Aktuelle Pressemitteilungen

Erste Hilfe für die Psyche

Ersthelferkurs Mentale Gesundheit (EMG) vermittelt Wissen und Handlungssicherheit im Umgang mit psychischen Krisen – für Einzelpersonen, Unternehmen und pädagogische Einrichtungen

Logo der EMG Ersthelferkurs Mentale Gesundheit in grün und orange; drunter der Slogan "Erste Hilfe für die Psyche"

Würzburg. Erste Hilfe ist selbstverständlich, wenn jemand körperlich verletzt ist. Doch was ist zu tun, wenn ein Mensch psychisch in eine Krise gerät oder Suizidgedanken äußert? Genau hier setzen die Ersthelferkurse für mentale Gesundheit (EMG) an. Sie wurden vom Universitätsklinikum Würzburg (UKW), der Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp, der Stiftung Depression-Inklusion und dem Würzburger Bündnis gegen Depression entwickelt. „Hier lernst du, die Psyche in die stabile Seitenlage zu bringen“, erläuterte einst ein Teilnehmer. Das Kursprogramm zur Vorsorge richtet sich explizit an Laien und soll sie befähigen, psychische Krisen zu erkennen und Erste Hilfe zu leisten. 

Ersthelferkurse Mentale Gesundheit für Einzelpersonen, Unternehmen und Lehrende

Einzelpersonen lernen beispielsweise, wie sie sich selbst oder andere aus ihrem Familien-, Freundes- oder Bekanntenkreis in Krisensituationen unterstützen können. Die individuell angepassten Schulungen und Beratungsangebote für Unternehmen zielen darauf ab, die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz zu fördern, Mitarbeitende zu stärken und ein gesundes und produktives Arbeitsumfeld zu schaffen. Die drei Module, in denen die wesentlichen Botschaften vermittelt werden, können online gebucht werden oder direkt im Unternehmen stattfinden. „Das Besondere an diesem Kurs ist, dass wir direkt in die Betriebsstätten gehen und zu den Menschen“, sagt Prof. Dr. Jürgen Deckert, ehemaliger Direktor des Zentrums für Psychische Gesundheit (ZEP) des UKW. Er hat die Inhalte des Ersthelferkurses für mentale Gesundheit gemeinsam mit seinem Nachfolger, Prof. Dr. Sebastian Walther, sowie mit der Psychologischen Psychotherapeutin Dr. Melanie Vietz und dem Leitenden Oberarzt der Psychiatrie, Dr. Georg Ziegler, nach dem Modell der Ersthelferkurse für vital lebensbedrohliche Erkrankungen entwickelt. Neu ist das Angebot für Lehrpersonen. Die Module führen in psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen ein und kombinieren fundiertes Wissen mit konkreten Handlungsschritten für den Alltag.

Fellows Ride-Bewegung fährt Spendengelder für Ersthelferkurse ein 

Die Idee zu den Ersthelferkursen entstand aus dem Engagement der Fellows Ride-Bewegung für Depressionshilfe und Suizidprävention – allen voran von Dieter Schneider. Der Unternehmer und leidenschaftliche Motorradfahrer verarbeitete den Suizid seines 23-jährigen Sohnes mit einer mehrjährigen Motorradreise um die Welt. Inspiriert vom „Black Dog Ride” in Australien organisierte er 2021 in Würzburg die erste Motorradfahrt, um öffentlich auf Depressionen, psychische Erkrankungen und Suizidprävention aufmerksam zu machen. Inzwischen hat er seine Mission auf viele weitere Orte in Deutschland und Europa ausgeweitet. Die bei den Fellows Rides gesammelten Spenden fließen unter anderem in die Ersthelferkurse für mentale Gesundheit. 

Stimmen zu den Ersthelferkursen für Mentale Gesundheit: 

Dr. Melanie Vietz, Psychologische Psychotherapeutin am UKW und Fachliche Leiterin EMG: „Wir können nicht alle Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sein. Aber wir können lernen, psychische Krisen zu erkennen, Menschen anzusprechen und ihnen den Weg zu professioneller Hilfe zu zeigen. Gerade bei Suizidgedanken kann es entscheidend sein, dass jemand hinschaut und sich traut, das Thema offen anzusprechen.“

Dieter Schneider, Gründer der Fellows-Ride-Bewegung und Initiator der EMG: „Überall hängen Feuerlöscher, wenn es brennt. Aber wir brauchen auch Feuerlöscher für die Seele. Wir sollten alle in der Lage sein, Erste Hilfe zu leisten. Denn psychische Krisen können jeden treffen, im privaten ebenso wie im beruflichen Umfeld.“ 

Isabel Stangier, Instruktorin der EMG-Kurse und wissenschaftliche Mitarbeiterin des Zentrums für Psychische Gesundheit am UKW: „Der Kurs ist für alle offen, Vorkenntnisse braucht man nicht. Wir wollen den Teilnehmenden Wissen und konkrete Werkzeuge an die Hand geben, mit denen sie reagieren können, wenn es einer Person in ihrem Umfeld nicht gut geht. Denn manchmal kommt es genau auf den richtigen Moment und das richtige Gespräch an – und dafür möchten wir die nötige Sicherheit und die entsprechenden Fähigkeiten vermitteln.“

Dr. Gunther Schunk, Vorstand bei Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp: „Psychische Belastungen haben stark zugenommen, auch im Arbeitsumfeld. Psychische Erkrankungen gehören mit zu den häufigsten Gründen für Fehlzeiten und Demotivation im Arbeitsumfeld. Das dürfen wir nicht zulassen. Die Unternehmen müssen daher viel mehr Verantwortung auch für die mentale Gesundheit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernehmen.“

Prof. Dr. Sebastian Walther, Direktor des Zentrums für Psychische Gesundheit des UKW: „Die Ersthelferkurse werden hoffentlich dazu beitragen, dass sich mehr Menschen trauen, in ihrem direkten Umfeld Betroffene anzusprechen und Hilfe zu holen.“ 

Weitere Informationen zu den Ersthelferkursen für Mentale Gesundheit: emg-werden.de

Spendenkonto Fellows Ride 
Paypal: danke@ fellowsride.de
Castell-Bank: Stiftung Depression-Inklusion DE85 7903 0001 1000 1905 00

 

Logo der EMG Ersthelferkurs Mentale Gesundheit in grün und orange; drunter der Slogan "Erste Hilfe für die Psyche"

Das UKW auf dem Würzburger Stadtfest

Das Uniklinikum Würzburg präsentiert beim Würzburger Stadtfest am 18. und 19. September 2026 die Vielfalt seiner Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten.

 

Am UKW-Stand steht eine Mitarbeiterin mit zwei Kindern am Glücksrad. Im Hintergrund ist die Kirche zu sehen.
Zum Standbesuch beim Uniklinikum Würzburg auf dem Würzburger Stadtfest gehört auch das Drehen am Glücksrad. Es winken nützliche Preise. © Susanne Just / UKW
Unter einem UKW-Pavillon stehen vor einem Give-Away Tisch zwei Mitarbeiter. Links steht ein Roll-Up "Wir sollten uns kennen lernen".
Der Stand des Uniklinikums Würzburg auf dem Stadtfest befindet sich auch in diesem Jahr wieder auf dem Oberen Markt in der Nähe der Bühne. © Susanne Just / UKW

Würzburg. Wenn sich die Würzburger Innenstadt am Freitag und Samstag, 18. und 19. September 2026, in eine große Festmeile verwandelt, ist auch das Uniklinikum Würzburg (UKW) wieder mit dabei. Beim 36. Würzburger Stadtfest informiert das Großkrankenhaus an einem Stand auf dem Oberen Markt in der Nähe der Bühne zum einen über die vielfältigen Möglichkeiten, am Klinikum zu arbeiten und eine Ausbildung zu absolvieren. Zum anderen wird das Programm „Familiale Pflege“ vorgestellt.

Mehr als 230 Berufsgruppen und Professionen

Das Hauptmotto des diesjährigen Auftritts lautet „Arbeiten am UKW – Jobs nah am Leben, für das Leben“. Denn für die Versorgung der Patientinnen und Patienten sowie für Forschung und Lehre braucht es weit mehr als Ärztinnen, Ärzte und Pflegefachkräfte: Über 230 Berufsgruppen und Professionen arbeiten am UKW Hand in Hand. Entsprechend breit sind die Einstiegsmöglichkeiten. Das UKW hält sowohl für Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger als auch für Menschen mit Berufserfahrung zahlreiche Tätigkeitsfelder und berufliche Perspektiven bereit.

Einer der größten Ausbildungsbetriebe Unterfrankens

Auch für junge Menschen, die vor der Entscheidung über ihren weiteren beruflichen Weg stehen, lohnt sich ein Besuch am UKW-Stand. Das Uniklinikum zählt zu den größten Ausbildungsbetrieben Unterfrankens und bietet damit vielfältige Möglichkeiten für den Start ins Berufsleben.

Hilfestellung zur „Familialen Pflege“

Ein weiterer Programmpunkt des UKW greift ein Thema auf, das viele Familien herausfordert: Ihre Angehörigen benötigen nach einem Krankenhausaufenthalt häusliche Pflege. Als Hilfestellung für die damit verbundenen, oftmals neuen Aufgaben hat das UKW das Programm „Familiale Pflege“ ins Leben gerufen. Dabei schulen Fachkräfte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den Familien in den jeweils erforderlichen pflegerischen Maßnahmen – wie zum Beispiel in Körperpflege, Mobilisation, Medikamentengabe oder dem Anlegen von Verbänden. Beim Stadtfest erfahren Interessierte dazu alles Wissenswerte.

Mit Glücksrad und Kinderschminken

Neben den diversen Informationen kommt auch die Unterhaltung nicht zu kurz: Am Glücksrad können Besucherinnen und Besucher ihr Glück versuchen – und für die jüngeren Stadtfestgäste bietet das Uniklinikum Kinderschminken an.

Text: Pressestelle / UKW
 

Am UKW-Stand steht eine Mitarbeiterin mit zwei Kindern am Glücksrad. Im Hintergrund ist die Kirche zu sehen.
Zum Standbesuch beim Uniklinikum Würzburg auf dem Würzburger Stadtfest gehört auch das Drehen am Glücksrad. Es winken nützliche Preise. © Susanne Just / UKW
Unter einem UKW-Pavillon stehen vor einem Give-Away Tisch zwei Mitarbeiter. Links steht ein Roll-Up "Wir sollten uns kennen lernen".
Der Stand des Uniklinikums Würzburg auf dem Stadtfest befindet sich auch in diesem Jahr wieder auf dem Oberen Markt in der Nähe der Bühne. © Susanne Just / UKW

Versäumte Bilder: Ausstellung zeigt Pionierinnen der Wissenschaft

Viele Frauen haben die Wissenschaft maßgeblich geprägt – doch ihre Leistungen wurden oft ignoriert, verzerrt oder anderen Personen zugeschrieben. Die Wanderausstellung „Versäumte Bilder“, die vom 17. September bis 26. Oktober 2026 im Forum des Universitätsgebäudes am Wittelsbacherplatz zu sehen ist, macht solche Frauen sichtbar.

 

KI-generierte Porträt von Barbara Thein
Dieses KI-generierte Porträt zeigt die Würzburger Innovatorin Barbara Thein (1775-1842), deren Leistungen bislang kaum gewürdigt wurden. Rechts im Hintergrund ist Theins Arbeitsplatz dargestellt, die Alte Universität mit dem Turm der Neubaukirche. (Bild: Gesine Born)

Die Ausstellung zeigt KI-generierte Porträts von Wissenschaftlerinnen und Pionierinnen, von denen oft keine repräsentativen Darstellungen überliefert sind.

Die Kommunikationsdesignerin und Wissenschaftsfotografin Gesine Born hat die Porträts auf Grundlage historischer Quellen, biografischer Informationen und – wo möglich – im Austausch mit Angehörigen der porträtierten Frauen entwickelt. Die Bilder sind visuelle Annäherungen an Persönlichkeiten, die zu ihren Lebzeiten nie durch ein gemaltes oder fotografisches Porträt gewürdigt wurden. Sie laden dazu ein, über historische Leerstellen und Formen der Anerkennung nachzudenken.

Barbara Thein: Eine Würzburgerin mit Innovationskraft

Eine Besonderheit der Wanderausstellung ist, dass sie mit jedem Ausstellungsort wächst: Jede gastgebende Institution recherchiert in ihrer eigenen Geschichte nach einer Forscherin oder Innovatorin, deren Leistungen bislang kaum gewürdigt wurden. Auf Basis dieser Recherchen schafft Gesine Born ein neues „versäumtes Bild“, das die Wanderausstellung dauerhaft erweitert und an den nächsten Ausstellungsort mitreist.

Das Würzburger Universitätsarchiv und das Büro der Frauenbeauftragten haben dafür Barbara Thein (1775-1842) ausgewählt. Sie war die erste Frau, die an der Universität Würzburg nachweisbar wissenschaftlich gearbeitet hat – in einer Zeit, in der Frauen von Universitäten, Wissenschaft und Bildung bis auf sehr wenige Ausnahmen streng ausgeschlossen waren.

Auch Barbara Thein war nicht offiziell immatrikuliert. Sie arbeitete im Naturalienkabinett von Joseph Bonavita Blank und leistete dort bemerkenswerte Arbeit. Zu ihren Aufgaben gehörte es, Tiere zu präparieren und Präparate zu reparieren. Dabei entwickelte sie eigene Methoden; schriftlich überliefert sind ihre besonderen Fähigkeiten bei der Präparation mit Weingeist.

Bezahlt wurde Barbara Thein nicht von der Universität, sondern von Blank – mit Geld, das er von seinem eigenen Gehalt abzwackte. Als der Forscher seine Sammlung 1804 der Universität übergab, knüpfte er daran eine Forderung: ein jährliches, von der Universität zu zahlendes Gehalt für seine Gehilfin. Doch die Universität ignorierte die Forderung mehr als zehn Jahre lang.

Seit 2023 ist der Weg, der vom Campus Hubland-Süd zum Schönstattzentrum führt, nach Barbara Thein benannt.

Weitere Porträts von Forscherinnen

Neben Barbara Thein zeigt die Wanderausstellung in Würzburg 16 weitere Porträts von innovativen Frauen, die Gesine Born in Zusammenarbeit mit verschiedenen Universitäten und Forschungseinrichtungen in Deutschland erarbeitet hat.

Präsentiert werden zum Beispiel die Astronomin Maria Margareta Winkelmann-Kirch (1670-1720), die im Auftrag des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt porträtiert wurde, und die Stadtsoziologin Erika Spiegel (1925-2017). Deren Porträt wurde von der Schader-Stiftung in Auftrag gegeben.

Förderrichtlinie „Innovative Frauen im Fokus“

Das Projekt „Wanderausstellung: Versäumte Bilder“ wird im Rahmen der Förderrichtlinie „Innovative Frauen im Fokus“ vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert. Ziel ist es, die Sichtbarkeit von Frauen in Wissenschaft, Forschung und Innovation zu stärken.

Die Wanderausstellung macht Versäumnisse der Vergangenheit sichtbar und regt einen gesellschaftlichen Dialog über Chancengleichheit, Erinnerungskultur und den verantwortungsvollen Einsatz Künstlicher Intelligenz an. Als Teilprojekt des Metavorhabens „Innovative Frauen im Fokus“ knüpft sie dabei auch an Ergebnisse und Maßnahmen aus den geförderten Projekten der Förderrichtlinie an und macht diese für ein breiteres Publikum zugänglich..

Ausstellungsbesuch

Die Ausstellung ist vom 17. September bis 26. Oktober 2026 in Würzburg im Forum des Universitätsgebäudes am Wittelsbacherplatz 1 zu sehen. Sie richtet sich an ein breites Publikum und lädt dazu ein, Fragen von Sichtbarkeit, Repräsentation und Anerkennung neu zu diskutieren.

Über QR-Codes in der Ausstellung können die Besucherinnen und Besucher die Lebensgeschichten der porträtierten Frauen vertiefen und mehr über die Entstehung der KI-generierten Porträts erfahren.

Die Webseite der Wanderausstellung https://wanderausstellung-versäumte-bilder.de bietet darüber hinaus eine dauerhaft verfügbare digitale Galerie mit allen Porträts sowie Hintergrundinformationen zum Projekt. Auch Wissenswertes zu den Themen Gleichstellung, sozial verantwortungsvolle KI und Frauen in Wissenschaft und Innovation werden präsentiert.

Wanderausstellung: Versäumte Bilder
17. September bis 26. Oktober 2026
Universitätsgebäude am Wittelsbacherplatz 1
97074 Würzburg
Der Zugang ist barrierefrei möglich.

Öffnungszeiten:

Vorlesungsfreie Zeit (bis Freitag, 9. Oktober 2026)
Montag-Donnerstag von 7:00 bis 16:00 Uhr
Freitag von 7:00 bis 13:00 Uhr

Vorlesungszeit (ab Montag, 12. Oktober 2026)
Montag-Freitag von 7:00 bis 21:00 Uhr
Der Eintritt ist frei.

Weitere Informationen zur Wanderausstellung
https://www.innovative-frauen-im-fokus.de/wanderausstellung/ 

Website zur Wanderausstellung
https://wanderausstellung-versäumte-bilder.de 

 

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 7. September 2026
 

KI-generierte Porträt von Barbara Thein
Dieses KI-generierte Porträt zeigt die Würzburger Innovatorin Barbara Thein (1775-1842), deren Leistungen bislang kaum gewürdigt wurden. Rechts im Hintergrund ist Theins Arbeitsplatz dargestellt, die Alte Universität mit dem Turm der Neubaukirche. (Bild: Gesine Born)

Else Kröner Center Würzburg-Mwanza geht in die Verlängerung

Die erfolgreiche Arbeit des Else Kröner Center Würzburg-Mwanza kann weitergehen: Die Else Kröner-Fresenius-Stiftung fördert das Kooperationsprojekt für eine bessere Gesundheitsversorgung der Menschen rund um die Stadt Mwanza in Tansania für weitere 2,5 Jahre.

Mehrere Fischerboote am Strand.
Fischerboote am Ufer des Victoriasees in Tansania. Der Kontakt mit dem Süßwasser birgt die Gefahr einer Infektion mit Schistosomen, die zu einer schweren parasitären Erkrankung führen können. (Bild: Franziska Kammer / Universität Würzburg)

Vor über sechs Jahren hat das „Else Kröner Center for Advanced Medical & Medical Humanitarian Studies Würzburg – Mwanza“ (EKC) seine Arbeit aufgenommen. Mittlerweile ist das Zentrum zu einem festen Bestandteil der deutsch-tansanischen Kooperationen zwischen den medizinischen Fakultäten der Universität Würzburg und der Catholic University of Health and Allied Sciences in Mwanza avanciert. Es gilt an beiden Universitäten als Leuchtturmprogramm für die deutsch-afrikanische Zusammenarbeit.

Viel ist seit der Gründung des Zentrums passiert: Fünfzig Medizinstudierende der Partnerfakultäten haben Praktika im Partnerland durchgeführt, Ärztinnen und Ärzte haben bei ihren Kolleginnen und Kollegen hospitiert, ein bilaterales Masterprogamm wurde ins Leben gerufen, acht Doktorandinnen und Doktoranden haben ihre Forschung an beiden Standorten vorangetrieben. 

Vor allem wurde die Gesundheitsversorgung in der Region um Mwanza erheblich verbessert: Im Rahmen eines breit angelegten Programms zur Bekämpfung der um den Victoriasee stark verbreiteten parasitären Krankheit Schistosomiasis wurden weite Teile der auf den Inseln ansässigen Bevölkerung über die Erkrankung und ihre Folgen aufgeklärt, auf eine Infektion untersucht und behandelt. Auch das lokale Krankenhaus wurde für die adäquate Versorgung von Schistosomiasis-Patientinnen und -Patienten erweitert und das ansässige Personal geschult.

850.000 Euro für die zweite Projektphase

Nun hat die Else Kröner-Fresenius-Stiftung zugesagt, das Zentrum für weitere zweieinhalb Jahre mit 850.000 Euro zu fördern. Sie hat das Projekt in dessen ersten Jahren bereits mit 2,5 Millionen Euro unterstützt.

Die Projektleitung verbleibt auch in der zweiten Förderphase in der Hand der Medizinischen Fakultät der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU). Kooperationspartner in Würzburg sind das Universitätsklinikum Würzburg (UKW), medmissio – Institut für Globale Gesundheit und die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) e.V.. Partnerorganisationen in Mwanza sind die Catholic University of Health and Allied Sciences und das Bugando Medical Centre.

Ehrgeizige Ziele für die zweite Förderphase

Neben der Weiterführung der bestehenden Programme soll in der kommenden Förderphase zusätzlich ein Programm zur Förderung von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern in Mwanza eingeführt werden. 

Außerdem haben sich die Partner zum Ziel gesetzt, das Schistosomiasis-Programm auf alle Gemeinden im Ukerewe-Distrikt rund um den Victoriasee auszuweiten. Neben den Erwachsenen wollen sie nun auch Kinder unter fünf Jahren in die Behandlungskampagnen einbinden. So sollen alle etwa 400.000 Menschen in 62 Dörfern die Möglichkeit regelmäßiger Untersuchungen und Behandlungen erhalten. Begleitet wird das Programm von wissenschaftlichen Studien zur Verbreitung und Epidemiologie der Parasiten. Geprüft werden auch Effizienz und Kosten des Programms.

Beim Endspurt liegt der Fokus auf Nachhaltigkeit

In den kommenden zweieinhalb Jahren wird das Zentrum einen besonderen Fokus auf die Nachhaltigkeit der geschaffenen Strukturen legen. Die im Rahmen des EKC ausgebildeten Doktorandinnen und Doktoranden verpflichten sich, nach ihrer Promotion für weitere sechs Jahre an der Partneruniversität in Mwanza zu bleiben und ihre Expertise in Lehre und Forschung vor Ort einzubringen. In einem Clinician-Scientist-Programm sollen besonders talentierte Nachwuchskräfte beim Aufbau eigenständiger Forschungsgruppen unterstützt werden. 

Zusätzlich wurde eine Übergabestrategie erarbeitet, nach der das gemeinnützige Programm zur Bekämpfung der Schistosomiasis Schritt für Schritt in lokale Hände überführt werden soll. Zum Abschluss der zweiten Förderperiode sollen wichtige Schnittstellen, wie die Beschaffung und Vergabe der Medikamente, durch die lokale Gesundheitsbehörde -und einrichtungen übernommen werden. 

Das Ziel der Beteiligten ist es, nach dem Ablauf der Förderung durch die Else Kröner-Fresenius-Stiftung langfristige Strukturen geschaffen zu haben, welche die akademische Lehre, die Versorgung von Patientinnen und Patienten sowie die Gemeindearbeit auf den Inseln weitertragen. Die seit Jahrzehnten bestehende Partnerschaft zwischen den Universitäten und Unikliniken mit dem regen Austausch von Studierenden und Ärztinnen und Ärzten sowie die engen Kollaborationen zwischen den weiteren Partnern werden auch nach Förderende durch die Else Kröner-Fresenius-Stiftung Bestand haben.. 

Stimmen zur Weiterförderung

„Im Else Kröner Center Würzburg-Mwanza greifen Patientenversorgung, Prävention, Ausbildung und Forschung eng ineinander. Die bisherigen Arbeiten haben wichtige Strukturen für die Schistosomiasis-Kontrolle und die Versorgung auf Ukerewe geschaffen. In den kommenden zweieinhalb Jahren sollen diese nachhaltig verankert, auf den gesamten Distrikt mit rund 400.000 Menschen ausgeweitet und schrittweise in die Verantwortung der tansanischen Partner übergeben werden. Diese Verbindung von unmittelbarer medizinischer Hilfe, Kompetenzaufbau und lokaler Verantwortung hat uns überzeugt.“– Dr. Judith von Heusinger, zuständig für die humanitäre Förderung der Else Kröner-Fresenius-Stiftung

Im Else Kröner Center wurden die langjährigen Partner aus Mwanza und Würzburg noch enger zusammengeführt und bisherige Projekte vertieft und deutlich erweitert. Die Förderzusage für weitere 2,5 Jahre durch die Else Kröner-Fresenius-Stiftung ermöglicht eine Verstetigung der aufgebauten Strukturen und einen langfristigen, über die Förderung hinausgehenden Einfluss des Zentrums. Wir begrüßen daher die Zusage für eine Weiterfinanzierung sehr.“ – Prof. Dr. Matthias Frosch, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg

„Die Zusammenarbeit aller Partner in den letzten Jahren hat gezeigt, dass gemeinsam vieles erreicht werden kann. Auch für die zweite Förderphase haben wir uns ehrgeizige Ziele gesteckt. Unsere Projektarbeit erstreckt sich auf die akademische Lehre, die Ausbildung von Doktorandinnen und Doktoranden, die Wissenschaftsförderung, die Patientenversorgung und die regelmäßige Behandlung aller Menschen im Ukerewe District gegen die vernachlässigte Tropenerkrankung Schistosomiasis. Durch die starke Vernetzung der unterschiedlichen Projektbereiche wird eine nachhaltige Förderung in allen Bereichen erzielt.“ – Prof. Dr. Oliver Kurzai, wissenschaftlicher Leiter des Else Kröner Centers

„Wir freuen uns sehr, dass die EKFS auch die zweite Förderrunde begleitet. Gerade jetzt ist es entscheidend, die gesamte Bevölkerung auf der Ukerewe Insel zu erreichen – sowohl in geografischer Hinsicht als auch durch die Einbeziehung von Kindern unter fünf Jahren. Dies stellt einen wichtigen Schritt für die Unterbrechung des Schistosomiasis Infektionskreislaufs dar. Darüber hinaus ermöglichen uns die bereits erzielten Erfolge sowie die gemeindezentrierten Maßnahmen, den Fokus noch mehr auf Eigenregie und Eigenverantwortung unter Einbezug aller lokaler Akteure zu legen, und gleichzeitig wertvolle wissenschaftliche Erkenntnisse über den aktuellen Kontext verfügbar zu machen.“ – Dr. Saskia Kreibich, Forschungskoordinatorin der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe

Else Kröner-Fresenius-Stiftung (EKFS) – Forschung fördern. Menschen helfen.

Die gemeinnützige Else Kröner-Fresenius-Stiftung widmet sich der Förderung medizinischer Forschung und unterstützt humanitäre Projekte. Bis heute hat sie rund 3.000 Projekte gefördert. Mit einem jährlichen Fördervolumen von aktuell rund 90 Millionen Euro ist sie die größte Medizin fördernde Stiftung Deutschlands. Weitere Informationen finden Sie unter: www.ekfs.de

Weblinks

Else Kröner Center Würzburg – Mwanza (https://www.wuerzburg-mwanza.de/)

Else Kröner-Fresenius-Stiftung (www.ekfs.de)

 

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 7. September 2026

Mehrere Fischerboote am Strand.
Fischerboote am Ufer des Victoriasees in Tansania. Der Kontakt mit dem Süßwasser birgt die Gefahr einer Infektion mit Schistosomen, die zu einer schweren parasitären Erkrankung führen können. (Bild: Franziska Kammer / Universität Würzburg)

Reanimation macht Schule: Universitätsklinikum Würzburg bietet kostenloses Training für Schulklassen an

Schüler lernen, wie sie eine Wiederbelebung durchführen, blutende Wunden versorgen und mit bewusstlosen Personen umgehen.

Das Universitätsklinikum Würzburg bietet kostenlose Wiederbelebungstrainings für Schulklassen in Würzburg und Umgebung an. Foto: UKW / Katrin Heyer
Das Universitätsklinikum Würzburg bietet kostenlose Wiederbelebungstrainings für Schulklassen in Würzburg und Umgebung an. Foto: UKW / Katrin Heyer

Würzburg. Leben retten lernen – was nach einer großen Aufgabe klingt, lässt sich mit dem richtigen Training schon in jungen Jahren sicher anwenden. Genau hier setzt das Projekt „Lebensretter – Kids save lives“ des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) an, das vor kurzem mit einer großzügigen Spende von sechs Rotary Clubs aus der Region unterstützt wurde. Es vermittelt Schülerinnen und Schülern frühzeitig, wie sie in Notfallsituationen ruhig, sicher und verantwortungsvoll handeln können. Denn lebensrettende Sofortmaßnahmen sind keine Frage von Spezialwissen, sondern eine Fähigkeit, die jede und jeder erlernen kann.

Kostenloses Angebot für Schulen in der Region

Das Angebot richtet sich insbesondere an Schulklassen der 7. und 8. Jahrgangsstufe in Würzburg und Umgebung. In einer Doppelstunde vermitteln qualifizierte Tutorinnen und Tutoren der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie die wichtigsten Grundlagen der Ersten Hilfe – praxisnah und altersgerecht. Die Schülerinnen und Schüler lernen dabei unter anderem, wie sie eine Wiederbelebung durchführen, blutende Wunden versorgen und mit bewusstlosen Personen umgehen.

Sämtliche Übungsmaterialien werden gestellt, für die Schulen entstehen keine Kosten. Das Training unterstützt Schulen dabei, die Reanimationsausbildung im Unterricht umzusetzen, wie sie auch vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus empfohlen wird.

Mehr Sicherheit durch frühes Lernen

Je mehr Menschen im Ernstfall handeln können, desto größer sind die Überlebenschancen der Betroffenen. Schulen sind der ideale Ort, um diese lebensrettenden Fähigkeiten früh zu vermitteln und fest im Bewusstsein junger Menschen zu verankern.

Felipe Maldonado, Assistenzarzt der Klinik, bringt das Anliegen des Projekts auf den Punkt: „Helfen ist keine Frage des Alters. Wer weiß, was zu tun ist, kann jederzeit Leben retten.“ Durch praktische Übungen bauen die Jugendlichen Hemmschwellen ab, gewinnen Sicherheit und werden ermutigt, im entscheidenden Moment nicht wegzusehen, sondern aktiv zu helfen.

Termin anfragen

Schulen, die Interesse an einem Reanimationstraining haben, können sich direkt über die E-Mailadresse: kinder_retten_leben@ ukw.de  an das Projektteam wenden.

Ein Flyer mit wichtigen Informationen zum Ablauf, zu den Inhalten und zur Anmeldung steht ebenfalls zur Verfügung. Dieser kann von Schulen für den internen Aushang, zur Weitergabe im Kollegium oder zur Information von Eltern genutzt werden.

Das Universitätsklinikum Würzburg bietet kostenlose Wiederbelebungstrainings für Schulklassen in Würzburg und Umgebung an. Foto: UKW / Katrin Heyer
Das Universitätsklinikum Würzburg bietet kostenlose Wiederbelebungstrainings für Schulklassen in Würzburg und Umgebung an. Foto: UKW / Katrin Heyer

CAR-T-Zellen direkt im Körper herstellen

ERC Starting Grant für Karl Petri: Würzburger Forscher entwickelt neue Technologie für eine sichere und dauerhafte In-vivo-CAR-T-Zelltherapie

Porträtbild von Karl Petri mit weißem Kittel im Labor
Dr. Karl Petri vom Universitätsklinikum Würzburg erhält einen ERC Starting Grant, um mit seinem Team eine neue Technologie für eine sichere und dauerhafte In-vivo-CAR-T-Zelltherapie zu entwickeln. © Daniel Peter / UKW
Die Mitarbeitenden tragen alle weiße Kittel und sind in zwei Reihen in einem Laborraum aufgereiht.
Die Arbeitsgruppe von Karl Petri sucht Verstärkung. Hier im Bild v.l.n.r., vordere Reihe: Shrey Jain, Lucas Wehler, Karl Petri, Christina Borgel, hintere Reihe: Leon Gehrke, Alexandre Trubert, Jun Kai Ong, Dorothea Götz. © Christina Bornschein / UKW

Würzburg. Bislang werden CAR-T-Zellen außerhalb des Körpers hergestellt. Dazu werden T-Zellen aus dem Blut der Patientin oder des Patienten gewonnen, im Labor genetisch verändert, sodass sie Proteine auf ihrer Oberfläche produzieren, die als chimäre Antigenrezeptoren (CARs) bezeichnet werden. Diese CARs helfen den T-Zellen dabei, Krebszellen zu erkennen und zu zerstören. Nach der Umprogrammierung werden die CAR-T-Zellen zurück in den Körper übertragen. Seit ihrer ersten Zulassung im Jahr 2017 haben sie die Behandlung bestimmter Blutkrebserkrankungen, darunter bestimmte Formen von Leukämien, Lymphomen und des Multiplen Myeloms, grundlegend verändert. Bei einem Teil der Patientinnen und Patienten können sie langanhaltende Remissionen erreichen.

ERC Starting Grant dotiert mit 1,5 Millionen Euro

Die personalisierte Herstellung im Labor ist jedoch mit erheblichem Zeit- und Kostenaufwand verbunden und nicht immer erfolgreich. Diesen Prozess will Dr. Karl Petri vom Lehrstuhl für Zelluläre Immuntherapie und der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) in einem neuen Forschungsprojekt künftig umgehen. Die CAR-T-Zellen sollen direkt im Körper entstehen. Für dieses Vorhaben erhält er vom Europäischen Forschungsrat (ERC) einen ERC Starting Grant. Der renommierte Forschungspreis ist mit knapp 1,5 Millionen Euro dotiert. 

CAR-T-Zellen sollen direkt im Körper entstehen

„Ich habe mich riesig gefreut, dass unser Projekt in diesem hochkompetitiven Wettbewerb bewilligt wurde. Denn wir können damit eine wichtige und zukunftsweisende Fragestellung angehen“, sagt Karl Petri. „Immunzelltherapien haben großes Potenzial, und das nicht nur in der Krebsmedizin. Was bislang fehlt, ist eine wirklich effiziente und sichere Technologie, um solche Therapien direkt im Körper herzustellen. Genau diese Lücke wollen wir mit der Verbindung verschiedener Technologien schließen.“

Damit die T-Zellen im Körper CARs herstellen können, wird ein Vektor benötigt. Dieser kann viralen Ursprungs sein oder in Form von Nanopartikeln vorliegen. Bei der klassischen CAR-T-Zellherstellung im Labor kommen meist virale Vektoren zum Einsatz. Sie schleusen DNA mit dem Gen für den CAR in die zuvor entnommenen T-Zellen ein. Die DNA wird dauerhaft in das Erbgut der T-Zellen eingebaut, sodass diese langfristig CAR-Proteine produzieren können. Allerdings lässt sich nicht vollständig kontrollieren, in welchen Abschnitten des Genoms virale Vektoren integrieren. Bei der In vivo-CAR-T-Zelltherapie kann sich das Risiko potenziell erhöhen: Die viralen Vektoren werden auf den gesamten Organismus appliziert und könnten dadurch nicht nur T-Zellen, sondern unter Umständen auch andere Körperzellen erreichen und gentechnisch verändern. 

Eine alternative Transportmethode sind Lipid-Nanopartikel. Mithilfe dieser winzigen Lipidpartikel kann die mRNA, also die Bauanleitung für CARs, sicher in die T-Zellen eingeschleust werden. Der Nachteil ist jedoch, dass diese Bauanleitung sehr kurzlebig ist. Das bedeutet, dass die T-Zellen nur für wenige Tage das CAR-Protein auf ihrer Oberfläche exprimieren. Dann wird das RNA-Molekül schon wieder abgebaut und der genetische Informationsfluss für die CAR-Produktion versiegt. 

Das Beste aus zwei Ansätzen verbinden

„Wir wollen nun das Beste aus beiden Welten vereinen: die dauerhafte CAR-Expression und eine sichere Plattform mit einer zielgerichteten Integration der Bauanleitung“, sagt Karl Petri. „Dafür entwickeln wir eine Lipid-Nanopartikel-basierte In-vivo-CAR-T-Zelltherapie mittels neuartiger Genomeditierungswerkzeuge. Dadurch wird die genetische Information für den CAR in eine sogenannte Safe-Harbor-Region der T-Zelle gebracht und in diesem sicheren Hafen gehalten.“ 

Dass Lipid-Nanopartikel grundsätzlich dazu geeignet sind, T-Zellen in vivo zu transfizieren, also genetisches Material gezielt in die Zelle einzuschleusen, ist bereits bekannt. Dass die neuen Genomeditierungswerkzeuge in T-Zellen funktionieren, konnte Karl Petri auch schon zeigen. „Unsere präliminären Daten sind sehr vielversprechend. Die Herausforderung besteht nun darin, die Komponenten zusammenzufügen und die Genwerkzeuge so zu optimieren, dass die CAR-Bauanleitung möglichst effizient, dauerhaft und sicher in die T-Zellen gelangt.

Sicherheit wird bei jedem Schritt überprüft

Die Sicherheit ist ein wichtiger Bestandteil des Projekts. Das Team will jeden einzelnen Schritt genau untersuchen und prüfen, ob die Behandlung ungefährlich und verträglich ist. Dafür setzen die Forschenden unter anderem selbst entwickelte Analyseverfahren ein. „Wir untersuchen beispielsweise, wo sich die Nanopartikel im Körper verteilen, und überprüfen genau, an welchen Stellen die genetische Information in das Erbgut der Zellen eingebaut wird“, erläutert Petri. 

In fünf Jahren zur Vorbereitung einer klinischen Studie

In den kommenden fünf Jahren will er mit seinem Team die notwendigen grundlagenwissenschaftlichen und sicherheitsrelevanten Daten aus Untersuchungen in Zellkulturen und Mäusen zusammentragen. Sie sollen die Grundlage für ein sogenanntes Pre-IND-Meeting (Pre-IND steht für Pre-Investigational New Drug) bilden, dass die Grundlage für eine zukünftige klinische Translation sein soll.

Starke Partner am Forschungsstandort Würzburg

Das Projekt ist beispielhaft für den Standort Würzburg und seine Synergien. Mit Prof. Hermann Einsele, dem Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II, und Prof. Michael Hudecek, dem Inhaber des Lehrstuhls für Zelluläre Immuntherapie, sind zwei renommierte CAR-T-Zellexperten vor Ort. Prof. Jörg Vogel, der geschäftsführende Direktor des Helmholtz-Instituts für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI), ist ein ausgewiesener Spezialist für Ribonukleinsäuren (RNA). Hinzu kommen Strukturen wie das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) WERA und das Bayerische Zentrum für Krebsforschung (BZKF), die die klinische Translation ermöglichen. „Geht unser Plan auf, hätten wir eine sehr starke Plattform für die In-vivo-Generation und -Modifikation von Zelltherapien“, resümiert Karl Petri. 

Mit dem neuen Projekt wächst auch seine Arbeitsgruppe: Petri möchte zum Start Anfang 2027 zwei weitere Doktorandinnen und/oder Doktoranden sowie eine-/n Postdoc aufnehmen. Damit würde das derzeit aus sechs Naturwissenschaftlerinnen und Naturwissenschaftlern sowie einem Mediziner bestehende Team auf insgesamt neun anwachsen.

Ein Teil der Arbeitsgruppe wird bereits durch eine Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im Emmy-Noether-Programm unterstützt. Das Team entwickelt dort neuartige CRISPR-2.0-Werkzeuge, um zielgerichtete CAR-T-Zellprodukte zur Krebsbehandlung herzustellen und weiter zu verbessern (siehe Meldung vom 2.8.2024 „Grenzen der Immuntherapie überwinden“ und #WomenInScience-Porträt von Christina Borgel, Doktorandin inm Petri-Lab).

Über Karl Petri
Dr. med. Karl Petri wurde in Frankfurt am Main geboren und wuchs in Karben (Hessen) auf. Er studierte Humanmedizin in Heidelberg und forschte anschließend sechs Jahre lang in den USA, am Massachusetts General Hospital und an der Harvard Medical School in Boston. Seit Sommer 2023 ist er am Universitätsklinikum Würzburg tätig: in der Medizinischen Klinik und Poliklinik II leitet er am Institut für Zelluläre Immuntherapie eine Emmy-Noether-Forschungsgruppe (Petri-Lab). Karl Petri ist verheiratet und Vater eines Sohnes. 

 

Porträtbild von Karl Petri mit weißem Kittel im Labor
Dr. Karl Petri vom Universitätsklinikum Würzburg erhält einen ERC Starting Grant, um mit seinem Team eine neue Technologie für eine sichere und dauerhafte In-vivo-CAR-T-Zelltherapie zu entwickeln. © Daniel Peter / UKW
Die Mitarbeitenden tragen alle weiße Kittel und sind in zwei Reihen in einem Laborraum aufgereiht.
Die Arbeitsgruppe von Karl Petri sucht Verstärkung. Hier im Bild v.l.n.r., vordere Reihe: Shrey Jain, Lucas Wehler, Karl Petri, Christina Borgel, hintere Reihe: Leon Gehrke, Alexandre Trubert, Jun Kai Ong, Dorothea Götz. © Christina Bornschein / UKW

Männer mit Migräne und gesunde Frauen für Studie gesucht

Das Uniklinikum Würzburg untersucht in einer aktuellen Studie die Schmerzverarbeitung bei Migräne. Neben volljährigen Männern mit Migräne werden für die Kontrollgruppe derzeit noch gesunde Frauen ohne Migräne in bestimmten Altersgruppen gesucht.

 

Drei Zeichnungen: Arm mit Blutabnahme, eine Person an der elektrische Reize über die Haut stimuliert wird und eine Person an der ein EEG die elektrische Aktivität des Gehirns misst.
Zum Untersuchungsumfang der Studie gehören eine Blutentnahme, eine Stimulation schmerzleitender Nervenfasern und ein EEG. © KI-generiert mit ChatGPT / Viktoria Kohler

Würzburg. Migräne ist eine häufige neurologische Erkrankung, deren zugrundeliegenden Mechanismen noch nicht vollständig verstanden sind. Eine wichtige Rolle könnten Veränderungen bei der Verarbeitung von Schmerzreizen sowie bestimmte Botenstoffe des Nervensystems, sogenannte Neuropeptide, spielen. Ein Forschungsteam der Neurologischen Klinik des Uniklinikums Würzburg (UKW) untersucht deshalb, wie sich die Schmerzverarbeitung bei Menschen mit Migräne von der bei gesunden Personen unterscheidet.

Die Studie befindet sich bereits in einer fortgeschrittenen Phase der Datenerhebung. Deshalb werden jetzt zum einen noch gezielt volljährige männliche Teilnehmer mit Migräne gesucht. Um eine möglichst gute Vergleichbarkeit mit den bereits untersuchten Migränepatientinnen und -patienten zu erreichen, benötigt das Studienteam zum anderen noch gesunde Frauen ohne Migräne im Alter von 18 bis 24 Jahren sowie von 35 bis 49 Jahren für die Kontrollgruppe.

Zunächst kurzer Online-Fragebogen

Interessierte füllen zunächst einen Online-Fragebogen aus, der unter ls1.psychologie.uni-wuerzburg.de/so/migraene/ abrufbar ist. Dies dauert etwa fünf Minuten für gesunde Kontrollpersonen und etwa 30 Minuten für Migränepatientinnen und -patienten. Dabei wird unter anderem geprüft, ob die Voraussetzungen für eine Studienteilnahme erfüllt sind. Bei Eignung folgt ein Termin am UKW.

Die Untersuchung vor Ort dauert rund zwei Stunden. Dabei wird mit einem EEG die elektrische Aktivität des Gehirns erfasst. Durch elektrische Reize über die Haut werden zudem gezielt schmerzleitende Nervenfasern stimuliert. Eine Blutentnahme dient dazu, bestimmte Neuropeptide zu untersuchen, die mit der Schmerzverarbeitung in Zusammenhang stehen könnten. Für die Untersuchung vor Ort erhalten die Teilnehmenden eine Aufwandsentschädigung von 20 Euro.

Die Studie wird von Prof. Dr. Claudia Sommer geleitet. Ansprechpartnerinnen sind die PhD-Kandidatin Zhuolin Zhao und die medizinische Doktorandin Viktoria Kohler. Fragen richten Interessierte an die E-Mail: kohler_v@ ukw.de.

Text: Pressestelle / UKW
 

Drei Zeichnungen: Arm mit Blutabnahme, eine Person an der elektrische Reize über die Haut stimuliert wird und eine Person an der ein EEG die elektrische Aktivität des Gehirns misst.
Zum Untersuchungsumfang der Studie gehören eine Blutentnahme, eine Stimulation schmerzleitender Nervenfasern und ein EEG. © KI-generiert mit ChatGPT / Viktoria Kohler