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Lutz Nuhn wirbt ERC Consolidator Grant ein

Der Würzburger Chemiker Lutz Nuhn erhält zwei Millionen Euro für ein neues Forschungsprojekt: Er will ein innovatives Transportsystem entwickeln, das RNA-Impfstoffe noch besser machen könnte.

Professor Lutz Nuhn erhält eine Zwei-Millionen-Euro-Forschungsförderung vom Europäischen Forschungsrat.
Professor Lutz Nuhn erhält eine Zwei-Millionen-Euro-Forschungsförderung vom Europäischen Forschungsrat. (Foto: Chris Weiss)

Die Consolidator Grants des Europäischen Forschungsrats (ERC) sind mit zwei Millionen Euro dotiert. Sie werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verliehen, deren bisherige Arbeit so herausragt, dass weitere Spitzenleistungen zu erwarten sind. Zu diesem Kreis gehört nun auch Professor Lutz Nuhn, Leiter des Lehrstuhls für Makromolekulare Chemie am Institut für Funktionsmaterialien und Biofabrikation der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg.

Lutz Nuhn ist Experte für Nanopartikel, die wie Taxis funktionieren. Er designt die Partikel so, dass sie medizinische Wirkstoffe als Fahrgäste aufnehmen und im Körper gezielt an ihren Einsatzort bringen. Nach getaner Arbeit sollen sich die Partikel rückstandsfrei von selbst abbauen.

Mit dem Fördergeld des Europäischen Forschungsrates will der Professor innovative Nanopartikel für eine weitere Verbesserung von RNA-Medikamenten entwickeln. Dazu zählen vor allem RNA-Impfstoffe, die in der Corona-Pandemie erstmals zu einem breiten, weltweiten Einsatz kamen. Sie ermöglichen es, beim Auftreten neuer Erreger die Produktion von Impfstoffen schnell anlaufen zu lassen und die Impfstoffe bei Bedarf rasch an neue Varianten der Erreger anzupassen.

Bisherige Verkapselung der Impfstoffe hat Nachteile

„RNA-Impfstoffe brauchen aber Kapseln, die sie im Körper vor Abbau schützen und die ihre Aufnahme in die Antigen-präsentierenden Zellen des Immunsystems ermöglichen“, sagt Lutz Nuhn.

Als in der Corona-Pandemie schnell Impfstoffe hermussten, seien für die Verkapselung etablierte Nanopartikel auf Lipidbasis verwendet worden. Diese Kapseln sind aber nicht sonderlich stabil und müssen daher konsequent gekühlt werden. Das behindert ihre Verteilung an Orten, an denen es keine ausreichende Kühllagerung gibt. „Bei manchen Geimpften traten außerdem schwer kontrollierbare immunologische Nebenwirkungen auf, die möglicherweise mit Lipidkomponenten der Kapseln in Verbindung stehen könnten“, erklärt der Professor..

Diese Herausforderungen möchte der Würzburger Chemiker in seinem ERC-Projekt überwinden. „Ich möchte mit einem bislang einzigartigen makromolekularen Ansatz lipidfreie Kapseln entwickeln, die nicht mehr auf eine stetige Kühlung angewiesen sind. Außerdem sollen sich die Kapseln nach dem Eintritt in die Immunzellen automatisch auflösen und den Impfstoff freisetzen.“

Doch damit nicht genug: Professor Nuhn plant, die mit RNA beladenen Kapseln zusätzlich mit weiteren Botenstoffen auszustatten. Auf diese Weise könnten effektive Immunantworten passgenau eingeleitet werden. Die neuartige Verkapselung würde damit nicht nur gegen Infektionserreger, sondern vielleicht auch bei zukünftigen Impfstrategien gegen Krebs zum Einsatz kommen.

Über Professor Lutz Nuhn

Professor Lutz Nuhn (39) wechselte im Jahr 2022 vom Max-Planck-Institut für Polymerwissenschaften in Mainz an die Uni Würzburg. Hier ist er gemeinsam mit Professor Jürgen Groll maßgeblich am Aufbau des „Center of Polymers for Life“ beteiligt. Der Neubau für dieses Forschungszentrum soll den beiden Forschern zum Jahresende übergeben und im Frühjahr 2025 eröffnet werden. Er befindet sich auf dem Hubland-Campus beim Chemie-Zentrum und soll Anwendungen der Polymerchemie in den Lebenswissenschaften weiter vorantreiben.

Das neu bewilligte ERC-Projekt von Lutz Nuhn heißt “Controlled Degradable Polymer Carriers for mRNA Vaccination: From Pathogens to Personalized Cancer Immunotherapy (PolymeRNA)”. Es startet voraussichtlich mit der Eröffnung des Centers und hat eine Laufzeit von fünf Jahren.

Kontakt: lutz.nuhn@ uni-wuerzburg.de 

 

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 3. Dezember 2024
 

Professor Lutz Nuhn erhält eine Zwei-Millionen-Euro-Forschungsförderung vom Europäischen Forschungsrat.
Professor Lutz Nuhn erhält eine Zwei-Millionen-Euro-Forschungsförderung vom Europäischen Forschungsrat. (Foto: Chris Weiss)

Von Würzburg in die Welt

Was Gesundheitsministerin und JMU-Alumna Judith Gerlach bei ihrer Arbeit besonders beeindruckt? Das Herzblut, mit dem Beschäftigte im Gesundheitswesen sich um Menschen kümmern, die Hilfe brauchen.

Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach hat an der Uni Würzburg Jura studiert.
Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach hat an der Uni Würzburg Jura studiert. (Bild: Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention)

Was arbeiten Absolventinnen und Absolventen der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg? Um den Studierenden verschiedene Perspektiven vorzustellen, befragen Michaela Thiel und ihr Team vom zentralen Alumni-Netzwerk „Uni Wü Community“ regelmäßig ausgewählte Ehemalige.

Heute beantwortet Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach die Fragen. Sie hat in Würzburg Rechtswissenschaften studiert und nach dem Abschluss als Rechtsanwältin gearbeitet. 2013 zog sie als Abgeordnete der CSU in den Bayerischen Landtag ein, 2018 wurde sie Ministerin für Digitales, 2023 dann Ministerin für Gesundheit, Pflege und Prävention. Sie hat die JMU immer wieder regelmäßig besucht – erst im September 2024 war sie zurück in Würzburg.

Frau Gerlach, wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Als Ministerin bin ich nahezu jeden Tag sehr viel unterwegs und treffe viele äußerst engagierte und inspirierende Menschen, die sehr viel Positives bewirken. Es ist beeindruckend, wie viele Personen sich in Bayern für andere einsetzen, sei es in der Pflege oder in der Medizin. Ich lerne auch sehr persönliche Schicksale und Geschichten kennen, die mich oft berühren und nicht mehr loslassen. Mein Ziel ist es, daran mitzuwirken, dass Menschen in Bayern gesund bleiben, möglichst lange gut leben oder schnell wieder gesund werden. Zu meinem Alltag gehören aber auch harte Debatten mit der Bundespolitik – zum Beispiel bei der Krankenhausreform.

Was lieben Sie besonders an Ihrer Tätigkeit?

Wenn ich Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Pflegeheime besuche, bewundere ich das Herzblut der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die oftmals alles dafür tun, damit es anderen, die ihre Hilfe brauchen, besser geht. Das treibt mich selbst dann auch sehr an und motiviert mich.

Was ist der Unterschied zu Ihrer Arbeit als Digitalministerin?

Wenn ich eine inhaltliche Abgrenzung zum Digitalministerium geben müsste, würde ich vielleicht sagen: Als Digitalministerin ging es mir um die Verbesserung des Lebens für die Menschen. Als Gesundheits-, Pflege- und Präventionsministerin geht es gewissermaßen um das Leben per se – mit allem, was dazugehört. Besonders schön dabei: Digitalisierung spielt auch hierbei eine große Rolle, denn die Chancen der Digitalisierung möchte ich natürlich auch in Gesundheit, Pflege und Prävention nutzen.

Wie schaffen Sie es, sich in kürzester Zeit in neue fachliche Themen einzuarbeiten?

Ich wünschte ich könnte sagen, dass das relativ einfach und automatisch geht. Leider muss ich völlig unromantisch sagen: Das geht nur durch Arbeit und die Investition von Zeit – und das heißt vor allem: lesen, lesen, lesen und Akten bewältigen. Die vielen großartigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter meines Ministeriums standen mir von Anfang an zur Seite und haben mir einen guten Start ermöglicht. Ohne sie wäre meine Arbeit schlicht unmöglich. Aber ich muss mich auch selbst in meinem Gebiet auskennen und die Zusammenhänge verstehen. So kann ich dann auch mal Dinge hinterfragen und bei bestimmten Themen, Strukturen oder Arbeitsprozessen Verbesserungen erreichen.

Viele Ihrer zahlreichen Termine dauern bis abends – wie halten Sie sich fit und frisch?

Wenn ich es schaffe, schnüre ich gerne sehr früh am Morgen meine Laufschuhe. Außerdem liebe ich den heimischen Wald, der – ein echter Segen – quasi direkt vor meiner Haustüre beginnt. Ein Spaziergang oder eine längere Wanderung durch den Spessart, allein oder mit meiner Familie, wirken echte Wunder. Dazu versuche ich, mich einigermaßen gesund zu ernähren und mir zumindest ein paar Minuten zwischen den Terminen zu nehmen, in denen ich bewusst etwas esse und, Achtung wichtig: ausreichend trinke. Bei mir gibt es dann meistens Obst, Gemüse oder Salat. Und ja: Hin und wieder darf es auch mal ein Schokoriegel sein.

Wie schaffen Sie es, Familie und Beruf zu kombinieren?

Eine Frage, die leider immer noch überproportional seltener meinen männlichen Kollegen gestellt wird ;-) Familie und Beruf zu kombinieren, ist immer eine Herausforderung, in vielen Berufen. Ich glaube aber, dass wir durch Entwicklungen wie die Digitalisierung heute deutlich bessere Möglichkeiten haben, beidem gerecht zu werden. Zum Beispiel durch flexiblere Arbeitszeiten und weniger Präsenz an der Arbeitsstelle. Für mich persönlich kann ich sagen: Ich schaffe mir bewusst Räume für meine Familienzeit, schaffe auch, wenn ich unterwegs bin, immer wieder Möglichkeiten, um mich mit meinen Kindern oder meinem Mann auszutauschen. Wenn alle sich darauf einlassen, klappt das ganz gut.

Vielen Dank für das Gespräch!

Sie sind selbst noch nicht Mitglied beim Alumni-Netzwerk „Uni Wü Community“ oder im Alumni & Friends e.V.? Dann sind Sie herzlich eingeladen, sich über www.uni-wuerzburg.de/alumni/ zu registrieren! Auf den Webseiten der Community finden Sie auch die bislang veröffentlichten Interviews mit Alumni und Alumnae der JMU.

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 03.12.2024

 

Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach hat an der Uni Würzburg Jura studiert.
Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach hat an der Uni Würzburg Jura studiert. (Bild: Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention)

Mit besserem Geschmack durch die Tumortherapie

MAßGESCHNEIDERTE ERNÄHRUNGSEMPFEHLUNGEN FÜR KREBSPATIENTEN MIT GESCHMACKSSTÖRUNGEN

Bei Krebspatientinnen und Krebspatienten treten während einer Tumortherapie häufig Geschmacksstörungen auf, die den Ernährungszustand beeinträchtigen und im schlimmsten Fall zum Abbruch lebensverlängernder Therapien führen. Unter der Leitung von Prof. Dr. Alexander Hann und Dr. Anna Fleischer vom Uniklinikum Würzburg (UKW) wollen die sechs Universitätsklinika in Bayern mit maßgeschneiderten Ernährungsinterventionen die Geschmackswahrnehmung in der Onkologie optimieren. Das multidisziplinäre Team aus Medizin, Psychoonkologie, Ernährungswissenschaft, Informatik und Social Media entwickelt und evaluiert ein auf künstlicher Intelligenz (KI) basierendes Portal namens Gustabor, das 500.000 Rezepte sowie zahlreiche Lebensmittelinformationen bündelt und Empfehlungen entsprechend dem Geschmacksprofil des Nutzers ausspricht. Das Projekt wird vom Bayerischen Zentrum für Krebsforschung (BZKF) im Rahmen der Ausschreibung zur tertiären Prävention mit 467.480 € über zwei Jahre ab Januar 2025 gefördert.

DAs Bild zeigt das Würzburger Team in Person und auf dem Monitor hinter den Personen die zwei Projektpartnerinnen aus Regensburg und München.
Partnerinnen und Partner im Gustabor-Projekt, hinten links auf dem Monitor Dr. Sophie Scholsser-Hupf (UKR) und rechts Dr. Nicole Erickson (LMU), vorne das Team am UKW v.l.n.r. Constanze Wolz, Dr. Anna Fleischer, Prof. Dr. Alexander Hann, Philipp Sodmann. © UKW
Das mit KI erstellte Titelbild von Gustabor, Aufschrift: Begleiten Sie uns auf einer spannenden Reise durch Geschmack, Ernährung und Medizin
Die Plattform Gustabor gibt passend zum Geschmacksprofil personalisierte Ernährungsempfehlungen, die helfen sollen, spezifische Geschmacksstörungen, die während der Tumortherapie auftreten, zu lindern. Die Bilder für die Webseite hat der Assistenzarzt Philipp Sodmann mit KI von Midjourney erstellt. © Philipp Sodmann / UKW

Würzburg. Erst kürzlich zeigte eine französische Studie, dass 98 Prozent aller Krebspatientinnen und Krebspatienten durch ihre Chemotherapie unter Geschmacksveränderungen leiden. Obwohl Geschmacksveränderungen bei Chemo- und Immuntherapien mit einer Vielzahl negativer Folgen wie Mangelernährung und verminderter Therapietreue verbunden sind, werden sie immer noch unterschätzt. Das muss sich ändern, dachte sich Dr. Anna Fleischer von der Abteilung für Psychosomatische Medizin am Universitätsklinikum Würzburg (UKW), als ein Patient mit rezidiviertem Multiplem Myelom bekannte: „Hätte ich vorher gewusst, dass ich unter der Antikörpertherapie nichts mehr schmecken kann, hätte ich sie abgelehnt, obwohl sie meine letzte Chance war.“ Für den Patienten war der Geschmack wichtiger als die Lebensverlängerung.

Patientinnen und Patienten haben unterschiedliche Geschmacksstörungen

Weitere Patientinnen und Patienten bestätigten die immense Belastung und Einschränkung der Lebensqualität durch Geschmacksstörungen. Anna Fleischer hat deshalb zunächst gemeinsam mit dem Oberarzt Prof. Dr. Leo Rasche und der Doktorandin Magdalena Roll die Geschmacksstörungen unter der Antikörpertherapie mit Talquetamab systematisch untersucht. Das Ergebnis: Alle Patientinnen und Patienten nehmen den Geschmack unterschiedlich wahr. Bei manchen schmeckt alles bitter oder metallisch, andere können Süßes oder Salziges nicht mehr schmecken. So entstand die Idee für Gustabor - eine Plattform, die Geschmacksprofile erstellt und personalisierte Ernährungsempfehlungen gibt, die helfen sollen, spezifische Geschmacksstörungen, die während der Tumortherapie auftreten, zu lindern. 

Sechs bayerische Uniklinika und Patientenvertretungen beteiligt

Für das Projekt holte Anna Fleischer zunächst den Würzburger Gastroenterologen und KI-Experten Prof. Dr. Alexander Hann mit ins Boot sowie die Ernährungsberaterin Constanze Wolz vom UKW, die Ernährungswissenschaftlerin Dr. Nicole Erickson vom LMU Klinikum und weitere Expertinnen und Experten aus dem Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München und dem Universitätsklinikum Regensburg. Gemeinsam mit Patientenvertretungen wollen die drei Unikliniken im ersten Projektjahr sämtliche bereits bekannte Maßnahmen und Tipps bei Geschmacksstörungen aus rund 200 nicht-pharmakologischen Studien herausfiltern und die Internetplattform Gustabor mit 500.000 Rezepten und lebensmittelspezifischen Informationen sowie entsprechenden Such- und Filterfunktionen aufbauen.

Im zweiten Projektjahr werden die anderen drei bayerischen Uniklinika in Augsburg und Erlangen sowie das TUM Universitätsklinikum rechts der Isar involviert. Schließlich sollen an allen sechs bayerischen Uniklinik-Standorten in einer randomisierten Studie die Maßnahmen bei Patientinnen und Patienten entsprechend ihres zuvor erstellen Geschmacks- und Ernährungsprofils angewendet und evaluiert werden. 

BZKF fördert Gustabor mit 467.480 Euro 

Das Projekt wird ab Januar 2025 zwei Jahre lang vom Bayerischen Zentrum für Krebsforschung (BZKF) im Rahmen der Ausschreibung zur sogenannten tertiären Prävention mit 467.480 Euro gefördert. Tertiäre Prävention bezeichnet Maßnahmen, die darauf abzielen, die Folgen einer bereits bestehenden Krankheit zu minimieren, Komplikationen zu verhindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. 

Anna Fleischer hat bereits umfassende Literaturrecherchen und Befragungen betrieben sowie einen Patientenratgeber geschrieben. Was wird zum Beispiel Patientinnen und Patienten mit metallischem Geschmack empfohlen? „Ihnen kann es helfen, vorwiegend kalte Speisen und Limonade zu sich zu nehmen sowie Besteck aus Kunststoff statt aus Metall zu verwenden.“ Und wenn jemand nicht mehr süß schmecken kann? „Dann könnte Gustabor der Person Rezepte vorschlagen, die deftig lecker sind und nicht zwingend süß schmecken müssen, oder bei denen die Süße ganz stark hochdosiert werden kann“, schildert die Medizinerin. 

Kombination von Geschmacksprofil, 500.000 Rezepten, Zutatenfakten und Wirkungsweisen sowie fortschrittlichen Algorithmen 

„Unser Ziel ist es, dass Gustabor mittels verschiedener Algorithmen auf Basis des Geschmacksprofils einen Katalog mit maßgeschneiderten Ernährungsvorschlägen generiert, die der Patientin oder dem Patienten wirklich schmecken und helfen“, erklärt Alexander Hann. Die KI dahinter baut der Mediziner gemeinsam mit Informatikerinnen und Informatikern auf. Neben dem objektiv erstellten Geschmacksproblem werden im anonymisierten Profil Punkte wie Alter, Geschlecht, Gewicht, Tumorart, Behandlung, Ernährungsvorlieben, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und -abneigungen berücksichtigt. Ergänzend zu den 500.000 Rezepten, die eine KI mit Wort und Bild überarbeitet hat, fließen Tabellen und Skalen ein, die Auskunft darüber geben, welche Stoffe in welchen Lebensmitteln enthalten sind und wie sie in verschiedenen Zuständen schmecken. Eine frische Aprikose schmeckt zum Beispiel anders als gepresst oder gekocht. 

Appetit wird durch Jazz und orange gefördert, durch Rap und Schwarzlicht gehemmt

Manche Maßnahmen seien auch gar nicht rezeptspezifisch, so Anna Fleischer. Der Geschmack hängt oft auch vom Ambiente ab. So hat es sich bei Krebspatientinnen und Krebspatienten bewährt, während des Essens Ablenkung zu suchen und mit der Familie oder mit Freunden zu essen statt alleine. Erhebungen ergaben, dass Menschen bei Jazzmusik tendenziell mehr und bei Rapmusik weniger essen. Schwarze und violette Farbtöne werden beim Essen mit Schimmel assoziiert und lösen Ekel aus, während orange Farbtöne an frisches Obst erinnern und den Appetit anregen.

Fett als Geschmacksverstärker, Fleisch mit Süßem und zwischendurch ein Kaugummi

„Es ist nicht so, dass es noch keine Ernährungsempfehlungen gibt, aber diese erfordern ein Ausprobieren. Mal hilft das eine, mal das andere. Die Wirkung ist ganz individuell. Und genau das wollen wir identifizieren“, sagt Alexander Hann. Inspiriert hat ihn eine aktuelle Studie aus Toronto, die für Gustabor ein guter Vorgeschmack sein könnte. Eine Informationsbroschüre mit potenziell nützlichen Strategien half krebskranken Kindern, mit ihren spezifischen Geschmacksveränderungen umzugehen. Wer es zum Beispiel mild mag, sollte neutrale Speisen wie Reis, Nudeln, Kartoffeln, Huhn, Ei oder Pudding bevorzugen und die Lebensmittel kochen, das reduziert den Eigengeschmack. Wer es pikant mag, sollte viel Salz, Basilikum, Oregano, Zimt oder Ingwer verwenden und die Speisen mit kräftigen Saucen, Zitronensaft oder Essig verfeinern. Auch Fett dient als Geschmacksverstärker. Speisen mit starkem Eigengeruch sollten gemieden werden, und Fleischgerichte werden oft durch süße Beigaben wie Preiselbeeren, Kompott, Gelee oder Honigmarinaden schmackhafter. Zwischendurch können das Lutschen von Pfefferminzbonbons und das Kauen von zuckerfreiem Kaugummi, häufiges Zähneputzen und Mundspülungen unangenehme Gerüche reduzieren.

Beteiligte Partnerinnen und Partner im Projekt Gustabor:

UKW: Alexander Hann (Leitung), Anna Fleischer (Stellvertretende Leitung), Philipp Sodmann, Constanze Wolz, Leo Rasche, Imad Maatouk, Hermann Einsele, Patientenvertretungen
 
LMU: Nicole Erickson, Michael von Bergwelt, Volker Heinemann, Patientenvertretungen
 
UKR: Arne Kandulski, Sophie Schlosser-Hupf, Martina Müller-Schilling, Patientenvertretungen
 
UKER: Norbert Meidenbauer, Andreas Mackensen, Patientenvertretungen
 
UKA: Tim Pfeiffer, Martin Trepel, Patientenvertretungen
 
TUM: Sylvie Lorenzen, Alexander Nieto, Florian Bassermann, Patientenvertretungen

 

Text: Kirstin Linkamp / UKW
 

DAs Bild zeigt das Würzburger Team in Person und auf dem Monitor hinter den Personen die zwei Projektpartnerinnen aus Regensburg und München.
Partnerinnen und Partner im Gustabor-Projekt, hinten links auf dem Monitor Dr. Sophie Scholsser-Hupf (UKR) und rechts Dr. Nicole Erickson (LMU), vorne das Team am UKW v.l.n.r. Constanze Wolz, Dr. Anna Fleischer, Prof. Dr. Alexander Hann, Philipp Sodmann. © UKW
Das mit KI erstellte Titelbild von Gustabor, Aufschrift: Begleiten Sie uns auf einer spannenden Reise durch Geschmack, Ernährung und Medizin
Die Plattform Gustabor gibt passend zum Geschmacksprofil personalisierte Ernährungsempfehlungen, die helfen sollen, spezifische Geschmacksstörungen, die während der Tumortherapie auftreten, zu lindern. Die Bilder für die Webseite hat der Assistenzarzt Philipp Sodmann mit KI von Midjourney erstellt. © Philipp Sodmann / UKW

Aussichtsreiche Würzburger Krebsforschungsprojekte breit gefördert

„Forschung hilft“, die Stiftung zur Förderung der Krebsforschung an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, unterstützt in diesem Jahr 19 wissenschaftliche Projekte am Uniklinikum Würzburg mit insgesamt 221.000 Euro. Außerdem wurde erneut der mit 5.000 Euro dotierte Barbara-Stamm-Gedächtnispreis ausgelobt

Gruppenbild Hörsaal Preisträger Akteure
Die Förderpreisträgerinnen und -preisträger 2024 der Stiftung „Forschung hilft“ zusammen mit dem Würzburger Bischof Franz Jung, dem Ärztlichen Direktor des Uniklinikums PD Dr. Tim von Oertzen, Mitgliedern des Stiftungsrates sowie Akteuren und Gästen der Veranstaltung. Bild: Angie Wolf / UKW
Gruppenbild Magistrale Akteure Förderpreisverleihung
Sie fanden in ihren Ansprachen und Beiträgen bei der Preisverleihung viele lobende Worte für die geförderten Forschenden (von links): Domkapitular Clemens Bieber, Dr. Franz Jung, Bischof von Würzburg, Staatsministerin Judith Gerlach, Gabriele Nelkenstock, Vorsitzende des Stiftungsrats von „Forschung hilft“, sowie PD Dr. Tim von Oertzen, der Ärztliche Direktor des UKW. Bild: Angie Wolf / UKW

Würzburg. Seit sieben Jahren trägt „Forschung hilft“, die Stiftung zur Förderung der Krebsforschung an der Würzburger Julius-Maximilians-Universität (JMU), erfolgreich Spendengelder zusammen, um damit möglichst viele hoffnungsvolle onkologische Forschungsprojekte zu unterstützen. Höhepunkt jedes Stiftungsjahres ist die feierliche Förderpreisverleihung.
Am 29. November dieses Jahres wiederholte sich diese gute Tradition: Bei einem Festakt mit über 200 Festgästen im Zentrum für Innere Medizin (ZIM) des Uniklinikums Würzburg (UKW) wurden Preisgelder in Höhe von insgesamt 221.000 Euro an 19 Würzburger Forscherteams ausgeschüttet.
„Wir freuen uns, dass auch in diesem Jahr wieder so viele hochinnovative und aussichtsreiche Projekte eingereicht wurden. Das verdeutlicht die enorme onkologische Forschungsleistung unseres Uniklinikums“, sagte Gabriele Nelkenstock, die Vorsitzende des Stiftungsrats von „Forschung hilft“. Privatdozent Dr. Tim von Oertzen, der Ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende des UKW, ergänzte: „Die vergleichsweise niederschwellige Förderung der Stiftung ist in mehrfacher Hinsicht ein Glücksfall für unsere oft jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Zum einen sorgt sie vielfach in Schlüsselmomenten der Projekte für einen hochwillkommenen finanziellen Rückenwind. Zum anderen sind die Preisgelder für viele eine besondere, nämlich regional getragene Form der Anerkennung ihrer Forschungsbemühungen.“

Preisgelder zwischen 5.000 und 15.000 Euro

Über die Auswahl und die jeweilige Dotierung der Vorhaben entschied wie gewohnt eine unabhängige, externe Jury. Die mit gestaffelten Preisgeldern zwischen 5.000 und 15.000 Euro geförderten Forschungsgruppen beschäftigen sich unter anderem mit Fragen wie: Lässt sich durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Lasermessungen die Darmkrebsdiagnostik bei Dickdarmspiegelungen verbessern? Wie kann die Therapieresistenz bei metastasiertem Mundkrebs überwunden werden? Ist es möglich, therapiebedingte Beschwerden in der Brustkrebs-Nachbehandlung durch gezieltes Fasten zu lindern? Darüber hinaus befassen sich viele der preiswürdigen Projekte mit Teilaspekten aus dem weiten Feld der Immuntherapien. „Dieser Schwerpunkt unterstreicht die berechtigten Hoffnungen, die auf diesem vielgestaltigen und für zahlreiche Krebsformen so wichtigen Behandlungsansatz ruhen“, kommentierte Prof. Dr. Hermann Einsele aus dem Stiftungsrat von „Forschung hilft“. Der Direktor der Medizinischen Klinik II des UKW und Sprecher des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) WERA fuhr fort: „Wir sind stolz darauf, dass das UKW maßgebliche, auch international wahrgenommene Beiträge zur Fortentwicklung des Megathemas Immuntherapien leistet.“

Preisübergabe durch Patinnen und Paten

„Unsere Stiftung ist als Bürgerstiftung konzipiert und steht somit mitten in unserer Gesellschaft“, erläuterte Gabriele Nelkenstock. Um diese Verbindung zu versinnbildlichen, wurden die 19 Förderpreise beim Festakt von „Patinnen“ und „Paten“ überreicht. Diese Aufgabe übernahmen Tim Bauder, Handballer bei den Wölfen Würzburg, die fränkische Weinkönigin Lisa Lehritter, Dr. Hülya Düber, Fraktionsvorsitzende des Bezirkstags Unterfranken sowie Frank Wilm, Iris Weiglein und Katja Cervenka, drei in unterschiedlicher Weise von Krebs Betroffene. „Meine Frau verstarb im Juni dieses Jahres, nachdem sie wie eine Löwin gegen ihre Krebserkrankung gekämpft hatte“, schilderte Pate Frank Wilm und fuhr fort: „Durch innovative Therapien wurde uns wertvolle Zeit voller Leben und Liebe geschenkt. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, wie wichtig die Krebsforschung ist – ich bin überzeugt, dass sie Hoffnung schafft und noch große Durchbrüche möglich sind, die das Leben vieler Menschen verändern werden.“

Sonderpreis im Gedenken an Barbara Stamm

Neben den regulären Förderpreisen vergab die Stiftung erneut den im vergangenen Jahr ins Leben gerufenen Barbara-Stamm-Gedächtnispreis. Die ehemalige Bayerische Landtagspräsidentin war bis zu ihrem Tod im Jahr 2022 Ehrenpräsidentin von „Forschung hilft“. Der mit 5.000 Euro dotierte, in diesem Jahr von der Caritasstiftung Würzburg finanzierte Sonderpreis soll gezielt patientenorientierte Forschungsprojekte würdigen, bei denen die Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen im Mittelpunkt steht. Ausgezeichnet wurde das vom Lehrstuhl für Integrierte Psychosomatische Medizin an der Medizinischen Klinik II und von der Frauenklinik des UKW initiierte Projekt „Familienlotse“. Dabei soll ein familientherapeutisches Unterstützungsangebot erarbeitet und erprobt werden, das hilft, die durch eine Krebserkrankung eines Elternteils auftretenden psychischen Belastungen der gesamten Familie – gerade auch der Kinder – zu bewältigen. Als Laudator des diesjährigen Gedächtnispreises wies Dr. Franz Jung, Bischof von Würzburg, in seiner Ansprache darauf hin, dass es viel zu häufig noch unterlassen werde, neben den Erkrankten selbst auch deren Familien eine gezielte Hilfe anzubieten. „Mit seinem aufsuchenden Charakter nimmt das Projekt ‚Familienlotse‘ daher eine Vorreiterrolle für einen dringend benötigten Kulturwandel in der medizinischen Versorgung ein“, unterstrich der Geistliche.

Ministerin Gerlach dankte den Forscherinnen und Forschern

Als Schirmherrin der diesjährigen Förderpreisverleihung fungierte Judith Gerlach. In ihrer Festrede betonte die bayerische Staatsministerin für Gesundheit, Pflege und Prävention: „Krebserkrankungen sind in Deutschland die zweithäufigste Todesursache. Der Kampf gegen Krebs ist deshalb eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Die Universität und das Universitätsklinikum Würzburg haben sich auf nationaler und internationaler Ebene einen hervorragenden Ruf als Kompetenzzentrum für die Krebsforschung erarbeitet. Die Stiftung ‚Forschung hilft‘ verfolgt mit der Förderung der Krebsforschung in Würzburg ein klares Ziel: eine Welt ohne Krebs. Herzlichen Glückwunsch und besten Dank allen Preisträgerinnen und Preisträgern! Sie helfen durch Ihre Forschung, die Prävention, Früherkennung und Behandlung von Krebs voranzutreiben.“

Alle, die sich eingehender mit den in diesem Jahr für die Förderpreisvergabe eingereichten Krebsforschungsprojekten beschäftigen wollen, finden noch bis 16. Januar 2025 in der Magistrale des ZIM an der Oberdürrbacher Straße eine umfassende Posterausstellung mit Bildern und laienverständlichen Erläuterungstexten.

 

Wer die Krebsforschung in Würzburg weiter voranbringen will, kann die Stiftung „Forschung hilft“ durch eine Spende auf folgendes Konto unterstützen: 
Stiftergemeinschaft der Sparkasse Mainfranken Würzburg
IBAN DE19 7905 0000 0000 0655 65
www.forschung-hilft.de

Text: Pressestelle / UKW

Impressionen von der Förderpreisverleihung finden Sie HIER

 

Gruppenbild Hörsaal Preisträger Akteure
Die Förderpreisträgerinnen und -preisträger 2024 der Stiftung „Forschung hilft“ zusammen mit dem Würzburger Bischof Franz Jung, dem Ärztlichen Direktor des Uniklinikums PD Dr. Tim von Oertzen, Mitgliedern des Stiftungsrates sowie Akteuren und Gästen der Veranstaltung. Bild: Angie Wolf / UKW
Gruppenbild Magistrale Akteure Förderpreisverleihung
Sie fanden in ihren Ansprachen und Beiträgen bei der Preisverleihung viele lobende Worte für die geförderten Forschenden (von links): Domkapitular Clemens Bieber, Dr. Franz Jung, Bischof von Würzburg, Staatsministerin Judith Gerlach, Gabriele Nelkenstock, Vorsitzende des Stiftungsrats von „Forschung hilft“, sowie PD Dr. Tim von Oertzen, der Ärztliche Direktor des UKW. Bild: Angie Wolf / UKW

Prämiertes pharmazeutisches Konsil

WIE GENE DIE WIRKSAMKEIT VON MEDIKAMENTEN BEEINFLUSSEN

Die Engel Apotheke aus Ochsenfurt und die MainArzt GmbH &Co.KG führten gemeinsam mit dem Zentrallabor und der Experimentellen Biomedizin II des Uniklinikums Würzburg (UKW) eine Maßnahme zur Qualitätssicherung der Clopidogrel-Therapie durch, indem sie den Genotyp der Patientinnen und Patienten untersuchten. Für dieses interdisziplinäre Medikationsmanagement, das als Modell für zukünftige Projekte dienen kann, wurde das Team beim 360° Winterthur Symposium der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) mit dem Anna-Laven-Preis ausgezeichnet.

Die Collage zeigt vier Porträts und drei Logos der Projektbeteiligten.
Barsom Aktas und Katrin Zehnter (oben) von der Engel Apotheke haben gemeinsam mit der MainArzt GmbH sowie Elke Butt (unten links) und Sabine Herterich (unten rechts) vom Uniklinikum Würzburg in einem Pilotprojekt eines pharmazeutischen Konsils die Pharmakogenetik der Clopidogrel-Therapie untersucht. © Engel Apotheke / MainArzt GmbH/ UKW
eine Hand mit blauem Handschuh hält ein kleines Reagenzglas in das Blut pipettiert wird.
Die Einbeziehung des Patientengenotyps in die Arzneimitteltherapie ist ein vielversprechender Ansatz, um eine optimale Wirkung von bestimmten Medikamenten zu erreichen. © Anna Wenzl / UKW

Würzburg. Dosierungsfehler, unregelmäßige oder falsche Anwendung, Wechsel- und Nebenwirkungen, Mehrfach- und Doppelverordnungen, Kontraindikationen sowie Alter, Geschlecht, Organfunktionsstörungen und genetische Faktoren gehören zu den arzneimittelbezogenen Problemen, die das Erreichen von Therapiezielen verhindern können. Arzneimittelbezogene Probleme, kurz ABP, werden für 3 bis 9 Prozent aller Krankenhauseinweisungen verantwortlich gemacht. Etwa jede dritte Krankenhauseinweisung, zahlreiche Todesfälle sowie erhöhte Gesundheitskosten könnten jedoch vermieden werden, zum Beispiel durch ein interdisziplinäres Medikationsmanagement. Das bedeutet, dass Patientinnen und Patienten gemeinsam von ihrer Apotheke und den behandelnden Ärztinnen und Ärzten betreut werden. 

Anna-Laven-Preis für interdisziplinäres Medikationsmanagement

Ein multidisziplinäres Team der Engel Apotheke und der MainArzt GmbH in Ochsenfurt sowie des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) ist für eine beispielhafte Maßnahme zur Qualitätssicherung der Arzneimitteltherapie im Rahmen des 360° Winterthur Symposiums der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) mit dem Anna-Laven-Preis der IP-HEALTH Gesellschaft für interprofessionelle Gesundheitsversorgung e.V. ausgezeichnet worden.

Dr. Barsom Aktas und Katrin Zehnter von der Engel Apotheke, Prof. Dr. Elke Butt vom Institut für Experimentelle Biomedizin II, Dr. Sabine Herterich aus dem Zentrallabor des Universitätsklinikums sowie die MainArzt GmbH untersuchten in dem Projekt die Pharmakogenetik der Clopidogrel-Therapie. Dieses Pilotprojekt eines pharmazeutischen Konsils wurde in der Medizinischen Monatsschrift für Pharmazeuten (MMP) veröffentlicht.

Berücksichtigung des Patientengenotyps in der Clopidogrel-Therapie

Clopidogrel wird Patientinnen und Patienten verschrieben, bei denen ein erhöhtes Risiko für thrombotische Ereignisse besteht. Der so genannte Thrombozytenaggregationshemmer soll die Bildung von Blutgerinnseln in den Arterien verhindern, die zu schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignissen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall führen können. Als Prodrug entfaltet Clopidogrel seine Wirkung erst nach der Metabolisierung in der Leber, hauptsächlich über Cytochrom P450 2C19 (CYP2C19). Genetische Varianten, so genannte Polymorphismen, können jedoch die Aktivität des Enzyms und damit die Fähigkeit zur Aktivierung von Clopidogrel beeinflussen. Solche Varianten kommen bei 20 bis 26 Prozent der amerikanischen und europäischen Bevölkerung vor.

Ist eine Person homozygot für eine inaktive Variante von CYP2C19, wenn also Vater und Mutter die inaktive Variante vererbt haben, kann Clopidogrel nicht in die aktive Form umgewandelt werden und bleibt unwirksam. Diese Person, benötigt ein alternatives Medikament für die Thrombose-Prophylaxe.

Es gibt auch Genvarianten, zum Beispiel das CYP2C19*17-Allel, die eine beschleunigte Aktivität des Enzyms zur Folge haben. Bei homozygoten Trägern dieser Variante sollte die Dosis von Clopidopgrel gegebenenfalls reduziert werden. 

„Um eine optimale Wirkung von Clopidogrel, aber auch von anderen Medikamenten wie Antidepressiva, Betablockern oder Opioiden zu erreichen, ist die Einbeziehung des Patientengenotyps in die Arzneimitteltherapie ein vielversprechender Ansatz, der die öffentlichen Apotheken als unverzichtbare Partner in der personalisierten Medizin positioniert“, sagt Prof. Dr. Elke Butt vom Institut für Experimentelle Biomedizin II des UKW, das vorwiegend Herz-Kreislauferkrankungen erforscht. 

Das interdisziplinäre Team aus Unterfranken untersuchte in seinem Projekt insgesamt 32 Patientinnen und Patienten, die Clopidogrel einnahmen, auf Varianten im CYP2C19-Gen, die die katalytische Aktivität des Enzyms beeinflussen.

Bei vier der 32 untersuchten Personen wurde ein Wechsel von Clopidogrel auf Ticagrelor oder Prasugrel empfohlen

Zunächst stellte der Apotheker alle Informationen für den Hausarzt zusammen. Nach umfassender Aufklärung und schriftlicher Einwilligung wurde den Patientinnen und Patienten in der Hausarztpraxis Blut abgenommen, das die Apotheke pseudonymisiert an das Zentrallabor des UKW zur Genotypisierung schickte. 

Bei vier Personen wurde das Allel CYP2C19*2 in heterozygoter Form nachgewiesen. Das Allel *2 ist die häufigste Variante in der europäischen Bevölkerung, die zu einem Funktionsverlust des Enzyms führt. Es wird für eine verminderte Wirksamkeit von sechs bis zwölf Prozent aller Clopidogrel-Therapien verantwortlich gemacht. Im pharmazeutischen Konsil empfahl der Apotheker dem behandelnden Arzt, diese vier Patienten auf Ticagrelor oder Prasugrel umzustellen. Diese neueren Medikamente müssen nicht mehr enzymatisch aktiviert werden.

Das CYP2C19*17-Allel, das mit einer gesteigerten Enzymaktivität und damit einer erhöhten Blutungsneigung unter Clopidogrel-Behandlung assoziiert ist, wurde bei zehn Personen heterozygot und bei zwei Personen homozygot nachgewiesen. Bei den homozygoten Trägern des CYP2C19*17-Allels empfahl der Apotheker dem Hausarzt eine regelmäßige Kontrolle des Gerinnungsstatus und eine Therapieumstellung bei erhöhter Blutungsneigung, beispielsweise bei Zahnfleisch- oder Nasenbluten oder Hämatomen ohne Trauma. 

Pharmazeutisches Konsil kann arzneimittelbezogene Probleme verringern

Das Team betont in seiner Publikation die Bedeutung einer individuellen Nutzen-Risiko-Abwägung, insbesondere unter Berücksichtigung genetischer Faktoren, um die Wirksamkeit und Sicherheit einer Therapie zu gewährleisten. Dennoch wird die CYP2C19-Genotypisierung derzeit nicht routinemäßig durchgeführt, da sie nicht im Leistungskatalog der Krankenkassen enthalten ist. 

„Wir plädieren sehr für ein gemeinsames Vorgehen von Ärztinnen und Ärzten und Apothekerinnen und Apothekern. Gemeinsam können wir umfassendes Fachwissen aus den großen Bereichen Pharmazie und Medizin zum Wohle unserer Patientinnen und Patienten und zur Entlastung des Gesundheitssystems bündeln“, kommentiert Barsom Aktas. „Für diese Zusammenarbeit steht der Begriff Pharmakovigilanz. Er fasst die Idee des Medikationsmanagements, das arzneimittelbezogene Probleme reduzieren kann, kompakt zusammen.“

Text: Kirstin Linkamp / UKW 
 

Jahresbericht 2023 des Uniklinikums Würzburg erschienen

Noch nie in der über 200-jährigen Geschichte des Uniklinikums Würzburg wurden in einem Jahr mehr Patientinnen und Patienten behandelt als im vergangenen Jahr. Das ist eines der Ergebnisse aus dem jetzt erschienenen Jahresbericht 2023 des unterfränkischen Krankenhauses der Maximalversorgung.

Titelbild Jahresbericht
Die Titelseite des Jahresberichts 2023 zeigt die prägenden Klinik-Gebäude des Uniklinikums Würzburg. © UKW

Würzburg. Im vergangenen Jahr wurden am Uniklinikum Würzburg (UKW) rund 75 000 Patientinnen und Patienten nach höchsten medizinischen Standards stationär versorgt. Hinzu kamen mehr als 294 000 ambulant Behandelte. Diese historischen Rekorde gehören zu den Informationen, die das Klinikum in seinem jetzt erschienenen Jahresbericht 2023 liefert.

Auch bei der Beschäftigtenzahl gab es im Berichtsjahr ein Allzeithoch: Mit knapp 7 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern positionierte sich das UKW erneut als größter Arbeitgeber Würzburgs und der Region.

Neben diesen und weiteren Kennzahlen bietet die 76-seitige, reich bebilderte Publikation einen Überblick über letztjährige Ereignisse, Leistungen und Erfolge in Forschung, Lehre und Patientenversorgung. Beispielsweise verdeutlicht das Topthema die positive Entwicklung der neuen, auf den Pflegebereich abzielenden Rekrutierungskampagne FLEX4UKW.

Ein PDF und Webreader des Jahresberichts kann abgerufen werden unter www.ukw.de, Rubrik „Über das UKW“: HIER

 

Text: Pressestelle / UKW

 

Titelbild Jahresbericht
Die Titelseite des Jahresberichts 2023 zeigt die prägenden Klinik-Gebäude des Uniklinikums Würzburg. © UKW

Personalia vom 26. November 2024 +++ Wir gratulieren!

Hier lesen Sie Neuigkeiten aus dem Bereich Personal: Neueinstellungen, Dienstjubiläen, Forschungsfreisemester und mehr.

Prof. Dr. Imad Maatouk ist mit Wirkung vom 01.11.2024 als Universitätsprofessor der BesGr. W 3 für Integrierte Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Universität Würzburg eingestellt worden. 

PD Dr. Vivek Venkataramani, Studienarzt, Comprehensive Cancer Center Mainfranken und Zentrum für Personalisierte Medizin (ZPM), wurde mit Wirkung vom 18.11.2024 die Lehrbefugnis für die Fachgebiete „Molekulare Onkologie“ und „Klinische Onkologie“ erteilt.

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 26.11.2024