Konzept des Philosophicums

Philosophie in die Medizin – Medizin in die Philosophie

Das Würzburger Philosophicum ist eine interdisziplinäre Vorlesungs- und Diskussionsreihe der Universitätsmedizin. Die Veranstaltungen bringen Philosophie und Medizin in einen spannenden Dialog und bieten Raum für tiefgehende Diskussionen. Sie behandeln ethische, philosophische und erkenntnistheoretische Grundlagen der Medizin und betrachten die Frage der Menschenwürde aus vielschichtigen Perspektiven.

Der Grundgedanke des Würzburger Philosophicums

Medizin als Quelle eigener philosophischer Fragestellungen

Die Medizin als Fach generiert eigene philosophische Fragestellungen. Diese sind zwar häufig medizinethischer Natur, reichen jedoch deutlich darüber hinaus. Sie betreffen ebenso wissenschafts- und erkenntnistheoretische, methodologische und wissenssoziologische Aspekte, die für das Verständnis von Medizin als Wissenschaft und Praxis grundlegend sind.

Einheit und Ausdifferenzierung der Medizin

Das Philosophicum greift grundsätzliche Fragen auf: Wie lässt sich die Medizin in Zeiten hochgradiger Ausdifferenzierung als Einheit verstehen? Wie verhalten sich Spezialisierung und integrative Medizin zueinander? Welche Rolle spielt das konsiliatorische Gespräch und wie wird die Diagnose im Lebenszusammenhang der Patientinnen und Patienten verortet?

Information, Bedeutung und hermeneutische Praxis

Ein Schwerpunkt liegt auf dem Verhältnis von Information und Bedeutung: Dieselbe medizinische Information kann für unterschiedliche Patientinnen und Patienten sehr unterschiedliche Bedeutungen haben. Damit werden hermeneutische, methodische und praktische Probleme der medizinischen Praxis angesprochen, die das Arzt-Patienten-Verhältnis wesentlich prägen.

Das Humanum in der Medizin

Das Würzburger Philosophicum thematisiert auch das „Humanum“ – sowohl in Bezug auf die Patientinnen und Patienten als auch auf das Selbstverständnis der Ärztinnen und Ärzte. Fragen nach Gesundheit, Krankheit, Heilkunst und therapeutischem Handeln werden ebenso reflektiert wie die individuellen Grundlagen ärztlichen Handelns.

Rahmenbedingungen, Kritikfähigkeit und Verantwortung

Darüber hinaus werden wissenschaftspolitische, ökonomische und institutionelle Rahmenbedingungen beleuchtet. Ihre bewusste Thematisierung macht sie kritisch reflektierbar und fördert die Fähigkeit, medizinische Praxis in einem größeren gesellschaftlichen und institutionellen Kontext zu verstehen.

Das Philosophicum als Forum der Reflexion

Da es im Studium der Humanmedizin bislang kaum eine systematische Plattform für diese Fragen gibt, versteht sich das Würzburger Philosophicum als Ort freier Diskussion und Orientierung. Es ergänzt die fachliche Ausbildung durch reflektierte Fragestellungen zu den Grundlagen, Rahmenbedingungen und Zielsetzungen medizinischen Handelns – in der Tradition des hippokratischen Gedankens: Philosophie in das Ärztliche und Ärztliches in die Philosophie hineintragen.

Lehrveranstaltungen im Rahmen des Würzburger Philosophicums

Der Grundgedanke des Würzburger Philosophicums wird durch Lehr- und Diskussionsformate umgesetzt, die sich inhaltlich ergänzen und unterschiedliche Zugänge zur Philosophie der Medizin eröffnen.

Interdisziplinäre Vorlesungs- und Diskussionsreihe „Philosophicum“

Die klassische Vorlesungsreihe des Würzburger Philosophicums greift wechselnde Themen aus dem Bereich der Medizinphilosophie auf. Zu einzelnen Fragestellungen werden Gäste aus Medizin, Philosophie und angrenzenden Disziplinen eingeladen. An die Vorträge schließen sich moderierte Diskussionen an.

So entsteht ein Ort des fachübergreifenden Austauschs, an dem Studierende, Ärztinnen und Ärzte, Pflegepersonal sowie weitere Interessierte zentrale Begriffe und Grundfragen der Medizin gemeinsam diskutieren können. Ziel ist es, Orientierung in einem hochausdifferenzierten Fach zu ermöglichen und die medizinische Ausbildung um eine reflektierende Perspektive zu erweitern.

Vorlesung „Philosophie der Medizin und Reflexion“

Die Vorlesung „Philosophie der Medizin und Reflexion“ ist eine ergänzende Lehrveranstaltung im Rahmen des Würzburger Philosophicums. Sie knüpft an die Ärztliche Approbationsordnung an, in der die Vermittlung geistiger, historischer und ethischer Grundlagen ärztlichen Handelns als Kernbereich des Medizinstudiums festgelegt ist, geht jedoch bewusst über eine reine Medizinethik hinaus.

Im Zentrum steht die philosophische Reflexion des medizinischen Denkens selbst. Vermittelt werden wissenschafts- und erkenntnistheoretische Zusammenhänge sowie normative Grundlagen, die für die Medizin als Wissenschaft und Praxis von Bedeutung sind. Die Vorlesung orientiert sich dabei an der kontinentaleuropäischen philosophischen Tradition und versteht Reflexion als Angelpunkt ärztlichen Handelns.

Aufgegriffen werden sowohl konkrete, oft schwierige Situationen aus der medizinischen Praxis als auch theoretische Fragen, die das medizinische Denken prägen und Auswirkungen auf das Arzt-Patienten-Verhältnis sowie auf soziale und gesellschaftliche Zusammenhänge haben. Dazu zählen unter anderem Überlegungen zu den Grundlagen der Medizin, zu ihren logischen Voraussetzungen, zu ihrem Menschenbild und zu ihrem Subjektverständnis.

Die Vorlesung ist in fünf bis sechs Einheiten gegliedert. Während der Schwerpunkt zunächst auf wissenschafts- und erkenntnistheoretischen Aspekten liegt, werden in weiteren Sitzungen ethische Grundlagen und Kompetenzen vermittelt und anhand konkreter Praxisbeispiele vertieft.

Teilnahme:
Die Vorlesung richtet sich an Studierende der Medizin und der Geisteswissenschaften sowie an alle weiteren Interessierten.

Eine Sammlung kleiner Vorträge zur Systematik des Philosophicums von Prof. Dr. phil. Johann-Heinrich Königshausen, Institut der Philosophie II der Universität Würzburg, steht Ihnen hier zum Download zur Verfügung.

Weiterführende Literatur und Textbeiträge finden Sie unter Publikationen und im Blog "Medizin, Philosophie und Ethik" einer unserer Organisatoren Prof. Dr. med. Michael Schmidt.

Kontakt, Öffnungszeiten, Sprechzeiten

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Telefon: +49 9221-98-1721 (Sekretariat)

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Prof. Dr. med. Thomas Bohrer, M.A. | Thoraxzentrum Kulmbach | Albert-Schweizer-Straße 10 | 95326 Kulmbach | Deutschland