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Ukrainische Gaststudierende absolvierten klinisches Praktikum am Uniklinikum Würzburg

Mit hohem Aufwand und großem Erfolg ermöglichte die Würzburger Medizinische Fakultät sieben aus der Ukraine geflüchteten Medizinstudierenden ein einmonatiges klinisches Praktikum am Uniklinikum Würzburg.

Würzburg. Sechs Medizinstudentinnen und ein Medizinstudent aus der ukrainischen Universitätsstadt Lviv hatten in einem bundesweiten Vorreiterprojekt die Chance, am Uniklinikum Würzburg (UKW) vier Wochen lang klinische Abläufe in der Realität kennenzulernen und ihre praktischen Fertigkeiten zu trainieren. Die wegen des Krieges aus ihrem Heimatland geflüchteten jungen Menschen kamen dazu aus dem gesamten Bundesgebiet an den Main.
Organisiert wurde das Sommerpraktikum von Prof. Dr. Sarah König und ihrem Team aus dem Büro für Internationalisierung der Medizinischen Fakultät. Die Leiterin des Instituts für Medizinische Lehre und Ausbildungsforschung am Universitätsklinikum und zugleich Studiendekanin der Medizinischen Fakultät erläutert die Situation der Gaststudierenden: „Sie sind alle an Würzburgs Partneruni Danylo Halytsky Lviv National Medical University eingeschrieben. Ihr Medizinstudium erleben sie derzeit als unter den Kriegsbedingungen recht unbefriedigenden Online-Unterricht. Sie dürsten geradezu nach intensiverer Ausbildung, aber sie in den deutschen Universitätsbetrieb zu integrieren, ist allein schon aus formal-rechtlichen Gründen schwierig.“

Beeindruckt von Wertschätzung und Behandlungsstandards


Um hier dennoch eine Unterstützung zu leisten, entwickelte Prof. König auf Initiative eines ukrainischen Medizinstudenten und in Kooperation mit Studiengangsverantwortlichen aus Lviv das wegweisende Lehrangebot. Zu dem im Juli dieses Jahres durchgeführten Praktikum, das einer deutschen Famulatur ähnelt, gehörte die Mitarbeit in den ärztlichen Teams von fünf Kliniken des UKW. „Hier ist vor allem auch unseren Studierenden im Praktischen Jahr zu danken, die unsere Gäste intensiv betreuten“, unterstreicht Prof. König. Die Ukrainerinnen und der Ukrainer zeigten sich begeistert – sowohl von der ihnen am UKW entgegengebrachten Wertschätzung, wie auch von der hier gebotenen Krankenversorgung. „Ich bin tief beindruckt von den hohen Behandlungsstandards und der Schnelligkeit, mit der die Patientinnen und Patienten gesunden“, kommentierte zum Beispiel die Studentin Diana.

Maßgeschneiderter Begleitunterricht


Die Erfahrungen in den Kliniken wurden ergänzt durch einen speziellen, mit den Bedürfnissen der Universität in Lviv abgestimmten Begleitunterricht. Jeweils am Nachmittag vermittelten Dozierende in speziellen Lehrveranstaltungen praktische Fertigkeiten und schulten im Notfallmanagement. Themen der auf Englisch und teilweise auch Russisch abgehaltenen Kurse waren zum Beispiel Nahttechniken, grundlegende lebenserhaltende Maßnahmen, Beatmung und akute Schmerztherapie.
Neben der Gestaltung der fachlichen Inhalte waren für den Erfolg des Sommerpraktikums viele organisatorische und lebenspraktische Fragen zu lösen. Das begann schon beim Auswahlverfahren. „Neben guten Sprachkenntnissen in Englisch legten wir fest, dass die Bewerberinnen und Bewerber vor dem 15. Mai 2022 geflüchtet sein mussten und einen aktuellen Aufenthaltstitel in Deutschland besitzen“, berichtet Prof. König und fährt fort: „Damit wollten wir eine zusätzliche Motivation zur Flucht aus der Ukraine vermeiden, um den eh schon vorhandenen Verlust des Landes an akademischen Kräften nicht noch zu erhöhen.“

Unterbringung bei Fakultätsmitglieder


Für die An- und Abreise nutzten die Studierenden das 9-Euro-Ticket. Vor Ort untergebracht wurde sie bei Gastfamilien. „Hierfür haben sich dankenswerterweise problemlos genug freiwillige Fakultätsmitglieder gefunden“, lobt Prof. König, die selbst auch eine Studentin beherbergte.
Zur Rundum-Versorgung zählten ferner ein kostenloses Essenangebot am UKW, ein Willkommenspaket der Stadt Würzburg, das freien Eintritt zu diversen kommunalen Einrichtungen, wie zum Beispiel Schwimmbädern, ermöglichte sowie ein Sozialprogramm von Fakultät und Fachschaft, unter anderem mit Stadtführung und studentischen Treffen.
„Dass die Hilfsbereitschaft, sich an dem Hilfsprogramm zu beteiligen, bei allen Beteiligten enorm groß war und alle großen Spaß bei der Durchführung hatten, freut mich sehr“, sagt Barbara Moll. Die Mitarbeiterin des International Offices der Medizinischen Fakultät, die an der Organisation des Projekts maßgeblich beteiligt war, ergänzt: „Es verwundert nicht, dass die ukrainischen Gaststudierenden Würzburg rasch in ihr Herz geschlossen haben.“

Große Dankbarkeit und neue Motivation


Bei diesen herrschte am Ende des Praktikums große Dankbarkeit – und wohl auch eine neue Begeisterung für ihre Studienwahl. „Nach den in Würzburg gemachten Erfahrungen bin ich wieder voll motiviert, den Weg zur Ärztin weiterzugehen“, brachte es die Teilnehmerin Diana auf den Punkt. Aussagen wie diese und der insgesamt so erfolgreiche Ablauf des Praktikums bestärken Prof. König und ihr Team darin, dieses Fortbildungsformat fortzusetzen. Die ukrainischen Studierenden werden ihr Online-Studium über Lviv weiterführen und für praktische Ausbildungsphasen gerne wieder nach Würzburg kommen.

Mehr Energie für rote Blutkörperchen

Der Wirkstoff Mitapivat zeigte in einer internationalen Studie mit Würzburger Beteiligung erstmals eine zielgerichtete, medikamentöse Therapie bei einer angeborenen hämatologischen Erkrankung wie dem Pyruvatkinase-Mangel.

Das Bild zeigt Oliver Andres in seinem Büro am Mikroskop
Der Kinderarzt und Privatdozent Dr. Oliver Andres erforscht in der Kinderklinik und Poliklinik am Universitätsklinikum Würzburg Blutzellkrankheiten und hat die Studie ACTIVATE geleitet. Bildnachweis: Anna Wenzl / UKW
Eine Hand mit blauem Handschuh bereitet mit einer Pipette eine Blutprobe vor.
Im Erythrozytenlabor des Universitätsklinikums Würzburg werden die Blutproben für die Messung der Enzymaktivität in roten Blutkörperchen vorbereitet. Bildnachweis: Anna Wenzl / UKW
Auf dem Bild sieht man rote Blutkörperchen neben violett angefärbten Blutplättchen
Formveränderte rote Blutkörperchen bei Pyruvatkinasemangel; neben violett angefärbten kleinen Blutplättchen und einem weißen Blutkörperchen mit dunklem Kern. Bildnachweis: Oliver Andres / UKW

„Unsere Patientinnen und Patienten haben geradezu dafür gebrannt, an der ACTIVATE-Studie teilzunehmen“, berichtet Privatdozent Dr. Oliver Andres, Oberarzt in der Kinderklinik und Poliklinik am Universitätsklinikum Würzburg, Leiter der Studie in Würzburg und Koordinator für Deutschland. Das Leid mit einem Pyruvatkinase-Mangel sei so groß, da greifen die Betroffenen zu jedem Strohhalm, der ihnen Unterstützung geben könnte. Und das Medikament Mitapivat hat das Potential dazu, wie die Auswertungen der Studie zeigen, die kürzlich im international renommierten New England Journal of Medicine veröffentlicht wurden (Al-Samkari H et al., NEJM 2022; doi: 10.1056/NEJMoa2116634).

Rote Blutkörperchen erreichen ihre normale Lebensdauer nicht

Der Pyruvatkinase-Mangel ist ein angeborener Enzymdefekt. Durch eine Mutation im PKLR-Gen – über 300 Mutationen allein auf diesem Gen sind inzwischen bekannt – kommt es zu einer Störung im Energiestoffwechsel der roten Blutkörperchen, der sogenannten Erythrozyten. „Diese schwellen an, verändern ihre Struktur und können sich nicht mehr verformen, was jedoch wichtig für den Blutfluss in den kleinsten Gefäßen und die Sauerstoffabgabe an das Gewebe ist“, erklärt der Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin und Erythrozyten-Experte Oliver Andres am Mikroskop. „Der Defekt, der sich schon im Neugeborenenalter oder sogar vor der Geburt zeigen kann, verkürzt zudem die Lebensdauer der roten Blutkörperchen; sie werden frühzeitig in der Milz abgebaut.“ Die Folgen sind Gelbsucht und Blutarmut, in der Fachsprache als hämolytische Anämie bezeichnet. Durch die Blutarmut wird der Körper alarmiert; er lagert hierdurch und durch die vielen therapeutisch nötigen Bluttransfusionen vermehrt Eisen ein, was wiederum die Organe belastet und zu Funktionsstörungen führt. Die Erkrankung ist nur bei 3,5 bis 8,2 von einer Million Menschen sicher diagnostiziert, Oliver Andres geht neueren Schätzungen zufolge von einer deutlichen Dunkelziffer mit einer realen Häufigkeit in Mitteleuropa von bis zu einer Erkrankung auf 20.000 Einwohner aus. Der Pyruvatkinase-Mangel sei damit sicher unterdiagnostiziert.

Wirkstoff Mitapivat aktiviert das Enzym Pyruvatkinase

Bei den Betroffenen vergrößert sich die Milz, es drohen Gallensteine, Osteoporose, Blutgerinnsel und andere Begleiterscheinungen, sie fühlen sich chronisch müde und wenig belastbar. Die einzige Behandlung bestand bislang aus regelmäßigen Bluttransfusionen, einer Entfernung der Milz und aus Medikamenten, die das Zuviel an Eisen im Körper ausschleusen. Die Stammzelltransplantation mit einer Familien- oder Fremdspende ist Andres zufolge zu riskant, um als gängige Therapieoption zu dienen. Doch das Medikament Mitapivat macht nun Hoffnung und könnte für viele Betroffene ein Durchbruch in der Behandlung sein. Denn es verbessert die Aktivität der Pyruvatkinase in den Erythrozyten und macht die roten Blutkörperchen gewissermaßen wieder flexibel und fit.

Gezielte Therapie nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip

In der internationalen, randomisierten, doppelt verblindeten, placebo-kontrollierten Phase-III-Studie ACTIVATE zeigten die Patientinnen und Patienten, die ein halbes Jahr lang mit dem oral einzunehmenden Medikament Mitapivat behandelt wurden, eine signifikante Verbesserung der Lebensqualität im Vergleich zu denen, die ein Placebo erhielten. In den ersten zwölf Wochen der Behandlung wurde die Dosis optimiert, einige Betroffene benötigten nur zweimal täglich 5 Milligramm, andere zweimal 20 oder gar 50 Milligramm. In weiteren zwölf Wochen wurde das Ansprechen beobachtet. „Einige konnten wieder Fahrrad fahren oder sogar joggen“, schildert der Oliver Andres die verbesserte Leistungsfähigkeit. Und 40 Prozent der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer, die Mitapivat erhielten, erreichten den vorab definierten primären Zielpunkt der Studie. Ihr Hämoglobinwert, ein indirektes Maß der Anzahl an roten Blutkörperchen, stieg um mindestens 1,5 g/dL (Gramm pro Deziliter).

„Das klingt für Laien möglicherweise nicht so beeindruckend“, meint Oliver Andres, der als Co-Autor an den Studienergebnissen beteiligt ist. „Aber selbst, diejenigen, deren Wert „nur“ um einen Punkt stieg, haben enorm profitiert. Mit Mitapivat haben wir erstmals einen Wirkstoff bei hämatologischen Erkrankungen, der dort ansetzt, wo das Problem liegt. Es bindet an das Enzym Pyruvatkinase und steigert seine Aktivität, damit in den roten Blutkörperchen mehr Energiebausteine zur Verfügung gestellt werden. Voraussetzung ist natürlich, dass das Enzym nur in seiner Struktur verändert ist und nicht vollständig fehlt.“ Diese Tatsache treffe aber für die meisten Defekte in Deutschland und weltweit zu, erklärt der auf Blut- und Krebserkrankungen sowie Neugeborenenmedizin spezialisierte Kinderarzt. „Wir haben dies vor zwei Jahren in einer anderen großen internationalen Studie belegen können.“ (Bianchi P et al., Am J Hematol 2020; doi: 10.1002/ajh.25753).

Würzburg hält die Flagge hoch, um die chronisch schwerkranken Patienten zu unterstützen

Das Uniklinikum ist mit fünf gescreenten und vier randomisierten Patientinnen und Patienten nach Boston, Paris und Kopenhagen das viertgrößte Studienzentrum weltweit und fungierte als nationales Koordinationszentrum in der Studie. Die Charité in Berlin hat ebenfalls einen Probanden rekrutiert, München, Heidelberg und Freiburg haben ihre Patienten über Würzburg betreuen lassen. Finanziert wurde die multizentrische Studie von der Firma Agios Pharmaceuticals mit Sitz in Cambridge nahe Boston (USA), wo sich mit dem Massachusetts General Hospital (MGH) das größte Studienzentrum befindet. Im ältesten und größten Lehrkrankenhaus der Medizinischen Fakultät der Harvard-Universität wurde die Krankheit 1961 entdeckt und 1962 genauer beschrieben, fand dann jedoch lange Zeit kein bis wenig Interesse. „Es gibt nur wenige Zentren, die dieser gutartigen Erkrankung Aufmerksamkeit schenken. Doch es ist wichtig, hier die Flagge hochzuhalten, um die Krankheit zu diagnostizieren und die chronisch schwerkranken Patientinnen und Patienten zu unterstützen“, betont Oliver Andres. Der Experte für den Pyruvatkinase-Mangel hat daher auch den Anstoß für den Aufbau einer Selbsthilfegruppe gegeben, die betroffene Erwachsene und Kinder untereinander vernetzt.

Benefit für Placebo-Gruppe

Nun könnte der Pyruvatkinase-Mangel und die neu entdeckte krankheitsmodifizierende Therapie mit Mitapivat auch wegweisend für andere Anämien wie die Sichelzellanämie oder Thalassämie sein. „Energie ist das A und O für rote Blutkörperchen“, so Hanny Al-Samkari, Hämatologe am MGH und Erstautor der Studie. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat aufgrund der hervorragenden Zwischenergebnisse der Studie das Medikament bereits für die Behandlung von Erwachsenen mit Pyruvatkinase-Mangel zugelassen. Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA prüft derzeit die Zulassung für Europa. Diejenigen, die im Rahmen der Studie ein Placebo erhielten, dürfen jetzt an einer erweiterten sogenannten Open-Label Extension Study teilnehmen und erhalten das Medikament noch vor der Zulassung in Europa. Damit werden weitere Daten zur Wirksamkeit und Verträglichkeit gesammelt. Ob Mitapivat auch bei Kindern mit Pyruvatkinase-Mangel hilft, das wird in einer folgenden Studie untersucht, die voraussichtlich Ende 2022 startet — und wieder mit Würzburger Beteiligung.

Zusatzinformation:

Mehr als 5.000 Blutproben im Erythrozytenlabor untersucht

Oliver Andres hat sich in seiner Habilitationsschrift mit „Blut als ganz besond‘ren Saft“ beschäftigt und etliche Arbeiten zu angeborenen Blutzellerkrankungen in internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht. Neben verbesserten Verfahren zur Diagnosestellung von angeborenen Erkrankungen der roten Butkörperchen und Blutplättchen liegt ein Forschungsschwerpunkt von Andres auf Besonderheiten dieser Blutzellen bei Früh- und Neugeborenen und ihrer Auseinandersetzung mit Entzündungsreaktionen oder Tranfusionen. Am Uniklinikum Würzburg fand er mit Prof. Dr. Christian Speer, dem ehemaligen Direktor der Kinderklinik, einen großen Förderer, der die Gründung eines Erythrozytenlabors im Jahr 2010 maßgeblich unterstützt hat. Das Speziallabor, dessen Portfolio unter dem jetzigen Direktor der Kinderklinik, Prof. Dr. Christoph Härtel, weiter ausgebaut wird, hat inzwischen mehr als 5.000 Blutproben aus ganz Deutschland auf Defekte der Membran, des Stoffwechsels und des roten Blutfarbstoffs von Erythrozyten untersucht. „Die häufigste Form der hämolytischen Anämie ist die Kugelzellanämie“, weiß Oliver Andres, der an dieser Stelle auf die enge Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Stefan Eber aus München hinweist. „Mit unserem Speziallabor haben wir dazu beigetragen, bei Kindern oder Erwachsenen die Diagnose zu stellen, die zuvor völlig unklar war. Wir haben Verfahren entwickelt, mit denen wir sogar bei Kindern, bei denen beispielsweise ein Pyruvatkinase-Mangel bereits ausgeschlossen worden war, diesen Defekt diagnostizieren konnten. Selbst wenn das Enzym scheinbar normal arbeitet, wissen wir, dass es im Stoffwechsel Besonderheiten gibt, die selbst einem geschulten Auge den Defekt übersehen lassen.“ Wichtig sei es, die Proben mit besonderer Kenntnis dieses Problems zu analysieren, in unklaren Fällen die Eltern zu screenen und eine molekulargenetische Untersuchung einzuleiten, welche auch an unserem Zentrum angeboten wird. Der Pyruvatkinase-Mangel wird autosomal-rezessiv vererbt. Das heißt, die jeweilige Erkrankung tritt nur auf, wenn das krankhaft veränderte Gen sowohl vom Vater als auch der Mutter an deren Nachwuchs weitergegeben wird oder neu entstanden ist. Heute überblickt das Team von Oliver Andres etwa 50 Kinder und Erwachsene aus Deutschland, die an einem Pyruvatkinase-Mangel leiden.

Zentrum für angeborene Blutzellerkrankungen im ERN EuroBloodNet

Durch die Initiative von Privatdozent Dr. Oliver Andres, der neben seiner Fachkenntnis bei roten Blutkörperchen auch Experte für Blutplättchen, sogenannte Thrombozyten, ist, sind die Spezialambulanzen und -labore inzwischen Teil des Zentrums für angeborene Blutzellerkrankungen, welches im Jahr 2018 unter dem Dach des Zentrums für Seltene Erkrankungen. Referenzzentrum Nordbayern (ZESE) am Universitätsklinikum Würzburg gegründet wurde und dem der Kinder-Hämatologe als Sprecher voransteht. Seit Januar 2022 gehört das B-Zentrum nun auch dem Europäischen Referenznetzwerk ERN für Bluterkrankungen (ERN EuroBloodNet) an, und das in zwei wichtigen Unternetzwerken – für Erkrankungen der Erythrozyten und Thrombozyten. „Als Haupteffekt unserer Beteiligung können unsere Patientinnen und Patienten von der in den Netzwerken vereinigten, internationalen Fachkompetenz profitieren. Die Aufnahme in diese Struktur drückt eine besondere, europaweite Anerkennung unserer eigenen Expertise aus“, kommentiert Professor Helge Hebestreit, stellvertretender Direktor der Würzburger Universitäts-Kinderklinik und Direktor des ZESE. Hebestreit hat Andres auch bei der Vorbereitung und Durchführung der ACTIVATE-Studie unterstützt. „Wir haben die Studie gewissermaßen im Tandem durchgeführt, wofür ich ihm sehr dankbar bin“, sagt Andres. Generell sei die Zusammenarbeit am Forschungscampus großartig gewesen. Von Professor Hermann Einsele und Professor Stefan Knop kam die internistische Expertise, in der Nuklearmedizin bei Professor Andreas Buck wurde die Knochendichte der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer gemessen, und im Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie von Professor Thorsten Bley konnte der Eisengehalt in der Leber mit einem speziellen MRT-Verfahren analysiert werden. Diese Vernetzung am Universitätsklinikum und an der Universität Würzburg spiegelt auch das Behandlungsspektrum und die Kernkompetenz des Zentrums für angeborene Blutzellerkrankungen wider: Eine patientenzentrierte Betreuung von der korrekten Diagnosestellung der zugrundeliegenden Krankheit über die umfassende, interdisziplinäre medizinische Behandlung von Patientinnen und Patienten jeden Alters bis zur Erprobung von hochmodernen neuen Therapieverfahren in eigenen Studienambulanzen für Kinder und Erwachsene.

Erfolgreiche Kronkorkensammlung für krebskranke Kinder

Begeistert von den Leistungen der Elterninitiative Regenbogen für leukämie- und tumorkranke Kinder Würzburg startete der Vater eines betroffenen Mädchens zu Beginn dieses Jahres eine Kronkorkensammlung zugunsten des mit dem Uniklinikum Würzburg kooperierenden Vereins. Schon zur Halbzeit hat die ungewöhnliche Spendenaktion ihre ursprünglichen Ziele weit übertroffen.

Stefan Rambacher sitzt in einem mit zahlreichen Kronkorken gefüllten Container. Er sammelt diese für krebskranke Kinder
Stefan Rambacher präsentiert den Status seiner Kronkorkensammelaktion im Juli 2022. Bild: UKW / Rambacher

Würzburg/Zell am Ebersberg. Im Hof einer Fliesen- und Natursteine-Firma in Zell a. Ebersberg im Landkreis Haßberge warten in einem 40-cbm-Container aktuell über neun Tonnen Kronkorken und rund 1100 kg Alu-Schraubverschlüsse in Säcken darauf, zum Ende dieses Jahres als Recyclingmaterial zu Geld gemacht zu werden. Geld, das dann zu hundert Prozent der Elterninitiative Regenbogen für leukämie- und tumorkranker Kinder Würzburg e.V. zugute kommen soll.

Motiviert durch den Krankenhausaufenthalt der Tochter

Zusammengetragen wird das werthaltige Altmaterial in einer ungewöhnlichen Sammelaktion, gestartet von Stefan Rambacher zum Jahresbeginn 2022. Die Motivation des Zellers beruht auf einem einschneidenden persönlichen Erlebnis: Vor etwa drei Jahren wurde bei seiner damals achtjährigen Tochter Svenja ein Tumor an einer Niere diagnostiziert. Es folgte eine – glücklicherweise erfolgreiche – Behandlung mit Operation und Chemotherapien an der Würzburger Universitäts-Kinderklinik. „In dieser schweren Zeit konnten wir erfahren, wie wichtig die Leistungen der Elterninitiative sind“, berichtet Rambacher. Als sehr hilfreich bezeichnet er zum Beispiel die vom Verein finanzierte psychosoziale Betreuung und Nachsorge seiner ganzen Familien während und nach der Therapie. Seine Frau und er nutzten zudem eine der derzeit 13, von der Initiative kostenlos angebotenen Elternwohnungen in der Nachbarschaft des Uniklinikums Würzburg. „So konnten wir auch in der Woche rund um die Operation unserer Tochter immer nahe sein, schließlich ist unser Zuhause rund 70 km entfernt“, beschreibt Rambacher. Außerdem lobt er die durch den Verein ermöglichte, familiengerechte Ausstattung der onkologischen Station Regenbogen.

Erfolgreich durch Direktkontakte und Soziale Medien

Jetzt, nachdem seine Tochter trotz der vielen noch anstehenden Therapien aufgrund von Spätfolgen der Chemotherapie versucht, wieder ein „normales“ Leben zu führen und nur noch alle drei Monate zur Nachuntersuchung an die Würzburger Universitäts-Kinderklinik kommen muss, war es für den dankbaren Vater Zeit, etwas zurückzugeben. Sein ursprüngliches Ziel war es, zwischen dem 1. Januar und dem 31. Dezember 2022 mindestens fünf Tonnen an Flaschenverschlüssen zusammenzubringen. Dass diese Marke schon deutlich vor der Halbzeit der Aktion überschritten wurde, liegt zu großen Teilen an seinem engagierten und geschickten „Marketing“. Neben der direkten Ansprache von Firmen, Institutionen und Vereinen hatten auch die gut gepflegten Social-Media-Auftritte in Facebook und Instagram einen hohen Anteil an dem Erfolg. Heute sammeln ähnlich betroffene Eltern und viele Privatleute, Firmen, Kindergärten und Schulen, Feuerwehren und Vereine, Gemeinden sowie Brauereien, Gaststätten und Biergärten für die gute Sache. Dazu wurde auch ein Netz von mittlerweile über 90, teilweise auf Facebook veröffentlichten Annahmestellen aufgebaut.

Haupteinzugsgebiet ist Franken, die Kampagne strahlt aber auf ganz Deutschland und sogar bis nach Österreich aus. Im näheren Umfeld holt Stefan Rambacher die gesammelten Verschlüsse selbst ab, ansonsten werden sie von den Annahmestellen in Knetzgau vorbeigebracht oder erreichen den Container per Post. 

Info- und Kontaktmöglichkeiten

Mehr zur Aktion findet man auf Facebook unter Kronkorkensammlung.Station.Regenbogen oder auf Instagram unter spende_fuer_regenbogen. Telefonisch kontaktiert man Stefan Rambacher unter 0170 8674834.Die Elterninitiative Regenbogen für leukämie- und tumorkranke Kinder Würzburg e.V. stellt sich im Internet unter www.stationregenbogen.de vor.

Über die Station Regenbogen

Auf der Station Regenbogen der Würzburger Universitäts-Kinderklinik werden Kinder und Jugendliche im Alter von wenigen Lebenswochen bis zu 18 Jahren mit einer Krebserkrankung behandelt und betreut. Zum Leistungsspektrum gehören Diagnostik und Therapie bei verschiedenen onkologischen Erkrankungen wie beispielweise Leukämien, Lymphomen, Hirntumoren und anderen soliden Tumoren.

Trotz Corona-Hürden ein Erfolg: 25. DLH-Patientenkongress „Leukämien und Lymphome“ in Würzburg

In sechzehn parallel laufenden Workshops konnten Patientinnen und Patienten Neuigkeiten speziell zu ihrem Krankheitsbild erfahren und sich untereinander austauschen

Nach zwei Jahren ohne persönliche Begegnungen konnte der DLH-Patientenkongress in diesem Jahr wieder in Präsenz stattfinden. Gleichwohl stand auch dieser Kongress unter dem Einfluss der Corona-Pandemie. Ein umfassendes Hygienekonzept inklusive kostenloser Testmöglichkeit am Veranstaltungsort sorgte für eine bestmögliche Sicherheit aller Beteiligten.

Rund 220 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten trotz der erschwerten Bedingungen den Weg ins Maritim Hotel Würzburg gefunden und wurden mit einer interessanten und vielseitigen Veranstaltung belohnt. Vor allem der gegenseitige Erfahrungsaustausch tat allen gut.

Der Deutschen Leukämie- & Lymphom-Hilfe war es wieder gelungen, hochkarätige Expertinnen und Experten zu gewinnen. Professor Dr. Hermann Einsele, Direktor der Medizinischen Klinik II am Zentrum für Innere Medizin am Universitätsklinikum Würzburg, eröffnete das wissenschaftliche Programm mit einem Vortrag über Wirkprinzipien und Möglichkeiten der Immuntherapie.

Weitere Themen waren unter anderem die Personalisierte Medizin, Palliativmedizin, Covid-19 und Impfungen unter Immunsuppression sowie Krebsregisterdaten in der Hämatoonkologie. Zudem gab es praktische Informationen, etwa zur Erstellung eines Testaments. In sechzehn parallel laufenden Workshops konnten Patientinnen und Patienten Neuigkeiten speziell zu ihrem Krankheitsbild erfahren und sich untereinander austauschen. Darüber hinaus gab der DLH-Vorstand Einblicke in seine aktuelle Arbeit. Bei der Abendveranstaltung am Samstag konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vom Magier Christoph Kuch im wahrsten Sinne des Wortes verzaubern lassen.

 Zum Vormerken: Der 26. Bundesweite DLH-Patientenkongress ist für den

17.-18. Juni 2023 in Magdeburg geplant. Weiterführende Infos stehen rechtzeitig unter www.leukaemie-hilfe.de bereit.

Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Leukämie- und Lymphom-Hilfe.

klinikum & wir: Baumaßnahmen am Uniklinikum Würzburg im Überblick

Die neue Ausgabe des vom Uniklinikum Würzburg herausgegebenen Magazins porträtiert in seinem Topthema die vielfältigen aktuellen Baumaßnahmen an Unterfrankens Krankenhaus der Maximalversorgung.

Titelbild Magazin Klinikum & wir
Titelbild der aktuellen Ausgabe von Klinikum & wir

Es ist unübersehbar: zahlreiche, teils großflächige Baustellen prägen derzeit das äußere Erscheinungsbild des Uniklinikums Würzburg (UKW). Wer hier einen Überblick über die einzelnen Maßnahmen gewinnen will, dem sei das neue klinikum & wir empfohlen.

Die Ausgabe 2/2022 des quartalsweise erscheinenden, kostenlosen Magazins der Universitätsmedizin Würzburg beschreibt in seinem Topthema kompakt die laufenden und geplanten Projekte.

 

Darüber hinaus bietet die 44-seitige Publikation ein breites Spektrum weiterer Themen an: Forschungsergebnisse, Personalia, Auszeichnungen, Nachrichten aus der Pflege, Beispiele für gelebte Ukraine-Hilfe, Veranstaltungstipps und vieles mehr.

 

Neben der an zahlreichen Stellen im UKW ausliegenden gedruckten Fassung kann das Heft auch als Webreader online gelesen werden in der Rubrik Presse - Magazin: HIER 

Großzügige Förderung einer Graphic Novel zum Thema Depression

Fachlich unterstützt von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Uniklinikums Würzburg kreieren eine Schulpsychologin, ein Arzt und ein Illustrator derzeit einen Comicroman, der vor allem junge Menschen zur Auseinandersetzung mit dem Thema Depression inspirieren soll. Über die Thomas Lurz & Dieter Schneider Stiftung spendete die Sparkasse Mainfranken jetzt 1.000 Euro für das wegweisende Projekt.

Graphic Novel zum Thema Depression
Mit Bildern wie diesen erzählt die derzeit entstehende Graphic Novel „Auf und ab“ die Geschichte des 16-jährigen Noahs. Bild: Johanna Selge / Maximilian Hillerzeder 2022
Übergabe eines Spendenschecks: Spendenübergabe: Graphic Novel zum Thema Depression
Bei der Spendenübergabe (v.l.): Dr. Tobias Mühling und Johanna Selge (zwei der Kreativköpfe hinter der geförderten Graphic Novel), Ursula Berninger (Bündnis gegen Depression Würzburg), Dieter Schneider (Fellows Ride), Stefan Hebig (Sparkasse Mainfranken) und Prof. Dr. Andrea Reiter (Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Uniklinikums Würzburg).

Würzburg. Nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie steigt der Anteil der Jugendlichen mit einer Depression und/oder einer Angststörung in besorgniserregendem Ausmaß. „Um dem entgegenzuwirken, brauchen wir Medien, die zwar inhaltlich korrekt sind, aber diese Altersgruppe auch emotional ansprechen und ihnen eine Identifikation mit Betroffenen ermöglichen“, erklären die Schulpsychologin Johanna Selge, der Illustrator Maximilian Hillerzeder und Dr. Tobias Mühling, Internist am Uniklinikum Würzburg (UKW). Zusammen beschlossen sie daher vor gut einem Jahr, eine Graphic Novel – also einen Comicroman in Buchform – zu diesem Themenkreis zu realisieren. Fachlich unterstützt wird das Werk vom Würzburger Bündnis gegen Depression, von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des UKW sowie dem Deutschen Zentrum für Präventionsforschung und psychische Gesundheit. „Auch Schülerinnen und Schüler haben wiederholt ihr Feedback bei der Entwicklung der Geschichte beigesteuert“, ergänzt Johanna Selge.

Ein Beitrag, um Depressionen besprechbar zu machen

Um die Entstehung der Graphic Novel mit dem Titel „Auf und ab“ auch finanziell voranzubringen, spendete die Sparkasse Mainfranken jetzt über die Thomas Lurz & Dieter Schneider Stiftung 1.000 Euro. Die beiden Stifter wollen mit ihrer Stiftung unter anderem dazu beitragen, Depressionen zu enttabuisieren. Zu den dafür von Dieter Schneider ins Leben gerufenen Projekten gehört die Benefiz-Motorradausfahrt Fellows Ride. „Das Motto des Fellows Rides heißt ‚Mit offenem Visier für Depressionshilfe‘. Wir wollen für Aufmerksamkeit sorgen und die Themen rund um die mentale Gesundheit – insbesondere die Krankheit Depression – besprechbar machen“, erläuterte Dieter Schneider bei der Spendenübergabe und fuhr fort: „Um hier auch Jugendliche zu erreichen, muss man in deren Sprache kommunizieren. Wir sind sicher, dass dies mit der Graphic Novel gelingen wird, weshalb wir das wegweisende Vorhaben gerne unterstützen.“

Teil einer breiten Spendenbereitschaft

Mit den 1.000 Euro der Sparkasse Mainfranken steigt die im Rahmen des Fellows Rides 2022 für die Realisierung des Comicromans zur Verfügung gestellte Gesamtsumme auf 5.500 Euro. Zuvor kamen hierbei schon 3.000 Euro von der Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp. Unabhängig vom Fellows Ride engagierten sich als weitere Geldgeber außerdem verschiedene Lions Clubs aus dem Raum Würzburg, die Robert-Enke-Stiftung, das Sozial- und Kulturreferat der Stadt Würzburg sowie das Bündnis gegen Depression Würzburg. „Wir sind glücklich und dankbar, dass so viele Institutionen bereit waren, unsere Arbeit an ‚Auf und ab‘ zu fördern. Gerade auch deshalb sind wir sehr optimistisch, dass unsere Graphic Novel Anfang kommenden Jahres über den Buchhandel erhältlich sein wird“, kündigt Dr. Mühling an. 

Über das Werk

Der Comicroman erzählt die Geschichte des 16-jährigen Noah, der von verschiedenen unglücklichen Ereignissen zusehends aus der Bahn geworfen wird. Die eindringlichen Bilder ermöglichen dabei auch einen Einblick in Noahs Innenleben. Es wird aber nicht alles düster gezeichnet, vielmehr bleibt auch Raum für Humor und auflockernde Storyelemente. Im Anschluss an die Handlung können die Leserinnen und Leser nach Belieben verschiedene psychologische Themenfelder weiter erkunden und zum Beispiel Fragen nachgehen wie: „Was kann ich tun, wenn mich meine Gedanken nicht einschlafen lassen?“ oder „Ab welchem Punkt und wie kann ich professionelle Hilfe in Anspruch nehmen?“.

Weitere Spenden willkommen

Wer die Projekte des Fellows Rides finanziell unterstützen will, findet hier die entsprechenden Informationen.

Schnelltestzentrum an der Uniklinik zieht um

Am Montag verkürzte Öffnungszeiten

Würzburg. Das UKW-Schnelltestzentrum für Besucher und Beschäftigte des Universitätsklinikums Würzburg zieht um. Bisher befand es sich in einem Zelt nahe der Hautklinik auf dem Luitpold-Campus (Altkliniken). Der Umzug in das Gebäude D25 (neben dem Casino auf dem Luitpold-Campus) findet am kommenden Montag, 25. Juli, statt.

An diesem Tag gibt es daher etwas angepasste Öffnungszeiten von 9:00 bis 17:00 Uhr statt 6:30 bis 17:00 Uhr. Wichtig: Das Testangebot am UKW ist beschränkt auf Beschäftigte, Patienten, Besucher und Begleitpersonen von Patienten des UKW. Zuzahlungspflichtige Tests für weitere Personengruppen können in der UKW-Testeinrichtung weiterhin nicht angeboten werden. Eine Übersicht über allgemeine Teststationen gibt es zum Beispiel auf der Homepage der Stadt Würzburg.