sprache in drei Sparten verliehen: Vor 400 geladenen Gästen erhielt Hape Kerkeling den mit 30.000 Euro dotierten Jacob-Grimm-Preis (Hauptpreis). Rechts neben ihm die Preisträgerinnen des Initiativpreises für ihr Projekt „Echt absolut – Literarisches Übersetzen mit Jugendlichen“, links Kathleen Wermke vom Zentrum für vorsprachliche Entwicklung und Entwicklungsstörungen (ZVES) am Universitätsklinikum Würzburg, die den Institutionenpreis erhielt. © Eberhard-Schöck-Stiftung
Buchtitel mit schreiendem Baby
Das Buch „Babygesänge. Wie aus Weinen Sprache wird“ von Kathleen Wermke (224 Seiten Hardcover, 13,5 x 21,5 cm. EUR 26,00. ISBN 978-3-222-15122-4 Molden Verlag) wurde in Österreich zum Wissenschaftsbuch in der Kategorie Medizin / Biologie gewählt. © Molden Verlag

Würzburg/Baden-Baden. Hape Kerkeling, der in diesem Jahr den Jacob-Grimme-Preis, den Hauptpreis des „Kulturpreises Deutsche Sprache“, erhielt, erinnerte gleich zu Beginn seiner Dankesrede in Baden-Baden an seine Mutter: „Sie hat mir die Liebe zur deutschen Sprache beigebracht. Sie ließ keine Pointe aus und zeigte mir, dass zur Sprache auch Lachen und Weinen gehören.“ Für ihn sei Sprache mehr als nur Bedeutung, sie sei Emotion. 

Für Prof. Dr. Kathleen Wermke, beginnt die Sprache sogar schon im Mutterleib. Kaum auf der Welt, imitieren Säuglinge die Sprachmelodie ihrer Mütter, um eine emotionale Bindung zu ihnen aufzubauen. Diese stimmlichen Botschaften sind laut Wermke wie ein Urgesang, aus dem sich die gesprochene Sprache entwickelt. Sie möchte daher Erwachsene, nicht nur Eltern, dazu anregen, Babys einfach mal zuzuhören, ihre stimmlichen Botschaften wertzuschätzen und zu akzeptieren, dass diese emotionale Sprache der Weg zur Sprache ist.

Weltweit einzigartige Datenbank von Babylauten

Kathleen Wermke wurde am 27. September 2025 neben Hape Kerkeling mit dem Kulturpreis Deutsche Sprache geehrt, und zwar in der undotierten Sparte „Institutionspreis“. Die Verhaltensbiologin und Anthroposophin leitet am Uniklinikum Würzburg (UKW) das 2003 in enger Kooperation mit der Kinderklinik, der Hals-Nasen-Ohren-Klinik und der Kinderneurochirurgie in der Poliklinik für Kieferorthopädie gegründete Zentrum für vorsprachliche Entwicklung und Entwicklungsstörungen (ZVES). Im Laufe der Jahre ist dort eine weltweit einzigartige Datenbank von Babylauten entstanden. Mithilfe ihrer Daten ist es möglich, die normale Sprachentwicklung sowie Einflussfaktoren wie Fehlbildungen, Hörstörungen oder Umweltbedingungen zu analysieren, Entwicklungsstörungen frühzeitig zu erkennen und gezielte Fördermaßnahmen zu entwickeln. „Mittels der Sprach- und Stimmdiagnostik lässt sich eine Hörstörung bei Babys inzwischen sehr früh behandeln“, so Wermke. Über die mit dem Kulturpreis Deutsche Sprache und die damit verbundene Anerkennung freut sie sich sehr. Es sei nicht leicht, angesichts der aktuellen globalen Probleme in der Öffentlichkeit gesehen zu werden. 

Pionierin und Grundlagenforscherin in einem Übergangsbereich zwischen Biologie, Medizin und Linguistik

„Als eine Pionierin in einem Forschungsfeld, das noch viele offene Fragen für uns parat hat“, ehrte sie Prof. Dr. Helmut Glück, Sprachwissenschaftler und Mitglied der Jury, in seiner Laudatio. „Wesentliche Fragen hat sie gestellt, einige davon hat sie beantwortet.“ Kathleen Wermke sei eine Grundlagenforscherin in einem Übergangsbereich zwischen Biologie, Medizin und Linguistik. „Sie hat herausgefunden, dass es zunächst einfache Tonkurven sind, die das Babyweinen charakterisieren, Tonkurven aus Melodien, Rhythmen, Lautstärken und Klangfarben.“ Und sie habe zeigen können, dass sich diese Grundbausteine in Abhängigkeit davon unterscheiden, welche Sprache die Mutter während der Schwangerschaft gesprochen oder ob sie ein Instrument gespielt habe. Auch der Frage, ob man vom Babyweinen auf Entwicklungsstörungen im Gehirn des Babys schließen kann, sei sie nachgegangen.

Nach Sachbuch „Babygesänge. Wie aus Weinen Sprache wird“ folgt Fachbuch

Der Kulturpreis Deutsche Sprache ist bereits die zweite Ehrung für Kathleen Wermke in diesem Jahr. Im Februar 2025 wurde ihr Sachbuch „Babygesänge. Wie aus Weinen Sprache wird“ (Molden Verlag) zum besten Wissenschaftsbuch des Jahres in der Kategorie Medizin/Biologie gewählt. In dem Buch nimmt sie ihre Leserinnen und Leser auf über 200 Seiten unterhaltsam und fundiert mit zahlreichen Hörbeispielen in die geheimnisvolle Klangwelt der Babys mit. Derzeit arbeitet sie mit Unterstützung der Carl Friedrich von Siemens Stiftung an einem Fachbuch, in dem sie ihre Theorien zur vorsprachlichen Entwicklung sowohl mit modernen Konzepten zur Sprachrevolution als auch mit ihren klinischen Erfahrungen verbindet. 

Zum Kulturpreis Deutsche Sprache

Der Kulturpreis Deutsche Sprache wird von der Eberhard-Schöck-Stiftung gemeinsam mit der renommierten Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in drei Sparten verliehen. Ausgezeichnet werden seit 2001 alljährlich Personen, Institutionen und Initiativen, die sich in besonderem Maße um die deutsche Sprache verdient gemacht haben. Der Jacob-Grimm-Preis (Hauptpreis) ging bisher an bekannte Persönlichkeiten wie die Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim, Udo Lindenberg, Cornelia Funke, Loriot, Ulrich Tukur oder die Fantastischen Vier.

Am Samstag wurde in Baden-Baden zum 24. Mal der Kulturpreis Deutsche Sprache in drei Kategorien verliehen. Vor 400 geladenen Gästen erhielt Hape Kerkeling den mit 30.000 Euro dotierten Jacob-Grimm-Preis (Hauptpreis). Ausgezeichnet wurden außerdem das Projekt „Echt absolut – Literarisches Übersetzen mit Jugendlichen“ von Nina Thielicke und Christine Wagner (Initiativpreis) sowie das von Kathleen Wermke geleitete Zentrum für vorsprachliche Entwicklung und Entwicklungsstörungen (ZVES) am Universitätsklinikum Würzburg (Institutionenpreis).

Kathleen Wermke hält auf der Bühne die Urkunde, Helmut Glück die gläserne Trophäe
Prof. Dr. Kathleen Wermke vom Universitätsklinikum Würzburg erhielt für ihre Forschung im Übergangsbereich zwischen Biologie, Medizin und Linguistik den Institutionenpreis Deutsche Sprache, überreicht durch Prof. Dr. Helmut Glück, Mitglied der Jury. © Eberhard-Schöck-Stiftung
Gruppenbild der Gewinner mit ihren Preisen und Laudatoren
Im Kurhaus Baden-Baden wurde zum 24. Mal der Kulturpreis Deutsche Sprache in drei Sparten verliehen: Vor 400 geladenen Gästen erhielt Hape Kerkeling den mit 30.000 Euro dotierten Jacob-Grimm-Preis (Hauptpreis). Rechts neben ihm die Preisträgerinnen des Initiativpreises für ihr Projekt „Echt absolut – Literarisches Übersetzen mit Jugendlichen“, links Kathleen Wermke vom Zentrum für vorsprachliche Entwicklung und Entwicklungsstörungen (ZVES) am Universitätsklinikum Würzburg, die den Institutionenpreis erhielt. © Eberhard-Schöck-Stiftung
Buchtitel mit schreiendem Baby
Das Buch „Babygesänge. Wie aus Weinen Sprache wird“ von Kathleen Wermke (224 Seiten Hardcover, 13,5 x 21,5 cm. EUR 26,00. ISBN 978-3-222-15122-4 Molden Verlag) wurde in Österreich zum Wissenschaftsbuch in der Kategorie Medizin / Biologie gewählt. © Molden Verlag

„Babygesänge“ ist Wissenschaftsbuch des Jahres

Prof. Dr. Kathleen Wermke erforscht seit Jahrzehnten das Weinen und die vorsprachlichen Lautäußerungen von Säuglingen und Kleinkindern auf fast allen Kontinenten. Ihre bahnbrechenden Erkenntnisse über Babylaute fasste sie in dem Buch „Babygesänge. Wie aus Weinen Sprache wird“ zusammen. Das im vergangenen Jahr im Molden Verlag erschienene Sachbuch wurde nun in Österreich zum besten Wissenschaftsbuch des Jahres in der Kategorie Medizin/Biologie gewählt.

Porträt von Kathleen Wermke am Tisch in ihrem Büro vor dem Bücherregal
Prof. Dr. Kathleen Wermke baute mit ihrem Team in der Poliklinik für Kieferorthopädie am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) das weltweit erste Zentrum zur Diagnostik vorsprachlicher Entwicklungsstörungen bei Kindern mit einem erhöhten Risiko für den Spracherwerb auf. @ Kathrin Königl
Cover des Buches mit weinendem Säugling
Das Buch "Babygesänge. Wie aus Weinen Sprache wird" von Kathleen Wermke (224 Seiten Hardcover, 13,5 x 21,5 cm. EUR 26,00. ISBN 978-3-222-15122-4 Molden Verlag) wurde in Österreich zum Wissenschaftsbuch in der Kategorie Medizin / Biologie gewählt. @ Molden Verlag

Würzburg. In ihrem Sachbuch „Babygesänge. Wie aus Weinen Sprache wird“ führt Prof. Dr. Kathleen Wermke ihre Leserinnen und Leser auf über 200 Seiten unterhaltsam und fundiert mit zahlreichen Hörbeispielen in die geheimnisvolle Klangwelt der Babys ein. Brabbeln, Quieken, aber auch Schreien und Weinen sind für sie wie Magie. Und diese Magie scheint die Leiterin des Zentrums für vorsprachliche Entwicklung und Entwicklungsstörungen am Uniklinikum Würzburg (UKW) auf die Leserschaft übertragen zu haben. Denn Kathleen Wermkes Buch wurde jetzt in Österreich zum besten Wissenschaftsbuch des Jahres in der Kategorie Medizin/Biologie gekürt. 

Ehre und Anerkennung

Die Wahl erfolgt in einem mehrstufigen Prozess. Eine Fachjury aus den Bereichen Wissenschaft, Forschung, Wissenschaftsjournalismus, Büchereien und Buchbranche wählt zunächst in vier Kategorien jeweils fünf Bücher aus, aus denen dann in einer Publikumswahl die Siegertitel ermittelt werden. „Ich danke allen, die für mein Buch gestimmt haben. Es ist eine große Ehre für mich und eine Anerkennung meiner langjährigen Arbeit“, freut sich Kathleen Wermke. Auch der österreichische Minister Martin Polaschek vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) freut sich über das große Publikumsinteresse an der Wahl und gratuliert den Autorinnen und Autoren der Siegerbücher: „Die Wahl zum besten Wissenschaftsbuch ist fixer Teil der Wissenschaftskommunikation des BMBWF und ich darf alle Forscherinnen und Forscher ermutigen, ihr Wissen auch weiterhin mit einer breiten Öffentlichkeit zu teilen.“

Babys in Frankreich und Japan weinen anders als in Deutschland

Kathleen Wermke erforscht seit Jahrzehnten das Weinen und die vorsprachlichen Lautäußerungen von Säuglingen und Kleinkindern auf fast allen Kontinenten. Obwohl alle Neugeborenen in der Lage sind, jede noch so komplexe Lautsprache der Welt zu erlernen, zeigen sich kulturelle Unterschiede bereits in den ersten Lauten, die Babys von sich geben. Französische Babys weinen mit Akzent, japanische und schwedische Neugeborene weinen deutlich komplexer als deutsche Säuglinge. In der Lamnso-Sprache der Nso, einem ländlichen Volk im Nordwesten Kameruns, gibt es sogar acht Tonhöhen plus spezifische Tonhöhenverläufe. Die Verhaltensbiologin und Medizinanthropologin schließt daraus, dass bereits im letzten Drittel der Schwangerschaft eine Prägung durch die Sprachmelodie der Mutter stattfindet. Kaum auf der Welt, imitieren die Kinder diese Melodiemuster. Wermke ist überzeugt, dass ein besseres Verständnis des Säuglingsgesangs dazu beitragen kann, die körperlichen und kognitiven Anstrengungen zu würdigen, die Babys leisten, um mit ihrer Umwelt akustisch in Kontakt zu treten und über die Stimme eine emotionale Bindung zu ihren Bezugspersonen aufzubauen. 

Wertschätzung des musikalischen Urgesangs aus dem sich die gesprochene Sprache entwickelt

Sie versteht ihr Buch keineswegs als Ratgeber zur Sprachförderung. Sie möchte lediglich Erwachsene, nicht nur Eltern, dazu anregen, Babys einfach mal zuzuhören, ihre stimmlichen Botschaften wertzuschätzen und zu akzeptieren, dass diese emotionale Sprache der Weg zur Sprache ist. „Das Weinen und die vorsprachlichen Lautäußerungen, mit denen Gefühle und Bedürfnisse ausgedrückt werden, sind ein musikalischer Urgesang, der dem Gesang mancher Tiere ähnelt. Aber erst aus dem Babygesang entwickelt sich die gesprochene Sprache“, berichtet Kathleen Wermke, die derzeit mit Unterstützung der Carl Friedrich von Siemens Stiftung an einem Fachbuch arbeitet. 

Kathleen Wermke forschte und lehrte viele Jahre am Institut für Anthropologie der Charité in Berlin bevor sie im Jahr 2003 an die Poliklinik für Kieferorthopädie des UKW wechselte, um dort in enger Kooperation mit der Kinderklinik, der Hals-Nasen-Ohren-Klinik und der Kinderneurochirurgie das interdisziplinäre Zentrum für vorsprachliche Entwicklung und Entwicklungsstörungen aufzubauen. So entstand im Laufe der Jahre eine weltweit einzigartige Datenbank von Babylauten. Diese Daten ermöglichen es, die normale Sprachentwicklung sowie Einflussfaktoren wie Fehlbildungen, Hörstörungen oder Umweltbedingungen zu analysieren, Entwicklungsstörungen frühzeitig zu erkennen und gezielte Fördermaßnahmen zu entwickeln.

Alle Wissenschaftsbücher 2025 auf einen Blick: 

  • Naturwissenschaft / Technik: Paulina Rowińska: Mapmatics. Wie Karten unser Weltbild prägen (Aufbau)
  • Medizin / Biologie: Kathleen Wermke: Babygesänge. Wie aus Weinen Sprache wird (Molden)
  • Junior-Wissensbücher: Lotte Stegeman, Mark Janssen: Die Gefühle der Tiere. Von eifersüchtigen Affen, ängstlichen Hunden und pfiffigen Ratten (Rotfuchs), ab 8
  • Geistes- / Sozial- / Kulturwissenschaften: Gerhard Ammerer, Nicole Bauer, Carlos Watzka: Dämonen (Verlag Anton Pustet)
     

Text: KL / Wissenschaftskommunikation UKW 
 

Porträt von Kathleen Wermke am Tisch in ihrem Büro vor dem Bücherregal
Prof. Dr. Kathleen Wermke baute mit ihrem Team in der Poliklinik für Kieferorthopädie am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) das weltweit erste Zentrum zur Diagnostik vorsprachlicher Entwicklungsstörungen bei Kindern mit einem erhöhten Risiko für den Spracherwerb auf. @ Kathrin Königl
Cover des Buches mit weinendem Säugling
Das Buch "Babygesänge. Wie aus Weinen Sprache wird" von Kathleen Wermke (224 Seiten Hardcover, 13,5 x 21,5 cm. EUR 26,00. ISBN 978-3-222-15122-4 Molden Verlag) wurde in Österreich zum Wissenschaftsbuch in der Kategorie Medizin / Biologie gewählt. @ Molden Verlag

Auszeichnung für die Erforschung von Babylauten

Prof. Dr. Kathleen Wermke erhält Fellowship der Carl Friedrich von Siemens Stiftung

Kathleen Wermke sitzt am Besprechungstisch vor dem Bücherregal in ihrem Büro im Zentrum für vorsprachliche Entwicklung und Entwicklungsstörungen
Prof. Dr. Kathleen Wermke, Fellow der Carl Friedrich von Siemens Stiftung, baute mit ihrem Team in der Poliklinik für Kieferorthopädie am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) das weltweit erste Zentrum zur Diagnostik vorsprachlicher Entwicklungsstörungen bei Kindern mit einem erhöhten Risiko für den Spracherwerb auf. Bild: Kathrin Königl

Würzburg. Erst vor wenigen Monaten, im März 2024, hat Prof. Dr. Kathleen Wermke ihr erstes Sachbuch über Babygesänge herausgegeben. Auf über 200 Seiten beschreibt sie unterhaltsam und fundiert, wie aus Weinen Sprache wird. Jetzt soll ein Fachbuch zur frühen Sprachentwicklung folgen. Die Leiterin des Zentrums für vorsprachliche Entwicklung und Entwicklungsstörungen (ZVES) an der Poliklinik für Kieferorthopädie am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) ist von der Carl Friedrich von Siemens Stiftung eingeladen worden, ab Herbst ein Jahr lang am Stiftungssitz in München ungestört und konzentriert an ihrem wissenschaftlichen Werk zu arbeiten. In dieser Zeit ist Kathleen Wermke von ihren universitären Verpflichtungen freigestellt. Die Carl Friedrich von Siemens Stiftung vergibt das Fellowship-Stipendium jährlich an zwei herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen und Nationalitäten. Einige Ergebnisse dieser Fellowships wurden in der 'Edition der Carl Friedrich von Siemens Stiftung' veröffentlicht, die im C.H. Beck Verlag erscheint.

„Ich freue mich außerordentlich über diese Auszeichnung, weil sie meine bisherige Forschung würdigt und mir die Möglichkeit gibt, meine wissenschaftlichen Erkenntnisse zusammenzufassen und weiterzugeben. Dafür bin ich sehr dankbar“, sagt Kathleen Wermke. Die Verhaltensbiologin erforscht seit Jahrzehnten auf fast allen Kontinenten das Weinen, Quieken und Brabbeln von Säuglingen und Kleinkindern. Dabei analysiert sie die unterschiedlichen Melodien, Intervalle und rhythmischen Betonungen der Laute, also Elemente der späteren Prosodie der Umgebungssprachen. Mit ihrem Team hat sie dabei entdeckt, dass sich bereits in den ersten Lebenstagen die Melodiekontur im natürlichen Weinen von Neugeborenen rund um den Globus unterscheidet. Damit könne der Babygesang im ersten Lebensjahr als das entscheidende fehlende Puzzlestück betrachtet werden, um die Evolution vom Tiergesang zur menschlichen Lautsprache besser zu verstehen.

Weltweit erste Vorsprachliche Diagnostik anhand von Säuglingslauten

Bevor Kathleen Wermke 2003 nach Würzburg kam, forschte und lehrte sie viele Jahre am Institut für Medizinische Anthropologie der Charité in Berlin. An die Poliklinik für Kieferorthopädie des UKW kam sie, um gemeinsam mit einem interdisziplinären Ärzteteam das weltweit erste Zentrum zur Diagnostik vorsprachlicher Entwicklungsstörungen bei Kindern mit einem erhöhten Risiko für den Spracherwerb aufzubauen. Eine frühzeitige Diagnostik potenzieller Störungen in der Sprech- und Sprachentwicklung ist nicht nur bei Lippen-Kiefer-Gaumenspaltbildungen wichtig, sondern auch bei anderen Erkrankungen wie etwa angeborenen Hörstörungen oder Atemwegsproblemen. 

Das Team in der Kieferorthopädie betrat vor 20 Jahren absolutes Neuland. „Um überhaupt einen frühen Hinweis auf eine mögliche Entwicklungsstörung erkennen zu können, mussten wir zunächst erforschen, wie sich aus dem Weinen der Säuglinge über Gurr- und Brabbellaute einfache Silben und erste Wörter bilden und welche Einflussfaktoren dabei eine Rolle spielen. Das war damals auch für Kinder ohne Risikofaktoren für die frühe Sprachentwicklung nicht bekannt. Wir brauchten Kontrollgruppen“, sagt die 63-Jährige rückblickend. So entstand im Laufe der Jahre ein besonderes Archiv mit Babylauten und die einzigartige, international gefragte Kompetenz, diese frühen Laute geeignet auszuwerten.

Im geplanten Fachbuch wird Kathleen Wermke ihre Theorien zur vorsprachlichen Entwicklung sowohl mit modernen Konzepten zur Sprachevolution als auch mit ihren klinischen Erfahrungen verbinden.

Text: Kirstin Linkamp / UKW 
 

Kathleen Wermke sitzt am Besprechungstisch vor dem Bücherregal in ihrem Büro im Zentrum für vorsprachliche Entwicklung und Entwicklungsstörungen
Prof. Dr. Kathleen Wermke, Fellow der Carl Friedrich von Siemens Stiftung, baute mit ihrem Team in der Poliklinik für Kieferorthopädie am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) das weltweit erste Zentrum zur Diagnostik vorsprachlicher Entwicklungsstörungen bei Kindern mit einem erhöhten Risiko für den Spracherwerb auf. Bild: Kathrin Königl

Kontakt, Öffnungszeiten, Sprechzeiten

Telefon 

Prof. Dr. rer. nat. Kathleen Wermke
Telefon: +49 931 201-73430 
Freitag von 14:00 bis 18:00 Uhr


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Zentrum für vorsprachliche Entwicklung und Entwicklungsstörungen (ZVES) | Universitätsklinikum Würzburg | Pleicherwall 2 | 97070 Würzburg | Deutschland