Aktuelle Pressemitteilungen

Anhaltender Rückenwind für die Schmerzforschung

DFG VERLÄNGERT FÖRDERUNG DER KLINISCHEN FORSCHUNGSGRUPPE RESOLVEPAIN (KFO 5001) AM UNIKLINIKUM WÜRZBURG (UKW)

Bereits seit vier Jahren erforscht die Klinische Forschungsgruppe (KFO 5001) ResolvePAIN die peripheren Mechanismen des Schmerzes und seiner Rückbildung - zur vollsten Zufriedenheit der Gutachterinnen und Gutachter. Nun unterstützt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) die Forscherinnen und Forscher in einer zweiten Förderperiode mit insgesamt über 8 Millionen Euro für weitere vier Jahre. Die interdisziplinäre Arbeitsgruppe am Universitätsklinikum Würzburg (UKW), die mit der Universität Leipzig, der Charité Universitätsmedizin Berlin und dem Mercator Fellow in Rochester New York kooperiert, wird von Professorin Dr. Heike Lydia Rittner geleitet, Sprecherin ist Professorin Dr. Claudia Sommer.

Das Bild zeigt Claudia Sommer und Heike Rittner freudestrahlend nach der Begutachtung, mit Blumen und Sektglas in den Händen.
Die Sprecherin von ResolvePAIN, Professorin Dr. Claudia Sommer (links) und die wissenschaftliche Leiterin der Forschungsgruppe, Professorin Dr. Heike Lydia Rittner freuen sich über die Finanzierung der zweiten Förderperiode durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). © Prof. Alexander Brack / UKW

Würzburg. Eine so enge Verknüpfung von klinischer und Grundlagenforschung in der Schmerzmedizin mit einer innovativen Fragestellung gebe es nirgendwo sonst in Europa, war eine der zahlreichen Rückmeldungen der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) berufenen Gutachter, nachdem sie sich zum Ende der ersten Förderperiode ein Bild von der Klinischen Forschungsgruppe (KFO 5001) ResolvePAIN gemacht hatten. Schmerzen auflösen, der Name ist Programm. Konkret will die Forschungsgruppe verstehen, wie Schmerzen nach einer Nervenschädigung wieder abklingen. „Solche Nervenschäden können verschiedene Ursachen haben, zum Beispiel eine Chemotherapie, die Operation eines Narbenbruchs, ein komplexes regionales Schmerzsyndrom oder Erkrankungen des Immunsystems, die die Nerven angreifen. Wir untersuchen sowohl die zugrundeliegenden biologischen Prozesse, die zur Schmerzlinderung beitragen, als auch Faktoren, die vorhersagen können, ob und wie schnell sich der Schmerz zurückbildet“, sagt Professorin Dr. Heike Rittner, Inhaberin des Lehrstuhls für Schmerzmedizin am Universitätsklinikum Würzburg und wissenschaftliche Leiterin der Forschungsgruppe. Sprecherin von ResolvePAIN ist die leitende Oberärztin der Neurologie, Professorin Dr. Claudia Sommer.

Interdisziplinäres Team aus Würzburg, Leipzig, Berlin und New York

21 Forscherinnen und Forscher aus Wissenschaft und Klinik widmen sich bei ResolvePAIN in neun Arbeitsgruppen und einem zentralen Serviceprojekt interdisziplinär und mit differenzierten Fragestellungen den Mechanismen des Schmerzes und seiner Rückbildung. Aus Würzburg sind der Lehrstuhl Schmerzmedizin sowie die Kliniken beziehungsweise Institute für Anästhesiologie, Neurologie, Chirurgie, Innere Medizin, Neuroradiologie, Psychiatrie und Klinische Neurobiologie beteiligt.
Als Kooperationspartner konnten das Institut für Biologie, Tier- und Verhaltensphysiologie der Universität Leipzig, das Institut für Klinische Physiologie - Ernährungsmedizin der Charité - Universitätsmedizin Berlin sowie das Department of Psychiatry des University of Rochester Medical Center in New York gewonnen werden. Als so genannter Mercator Fellow unterstützt Prof. Paul Geha aus den USA für zwei Monate im Jahr die Forschungsgruppe bei der Suche nach im funktionellen MRT sichtbaren Korrelaten chronischer Schmerzen und deren Rückbildung im Gehirn.

Brücken zwischen Grundlagenforschung und klinischer Forschung 

Derzeit laufen verschiedene klinische Studien zu Nervenschädigungen durch Chemotherapien, Narbenhernienoperationen, dem komplexen regionalen Schmerzsyndrom oder Autoimmunneuropathien. Ergänzend wird intensive Grundlagenforschung betrieben: Sie reicht von Untersuchungen an der Fruchtfliege zu Mechanismen im Rückenmark über Zell- und Gewebemodelle wie Neuronen aus IPS-Zellen, 3D-Modelle der Spinalganglien und Barrieremodelle bis hin zu präklinischen Studien zur Nervenschädigung, zum Beispiel bei Barrieren oder der Bortezomib-induzierten Polyneuropathie. Weitere Schwerpunkte sind neuroimmune Mechanismen sowie zentrale Prozesse und die Interaktion zwischen peripherem und zentralem Nervensystem, die mit Methoden wie fMRI, sozialen Interventionen, 7-Tesla-MRT und Mikroneurographie untersucht werden. 

Ärztinnen und Ärzte, die sich neben ihrer klinischen Tätigkeit auch wissenschaftlich engagieren wollen, erhalten in den Clinician and Advanced Clinician Scientist Programmen Freiräume für ihre Forschung. „Durch die Ausbildung forschungsorientierter Ärztinnen und Ärzte können wir langfristig Brücken zwischen Grundlagenforschung und klinischer Anwendung schlagen”, sagt Heike Rittner. Sie ist stolz auf ihre engagierten und gemischten Teams. Bis auf eine Ausnahme ist bei jedem Projekt auch eine Frau in der Projektleitung. 

8 Millionen Euro für weitere 4 Jahre 

Die bisherigen Strukturen, Projekte und Ergebnisse haben die Jury überzeugt. Die DFG unterstützt die Forscherinnen und Forscher in einer zweiten Förderperiode mit über acht Millionen Euro für weitere vier Jahre. 
„Das ist eine einmalige Chance, in dem großen Team der Kliniker:innen und Wissenschaftler:innen die Schmerzforschung sowohl mechanistisch als auch diagnostisch voranzubringen, so dass am Ende den Patientinnen und Patienten mit diesen Erkrankungen passgenau besser geholfen werden kann. Das wird die Universitätsmedizin Würzburg und das Zentrum für interdisziplinäre Schmerzforschung national und international weit sichtbar machen“, freut sich Claudia Sommer. 

Forschungsgruppen der DFG

Mit der Förderung von Forschungsgruppen ermöglicht die DFG Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, sich aktuellen und drängenden Fragen ihres Faches zu widmen und innovative Arbeitsrichtungen zu etablieren. Sie werden bis zu acht Jahre gefördert. Von den derzeit über 200 geförderten Forschungsgruppen sind zwölf Klinische Forschungsgruppen (KFO), die sich durch eine enge Verzahnung von wissenschaftlicher und klinischer Arbeit auszeichnen. Im Dezember hat der Hauptausschuss der DFG beschlossen, acht neue Forschungsgruppen einzurichten und die Förderung von zwei weiteren Forschungsgruppen sowie einer KFO zu verlängern (Pressemeldung der DFG).

Link zur Klinischen Forschungsgruppe (KFO5001).
Zu den Porträts von Heike Rittner und Claudia Sommer in der Serie #WomenInScience.

Text: Kirstin Linkamp / UKW
 

Das Bild zeigt Claudia Sommer und Heike Rittner freudestrahlend nach der Begutachtung, mit Blumen und Sektglas in den Händen.
Die Sprecherin von ResolvePAIN, Professorin Dr. Claudia Sommer (links) und die wissenschaftliche Leiterin der Forschungsgruppe, Professorin Dr. Heike Lydia Rittner freuen sich über die Finanzierung der zweiten Förderperiode durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). © Prof. Alexander Brack / UKW

TelePeriOP: Virtuelle Operationsvorbereitung

VERMEIDUNG VERZICHTBARER VOR-ORT-BESUCHE UND VERBESSERUNG DES RISIKOMANAGEMENTS DURCH TELEMEDIZIN UND CDS-SYSTEM

In dem vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) geförderten Projekt TelePeriOP wird unter Leitung des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) und des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medizin MEVIS untersucht, ob telemedizinische Anamnese- und Aufklärungsgespräche in Kombination mit einem leitlinienbasierten Clinical Decision Support System (CDS) das perioperative Risikomanagement verbessern und unnötige Wartezeiten für Patientinnen und Patienten mit Vor-Ort-Termin vermeiden können.

 

Das Bild zeigt mehrere Chirurginnen und Chirurgen in OP-Kleidung am OP-Tisch.
Im vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) geförderten Projekt TelePeriOP untersucht das Uniklinikum Würzburg mit Partnern, ob telemedizinische Anamnese- und Aufklärungsgespräche vor Operationen in Kombination mit einem Clinical Decision Support Tool machbar sind und die Gesundheitsversorgung verbessern können. © Daniel Peter / UKW

Würzburg. Chirurgische Eingriffe verbessern die Lebensqualität und sind oft lebensrettend. Doch jede Operation birgt Risiken. Die so genannte perioperative Sterblichkeit ist in den westlichen Industrienationen mit 0,4 bis 0,8 Prozent immer noch überraschend hoch. Im vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) geförderten Projekt KI-PeriOP ist es einem interdisziplinären Konsortium unter klinischer Leitung des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) und technischer Koordination durch das Fraunhofer-Institut für Digitale Medizin MEVIS bereits gelungen, ein CE-zertifiziertes System zur klinischen Entscheidungsunterstützung (kurz CDS für clinical decision support) zu entwickeln. Das CDS-System erfasst und analysiert individuelle Risiken und Grunderkrankungen von Patientinnen und Patienten sowie operationsspezifische Risiken und gibt entsprechende leitlinienbasierte Handlungsempfehlungen. „Das Clinical Decision Support Tool unterstützt uns bei der anästhesiologischen Risikoeinschätzung, erhöht die Leitlinien-Adhärenz und optimiert die präoperative Vorbereitung“, fasst Prof. Dr. Patrick Meybohm, Direktor der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie (Anästhesie) am UKW, zusammen.

Telemedizin reduziert unnötige Wege- und Wartezeiten

Im Nachfolgeprojekt TelePeriOP soll nun das anästhesiologische Arzt-Patienten-Gespräch vor der Operation durch ein digitales Videogespräch ergänzt werden. „Was zunächst unpersönlich klingt, ist ein wichtiger Schritt hin zu einer effizienteren und patientenfreundlicheren Gesundheitsversorgung“, erläutert Meybohm. „Anästhesiologische Anamnese- und Aufklärungsgespräche vor Ort sind für unsere Patientinnen und Patienten oft mit erheblichem organisatorischem Aufwand und emotionaler Belastung verbunden. Mit Telemedizin reduzieren wir die Wege und unnötige Wartezeiten“. Termine vor Ort müssen nur dann vereinbart werden, wenn weitere Untersuchungen notwendig sind. Das soll die Zufriedenheit der Patientinnen und Patienten erhöhen - ein positiver Nebeneffekt von TelePeriOP. Hauptziel der multizentrischen, randomisierten, kontrollierten Interventionsstudie an den Universitätskliniken Aachen, Bonn und Würzburg ist es, zu prüfen, ob telemedizinische Anamnese- und Aufklärungsgespräche in Kombination mit einem CDS-System machbar sind und die Gesundheitsversorgung tatsächlich verbessern können.

Klinische Entscheidungsunterstützung und Risikoabschätzung

Die Patientinnen und Patienten geben ihre Daten mit Hilfe des telemedizinischen Softwaresystems „tara“ der Docs in Clouds TeleCare GmbH von zu Hause aus online ein und laden die notwendigen Dokumente hoch. In einem Videogespräch mit dem Anästhesisten werden weitere Fragen geklärt, der Bogen individualisiert und gemeinsam unterschrieben. Alle erhobenen patienten- und operationsspezifischen Daten werden anschließend mit dem CDS-System „Medimir“ des Börm Bruckmeier Verlags zur klinischen Entscheidungsunterstützung und Risikoeinschätzung automatisiert verarbeitet.

Bundesministerium für Gesundheit fördert das Konsortialprojekt mit über 750.000 Euro

Das Forschungsvorhaben TelePeriOP wird vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) mit insgesamt 764.555 Euro gefördert. Neben dem UKW und dem Fraunhofer-Institut für Digitale Medizin MEVIS sind die Universitätskliniken Aachen und Bonn sowie die Fakultät für Angewandte Ethik der RWTH Aachen, der Börm Bruckmeier Verlag und die Docs in Clouds TeleCare GmbH an TelePeriOP beteiligt.
 

Das Bild zeigt mehrere Chirurginnen und Chirurgen in OP-Kleidung am OP-Tisch.
Im vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) geförderten Projekt TelePeriOP untersucht das Uniklinikum Würzburg mit Partnern, ob telemedizinische Anamnese- und Aufklärungsgespräche vor Operationen in Kombination mit einem Clinical Decision Support Tool machbar sind und die Gesundheitsversorgung verbessern können. © Daniel Peter / UKW

Benefizkonzert sorgte für Weihnachtsstimmung

Weihnachtliche Klänge aus dem Hörsaal: Mit einem Benefizkonzert am 13. Dezember 2024 zeigte das Quintett „Pandemic Brass“ seine Verbundenheit mit den Patientinnen und Patienten sowie den Beschäftigten des Uniklinikums Würzburg.

Das Bläserquintett „Pandemic Brass“ verbreitete bei seinem Konzert am UKW fröhlich-entspannte Vorweihnachtslaune.
Das Bläserquintett „Pandemic Brass“ verbreitete bei seinem Konzert am UKW fröhlich-entspannte Vorweihnachtslaune. © Helmuth Ziegler / UKW
Privatdozentin Dr. Carmen Roch vom Interdisziplinären Zentrum Palliativmedizin des UKW umrahmt von den Blechbläsern des Mainfranken Theaters Würzburg.
Privatdozentin Dr. Carmen Roch vom Interdisziplinären Zentrum Palliativmedizin des UKW umrahmt von den Blechbläsern des Mainfranken Theaters Würzburg. © Helmuth Ziegler / UKW

Würzburg. „Pandemic Brass“ ist ein während der Corona-Pandemie und ihren schwierigen Lebens- und Auftrittsbedingungen gegründeter Zusammenschluss von Musikern des Mainfranken Theaters Würzburg. In ehrenamtlichen Konzerten bringen die Blechbläser seither musikalische Erlebnisse in Alten- und Pflegeheime oder Kliniken. Am 13. Dezember dieses Jahres traten die Trompeter Johannes Mauer, Klaus Englert und Thomas Rath sowie der Hornist Jürgen Gräßler und der Posaunist Leander Seidenbusch im Hörsaal 2 des Zentrums für Innere Medizin des Uniklinikums Würzburg (UKW) auf. Gut gelaunt verbreiteten sie musikalisch mal fröhliche, mal festliche Adventsstimmung. Das Quintett intonierte Weihnachtsklassiker sowohl in bekannten Arrangements, als auch „versteckt“ in swingenden Versionen des ehemaligen Würzburger Musikhochschul-Professors Richard Roblee. 

Neben den Zuhörerinnen und Zuhörern vor Ort hatten auch die Patientinnen und Patienten auf ihren Zimmern Gelegenheit, durch eine Übertragung in das Klinikfernsehen live am Musikgenuss teilzuhaben. 
Organisiert wurde die Veranstaltung vom Interdisziplinären Zentrum Palliativmedizin des UKW, das schon vor der Corona-Pandemie mit den Theatermusikern bei Adventskonzerten für die Patientinnen und Patienten der Palliativstation kooperierte. 

Privatdozentin Dr. Carmen Roch, die kommissarisch leitende Oberärztin des Zentrums, bedankte sich herzlich bei den Künstlern für die Fortsetzung ihres freundlichen, von vielen Erkrankten und Beschäftigten wertgeschätzten Engagements.

Text: Pressestelle / UKW
 

Das Bläserquintett „Pandemic Brass“ verbreitete bei seinem Konzert am UKW fröhlich-entspannte Vorweihnachtslaune.
Das Bläserquintett „Pandemic Brass“ verbreitete bei seinem Konzert am UKW fröhlich-entspannte Vorweihnachtslaune. © Helmuth Ziegler / UKW
Privatdozentin Dr. Carmen Roch vom Interdisziplinären Zentrum Palliativmedizin des UKW umrahmt von den Blechbläsern des Mainfranken Theaters Würzburg.
Privatdozentin Dr. Carmen Roch vom Interdisziplinären Zentrum Palliativmedizin des UKW umrahmt von den Blechbläsern des Mainfranken Theaters Würzburg. © Helmuth Ziegler / UKW

Neues Therapieangebot für Jugendliche mit Schmerzen

Ein interdisziplinäres multimodales Behandlungskonzept am Uniklinikum Würzburg will jungen Menschen den Umgang mit chronischen Schmerzen erleichtern. Ziel des ganzheitlichen Programms ist es, die Jugendlichen wieder in ihren Alltag zurückzubringen, ihre Beschwerden zu lindern, den sozialen Leidensdruck zu mindern und ihnen Lebensfreude zurückzugeben.

Das neue Therapieangebot will Jugendlichen mit chronischen Schmerzen die Lebensfreude zurückgeben.
Das neue Therapieangebot will Jugendlichen mit chronischen Schmerzen die Lebensfreude zurückgeben. © Pixabay

Würzburg. Rund 350.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland leiden an chronischen Schmerzen, also Schmerzen, die entweder über drei Monate anhalten oder wiederholt auftreten. „In dieser Altersgruppe dominieren Kopfschmerzen oder Schmerzen des Bewegungsapparats“, berichtet Prof. Dr. Heike Rittner. Die Leiterin des Zentrums für interdisziplinäre Schmerzmedizin (ZiS) der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie am Uniklinikum Würzburg (UKW) fährt fort: „Häufig liegen den Problemen verschiedene Einflussfaktoren zugrunde. Besonders relevant ist das Zusammenspiel von körperlichen Beschwerden und psychischem Stress, da sich Schmerz in dieser Kombination verselbständigen und zur eigenständigen Erkrankung werden kann.“

Für Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren

Um dem wirkungsvoll entgegenzuarbeiten, bietet das UKW jetzt ein ganzheitliches Therapieprogramm an, das sich an Jugendliche im Alter von zwölf bis 17 Jahren wendet. Neben dem ZiS sind das Sozialpädiatrische Zentrum (SPZ) der Würzburger Universitäts-Kinderklinik und die Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (KJPPP) des UKW an dem Kooperationsprojekt beteiligt. 

„Wir behandeln junge Patientinnen und Patienten mit Kopfschmerzen und Schmerzen am Bewegungsapparat, deren Diagnostik abgeschlossen ist“, schildert Prof. Rittner. Dabei werden nach ihren Worten sowohl die Schmerzen, als auch die Psyche in den Blick genommen. Prof. Dr. Marcel Romanos, der Direktor der KJPPP präzisiert: „Unser Programm hat vier ‚S‘ im Fokus: Sport, Schlaf, soziale Kontakte und Schule. Es kombiniert daher Wissen mit Bewegungseinheiten – etwa in Form von HipHop oder Zirkus – und Entspannungstechniken wie Kunst- und Musiktherapie oder Yoga.“ Laut Prof. Dr. Juliane Spiegler, der Leiterin des SPZ, bietet sich in einer Gruppe Gleichbetroffener die Möglichkeit, gegenseitig Erfahrungen auszutauschen, voneinander zu lernen und Strategien zur Bewältigung des Alltags zu entwickeln. „Ziel ist es, dass die Jugendlichen für sich selbst einen Umgang mit den Schmerzen finden“, fasst Prof. Rittner, die auch den Würzburger Lehrstuhl für Schmerzmedizin innehat, zusammen. Neben den Jugendlichen werden auch die Eltern mit Informationen versorgt und können vom Austausch mit anderen Vätern und Müttern profitieren.

Teilstationäre Therapie an sieben Freitagnachmittagen

Um den Schulbesuch oder die Ausbildung möglichst wenig zu beeinträchtigen, findet das Programm an sieben Freitagnachmittagen von 12:00 Uhr bis 16:00 Uhr in den Räumen des SPZ unter Leitung von Prof. Spiegler auf dem Klinikums-Campus an der Josef-Schneider-Straße statt. Die teilstationäre Therapie wird von der Krankenkasse bezahlt.

Nachdem im Jahr 2024 drei Pilotrunden am UKW liefen, startet das das neue Behandlungsprogramm mit dem Jahresbeginn 2025 voll durch. Interessierte können sich in der Tagesklinik des ZiS informieren und anmelden bei Andrea Neckermann unter Tel. 0931/201-30229 oder E-Mail: schmerztherapie_jugend@ ukw.de 

Text: Pressestelle / UKW
 

Das neue Therapieangebot will Jugendlichen mit chronischen Schmerzen die Lebensfreude zurückgeben.
Das neue Therapieangebot will Jugendlichen mit chronischen Schmerzen die Lebensfreude zurückgeben. © Pixabay

Proteine als Biomarker für Vorhofflimmern?

ADOLF UND EDITH SCHIEßER-STIFTUNG UNTERSTÜTZT HERZINSUFFIZIENZ-FORSCHUNG AM UKW / 10.000 EURO FÜR KLINISCHE STUDIE ZU VORHOFFLIMMERN

Prof. Dr. Thomas Fischer und Dr. Moritz Huttelmaier vom Uniklinikum Würzburg (UKW) wollen Vorhofflimmern in Zukunft gezielter diagnostizieren und bestenfalls verhindern. Gemeinsam mit der Universitätsklinik Mainz untersuchen die Kardiologen in einer Herzinsuffizienz-Kohorte Proteine und Signalwege, die bei dieser Risikogruppe Vorhofflimmern ausgelöst haben könnten. Das Forschungsprojekt wird von der neu gegründeten Adolf und Edith Schießer-Stiftung mit 10. 000 Euro unterstützt.

 

Collage von den Porträts der beiden Ärzte in weißen Kitteln vor grauem Hintergrund.
Prof. Dr. Thomas Fischer (rechts) und Dr. Moritz Huttelmaier vom Uniklinikum Würzburg (UKW) wollen Vorhofflimmern in Zukunft gezielter diagnostizieren und bestenfalls verhindern. © UKW

Würzburg. Nicht jeder Mensch spürt es, aber etwa jeder dritte Mensch hat im Laufe seines Lebens damit zu tun: Vorhofflimmern. Diese Herzrhythmusstörung, welche zu chaotischen und unregelmäßigen Kontraktionen der Vorhofmuskulatur führt, ist mit einem erhöhten Risiko sowohl für Schlaganfälle als auch für die Entwicklung einer Herzschwäche verbunden. Vorhofflimmern kann sicher und erfolgreich durch eine Katheterablation, also eine Verödungsbehandlung, therapiert werden. Und das Risiko für einen Schlaganfall lässt sich medikamentös durch eine Blutverdünnung stark reduziert. Problematisch wird es, wenn Vorhofflimmern nicht rechtzeitig erkannt wird, vor allem wenn das Herz ohnehin schon geschwächt ist. 

Vorhofflimmern verschlechtert Herzinsuffizienz 

„Der durch das Vorhofflimmern beschleunigte und unregelmäßige Puls verursacht in der Regel deutliche Symptome. Werden diese nicht wahrgenommen, oder bleiben sie aus, sind die Konsequenzen für Patientinnen und Patienten mit einer zugrundeliegenden Herzschwäche weitaus gravierender. Wird ihr Herz durch Vorhofflimmern zusätzlich gestresst, kann sich zum einen die Herzfunktion weiter dramatisch verschlechtern, zum anderen steigt das Risiko für einen Schlaganfall“, fasst Prof. Dr. Thomas Fischer, Leiter der Interventionellen Elektrophysiologie am Universitätsklinikum Würzburg (UKW), die Problematik zusammen. Umso wichtiger ist es, auch asymptomatisches Vorhofflimmern in dieser Risikogruppe frühzeitig zu erkennen, um entsprechende Therapien einzuleiten und im besten Fall das Vorhofflimmern in seiner Entstehung zu beeinflussen.

Adolf und Edith Schießer-Stiftung startet Förderprogramm der Herzinsuffizienz-Forschung 

„Wir wissen, dass Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Übergewicht und Diabetes mit dem Auftreten von Vorhofflimmern verbunden sind, aber die grundlegenden Mechanismen und Signalwege sind nicht ausreichend verstanden“, erklärt Dr. Moritz Huttelmaier, Facharzt für Kardiologie und Clinician Scientist am UKW mit dem Schwerpunkt Herzrhythmusstörungen. Bestimmte Signalwege stehen im Verdacht, ursächlich mit dem Auftreten der Herzrhythmusstörungen in Verbindung zu stehen. Welche das bei einer bestehenden Herzschwäche sind, das wollen Moritz Huttelmaier und Thomas Fischer in Kooperation mit der Universitätsklinik Mainz an einer großen Herzinsuffizienz-Kohorte untersuchen Unterstützt werden sie dabei von der neu gegründeten Adolf und Edith Schießer Stiftung mit 10. 000 Euro. 

Adolf Schließer starb an den Folgen einer Herzinsuffizienz. Seine Frau Edith hat deshalb noch vor ihrem Tod verfügt, dass ihr Nachlass im Rahmen einer Stiftung der Herzinsuffizienz-Forschung am UKW zugutekommen soll - mit dem Ziel zukünftigen Erkrankten noch besser und erfolgreicher helfen zu können. Die Stiftung wird von der Bürgerstiftung Würzburg und Umgebung verwaltet und schüttet erstmals die Summe von 10.000 Euro aus. „Wir freuen uns sehr über diese Förderung“, sagt Prof. Dr. Stefan Frantz, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik I. „Dank der finanziellen Unterstützung kann Moritz Huttelmaier seine klinische Tätigkeit für kurze Zeit ruhen lassen, und sich voll und ganz dem Forschungsprojekt widmen.“ 

Protein-Screening in der Herzinsuffizienz-Kohorte 

In der Mainzer MyoVasc-Kohorte wurden 3.300 Patientinnen und Patienten aller Stadien der Herzinsuffizienz über einen Zeitraum von sechs Jahren beobachtet. Es wurden zu verschiedenen Zeitpunkten umfangreiche klinische Daten erhoben und biologische Proben einschließlich Serum, DNA, RNA und Zellen analysiert. „Uns interessiert vor allem, welche der 536 analysierten Proteine bei Vorhofflimmern eine entscheidende Rolle spielen“, sagt Moritz Huttelmaier. Erste Vorarbeiten haben bereits gezeigt, dass bei Herzinsuffizienz-Patienten mit Vorhofflimmern einzelne Proteine in unterschiedlicher Quantität vorliegen als bei Herzinsuffizienz-Patienten ohne Vorhofflimmern. „Anschließend schauen wir uns zusätzlich die Herzinsuffizienz-Patienten, die im Studienzeitraum neu Vorhofflimmern entwickelt haben, genauer an und untersuchen, welche Proteine oder Proteinmuster und welche Signalwege hoch- oder herunterreguliert waren.“ Auf diese Weise wollen die Forscher wichtige Schlüsselwege identifizieren, die perspektivisch einen neuen Ansatz bieten, um Vorhofflimmern noch besser zu behandeln. Darüber hinaus hoffen sie, ein Set von Proteinen zu finden, die als Biomarker die Vorhersage von Vorhofflimmern in Zukunft erleichtern könnten. 

Elektrophysiologisch-rhythmologischer Blick auf die MyoVasc-Kohorte

In einer Folgestudie wollen die Würzburger Forscher die Daten der MyoVasc-Kohorte mit elektroanatomischen 3D-Karten verknüpfen, die im Zuge der Katheterablation von Vorhofflimmern erstellt werden. Ziel ist es, einen Biomarker für stark geschädigte Vorhöfe, eine sogenannte Vorhofkardiomyopathie, zu entwickeln.

Weitere Meldungen zum Thema: Puls Field Ablation bei Vorhofflimmern, Universitätsprofessor Dr. Thomas Fischer, Vorhofflimmern – nur jeder zweite spürt Symptome (Deutsche Herzstiftung)
 

Collage von den Porträts der beiden Ärzte in weißen Kitteln vor grauem Hintergrund.
Prof. Dr. Thomas Fischer (rechts) und Dr. Moritz Huttelmaier vom Uniklinikum Würzburg (UKW) wollen Vorhofflimmern in Zukunft gezielter diagnostizieren und bestenfalls verhindern. © UKW

Dickdarmpolypen intelligent im Blick

KI-BASIERTES POLYPENERKENNUNGSSYSTEM BEI FAMILIÄRER ADENOMATÖSER POLYPOSIS (FAP)

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert ein Forschungsprojekt der Arbeitsgruppe Interventionelle und Experimentelle Endoskopie (InExEn) am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) mit über 200.000 Euro. Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Alexander Hann will in Kooperation mit dem Nationalen Zentrum für erbliche Tumorerkrankungen am Universitätsklinikum Bonn die Darmkrebsvorsorge bei Patientinnen und Patienten mit bekannter familiärer adenomatöser Polyposis (FAP) mit Hilfe von Eye-Tracking und künstlicher Intelligenz verbessern.

 

Das Bild zeigt eine Aufnahme Darm, der übersät ist mit Polypen.
Bei Patientinnen und Patienten mit der Diagnose „familiäre adenomatöse Polyposis“, kurz FAP, bilden sich bis zu tausende von Polypen im Darm, ohne eine entsprechende Behandlung ist bei ihnen Darmkrebs zu 100 Prozent vorprogrammiert. Ein Projekt der Universitätskliniken Würzburg und Bonn, gefördert von der Wilhelm Sander-Stiftung, erforscht nun die Entwicklung und den Einsatz eines KI-Polypenerkennungssystems, um die Darmkrebsvorsorge bei Betroffenen mit FAP zu verbessern. © Universitätsklinikum Bonn (UKB) / Robert Hüneburg
Porträtbild von Alexander Hann in weißem Kittel
Alexander Hann ist Professor für Digitale Transformation in der Gastroenterologie am Uniklinikum Würzburg (UKW). Gemeinsam mit seiner Arbeitsgruppe und dem Nationalen Zentrum für erbliche Tumorerkrankungen am Universitätsklinikum Bonn will er die Darmkrebsvorsorge bei Patientinnen und Patienten mit bekannter familiärer adenomatöser Polyposis (FAP) mit Hilfe von Eye-Tracking und künstlicher Intelligenz verbessern. © Daniel Peter / UKW

Würzburg/Bonn. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, Polypen in der Darmschleimhaut zu entwickeln. In der Regel sind die einzelnen Zellwucherungen harmlos. Manche Polypen wachsen jedoch und können sich mit der Zeit zu Krebs entwickeln, wenn sie nicht rechtzeitig entfernt werden. Deshalb wird ab dem 50. Lebensjahr eine regelmäßige Vorsorgeuntersuchung empfohlen. Bei einer Darmspiegelung, der so genannten Koloskopie, können Polypen zuverlässig erkannt, klassifiziert und entfernt werden. Anders sieht es bei Patientinnen und Patienten mit der Diagnose „familiäre adenomatöse Polyposis“, kurz FAP, aus. Bei dieser Erbkrankheit bilden sich schon in jungen Jahren hunderte bis tausende von Polypen im Darm. Bei ihnen ist ohne eine entsprechende Behandlung Darmkrebs zu 100 Prozent vorprogrammiert. Häufig wird deswegen eine prophylaktische Entfernung des Dickdarms durchgeführt. Die Operation ist jedoch nicht ungefährlich und kann zu Problemen wie Unfruchtbarkeit, Inkontinenz und häufigem Stuhlgang führen. Deshalb versucht man, den Zeitpunkt der Operation so weit wie möglich hinauszuschieben, was allerdings eine engmaschige Überwachung erfordert. Doch wie zählt man Hunderte von Polypen im Dickdarm, misst ihre Größe und registriert Veränderungen?

Wilhelm Sander-Stiftung fördert das Projekt mit über 200.000 Euro

„Mit KI!“, sagt Prof. Dr. Alexander Hann, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie am Uniklinikum Würzburg (UKW) und Professor für Digitale Transformation in der Gastroenterologie. Seine interprofessionelle Arbeitsgruppe Interventionelle und Experimentelle Endoskopie (InExEn) hat gemeinsam mit der Arbeitsgruppe Dr.Hüneburg / Professor Nattermann aus dem Nationalen Zentrum für erbliche Tumorerkrankungen (NZeT) des Universitätsklinikum Bonn ein Forschungsprojekt zur objektiven Bestimmung der Ausdehnung von Dickdarmpolypen bei Patientinnen und Patienten mit FAP entwickelt. Das Projekt mit dem Titel „Darmkrebsvorsorge bei Patientinnen und Patienten mit bekannter familiärer adenomatöser Polyposis (FAP) mittels Eye-Tracking und künstlicher Intelligenz“ wird von der Wilhelm Sander-Stiftung über zwei Jahre mit 204.480 Euro gefördert. Die Stiftung ist eine der bedeutendsten unabhängigen Wissenschaftsförderer der medizinischen Forschung, insbesondere im Bereich der innovativen Krebsforschung.

Eye-Tracking und KI: Polypen mit Blick annotieren und Größe diktieren 

Es sei ein gewagtes Projekt, sagt Hann, aber es baue auf früheren Studien, Erfindungen und Erfahrungen auf, die man alle miteinander „verheiraten“ könne. So hat seine Arbeitsgruppe InExEn mit Endomind eine KI zur Polypenerkennung entwickelt (publiziert in Endoscopy). Mit dem Echtzeit-Polypenerkennungssystem können selbst kleine, kaum sichtbare Polypen mit einem blauen Rahmen für den Untersuchenden hervorgehoben werden. Ein gleichzeitig als Referenz eingeführtes Instrument dient zur Größenabschätzung der Polypen. 
Hinzu kommen nun eine Eye-Tracking-Technologie und eine Spracherkennungssoftware. „Betrachte ich als Untersuchender einen Polypen, weiß die Eye-Tracking-Software genau, wohin mein Blick geht. Diktiere ich dann noch die zuvor anhand des Instruments geschätzte Größe des Polypen, werden diese Informationen verknüpft, und wir wissen, dass Polyp Nummer 4 zum Beispiel 4 oder 10 Millimeter groß ist“, erklärt Alexander Hann. 

KI-Polypenerkennungssystem eröffnet neue Möglichkeiten für die Überwachung von Patienten mit FAP

Als erster Meilenstein wird diese Polypenbewertung mit dem aktuellen Goldstandard verglichen. In einem zweiten Schritt soll das KI-basierte Erkennungssystem mit den gesammelten Daten der annotierten Polypen trainiert werden, um die Polypen erneut zu identifizieren und die Polypengröße zu schätzen. Im Projekt konzentrieren sich die Forscher zunächst auf zwei Dickdarmabschnitte von jeweils 30 Zentimetern. Nach einem Jahr soll die Leistungsfähigkeit der KI evaluiert werden. „Eine positive Bewertung der Leistungsfähigkeit unseres KI-Polypenerkennungssystems wird ganz neue Möglichkeiten für die Überwachung von Patientinnen und Patienten mit FAP eröffnen“, ist sich Alexander Hann sicher. 

„Unser Ziel ist es das Ausmaß der Polypenbelastung zu objektivieren und somit zu standardisieren. Dann kann die Notwendigkeit einer risikomindernden Operation bestimmt werden, was bisher immer vom behandelnden Gastroenterologen und Chirurgen abhängig war. Wir hoffen, dass dies zu weniger Über- oder Unterbehandlung dieser seltenen Erkrankung führen kann“, sagt Dr. Robert Hüneburg. Das Bonner Zentrum ist eines der größten Zentren für die FAP weltweit. 

Text: Kirstin Linkamp / UKW 
 

Das Bild zeigt eine Aufnahme Darm, der übersät ist mit Polypen.
Bei Patientinnen und Patienten mit der Diagnose „familiäre adenomatöse Polyposis“, kurz FAP, bilden sich bis zu tausende von Polypen im Darm, ohne eine entsprechende Behandlung ist bei ihnen Darmkrebs zu 100 Prozent vorprogrammiert. Ein Projekt der Universitätskliniken Würzburg und Bonn, gefördert von der Wilhelm Sander-Stiftung, erforscht nun die Entwicklung und den Einsatz eines KI-Polypenerkennungssystems, um die Darmkrebsvorsorge bei Betroffenen mit FAP zu verbessern. © Universitätsklinikum Bonn (UKB) / Robert Hüneburg
Porträtbild von Alexander Hann in weißem Kittel
Alexander Hann ist Professor für Digitale Transformation in der Gastroenterologie am Uniklinikum Würzburg (UKW). Gemeinsam mit seiner Arbeitsgruppe und dem Nationalen Zentrum für erbliche Tumorerkrankungen am Universitätsklinikum Bonn will er die Darmkrebsvorsorge bei Patientinnen und Patienten mit bekannter familiärer adenomatöser Polyposis (FAP) mit Hilfe von Eye-Tracking und künstlicher Intelligenz verbessern. © Daniel Peter / UKW

Neubau für die Klinikapotheke des UKW feierlich eröffnet / Arzneimittelsicherheit wird weiter ausgebaut

Aseptische Herstellungsbereiche an einem Standort vereint / Unit Dose-Versorgung bereits gestartet / 20 Millionen Euro investiert

Im August 2022 starteten die Bauarbeiten in Modulbauweise. Bereits im Sommer 2024 konnte dann schrittweise der Betrieb in dem Neubau UKW-Klinikapotheke aufgenommen werden.
Im August 2022 starteten die Bauarbeiten in Modulbauweise. Bereits im Sommer 2024 konnte dann schrittweise der Betrieb in dem Neubau UKW-Klinikapotheke aufgenommen werden. Foto: UKW / Stefan Dreising
Im Neubau ist auch der klinikeigene Produktionsbereich für Zytostatika, also spezielle Medikamente für eine Krebsbehandlung, integriert.
Im Neubau ist auch der klinikeigene Produktionsbereich für Zytostatika, also spezielle Medikamente für eine Krebsbehandlung, integriert. Über 62.000 dieser Infusionslösungen werden hier jährlich zubereitet. Foto: UKW / Daniel Peter
Mit dem neuen „Unit-Dose“-System erhalten Patientinnen und Patienten des UKW individuell ihre Arzneimittel in kleinen abgepackten Tütchen.
Mit dem neuen „Unit-Dose“-System erhalten Patientinnen und Patienten des UKW individuell ihre Arzneimittel in kleinen abgepackten Tütchen. Erst nach der pharmazeutischen Prüfung und Freigabe startet die Abgabe. Foto: UKW / Daniel Peter
Gruppenfoto feierliche Inbetriebnahme des Apotheken-Neubaus.
Prof. Dr. Stefan Frantz, stellvertretender Ärztlicher Direktor der Würzburger Uniklinik, Dr. Mareike Kunkel, Leiterin der Apotheke am UKW, und UKW-Pflegedirektor Marcus Huppertz (v. l.) bei der feierlichen Inbetriebnahme des Apotheken-Neubaus. Foto: UKW / Kim Sammet

Würzburg. Das Universitätsklinikum Würzburg (UKW) hat heute (12. Dezember) den Neubau für die Klinikapotheke feierlich in Betrieb genommen. Mit dem Neubau sind jetzt verschiedene aseptische Herstellungsbereiche der Apotheke an einem Standort zusammengeführt. Gemeinsam investierten das UKW und der Freistaat Bayern rund 20 Millionen in Euro in den Neubau und die nötige Ausstattung der Klinikapotheke. Der Neubau auf dem „Luitpold-Campus“ des UKW umfasst zwei Geschosse, eine Techniketage und hat eine Bruttogrundfläche von etwa 1.900 Quadratmetern. Das UKW errichtete den Neubau in Eigenregie.

Bauarbeiten starteten im August 2022

In dem Gebäude werden u.a. patientenindividuelle Ernährungslösungen und Zytostatika, also Arzneimittel die etwa bei einer Krebstherapie eingesetzt werden, hergestellt. „Damit verfügen wir nun über optimale räumliche Voraussetzungen auf dem neuesten Stand der Technik. Davon profitieren unsere Patientinnen und Patienten unmittelbar“, sagte Prof. Dr. Stefan Frantz, stellvertretender Ärztlicher Direktor der Würzburger Uniklinik bei der Eröffnung.

Das Projekt wurde durch den Geschäftsbereich „Technik und Bau“ des UKW entwickelt und umgesetzt. Im August 2022 starteten die Bauarbeiten in Modulbauweise. Insgesamt waren für den Neubau 44 vorgefertigte Baumodule nötig. Das Besondere: Die grundlegende Ausstattung für die hochspezialisierten Arbeitsbereiche war bereits montiert, das ermöglichte die schnelle Bauphase. Ende 2023 konnten die Bauarbeiten abgeschlossen werden. Darauf folgten vor dem Start der Produktion zunächst ein intensiver Probebetrieb und entsprechende Qualitätsprüfungen und behördliche Freigaben des Neubaus. Bereits im Sommer 2024 konnte dann schrittweise der Betrieb in dem Neubau gemäß Terminplan aufgenommen werden.
Zweite Klinik in Bayern: Unit Dose-Versorgung erfolgreich gestartet

Mit der Inbetriebnahme konnte das UKW auch als zweite Klinik in Bayern überhaupt ein vollautomatisches Verpackungs- und Ausgabesystem für die Medikamentenversorgung auf den Stationen einführen. Mit dem neuen „Unit-Dose“-System erhalten Patientinnen und Patienten individuell ihre Arzneimittel in kleinen abgepackten Tütchen. Aktuell sind bereits zwölf Stationen angeschlossen, weitere Stationen folgen nun etappenweise in den kommenden Monaten. Derzeit werden wöchentlich über 20.000 Medikationstütchen produziert.

Dr. Mareike Kunkel, die Leiterin der Apotheke am UKW, erklärt den Ablauf: „Bei der Unit Dose-Versorgung werden Tabletten, Kapseln oder Dragees mithilfe eines Automaten individuell für jede Patientin und jeden Patienten hygienisch und sicher in kleine Tütchen verpackt, beschriftet und anschließend elektronisch durch einen Datenbankabgleich kontrolliert. Diese Tütchen werden dann durch die Pflegefachkräfte auf den Stationen verteilt“, so die Apothekerin. Das bisherige Zusammenstellen der Medikation für die Patienten durch den Pflegedienst auf den Stationen entfällt daher zukünftig zu einem Großteil durch die Lieferung der einzelverpackten Medikamente. 
Auf den Unit-Dose-Tütchen ist ersichtlich, für welchen Tag und welche Tageszeit bzw. welchen Einnahmezeitpunkt das Arzneimittel gedacht ist. Zusätzlich finden sich weitere Informationen auf den Tütchen, wie etwa der Name und das Geburtsdatum des Patienten, die Anzahl der enthaltenen Tabletten oder ggf. weitere Hinweise zur Einnahme des Medikamentes. Aktuell können bis zu 750 feste orale Arzneimittel in die Unit-Dose-Versorgung am UKW integriert werden. Erst nach der pharmazeutischen Prüfung und Freigabe startet die automatische Abgabe in die Tütchen.

Parenterale Krebsmedikamente werden zentral zubereitet

Im Neubau ist auch der klinikeigene Produktionsbereich für Zytostatika, also spezielle Medikamente für eine Krebsbehandlung, integriert. Über 62.000 dieser Infusionslösungen werden hier jährlich zubereitet. „Damit leistet die Klinikapotheke einen enorm wichtigen Beitrag für die hochmoderne Krebstherapie am UKW. Mit dem Neubau sind wir zudem auch sehr gut aufgestellt für die weitere Entwicklung auf diesem Gebiet, etwa in der Zubereitung von speziellen Arzneimitteln für neuartige Therapien. Die UKW-Apotheke ist daher von großer Bedeutung für die künftige Innovationskraft bei der Medikamentenversorgung am UKW“, so Philip Rieger, Kaufmännischer Direktor der unterfränkischen Uniklinik. Ein Beispiel hier seien z.B. Zelltherapeutika, so Dr. Kunkel. Diese Arzneimittel für neuartige Therapien werden unter der Abkürzung („ATMP“) zusammengefasst („Advanced Therapy Medicinal Products“).

Rund 90 Personen arbeiten in der UKW-Apotheke

In der UKW-Klinikapotheke arbeiten fast 90 Menschen an zwei Standorten. 25 davon sind Apothekerinnen oder Apotheker, ein Großteil des übrigen Personals sind pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA). Die Klinikapotheke am UKW gibt es seit 1950, seinerzeit startete der Betrieb mit fünf Personen. Bis zum Jahr 1950 versorgten öffentliche Apotheken die Uniklinik.

Im August 2022 starteten die Bauarbeiten in Modulbauweise. Bereits im Sommer 2024 konnte dann schrittweise der Betrieb in dem Neubau UKW-Klinikapotheke aufgenommen werden.
Im August 2022 starteten die Bauarbeiten in Modulbauweise. Bereits im Sommer 2024 konnte dann schrittweise der Betrieb in dem Neubau UKW-Klinikapotheke aufgenommen werden. Foto: UKW / Stefan Dreising
Im Neubau ist auch der klinikeigene Produktionsbereich für Zytostatika, also spezielle Medikamente für eine Krebsbehandlung, integriert.
Im Neubau ist auch der klinikeigene Produktionsbereich für Zytostatika, also spezielle Medikamente für eine Krebsbehandlung, integriert. Über 62.000 dieser Infusionslösungen werden hier jährlich zubereitet. Foto: UKW / Daniel Peter
Mit dem neuen „Unit-Dose“-System erhalten Patientinnen und Patienten des UKW individuell ihre Arzneimittel in kleinen abgepackten Tütchen.
Mit dem neuen „Unit-Dose“-System erhalten Patientinnen und Patienten des UKW individuell ihre Arzneimittel in kleinen abgepackten Tütchen. Erst nach der pharmazeutischen Prüfung und Freigabe startet die Abgabe. Foto: UKW / Daniel Peter
Gruppenfoto feierliche Inbetriebnahme des Apotheken-Neubaus.
Prof. Dr. Stefan Frantz, stellvertretender Ärztlicher Direktor der Würzburger Uniklinik, Dr. Mareike Kunkel, Leiterin der Apotheke am UKW, und UKW-Pflegedirektor Marcus Huppertz (v. l.) bei der feierlichen Inbetriebnahme des Apotheken-Neubaus. Foto: UKW / Kim Sammet