Genomischer „Arztbrief“ gegen resistente Myelomzellen

Diese multizentrische Studie zeigt, wie sich Resistenzmechanismen beim hepta-refraktären Multiplen Myelom mithilfe der Gesamtgenomsequenzierung entschlüsseln lassen. Die vollständige genetische Analyse ermöglicht eine Art Spurensuche nach allen bisherigen Behandlungen.

Viele Therapien hinterlassen im Erbgut der Krebszellen charakteristische Veränderungen. Diese „genomischen Spuren“ können wie ein individueller Behandlungsverlauf gelesen werden – vergleichbar mit einem digitalen oder „genomischen Arztbrief“. Dadurch lässt sich nachvollziehen, welche Medikamente bereits eingesetzt wurden und ob die Tumorzellen gegen bestimmte Wirkstoffe resistent geworden sind.

Besonders relevant ist, dass die Analyse nicht nur Resistenz bestätigt, sondern in manchen Fällen auch noch mögliche Angriffspunkte für weitere Therapien aufzeigt. Das bedeutet: Auch wenn Standardtherapien versagen, können einzelne Behandlungsoptionen unter Umständen erneut wirksam sein, wenn die passenden Zielstrukturen im Tumor noch vorhanden sind.

Die in der Fachzeitschrift Leukemia veröffentlichte Studie belegt zum Beispiel: Sind Zielantigene wie BCMA oder GPRC5D noch vorhanden, kann eine erneute Immuntherapie wirksam sein – ein wichtiger Schritt hin zu präziserer Therapieentscheidung selbst nach sieben Vortherapien.

Zur Pressemeldung 

Publikation: C. Riedhammer, M. Truger, H. Lee, LB Leypoldt, M. Meggendorfer, S. Hutter, H. Müller, J. Mersi, SK Kadel, T. Buchwald, R. Kosch, M. Helal, N. Afrin, A. Rosenwald, E. Gerhard-Hartmann, A. Brioli, J. Krönke, T. Haferlach, C. Haferlach, KC Weisel, P. Neri, H. Einsele, KM Kortüm, JM Waldschmidt, N. Bahlis, N. Weinhold & L. Rasche. The evolution to hepta-refractory myeloma involves sequential loss of CD38, BCMA and GPRC5D. Leukemia (2026). https://doi.org/10.1038/s41375-026-02889-3

Die beiden Forschenden auf der Terrasse des UKW
Christine Riedhammer und Leo Rasche vom Myelomzentrum des UKW zeigen in der multizentrischen Studie, wie sich Resistenzmechanismen beim hepta-refraktären Multiplen Myelom mithilfe der Gesamtgenomsequenzierung entschlüsseln lassen. © Kirstin Linkamp / UKW
Illustration
Hier wurde ein modifizierter Arztbrief eines Patienten mit hepta-refraktärem Myelom den Ergebnissen des Whole-Genome-Sequencing der Myelomzellen gegenübergestellt, um die therapiebedingten „Spuren” im Tumorerbgut zu verdeutlichen. Die Untersuchungsergebnisse zeigen auch, warum manche Folgetherapien wirkungslos geblieben sind: Die Schlüsselantigene, die als Angriffspunkte für die jeweiligen Therapien dienen, waren nicht mehr intakt. © Christine Riedhammer / UKW

Christine Riedhammer und Leo Rasche vom Myelomzentrum des UKW zeigen in der multizentrischen Studie, wie sich Resistenzmechanismen beim hepta-refraktären Multiplen Myelom mithilfe der Gesamtgenomsequenzierung entschlüsseln lassen. © Kirstin Linkamp / UKW

Hier wurde ein modifizierter Arztbrief eines Patienten mit hepta-refraktärem Myelom den Ergebnissen des Whole-Genome-Sequencing der Myelomzellen gegenübergestellt, um die therapiebedingten „Spuren” im Tumorerbgut zu verdeutlichen. Die Untersuchungsergebnisse zeigen auch, warum manche Folgetherapien wirkungslos geblieben sind: Die Schlüsselantigene, die als Angriffspunkte für die jeweiligen Therapien dienen, waren nicht mehr intakt. © Christine Riedhammer / UKW