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Wenn Pilze das Auge bedrohen

Pilzkeratitis besser verstehen und behandeln: DFG fördert interdisziplinäres Forschungsprojekt am UKW

Collage mit zwei Bildern, links ein gesundes menschliches Auge und rechts ein Auge mit einer Pilzinfektion trotz intensiver Therapie - vor der Pupille ist ein weißer Klecks, der die Sicht einschränkt.
Die Pilzkeratitis ist eine schwere Infektion der Hornhaut, die zu einer dauerhaften Sehbeeinträchtigung oder sogar zum Verlust des Auges führen kann. © Augenklinik UKW / Befundbibliothek
Collage der beiden Porträts der Wissenschaftler.
Dr. Malik Salman Haider (links) und Prof. Dr. Oliver Kurzai untersuchen im neuen DFG-Projekt die Mechanismen der Pilzinvasion der Hornhaut und entwickeln neue Ansätze für eine gezieltere Therapie der Pilzkeratitis. © UKW

Forschende aus Augenheilkunde unter der Leitung von Dr. Malik Salman Haider und Medizinischer Mikrobiologie unter der Leitung von Prof. Dr. Oliver Kurzai untersuchen die Mechanismen der Pilzinvasion der Hornhaut und entwickeln neue Ansätze für eine gezieltere Therapie.

Würzburg. Die Pilzkeratitis, eine durch Pilze verursachte Infektion der Hornhaut, gehört zu den schwerwiegendsten Erkrankungen der Augenoberfläche. Bei unzureichender Behandlung kann sie zu bleibenden Hornhautschäden, erheblichen Seheinschränkungen und im schlimmsten Fall zum Verlust des Sehvermögens führen.

Besonders gefährdet sind Kontaktlinsenträgerinnen und -träger, Menschen nach Augenverletzungen – insbesondere durch Pflanzenmaterial – sowie Personen mit vorgeschädigter Hornhaut oder geschwächtem Immunsystem. 

Die Behandlung gilt als besonders anspruchsvoll, da viele pilzhemmende Medikamente, sogenannte Antimykotika, die Hornhaut nur unzureichend durchdringen. Dadurch sind die Erreger am Infektionsort schwer zu erreichen. Die Folge sind langwierige Therapien mit sehr häufiger Anwendung der Medikamente, die für die Betroffenen belastend sind und dennoch nicht immer den gewünschten Erfolg bringen.

Mechanismen der Pilzinfektion

Hier setzt ein neues Forschungsprojekt der Universitätsmedizin Würzburg an, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit 500.000 Euro gefördert wird und die Kompetenzen aus den Bereichen Augenheilkunde, Entwicklung neuer Wirkstoffträgersysteme und Infektionsbiologie verbindet. Gemeinsam untersuchen Dr. Malik Salman Haider, Leiter der Forschungslabore in der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Würzburg (UKW), und Prof. Dr. Oliver Kurzai, Vorstand des Instituts für Hygiene und Mikrobiologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) und Leiter des Nationalen Referenzzentrums für invasive Pilzinfektionen (NRZMyk), wie Pilzerreger in die Hornhaut eindringen und welche Prozesse zur Schädigung des Gewebes führen. Im Fokus stehen dabei Fusarium-Pilze. Diese sind in der Umwelt weit verbreitete Schimmelpilze und zählen zu den häufigsten Erregern pilzbedingter Hornhautinfektionen. Entsprechend gehören Menschen, die beruflich häufig mit Erde und Pflanzenmaterial in Kontakt kommen, wie Gärtnerinnen und Gärtner oder Landwirtinnen und Landwirte, zu den besonders gefährdeten Gruppen. 

Polymerbasierte Nano-Wirkstoffträger für eine gezieltere Therapie

Parallel zu den Untersuchungen der biologischen Mechanismen der Pilzinfektion entwickeln die Forschenden neuartige Nano-Wirkstoffträger auf Polymerbasis. Diese sollen die Eigenschaften bestehender, klinisch relevanter Antimykotika verbessern und ihre Verfügbarkeit am Infektionsort in der Hornhaut erhöhen. Ihre Wirksamkeit wird in humanrelevanten In-vitro- und Ex-vivo-Modellen der Hornhautinfektion untersucht. Diese Modelle ermöglichen nicht nur eine realitätsnahe präklinische Prüfung der neuen Therapieansätze, sondern können auch dazu beitragen, den Bedarf an Tierversuchen in der augenheilkundlichen Forschung zu reduzieren.

Projekt bündelt Expertise aus Augenheilkunde, Biomaterialforschung, Arzneimittelentwicklung und Infektionsbiologie

„Durch die Verknüpfung mechanistischer Untersuchungen der Pilzinvasion mit der Entwicklung verbesserter antimykotischer Formulierungen wollen wir neue Erkenntnisse liefern und eine solide präklinische Grundlage für wirksamere Behandlungsmöglichkeiten der Pilzkeratitis schaffen“, fasst Oliver Kurzai das Projektvorhaben zusammen. Der Mediziner und Mikrobiologe bringt seine langjährige Forschungserfahrung in der Infektionsbiologie humanpathogener Pilze, der Pilzpathogenese und den Wechselwirkungen zwischen Erreger und Wirt ein. Im Projekt konzentriert er sich auf die biologischen Mechanismen der Pilzinfektion, während sich die Arbeitsgruppe von Malik Salman Haider den Strategien zur gezielten Wirkstoffabgabe und realitätsnahen Hornhautmodellen widmet. Haider ist Experte für polymere Wirkstoffträgersysteme, Biomaterialien, okuläres Tissue Engineering, primäre Zellkulturen des Auges sowie die Entwicklung fortschrittlicher In-vitro- und Ex-vivo-Modelle für die Augenheilkunde.

„Diese interdisziplinäre Kombination bietet eine hervorragende Grundlage, um die Pilzinvasion der Hornhaut erfolgreich zu untersuchen und verbesserte antimykotische Behandlungsstrategien zu entwickeln“, sagt Malik Salman Haider. „Unsere Ergebnisse könnten zur Entwicklung wirksamerer antimykotischer Augentropfen beitragen. Langfristig könnte dies die Behandlungsergebnisse verbessern, das Risiko eines Sehverlusts verringern und gezieltere sowie effizientere Therapiestrategien ermöglichen.“

Vorarbeiten

Das neue, von der DFG geförderte Projekt „Entschlüsselung der Pilzinvasion der Hornhaut und Verbesserung der Behandlung der Pilzkeratitis“ baut auf wichtigen Vorarbeiten am UKW und in Kooperation mit externen Partnern auf.

Eine zentrale Grundlage bildete das vom Interdisziplinären Zentrum für Klinische Forschung (IZKF) geförderte Projekt D-420 von PD Dr. Daniel Kampik und Prof. Dr. Oliver Kurzai. In diesem Projekt wurden wichtige wissenschaftliche und methodische Grundlagen für die Simulation der Pilzkeratitis in 3D-Hornhautmodellen geschaffen. Ergänzend dazu trugen die früheren Arbeiten und das große Engagement von Dr. Ronny Martin, Dr. Anna Zimmermann und Dr. Johanna Theuersbacher wesentlich zur Untersuchung von Pathomechanismen der infektiösen Keratitis in tissue-engineerten 3D-Hornhautmodellen bei.

Darüber hinaus war die enge Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC / Translationszentrum Regenerative Therapien, Würzburg, insbesondere mit der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Christian Lotz, von großer Bedeutung. In dieser Kooperation wurden humanrelevante, tissue-engineerte 3D-In-vitro-Hornhautmodelle entwickelt und charakterisiert, die eine realitätsnahe Untersuchung von Hornhautbiologie, Wundheilung und präklinischen Therapieansätzen ermöglichen.

Collage mit zwei Bildern, links ein gesundes menschliches Auge und rechts ein Auge mit einer Pilzinfektion trotz intensiver Therapie - vor der Pupille ist ein weißer Klecks, der die Sicht einschränkt.
Die Pilzkeratitis ist eine schwere Infektion der Hornhaut, die zu einer dauerhaften Sehbeeinträchtigung oder sogar zum Verlust des Auges führen kann. © Augenklinik UKW / Befundbibliothek
Collage der beiden Porträts der Wissenschaftler.
Dr. Malik Salman Haider (links) und Prof. Dr. Oliver Kurzai untersuchen im neuen DFG-Projekt die Mechanismen der Pilzinvasion der Hornhaut und entwickeln neue Ansätze für eine gezieltere Therapie der Pilzkeratitis. © UKW

Beim Würzburger Gesundheitstag dabei

Am 25. Juli 2026 findet erneut der Würzburger Gesundheitstag statt. Das Uniklinikum Würzburg ist wie gewohnt mit einem umfangreichen Informationsangebot dabei.

 

Stand des Uniklinikums mit blauen Pavillons, die mit dem UKW-Logo bedruckt sind, auf dem unteren Markt in der Würzburger Innenstadt
Das Uniklinikum Würzburg wird auch in diesem Jahr wieder auf dem Oberen Markt diverse Themen aus Therapie, Forschung, Prävention und Selbsthilfe präsentieren. © Susanne Just / UKW

Würzburg. Am Samstag, 25. Juli 2026 veranstaltet das Aktivbüro der Stadt Würzburg den 14. Würzburger Gesundheitstag. Wie von der alle zwei Jahre stattfindenden Aktion gewohnt, werden erneut Anbieter aus dem professionellen Gesundheitsbereich, Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen in der Innenstadt informieren, beraten und unterhalten. Das Uniklinikum Würzburg (UKW) beteiligt sich mit insgesamt fünf Infoständen am Oberen Markt. Zu den präsentierten Themen gehören Selbsthilfefreundlichkeit, Stammzell- und Organspende sowie die Aufgaben der Interdisziplinäre Biomaterial- und Datenbank Würzburg. Der Gesundheitstag geht von 10:00 bis 16:00 Uhr.

 

Text: Pressestelle UKW
 

Stand des Uniklinikums mit blauen Pavillons, die mit dem UKW-Logo bedruckt sind, auf dem unteren Markt in der Würzburger Innenstadt
Das Uniklinikum Würzburg wird auch in diesem Jahr wieder auf dem Oberen Markt diverse Themen aus Therapie, Forschung, Prävention und Selbsthilfe präsentieren. © Susanne Just / UKW

Eine der höchsten Ehrungen der Wissenschaft: Stefan Frantz wird Mitglied in der Leopoldina

Der Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik I am Universitätsklinikum Würzburg wurde in die Nationale Akademie der Wissenschaften aufgenommen

Porträt von Stefan Frantz, der dunkles Sacko, hellblaues Hemd und Fliege trägt
Prof. Dr. Stefan Frantz, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik I am UKW zählt nun zum Kreis der Mitglieder der Nationalen Akademie der Wissenschaften. © Thomas Berberich / UKW

Würzburg. Die Mitgliedschaft in der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina ist eine der wichtigsten Auszeichnungen in der Wissenschaft. Für seine herausragenden Beiträge zur Herz-Kreislauf-Forschung wählte das Präsidium nun Prof. Dr. Stefan Frantz als neues Mitglied in ihre Reihen. Der Aufnahme gingen die Nominierung durch ein bestehendes Mitglied sowie eine mehrstufige Prüfung seiner wissenschaftlichen Exzellenz voraus.

Mit der Aufnahme in die Leopoldina gehört der Kardiologe und Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik I am Universitätsklinikum Würzburg (UKW)  nun auch offiziell zu den führenden Wissenschaftlern seines Fachgebiets. Der 1652 gegründeten Gelehrtengesellschaft gehören derzeit insgesamt 1.751 Mitglieder aus Deutschland und der Welt an, die sich in verschiedenen Klassen und Fachsektionen engagieren. Gemeinsam verfolgen sie die beiden übergeordneten Aufgaben der Leopoldina: die Vertretung der deutschen Wissenschaft im Ausland und die Beratung von Politik und Öffentlichkeit.

Stefan Frantz: „Die Aufnahme in die Leopoldina ist für mich eine große Ehre und Auszeichnung. Besonders spannend finde ich die Möglichkeit, gemeinsam mit einer hochkarätigen, internationalen Gemeinschaft von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern über Fachgrenzen hinweg an wichtigen Zukunftsthemen zu arbeiten. Die beratende Funktion der Leopoldina für Politik und Gesellschaft bietet die Chance, wissenschaftliche Erkenntnisse in gesellschaftlich relevante Empfehlungen einfließen zu lassen. Mich reizt dabei vor allem der interdisziplinäre Ansatz, etwa wenn Themen wie Hitze und Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Heilung aus der Perspektive von Kardiologie, Dermatologie und weiteren Disziplinen gemeinsam betrachtet werden. Dass die Akademie ihren Sitz in Halle an der Saale hat, wo ich drei Jahre lang als Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin III tätig war, schafft für mich zudem eine besondere persönliche Verbindung.“

Der Kardiologe wird sich in der Leopoldina in der Fachsektion „Innere Medizin und Dermatologie“ engagieren. Als Herz-Kreislauf-Forscher beschäftigt er sich insbesondere mit kardiovaskulären Schnittstellen – also den Wechselwirkungen zwischen Herz, Immunsystem, Gehirn und weiteren Organsystemen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Mechanismen der Heilung und des Remodelings nach einem Myokardinfarkt sowie deren Bedeutung für die Entstehung und Progression der Herzinsuffizienz.

Werdegang von Prof. Dr. Stefan Frantz 

Stefan Frantz wurde 1970 in Freiburg im Breisgau geboren. Nach Schuljahren in Stuttgart und Paris legte er 1989 in München das Abitur ab. Sein Medizinstudium begann er mit einem Stipendium der Bayerischen Hochbegabtenförderung an der Universität Regensburg und setzte es nach dem Physikum an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU)  fort. Bereits seine Promotion im Jahr 1996 legte den Grundstein für seine translationale Forschung zu metabolischen Mechanismen kardiovaskulärer Erkrankungen und deren therapeutischer Modulation.

Von 1998 bis 2000 forschte Frantz mit einem Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in Boston (USA). Anschließend kehrte er an das Universitätsklinikum Würzburg (UKW) zurück, wo er seine Facharztausbildung absolvierte. 2005 erlangte er die Anerkennung als Facharzt für Innere Medizin, ein Jahr später habilitierte er sich und erhielt die Venia Legendi. Es folgten die Schwerpunktbezeichnung Kardiologie sowie die Zusatzbezeichnung Intensivmedizin.

2007 wurde Frantz Oberarzt auf der Intensivstation, 2009 übernahm er die Leitung der Zentralen Notaufnahme und Aufnahmestation. Weitere Meilensteine sind die W2-Professur für „Translationale Forschung“ (2011), die Direktion der Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin III an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) von 2014 bis 2017 sowie seit 2017 die Direktion der Medizinischen Klinik und Poliklinik I am UKW.

Darüber hinaus engagiert sich Frantz in zahlreichen wissenschaftlichen Leitungsfunktionen. Er ist stellvertretender Sprecher des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz (DZHI) sowie des Interdisziplinären Zentrums für Klinische Forschung (IZKF). Von 2021 bis 2025 war er stellvertretender Ärztlicher Direktor des UKW, seit 2026 ist er stellvertretender Dekan der Medizinischen Fakultät.

Zu den wichtigsten Meilensteinen seiner Karriere zählen die Mitgründung des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz sowie die erfolgreiche Einwerbung des Sonderforschungsbereichs SFB 1525, dessen Sprecher er seit 2022 ist.

Stefan Frantz ist verheiratet, Vater von drei Kindern und lebt mit seiner Familie in Würzburg.

Über die Leopoldina 

Charles Darwin, Marie Curie, Albert Einstein, aber auch Emmanuelle Charpentier, Christiane Nüsslein-Volhard, Svante Pääbo und Harald zur Hausen - sie alle waren oder sind Mitglieder der Leopoldina. Die Nationale Akademie der Wissenschaften zählt zu den ältesten und renommiertesten Wissenschaftsakademien der Welt. Als „Academia Naturae Curiosorum" 1652 in Schweinfurt gegründet, beschäftigten sich die ersten Mitglieder der „Akademie der Naturforscher“ vor allem mit medizinischen und naturwissenschaftlichen Fragen und trugen wesentlich zur wissenschaftlichen Aufklärung bei. Bis heute steht die Leopoldina, die seit 1878 ihren Hauptsitz in Halle an der Saale (Sachsen-Anhalt) hat, für wissenschaftliche Exzellenz und interdisziplinären Austausch. Um ihre Stärke der Akademie zu erhalten, wählt die Leopoldina jedes Jahr in einem mehrtägigen Auswahlverfahren etwa 50 neue Mitglieder. Die Mitglieder sind in Fachsektionen organisiert, die wiederum vier Klassen mit den Schwerpunkten Naturwissenschaften, Lebenswissenschaften, Medizin sowie Verhaltens-, Sozial- und Geisteswissenschaften zugeordnet sind. Unabhängig von wirtschaftlichen oder politischen Interessen erarbeiten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gesellschaftlich relevante Zukunftsthemen und beraten die deutsche Politik und internationale Institutionen in wichtigen Fragen. Ihre Stellungnahmen zu Themen wie Gesundheit, Klimawandel oder Technologie haben großes Gewicht. Darüber hinaus setzt sich die Leopoldina für die Achtung der Menschenrechte ein. 

Porträt von Stefan Frantz, der dunkles Sacko, hellblaues Hemd und Fliege trägt
Prof. Dr. Stefan Frantz, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik I am UKW zählt nun zum Kreis der Mitglieder der Nationalen Akademie der Wissenschaften. © Thomas Berberich / UKW

Visugromab überwindet Resistenz gegen Krebsimmuntherapie

Würzburger Antikörper zeigt langanhaltende Remissionen nach Versagen etablierter Krebsimmuntherapien

Das Bild zeigt wie der pink eingefärbten Antikörper den in vielen soliden Tumoren stark überexprimierte Wachstums- und Differenzierungsfaktor GDF-15 blockiert.
Der Antikörper Visugromab (dargestellt in pink) blockiert gezielt den Wachstums- und Differenzierungsfaktor 15 (GDF-15, dargestellt in orange). Durch die Neutralisierung von GDF-15 kann Visugromab das Immunsystem dabei unterstützen, Tumore effektiver anzugreifen und Resistenzen gegen Immuntherapien zu überwinden. © CatalYm
Grafische Abbildung über den Klinischen Kontext, den Resistenzmechanismus und die Intervention Visugromab plus Nivolumab.
Visugromab vermittelte GDF-15-Blockade re-sensibilisiert anti PD (L)1 refraktäre solide Tumoren für eine PD 1 Therapie. Links: Klinischer Kontext: intensiv vorbehandelte Patientinnen und Patienten mit nicht plattenepithelialem NSCLC, Urothelkarzinom und hepatozellulärem Karzinom, die zuvor nicht auf eine zugelassene Anti PD (L)1 Behandlung angesprochen hatten bzw. unter einer Anti PD (L)1 Behandlung progredient wurden. Mitte: Resistenzmechanismus – vom Tumor wird GDF-15 sezerniert, das die LFA 1 abhängige T Zell-Infiltration beeinträchtigt und zu einem immunsuppressiven Tumormikromilieu sowie zur Resistenz gegenüber PD 1/PD L1 Blockade beiträgt. Rechts: Intervention mit Visugromab (anti GDF-15) plus Nivolumab (anti PD 1) neutralisiert GDF 15, stellt die T Zell-Infiltration wieder her und verstärkt die Anti Tumor Immunität. Dies führt in der Phase 1/2a Studie GDFATHER 01 zu objektivem Ansprechen (ORR 14–19 %), tiefen und lang anhaltenden Remissionen (mediane Dauer des Ansprechens 28,8 verglichen mit 12,0 Monaten unter der vorangegangenen Anti PD (L)1 Therapie) und einem bemerkenswerten Anteil kompletter oder metabolisch vollständiger Remissionen bei den Respondern.

Langzeitdaten der internationalen GDFATHER-01-Studie belegen das Potenzial des in Würzburg entwickelten Anti-GDF-15-Antikörpers Visugromab bei Patientinnen und Patienten, deren Krebserkrankung auf etablierte Immuntherapien nicht mehr ansprach.

Würzburg. Tumoren können das Immunsystem austricksen, indem sie das Oberflächenprotein PD-L1 bilden. Bindet dieses Protein an den PD-1-Rezeptor auf T-Zellen, wird deren Angriff auf den Tumor gebremst. Moderne Immuntherapien lösen diese Bremse und reaktivieren so die körpereigene Krebsabwehr. Dennoch sprechen viele Patientinnen und Patienten nicht ausreichend auf diese Behandlung an. Ein Grund dafür sind weitere immunsuppressive Mechanismen, wie der von vielen Tumoren produzierte Botenstoff GDF-15. Die tumorimmunologische Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Jörg Wischhusen an der Würzburger Frauenklinik konnte gemeinsam mit ihrem Spin-off CatalYm in präklinischen Modellen demonstrieren, dass eine Blockade von GDF-15 die Wirksamkeit etablierter Immuntherapien deutlich verstärken kann. Der in Würzburg entwickelte Antikörper Visugromab erzielte nun in einer internationalen Phase‑I/II‑Studie langanhaltende Tumorremissionen bei Patientinnen und Patienten, bei denen etablierte Immuncheckpoint-Therapien bereits versagt hatten. Die Langzeitdaten der sogenannten GDFATHER‑01‑Studie wurden im renommierten Journal of Hematology & Oncologyveröffentlicht.

„Wir sehen hier erstmals im großen klinischen Maßstab, dass die gezielte Blockade von GDF-15 bei einer Patientengruppe wirkt, für die es bislang kaum noch überzeugenden Therapieoptionen gab“, kommentiert Jörg Wischhusen. „Dass viele dieser Remissionen über Jahre stabil bleiben, ist aus Sicht eines Tumorimmunologen ein sehr starkes Signal.“ 

In der Phase-I/II-Studie wurde Visugromab in Kombination mit dem PD-1-Blocker Nivolumab bei stark vorbehandelten Patientinnen und Patienten mit nicht kleinzelligem Lungenkrebs, Urothelkarzinom und Leberkrebs eingesetzt. Alle Studienteilnehmenden hatten zuvor nicht oder nur vorübergehend auf eine Anti-PD-1 beziehungsweise Anti-PD-L1-Immuntherapie angesprochen (Anti-PD-(L)1-Relaps bzw. -Refraktär). 

Außergewöhnliche Wirksamkeit trotz Immuntherapie-Resistenz

Die Kombination aus Visugromab (10 mg/kg) und Nivolumab (240 mg), die alle zwei Wochen bis zum Auftreten von Progress oder Unverträglichkeit verabreicht wurde, zeigte eine vielversprechende Wirksamkeit. So lagen die objektiven Ansprechraten in allen drei untersuchten Tumorentitäten bei rund 14 bis 19 Prozent. Besonders bemerkenswert war die mediane Dauer des Ansprechens von 28,8 Monaten, die damit mehr als doppelt so lang war wie unter der ursprünglichen Standard-Immuntherapie mit 12,0 Monaten. Zudem erreichten 61,5 Prozent der Patientinnen und Patienten, die auf die Behandlung ansprachen, eine vollständige radiologische oder metabolische Remission. Sieben der acht Komplettremissionen bestanden zum Zeitpunkt der Auswertung weiterhin.

„Für ein so schwer vorbehandeltes, als immuntherapie-refraktär definiertes Kollektiv sind Tiefe und Dauer der beobachteten Remissionen außergewöhnlich“, berichtet Dr. Maria Elisabeth Goebeler, Leiterin der Early Clinical Trial Unit (ECTU) des Comprehensive Cancer Centers und der Medizinischen Klinik II am UKW, in der die Patienten behandelt wurden. „Dass viele dieser Remissionen über mehr als zwei Jahre anhalten und häufig ausgeprägter sind als die ursprüngliche Antwort auf die erste Immuntherapie, spricht stark für eine echte Überwindung von Resistenzmechanismen.“

Internationale Studie ebnet den Weg für weitere klinische Entwicklung

Die GDFATHER-01-Studie wurde an mehreren Zentren in Spanien, Deutschland, der Schweiz und Italien durchgeführt. Neben der Würzburger Arbeitsgruppe waren an dem Programm auch Prof. Dr. Ralf Bargou (Lehrstuhl für Translationale Onkologie am UKW und Direktor des Comprehensive Cancer Center Mainfranken) im Advisory Board, der international koordinierende Studienleiter Prof. Ignacio Melero (Pamplona/Oxford) und Prof. Dr. Eugen Leo, damaliger Chief Medical Officer des Unternehmens CatalYm, beteiligt. Leo bewertet insbesondere die lange Dauer der Remissionen und das günstige Sicherheitsprofil als wichtige Grundlage für die weitere klinische Entwicklung.  

Die Entwicklung von Visugromab wird bereits in weiteren Studien fortgesetzt, wie zum Beispiel in der Erstlinientherapie des nicht kleinzelligen Lungenkarzinoms sowie neoadjuvant bei muskelinvasivem Blasenkrebs (GDFATHER NEO). Erste Daten lassen erwarten, dass die Kombination mit Nivolumab die Ansprechraten und die Häufigkeit pathologischer Komplettremissionen auch bei immuntherapie-naiven Patientinnen und Patienten deutlich erhöhen kann. Darüber hinaus wird am UKW eine Kachexiestudie vorbereitet. Hier soll Visugromab gegen den unkontrollierten Gewichtsverlust und Muskelschwund eingesetzt werden, der häufig als Begleiterkrankung von Krebs auftritt.  

Translationale Immunonkologie aus Würzburg

Die Entwicklung von Visugromab und die maßgebliche Beteiligung an seiner klinischen Prüfung verdeutlichen exemplarisch die Stärke der translationalen Immunonkologie in Würzburg. Hier werden Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung konsequent in neue Therapieansätze und frühzeitig in klinische Studien überführt. 

Prof. Dr. Hermann Einsele, Direktor der Medizinischen Klinik II und Sprecher des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen NCT WERA, resümiert: „Die jetzt publizierten Ergebnisse zeigen exemplarisch, wie aus einer grundlagenwissenschaftlichen Idee in Würzburg ein international klinisches Entwicklungsprogramm entstehen kann. Für unsere Patientinnen und Patienten eröffnen sich damit langfristig zusätzliche Therapieoptionen in Situationen, in denen klassische Immuntherapien bislang an ihre Grenzen stoßen.“

Publikation: Melero I, de Miguel M, Garralda Cabanas E, et al. Long-term follow-up of a phase 1/2 trial of anti-GDF-15 antibody visugromab plus anti-PD-1 antibody nivolumab in anti-PD-1/-L1 relapsed/refractory solid tumors. J Hematol Oncol. 2026; Article in Press. doi:10.1186/s13045-026-01818-2

Das Bild zeigt wie der pink eingefärbten Antikörper den in vielen soliden Tumoren stark überexprimierte Wachstums- und Differenzierungsfaktor GDF-15 blockiert.
Der Antikörper Visugromab (dargestellt in pink) blockiert gezielt den Wachstums- und Differenzierungsfaktor 15 (GDF-15, dargestellt in orange). Durch die Neutralisierung von GDF-15 kann Visugromab das Immunsystem dabei unterstützen, Tumore effektiver anzugreifen und Resistenzen gegen Immuntherapien zu überwinden. © CatalYm
Grafische Abbildung über den Klinischen Kontext, den Resistenzmechanismus und die Intervention Visugromab plus Nivolumab.
Visugromab vermittelte GDF-15-Blockade re-sensibilisiert anti PD (L)1 refraktäre solide Tumoren für eine PD 1 Therapie. Links: Klinischer Kontext: intensiv vorbehandelte Patientinnen und Patienten mit nicht plattenepithelialem NSCLC, Urothelkarzinom und hepatozellulärem Karzinom, die zuvor nicht auf eine zugelassene Anti PD (L)1 Behandlung angesprochen hatten bzw. unter einer Anti PD (L)1 Behandlung progredient wurden. Mitte: Resistenzmechanismus – vom Tumor wird GDF-15 sezerniert, das die LFA 1 abhängige T Zell-Infiltration beeinträchtigt und zu einem immunsuppressiven Tumormikromilieu sowie zur Resistenz gegenüber PD 1/PD L1 Blockade beiträgt. Rechts: Intervention mit Visugromab (anti GDF-15) plus Nivolumab (anti PD 1) neutralisiert GDF 15, stellt die T Zell-Infiltration wieder her und verstärkt die Anti Tumor Immunität. Dies führt in der Phase 1/2a Studie GDFATHER 01 zu objektivem Ansprechen (ORR 14–19 %), tiefen und lang anhaltenden Remissionen (mediane Dauer des Ansprechens 28,8 verglichen mit 12,0 Monaten unter der vorangegangenen Anti PD (L)1 Therapie) und einem bemerkenswerten Anteil kompletter oder metabolisch vollständiger Remissionen bei den Respondern.

Entzündungsprozesse verbinden Niere und Herz

Oxalsäure löst eine Entzündung aus, die sowohl chronische Nieren- als auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen fördert

 

das Oxalat leuchtet lila in der Aufnahme der Nierenrinde, die wie ein Hörnchen aussieht.
Eine oxalatreiche Ernährung löste bei Mäusen systemische Entzündungen und Herzschäden aus. Hier leuchtet das Oxalat als kristallbildender Stoff im polarisierten Licht in der Nierenrinde. © Martin Reichel / Charité - Universitätsmedizin Berlin

Oxalsäure könnte bei Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion ein bislang unterschätzter Treiber von Entzündungen und Herzschäden sein und nicht nur zur Bildung von Nierensteinen beitragen. In „Cardiovascular Research“ berichten Forschende aus Berlin und Würzburg, dass erhöhte Spiegel mit IL-17A-vermittelter Entzündung, zellulärem Stoffwechsel und kardiorenaler Organschädigung verbunden sind.

Berlin/Würzburg. Menschen mit einer chronischen Nierenerkrankung (Chronic Kidney Disease, CKD) haben ein deutlich erhöhtes Risiko an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben. Außerdem leiden sie unter einer chronischen Entzündungsreaktion, deren Ursachen bislang nur teilweise verstanden sind. Oxalsäure (Oxalat) ist bisher vor allem durch seine Rolle bei der Entstehung von Nierensteinen bekannt. Das Molekül ist ein natürlicher Stoffwechselbestandteil des Körpers, kommt in bestimmten Lebensmitteln vor und wird normalerweise über die Nieren mit dem Urin ausgeschieden. Bei eingeschränkter Nierenfunktion reichert sich Oxalat jedoch im Körper an und kann Entzündungsprozesse vorantreiben. 

Die Experimentelle Biomedizin II am Uniklinikum Würzburg (UKW) untersuchte gemeinsam mit dem Experimental and Clinical Research Center (ECRC), einer Kooperation von Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Max Delbrück Center in Berlin, die immunologischen Mechanismen, die eine oxalatbedingte Nierenschädigung mit systemischer Entzündung sowie Herz-Kreislauf-Schäden verbinden.

Oxalatreiche Ernährung löste bei Mäusen systemische Entzündungen und Herzschäden aus

„In unserem Forschungsprojekt aktivierte eine mit Oxalat angereicherte Ernährung bei Mäusen das Immunsystems systemisch. Das heißt, die Entzündungsprozesse breiteten sich im ganzen Körper aus. Es kam nicht nur zu einer Nierenschädigung, sondern auch zu krankhaften Veränderungen des Herzens, die die Herzfunktion reduzierten“, berichtet Dr. Hendrik Bartolomaeus. Der Wissenschaftler im Team von Prof. Dr. Alma Zernecke-Madsen am UKW teilt sich mit Privatdozent Dr. Nicola Wilck vom ECRC die Letztautorenschaft der Studie, die jetzt in der Fachzeitschrift „Cardiovascular Research“ veröffentlicht wurde. Bartolomaeus hatte zuvor in Wilcks Labor gearbeitet.

Je mehr Oxalat, desto mehr entzündungsfördernde Immunzellen

Als zentral identifizierte das Team das Zytokin Interleukin-17A (IL-17A). IL-17A wird von bestimmten Immunzellen gebildet und kann Entzündungen verstärken. Die Forschenden fanden heraus, dass Oxalat die Bildung von IL-17A förderte und den Energiestoffwechsel von Immunzellen störte. Erhöhte IL-17A-Spiegel fanden die Forschenden auch bei Patientinnen und Patienten mit einer seltenen, erblich bedingten Stoffwechselstörung, der primären Hyperoxalurie, bei der die Leber durch Enzymdefekte zu viel Oxalat produziert.

Therapeutische Blockade von IL-17A reduzierte im Mausmodell die Entzündung und mildert Nieren- und Herzschäden 

Im nächsten Schritt ging das Team der Frage nach, was passiert, wenn IL-17A gezielt blockiert wird. „Im Tiermodell verbesserten sich gleich mehrere Krankheitszeichen“, sagt Nicola Wilck. „Die Nieren der Mäuse funktionierten besser, Entzündungen und Fibrose gingen zurück und das Herz wurde weniger geschädigt. Damit beschreiben wir eine potenziell therapeutisch adressierbare Achse: Oxalat–IL-17A–kardiorenale Schädigung.“ Die Studie verbindet also erhöhte Oxalatspiegel mechanistisch mit IL-17A-vermittelter Entzündung, zellulärem Stoffwechsel und kardiorenaler Organschädigung.

„Unterm Strich zeigen unsere Ergebnisse, dass Oxalat nicht nur die Nieren schädigt, sondern über IL-17A und Entzündungsprozesse auch zur Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beitragen kann“, fasst Erstautor Moritz Wimmer vom ECRC zusammen. „Oxalat kann somit nicht mehr nur als kristallbildender Stoff, der lokal die Nieren schädigt, betrachtet werden. Es ist vielmehr eine systemische Belastung für das Immunsystem und den Metabolismus.“

Neue Perspektiven für entzündungshemmende Therapien

Klinisch bedeutet das: Erhöhte Oxalatspiegel belasten möglicherweise nicht nur die Niere, sondern über Entzündungsprozesse auch direkt das Herz-Kreislauf-System. Somit könnte die Arbeit dazu beitragen, insbesondere nierenkranke Patientinnen und Patienten mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko besser zu identifizieren, Biomarker gezielter zu interpretieren und neue entzündungshemmende Therapiestrategien zu entwickeln.

Große Patientenkohorten sollen Erkenntnisse zu Oxalat und Herzrisiken bestätigen

Wie geht es weiter? Ko-Autoren der aktuellen Arbeit – Prof. Felix Knauf und sein Team von der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der Mayo Clinic – konnten bereits in großen Patientenkohorten zeigen, dass Oxalatwerte bei Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion häufig erhöht sind. Zudem waren hohe Oxalatwerte mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Komplikationen verbunden. In einem nächsten Schritt möchten die Forschenden nun untersuchen, ob die von ihnen identifizierten Entzündungsmechanismen auch in größeren Kohorten von Patientinnen und Patienten mit CKD nachweisbar sind. Dazu analysieren sie aktuell Daten zu systemischer Entzündung, CKD-Krankheitsverlauf und kardiovaskulären Komplikationen. Hendrik Bartolomaeus sagt: „Ein zentraler Aspekt wird sein, inwieweit die beobachtete IL-17A-vermittelte Entzündungsachse spezifisch für Oxalat ist. Vielleicht tragen auch bei anderen Ursachen für eine Nierenerkrankung ähnliche Mechanismen zur Entstehung kardiovaskulärer Schäden bei.“ Nicola Wilck ergänzt: „Langfristig möchten wir so besser verstehen, welche Entzündungswege bei chronisch geschädigter Niere therapeutisch adressierbar sind und welche Patientinnen und Patienten hiervon besonders profitieren könnten.“

Das Projekt wurde gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen der Sonderforschungsbereiche (SFB) 1365 "Renoprotection" und SFB 1470 „HFpEF“ sowie vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen des TAhRget Verbundprojekts.

Publikation: Moritz I Wimmer, Martin Reichel, Arne Thiele, Alex Yarritu, Ariana Matz-Rauch, Harithaa Anandakumar, Luisa Hernandez Götz, Till Robin Lesker, Olena Potapenko, Natnael Gebremedhin, Wibke Anders, Sarah V Liévano Contreras, Rongling Wang, Felix Behrens, Bernd Hoppe, Olivia Nonn, Gabriele G Schiattarella, Franz Schaefer, Johannes Holle, Till Strowig, Alma Zernecke, Kai-Uwe Eckardt, Felix Knauf, Nicola Wilck, Hendrik Bartolomaeus, Interleukin-17A mediates cardiorenal injury in oxalate nephropathy, Cardiovascular Research, 2026; cvag158, https://doi.org/10.1093/cvr/cvag158

das Oxalat leuchtet lila in der Aufnahme der Nierenrinde, die wie ein Hörnchen aussieht.
Eine oxalatreiche Ernährung löste bei Mäusen systemische Entzündungen und Herzschäden aus. Hier leuchtet das Oxalat als kristallbildender Stoff im polarisierten Licht in der Nierenrinde. © Martin Reichel / Charité - Universitätsmedizin Berlin

Mehr Wirksamkeit und Sicherheit für die CAR-T-Zelltherapie: Vogel Stiftung fördert Würzburger Forschung

Für seine Forschung an der Optimierung von CAR-T-Zelltherapien wird der Mediziner Dr. Lukas Scheller vom Lehrstuhl für Zelluläre Immuntherapie an der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Universitätsklinikums Würzburg mit 70.000 EUR von der Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp gefördert.

Gunther Schunk übergibt großen Scheck an Lukas Scheller, daneben steht Michael Hudecek.
Scheckübergabe am 6. Juli 2026 am UKW-Lehrstuhl für Zelluläre Immuntherapie, v.l.n.r.: Dr. Gunther Schunk (Vogel Stiftung), Dr. Lukas Scheller (Universitätsklinikum Würzburg), Prof. Dr. Michael Hudecek (Universitätsklinikum Würzburg). © Christina Bornschein / UKW

Würzburg. Die CAR-T-Zelltherapie hat die Behandlung von Blutkrebs und weiteren Erkrankungen revolutioniert: Körpereigene T-Zellen werden im Labor so verändert, dass sie Krebszellen gezielt erkennen und bekämpfen können. Begleitmedikamente können die Therapiewirkung jedoch verändern oder das Risiko von Nebenwirkungen erhöhen. In dem von der Vogel Stiftung mit 70.000 Euro geförderten Projekt wird Dr. Lukas Scheller diese Zusammenhänge analysieren.

Viele Patientinnen und Patienten nehmen neben der CAR-T-Zelltherapie weiterhin ihre gewohnten Medikamente ein, die ihnen ihr Hausarzt verschrieben hat. Lukas Scheller geht der Frage nach, ob diese Medikamente die Wirkung und Sicherheit der CAR-T-Zelltherapie beeinflussen. „Wir freuen uns sehr über die Förderung der Vogel Stiftung. Sie ermöglicht es uns, den Einfluss bestimmter Medikamente auf den Therapierfolg zu verstehen und anschließend neue Lösungen entwickeln. Dazu gehört zum Beispiel, die Medikamente der Patientinnen und Patienten vor Beginn der Therapie anzupassen oder bestimmte Begleitmedikationen zu entwickeln,“ erklärt der Wissenschaftler.

Doch nicht nur der Therapieerfolg ist entscheidend, auch die Sicherheit der Patientinnen und Patienten steht im Fokus. So widmet sich Lukas Scheller der Frage, ob sich mögliche Nebenwirkungen der CAR-T-Zelltherapie bereits vor der Behandlung erkennen lassen. Dazu analysiert er Blutproben auf bestimmte körpereigene Stoffe, sogenannte Biomarker, die Hinweise auf ein erhöhtes Risiko geben können. Gleichzeitig erforscht er, wie Immunzellen und Blutgefäßzellen miteinander kommunizieren und welchen Einfluss diese Prozesse auf die Therapie mit CAR-T-Zellen haben.

Etablierte CAR-T-Zelltherapie soll noch wirksamer und sicherer werden

Das neue Projekt wird in den Laboren am von Prof. Michael Hudecek geleiteten Lehrstuhl für Zelluläre Immuntherapie am Universitätsklinikum Würzburg durchgeführt. „Durch die Kombination aller Ergebnisse könnten wir die Ursachen von Wirkungen und Nebenwirkungen noch besser verstehen, sie frühzeitig erkennen und steuern, um die CAR-T-Zelltherapie noch wirksamer und sicherer zu machen,“ fasst der CAR-T-Zell-Experte zusammen. 

Dr. Gunther Schunk, Vorstandsvorsitzender der Vogel Stiftung betont bei der Scheckübergabe am Universitätsklinikum: „Die CAR-T-Zelltherapie zählt zu den vielversprechendsten Innovationen der modernen Krebsmedizin. Wir freuen uns, mit unserer Förderung dazu beizutragen, dass diese wirkungsvollen Forschungsansätze ausgeweitet, wissenschaftlich validiert und langfristig zum Nutzen der Patientinnen und Patienten weiterentwickelt werden können.“

Über den Lehrstuhl für Zelluläre Immuntherapie

Der Mediziner Dr. Lukas Scheller forscht am Lehrstuhl für Zelluläre Immuntherapie von Prof. Dr. Michael Hudecek an der von Prof. Dr. Hermann Einsele geleiteten Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Universitätsklinikums Würzburg. Der Lehrstuhl arbeitet eng mit dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) WERA zusammen, um neue CAR-T-Zelltherapien möglichst schnell in die klinische Anwendung zu überführen.

Text: Christina Bornschein / UKW 

Gunther Schunk übergibt großen Scheck an Lukas Scheller, daneben steht Michael Hudecek.
Scheckübergabe am 6. Juli 2026 am UKW-Lehrstuhl für Zelluläre Immuntherapie, v.l.n.r.: Dr. Gunther Schunk (Vogel Stiftung), Dr. Lukas Scheller (Universitätsklinikum Würzburg), Prof. Dr. Michael Hudecek (Universitätsklinikum Würzburg). © Christina Bornschein / UKW

Hightech für scharfe Diagnosen: EyeSi-Simulatoren revolutionieren Lehre und augenärztliche Ausbildung am UKW

Zwei hochmoderne Simulatoren für Spaltlampenuntersuchung und Fundoskopie

Andreas Berlin steht zwischen den Simulatoren, an der Spaltlampe sitzt eine Aussistenzärztin.
Privatdozent Dr. Andreas Berlin, Oberarzt in der Würzburger Augenklinik, hat sich für die Anschaffung der Eyesi®-Simulatoren eingesetzt und bringt damit die Lehre und Ausbildung in der Augenheilkunde am UKW auf Top-Niveau. © Kirstin Linkamp / UKW
Studierende sitzt am Simulator für die Spaltlampe - der Patient ist ein schwarzes Kopfmodel. Im Hintergrund ist das Auge in groß auf einem Monitor zu sehen.
Die Eyesi®-Simulatoren für die Spaltlampenuntersuchung und indirekte Fundoskopie kombinieren reale Hardware mit virtueller Realität. Damit erhalten Lernende am UKW die Möglichkeit, unabhängig vom klinischen Alltag realistische Diagnostik-Situationen zu üben. © Kirstin Linkamp / UKW

Mit zwei Simulatoren für die Spaltlampenuntersuchung und indirekte Fundoskopie bringt das Uniklinikum Würzburg (UKW) die Lehre und Ausbildung in der Augenheilkunde auf Top-Niveau. Die EyeSi-Simulatoren kombinieren reale Hardware mit virtueller Realität. Dadurch können Lernende unabhängig vom klinischen Alltag realistische Diagnostik-Situationen üben.

Würzburg. Für Augenärztinnen und Augenärzte ist die Spaltlampe das, was für Internistinnen und Internisten das Stethoskop ist: ein zentrales Basisinstrument, das bei fast jeder Untersuchung zum Einsatz kommt. Durch die starke Vergrößerung und die spaltförmige Beleuchtung, mit der sich das Auge Schicht für Schicht durchleuchten lässt, ermöglicht die Spaltlampe die Untersuchung zahlreicher Strukturen des Auges. Mithilfe der Spaltlampe können beispielsweise Kratzer oder Infektionen der Hornhaut, der Graue Star der Linse oder die diabetische Retinopathie oder Makuladegeneration der Netzhaut diagnostiziert werden. Auch bei Entzündungen der Regenbogenhaut (Iritis) oder bei Verletzungen durch Fremdkörper liefert sie entscheidende Informationen.

Studierende für die Augenheilkunde begeistern

Umso wichtiger ist es deshalb, dass die Assistenzärztinnen und -ärzte in ihrer Ausbildung die Untersuchungen an der Spaltlampe trainieren und die Medizinstudierenden in ihrer Lehre ein Gefühl für die Augenheilkunde entwickeln. „Doch wie sollen wir die Studierenden für unser Fach begeistern, wenn für die Lehre nicht genügend Zeit an der Spaltlampe zur Verfügung steht?“, fragt Privatdozent Dr. Andreas Berlin vom Uniklinikum Würzburg (UKW). Im Vergleich zum Stethoskop sind Spaltlampen nicht nur eine knappe Ressource, sondern es ist auch sehr aufwendig, das Gerät zu bedienen bzw. den Nachwuchs an der Spaltlampe zu trainieren und dafür zu begeistern. 

Das Erlernen der Untersuchung findet häufig direkt im klinischen Alltag statt. Dieser ist jedoch oft sehr eng getaktet, sodass nur begrenzter Raum für eine strukturierte Anleitung und Übung bleibt. Hinzu kommt, dass die Vermittlung der Untersuchungstechniken stark von den jeweiligen Lehrenden abhängt. Der Bedarf an strukturierten, standardisierten Trainingsmöglichkeiten ist daher groß. 

EyeSi-Simulatoren für Spaltlampenuntersuchung und Fundoskopie

Andreas Berlin schafft nun Abhilfe dank der Unterstützung der Dr. Herbert-Brause-Stiftung, von Roche Pharma und Bayer Pharma sowie durch Mittel der Augenklinik des UKW. Der Oberarzt der Würzburger Augenklinik setzte sich für die Anschaffung von zwei Geräten ein, die wichtige Augenuntersuchungen simulieren. In der Lehrklinik am UKW wurden konkret eine EyeSi Slit Lamp für das Training von Spaltlampenuntersuchungen sowie ein EyeSi Indirect Simulator für die indirekte Fundoskopie aufgestellt. Bei der indirekten Fundoskopie, auch Ophthalmoskopie genannt, wird der Augenhintergrund untersucht, also die Netzhaut (Retina), die Aderhaut, die Gefäße und der Sehnervenkopf. Diese Untersuchung gilt als eine der schwierigsten Basisuntersuchungen, da sie optisch ungewohnt, motorisch komplex und didaktisch schlecht zu vermitteln ist – vor allem ohne strukturierte Trainingsmöglichkeiten.

Mit dem EyeSi Indirect Simulator lernen Studierende, Netzhauterkrankungen wie die diabetische Retinopathie, Netzhautablösungen oder die Makuladegeneration realitätsnah zu erkennen und die entsprechende Diagnostik zu üben. 

„Beide Simulatoren kombinieren reale Hardware –Haag-Streit-Spaltlampe und Heine-Kopfophthalmoskop - mit virtueller Realität. Die Lernenden erhalten objektives Feedback und können bestimmte Untersuchungen wiederholt trainieren, ohne den klinischen Alltag zu belasten“, so Berlin. 

Praktische Fertigkeiten vermitteln und theoretisches Wissen verbessern 

Der Facharzt hat nun ein Konzept für eine Summer- und Winter-School erarbeitet, in der interessierte Studierende und Berufseinsteiger an den Simulatoren in der Lehrklinik am UKW die wichtigsten Untersuchungen in der Augenheilkunde erlernen und üben können. An einer zusätzlichen echten Haag-Streit-Spaltlampe können sich die Teilnehmenden gegenseitig untersuchen und die virtuelle Realität zumindest auf gesunde Menschen übertragen. „Wer strukturiert und standardisiert das Gleiche lernt, der kann auch im Alltag bestehen. Dann wissen wir als leitende Ärzte, dass wir uns auf die praktischen Fähigkeiten und das theoretische Wissen des Nachwuchses verlassen können“, sagt Andreas Berlin. „Denn auch wenn ich weiß, wie ich das Auge untersuchen muss, werde ich nicht sehen, was es zu sehen gibt, wenn ich nicht weiß, was es zu sehen geben könnte.“

Erste Würzburger SummerSchool for Ophthalmology im September

Die erste SummerSchool for Ophthalmology findet vom 10. bis 12. September 2026 statt - exklusiv für Medizinstudierende aus Würzburg.

Die Teilnehmenden erwarten in den drei Tagen spannende Vorträge, High-End-Simulatortraining an den Eyesi®-Simulatoren für Spaltlampenuntersuchung und indirekte Ophthalmoskopie sowie intensive Hands-on-Workshops – alles unter persönlicher Anleitung erfahrener und engagierter Augenärztinnen und Augenärzte. In persönlichen Gesprächen erhalten die Medizinstudierenden ehrliche Einblicke in den klinischen Alltag, verschiedene Karrierewege und die Faszination eines der innovativsten Fächer der Medizin.

Entdecke die Vielfalt der Ophthalmologie und erlebe, warum Präzision, Technologie und Teamarbeit dieses Fach so besonders machen.

Bewerbungen sind bis zum 8. August 2026 möglich: https://tally.so/r/7REbrP

Andreas Berlin steht zwischen den Simulatoren, an der Spaltlampe sitzt eine Aussistenzärztin.
Privatdozent Dr. Andreas Berlin, Oberarzt in der Würzburger Augenklinik, hat sich für die Anschaffung der Eyesi®-Simulatoren eingesetzt und bringt damit die Lehre und Ausbildung in der Augenheilkunde am UKW auf Top-Niveau. © Kirstin Linkamp / UKW
Studierende sitzt am Simulator für die Spaltlampe - der Patient ist ein schwarzes Kopfmodel. Im Hintergrund ist das Auge in groß auf einem Monitor zu sehen.
Die Eyesi®-Simulatoren für die Spaltlampenuntersuchung und indirekte Fundoskopie kombinieren reale Hardware mit virtueller Realität. Damit erhalten Lernende am UKW die Möglichkeit, unabhängig vom klinischen Alltag realistische Diagnostik-Situationen zu üben. © Kirstin Linkamp / UKW