Aktuelle Meldungen

Herz und Immunsystem gemeinsam im Blick: DFG verlängert Würzburger Sonderforschungsbereich

Der Sonderforschungsbereich (SFB) „Kardio-immune Schnittstellen“ der Universitätsmedizin Würzburg erhält für weitere vier Jahre eine Förderung von zwölf Millionen Euro durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG).

In grün leuchtet das Herz, in gelb die Immunzellen.
In dem SFB „Kardio-immune Schnittstellen“ betrachten die Forschenden das Herz durch die Linse der Immunologie. Diese Lichtblatt-Fluoreszenz-Mikroskopie zeigt eine massive Infiltration von Immunzellen in das Herz nach einem Infarkt. In Grün ist die Morphologie des Herzens zu sehen, in Gelb leuchten die Antikörper, die an das CD45-Antigen der Leukozyten gebunden haben. © Anne Auer / DZHI
Eine Illustration erstellt mit KI, die den Oberkörper zeigt und das Herz, drumherum einige therapeutische Optionen.
Im Zentrum des SFB 1525 "Kardio-immune Schnittstellen" stehen die komplexen Wechselwirkungen zwischen dem Immunzentrum und dem Herzen sowie die Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze. Illustration erstellt mit ChatGPT/OpenAI; Prompt durch H. Bartolomaeus/SFB 1525

Würzburg. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist eine der herausragenden Stärken der Universitätsmedizin Würzburg. Auf dem Campus arbeiten die unterschiedlichsten Bereiche zusammen, um die Vorbeugung, Diagnose und Behandlung verschiedener Erkrankungen zu verbessern. Bestes Beispiel hierfür ist der Sonderforschungsbereich (SFB 1525) „Kardio-immune-Schnittstellen“, auf englisch Cardioimmune Interfaces. 

In dem seit Ende 2022 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Sonderforschungsbereich (SFB) untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Bereichen Kardiologie, Immunologie, RNA-Biologie, Bioinformatik, Bildgebung, Nuklearmedizin und Pharmazie gemeinsam auf dem Würzburger Campus die Entzündungsreaktionen und immunologischen Prozesse, die bei verschiedenen Herzmuskelerkrankungen ausgelöst werden. 

Weltweit einzigartiger Forschungsverbund

„Wir bringen Expertinnen und Experten zu fokussierten aber wichtigen Thema zusammen, die vorher noch nie zusammengearbeitet haben. Damit ist es uns in Würzburg gelungen, ein weltweit einzigartiges Zentrum zu etablieren“, sagt Prof. Dr. med. Stefan Frantz, Direktor der Medizinischen Klinik I des UKW und Sprecher des SFB. Die außergewöhnliche Dynamik und die enge Verzahnung der einzelnen Projekte von der Grundlagenforschung bis zur klinischen Anwendung haben die Gutachterinnen und Gutachter überzeugt: Die DFG hat nun die zweite Förderperiode bewilligt. In den kommenden vier Jahren erhält der SFB weitere zwölf Millionen Euro. 

Entzündungsreaktionen als Schlüsselmechanismus

Entzündungsreaktionen und immunologische Prozesse sind bei vielen Herzerkrankungen entscheidend beteiligt – mit sowohl schützenden als auch schädlichen Effekten. Nach einem Herzinfarkt unterstützt die Immunaktivierung zunächst die Heilung, kann bei anhaltender Reaktion jedoch die Herzfunktion beeinträchtigen. Auch bei chronischen Durchblutungsstörungen und Herzschwäche spielt das Immunsystem eine zentrale Rolle. Die zugrunde liegenden Mechanismen sind jedoch noch nicht vollständig verstanden. „Erst wenn wir diese Mechanismen verstehen, können wir sie gezielt therapeutisch nutzen“, sagt Stefan Frantz.

In der ersten Förderperiode des SFB konzentrierten sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zunächst auf vier Fragestellungen. Finden wir neue mechanistische Wege, wie anhaltende Immunreaktionen und Entzündungen eine schlechte Herzfunktion beeinflussen können? Können wir nicht invasiv mit Bildgebung herausfinden, ob eine erhöhte Entzündungsreaktion vorliegt? Wie gelingt die Translation, also wie können wir die Ideen aus der Grundlagenforschung in die Klinik bringen? Und schließlich: Wie bilden wir Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus, die sowohl die Entzündung als auch die Kardiologie beherrschen?

Interaktionen zwischen Antigenen und Antikörpern sowie Antigenen und T-Zellen

„Mich persönlich fasziniert die Interaktionen zwischen Antigenen und Antikörpern sowie zwischen Antigenen und T-Zellen. Das heißt, wie unser Immunsystem mit seinen aktiven Abwehrzellen, den T-Zellen, und seinen Werkzeugen, den Antikörpern, auf körpereigene Schäden reagiert“, schildert Stefan Frantz. „Spannend finde ich auch, wie diese Prozesse durch Infektionen beeinflusst werden und welche Erkenntnisse moderne Bildgebungsverfahren liefern können. Damit lassen sich Prozesse im Körper untersuchen, die bisher kaum nachvollziehbar waren.“ 

Prof. Dr. med. Alma Zernecke-Madsen, stellvertretende Sprecherin des SFB und Leiterin des Instituts für Experimentelle Biomedizin II am UKW, ergänzt: „In unserem Verbund betrachten wir das Herz durch die Linse der Immunologie. Unser Ziel ist es, neue immunologische Mechanismen zu identifizieren und damit auch Ansätze für die Diagnose und die Immuntherapie der Herzschwäche zu finden.“ 

Internationale Aufmerksamkeit für die Würzburger Kardioimmunologie

Die Forschung und Verwaltung des SFB werden von den wissenschaftlichen Sekretären Prof. Dr. med. Ulrich Hofmann und Prof. Dr. rer. nat. Gustavo Ramos koordiniert. Für sie war ein Highlight der ersten Förderperiode die Ausrichtung des zweiten Kardioimmunologie-Kongresses im oberfränkischen Kloster Banz, der mit finanzieller Unterstützung der DFG durchgeführt wurde. Im Juni 2024 kamen 135 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus aller Welt nach Oberfranken, um sich drei Tage lang über die neueste Forschung an der Schnittstelle von Immunologie und Kardiologie auszutauschen, einen Überblick über die jüngsten Fortschritte bei der Steuerung therapeutischer Interventionen bei kardialen Entzündungen zu erhalten und sich zu vernetzen (siehe dazu die PM vom 9.7.2024).

Nachwuchs für ein neues Forschungsfeld

Um das Forschungsfeld bundesweit zu vernetzen, initiierte Gustavo Ramos im vergangenen Jahr in der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) die Arbeitsgruppe „Kardio-Immunologie“ (AG 46). Das nationale Netzwerk soll die Forschung an der Schnittstelle von Herzmedizin und Immunologie in Deutschland stärken. Ramos setzt sich zudem intensiv für den Nachwuchs ein. So initiierte er beispielsweise die inzwischen jedes Jahr stattfindende „Summer School Cardio-Immune Interfaces“, die von Studierenden organisiert wird und Doktorandinnen und Doktoranden aus der ganzen Welt anzieht. 

„Für den Fortschritt in der Kardioimmunologie brauchen wir Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler, die sowohl kardiologisch als auch immunologisch denken – nur so gelingt echte Translation und interdisziplinäre Zusammenarbeit“, erläutert Gustavo Ramos. Der Biologe hat seit Dezember 2023 eine von der DFG geförderte Heisenberg-Professur für Immunkardiologie inne. Nach erfolgreicher Evaluation wird diese 2029 in eine permanente Professur überführt (siehe dazu die PM vom 12.12.2023). 

Laut Stefan Frantz ist auch das eine Erfolgsgeschichte. Insgesamt erhielt jeder dritte der knapp 30 Wissenschaftler, die im SFB ein Projekt leiten, in der letzten Förderperiode eine Professur oder konnte am Standort gehalten werden. Zudem wurden rund 40 Promotionsstellen geschaffen. Auch die Zahl der Publikationen aus der ersten Förderperiode kann sich sehen lassen: Der SFB verzeichnete mehr als 200 Publikationen, davon wurde jede fünfte in einer Fachzeitschrift mit einem Impact Factor von über 20 veröffentlicht, gehört also zu weltweit herausragenden Publikationen. Darüber hinaus konnten zwei Patente angemeldet werden: eines für die Bildung und eines für eine CAR-T-Zelle.

Neue Projekte zur CAR-T-Zelle, Nanotechnologie und Spatial Transcriptomics

CAR-T-Zellen wurden ursprünglich für die Krebsbehandlung entwickelt und sind in der EU bislang nur zur Behandlung bestimmter hämatologischer Krebserkrankungen zugelassen. Würzburg hat sich international als bedeutender Forschungsstandort für CAR-T-Zelltherapien etabliert. Im Gegensatz zu klassischen Chemotherapien bekämpfen CAR-T-Zellen den Tumor nicht direkt mit einem Medikament, sondern sie verstärken das eigene Immunsystem gezielt. Deshalb wird diese Technologie inzwischen auch für andere Erkrankungen erforscht, jetzt zum Beispiel auch im Sonderforschungsbereich „Kardio-immune Schnittstellen“. In der zweiten Förderperiode sollen gemeinsam mit der Würzburger Hämatologie CAR-T-Zellen konstruiert werden, die sich positiv auf das Herz auswirken.

Ein weiteres neues Forschungsprojekt stammt aus dem Bereich der Pharmazie. In diesem werden nanoskalige Trägersysteme entwickelt, um Arzneistoffe bzw. bildgebende Komponenten gezielt an definierte Zielstrukturen zu transportieren. Ebenfalls neu ist ein Projekt im Bereich Spatial Transcriptomics, in dem Genexpressionsprofile einzelner Zellen direkt im Gewebekontext analysiert werden. Mithilfe selbst entwickelter Organoidmodelle können diese Prozesse funktionell untersucht werden.

Neue Wege für Diagnostik und Therapie

Alle bereits etablierten Forschungsprojekte werden zudem kontinuierlich vorangetrieben. „Schließlich ist der SFB auf die maximale Förderdauer von zwölf Jahren ausgelegt“, sagt Stefan Frantz und blickt mit Stolz und Freude auf das Konsortium: „Das Ganze hat sich strukturell wunderbar entwickelt. Der gesamte Standort ist engagiert. So kommen wir unserem Ziel, neue immunbasierte Diagnose- und Therapiewege im Bereich der Kardiovaskulärmedizin zu entwickeln, entschieden näher.“

In grün leuchtet das Herz, in gelb die Immunzellen.
In dem SFB „Kardio-immune Schnittstellen“ betrachten die Forschenden das Herz durch die Linse der Immunologie. Diese Lichtblatt-Fluoreszenz-Mikroskopie zeigt eine massive Infiltration von Immunzellen in das Herz nach einem Infarkt. In Grün ist die Morphologie des Herzens zu sehen, in Gelb leuchten die Antikörper, die an das CD45-Antigen der Leukozyten gebunden haben. © Anne Auer / DZHI
Eine Illustration erstellt mit KI, die den Oberkörper zeigt und das Herz, drumherum einige therapeutische Optionen.
Im Zentrum des SFB 1525 "Kardio-immune Schnittstellen" stehen die komplexen Wechselwirkungen zwischen dem Immunzentrum und dem Herzen sowie die Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze. Illustration erstellt mit ChatGPT/OpenAI; Prompt durch H. Bartolomaeus/SFB 1525

Posterpreis für Eleni Dapergola
Doktorandin Eleni Dapergola vor ihrem Forschungsposter

Wir gratulieren der Doktorandin Eleni Dapergola zu ihrem Posterpreis für ihre Forschung mit dem Titel „Cytomegalovirus latency exacerbates cardiac inflammation and tissue remodeling after myocardial infarction“. Diese stellte sie im Februar auf der EMBL-Konferenz zum Thema „The New Cardiobiology: Engineering, Vascular, and Molecular Insights“ in Heidelberg vor.

Weitere Informationen zum Posterpreis

Doktorandin Eleni Dapergola vor ihrem Forschungsposter

Herausragende Abschlussarbeit über Immunzell-Subpopulationen bei Patienten mit akuter Herzinsuffizienz

Fakultät für Biologie zeichnet Sahel Shemshadis Masterthesis aus

In ihrer Masterarbeit analysierte Sahel Shemshadi Immunzell-Subpopulationen bei Patienten mit akuter Herzinsuffizienz. Dabei stellte sie Zusammenhänge zwischen veränderten myeloischen Populationen und dem Vorhandensein von Autoantikörpern gegen den Herzmuskel fest. “Diese Erfahrung hat nicht nur meine Leidenschaft für die translationale Forschung vertieft, sondern auch gezeigt, wie die Immunologie den Weg für neue therapeutische Ansätze bei akuter Herzinsuffizienz ebnen kann”, freut sich Shemshadi über die Ergebnisse ihrer Arbeit. 

Die Fakultät für Biologie an der Universität Würzburg zeichnete Shemshadis Thesis als eine der herausragenden Abschlussarbeiten unter 107 Einreichungen im Jahr 2024/2025 aus.

Blick in die Zukunft: SFB bereitet sich auf Evaluation vor

Der Sonderforschungsbereich (SFB)1525 Cardio-Immune Interfaces kam vom 15. bis 16. Mai 2025 zu einem zweitägigen Retreat in der Tagungsstätte Wildbad bei Rothenburg zusammen.

In Posterpräsentationen und Vorträgen stellten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die neuesten Fortschritte aus ihren Projektbereichen vor. Der gegenseitige Austausch und die angeregten Diskussionen führten zu interdisziplinären Erkenntnissen. 

Mit Blick auf die bevorstehende Evaluierung Ende 2025 bot die Klausurtagung auch eine willkommene Plattform für Ideen zur Zukunft des SFB, seiner Ausrichtung und Perspektiven. Die Mitglieder des Verbunds nutzten die Gelegenheit, ihre Forschungsziele aufeinander abzustimmen und die Zusammenarbeit innerhalb des Konsortiums zu stärken.

Beste Poster Preis für Johanna Siegel
Doktorandin Johanna Siegel erhält den Preis für das beste Poster für ihre Forschung
Doktorandin Johanna Siegel erhält den Preis für das beste Poster für ihre Forschung

Die Doktorandin Johanna Siegel erhielt den Preis für das beste Poster für ihre Forschung mit dem Titel "Heart-reactive Antibodies Impair Myocyte Function and Fuel Post-myocardial Infarction Inflammation" (Herz-reaktive Antikörper beeinträchtigen die Myozytenfunktion und fördern die Entzündung nach einem Herzinfarkt), die sie auf dem World Immune Regulation Meeting präsentierte.

Doktorandin Johanna Siegel erhält den Preis für das beste Poster für ihre Forschung
Doktorandin Johanna Siegel erhält den Preis für das beste Poster für ihre Forschung

Würzburg richtete zweiten Kardioimmunologie-Kongress aus

II. Cardioimmunology Würzburg 2024: Vom 26. bis 28. Juni trafen sich Forschende der aufstrebenden Disziplin Kardioimmunologie aus der ganzen Welt im Kloster Banz.

Die Teilnehmenden stehen auf der Freitreppe vor dem Kloster Banz
Die Veranstaltung in Banz war in hohem Maß international besetzt, was sowohl die Teilnehmenden als auch die Referierenden anging. Bei den Vorsitzenden, Sprechenden und mehr als 50 Poster-Vortragenden gab es ein ausgewogenes Verhältnis hinsichtlich des Geschlechts, des Karrierestands und des Herkunftslandes. © Iris Hoffmann / UKW
Teilnehmer hält Programm des Kongresses hoch, im Hintergrund ist das Kloster Banz zu sehen.
Der Kongress Cardioimmunology Würzburg 2024 stellte fortschrittliche Forschung an der Schnittstelle von Immunologie und Kardiologie in den Mittelpunkt und bot einen Einblick in die neuesten Fortschritte bei der Steuerung therapeutischer Interventionen bei Herzentzündungen. Das Verständnis der Dynamik und die Beeinflussung der Interaktionen zwischen angeborenen und adaptiven Immunzellen, Kardiomyozyten und kardialen Stromazellen sind vielversprechend für die Entwicklung zukünftiger Therapien für Patientinnen und Patienten mit Kardiomyopathie und Herzinsuffizienz. © Dr. Giulia Germena (Göttingen)
Cover des Journals Circulation Research
Das vom Cardioimmunology Congress inspirierte Review-Kompendium von Circulation Research erhielten alle Teilnehmenden in gedruckter Form. Mehrere Mitglieder des Editorial Boards der Zeitschrift nahmen am Kongress in Kloster Banz https://www.ahajournals.org/toc/res/134/12

Würzburg. Historisch gesehen sind Kardiologie und Immunologie getrennte Disziplinen mit minimalen Überschneidungen. Herzerkrankungen wurden traditionell vor allem in den Fachgebieten Kardiologie und Physiologie untersucht. Dabei werden die physiologische Funktion des Herzens und die meisten pathologischen Prozesse entscheidend durch das Immunsystem beeinflusst. Die wissenschaftliche Expertise zur Erforschung immunologischer Mechanismen ist jedoch in beiden Fachgebieten nur schwach ausgeprägt, und in den immunologischen Disziplinen wiederum stehen Herzerkrankungen mit Ausnahme der Myokarditis bisher kaum im Fokus. 

Deshalb hat sich in den letzten Jahren das neue Forschungsfeld der Kardioimmunologie entwickelt. Würzburg nimmt hier mit dem Sonderforschungsbereich SFB 1525 "Cardioimmune Interfaces" eine Vorreiterrolle ein: Als weltweit erstes Forschungskonsortium untersucht der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte SFB seit 2022 an einem Ort und mit einem ausgeprägten interdisziplinären Ansatz die immunologischen Prozesse, die bei verschiedenen Herzmuskelerkrankungen ausgelöst werden.

Jetzt organisierte das Würzburger SFB-Team, abermals mit finanzieller Unterstützung der DFG, den zweiten Kardioimmunologie-Kongress im Kloster Banz im oberfränkischen Bad Staffelstein. 135 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus aller Welt kamen Ende Juni ins oberfränkische Bad Staffelstein, um sich drei Tage lang über die neueste Forschung an der Schnittstelle von Immunologie und Kardiologie auszutauschen, einen Überblick über die jüngsten Fortschritte bei der Steuerung therapeutischer Interventionen bei kardialen Entzündungen zu erhalten und nicht zuletzt, um sich zu vernetzen.

Hoher Stellenwert für internationale Vernetzung und Nachwuchsförderung

„Es ist uns gelungen, zahlreiche internationale Referentinnen und Referenten zu gewinnen, die das Gebiet in den letzten Jahren mit herausragenden Publikationen wissenschaftlich vorangebracht haben. Gerade für die zahlreich anwesenden Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler ergab sich so ein einzigartiges Interaktionsfeld“, berichtet Prof. Dr. Stefan Frantz, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik I des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) und Sprecher des SFB 1525. Von den 67 ausländischen Teilnehmerinnen und Teilnehmern kamen 40 aus Nicht-EU-Ländern. Dass sowohl das Konzept als auch das wissenschaftliche Programm für alle Karrierestufen interessant sind, zeigte die hohe Beteiligung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Ein Drittel der Teilnehmenden war noch nicht promoviert.

Die Förderung und Vernetzung des wissenschaftlichen Nachwuchses ist ein wichtiges Anliegen des Würzburger SFB. So findet jährlich eine internationale „Summer School Cardio-Immune Interfaces“ statt – organisiert von und für Doktorandinnen und Doktoranden. Während der Tagung in Banz fand unter der Leitung von Prof. Dr. Gustavo Ramos aus Würzburg auch ein Koordinationstreffen der internationalen ImHeart-Initiative statt, die sich um die Förderung eines European Innovative Training Networks (ITN) für Kardioimmunologie im Rahmen der Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen der EU bewirbt.

Wissenschaftliches Kompendium inspiriert vom Kongress

Basierend auf den neuesten Entwicklungen in der kardioimmunologischen Forschung wurde begleitend zur Veranstaltung ein Review-Kompendium in der Zeitschrift Circulation Research veröffentlicht, das den Stand der Wissenschaft an der Schnittstelle zwischen Kardioimmunologie, Herzgesundheit und Herzerkrankungen zusammenfasst. Noch gibt es keine eigene Fachgesellschaft, kein Publikationsorgan und keine regelmäßig stattfindenden internationalen Tagungen, die sich ausschließlich der Kardioimmunologie widmen. Den Anfang machte das Universitätsspital Zürich, das vor zwei Jahren den ersten Kardioimmunologie-Kongress im Kloster Ittingen in der Schweiz ausrichtete. Ein Jahr später folgte ein Symposium im amerikanischen Bar Harbor und nun, 2024, in Franken. „Die Notwendigkeit, den interdisziplinären Austausch zu fördern, und die Begeisterung, mit der diese wegweisenden Veranstaltungen von einer wachsenden Kardioimmunologie-Community aufgenommen wurden, haben uns dazu inspiriert, dieses Kompendium zu organisieren, dessen Struktur die Atmosphäre dieser Veranstaltungen widerspiegeln soll“, sagt Gustavo Ramos, der zusammen mit Prof. Dr. Ulrich Hofmann den SFB 1525 wissenschaftlich koordiniert.

Um einen regelmäßigen persönlichen wissenschaftlichen Austausch und die Berücksichtigung vielfältiger Forschungsperspektiven in diesem sich rasant entwickelnden Forschungsfeld zu gewährleisten, soll der Kongress Cardioimmunology künftig alle zwei Jahre an unterschiedlichen Orten von wechselnden akademischen Institutionen und Programmkommissionen ausgerichtet werden.

Text: Kirstin Linkamp / UKW 
 

Die Teilnehmenden stehen auf der Freitreppe vor dem Kloster Banz
Die Veranstaltung in Banz war in hohem Maß international besetzt, was sowohl die Teilnehmenden als auch die Referierenden anging. Bei den Vorsitzenden, Sprechenden und mehr als 50 Poster-Vortragenden gab es ein ausgewogenes Verhältnis hinsichtlich des Geschlechts, des Karrierestands und des Herkunftslandes. © Iris Hoffmann / UKW
Teilnehmer hält Programm des Kongresses hoch, im Hintergrund ist das Kloster Banz zu sehen.
Der Kongress Cardioimmunology Würzburg 2024 stellte fortschrittliche Forschung an der Schnittstelle von Immunologie und Kardiologie in den Mittelpunkt und bot einen Einblick in die neuesten Fortschritte bei der Steuerung therapeutischer Interventionen bei Herzentzündungen. Das Verständnis der Dynamik und die Beeinflussung der Interaktionen zwischen angeborenen und adaptiven Immunzellen, Kardiomyozyten und kardialen Stromazellen sind vielversprechend für die Entwicklung zukünftiger Therapien für Patientinnen und Patienten mit Kardiomyopathie und Herzinsuffizienz. © Dr. Giulia Germena (Göttingen)
Cover des Journals Circulation Research
Das vom Cardioimmunology Congress inspirierte Review-Kompendium von Circulation Research erhielten alle Teilnehmenden in gedruckter Form. Mehrere Mitglieder des Editorial Boards der Zeitschrift nahmen am Kongress in Kloster Banz https://www.ahajournals.org/toc/res/134/12

III. Kardioimmunologisches Retreat in Rothenburg o.d.T.

Interessante Forschungsergebnisse und beste Laune dominierten das dritte Retreat des kardioimmunologischen Sonderforschungsbereichs (SFB) 1525 vom 29.02. bis 01.03 2024 inmitten des mittelalterlichen Städtchens Rothenburg.

Durchwegs gutgelaunt und zufrieden zeigten sich die Teilnehmenden des dritten SFB 1525-Retreats beim Abschlussfoto in barocker Kulisse.

An zwei Tagen tauschten sich die rund 80 Mitglieder des SFB 1525 in der Tagesstätte Wildbad über Zwischenstände, weitere Vorhaben und vorliegende Ergebnisse aus, die sich alle um Zusammenhänge und Abläufe von Entzündungsreaktionen und immunologische Prozesse ranken, die bei unterschiedlichen Herzerkrankungen ausgelöst werden.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die wissenschaftlichen Vorträge zum Thema „Interaktionen zwischen Herz und Immunsystem“ aus den einzelnen Projektgruppen. Darüber hinaus stellten auch die drei   Nachwuchswissenschaftlerinnen Diyaa Ashour, Marie Piollet und Sarah Schäfer die Forschungsergebnisse ihrer eigenen Projekte vor, die inhaltlich im Zusammenhang mit dem SFB 1525 stehen und interessante Aspekte lieferten.

Gastbeiträge aus verschiedenen Fachbereichen der Universität Würzburg rundeten das Programm ab: Sowohl Prof. Dr. rer. nat. Dominic Grün, Physiker am Institut für Systembiologie, als auch Prof. Dr. rer. nat.  Katrin Streckfuß-Bömecke, Biologin am Institut für Pharmakologie und Toxikologie, als auch Monika Litvinukova, Juniorgruppenleiterin am Institut für Systemimmunologie und neue Juniorwissenschaftlerin des SFB 1525 erforschen Herzzellen aus unterschiedlichen Perspektiven und mit unterschiedlichen Fragestellungen. Durch ihre Ausführungen und der Präsentation der Ergebnisse aus ihren Arbeitsgruppen beflügelten sie den interdisziplinären Austausch.

In heimeliger Atmosphäre und bei leckerem Essen konnten abends die neuen Eindrücke in lockeren Gesprächen verarbeitet und weiter vertieft werden. Alle freuen sich auf das vierte Retreat im Jahr 2025, das dann im Juni stattfinden wird.

Durchwegs gutgelaunt und zufrieden zeigten sich die Teilnehmenden des dritten SFB 1525-Retreats beim Abschlussfoto in barocker Kulisse.

Anschrift

Medizinische Klinik und Poliklinik I, Universitätsklinikum Würzburg, Zentrum für Innere Medizin (ZIM), Oberdürrbacher Straße 6, Haus A3, 97080 Würzburg, Deutschland 

Deutsches Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg | Comprehensive Heart Failure Center | Am Schwarzenberg 15 | Haus A15 | 97078 Würzburg