Aktuelle Pressemitteilungen

„Wichtige Etappe für die Zukunft der Würzburger Universitätsmedizin“

Der Würzburger Stadtrat hat in seiner Sitzung am Donnerstag, 31. März, für die Aufstellung eines Bebauungsplanes für das „Erweiterungsgelände Nord“ votiert. In den kommenden Monaten wird u.a. auch ein Mobilitätskonzept erstellt.

Würzburg. „Das Votum des Würzburger Stadtrates ist eine weitere wichtige Etappe für die bauliche Entwicklung der Würzburger Universitätsmedizin. Wir sind froh über diese Entscheidung und danken all jenen, die daran mitgewirkt haben. Dazu zählt natürlich in erster Linie das Staatliche Bauamt Würzburg. Jetzt können die Planungen weiter vorangehen“, erklärt Prof. Dr. Jens Maschmann, Ärztlicher Direktor der unterfränkischen Uniklinik. Der Würzburger Stadtrat hat in seiner Sitzung am Donnerstag, 31. März, für die Aufstellung eines Bebauungsplanes für das „Erweiterungsgelände Nord“ votiert.

Auf dem rund zehn Hektar großen Areal nordwestlich der bestehenden Zentren für Operative Medizin (ZOM) und für Innere Medizin (ZIM) sollen Neubauten für die jetzigen Kopfkliniken und für das neue „Zentrum Frauen-Mutter-Kind“ entstehen. Die Anzahl der Betten am UKW bleibt dabei gleich: So werden die derzeit rund 600 Betten für diese beiden Klinikbereiche von den Altgebäuden zukünftig in den Neubau verlagert. Gleiches gilt auch für die Parkplätze, die verlagert werden: Hier sollen bis zu maximal 2500 Parkplätze innerhalb des neuen Klinikkomplexes entstehen. Schon jetzt gibt es alleine im nördlichen Klinikbereich des UKW etwa 1900 PKW-Stellplätze, hinzu kommen aktuell mehrere hundert Stellplätze im Bereich der Altkliniken rund um den Luitpold-Campus.

In den kommenden Monaten wird zudem ein Mobilitätskonzept erstellt. Hierzu werden sowohl Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des UKW, der Universität, Studierende wie auch Patienten und Besucher befragt.

Bauherr ist der Freistaat Bayern vertreten durch das Staatliche Bauamt Würzburg. 

Sarkomzentrum Würzburg: Ein zertifiziertes Netzwerk für eine bösartige Vielfalt

Das Sarkomzentrum Würzburg unter dem Dach des Comprehensive Cancer Center (CCC) Mainfranken wurde durch die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) für die qualifizierte Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Knochen- oder Weichgewebetumoren ausgezeichnet.

Das Bild zeigt Ärzte und Ärztinnen sowie Koordinatorinnen und Koordinatoren des Würzburger Sarkomzentrums am Specialty Day im König-Ludwig-Haus Würzburg
Das Team des gerade von der DKG zertifizierten Würzburger Sarkomzentrums stellte am 23. März in der Orthopädischen Klinik König-Ludwig-Haus Würzburg potentiellen Zuweiserinnen und Zuweisern das Krankheitsbild und die Behandlungsmöglichkeiten der Knochen- und Weichgewebetumore vor. © Melanie Keck / Orthopädische Klinik König-Ludwig-Haus Würzburg

Die Koordinatorin des Onkologischen Zentrums Edith Förster hat schon einige Zentren am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) bei der Zertifizierung durch die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) begleitet. „Die Zertifizierung des Sarkomzentrums war jedoch eine besondere Herausforderung“, gesteht die Biologin, die unter anderem für das Qualitätsmanagement zuständig ist. „Das liegt am Krankheitsbild dieser Knochen- und Weichteilsarkome, von denen es bis zu 100 verschiedene Subtypen gibt und die im ganzen Körper und in jedem Alter auftreten können. Die Patientinnen und Patienten suchen unterschiedliche Einrichtungen auf, und häufig wird der Befund zufällig gestellt. Das bedeutet, dass hier am Sarkomzentrum noch mehr Fachdisziplinen als bei anderen Krebszentren in engem Austausch stehen und an einen Tisch gebracht werden müssen.“

Für jedes Krankheitsbild eine stadiengerechte Therapie

Jede Woche nehmen benannte Fachärztinnen und -ärzte aus der Orthopädie, Internistischen Onkologie, Viszeralchirurgie, Thoraxchirurgie, plastischen Chirurgie, Pathologie, Radiologie und Strahlentherapie am Sarkom-Tumorboard teil, um gemeinsam ein Behandlungskonzept für die Betroffenen zu erstellen oder auch Zweitmeinungsanfragen zu klären.

„Sarkome kommen im Vergleich zu Karzinomen sehr selten vor“, erklärt Dr. Christoph K. W. Deinzer von der Internistischen Onkologie der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des UKW und Koordinator des neu von der DKG zertifizierten Sarkomzentrums Würzburg. „Die Weichgewebs- und Knochentumore machen bei Erwachsenen nur etwa ein Prozent aus. Doch sie sind abhängig von der jeweiligen Sarkom-Subgruppe teilweise im Wachstum sehr aggressiv und tückisch, da sie im Frühstadium häufig nur unspezifische Beschwerden verursachen wie Gelenk-, Muskel- oder Bauchschmerzen.“

Sarkome in Expertenhände geben

Die meisten Patientinnen und Patienten hätten eine lange Odyssee hinter sich bis zur korrekten Diagnose dieser seltenen Erkrankung. Viele Ärztinnen und Ärzte sähen ein Sarkom nur ein oder zweimal in ihrem Berufsleben. Dennoch müsse man die Erkrankung im Hinterkopf haben, mahnt Prof. Maximilian Rudert, Ärztlicher Direktor der Orthopädischen Klinik König-Ludwig-Haus Würzburg und Leiter des Sarkomzentrums Würzburg. Leider gebe es immer noch zu viele unpassende Behandlungen mit unnötigen oder unvollständigen Operationen und der Gabe von unwirksamen Medikamenten sowie fehlende Nachsorgeuntersuchungen. Rudert empfiehlt dringend, alle Patientinnen und Patienten mit der Diagnose eines Sarkoms oder Verdacht auf ein Sarkom in eines der inzwischen 16 spezialisierten Sarkomzentren in Deutschland zu überweisen: „Die Sarkomzentren haben die entsprechenden Erfahrungen in der Diagnose, Operation und Behandlung und müssen die geforderte Fachexpertise regelmäßig nachweisen. Mit modernen, multimodalen Therapiekonzepten können heute bis zu 70 Prozent der Sarkompatienten geheilt werden.“

Maximilian Rudert freut es sehr, dass die Deutsche Krebsgesellschaft nun auch das Würzburger Sarkomzentrum sowohl für Knochen- als auch für Weichteilsarkome zertifiziert hat. „Wir verfügen über eine langjährige Expertise und eine hervorragende Infrastruktur für die Behandlung von Knochen- und Weichteilsarkomen, die eine intensive, fächerübergreifende Zusammenarbeit ermöglicht“, so Rudert. „Wir bieten nicht nur eine entsprechend hohe Qualität in Diagnostik und Behandlung der Sarkome, sondern ermöglichen unseren Patientinnen und Patienten die beste Versorgung auch im Rahmen klinischer Studien.“

Fortbildung: Tumordiagnostik, Chirurgie und Behandlungsstrategien

Um das Bewusstsein für Knochen- und Weichteilsarkome zu erhöhen, luden Prof. Rudert und Tumororthopäde Prof. Peter Raab am 23. März 2022 ins König-Ludwig-Haus ein. Den potentiellen Zuweiserinnen und Zuweisern – 55 nahmen vor Ort teil, 45 online – wurden im Rahmen der Fortbildungsreihe „Specialty Day“ von Dr. Deinzer zunächst die Strukturen des neu zertifizierten Sarkomzentrums vorgestellt. Das Sarkomzentrum Würzburg ist angesiedelt unter dem Dach des Comprehensive Cancer Center (CCC) Mainfranken, das von der DKG als Onkologisches Spitzenzentrum gefördert wird und dessen Leitung Prof. Dr. Ralf Bargou innehat. Eine zunehmende Vernetzung, unter anderem im Rahmen des Bayerischen Zentrums für Krebsforschung (BZKF) sowie der CCC und NCT Allianz WERA, neben Würzburg sind die Universitätskliniken Erlangen, Regensburg und Augsburg beteiligt, belebt den fachlichen Austausch.

Die Experten des Sarkomzentrums Würzburg informierten am „Specialty Day“ über die aktuellen Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten aus ihrem jeweiligen Fachbereich. Dr. Christoph K. W. Deinzer zeigte aktuelle Systemtherapien und Studienoptionen bei Knochen- und Weichteilsarkomen auf, Dr. Anke Heidemeier vom Institut für Diagnostische und interventionelle Radiologie am UKW veranschaulichte die spezielle bildgebende Tumordiagnostik bei Sarkomerkrankungen, und Dr. Marcus Zimmermann hob den Stellenwert der neoadjuvanten und adjuvanten Strahlentherapie hervor. Prof. Armin Wiegering von der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Transplantations-, Gefäß- und Kinderchirurgie des UKW gab einen anschaulichen Einblick in die Chirurgie der Sarkome des Bauchraums, und Dr. Martin Lüdemann erläuterte abschießend die orthopädischen Behandlungsverfahren bei Weichteil- und Knochensarkomen und betonte nochmals die Bedeutung für Patientinnen und Patienten, sich frühzeitig für die Diagnostik und Therapie in zertifizierten Sarkomzentren vorzustellen.

Für Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige und Interessierte soll es am 8. Juli 2022 eine Veranstaltung geben, weitere Informationen und Registrierung ist unter anmeldung_ccc@ukw.de möglich.

Information zu zertifizierten Zentren der Deutschen Krebsgesellschaft DKG:

Zertifizierte Zentren sind zertifizierte Netzwerke aus stationären und ambulanten Einrichtungen, in denen alle an der Behandlung eines Krebspatienten beteiligten Fachrichtungen eng zusammenarbeiten. Neben Chirurgen, Radioonkologen, Pathologen, Experten für die medikamentöse Tumortherapie und weiteren Fachdisziplinen gehören dazu unter anderem auch onkologische Pflegekräfte, Psychoonkologen und Sozialarbeiter. Durch ihr Zertifizierungssystem möchte die Deutsche Krebsgesellschaft die Betreuung onkologischer Patientinnen und Patienten verbessern und eine Therapie ermöglichen, die sich in jeder Phase der Erkrankung an hohen Qualitätsmaßstäben orientiert. Die zertifizierten Zentren müssen jährlich nachweisen, dass sie die fachlichen Anforderungen für die Behandlung einer Tumorerkrankung erfüllen und zudem über ein etabliertes Qualitätsmanagementsystem verfügen. 

 

Seltene Erkrankungen: „ZESE“ Nordbayern bundesweit als erstes Referenzzentrum für Seltene Erkrankungen zertifiziert

Einrichtung an der Würzburger Uniklinik wurde erfolgreich geprüft / Bundesweite Premiere

 

Das am Uniklinikum Würzburg angesiedelte Zentrum für Seltene Erkrankungen – Referenzzentrum Nordbayern erhielt als bundesweit erste Einrichtung eine Zertifizierung auf Grundlage der Anforderungen des Nationalen Aktionsbündnisses für Menschen mit Seltenen Erkrankungen und des Gemeinsamen Bundesausschusses.

Das Zentrum für Seltene Erkrankungen – Referenzzentrum Nordbayern (ZESE Nordbayern) am Uniklinikum Würzburg (UKW) erfüllt nachweislich alle Punkte des Anforderungskatalogs des Nationalen Aktionsbündnisses für Menschen mit Seltenen Erkrankungen (NAMSE). Gleiches gilt für einen parallel bestehenden Vorgabenkatalog des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Das bescheinigt ein Ende Februar dieses Jahres von der unabhängigen Zertifizierungsgesellschaft ClarCert ausgestelltes Zertifikat. 

Umfangreiche Dokumentation und Auditoren-Visitation

Dem positiven Votum vorausgegangen war ein mehrmonatiger Prozess, in dem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ZESE Nordbayern zunächst umfangreiche schriftliche Unterlagen vorlegen mussten, bevor am 1. Februar 2022 ein dreiköpfiges Auditorenteam das UKW besuchte. Vor Ort machten sich die Expertin und die zwei Experten ein Bild von den Abläufen des Zentrums und besuchten verschiedene Bereiche, wie die Räume des Zentrums selbst, die Kinderpoliklinik, die Endokrinologie, die Pneumologie und das Labor. 

Eine Maßnahme zur Qualitätssicherung und -verbesserung

Das ZESE Nordbayern ist damit das erste von bundesweit über 30 Zentren für Seltene Erkrankungen, das sich mit dem neuen, auf freiwilliger Basis vergebenen Zertifikat schmücken darf. Prof. Dr. Helge Hebestreit, der Direktor des Zentrums, führt diese Vorreiterposition und den insgesamt sehr schnellen Ablauf der Zertifizierung auf die gute Vorbereitung und die hohe Motivation des Würzburger Teams zurück. „Einer der Faktoren dabei war unser Wille zu Qualitätssicherung und -verbesserung“, erläutert der Spezialist für die Seltene Erkrankung Mukoviszidose und fährt fort: „Der Blick von außen bestätigte uns nicht nur in unserem Tun, er zeigte uns über die Hinweise des Auditorenteams auch noch bestehende Optimierungsmöglichkeiten auf, zum Beispiel bei den Themen Patientenbefragung oder Informationsfluss innerhalb des Klinikums.“ Mit dem Zertifikat ist das ZESE Nordbayern in einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess eingetreten. So ist das Dokument zwar drei Jahre lang gültig, aber bis zur erneuten Auditierung in 2025 sind für die Rezertifizierung vorher schon jährliche Lieferungen von schriftlichen Unterlagen erforderlich. 

Weitere Vorteile durch das Zerifikat

Neben der Qualitätssicherung und -verbesserung erwartet sich Prof. Hebestreit von der erfolgreichen Zertifizierung indirekte Vorteile bei der Implementierung von anstehenden Projekten, beispielsweise im Bereich der Genomforschung. Und auch bei den Verhandlungen mit den Krankenkassen und dem Freistaat Bayern kann sich das Dokument zukünftig positiv auswirken. 

„Für die Patientinnen und Patienten bedeutet das Zertifikat, dass sie sich sicher sein können, dass die Abläufe in unserem Zentrum genau dem entsprechen, was das mit Expertinnen und Experten aus vielen Bereichen besetzte NAMSE-Bündnis für sinnvoll erachtet“, beschreibt Hebestreit. 

Das NAMSE wurde im Jahr 2010 vom Bundesgesundheitsministerium, dem Bundesforschungsministerium und der Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen gegründet. Ziel des Aktionsbündnisses ist es, durch gemeinsames Handeln dazu beizutragen, die Lebenssituation jedes einzelnen Menschen mit einer Seltenen Erkrankung zu verbessern. Ein Baustein dabei ist die Beauftragung von ClarCert als unabhängige Zertifizierungsgesellschaft durch den Verein NAMSE-Netz e.V. 

 

Uniklinikum Würzburg: Neue Webinar-Reihe zur Therapieunterstützung bei Krebs

Das am Uniklinikum Würzburg angesiedelte Comprehensive Cancer Center Mainfranken startet unter dem Namen ONKOnline eine Webinar-Reihe, die Fragen rund um die komplementäre Onkologie – also zu therapiebegleitenden Ernährungs-, Bewegungs- und Entspannungsmaßnahmen –beantwortet.

Zahlreiche Studien belegen die Wirksamkeit von Lebensstilmodifikationen und unterstützenden Verfahren vor, während und nach einer Krebstherapie. Gerade in Bezug auf Ernährung, Bewegung und Entspannung liefern Ratgeber und Internetforen viele verschiedene Informationen. „Die jeweilige wissenschaftliche Qualität dieser Informationen ist allerdings nicht immer leicht ersichtlich“, weiß Dr. Claudia Löffler. Die Fachärztin, die am Comprehensive Cancer Center Mainfranken (CCC MF) den Bereich „Komplementäre Onkologie Integrativ“ (KOI) leitet, fährt fort: „Für alle Krebspatientinnen und -patienten, die sich fundiert darüber informieren wollen, was sie persönlich zur Unterstützung ihrer Gesundheit tun können, starten wir jetzt eine mehrteilige Online-Fragestunde.“ 

45 Minuten mit Überblick und Fragerunde

Bei den kostenlosen Webinaren der neuen Reihe „ONKOnline“ geben die Expertinnen des KOI zunächst einen kurzen Überblick über den aktuellen Stand der Wissenschaft in den Bereichen Ernährung und Bewegung, integrative Onkologie, Entspannung und Stressreduktion. Anschließend stehen sie für individuelle Fragen zur Verfügung. 

Los geht es am Dienstag, den 5. April 2022 von 17:00 bis 17:45 Uhr mit einem generellen Porträt des neuen Formats und einer ersten Gesprächsrunde. Die nächste Veranstaltung am 3. Mai konzentriert sich auf den Wert von Vitamin D, Selen und Vitamin C als Ernährungsergänzung. Die Themen der weiteren Termine finden sich unter https://go.uniwue.de/onkonline.  

Unverbindlich anmelden kann man sich unter E-Mail: supportivangebote_ccc@ ukw.de oder Tel: 0931 201- 35350. Nach der Anmeldung sendet das KOI Team per E-Mail die Zugangsdaten zum Webinar und eine detaillierte Anleitung zur Teilnahme zu.

Über das CCC MF

Das Comprehensive Cancer Center Mainfranken ist eine gemeinsame Einrichtung des Uniklinikums und der Universität Würzburg. Das interdisziplinäre Krebsbehandlungs- und Krebsforschungs-Zentrum wird von der Deutschen Krebshilfe als Onkologisches Spitzenzentrum gefördert. Außerdem ist das CCC MF am Bayerischen Zentrum für Krebsforschung (BZKF) beteiligt.

Vierter ERC Grant für das HIRI - 1,5 Millionen Euro für die Erforschung menschlicher Darmbakterien

Würzburg, 29. März 2022 – Den menschlichen Darm besiedeln unzählige Mikroorganismen. Diese Darmmikrobiota ist von großer Bedeutung für die menschliche Gesundheit. Doch wie interagieren Wirtszellen, Darmbakterien und Krankheitserreger? Könnten die Darmbakterien so gesteuert werden, dass sie Menschen vor Infektionen schützen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Alexander Westermann vom Würzburger Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) in seinem Forschungsprojekt „GUT-CHECK“. Mit einer Förderung von 1,5 Millionen Euro zeichnet der Europäische Forschungsrat (ERC) ihn nun über einen Zeitraum von fünf Jahren aus. Er ist damit der vierte Arbeitsgruppenleiter am HIRI, der einen ERC Grant erhält.

Durch Klimawandel und Globalisierung neu auftretende Infektionskrankheiten sowie Antibiotikaresistenzen stellen eine Bedrohung für die weltweite Gesundheit dar. Einen Schutz vor Infektionen könnten kommensale Mikroorganismen bieten, die den gesunden menschlichen Darm besiedeln. Wie diese Darmmikrobiota dazu genutzt werden könnte, um Krankheiten abzuwehren, will Alexander Westermann in seinem Projekt „GUT-CHECK“ herausfinden. Der Gruppenleiter am HIRI, einem Joint Venture des Braunschweiger Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) und der Julius-Maximilians-Universität (JMU) in Würzburg, erhält dafür einen Starting Grant in Höhe von 1,5 Millionen Euro vom Europäischen Forschungsrat (European Research Council, ERC).

Große Freude in Würzburg und Braunschweig

„Bereits zum zweiten Mal in diesem noch jungen Jahr wird einem unserer Wissenschaftler diese fantastische Förderung zuteil“, sagt Jörg Vogel, Geschäftsführender Direktor des HIRI. „Das spricht für die hohe Qualität unserer Forschung und für deren gesellschaftliche Bedeutung. Ich freue mich sehr darüber, dass Alexander Westermann einen ERC Starting Grant erhält.“

„Die ERC Grants gehören zu den bedeutendsten und angesehensten Auszeichnungen in der Wissenschaft“, ergänzt Dirk Heinz, Wissenschaftlicher Geschäftsführer am HZI. „Wir gratulieren Alexander Westermann ganz herzlich zu diesem großen Erfolg.“

Darmmikrobiota versus Infektionen

Der menschliche Darmtrakt bietet eine attraktive Umgebung für nützliche, aber auch für krankheitserregende Bakterien. Die nützlichen Bakterien helfen dabei, Nahrung zu verdauen, und bieten darüber hinaus zahlreiche gesundheitliche Vorteile. Krankheitserreger hingegen nutzen den Darm als Angriffspunkt für eine Infektion. Beide beeinflussen sowohl sich gegenseitig, als auch ihren Wirt, den Menschen. Mit seinem vom ERC geförderten Projekt „GUT-CHECK“ will Westermann, Leiter der HIRI-Forschungsgruppe „Wirt-Pathogen-Mikrobiota-Interaktionen“ und JMU-Juniorprofessor, nun dazu beitragen, diese Dreiecksbeziehung besser zu verstehen. 

Er konzentriert sich dabei auf Bakterien der Gattung Bacteroides. „Gemeinsam mit meinem Team will ich RNA-basierte Regulationen des Stoffwechsels von Bacteroides thetaiotaomicron, eines zentralen Vertreters der Darmmikrobiota, erforschen. Dieses Bakterium schützt seinen Wirt zwar gegen Darminfektionen, gleichzeitig generiert es jedoch durch seinen Stoffwechsel Zwischenprodukte, die sich pathogene Bakterien zunutze machen können“, so Westermann. „Das Forschungsprojekt soll zu einem besseren Verständnis der Wechselwirkung zwischen Wirt, Mikrobiota und Erreger beitragen. Auf Grundlage dessen könnten neuartige RNA-basierte Behandlungen von gastrointestinalen Infektionen entwickelt werden“, stellt der HIRI-Forscher in Aussicht.

Alexander Westermann ist bereits der vierte Arbeitsgruppenleiter am HIRI, den der Europäische Forschungsrat mit einem ERC Grant ausstattet. Im Jahr 2020 startete Chase Beisel sein durch einen ERC Consolidator Grant finanziertes Projekt „CRISPR Combo“. Neva Caliskan begann 2021 mit der Arbeit am Forschungsvorhaben „T-FRAME“, das mit einem ERC Starting Grant gefördert wird. Anfang 2022 erhielt Mathias Munschauer einen ERC Starting Grant für sein Projekt „COVIDecode“.

Über Alexander Westermann

Alexander Westermann hat Molekulare Biowissenschaften an der Universität Heidelberg studiert. Seine Promotion absolvierte er im Labor von Jörg Vogel am Institut für Molekulare Infektionsbiologie (IMIB) in Würzburg. Forschungsaufenthalte in den Laboren von Andreas Bäumler (Universität von Kalifornien, Davis, USA) und David Holden (Imperial College London, Großbritannien) folgten in den Jahren 2017 und 2018. Seit März 2018 ist Alexander Westermann Juniorprofessor am IMIB und leitet die Gruppe „Wirt-Pathogen-Mikrobiota-Interaktionen“ am HIRI.

Über das HIRI

Das Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) ist die erste Einrichtung weltweit, die die Forschung an Ribonukleinsäuren (RNA) mit der Infektionsbiologie vereint. Auf Basis neuer Erkenntnisse aus seinem starken Grundlagenforschungsprogramm will das Institut innovative therapeutische Ansätze entwickeln, um menschliche Infektionen besser diagnostizieren und behandeln zu können.

Das HIRI ist ein Joint Venture des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig und der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) und befindet sich auf dem Würzburger Medizin-Campus.

Die ERC Starting Grants

ERC Starting Grants sind Förderinstrumente des Europäischen Forschungsrats (European Research Council), die junge Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen dabei unterstützen, den Karrieresprung zu unabhängigen und selbständigen Spitzenforschern zu machen. Bei Antragsstellung dürfen höchstens sieben Jahre seit dem Erlangen des Doktorgrades vergangen sein, ausdrücklich einziges Bewertungskriterium ist die wissenschaftliche Exzellenz der Forschenden und des vorgeschlagenen Projektes. Die erfolgreichen Projekte werden bis zu fünf Jahre mit einer Gesamtsumme von bis zu 1,5 Millionen Euro gefördert.

Der Europäische Forschungsrat

Der Europäische Forschungsrat, der 2007 von der Europäischen Union eingerichtet wurde, ist die erste europäische Förderorganisation für exzellente Pionierforschung. Jedes Jahr wählt und finanziert er die besten und kreativsten Forschenden jeder Nationalität und jeden Alters aus, um Projekte mit Sitz in Europa durchzuführen. Der ERC bietet vier Kernförderprogramme an: Starting, Consolidator, Advanced und Synergy Grants. Mit seinem zusätzlichen Proof-of-Concept-Grant-Programm hilft der ERC den Grant-Stipendiaten, die Lücke zwischen ihrer Pionierforschung und den frühen Phasen ihrer Vermarktung zu schließen. 

Pressefoto 

Die komplette Medieninformation inkl. Pressefoto zum Download können Sie hier einsehen (Link zur HIRI-Webseite).

© für das Foto: HIRI / Luisa Macharowsky
BU: HIRI-Wissenschaftler Alexander Westermann erhält einen ERC Starting Grant.

 

HIRI-Medieninformation vom 29. März 2022

Parkinson-Experte der Uniklinik Würzburg in der TV-Sendung Planet Wissen

Prof. Dr. Jens Volkmann, der Direktor der Neurologischen Klinik des Uniklinikums Würzburg, ist am 1. April 2022 als Parkinson-Experte zu Gast in der Informationssendung Planet Wissen.

Planet Wissen ist eine Informations- und Bildungssendung, die von WDR, SWR und ARD-alpha produziert wird. In der Folge vom 1. April dieses Jahres geht es um das Leben des Fernsehmoderators Frank Elstner mit seiner Parkinson-Erkrankung. In der Sendung mit dabei ist Prof. Dr. Jens Volkmann. Der Direktor der Neulogischen Klinik des Uniklinikums Würzburg gilt als bundesweit renommierter Experte für diese Krankheit des zentralen Nervensystems. Große öffentliche Aufmerksamkeit erfuhr unlängst das von Prof. Volkmann und Frank Elstner gemeinsam verfasste Buch „Dann zitter ich halt“.

Zu sehen ist die Ausgabe von Planet Wissen am 1. April in WDR und SWR von 10:55 bis 11:55 Uhr sowie bei ARD-alpha zwischen 18:15 und 19:15 Uhr. Danach kann sie unter www.planet-wissen.de auch online abgerufen werden.

Uniklinikum Würzburg: 20. Zungenschrittmacher erfolgreich implantiert

Der Zungenschrittmacher hat sich an der HNO-Klinik des Uniklinikums Würzburg als wirksame Therapie gegen obstruktive Schlafapnoe fest etabliert.

Lautes Schnarchen und nächtliche Atemaussetzer stören nicht nur den erholsamen Schlaf, sie können auch Symptome einer obstruktiven Schlafapnoe (OSA) sein. Rund vier Millionen Deutsche leiden an dieser Erkrankung, die unbehandelt zu verminderter Leistungsfähigkeit, einer chronischen Tagesschläfrigkeit und Herzkreislauf-Erkrankungen führen kann. Eine wirksame Behandlung finden Betroffene im Interdisziplinären Zentrum für gesunden Schlaf (IZGS) des Uniklinikums Würzburg (UKW): Das dortige Ärzteteam bietet seit dem Jahr 2018 den Zungenschrittmacher an. Anfang März 2022 wurde die innovative und effektive Therapielösung beim 20. Patienten erfolgreich implantiert.

Eine obstruktive Schlafapnoe sollte dringend behandelt werden

Verantwortlich für das Zungenschrittmacher-Programm an der HNO-Klinik des UKW ist Privatdozent Dr. Philipp Schendzielorz. Der Oberarzt erläutert: „Bei der OSA erschlaffen die Zungenmuskulatur und das umliegende Gewebe während des Schlafes. Die oberen Atemwege werden verschlossen und die Atmung setzt kurzzeitig aus.“ Das Risiko, an einer OSA zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter. Außerdem begünstigt Übergewicht das Auftreten. „Eine obstruktive Schlafapnoe verschlechtert die Lebensqualität der Betroffenen maßgeblich und sollte dringend behandelt werden“, betont Prof. Dr. Dr. h.c. Rudolf Hagen, der Direktor der HNO-Klinik des UKW. Nach seinen Worten kann der Zungenschrittmacher hier als klinisch erprobte Behandlungsmethode helfen. 

Sanfte Stimulation des Zungennervs

Die Therapie eignet sich besonders für Schlafapnoe-Patientinnen und -Patienten, die die klassische Therapie mit der Beatmungsmaske (CPAP-Therapie) nicht vertragen. „Durch eine sanfte Stimulation des Zungennervs werden, abgestimmt auf die Einatmung, wichtige Atemwegsmuskeln aktiviert und so der Atemweg offengehalten“, beschreibt Dr. Schendzielorz die Funktionsweise und fährt fort: „Wir implantieren den Zungenschrittmacher minimalinvasiv über zwei kleine Schnitte im Rahmen eines kurzen stationären Aufenthaltes.“

Hohe Zufriedenheit der Nutzerinnen und Nutzer

Weltweit wurden inzwischen schon über 15.000 Menschen mit dem Zungenschrittmacher behandelt. Mit der 20. Anwendung ist das von allen Krankenkassen voll finanzierte Verfahren auch im IZGS mittlerweile voll etabliert. „Unsere Patientinnen und Patienten sind mit dem Zungenschrittmacher sehr zufrieden und nutzen diesen täglich. Für viele ist der Schlaf mit dem Zungenschrittmacher wieder ruhiger und erholsam geworden. Zudem wird das Schnarchen reduziert“, beschreibt Dr. Schendzielorz den subjektiven Eindruck der Betroffenen. Nach seinen Angaben können bei diesen – abgesehen von wenigen Ausnahmen – die Atempausen effektiv reduziert werden. 

Kastentext:

Für wen ist der Zungenschrittmacher geeignet?

Leider kommt nicht jede oder jeder Betroffene für die Therapie mit dem Zungenschrittmacher in Frage. Voraussetzung ist eine mittel- bis schwergradige obstruktive Schlafapnoe mit 15 bis 65 Atemaussetzern pro Stunde. Außerdem sollte sich gezeigt haben, dass eine CPAP-Therapie nicht ausreichend wirkt oder mit erheblichen Nebenwirkungen einhergeht. Last but not least darf kein starkes Übergewicht bestehen, der Body-Mass-Index muss unter 35 liegen.

Interessierte können sich in der Schlafmedizinischen Sprechstunde der HNO-Klinik des UKW zu den Behandlungsoptionen beraten und die notwendigen Untersuchungen durchführen lassen. Kontakt unter Tel: 0931 201-21204.

Weitere Informationen gibt es auch unter www.ukw.de/hno-klinik/schwerpunkte/schlafmedizin sowie unter www.inspiresleep.de