Dr. Angela Riedel untersucht mit ihrer Arbeitsgruppe am Würzburger Mildred-Scheel-Nachwuchszentrum (MSNZ) für Krebsforschung im Projekt „Cholesterinstoffwechsel als Ziel in der Brustkrebstherapie“, ob sich mit Statinen die Metastasierung beim Brustkrebs über den Lymphknoten beeinflussen lässt.
Beim triple-negativen Brustkrebs sprechen viele Patientinnen zunächst gut auf eine Behandlung an. Trotzdem entwickeln 30 bis 40 Prozent innerhalb von fünf Jahren Metastasen. Eine besondere Rolle spielt dabei der Lymphknoten: Eigentlich ist er ein wichtiger Ort der Immunabwehr, kann von Tumorzellen aber so umprogrammiert werden, dass er deren Metastasen begünstigt. Die Arbeitsgruppe um Dr. Angela Riedel am Mildred-Scheel-Nachwuchszentrum (MSNZ) für Krebsforschung untersucht, welche Rolle dabei der Cholesterinstoffwechsel spielt.
Erste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass der Tumor den Cholesterinstoffwechsel im sogenannten tumordrainierenden Lymphknoten verändert. Dies kann die Funktion von Immunzellen beeinträchtigen und eine Umgebung schaffen, in der sich Tumorzellen leichter ausbreiten können. Das Projekt soll diese Zusammenhänge genauer entschlüsseln und prüfen, ob sich die Veränderungen therapeutisch beeinflussen lassen.
Dafür analysiert das Forschungsteam Lymphknotengewebe und Lymphflüssigkeit von Patientinnen mit frühem triple-negativem Brustkrebs. Mithilfe lipidomischer Analysen auf Basis der Massenspektrometrie werden Veränderungen verschiedener Fette und insbesondere des Cholesterinstoffwechsels erfasst. Ergänzend entwickelt das Team experimentelle Modelle, mit denen sich die Auswirkungen auf Tumor- und Immunzellen gezielt untersuchen lassen.
Ein besonderer Fokus liegt auf Statinen. Die Medikamente werden seit vielen Jahren zur Senkung des Cholesterinspiegels und zur Vorbeugung von Herzinfarkten und Schlaganfällen eingesetzt. Hinweise aus früheren Studien sprechen dafür, dass sie möglicherweise auch bei Brustkrebs einen schützenden Effekt haben. Warum und wie Statine die Entstehung von Metastasen beeinflussen könnten, ist jedoch noch nicht ausreichend verstanden. Das Projekt soll klären, ob sie nicht nur direkt auf Tumorzellen, sondern auch auf die durch den Tumor veränderte Immunumgebung im Lymphknoten wirken.
Langfristig könnte sich daraus ein doppelter therapeutischer Ansatz ergeben: Der Cholesterinstoffwechsel könnte sowohl im Primärtumor als auch im tumordrainierenden Lymphknoten beeinflusst werden. Da dafür bereits zugelassene Wirkstoffe wie Statine untersucht werden, wäre eine Übertragung in die klinische Anwendung grundsätzlich schneller möglich als bei der Entwicklung völlig neuer Medikamente. Ziel ist dabei nicht, bestehende Therapien wie Immun-Checkpoint-Therapien zu ersetzen, sondern sie gezielt zu ergänzen und dadurch eine Metastasierung zu beeinflussen.
