In der Zahnklinik untersuchen PD Dr. Dr. Andreas Vollmer, Dr. Marius Hörner und Prof. Dr. Yvonne Jockel-Schneider, wie das orale Mikrobiom und entzündliche Erkrankungen wie Parodontitis das Ansprechen auf Immuntherapien bei Mundhöhlenkrebs beeinflussen. Ziel ist es, neue Biomarker für eine personalisierte Krebstherapie zu identifizieren.
Immuntherapien haben die Behandlung von Kopf-Hals-Tumoren deutlich verbessert. Doch längst nicht alle Patientinnen und Patienten profitieren gleichermaßen. Warum manche Tumoren auf die Behandlung ansprechen und andere nicht, lässt sich bislang nur unzureichend vorhersagen. Die Arbeitsgruppe von PD Dr. Dr. Andreas Vollmer und Dr. Marius Hörner an der Universitätsklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie möchte deshalb in Kooperation mit Prof. Dr. Yvonne Jockel-Schneider von der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie untersuchen, ob das Mikrobiom im Mund und im Tumorgewebe Hinweise auf den Erfolg einer Immuntherapie liefern kann.
Im Mittelpunkt steht das orale Plattenepithelkarzinom (OSCC), eine häufige und oft aggressive Krebserkrankung der Mundhöhle. Bei Patientinnen und Patienten, die vor einer geplanten Operation eine Immuntherapie erhalten, werden zu Beginn der Behandlung und während der späteren Tumoroperation Speichel, Zahnbelag (Plaque) und Tumorgewebe untersucht. Ergänzend wird der Zustand des Zahnfleisches erfasst, insbesondere das Vorliegen einer Parodontitis.
Mit modernen Sequenzierverfahren analysieren die Forschenden, welche Mikroorganismen im Mund und im Tumorgewebe vorkommen und wie sich deren Zusammensetzung während der Immuntherapie verändert. Dabei interessiert sie insbesondere, ob bestimmte Bakterien oder mikrobielle Eigenschaften mit einem guten oder schlechten Therapieansprechen verbunden sind. Gleichzeitig soll untersucht werden, welchen Einfluss chronische Entzündungen im Mund auf das Immunsystem und damit auf die Wirksamkeit der Immuntherapie haben.
Ziel ist es, mikrobielle und entzündungsbezogene Biomarker zu identifizieren, mit denen sich frühzeitig vorhersagen lässt, welche Patientinnen und Patienten von einer Immuntherapie profitieren. Langfristig könnten die Ergebnisse auch neue Möglichkeiten eröffnen, das Mikrobiom gezielt zu beeinflussen – beispielsweise durch die Behandlung einer Parodontitis – und dadurch die Wirksamkeit einer Immuntherapie zu verbessern.
Das Projekt verbindet damit moderne Immunonkologie mit der bislang wenig untersuchten Rolle des oralen Mikrobioms. Als prospektive Pilotstudie soll es die Grundlage für größere Untersuchungen und langfristig für eine stärker personalisierte Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren schaffen.