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Mit Deepflash zur Diagnose

Mikroskopische Bilder von Gewebeschnitten lassen sich jetzt viel einfacher auswerten – mit einem innovativen digitalen Tool. Dafür haben zwei Würzburger Forscher gleich drei Preise bekommen.

Die Informationstechnologie kann das Leben in vielen Bereichen erleichtern – auch in der Forschung. In der Medizin etwa ist es nach wie vor Standard, Mikroskopiebilder von Gewebeschnitten händisch auszuwerten. Auf diese Weise wird beispielsweise beurteilt, wie viele Krebszellen sich in einem Lymphknoten befinden.

„Oft sitzt man stundenlang in einem dunklen Raum und zählt die Zellen auf einem Bild, das mit einem Fluoreszenzmikroskop aufgenommen wurde. Das kostet unglaublich viel wertvolle Zeit“, erzählt Philipp Sodmann, der am Universitätsklinikum Würzburg in der Herzforschung tätig ist.

Doch jetzt tut sich für die Lebenswissenschaften ein neuer Horizont auf: Das neue digitale Tool deepflash2 erleichtert die Analyse von Mikroskopiebildern ganz wesentlich. deepflash2 ist frei verfügbar und basiert auf Methoden des maschinellen Lernens.

Jury hebt einen Qualitätsaspekt hervor

Matthias Griebel vom Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Business Analytics der Universität Würzburg hat das Tool im Rahmen seiner Promotion entwickelt. Das Tool bildete das Fundament der Lösung, die er gemeinsam mit dem Mediziner Philipp Sodmann für einen internationalen Data-Science-Wettbewerb entwickelt hat. In diesem Wettbewerb war das Team der beiden Würzburger erfolgreich: Es erhielt im Mai 2021 den mit 10.000 US-Dollar dotierten Innovationspreis und eine Gold-Medaille der Online-Plattform Kaggle.

Die hochkarätig besetzte Jury mit Fachleuten aus Medizin, Biologie und Künstlicher Intelligenz (KI) bescheinigte deepflash2 eine weitere Qualität: Das Programm erkennt auch Uneindeutiges.

„In der Biologie ist nicht alles schwarz oder weiß“, erklärt Matthias Griebel. Nicht selten zweifeln Forschende, ob Zellen, die sie in einem Gewebeschnitt sehen, noch funktionsfähig sind. In solchen Fällen weist deepflash2 darauf hin: Hier müssen noch einmal Menschen draufschauen! Eben dies macht das Tool nach Meinung der Jurymitglieder besonders innovativ.

Frei verfügbar für Forschende

Noch ist deepflash2 ein Geheimtipp für Forschende, die sich mit der Biobildanalyse befassen. Das grandiose Abschneiden beim Data-Science-Wettbewerb will Matthias Griebel nun aber zum Anlass nehmen, um verstärkt Werbung für sein Werkzeug zu machen.

Da es sich um ein Open-Source-Tool handelt, können andere Forschende es kostenlos im Browser nutzen oder auf dem eigenen Computer installieren. Inzwischen tüftelt Griebel schon daran, deepflash2 durch die Erkenntnisse aus dem Wettbewerb weiter zu verbessern.

Zum Tool deepflash2 bei Github: https://matjesg.github.io/deepflash2/

Anwendbar auch ohne KI-Wissen

Wirtschaftsinformatiker Griebel macht seine Doktorarbeit bei Professor Christoph Flath. Großen Wert legt er bei der Entwicklung darauf, dass auch Forschende ohne KI-Expertise das Tool problemlos nutzen können.

Die komplizierten Vorgänge hinter den Kulissen brauchen die Anwenderinnen und Anwender in Medizin und Biowissenschaft nicht zu interessieren. Für sie ist es laut Griebel vor allem wichtig, die Biobildanalyse schneller und gleichzeitig zuverlässiger zu gestalten. Damit ein künstliches neuronales Netz das leisten kann, muss es anhand umfangreicher Datensätze intensiv trainiert werden, so der Wissenschaftler.

Entscheidungen trifft der Mensch

An Ende bleiben es aber Menschen, die eine Schlussfolgerung aus den Bildern ziehen. Das dürfte alle beruhigen, die befürchten, dass Künstliche Intelligenzen in der Medizin künftig über Wohl und Wehe entscheiden werden. Genau das, betont Philipp Sodmann, sei nicht der Fall und werde sicher nie der Fall werden.

Sodmann appelliert, die vielfältigen Möglichkeiten der KI zu erkennen. Der Data-Science-Wettbewerb zum Beispiel fand vor dem Hintergrund des 2016 gestarteten Projekts „Human BioMolecular Atlas Program“ statt. Dessen Ziel ist es, jede einzelne der rund 37 Billionen Zellen des Menschen abzubilden und zu charakterisieren. Ohne KI wäre das unmöglich.

Preis für die beste Präsentation

Für den Data-Science-Wettbewerb von Kaggle waren insgesamt Lösungen von rund 1.200 Teams aus mehr als 50 Ländern eingereicht worden. Matthias Griebel und Philipp Sodmann landeten auf Platz 10.

„Wobei sich die ersten Plätze in einem Kopf-an-Kopf-Rennen entschieden“, so Griebel. Aufregend war für ihn und seinen Kollegen auch die Präsentation des Projekts vor internationalem Publikum. Dabei sahnten die zwei Würzburger nochmals ab: Sie gewannen auch den Preis für die beste Präsentation, zusätzlich zur Gold-Medaille und zum Innovationspreis.

Geeignet für verschiedene Krankheitsbilder

Matthias Griebel möchte nicht im Elfenbeinturm vor sich hinforschen. Ihm ist es wichtig, Tools zu entwickeln, die am Ende den Menschen helfen. Und vielleicht sogar Menschenleben retten.

Können Mikroskopiebilder schneller und sicherer ausgewertet werden, kann es auch schneller zu einer Diagnose kommen. Und zwar bei ganz verschiedenen Erkrankungen. Weil das Programm deepflash2 trainierbar ist, kann es zum Beispiel lernen, verschiedene funktionelle Gewebseinheiten zu erkennen. So kann der Algorithmus mithilfe des maschinellen Lernens beigebracht bekommen, auf einem Bild die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse zu identifizieren.

Kontakt

Matthias Griebel, Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Business Analytics, Universität Würzburg, matthias.griebel@ uni-wuerzburg.de

 

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 09.06.2021

Infoveranstaltung: Gesunde Augen – was kann ich selbst dafür tun?

Der Verein der Freunde und Förderer der Universitäts-Augenklinik Würzburg e.V. lädt am 30. Juni 2021 alle Interessierten zu einer Infoveranstaltung über wichtige Augenkrankheiten ins Würzburger Tagungszentrum Burkardushaus ein.

Grauer und Grüner Star, altersbedingte Maculadegeneration, trockene Augen – am 30. Juni 2021 nehmen bei einer öffentlichen Veranstaltung Expert*innen der Würzburger Universitäts-Augenklinik ein ganzes Bündel von häufigen Augenerkrankungen in den Blick. Die laiengerechten Vorträge und die ergänzenden Diskussionen mit dem Publikum finden ab 14:30 Uhr im Tagungszentrum Burkardushaus, Am Bruderhof 1 in Würzburg statt. 

Ein durchgehender Aspekt dabei ist die Eigenverantwortung der Patient*innen. Zum Beispiel bei Katarakt. „Auch wenn weder Medikamente noch Verhaltensmaßnahmen am Fortschreiten des Grauen Stars etwas ändern können, kann die oder der Betroffene doch mitbestimmen, wann und wie die Operation stattfindet“, betont Dr. Daniel Kampik. Der Oberarzt der Würzburger Universitäts-Augenklinik fährt fort: „Je nach den eigenen Ansprüchen, zum Beispiel in Bezug auf das Autofahren oder das Lesen, kann die Operation frühzeitig erfolgen oder noch ein paar Jahre abgewartet werden.“

Auch bei trockenen Augen – einer Volkskrankheit, die mit dem Alter zunimmt – ist vielfach die Selbsttherapie der Patient*innen gefragt. Die wichtigste Maßnahme ist hier die regelmäßige, oft dauerhafte Anwendung von Tränenersatzmitteln. „Diese sind in der Regel nicht verschreibungspflichtig und können rezeptfrei in jeder Apotheke besorgt werden“, weiß Dr. Kampik. In manchen Fällen ist nach seinen Worten auch eine Pflege der Lidränder durch Reinigung und Massage indiziert, die die Betroffenen selbst durchführen können. 

Eine andere Form des persönlichen Engagements ist die Hornhautspende. „Obwohl fast jeder Mensch – auch unabhängig vom Alter – als Hornhautspender geeignet ist, herrscht in Deutschland ein Mangel an Spender-Hornhäuten“, bedauert Dr. Kampik. Gerade deshalb sei es sehr wichtig, dass sich jede*r zu Lebzeiten Gedanken macht, ob sie oder er einmal seine Hornhäute – wie gegebenenfalls auch andere Organe – spenden möchte. 

Die Veranstaltung deckt noch viele weitere Themen ab. Durch das Programm, das bis 18:30 Uhr geht, führt Frank Krogmann. Der Medizinhistoriker bereichert jedes der diskutierten Krankheitsbilder mit kurzweiligen Details aus der Geschichte. 

Organisiert wird die kostenlose Tagung vom Verein der Freunde und Förderer der Universitäts-Augenklinik Würzburg e.V. Durch die pandemiebedingten Abstandsregeln ist die Teilnehmerzahl begrenzt. Deshalb ist eine Anmeldung unter E-Mail: vornberger_r@ukw.de besonders wichtig.

Das detaillierte Programm findet sich unter www.ukw.de/augenklinik/veranstaltungen

 

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Schmerzen und Sucht

Die regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln kann süchtig machen. Informationen zu diesem Thema gibt es bei einer Info-Veranstaltung des Arbeitskreises Suchthilfe der Uni Würzburg am Mittwoch, 16. Juni.

Schmerzen kennt jeder. Sie sind ein Warnsignal des Körpers und veranlassen den Menschen zum Handeln. So zucken wir innerhalb von Millisekunden zurück, wenn wir auf die heiße Herdplatte greifen.Wenn Schmerzen aber chronisch werden oder ihre Ursache nicht zu beheben ist, werden sie unangenehm bis unerträglich. Oft müssen sie dann mit Schmerzmitteln behandelt werden. Die regelmäßige Einnahme solcher Mittel kann jedoch zu weiteren körperlichen und psychischen Problemen führen – bis hin zur Sucht.

Der Arbeitskreis Suchthilfe macht dies am Mittwoch, 16. Juni 2021, von 14:00 bis 17:30 Uhr zum Thema seiner jährlichen Vortragsveranstaltung. Dafür hat das Team namhafte Expertinnen und Experten aus der Schmerz- und Suchtforschung und -versorgung gewonnen.

Die Vortragenden und ihre Themen

Professorin Claudia Sommer vom Uniklinikum Würzburg erklärt in ihrer Einführung, wie Schmerzen überhaupt entstehen und wie komplex deren Verarbeitung ist.Wussten Sie, dass in Deutschland 140 Millionen Packungen Schmerzmittel pro Jahr gekauft werden? Um die Folgen des Schmerzmittelkonsums geht es im Vortrag von Dr. Rüdiger Holzbach aus Arnsberg.Nach einer Pause berichtet Professor Christoph Maier aus Bochum, welche Konsequenzen die Opiatkrise in den USA für Deutschland hat. Der Hintergrund: In den USA werden seit einigen Jahren verstärkt opiathaltige Schmerzmittel verwendet, selbst bei Alltagsschmerzen. Das hat zu einem starken Anstieg von Suchterkrankungen geführt.

Zum Abschluss erklärt Dr. Anke Diezemann-Prößdorf aus Mainz, welche psychotherapeutischen Ansätze in der Schmerztherapie genutzt werden.

Webseite und Anmeldeformular

Zu der Online-Tagung sind alle Beschäftigten der Universität und des Universitätsklinikums, Gäste aus Behörden, Schulen und Facheinrichtungen der Region Würzburg sowie die interessierte Öffentlichkeit eingeladen. 

Zum Tagungsprogramm und Anmeldeformular

Bei Fragen zum Thema können sich Interessierte an die Leiterin der Suchtberatungsstelle wenden: Katja Beck-Doßler, T +49 931 31-82020, suchtberatung@ uni-wuerzburg.de 

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 08.06.2021

Im Herzen gibt es zwei verschiedene Subtypen der beta-adrenergen Rezeptoren, beta1 und beta2, die von den Stresshormonen Adrenalin und Noradrenalin aktiviert werden. Beide bewirken die stärkste Stimulation von Schlagkraft und Frequenz des Herzens, die wir kennen. Biochemisch sind die beiden Subtypen sich höchst ähnlich – aber funktionell und auch therapeutisch zeigen sie große Unterschiede.Zwar können beide Rezeptortypen kurzfristig das Herz stimulieren. Bei einer längerfristigen Aktivierung zeigt jedoch der beta1-Rezeptor eine Reihe weiterer Wirkungen, der beta2-Rezeptor aber nicht: Beta1 kann eine Reihe anhaltender Veränderungen verursachen und durch die Aktivierung verschiedener Gene ein – oft schädliches – Wachstum der Herzmuskelzellen einleiten.

Neueste Untersuchungen von Forschern der Universitäten Würzburg und Erlangen, des Max-Delbrück-Centrums in Berlin und des ISAR Bioscience Instituts in München/Planegg zeigen nun, wie diese unterschiedlichen Wirkungen zustande kommen. Die Ergebnisse ihrer Arbeiten haben die Forschungsteams in der aktuellen Ausgabe der Proceedings of the National Academy of Sciences USA veröffentlicht.

Spezielle Liganden und neue Mikroskopiemethoden

„Wir konnten mit Hilfe eines an der Universität Erlangen synthetisierten fluoreszierenden Liganden und mit hochsensitiven, neu entwickelten Mikroskopiemethoden erstmals zeigen, wo diese Rezeptoren auf Herzmuskelzellen sitzen“, erklärt Professor Martin Lohse vom Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU). Er ist gemeinsam mit Paolo Annibale einer der Hauptautoren der Studie.Dabei stellte sich heraus, dass die beta1-Rezeptoren sich überall auf der Oberfläche der Herzmuskelzellen finden, die beta2-Rezeptoren aber ausschließlich in sogenannten T-Tubuli. Diese Tubuli bilden ein röhrenartiges System durch Einstülpungen der Zelloberfläche, das das gesamte Innere von Herzmuskelzellen durchzieht. „Die spezifische besondere Lage der beta2-Rezeptoren erklärt, warum sie längst nicht so viel können wie beta1-Rezeptoren und sich auf eine direkte und kurzfristige Stimulation des Herzens beschränken“, erklärt Marin Lohse. Diese wird nämlich durch lokal auf die Zellmembran begrenzte Signale vermittelt. Dagegen geschieht die Aktivierung von Genen und die Stimulation des Zellwachstums über weiter reichende Signale, die nur an der Zelloberfläche ausgelöst werden können, wo sich nur die beta1-Rezeptoren finden.

Ein weiterer überraschender Befund der Arbeiten ist, dass nicht alle Herzmuskelzellen diese Rezeptoren aufweisen. „Offensichtlich gibt es unterschiedliche Typen oder verschiedene Zustände von Herzmuskelzellen, so dass nicht alle Zellen auf Adrenalin reagieren“, so Lohse. Bisher war man davon ausgegangen, dass die Herzmuskelzellen der großen Herzkammer alle gleich sind.

Neuer Ansatzpunkt für Therapie der Herzschwäche

Schon seit vielen Jahren ist bekannt, dass bei chronischer Herzschwäche zu viel Adrenalin und Noradrenalin im Blut kursieren und das Herz so stark stimulieren, dass es sich verändert und seine Zellen wachsen. Anfänglich kompensiert das die Herzschwäche, aber langfristig schädigt das übermäßige Wachstum das Herz. Auch auf der Basis von früheren Ergebnissen des Würzburger Teams hat sich deshalb die Blockade von beta-Rezeptoren als Therapie bei chronischer Herzschwäche durchgesetzt.Die neuen Befunde zeigen nun, warum bei diesen schädlichen Wirkungen den beta1-Rezeptoren eine viel größere Bedeutung zukommt als den beta2-Rezeptoren. Weil beta1-Rezeptoren auf der gesamten Zelloberfläche vorkommen, können sie vielfältiger wirken als beta2-Rezeptoren.

Das neue Wissen um die unterschiedliche Lokalisation und Wirkung von beta1- und beta2-Rezeptoren im Herzen lässt sich möglicherweise für bessere Therapien der chronischen Herzschwäche nutzen. Diese würden die schädlichen Wirkungen von beta-Rezeptoren – das Wachstum der Herzmuskelzellen – punktgenau hemmen, die positiven Wirkungen – die Stimulation der Herzfunktion – hingegen gezielt aktivieren.

Originalpublikation

Visualization of β-adrenergic receptor dynamics and differential localization in cardiomyocytes, Marc Bathe-Peters, Philipp Gmach, Horst-Holger Boltz, Jürgen Einsiedel, Michael Gotthardt, Harald Hübner, Peter Gmeiner, Martin J. Lohse, and Paolo Annibale, Proceedings of the National Academy of Sciences USA, doi.org/10.1073/pnas.2101119118  

Kontakt

Prof. Dr. Martin Lohse, Institut für Pharmakologie und Toxikologie, lohse@ toxi.uni-wuerzburg.de 

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 08.06.2021

 

Uniklinikum Würzburg: Online-Veranstaltungsreihe zu häufigen psychischen Beschwerden

Das Zentrum für Psychische Gesundheit des Uniklinikums Würzburg lädt in den kommenden Monaten alle Interessierten zu insgesamt vier digitalen Vorträgen ein, bei denen Expert*innen über die Vorbeugung und Behandlung häufiger psychischer Beschwerden informieren.

Angsterkrankungen, psychische Erkrankungen in Schwangerschaft und Stillzeit, Traumafolgen, Depressionen – das sind die Themen der Veranstaltungsreihe „Vorbeugung und Behandlung häufiger psychischer Beschwerden“, die in diesem Jahr zum elften Mal stattfindet. Neu ist das digitale Format: Erstmals wenden sich dabei die Referent*innen aus der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (KPPP) des Uniklinikums Würzburg über die Online-Konferenzplattform Zoom an Betroffene und deren Angehörige, an Selbsthilfegruppen, an Berufsgruppen, die zur multiprofessionellen Behandlung von psychischen Krankheiten beitragen sowie an alle sonstigen Interessierten.
  
Jeweils zwischen 18:00 und 19:30 Uhr gibt es zunächst eine kurze Zusammenfassung des aktuellen Kenntnisstands zu Ursachen und Behandlung, bevor vor allem auf die Fragen eingegangen wird, was man tun kann, um sich vor diesen Krankheiten zu schützen, mit der jeweiligen Erkrankung umzugehen sowie deren Verlauf positiv zu beeinflussen.

Den Auftakt macht am Mittwoch, den 23. Juni 2021, Prof. Dr. Jürgen Deckert. Der Direktor der KPPP referiert zum Thema „Wann ist Angst krankhaft und was kann ich dagegen tun?“.Die Teilnahme ist kostenlos und eine Anmeldung nicht erforderlich. Die Links zu den digitalen Vorträgen finden sich unter www.ukw.de/psychiatrie/veranstaltungen.Die weiteren Termine, Themen und Referent*innen sind:

  • 21. Juli 2021:
    Wenn das Elternglück ausbleibt – psychische Erkrankungen in Schwangerschaft und Stillzeit, Prof. Dr. Sarah Kittel-Schneider und Dr. Andrea Gehrmann 
  • 15. September 2021:
    Traumafolgen erkennen und behandeln, Dr. Roxane Sell und PD Dr. Stefan Unterecker
  • 6. Oktober 2021:
    Depression im Alter: Erkennen, behandeln und vorbeugen, Dr. Alexandra Herr

 

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Anne Frank Tag 2021 an der Berufsfachschule für Diätassistentinnen und Diätassistenten

Deutschlandweit beteiligen sich rund 500 Schulen am Aktionstag gegen Antisemitismus und Rassismus

Die Berufsfachschule für Diätassistentinnen am Uniklinikum Würzburg beteiligt sich in diesem Jahr am Anne Frank Tag, einem bundesweiten Aktionstag gegen Antisemitismus und Rassismus. Der Anne Frank Tag findet rund um Anne Franks Geburtstag, dem 12. Juni, statt. Deutschlandweit engagieren sich Schüler und Schülerinnen an beinahe 500 Schulen bei der bundesweiten Aktion, die vom Anne Frank Zentrum in Berlin organisiert wird. Unter dem diesjährigen Motto »Blick auf die Geschichte« beschäftigen sich die Schüler/innen mit Anne Franks Lebensgeschichte und nehmen Fotos als historische Quellen kritisch in den Blick. Anne Frank ist eines der bekanntesten Opfer des Holocaust und wurde durch die Veröffentlichung ihres Tagebuchs weltweit bekannt. Die Schüler/innen der Berufsfachschule für Diätassistenten arbeiten zum Anne Frank Tag mit einer Plakatausstellung, einem Video-Interview mit dem Holocaust-Überlebenden Tswi Herschel sowie weiteren digitalen und analogen Lernmaterialien, die vom Anne-Frank-Zentrum entwickelt wurden. Sie setzen sich darüber hinaus mit ihrem Schulsozialpädagogen Joas Nickel sowie Mitarbeiter/innen der Jugendbildungsstätte Unterfranken am 14.06.2021 mit dem Würzburger DenkOrt Deportation am Hauptbahnhof Würzburg auseinander und beschäftigen sich mit den Biographien der Opfer des Nationalsozialismus. Im Vordergrund dabei steht die jugendliche Sichtweise auf die Vergangenheit und die Frage nach der Bedeutung der Erinnerung für unsere heutige Gesellschaft. Darüber hinaus kommt es im Rahmen des Programms „Meet a Jew“ zu einer persönlichen Begegnung mit jungen Juden und Jüdinnen, um in einem Gespräch auf Augenhöhe einen Einblick in jüdisches Leben im hier und heute zu gewinnen.

 

Pressefotos und weitere Informationen zum Anne Frank Tag allgemein: https://www.artefakt-berlin.de/pressecenter/  

Damaris Schmitz (damaris.schmitz@artefakt-berlin.de)

www.annefranktag.de/presse

 

Link: Weitere Informationen zum Projekt und zum Ablauf in der Berufsfachschule für Diätassistentinnen 

Längeres stationäres EKG-Monitoring nach ischämischem Schlaganfall sinnvoll

Ein verlängertes EKG-Monitoring bei stationär behandelten Schlaganfallpatient*innen detektiert ein intermittierendes Vorhofflimmern häufiger als der bisher etablierte diagnostische Standard, erhöht aber die Sekundärprävention mittels einer oralen Antikoagulation nicht signifikant. Das ist das zentrale Ergebnis einer randomisierten Studie der Charité – Universitätsmedizin Berlin, an der Prof. Dr. Karl Georg Häusler und Prof. Dr. Peter U. Heuschmann vom Uniklinikum Würzburg maßgeblich beteiligt waren.

Flimmern die Vorhöfe des Herzens, können sich dort Blutgerinnsel bilden, die mit dem Blutstrom in die Hirnarterien gelangen und dort zu einem Gefäßverschluss führen können. Die Folge ist ein ischämischer Schlaganfall. Deshalb zählt Vorhofflimmern (VHF) zu den relevantesten Schlaganfall-Risikofaktoren. Vor diesem Hintergrund gehört das Elektrokardiogramm (EKG) des Herzens zur Standarddiagnostik nach einem Schlaganfall. Wird ein VHF als mögliche Ursache des Schlaganfalls erkannt, ist eine „blutverdünnende“ Therapie mittels eines oralen Antikoagulanz angezeigt, um das Risiko eines erneuten Schlaganfalls bestmöglich zu senken. Bei fehlendem Nachweis eines VHF wird regelhaft Acetylsalicylsäure verordnet, wodurch das Schlaganfallrisiko eines unerkannt gebliebenen VHF jedoch weit weniger effektiv gesenkt wird. Wie lange eine EKG-Aufzeichnung bei Schlaganfallpatienten durchgeführt werden sollte, ist bisher nicht abschließend geklärt und im Kontext limitierter Ressourcen relevant. Anhand der randomisierten Studie „Impact of MONitoring for Detection of Atrial Fibrillation in Ischemic Stroke“ (MonDAFIS) sollte zudem geklärt werden, ob das verlängerte EKG-Monitoring in der Akutphase des ischämischen Schlaganfalls in der Interventionsgruppe zu einer höheren Antikoagulationsrate und zu einer Reduktion klinischer Endpunkte führt. 

EKG-Monitoring erfolgte bis zu sieben Tage nach Studieneinschluss

Die MonDAFIS Studie wurde am Centrum für Schlaganfallforschung Berlin der Charité – Universitätsmedizin Berlin intendiert und unter Leitung von Prof. Dr. Matthias Endres durchgeführt. Als Studienkoordinator fungierte Prof. Dr. Karl Georg Häusler, der nunmehr als Leitender Oberarzt an der Neurologischen Klinik und Poliklinik des Uniklinikums Würzburg tätig ist, das sich gemeinsam mit 38 weiteren deutschen Studienzentren an der Rekrutierung der 3465 Studienpatienten beteiligte. Die Fallzahlplanung und die statistischen Analysen übernahm das Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie der Universität Würzburg. Der Schlaganfallexperte Prof. Häusler erläutert: „Viele Patientinnen und Patienten bemerken zunächst keine VHF-spezifischen Symptome, was den Nachweis eines VHF auch bei Schlaganfallpatienten erschwert. Im Rahmen der MonDAFIS-Studie erhielten die Studienpatienten, die in die Kontrollgruppe randomisiert wurden, die am jeweiligen Studienzentrum etablierte Standard-EKG-Diagnostik. In der Interventionsgruppe wurde während des stationären Aufenthalts zusätzlich ein EKG-Monitoring über bis zu sieben Tage durchgeführt, das innerhalb weniger Tage im kardiologischen Studienzentrum ausgewertet wurde. Die Befundweitergabe erfolgte an die Behandlerinnen und Behandler durch die Studienzentrale, die auch für die Nachbeobachtung der Studienpatienten über 24 Monate verantwortlich zeichnete.“ 

Studienergebnisse in der Fachzeitschrift Lancet Neurology publiziert

Anhand der MonDAFIS-Studie zeigte sich, dass die Rate der Patient*innen, bei denen stationär ein VHF diagnostiziert wurde, in der Interventionsgruppe signifikant höher war als in der Kontrollgruppe, obwohl diese einen hohen diagnostischen Standard aufwies. Ein VHF wurde dabei vornehmlich bei Schlaganfallpatienten nachgewiesen, die zumindest 65 Jahre alt waren. Der primäre Studienendpunkt, die Rate der ein Jahr nach Studieneinschluss oral antikoagulierten Schlaganfallpatienten, unterschied sich hingegen in beiden Studienarmen nicht signifikant. Ebenso wenig unterschied sich die Gesamtzahl eines erneuten Schlaganfalls, einer schweren Blutung, eines Herzinfarkts oder von Todesfällen jedweder Ursache. Interessanterweise traten in der Interventionsgruppe weniger Todesfälle auf als in der Kontrollgruppe, was Gegenstand noch laufender Analysen ist.

Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft Neurologie und der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft zur MonDAFIS-Studie 

Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft Neurologie, zog im Rahmen einer am 20. Mai 2021 veröffentlichten Pressemitteilung ein pragmatisches Fazit: „Es empfiehlt sich, das EKG-Monitoring zumindest bei älteren Schlaganfallpatientinnen und -patienten über 65 Jahre bis zur stationären Entlassung fortzuführen. Die Intervention erhöht bei Risikopatientinnen und -patienten die Diagnoserate von VHF – und ist darüber hinaus relativ kostengünstig.

Literatur:

Prof Karl Georg Haeusler, MD, Prof Paulus Kirchhof, MD, Claudia Kunze, BA, Serdar Tütüncü, MD, Cornelia Fiessler, PhD Carolin Malsch, MSc et al. Systematic monitoring for detection of atrial fibrillation in patients with acute ischaemic stroke (MonDAFIS): a randomised, open-label, multicentre study. The Lancet Neurology 2021; 20(6):426-436.

Pressemitteilung: 

dgn.org/presse/pressemitteilungen/verlaengertes-stationaeres-ekg-monitoring-nach-ischaemischem-schlaganfall-entdeckt-haeufiger-vorhofflimmern/ 

 

Link zur Pressemitteilung