Personalisierte Pharmakotherapie

Please click here for the English version.

Forschungsgebiete

Psychopharmaka sind ein zentraler Bestandteil der Therapie psychiatrischer Erkrankungen und werden in Leitlinien mit hoher Evidenz empfohlen. Dennoch erreicht ein großer Teil der Patientinnen und Patienten unter einer initialen antidepressiven Behandlung keine Remission. Auch nach mehreren Therapieversuchen bleibt bei einigen Betroffenen der Behandlungserfolg unzureichend.

Diese Versorgungslücke unterstreicht die Notwendigkeit individualisierter Therapieansätze. Die sogenannte Precision Medicine verfolgt das Ziel, Behandlungen gezielt auf einzelne Patientinnen und Patienten zuzuschneiden. Ohne eine solche Individualisierung kommt es häufig zu langwierigen Therapieverläufen, wiederholten Medikamentenwechseln und einer erhöhten Chronifizierungsrate.

Unsere Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit der personalisierten Psychopharmakotherapie mit dem Ziel, psychiatrische Behandlungen wirksamer und sicherer zu gestalten. Im Mittelpunkt steht die Frage, warum Patientinnen und Patienten unterschiedlich auf Psychopharmaka reagieren und welche Faktoren das Therapieansprechen beeinflussen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Arzneimitteltherapiesicherheit. Wir untersuchen Ursachen von Nebenwirkungen und entwickeln Strategien, um Risiken in der klinischen Anwendung zu minimieren.

Darüber hinaus analysieren wir den Einfluss individueller Faktoren wie genetische Voraussetzungen, Alter, Geschlecht und Begleiterkrankungen. Besondere Aufmerksamkeit gilt spezifischen Lebensphasen, insbesondere Schwangerschaft und Stillzeit.

Ein zentrales Anliegen unserer Forschung ist die Übertragung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die klinische Praxis. Ziel ist es, die Versorgung von Patientinnen und Patienten nachhaltig zu verbessern

Methoden

Unsere Arbeitsgruppe nutzt moderne, datenbasierte Ansätze zur Individualisierung der Psychopharmakotherapie. Ziel ist es, für jede Patientin und jeden Patienten die wirksamste und sicherste Behandlung zu identifizieren.

Ein zentraler Bestandteil ist das Therapeutische Drug Monitoring (TDM). Dabei werden Arzneimittelkonzentrationen im Blut bestimmt, um Dosierungen individuell anzupassen und die Therapie gezielt zu steuern.

Ergänzend setzen wir pharmakogenetische Analysen ein. Diese ermöglichen es, genetische Unterschiede im Arzneimittelstoffwechsel zu berücksichtigen und individuelle Therapieentscheidungen zu unterstützen. Auch Einflüsse wie Begleitmedikation oder Lebensstil werden einbezogen.

Zur Vorhersage von Arzneimittelwirkungen nutzen wir modellbasierte Verfahren, insbesondere pharmakokinetische Modelle. Diese erlauben es, Veränderungen im Organismus – etwa während der Schwangerschaft oder in anderen besonderen Lebensphasen – systematisch abzubilden.

Unsere Forschung basiert überwiegend auf Daten aus der klinischen Routineversorgung. Die Analyse realer Behandlungsverläufe ermöglicht praxisnahe Erkenntnisse mit hoher Relevanz für den klinischen Alltag.

Ein besonderer Fokus liegt auf der Entwicklung konkreter Entscheidungshilfen. Diese unterstützen Ärztinnen und Ärzte dabei, Therapien evidenzbasiert zu individualisieren und Behandlungsergebnisse nachhaltig zu verbessern.

Team

Leitung

  • PD Dr. rer. nat. Maike Scherf-Clavel 
    Telefon: +49 931 201-76317
    E-Mail: Scherf_M@ ukw.de

Wissenschaftliche Mitarbeitende

  • Cand. Med. Janina Eiberger
  • Cand. Med. Meike Kohler
  • Cand. Med. Melike Kücükkarapinar
  • Cand. Med. Lucia Mücke
  • Cand. Med. Georgios Zioris

Aktuelle Projekte

  • Einfluss der Nierenfunktion sowie der kardiovaskulären und antiinflammatorischen Begleitmedikation auf die Serumkonzentration von Risperidon
  • Personalisierung CYP2D6-vermittelter Arzneimittelinteraktionen: Einfluss von Inhibitorstärke, Konzentration sowie Alter und Geschlecht auf den Arzneistoffmetabolismus
  • Risperidon bei Depression: Welche Rolle spielen Serumkonzentrationen?
  • Männer und Frauen unterscheiden sich: Einfluss des Geschlechts auf CYP2D6- und CYP2C19-vermittelten Metabolismus unter Psychopharmaka
  • Psychopharmaka in der Schwangerschaft: Wie sich mütterliche Wirkstoffkonzentrationen verändern
  • Zentralnervöse Exposition von Psychopharmaka: PBPK-Modellierung unter Berücksichtigung pharmakogenetischer Variabilität

Publikationen

Publikationen der Arbeitsgruppe finden Sie auf pubmed oder im Publikationsverzeichnis der Klinik.

Kontakt

Portraitfoto von Dr. rer. nat. Maike Scherf-Clavel

PD Dr. rer. nat.
Maike Scherf-Clavel

Arbeitsgruppenleitung Personalisierte Pharmakotherapie

+49 931 201-77260


Anschrift

Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Universitätsklinikums | Margarete-Höppel-Platz 1 | 97080 Würzburg

schließen