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Akademischer Chirurg mit Vorbildfunktion

Prof. Dr. Nicolas Schlegel erhält neu geschaffenen Lehrstuhl für Experimentelle Viszeralchirurgie am Uniklinikum Würzburg

Nicolas Schlegel steht im weißen Arztkittel mit verschränkten Armen in der Magistrale des Zentrums für Operative Medizin
Prof. Dr. Nicolas Schlegel ist Inhaber des neu geschaffenen Lehrstuhls für Experimentelle Viszeralchirurgie am Uniklinikum Würzburg © Ulrich Bender

Würzburg. Die Viszeralchirurgie begeisterte Prof. Dr. Nicolas Schlegel von Anfang an. „Die Vielfalt und Komplexität der Chirurgie zwischen Hals und Enddarm ist absolut faszinierend. Die größte Motivation war aber die Möglichkeit, den Patientinnen und Patienten mit einem einzigen Eingriff in kurzer Zeit zu helfen“, schwärmt Nicolas Schlegel. Seine Leidenschaft gilt aber nicht nur der Patientenversorgung. Auch die Forschung liegt dem 45-jährigen Oberarzt am Herzen: „Ich möchte als Kliniker die Forschung aktiv mitgestalten, also ein akademischer Chirurg sein!“ Professor Christoph-Thomas Germer, Direktor der Klinik für Chirurgie I, unterstützte diesen Wunsch von Anfang an. Und somit wurde im Jahr 2019 am Uniklinikum Würzburg (UKW) eine deutschlandweit einmalige W3-Professur für Experimentelle Viszeralchirurgie eingerichtet, die Schlegel als Clinician Scientist im Tenure-Track-Verfahren besetzte. Der Brückenbauer zwischen Chirurgie und translationaler Forschung hat sich bewährt. Die Universitätsmedizin Würzburg hat nun einen Lehrstuhl für Experimentelle Viszeralchirurgie eingerichtet, den Nicolas Schlegel seit Dezember 2024 leitet.

Zweitgrößtes Chirurgisches Studienzentrum in Deutschland

Eine der wichtigsten Einrichtungen im Rahmen seiner Tenure-Track-Professur war sicherlich die Gründung des Chirurgische Studienzentrums. „Damit haben wir eine Struktur geschaffen, die es uns ermöglicht, mit einem eigenen Studienteam systematisch Patientinnen und Patienten in große überregionale klinische Studien einzuschließen, aber auch eigene Studien durchzuführen“, sagt Nicolas Schlegel. „Vor fünf Jahren haben wir nur 22 Patientinnen und Patienten für chirurgische Studien rekrutiert, im vergangenen Jahr waren es bereits 360. Damit sind wir das nach Heidelberg das zweitgrößte chirurgische Studienzentrum in Deutschland.“ Das Rückgrat des Studienzentrums, das von Oberarzt PD Dr. Matthias Kelm geleitet wird, bilden zwei Study Nurses und drei Studienärztinnen, die sich eine Stelle teilen. Viele der Studien sind klassisch technisch orientiert, etwa ob man beim Verschluss der Bauchnaht ein Netz einlegen sollte, um einen Narbenbruch zu verhindern. „Traditionsgemäß wurden in der Chirurgie immer nur Erfahrungen weitergegeben, aber wenig systematisch überprüft, weil auch die Infrastruktur fehlte. Die haben wir jetzt“, so Schlegel, der für die übergeordnete Koordination des Studienzentrums zuständig ist.

Zwei Tage Forschung, drei Tage Klinik und allgegenwärtig Lehre

Wie sieht der Alltag eines Experimentellen Viszeralchirurgen aus? „Zwei Tage pro Woche widme ich mich der Forschung, drei Tage pro Woche stehe ich im OP, und die Lehre ist natürlich allgegenwärtig“, berichtet Schlegel. „Allerdings musste ich zugunsten der Forschung mein chirurgisches Spektrum einschränken und mich auf das konzentrieren, worin ich spezialisiert bin und was ich in höchster Qualität leisten kann: die endokrinologische Chirurgie. Das heißt, ich operiere vor allem Schilddrüsen und Nebenschilddrüsen.“ In der Grundlagenforschung ist Nicolas Schlegel mit insgesamt drei persönlichen Schwerpunkten breiter aufgestellt: chronisch entzündliche Darmerkrankungen, kolorektale Karzinome sowie Veränderungen nach bariatrischer Chirurgie. In der klinischen Forschung beschäftigt er sich mit der Endokrinen Chirurgie und Aspekten aus der perioperativen Medizin.

Stabilisierung der Darmbarriere als wichtiges Ziel

Im größten Projekt wird die Fehlregulation der Darmbarriere bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen untersucht. Dies geschieht unter anderem an Organoid-Modellen. „Wir sammeln hierfür bei Operationen anfallendes Restgewebe, das uns Patientinnen und Patienten spenden und züchten daraus Darmepithelstrukturen“, erklärt Nicolas Schlegel. „Viele Aspekte der Darmbarriere sind bereits verstanden, aber wir müssen noch Angriffspunkte validieren, damit schädliche Bakterien und Krankheitserreger nicht durch die Zellschicht des Darms ins Körperinnere eindringen und Entzündungen auslösen.“
Die Organoid-Technologie kommt auch in der Tumorforschung zum Einsatz. Nicolas Schlegel leitet den vom Bayerischen Zentrum für Krebsforschung (BZKF) geförderten Leuchtturm „Präklinische Modelle“, um Proof-of-Concept-Studien für alle Forschenden im BZKF-Netzwerk zu beschleunigen. Organoidmodelle reduzieren Tierversuche. Doch ganz ohne Tierversuche geht es nicht. So hält das UKW verschiedene chirurgische Tiermodelle vor, zum Beispiel für die Adipositaschirurgie. Hier wird seit Jahren erfolgreich ein Roux-en-Magen-Bypass zur Gewichtsreduktion eingesetzt. Die Prozesse, die nach der Veränderung der Magen-Darm-Passage ablaufen, wie Appetitregulation, metabolische Verbesserung des Stoffwechsels, Veränderung des Mikrobioms etc. sind jedoch noch nicht vollständig verstanden. „Wenn wir aber verstehen, was nach dem chirurgischen Eingriff passiert, können wir vielleicht auch molekulare Ziele entwickeln und diese in eine medikamentöse Therapie umsetzen, um die Patientinnen und Patienten auf die Operation vorzubereiten“, sagt Nicolas Schlegel.

Präkonditionierung sei das Stichwort, was Nicolas Schlegel zur Prähabilitation führt. Auch das gehört zur Viszeralchirurgie: den Körper optimal auf die Operation vorbereiten, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen, Schäden zu minimieren und die Genesung zu fördern. Hier zeigen die so genannten Fast-Track-Programme bereits Erfolge: Die Operierten sind schneller wieder fit, früher zu Hause, und es gibt weniger Komplikationen.

Den Patienten von der Zelle bis zur Naht verstehen

Als Brückenbauer müsse er von jedem Bereich mindestens so viel verstehen, dass er die Kolleginnen und Kollegen aus der Grundlagenforschung, der klinischen Forschung und der Chirurgie zusammenbringen, ihre Fragen verstehen oder formulieren helfen kann, um das Fach weiterzuentwickeln. Denn die Forschung des Lehrstuhls ist so vielfältig wie die Viszeralchirurgie selbst: Sie reicht von molekularen Zusammenhängen über technische Aspekte bis hin zu der Frage, wie der Körper auf den chirurgischen Eingriff reagiert und wie das Zugangstrauma minimalisiert werden kann. „Chirurgie bedeutet nicht einfach, zwei Enden zusammenzunähen und zu hoffen, dass es heilt“, sagt Schlegel, der die Forschungsprojekte supervidiert. „Wir müssen den Patienten von der Zelle bis zur Naht verstehen. Wir müssen verstehen, wie die Zelle und das Gewebe auf unsere Eingriffe reagiert. Erst dann können wir präventiv oder therapeutisch eingreifen.“

Diese Denkweise möchte er auch dem Nachwuchs vermitteln. Hier habe er eine Vorbildfunktion. „Die Chirurginnen und Chirurginnen von morgen sollen molekulare Grundlagen verstehen, Studien beurteilen können, und lernen, dass sich Forschung und Chirurgie durchaus miteinander verbinden lassen“, bemerkt Schlegel, der derzeit vier naturwissenschaftliche und zwölf medizinische Doktorandinnen und Doktoranden betreut. Generell habe das UKW eine ideale Größe, in der sich die grundlagenwissenschaftlichen und klinischen Fächer und Bereiche begegnen und zusammenarbeiten können. Damit das so bleibt und gegebenenfalls noch besser wird, engagiert sich Nicolas Schlegel in verschiedenen Gremien.

Werdegang von Nicolas Schlegel

Nicolas Schlegel wurde 1979 in Lörrach geboren, wuchs in Donaueschingen auf und kam im Sommersemester 2000 zum Medizinstudium nach Würzburg. Nach dem Physikum begann er seine Doktorarbeit in der Neuroanatomie und gab als Tutor Präparierkurse am Institut für Anatomie und Zellbiologie der Universität Würzburg. Nach dem Staatsexamen im Jahr 2006 arbeitete Nicolas Schlegel zunächst als wissenschaftlicher Assistent in der Grundlagenforschung, unterrichtete Studierende in Anatomie und schuf so den Grundstein für seine heutige Tätigkeit. Im Jahr 2009 wurde er Assistenzarzt an der Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-, Transplantations-, Gefäß- und Kinderchirurgie des UKW, wo er 2015 die Facharztprüfung ablegte. Ein Jahr später übernahm er die Leitung des Schwerpunktes Endokrine Chirurgie, 2018 wurde er zum außerplanmäßigen Professor ernannt, im Jahr darauf erhielt er den Ruf auf die W3-Professur für Experimentelle Viszeralchirurgie und im Dezember 2024 auf den gleichnamigen Lehrstuhl. Nicolas Schlegel ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt mit seiner Familie bei Kitzingen.

Details zum Lehrstuhl Experimentelle Viszeralchirurgie und zum Team finden Sie hier

Text: KL /Wissenschaftsredaktion

Nicolas Schlegel steht im weißen Arztkittel mit verschränkten Armen in der Magistrale des Zentrums für Operative Medizin
Prof. Dr. Nicolas Schlegel ist Inhaber des neu geschaffenen Lehrstuhls für Experimentelle Viszeralchirurgie am Uniklinikum Würzburg © Ulrich Bender

„Babygesänge“ ist Wissenschaftsbuch des Jahres

Prof. Dr. Kathleen Wermke erforscht seit Jahrzehnten das Weinen und die vorsprachlichen Lautäußerungen von Säuglingen und Kleinkindern auf fast allen Kontinenten. Ihre bahnbrechenden Erkenntnisse über Babylaute fasste sie in dem Buch „Babygesänge. Wie aus Weinen Sprache wird“ zusammen. Das im vergangenen Jahr im Molden Verlag erschienene Sachbuch wurde nun in Österreich zum besten Wissenschaftsbuch des Jahres in der Kategorie Medizin/Biologie gewählt.

Porträt von Kathleen Wermke am Tisch in ihrem Büro vor dem Bücherregal
Prof. Dr. Kathleen Wermke baute mit ihrem Team in der Poliklinik für Kieferorthopädie am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) das weltweit erste Zentrum zur Diagnostik vorsprachlicher Entwicklungsstörungen bei Kindern mit einem erhöhten Risiko für den Spracherwerb auf. @ Kathrin Königl
Cover des Buches mit weinendem Säugling
Das Buch "Babygesänge. Wie aus Weinen Sprache wird" von Kathleen Wermke (224 Seiten Hardcover, 13,5 x 21,5 cm. EUR 26,00. ISBN 978-3-222-15122-4 Molden Verlag) wurde in Österreich zum Wissenschaftsbuch in der Kategorie Medizin / Biologie gewählt. @ Molden Verlag

Würzburg. In ihrem Sachbuch „Babygesänge. Wie aus Weinen Sprache wird“ führt Prof. Dr. Kathleen Wermke ihre Leserinnen und Leser auf über 200 Seiten unterhaltsam und fundiert mit zahlreichen Hörbeispielen in die geheimnisvolle Klangwelt der Babys ein. Brabbeln, Quieken, aber auch Schreien und Weinen sind für sie wie Magie. Und diese Magie scheint die Leiterin des Zentrums für vorsprachliche Entwicklung und Entwicklungsstörungen am Uniklinikum Würzburg (UKW) auf die Leserschaft übertragen zu haben. Denn Kathleen Wermkes Buch wurde jetzt in Österreich zum besten Wissenschaftsbuch des Jahres in der Kategorie Medizin/Biologie gekürt. 

Ehre und Anerkennung

Die Wahl erfolgt in einem mehrstufigen Prozess. Eine Fachjury aus den Bereichen Wissenschaft, Forschung, Wissenschaftsjournalismus, Büchereien und Buchbranche wählt zunächst in vier Kategorien jeweils fünf Bücher aus, aus denen dann in einer Publikumswahl die Siegertitel ermittelt werden. „Ich danke allen, die für mein Buch gestimmt haben. Es ist eine große Ehre für mich und eine Anerkennung meiner langjährigen Arbeit“, freut sich Kathleen Wermke. Auch der österreichische Minister Martin Polaschek vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) freut sich über das große Publikumsinteresse an der Wahl und gratuliert den Autorinnen und Autoren der Siegerbücher: „Die Wahl zum besten Wissenschaftsbuch ist fixer Teil der Wissenschaftskommunikation des BMBWF und ich darf alle Forscherinnen und Forscher ermutigen, ihr Wissen auch weiterhin mit einer breiten Öffentlichkeit zu teilen.“

Babys in Frankreich und Japan weinen anders als in Deutschland

Kathleen Wermke erforscht seit Jahrzehnten das Weinen und die vorsprachlichen Lautäußerungen von Säuglingen und Kleinkindern auf fast allen Kontinenten. Obwohl alle Neugeborenen in der Lage sind, jede noch so komplexe Lautsprache der Welt zu erlernen, zeigen sich kulturelle Unterschiede bereits in den ersten Lauten, die Babys von sich geben. Französische Babys weinen mit Akzent, japanische und schwedische Neugeborene weinen deutlich komplexer als deutsche Säuglinge. In der Lamnso-Sprache der Nso, einem ländlichen Volk im Nordwesten Kameruns, gibt es sogar acht Tonhöhen plus spezifische Tonhöhenverläufe. Die Verhaltensbiologin und Medizinanthropologin schließt daraus, dass bereits im letzten Drittel der Schwangerschaft eine Prägung durch die Sprachmelodie der Mutter stattfindet. Kaum auf der Welt, imitieren die Kinder diese Melodiemuster. Wermke ist überzeugt, dass ein besseres Verständnis des Säuglingsgesangs dazu beitragen kann, die körperlichen und kognitiven Anstrengungen zu würdigen, die Babys leisten, um mit ihrer Umwelt akustisch in Kontakt zu treten und über die Stimme eine emotionale Bindung zu ihren Bezugspersonen aufzubauen. 

Wertschätzung des musikalischen Urgesangs aus dem sich die gesprochene Sprache entwickelt

Sie versteht ihr Buch keineswegs als Ratgeber zur Sprachförderung. Sie möchte lediglich Erwachsene, nicht nur Eltern, dazu anregen, Babys einfach mal zuzuhören, ihre stimmlichen Botschaften wertzuschätzen und zu akzeptieren, dass diese emotionale Sprache der Weg zur Sprache ist. „Das Weinen und die vorsprachlichen Lautäußerungen, mit denen Gefühle und Bedürfnisse ausgedrückt werden, sind ein musikalischer Urgesang, der dem Gesang mancher Tiere ähnelt. Aber erst aus dem Babygesang entwickelt sich die gesprochene Sprache“, berichtet Kathleen Wermke, die derzeit mit Unterstützung der Carl Friedrich von Siemens Stiftung an einem Fachbuch arbeitet. 

Kathleen Wermke forschte und lehrte viele Jahre am Institut für Anthropologie der Charité in Berlin bevor sie im Jahr 2003 an die Poliklinik für Kieferorthopädie des UKW wechselte, um dort in enger Kooperation mit der Kinderklinik, der Hals-Nasen-Ohren-Klinik und der Kinderneurochirurgie das interdisziplinäre Zentrum für vorsprachliche Entwicklung und Entwicklungsstörungen aufzubauen. So entstand im Laufe der Jahre eine weltweit einzigartige Datenbank von Babylauten. Diese Daten ermöglichen es, die normale Sprachentwicklung sowie Einflussfaktoren wie Fehlbildungen, Hörstörungen oder Umweltbedingungen zu analysieren, Entwicklungsstörungen frühzeitig zu erkennen und gezielte Fördermaßnahmen zu entwickeln.

Alle Wissenschaftsbücher 2025 auf einen Blick: 

  • Naturwissenschaft / Technik: Paulina Rowińska: Mapmatics. Wie Karten unser Weltbild prägen (Aufbau)
  • Medizin / Biologie: Kathleen Wermke: Babygesänge. Wie aus Weinen Sprache wird (Molden)
  • Junior-Wissensbücher: Lotte Stegeman, Mark Janssen: Die Gefühle der Tiere. Von eifersüchtigen Affen, ängstlichen Hunden und pfiffigen Ratten (Rotfuchs), ab 8
  • Geistes- / Sozial- / Kulturwissenschaften: Gerhard Ammerer, Nicole Bauer, Carlos Watzka: Dämonen (Verlag Anton Pustet)
     

Text: KL / Wissenschaftskommunikation UKW 
 

Porträt von Kathleen Wermke am Tisch in ihrem Büro vor dem Bücherregal
Prof. Dr. Kathleen Wermke baute mit ihrem Team in der Poliklinik für Kieferorthopädie am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) das weltweit erste Zentrum zur Diagnostik vorsprachlicher Entwicklungsstörungen bei Kindern mit einem erhöhten Risiko für den Spracherwerb auf. @ Kathrin Königl
Cover des Buches mit weinendem Säugling
Das Buch "Babygesänge. Wie aus Weinen Sprache wird" von Kathleen Wermke (224 Seiten Hardcover, 13,5 x 21,5 cm. EUR 26,00. ISBN 978-3-222-15122-4 Molden Verlag) wurde in Österreich zum Wissenschaftsbuch in der Kategorie Medizin / Biologie gewählt. @ Molden Verlag

Nicht nur eine Reaktion, sondern die Ursache

FIBROMYALGIE-SYNDROM: AUTOANTIKÖRPER GREIFEN STRUKTUREN DES PERIPHEREN NERVENSYSTEMS AN

Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Claudia Sommer von der Neurologischen Klinik und Poliklinik des Uniklinikums Würzburg zeigt in ihrer in der Fachzeitschrift PAIN veröffentlichten Studie, dass ein fehlgeleitetes Immunsystem möglicherweise nicht nur eine Reaktion des Körpers auf das Fibromyalgie-Syndrom ist, sondern ursächlich mit den Symptomen zusammenhängt.

 

Die Abbildung zeigt sechs verschiedene mikroskopische Aufnahmen.
Gefrierschnitte von Spinalganglien der Ratte wurden auf die Bindung von kommerziell erhältlichen Antikörpern („Vergleichs-AK“) gegen Neurofilament 200 (NF200) und den Capsaicin-Rezeptor TRPV1 getestet. Die erste Spalte zeigt, dass NF200 erwartungsgemäß an große Neuronen und TRPV1 an kleine Neuronen bindet. Die zweite Spalte zeigt die Bindung von Serum eines Patienten mit Fibromyalgiesyndrom an diese Neuronen. Das Serum bindet hauptsächlich an große Neuronen. Die dritte Spalte zeigt die Überlagerung der beiden Färbungen. Das Patientenserum kolokalisiert mit dem Marker NF200, aber nicht mit dem Rezeptor TRPV1. Für verschiedene Patienten mit Fibromyalgiesyndrom wurden unterschiedliche Bindungsmuster gefunden. Bildquelle: C. Sommer/S. Seefried / UKW

Würzburg. Die Ursachen des Fibromyalgie-Syndroms (FMS), einer Erkrankung mit chronischen Schmerzen in mehreren Körperregionen, Schlafstörungen, Erschöpfung und häufig psychischen Begleitsymptomen, sind nach wie vor unklar. Während das FMS früher als Erkrankung des rheumatischen Formenkreises („Fibrositis“) angesehen wurde, setzte sich später die Auffassung durch, dass die Beschwerden durch eine veränderte Schmerzverarbeitung im Zentralnervensystem entstehen, also primär „Kopfsache“ sind. Zu dieser Diskussion konnte die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Claudia Sommer von der Klinik für Neurologie seit 2013 wiederholt beitragen, unter anderem mit dem erstmaligen Nachweis, dass kleine Nervenfasern in der Haut beim FMS in ihrer Struktur und Funktion verändert sind.

Bei 35 Prozent greifen Autoantikörper Strukturen des peripheren Nervensystems an

Ihre neuesten Ergebnisse, die eine eindeutige Beteiligung des Immunsystems bei einer Untergruppe der FMS-Patienten und Patientinnen zeigen, hat die Arbeitsgruppe jetzt in der Fachzeitschrift PAIN veröffentlicht. Die Medizindoktorandin Anastasia Barcic fand heraus, dass bei über 35 % der vom FMS Betroffenen Autoantikörper vorliegen, die gegen Strukturen des peripheren Nervensystems gerichtet sind.

Brennschmerz bei Bindung der Autoantikörper an Nervenzellen mit Capsaicin-Rezeptor

Die naturwissenschaftliche Doktorandin Sabine Seefried vertiefte die Untersuchungen, indem sie durch Immunmarkierungen mit verschiedenen Antikörpern genau bestimmte, an welche Strukturen des peripheren Nervensystems die Autoantikörper der Patientinnen und Patienten binden. Dabei entdeckte sie unterschiedliche Muster, die bestimmte Untergruppen der Betroffenen charakterisierten. Interessanterweise gab es einen Zusammenhang zwischen den betroffenen Strukturen und den Symptomen: In der Patientengruppe, bei der die Autoantikörper an Satellitenzellen banden, also an Zellen, die die Nervenzellen im Spinalganglion umgeben, war die Schmerzintensität höher. In der Gruppe, in der die Autoantikörper an Nervenzellen banden, die den Capsaicin-Rezeptor enthalten, also Sensoren für Schärfe und Hitze, war häufiger ein Brennschmerz vorhanden.  

„Diese und andere Befunde deuten darauf hin, dass die Autoantikörper nicht nur eine Reaktion des Körpers auf die Krankheit sind, sondern wahrscheinlich ursächlich mit den Symptomen zusammenhängen“, fasst Claudia Sommer die neuesten Forschungsergebnisse zusammen.

Weitere Erkenntnisse könnten neue, gezieltere Therapien ermöglichen

Das nächste Ziel der Arbeitsgruppe ist es, herauszufinden, gegen welche Zielstrukturen sich die Antikörper genau richten. Für einzelne Fälle konnte dies bereits gezeigt werden. So wurden zum Beispiel Antigene identifiziert, die auch bei der rheumatoiden Arthritis eine Rolle spielen oder im Serotoninsystem, einem wichtigen Neurotransmittersystem. Die genaue Identifizierung der Zielstrukturen würde es ermöglichen, mehr über die Funktion der Autoantikörper und ihre mögliche Rolle in der Pathophysiologie der Erkrankung zu erfahren. Dies könnte auch den Weg zu einer neuen, zielgerichteten Therapie für Betroffene ebnen.

Das Forschungsprojekt wurde vom Evangelischen Studienwerk Villigst und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziell unterstützt.
 

Die Abbildung zeigt sechs verschiedene mikroskopische Aufnahmen.
Gefrierschnitte von Spinalganglien der Ratte wurden auf die Bindung von kommerziell erhältlichen Antikörpern („Vergleichs-AK“) gegen Neurofilament 200 (NF200) und den Capsaicin-Rezeptor TRPV1 getestet. Die erste Spalte zeigt, dass NF200 erwartungsgemäß an große Neuronen und TRPV1 an kleine Neuronen bindet. Die zweite Spalte zeigt die Bindung von Serum eines Patienten mit Fibromyalgiesyndrom an diese Neuronen. Das Serum bindet hauptsächlich an große Neuronen. Die dritte Spalte zeigt die Überlagerung der beiden Färbungen. Das Patientenserum kolokalisiert mit dem Marker NF200, aber nicht mit dem Rezeptor TRPV1. Für verschiedene Patienten mit Fibromyalgiesyndrom wurden unterschiedliche Bindungsmuster gefunden. Bildquelle: C. Sommer/S. Seefried / UKW

Personalia vom 11. Februar 2025 +++ Wir gratulieren!

Hier lesen Sie Neuigkeiten aus dem Bereich Personal: Neueinstellungen, Dienstjubiläen, Forschungsfreisemester und mehr.

apl. Prof. Dr. Chi Wang Ip, stellvertretender Klinikdirektor, Neurologische Klinik und Poliklinik, ist mit Wirkung vom 01.02.2025, befristet bis 31.01.2031, als Universitätsprofessor für Translationale Neurologie (Schwerpunkt Neurodegenerative Erkrankungen) an der Universität Würzburg eingestellt worden.


einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 11.02.2025

Neue Gelehrtentafeln angebracht

Sechs neue Gelehrtentafeln machen in Würzburg auf bekannte Wissenschaftler der Universität aufmerksam. Damit erhöht sich die Zahl der Tafeln im Stadtgebiet auf 63.

Universitätspräsident Paul Pauli enthüllte die Gelehrtentafel für Professor Otto Meyer in der Neubaustraße.
Universitätspräsident Paul Pauli enthüllte die Gelehrtentafel für Professor Otto Meyer in der Neubaustraße. Mit dabei waren die drei Initiatoren der Aktion „Gelehrtentafeln“, Professoren des Instituts für Geschichte, ehemalige Doktoranden von Otto Meyer und Mitglieder der Studentenverbindung Gothia, der auch Otto Meyer angehörte. (Bild: Robert Emmerich / Universität Würzburg )

Solche Tafeln, die an herausragende Würzburger Wissenschaftler erinnern, sind an Häusern im ganzen Stadtgebiet angebracht. Die Julius-Maximilians-Universität (JMU) möchte auf diese Weise ihre lange Tradition im Stadtbild noch sichtbarer machen.

Franz von Rinecker war Mediziner und von 1836 bis 1883 Professor sowie Leiter der Poliklinik, Professur für Arzneimittellehre, Lehrstuhl für Kinderheilkunde. Weitere Tätigkeiten übte er in der Psychiatrie und Dermatologie mit Schwerpunkt auf der Syphilis-Forschung aus. Er gründete die erste Universitäts-Kinderklinik der Welt. Sein ehemaliges Wohnhaus befindet sich in der Hofstraße 5.

Otto Meyer (1906-2000) war von 1949 bis 1974 Privatdozent und Professor am JMU-Lehrstuhl für Mittelalterliche und Fränkische Landesgeschichte. Seine Gelehrtentafel würdigt ihn als maßgeblichen Vertreter der fränkischen Landesgeschichte und als mitreißenden Vermittler von historischen Themen, der weit über die Universität hinaus bekannt war. Professor Otto Meyer hat im Eckhaus in der Neubaustraße 64a gewohnt. 

Karl Marbe war Psychologe und von 1896 bis 1935 Privatdozent und Professor am Lehrstuhl für Psychologie. Er war Mitbegründer der Würzburger Schule und ihrer Denkpsychologie; außerdem Mitinitiator der phänomenologischen Richtungen der wissenschaftlichen Psychologie. Sein ehemaliges Wohnhaus befindet sich in der Crevennastraße 8.

Sebastian Merkle war Kirchenhistoriker und 1898 bis 1935 Professor am Lehrstuhl für Kirchengeschichte, christliche Dogmengeschichte und christliche Archäologie. Er war ein bedeutender katholischer Kirchenhistoriker des 20. Jahrhunderts. Durch sein Wirken prägte er Generationen von Theologen an der JMU. Sein ehemaliges Wohnhaus befindet sich in der Schellingstraße 27.

Hermann Pauly war Chemiker und von 1904 bis 1932 Privatdozent und Professor am Lehrstuhl für Chemie mit eigenem Forschungslabor. Er war Lehrer, Forscher und Autor auf dem Gebiet der organischen und physiologischen Chemie. Seine Entdeckungen der „Pauly-Seide“ und der „Pauly-Reaktion“ waren bedeutend für die chemische Forschung. Sein ehemaliges Wohnhaus befindet sich am Mittleren Dallenbergweg 6.

Adolf Wurm war Mineraloge und Geologe und von 1929 bis 1955 Professor am Lehrstuhl für Geologie und Mineralogie sowie Direktor des Geologischen Instituts. Er leistete grundlegende Forschungsarbeit zum Frankenwald; 1923 entdeckte er die damals ältesten Fossilien Deutschlands. Außerdem veranschaulichte er filmisch Erosionsvorgänge. Sein ehemaliges Wohnhaus befindet sich in der Annastraße 9.

Ziel: Gelehrtentafeln auch für Frauen

Alle bisherigen Gelehrtentafeln zeigen Männer. Wie der JMU-Präsident sagte, sei das den historischen Umständen geschuldet: Frauen war der Zugang zu Universitäten bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts nicht erlaubt. „Für die kommenden Chargen von Gedenktafeln wird es daher ein wichtiges Anliegen sein, gezielt herausragende weibliche Persönlichkeiten zu ermitteln, die wir mit Gedenktafeln ehren können“, so Pauli.
Bei der Enthüllung der Tafel für Otto Meyer waren auch die Professoren Horst Brunner, Walter Eykmann und August Heidland dabei: Auf ihre Initiative hin hat die JMU das Projekt zu den Gelehrtentafeln im Herbst 2015 gestartet. Die Federführung liegt beim Präsidialbüro und beim Universitätsarchiv. Das Archivteam um Leiter Dr. Marcus Holtz hat über die Jahre in akribischer Arbeit immer wieder neue Wohnhäuser ausfindig gemacht, in denen einmal herausragende Forscher gewohnt haben. Mit den sechs neuen Tafeln wächst deren Zahl jetzt auf 63.

Weitere Infos Neue Gelehrtentafeln angebracht - einBLICK - Online-Magazin der Universität Würzburg
 

Universitätspräsident Paul Pauli enthüllte die Gelehrtentafel für Professor Otto Meyer in der Neubaustraße.
Universitätspräsident Paul Pauli enthüllte die Gelehrtentafel für Professor Otto Meyer in der Neubaustraße. Mit dabei waren die drei Initiatoren der Aktion „Gelehrtentafeln“, Professoren des Instituts für Geschichte, ehemalige Doktoranden von Otto Meyer und Mitglieder der Studentenverbindung Gothia, der auch Otto Meyer angehörte. (Bild: Robert Emmerich / Universität Würzburg )

Bahnbrechende Forschung im Kampf gegen Krankheiten

Christophe Zimmer ist neuer Spitzenprofessor an der Universität Würzburg. Als Koryphäe auf dem Gebiet der biologischen Bildgebung und -verarbeitung erhält er bis zu fünf Millionen Euro Förderung aus der Hightech Agenda Bayern.

Christophe Zimmer ist von Paris nach Würzburg gewechselt.
Christophe Zimmer ist von Paris nach Würzburg gewechselt. Er analysiert mithilfe von künstlicher Intelligenz unter anderem hochauflösende Bilder von Zellen. (Bild: Felix Knote / AG Zimmer)
Das Spitzenprofessuren-Programm ist Teil der HightechAgenda Bayern.
Das Spitzenprofessuren-Programm ist Teil der HightechAgenda Bayern.

„Wir sagen Krankheiten mit bahnbrechender Forschung den Kampf an: Mit Professor Christophe Zimmer konnte eine weltweit gefragte Koryphäe auf dem Gebiet der biologischen Bildgebung und -verarbeitung als bayerischer Spitzenprofessor an die Julius-Maximilians-Universität Würzburg berufen werden.“ Mit diesen Worten begrüßte Wissenschaftsminister Markus Blume Christophe Zimmer an seiner neuen bayerischen Wirkungsstätte.

Zimmers Wechsel vom renommierten Institut Pasteur in Paris nach Unterfranken ergänze die exzellente Förderung der Mikroskopie-basierten Forschung an der JMU ideal, so Blume. „Das macht unsere fränkische Vorzeige-Uni zum internationalen Leuchtturm der KI-gestützten biomedizinischen Bildgebung und stärkt sie im Exzellenzwettbewerb von Bund und Ländern.“

Ein besseres Verständnis des zellulären Aufbaus

Christophe Zimmer hat an der JMU den Lehrstuhl für Maschinelle Biophotonik inne, der am Rudolf-Virchow-Zentrum für Integrative und Translationale Bildgebung angesiedelt ist. Mit seiner Expertise für biologische Bildgebungsverfahren verstärkt er die fachübergreifende Forschung im Bereich der Zell- und Mikrobiologie. Damit gliedert er sich auch in die Exzellenzstrategie der Universität im Hinblick auf RNA-Forschung ein, die bereits zur erfolgreichen Würzburger Antragsskizze NUCLEATE geführt hat. Zimmers Ziel: die Entwicklung von Bildgebungsverfahren, die zu einem besseren Verständnis des zellulären Aufbaus und letztlich zu neuen medizinischen Anwendungen führen können.

Christophe Zimmer hat in Paris Physik und Mathematik studiert. Er wurde 1997 an der Université Paris 7 im Fachbereich „Astrophysik und Raumfahrttechnik“ promoviert. Auf biologische Bildgebungsverfahren richtete er seine Forschung während seines zweiten Post-Doktorats am Institut Pasteur in Paris aus, einem der weltweit führenden biomedizinischen Forschungsinstitute. Zuvor hatte Zimmer nach einem Ingenieursdiplom an der Ecole Polytechnique Paris mit einem PhD an der University Paris 7 und einer von der NASA finanzierten Post-Doc-Phase an der University of California Los Angeles erfolgreich auf dem Gebiet der Astrophysik und Raumfahrttechnik geforscht.

Am Institut Pasteur wurde er 2008 Leiter der „Imaging and Modeling Unit“, 2009 folgte die Habilitation. Von 2010 bis 2021 war er Forschungsdirektor am Institut Pasteur und von Mitte 2020 bis Mitte 2023 Direktor der Abteilung Computational Biology und Leiter einer interdisziplinären Initiative zu künstlicher Intelligenz.

Bildanalyse durch Deep Learning

Zimmers neues Forschungsumfeld in Würzburg zeichnet sich bereits durch erstklassige Strukturen in dem Gebiet der Bildgebungsverfahren aus und bietet damit exzellente Entwicklungsmöglichkeiten. Mit seiner Forschung zur Bildanalyse durch Deep Learning fügt Zimmer dem Rudolf-Virchow-Zentrum zudem einen weiteren methodischen Bereich hinzu.

„Professor Zimmers hochinnovative Methoden können unser Verständnis davon revolutionieren, wie Bakterien oder menschliche Zellen auf genetische oder chemische Störungen reagieren“, erklärte Markus Blume. Mithilfe von künstlicher Intelligenz, insbesondere Deep Learning, analysiert er unter anderem hochauflösende Bilder von Zellen, die durch Einzelmolekül-Mikroskopie gewonnen wurden.

„Diese Forschung zur mikroskopischen Charakterisierung von Zellen und Mikroorganismen ebnet den Weg für neue Strategien der Behandlung oder Diagnostik“, so Blume weiter. Seine Berufung im Rahmen des bayerischen Spitzenprofessuren-Programms zeige die „internationale Sogwirkung“ der Hightech Agenda Bayern im Wettbewerb um die besten Köpfe.

Je Spitzenprofessur bis zu fünf Millionen Euro aus der Hightech Agenda

Mit dem Spitzenprofessuren-Programm als Teil der Hightech Agenda Bayern betreibt das bayerische Wissenschaftsministerium Forschungsförderung auf höchstem Niveau. Eine Aufnahme in das Programm an einer staatlichen bayerischen Universität ist bei einer Laufzeit von fünf Jahren neben der Personalstelle mit einem Betrag von bis zu fünf Millionen Euro dotiert.

Das soll hervorragende Rahmenbedingungen für die Spitzenforschung ausgewiesener Koryphäen aus dem In- und Ausland schaffen. Seit Beginn des Programms 2021 wurden Spitzenprofessuren an Universitäten, Hochschulen für angewandte Wissenschaften und Kunsthochschulen in Höhe von insgesamt rund 59 Millionen Euro bewilligt.

Ein Video mit Christophe Zimmer ist hier zu sehen.

Kontakt

Prof. Dr. Christophe Zimmer, Lehrstuhl für Maschinelle Biophotonik (Machine Biophotonics),
T: +49 931 31-80368, christophe.zimmer@ uni-wuerzburg.de 

Christophe Zimmers Homepage

Informationen zum Spitzenprofessuren-Programm

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 11.02.2025

Christophe Zimmer ist von Paris nach Würzburg gewechselt.
Christophe Zimmer ist von Paris nach Würzburg gewechselt. Er analysiert mithilfe von künstlicher Intelligenz unter anderem hochauflösende Bilder von Zellen. (Bild: Felix Knote / AG Zimmer)
Das Spitzenprofessuren-Programm ist Teil der HightechAgenda Bayern.
Das Spitzenprofessuren-Programm ist Teil der HightechAgenda Bayern.

Eine Erzählung aus dem zerstörten Würzburg: Benefizlesung für „Forschung hilft“

Der neue Roman von Prof. Dr. Alexander Meining spielt im Frühjahr 1945 im kriegszerstörten Würzburg. Wie schon bei seinen vorangegangenen Bänden spendet der Mediziner das Autorenhonorar an „Forschung hilft“, die Stiftung zur Förderung der Krebsforschung am Universitätsklinikum Würzburg. Außerdem findet am 28. März 2025 eine Benefizlesung statt, die an das Kriegsende in Würzburg vor 80 Jahren erinnert.

Prof. Dr. Alexander Meining ist der Autor des historischen Würzburg-Romans „Der alte Mann vom Main“.
Prof. Dr. Alexander Meining ist der Autor des historischen Würzburg-Romans „Der alte Mann vom Main“. © Elke Kunkel, Würzburg
„Der alte Mann vom Main“ zeichnet ein eindrückliches Bild von der Zerstörung Würzburgs am 16. März 1945 und den darauf folgenden Kämpfen in den Ruinen.
„Der alte Mann vom Main“ zeichnet ein eindrückliches Bild von der Zerstörung Würzburgs am 16. März 1945 und den darauf folgenden Kämpfen in den Ruinen. © Gmeiner Verlag

Würzburg. Am 8. Februar dieses Jahres erschien unter dem Titel „Der alte Mann vom Main“ ein neuer historischer Würzburg-Roman von Alexander Meining. Wie schon bei seinen bisherigen lokalen Krimibänden spendet der Verfasser das verkaufsabhängige Autorenhonorar an die Stiftung „Forschung hilft“. Diese fördert besonders aussichtsreiche Krebsforschungsprojekte des Universitätsklinikums Würzburg (UKW). Der Freizeit-Schriftsteller Meining ist auch in seinem beruflichen Leben eng mit dem Thema Krebs verbunden: Als Professor fungiert er als stellvertretender Direktor der Medizinischen Klinik II des UKW und leitet dort den Schwerpunkt Gastroenterologie. Die Beschäftigung mit geschichtlichen Hintergründen und das Verfassen von Romanen ist für ihn ein Ausgleich zu seinem ärztlichen Arbeitsalltag. 

Sein neues Werk führt zurück zum 16. März 1945, an dem Würzburg durch einen Bombenangriff der Alliierten weitgehend zerstört wurde. Die fiktive Geschichte ist eingebettet in einen präzise recherchierten Kontext von historischen Tatsachen.

Autorenlesung und Diskussionsrunde mit weiteren Experten

Passend zum Erinnern an die nun 80 Jahre zurückliegenden Ereignisse findet am Freitag, den 28. März 2025 im Hof Engelgarten des Best Western Premier Hotels Rebstock in der Würzburger Neubaustraße eine Benefizlesung aus der Buchneuerscheinung statt. Ergänzt wird die Veranstaltung durch ein Grußwort von Bürgermeisterin Judith Roth-Jörg und eine Gesprächsrunde. Moderiert von Main-Post-Redakteur Andreas Jungbauer werden dabei neben Prof. Meining der Historiker Dr. Roland Flade und der Zeitzeuge Rudolf Nelkenstock ihr Wissen über diese dramatische und für das heutige Würzburg so prägende Zeit teilen. Außerdem wird die Stiftungsrats-Vorsitzende Gabriele Nelkenstock die Arbeit von „Forschung hilft“ vorstellen. 

Beginn ist um 19:00 Uhr. Der Eintritt ist frei, um Spenden für die Stiftung wird gebeten. Für die Benefizveranstaltung stellt das Hotel Rebstock seine Räume im Hof Engelgarten und den Service kostenlos zur Verfügung. Außerdem erhält „Forschung hilft“ sämtliche Einnahmen aus der Bewirtung.

Über das Buch

Würzburg 1945: Der ehemalige Staatsanwalt Walter Gänslein ist des Lebens überdrüssig. Mittlerweile 75 Jahre alt, fühlt er sich einsam in der Stadt, die schon viel zu lange von den Nazis regiert wird. Am Abend des 16. März wird er unerwartet Zeuge des Bombenangriffs der Alliierten. Binnen 20 Minuten wird fast die gesamte Altstadt zerstört. Gänslein eilt zurück in ein loderndes Inferno. Auf der Suche nach Nahrung begegnet er Henriette Kerstan. Die beiden lernen sich kennen und finden Gefallen aneinander. Doch als Gänslein am nächsten Morgen mit Henriette Würzburg verlassen möchte, wird er für den Volkssturm zwangsrekrutiert. Er soll die Ruinen der Stadt gegen die vorrückende US-Army verteidigen. Gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen wird er in eine sinnlose Schlacht geschickt. Der Befehl kommt vom Führer persönlich: Würzburg muss gehalten werden! Als die Amerikaner eintreffen, gerät Gänslein in Kriegsgefangenschaft und begegnet dort der Person, auf die er seit Jahrzehnten gewartet hat.

Das beim Gmeiner Verlag erschienene, 224 Seiten starke Buch kostet 13 Euro.

Wer die Stiftung „Forschung hilft“ weiter voranbringen will, kann außerdem auf folgendes Konto spenden: 
Stiftergemeinschaft der Sparkasse Mainfranken Würzburg
IBAN: DE19 7905 0000 0000 0655 65
BIC: BYLADEM1SWU
 

 

Text: Pressestelle / UKW

Prof. Dr. Alexander Meining ist der Autor des historischen Würzburg-Romans „Der alte Mann vom Main“.
Prof. Dr. Alexander Meining ist der Autor des historischen Würzburg-Romans „Der alte Mann vom Main“. © Elke Kunkel, Würzburg
„Der alte Mann vom Main“ zeichnet ein eindrückliches Bild von der Zerstörung Würzburgs am 16. März 1945 und den darauf folgenden Kämpfen in den Ruinen.
„Der alte Mann vom Main“ zeichnet ein eindrückliches Bild von der Zerstörung Würzburgs am 16. März 1945 und den darauf folgenden Kämpfen in den Ruinen. © Gmeiner Verlag