Growth differentiation factor-15 (GDF-15) als vielversprechender Biomarker beim lokal begrenztem, nicht-metastasiertem Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom)

Von allen Krebserkrankungen hat Bauchspeicheldrüsenkrebs - in der Fachsprache auch duktales Adenokarzinom des Pankreas (PDAC) genannt - weiterhin die ungünstigste Prognose.

Zum Zeitpunkt der Diagnose befinden sich etwa ein Viertel bis ein Drittel der Betroffenen in einem Stadium, in dem sich der Tumor zwar noch nicht im Körper ausgebreitet hat, aber bereits stark in das umliegende Gewebe hineingewachsen ist, also lokal fortgeschritten ist. Man spricht vom LAPC (engl. locally advanced pancreatic cancer). 

Die vollständige operative Entfernung (R0-Resektion) des Tumors gilt als einzige Möglichkeit auf Heilung, ist jedoch nur bei sehr wenigen Patientinnen und Patienten möglich (unter 5 Prozent). Eine vorgeschaltete (neoadjuvante) Behandlung mit einer Kombination aus Chemotherapeutika erhöht die R0 Resektionsrate, also die Chance, den Tumor später operativ vollständig zu entfernen, wodurch sich  die einzige Möglichkeit auf Heilung eröffnet. 

Kriterien oder Biomarker, die dabei helfen festzulegen, welche Patientinnen und Patienten von einer Operation profitieren könnten, sind jedoch rar. Die Arbeitsgruppe Kunzmann aus der Medizinischen Klinik und Poliklinik II zeigte nun, dass der in vielen soliden Tumoren überexprimierte Wachstums- und Differenzierungsfaktor GDF-15 (GDF für Growth differentiation factor) ein großes prognostisches und prädiktives Potential als neuer, klinisch-relevanter und nicht-invasiver Biomarker für Patientinnen und Patienten mit LAPC hat.

Im Rahmen einer Begleitstudie zur NEOLAP-1 Studie (AIO-PAK-0113) wurden GDF-15 Serumspiegel bei Patientinnen und Patienten mit LAPC zum Zeitpunkt vor und nach Kombinationschemotherapie bestimmt und sowohl mit dem Überleben als auch der sekundären R0 Resektionsrate verglichen. Diejenigen mit einem GDF-15 Serumspiegel unter 0,8ng/ml vor Therapiebeginn zeigten einen signifikanten Überlebensvorteil gegenüber denjenigen mit einem GDF-15 Serumspiegel über 0,8ng/ml (medianes Überleben: 21,92 Monate versus 12,68 Monate). Des Weiteren zeigte sich, dass bei Personen mit einem niedrigen baseline GDF-15 Spiegel in 36,5% der Fälle nach der Therapie eine komplette chirurgische Tumorentfernung durchgeführt werden konnte, während die sekundäre R0 Resektionsrate bei Personen mit höheren GDF-15 Ausgangsspiegeln nur bei 11,9% lag.

Publikation: B. Kimmel, S.T. Löhnert, F. Wedekink, M. Günther, S. Ormanns, I. Hartlapp, J. Siveke, G. Siegler, S. Boeck, H. Algül, U. Martens, F. Kullmann, T. Ettrich, S. Held, F. Anger, C.-T. Germer, V. Heinemann, J. Wischhusen, V. Kunzmann. Growth differentiation factor-15 (GDF-15) in localized pancreatic adenocarcinoma treated with multiagent chemotherapy: a biomarker analysis from the NEOLAP trial (AIO-PAK-0113), ESMO Gastrointestinal Oncology, Volume 11, 2026, 100274, ISSN 2949-8198, https://doi.org/10.1016/j.esmogo.2025.100274

Collage mit drei mikroskopischen Aufnahmen
Die drei mikroskopischen Aufnahmen zeigen beispielhafte immunhistochemische (IHC) Färbungen für die GDF-15-Expression in Tumorproben (tGDF-15). (A) Plazenta (= Positivkontrolle), (B) negativ (Isotyp-Kontrolle) und (C) repräsentative positive GDF-15-Färbung in pankreatischen Tumorproben. Zum Ausgangszeitpunkt (Baseline, BL) zeigten 4 von 39 (10,3 %) Proben eine tGDF-15-Expression, verglichen mit 16 von 39 (41 %) nach der Induktionstherapie (Woche 16). Maßstabsbalken: 200 µm. Figure 4 in https://doi.org/10.1016/j.esmogo.2025.100274

Die drei mikroskopischen Aufnahmen zeigen beispielhafte immunhistochemische (IHC) Färbungen für die GDF-15-Expression in Tumorproben (tGDF-15). (A) Plazenta (= Positivkontrolle), (B) negativ (Isotyp-Kontrolle) und (C) repräsentative positive GDF-15-Färbung in pankreatischen Tumorproben. Zum Ausgangszeitpunkt (Baseline, BL) zeigten 4 von 39 (10,3 %) Proben eine tGDF-15-Expression, verglichen mit 16 von 39 (41 %) nach der Induktionstherapie (Woche 16). Maßstabsbalken: 200 µm. Figure 4 in https://doi.org/10.1016/j.esmogo.2025.100274