paper place Archiv 1. Quartal 2026

Growth differentiation factor-15 (GDF-15) als vielversprechender Biomarker beim lokal begrenztem, nicht-metastasiertem Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom)

Von allen Krebserkrankungen hat Bauchspeicheldrüsenkrebs - in der Fachsprache auch duktales Adenokarzinom des Pankreas (PDAC) genannt - weiterhin die ungünstigste Prognose.

Collage mit drei mikroskopischen Aufnahmen
Die drei mikroskopischen Aufnahmen zeigen beispielhafte immunhistochemische (IHC) Färbungen für die GDF-15-Expression in Tumorproben (tGDF-15). (A) Plazenta (= Positivkontrolle), (B) negativ (Isotyp-Kontrolle) und (C) repräsentative positive GDF-15-Färbung in pankreatischen Tumorproben. Zum Ausgangszeitpunkt (Baseline, BL) zeigten 4 von 39 (10,3 %) Proben eine tGDF-15-Expression, verglichen mit 16 von 39 (41 %) nach der Induktionstherapie (Woche 16). Maßstabsbalken: 200 µm. Figure 4 in https://doi.org/10.1016/j.esmogo.2025.100274

Zum Zeitpunkt der Diagnose befinden sich etwa ein Viertel bis ein Drittel der Betroffenen in einem Stadium, in dem sich der Tumor zwar noch nicht im Körper ausgebreitet hat, aber bereits stark in das umliegende Gewebe hineingewachsen ist, also lokal fortgeschritten ist. Man spricht vom LAPC (engl. locally advanced pancreatic cancer). 

Die vollständige operative Entfernung (R0-Resektion) des Tumors gilt als einzige Möglichkeit auf Heilung, ist jedoch nur bei sehr wenigen Patientinnen und Patienten möglich (unter 5 Prozent). Eine vorgeschaltete (neoadjuvante) Behandlung mit einer Kombination aus Chemotherapeutika erhöht die R0 Resektionsrate, also die Chance, den Tumor später operativ vollständig zu entfernen, wodurch sich  die einzige Möglichkeit auf Heilung eröffnet. 

Kriterien oder Biomarker, die dabei helfen festzulegen, welche Patientinnen und Patienten von einer Operation profitieren könnten, sind jedoch rar. Die Arbeitsgruppe Kunzmann aus der Medizinischen Klinik und Poliklinik II zeigte nun, dass der in vielen soliden Tumoren überexprimierte Wachstums- und Differenzierungsfaktor GDF-15 (GDF für Growth differentiation factor) ein großes prognostisches und prädiktives Potential als neuer, klinisch-relevanter und nicht-invasiver Biomarker für Patientinnen und Patienten mit LAPC hat.

Im Rahmen einer Begleitstudie zur NEOLAP-1 Studie (AIO-PAK-0113) wurden GDF-15 Serumspiegel bei Patientinnen und Patienten mit LAPC zum Zeitpunkt vor und nach Kombinationschemotherapie bestimmt und sowohl mit dem Überleben als auch der sekundären R0 Resektionsrate verglichen. Diejenigen mit einem GDF-15 Serumspiegel unter 0,8ng/ml vor Therapiebeginn zeigten einen signifikanten Überlebensvorteil gegenüber denjenigen mit einem GDF-15 Serumspiegel über 0,8ng/ml (medianes Überleben: 21,92 Monate versus 12,68 Monate). Des Weiteren zeigte sich, dass bei Personen mit einem niedrigen baseline GDF-15 Spiegel in 36,5% der Fälle nach der Therapie eine komplette chirurgische Tumorentfernung durchgeführt werden konnte, während die sekundäre R0 Resektionsrate bei Personen mit höheren GDF-15 Ausgangsspiegeln nur bei 11,9% lag.

Publikation: B. Kimmel, S.T. Löhnert, F. Wedekink, M. Günther, S. Ormanns, I. Hartlapp, J. Siveke, G. Siegler, S. Boeck, H. Algül, U. Martens, F. Kullmann, T. Ettrich, S. Held, F. Anger, C.-T. Germer, V. Heinemann, J. Wischhusen, V. Kunzmann. Growth differentiation factor-15 (GDF-15) in localized pancreatic adenocarcinoma treated with multiagent chemotherapy: a biomarker analysis from the NEOLAP trial (AIO-PAK-0113), ESMO Gastrointestinal Oncology, Volume 11, 2026, 100274, ISSN 2949-8198, https://doi.org/10.1016/j.esmogo.2025.100274

Collage mit drei mikroskopischen Aufnahmen
Die drei mikroskopischen Aufnahmen zeigen beispielhafte immunhistochemische (IHC) Färbungen für die GDF-15-Expression in Tumorproben (tGDF-15). (A) Plazenta (= Positivkontrolle), (B) negativ (Isotyp-Kontrolle) und (C) repräsentative positive GDF-15-Färbung in pankreatischen Tumorproben. Zum Ausgangszeitpunkt (Baseline, BL) zeigten 4 von 39 (10,3 %) Proben eine tGDF-15-Expression, verglichen mit 16 von 39 (41 %) nach der Induktionstherapie (Woche 16). Maßstabsbalken: 200 µm. Figure 4 in https://doi.org/10.1016/j.esmogo.2025.100274
Überwindung von Therapieresistenzen: AXL als neues Zielmolekül in der Melanombehandlung

Das maligne Melanom („schwarzer Hautkrebs“) stellt aufgrund seiner ausgeprägten Anpassungsfähigkeit nach wie vor eine erhebliche klinische Herausforderung dar.

Obwohl zielgerichtete Therapien und Immuntherapien die Behandlungsmöglichkeiten im letzten Jahrzehnt deutlich verbessert haben, besteht bei beiden Ansätzen noch Verbesserungspotenzial, da bei vielen Patienten weiterhin Therapieresistenzen auftreten.

In der kürzlich in der Fachzeitschrift Neoplasia veröffentlichten Studie identifizierte die Forschungsgruppe um Professor Dr. Marc Schmidt an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie den Tyrosinkinase-Rezeptor AXL -ein wichtiges Eiweißmolekül, das Therapieresistenz, Tumoraggressivität und Metastasierung fördert- als zentralen Effektor des MEK5/ERK5/KLF4-Signalwegs, der während der zielgerichteten Therapie des Melanoms aktiviert wird und zur Entwicklung von Resistenzen beiträgt. Den Forschern gelang es zu demonstrieren, dass AXL während der Behandlung mit MEK-Inhibitoren, die routinemäßig für zielgerichtete Therapien eingesetzt werden, signifikant hochreguliert wird. Diese Induktion kann durch pharmakologische und genetische Hemmung von ERK5 oder dessen Transkriptionseffektor KLF4 blockiert werden, wodurch die Migrationsfähigkeit und Invasivität von Melanomzellen wirksam beschränkt wird. Darüber hinaus konnten sie zeigen, dass in metastatischen Melanom-Zelllinien, die durch hohe AXL-Spiegel gekennzeichnet sind, die gleichzeitige Behandlung mit MEK- und ERK5-Inhibitoren sowie die KLF4-Depletion die AXL-Expression und Invasivität der Tumorzellen signifikant reduzierten.

Diese Erkenntnisse erweitern das derzeitige Verständnis darüber, wie Melanomzellen auf zielgerichtete Therapien reagieren und Arzneimittelresistenzen entwickeln. Da eine hohe AXL-Expression ein häufiges Merkmal sowohl von zielgerichteten als auch von immuntherapieresistenten metastasierten Melanomen ist, eröffnet die Identifizierung von AXL als Zielmolekül der medikamentös behandelbaren ERK5/KLF4-Signalkaskade neue therapeutische Perspektiven. Therapeutische Strategien, die eine ERK5-Hemmung mit bestehenden Behandlungen kombinieren, könnten deren Wirksamkeit verbessern und neue Behandlungsmöglichkeiten für Patienten mit fortgeschrittenem metastasiertem Melanom schaffen, bei denen herkömmliche Therapien derzeit versagen.

Publikation: Paudel, R., S. Goller, S. Schwarz, K. Meder, M. Goebeler, and M. Schmidt. 2026. 'AXL is a novel ERK5/KLF4 target in MEK inhibitor-treated melanoma', Neoplasia, 76: 101301 , 2026, https://doi.org/10.1016/j.neo.2026.101301

Hohe Prävalenz der stoffwechselbedingten Fettlebererkrankung bei Patienten mit Hidradenitis suppurativa

In einer im Journal JID Innovations veröffentlichten Studie zeigen die Hautklinik und die Medizinische Klinik II eine bemerkenswert hohe Häufigkeit der metabolic dysfunction–associated steatotic liver disease (MASLD, vormals nicht-alkoholische Fettlebererkrankung) bei Patientinnen und Patienten mit der chronischen Hauterkrankungen Hidradenitis suppurativa (HS, Acne inversa).

Im Rahmen der Querschnittsstudie wurden 94 an HS erkrankte Personen mittels nicht-invasiver Ultraschall-Untersuchung der Leber (transiente Leberelastographie) untersucht. Dabei wiesen rund 75 % der Teilnehmenden eine MASLD auf – ein Wert, der mehr als doppelt so hoch ist wie in der Allgemeinbevölkerung.

Patientinnen und Patienten mit HS und MASLD zeigten signifikant höhere Werte für Body-Mass-Index, Taillenumfang, Triglyzeride und γ-Glutamyltransferase (γ-GT) sowie eine häufigere Ausprägung von Dyslipidämie, arterieller Hypertonie und metabolischem Syndrom. Fortgeschrittene Leberfibrosen wurden bei etwa 15 % der Betroffenen festgestellt.

Basierend auf diesen Ergebnissen wurde ein klinisch einfach anzuwendender, pragmatischer Algorithmus zur Risikoeinschätzung, der auf Routineparametern und dem Fatty Liver Index (FLI) basiert, entwickelt. Mit diesem Ansatz lässt sich das Risiko einer MASLD bei HS-Betroffenen effektiv und nicht-invasiv abschätzen. Die Autorinnen und Autoren empfehlen daher ein regelmäßiges Screening auf Fettlebererkrankungen bei Patientinnen und Patienten mit Hidradenitis suppurativa, um Komorbiditäten frühzeitig zu erkennen und gezielt behandeln zu können.

Publikation: Verena G. Frings, Maxine Gläsel, Monika Rau, Andreas Geier, Janik Fleißner, Dagmar Presser, Matthias Goebeler, Andreas Kerstan, High Prevalence of Metabolic Dysfunction-Associated Steatotic Liver Disease in Patients with Hidradenitis Suppurativa: A Guide to Easily Assess the Clinical Risk of Comorbid Liver Disease, JID Innovations, Volume 6, Issue 1, 2026, 100419, ISSN 2667-0267, https://doi.org/10.1016/j.xjidi.2025.100419

 

Bessere Chancen bei schwarzem Hautkrebs: Immuntherapie schon vor der OP

Bei fortgeschrittenem, aber noch operierbarem schwarzen Hautkrebs wurden in internationalen Studien mit einem neuen Behandlungsansatz überlegene Behandlungsergebnisse erzielt.

Illustration
Patientinnen und Patienten erhielten eine perioperative Immuntherapie mit 3 Infusionen mit dem Immuncheckpoint-Inhibitor Pembrolizumab vor der Operation und 15 Infusionen nach der Operation.

Dabei wird die Immuntherapie nicht erst nach der Operation eingesetzt, sondern bereits davor begonnen und im Anschluss daran fortgeführt (die sogenannte perioperative Immuntherapie).

An der Hautklinik des UKW wurde die perioperative Immuntherapie Patientinnen und Patienten im klinischen Alltag schon früh zugänglich gemacht. In einer nun in der Fachzeitschrift Acta Dermato-Venereologica veröffentlichten Studie von Simon Goller et al. wurden die Verläufe von 20 Patientinnen und Patienten ausgewertet, die in Würzburg eine perioperative Immuntherapie mit dem Immuncheckpoint-Inhibitor Pembrolizumab erhalten hatten. Die Ergebnisse der Analyse zeigen, dass die Therapie im Behandlungsalltag gut durchführbar ist und eine vielversprechende Wirksamkeit sowie eine gute Verträglichkeit aufweist. Auch Möglichkeiten für schonendere Behandlungen wurden diskutiert, beispielsweise ein begrenzterer operativer Eingriff oder eine verkürzte Immuntherapie bei besonders gutem Ansprechen.

Hervorzuheben ist, dass die Daten nicht aus einer streng kontrollierten Studie stammen, sondern eine der ersten Auswertungen aus der Versorgung im Behandlungsalltag sind. Die Publikation belegt, dass sich der perioperative Behandlungsansatz auch unter Alltagsbedingungen bewährt und liefert Hinweise dazu, wie die Behandlung noch besser auf die Patientinnen und Patienten zugeschnitten werden kann.

Publikation: Simon Goller*, Tassilo Dege*, Patrick Schummer 1, Lukas Haug 2, Michael Meir 3, Thomas Gehrke 4, Detlef Klein 5, Matthias Goebeler 1, Hermann Kneitz 1, Bastian Schilling 6, Anja Gesierich*, Valerie Glutsch*. Perioperative Pembrolizumab in Locally Advanced Melanoma: A Real-world Single-centre Retrospective Study. Acta dermato-venereologica vol. 106 0009. 19 Jan. 2026, doi:10.2340/actadv.v106.adv-2025-0009
(*geteilte Autorenschaft)

Illustration
Patientinnen und Patienten erhielten eine perioperative Immuntherapie mit 3 Infusionen mit dem Immuncheckpoint-Inhibitor Pembrolizumab vor der Operation und 15 Infusionen nach der Operation.
Multizonal aufgebautes Herzpatch ermöglicht schnelle Integration im Großtiermodell

Regenerative kardiale Patches gelten als vielversprechender Ansatz zur Behandlung von Gewebeschäden nach einem Myokardinfarkt und zur mechanischen Unterstützung des geschädigten Herzens.

Table of Contents Abbildung

Eine zentrale Herausforderung besteht jedoch darin, die gezielte Ausrichtung von Herzmuskelzellen mit ausreichender mechanischer Stabilität, effektiver Kraftübertragung und einer sicheren epikardialen Anheftung zu vereinen.

In der in der renommierten Fachzeitschrift Advanced Materials veröffentlichten Studie wird eine klinisch relevante, personalisierbare Plattform für kardiale Patches vorgestellt, die diese Anforderungen in einem multizonal aufgebauten Design zusammenführt. Mithilfe der Melt‑Electrowriting‑Technologie lässt sich die Faserarchitektur gezielt auf Mikro‑ und Makroebene anpassen. Unterschiedliche Zonen des Herzpatches übernehmen dabei spezifische Funktionen: eine regenerative Zone zur Zellführung, eine mechanisch verstärkte Zone zur Kraftübertragung sowie eine elastische Anheftungszone zur sicheren Fixierung am Herzen. Experimentelle mechanische Untersuchungen zeigen, dass die Eigenschaften des Herzpatches denen des nativen Myokards nahekommen.

In einem präklinischen Schweinemodell des Myokardinfarkts führte das klinisch skalierte Herzpatch bereits nach sieben Tagen zu einer stabilen epikardialen Integration mit Gefäßeinsprossung. Die Ergebnisse unterstreichen das Potenzial des Ansatzes für die Weiterentwicklung funktioneller, biologischer Herzpflaster zur regenerativen Therapie geschädigten Herzmuskelgewebes.

Die Arbeit entstand im Rahmen des EU‑geförderten Großprojekts BRAVE (Horizon 2020), das Partner aus Klinik, Forschung und Industrie in ganz Europa vereint und die Entwicklung eines personalisierten biologischen Herzunterstützungssystems (BioVAD) zum Ziel hat. Die Studie führt zentrale Ergebnisse mehrerer Arbeitspakete zusammen und verdeutlicht den Mehrwert der interdisziplinären Zusammenarbeit innerhalb des Konsortiums. Die Arbeiten am Lehrstuhl für Funktionswerkstoffe der Medizin und Zahnheilkunde des Universitätsklinikums Würzburg wurden unter maßgeblicher Beteiligung von Johannes Braig, Prof. Dr. Jürgen Groll und Prof. Dr. Tomasz Jüngst durchgeführt.

Und hier sollen die weiterführenden Arbeiten auch weitergehen. Denn das einzigartige Design-Konzept könnte für die zukünftige klinische Anwendung von solchen Herz-Patches äußerst relevant sein.

Publikation: Johannes Braig, Ross Kent, Ainitze Gereka Goienetxe, Nicolás Laita, Ming Wu, Miguel Ángel Martínez, Margarida Serra, Koen Janssens, Uzuri Urtaza, Eduardo Larequi, Ilazki Anaut-Lusar, Hilde Gillijns, Michiel Algoet, Britt van Kerkhof, Maite van der Knaap, Gerardo Cedillo-Servin, Miguel Castilho, Alain van Mil, Joost P. G. Sluijter, Jos Malda, Piet Claus, Peter H. M. Bovendeerd, Estefanía Peña, Manuel Doblare, Wouter Oosterlinck, Stefan Janssens, Ane M. Zaldua, Olalla Iglesias-García, Felipe Prósper, Manuel M. Mazo Vega, Jürgen Groll, Tomasz Jüngst. “From Fiber Architecture to Functional Attachment: A Clinically Relevant, Mechanically Tunable Cardiac Patch.” Advanced Materials38, no. 17 (2026): e15863. https://doi.org/10.1002/adma.202515863

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Schwangerschaft schützt vor MS-Schüben: Gehirn-Immun-Achse unterdrückt Entzündungen

Wie genau wird das Immunsystem in entzündlichen Erkrankungen des zentralen Nervensystems – insbesondere bei Multipler Sklerose – durch einen bislang wenig bekannten biologischen Signalweg reguliert?

Illustration, wie eine Schwangerschaft vor MS-Schüben schützt
Wenn der Körper viel GDF-15 produziert, zum Beispiel während einer Schwangerschaft oder einer Therapie, oder wenn es im Gehirn zu einer Entzündung kommt, dann nehmen bestimmte Nervenzellen im Hirnstamm (GFRAL-exprimierenden Neuronen) dieses Hormon wahr. Die Aktivierung eines polysynaptischen Signalwegs stromabwärts von diesen GFRAL-exprimierenden Neuronen stimuliert die β-adrenerge Signalübertragung in der Milz. . Infolgedessen setzen TH+-Neurone Noradrenalin (NE) frei und aktivieren β₂-adrenerge Rezeptoren (ADRB2) auf CD4+-T-Zellen. Diese Modulation der T-Zellen verhindert, dass die Bakterien ins zentrale Nervensystem gelangen. Dadurch wird die Entzündung begrenzt. Quelle: Sonner, J.K., Kahn, A., Binkle-Ladisch, L. et al. A GDF-15–GFRAL axis controls autoimmune T cell responses during neuroinflammation. Nat Immunol (2026). https://doi.org/10.1038/s41590-025-02406-1

Das haben Forschende des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern vom UKW untersucht. Im Zentrum steht dabei der Botenstoff GDF-15 sowie sein Rezeptor GFRAL, die gemeinsam eine sogenannte neuroimmune Achse bilden, also eine Verbindung zwischen Nervensystem und Immunsystem.

Die Forschenden konnten zeigen, dass GDF-15 bei entzündlichen Prozessen im Gehirn verstärkt gebildet wird und gleichzeitig auch während der Schwangerschaft erhöht ist – einer Situation, in der viele Autoimmunerkrankungen vorübergehend abgeschwächt verlaufen. Dies deutet darauf hin, dass GDF-15 eine schützende, entzündungsdämpfende Funktion haben könnte.

Mechanistisch zeigte sich, dass GDF-15 nicht direkt auf Immunzellen wirkt, sondern über Signalwege im Gehirn (insbesondere im Hirnstamm) eine Kaskade auslöst. Diese führt über das vegetative Nervensystem zur Aktivierung von Stresshormonsystemen, wodurch wiederum die Funktion bestimmter Immunzellen im Blut und in der Milz verändert wird. Konkret werden Eigenschaften von T-Zellen beeinflusst, die für das Eindringen in das zentrale Nervensystem entscheidend sind.

Dadurch wird ihre Fähigkeit reduziert, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden und Entzündungen im Gehirn auszulösen. In Tiermodellen führte die Aktivierung dieses Signalwegs zu einer deutlichen Abschwächung neuroinflammatorischer Prozesse.

Therapeutisch besonders interessant ist, dass dieser Effekt auf mehreren Wegen ausgelöst werden konnte – etwa durch die Gabe von rekombinantem GDF-15 oder durch gezielte Aktivierung der entsprechenden neuronalen Schaltkreise. Alle Ansätze führten zu einer verminderten Immunaktivität im zentralen Nervensystem.

Insgesamt zeigt die Studie, dass das Gehirn selbst aktiv in die Steuerung von Immunreaktionen eingreifen kann. Der GDF-15–GFRAL-Signalweg stellt damit einen neuartigen Ansatz dar, um überschießende Immunreaktionen bei Erkrankungen wie Multipler Sklerose gezielt zu bremsen.

Details liefert die Pressemeldung zur Publikation.  

Publikation: Jana K. Sonner, Audrey Kahn, Lars Binkle-Ladisch, Jan Broder Engler, Beatrice Haack, Christina Zeiler, Lisa Unger, Simone Bauer, Felix Fischbach, Giovanni Almanzar, Mark Walkenhorst, Christina Mayer, Aneta Kolakowska, Sebastian Graute, Caren Ramien, Ingo Winschel, Nicola Rothammer, Markus Heine, Verena Horneffer-van der Sluis, Vincent Thiemann, Vanessa Vieira, Nina Meurs, Thomas Renné, Martina Prelog, Sebastian Beck Jørgensen, Randy J. Seeley, Anke Diemert, Petra C. Arck, Stefan M. Gold, Joerg Heeren, Jörg Wischhusen & Manuel A. Friese. A GDF-15–GFRAL axis controls autoimmune T cell responses during neuroinflammation. Nat Immunol (2026). doi.org/10.1038/s41590-025-02406-1

 

Illustration, wie eine Schwangerschaft vor MS-Schüben schützt
Wenn der Körper viel GDF-15 produziert, zum Beispiel während einer Schwangerschaft oder einer Therapie, oder wenn es im Gehirn zu einer Entzündung kommt, dann nehmen bestimmte Nervenzellen im Hirnstamm (GFRAL-exprimierenden Neuronen) dieses Hormon wahr. Die Aktivierung eines polysynaptischen Signalwegs stromabwärts von diesen GFRAL-exprimierenden Neuronen stimuliert die β-adrenerge Signalübertragung in der Milz. . Infolgedessen setzen TH+-Neurone Noradrenalin (NE) frei und aktivieren β₂-adrenerge Rezeptoren (ADRB2) auf CD4+-T-Zellen. Diese Modulation der T-Zellen verhindert, dass die Bakterien ins zentrale Nervensystem gelangen. Dadurch wird die Entzündung begrenzt. Quelle: Sonner, J.K., Kahn, A., Binkle-Ladisch, L. et al. A GDF-15–GFRAL axis controls autoimmune T cell responses during neuroinflammation. Nat Immunol (2026). https://doi.org/10.1038/s41590-025-02406-1
LASP1 als mögliches neues therapeutisches Target bei diabetischer Nierenerkrankung

Die diabetische Nierenerkrankung ist die häufigste Ursache für terminales Nierenversagen in Europa und anderen Industrieländern.

Illustration links und rechts mikroskopische Aufnahmen vom Nierengewebe
(A) Modell der Glucose-induzierten Aktivierung von LASP1 in Mesangialzellen. (B) LASP1 Expression (braun) in humanem gesunden (oben) und diabetischem (unten) Nierengewebe.

32 % der Menschen mit Typ-1-Diabetes und 46 % der Menschen mit Typ-2-Diabetes entwickeln im Laufe ihres Lebens eine chronische Nierenerkrankung. Dabei kommt es zu vernarbenden Verhärtungen in den Filtereinheiten (Glomeruli) sowie zu Fibrose (bindegewebiger Umbau) im Nierengewebe. Multifaktorielle Interventionen, einschließlich der Blutzuckereinstellung, können das Fortschreiten der Erkrankung bestenfalls verzögern. Dies unterstreicht den dringenden Bedarf an neuen therapeutischen Zielstrukturen, um das Fortschreiten der Erkrankung bis zum Nierenversagen zu verhindern.

In Zusammenarbeit mit der Experimentellen Biomedizin II des Uniklinikums Würzburg haben Forscherinnen und Forscher der McMaster University in Hamilton, Ontario, Kanada, LASP1 als potenzielles therapeutisches Ziel zur Prävention von Fibrose bei diabetischer Nierenerkrankung identifiziert.

Hohe Glukosekonzentrationen, wie sie bei einem erhöhten Blutzuckerspiegel auftreten, aktivieren über das Enzym ADAM17 indirekt den EGF-Rezeptor. Diese Aktivierung ist notwendig, damit vermehrt der Botenstoff TGF-β1 gebildet wird. Dieser fördert die Produktion von Bindegewebsproteinen und somit die Entstehung von Narbengewebe (Fibrose). Eine direkte Hemmung des EGF-Rezeptors oder von ADAM17 ist jedoch mit Komplikationen verbunden, die eine langfristige klinische Anwendung ausschließen.

In speziellen Nierenzellen von Ratten (Mesangialzellen aus Nierenglomeruli) wurde das Protein LASP1 als wichtiger Regulator des ADAM17-Promoters identifiziert – insbesondere bei hohen Glukosekonzentrationen. Zudem reguliert LASP1, abhängig von seinem Phosphorylierungsstatus, die durch Glukose induzierte Lokalisierung und Aktivierung von ADAM17 an der Zelloberfläche. Eine Reduzierung von LASP1 kann die durch Glukose ausgelöste Aktivierung von ADAM17 sowie dessen vermehrte Bildung verhindern. In einem Mausmodell für Typ-1-Diabetes zeigte sich außerdem, dass das vollständige Fehlen von LASP1 die Tiere vor einer diabetischen Nierenerkrankung schützt.

Publikation: Jackie Trink, Bo Gao, Renzhong Li, Jaina H Patel, Urooj Bajwa, Alma Zernecke, Elke Butt, Joan C Krepinsky. LASP1 mediates ADAM17 upregulation in high glucose to promote fibrosis in diabetic kidneys. Diabetologia. 2026 Feb 6. doi: 10.1007/s00125-025-06662-6. Epub ahead of print. PMID: 41649554.

Illustration links und rechts mikroskopische Aufnahmen vom Nierengewebe
(A) Modell der Glucose-induzierten Aktivierung von LASP1 in Mesangialzellen. (B) LASP1 Expression (braun) in humanem gesunden (oben) und diabetischem (unten) Nierengewebe.