Schwerpunkte der Forschung

Forschungsschwerpunkte der Frauenklinik umfassen zum einen die Themen Onkologische Versorgungsforschung, Physiologie und Pathophysiologie von Angiogenese, Migration, Infiltration und Zelladhäsion im weiblichen Reproduktionstrakt sowie Reproduktionsimmunologie und Tumorstoffwechsel. Des Weiteren werden eine zielgerichtete Therapie von existierenden und induzierten Brustkrebsstammzellen mit HER2-spezifischen Medikamenten, die Reprogrammierung von Krebsstammzellen in Brust- und Eierstockkrebs, die mikroskopischen und molekularbiologischen Untersuchungen zur Effizienzsteigerung im In-Vitro-Fertilisations-Labor näher erforscht. Die Verstärkung der Antitumorfunktion von ROR1 CAR T-Zellen gegen triple-negatives Mammakarzinom durch Abschirmung gegen immunsupprimierendes TGF-ß sowie die Experimentelle Tumorimmunologie schließen die Forschung der Frauenklinik ab.

Onkologische Versorgungsforschung

In der AG „Onkologische Versorgungsforschung“ werden Projekte der BRENDA-Studiengruppe bearbeitet. Hier handelt es sich um große Kohortenstudien, bei denen die Überlebensdaten von Patientinnen mit Primär-Mammakarzinomen analysiert werden. Ziel dieser laufenden Beobachtungsstudien ist die Ermittlung des Einflusses einer leitlinienkonformen Therapie des Mammakarzinoms auf relevante Endpunkte, wie rezidivfreies Überleben und Gesamtüberleben. Des Weiteren lassen sich an dem Kollektiv und an definierten Subgruppen, derzeitige Therapieempfehlungen unter alltäglichen Bedingungen prüfen bzw. validieren. Damit ergänzen diese Analysen die Ergebnisse aus prospektiven klinischen Therapiestudien. Zusätzlich wird in prospektiven Studienmodellen nach Faktoren gesucht, die in der Versorgungsrealität zu einer Modifikation der Therapie führen können. Hierzu zählen insbesondere der Einfluss von somatischen und psychischen Komorbiditäten, Alter und Toxizitäten von Systemtherapien.

Ansprechpartner: Univ.-Prof. Dr. med. Achim Wöckel, Dr. med. Tanja Stüber, Dr. med. Joachim Diessner, Dr. med. Roland Stein, Dr. med. Catharina Bartmann

Physiologie und Pathophysiologie von Angiogenese, Migration, Infiltration und Zelladhäsion im weiblichen Reproduktionstrakt

Obwohl sie eine gutartige Erkrankung ist, verhält sich die Endometriose in vielerlei Hinsicht, was die Ausbreitung im Bauchraum betrifft, wie ein Ovarialkarzinom, charakterisiert durch Streuung von Zellen, die am Peritoneum implantieren, infiltrativ wachsen und sich so „metastatisch“ verbreiten. Dies wird über Prozesse wie z.B. Migration, Proliferation, Inflammation, Zelladhäsion, Apoptose, und Angiogenese gesteuert. Die Arbeitsgruppe untersucht Zielregulatoren, wie den „Vascular endothelial growth factor“ (VEGF), das Renin-Angiotensin-System (RAS), die „Magic roundabout“-Familie (Robo/Slit), verschiedene Adhäsionsproteine und Hormone, die bei der Endometriose und/oder beim Ovariakarzinom in Verdacht stehen, oben genannte Prozesse zu regulieren. Dabei werden gleichartige bzw. unterschiedliche Regulationsmechanismen identifiziert.

Ansprechpartner: Univ.-Prof. Dr. med. Christine Wulff, PD Dr. med. Sebastian Häusler, Sanja Milak

Reproduktionsimmunologie und Tumorstoffwechsel

In der Reproduktionsimmunologie untersuchen wir die Rolle von mütterlichen Immunzellen bei der Sicherung einer gesunden Schwangerschaft. Aktueller Schwerpunkt ist die Charakterisierung von Schlüsselzellen der Immunantwort, den sogenannten „Myeloid derived supressor cells“ (MDSC), welche von unserer Arbeitsgruppe erstmals in der mütterlichen Uterusschleimhaut nachgewiesen und charakterisiert werden konnten.
Im Schwerpunkt Tumorstoffwechsel erfol- gen Untersuchungen zur Wirkung von speziellen Metaboliten, den sogenannten „Ketonkörpern“ auf Tumorzellen von Brust- und Eierstockkrebs, auf Immunzellen und wichtige therapierelevante intrazelluläre Signalwege. In diesen Schwerpunkt fällt die wissenschaftliche Betreuung der „KOLIBRI“-Studie zur stoffwechselmodifizierenden Ernährungsumstellung von Brustkrebspatientinnen (NCT02092753).

Ansprechpartner: Dr. med. Catharina Bartmann, M. Kapp, apl. Prof. Dr. rer. hum. Biol. Ulrike Kämmerer

Zielgerichtete Therapie von existierenden und induzierten Brustkrebsstammzellen mit HER2-spezifischen Medikamenten

Der Antikörper Trastuzumab (Herceptin) hat das Gesamtüberleben von Patienten mit HER2 positivem Brustkrebs deutlich verbessert. Trotzdem erleiden viele Patienten ein Rezidiv. Dies liegt möglicherweise an einem insuffizienten Targeting von CD44highCD24low Brustkrebsstammzellen, einer Subgruppe von Brustkrebszellen, die resistent gegenüber multiplen Chemo- und Strahlentherapeutischen Ansätzen ist. Zudem zeigt diese Subgruppe eine geringe HER2 Expression und stellt daher ein schwaches Target für Trastuzumab da. Wir untersuchten daher, ob das neue Antibody-Drug Konjugat T-DM1, das aus dem Chemotherapeutikum DM1 und dem Antikörper Trastuzumab besteht, das Ansprechen der Therapie auf dieses Sub-Population von aggressiven Tumorzellen verbessert. Unsere Ergebnisse zeigen ein deutliches Ansprechen von CD44highCD24low Brustkrebsstammzellen auf T-DM1

Ansprechpartner: Dr. med. Joachim Diessner

Reprogrammierung von Krebsstammzellen in Brust- und Eierstockkrebs

Krebsstammzellen (CSC) sind eine besonders aggressive Zellsubpopulation in vielen Tumoren. Insbesondere für Rezidiv und Metastasierung von Brust- und Eierstockkrebs scheinen diese Zellen eine entscheidende Rolle zu spielen. Nachdem wir die immunmediierte Reprogrammierung von Mammakarzinomzellen charakterisiert haben, beschäftigt sich dieses, seit 4/15 vom IZKF geförderte Projekt, mit der standardisierten CSC Reprogrammierung. Pluripotenzfaktoren sind durch ihre Expression besonders in embryonalen Stammzellen und bei der Reprogrammierung zu induzierten pluripotenten Stammzellen (iPSC) bekannt geworden und sind ebenfalls in der Krebsstammzelle überexprimiert. Wir möchten eine standardisierte CSC Reprogrammierung zunächst im Mammakarzinom etablieren, um somit diese seltenen Zellen anzureichern und etwa zur Therapieoptimierung in Zukunft individuell in Kultur zu halten. Die Grundlagen des Projektes wurden bis 12/2014 im Rahmen des Else-Kröner-Fresenius-Forschungskollegs im Kooperation mit der AG Reijo Pera an der Stanford University (Palo Alto, CA) erarbeitet.

Ansprechpartner: Dr. med. Roland Stein, Petra Hauck, Evi Horn, Dr. med. Joachim Diessner, Prof. Dr. rer. nat. Jörg Wischhusen

Mikroskopische und molekularbiologische Untersuchungen zur Effizienzsteigerung im In-Vitro-Fertilisations-Labor

Im IVF-Labor werden Untersuchungen morphokinetischer Charakteristika bei der Entwicklung humaner Embryonen durchgeführt sowie die komplexen Interaktionen von Spermien mit Faktoren des weiblichen Reproduktionssystems molekularbiologisch analysiert.
Morphokinetische Eigenschaften von Embryonen sind maßgebend für das Entwicklungspotenzial des jeweiligen Embryos. Mit State-of-the-Art-Methoden wie z.B. der Time-Lapse-Mikroskopie werden morphokinetische Parameter der Embryonalentwicklung beurteilt und mit dem Implantationspotenzial korreliert, um die Effizienz der Therapie stetig steigern zu können. In der Grundlagenforschung wird mittels molekularbiologischer Techniken die Interaktion von Mikroorganismen mit humanen Spermien näher charakterisiert. Die Schleimhäute des unteren weiblichen Reproduktionstraktes sind von einer Vielzahl verschiedenster Mikroorganismen besiedelt, darüber hinaus werden Keime auch durch das männliche Ejakulat übertragen. Für eine Aufklärung der komplexen Mechanismen der Erreger-Wirt-Beziehung in dieser speziellen Nische wurden ausgewählte Faktoren der extrazellulären Matrix bezüglich ihres möglichen Einflusses auf Spermien bzw. auf den humanpathogenen Hefepilz Candida albicans getestet.

Ansprechpartner: Dr. rer. nat. Claudia Staib, Dr. med. Michael Schwab

Verstärkung der Antitumorfunktion von ROR1 CAR T-Zellen gegen triple-negatives Mammakarzinom durch Abschirmung gegen immunsupprimierendes TGF-ß

Die adoptive Immuntherapie mit gentechnisch hergestellten autologen T-Zellen, die einen tumorreaktiven chimären Antigenrezeptor (CAR) exprimieren ist eine innovative experimentelle Therapieoption für fortgeschrittene Malignome. CARs sind synthetische Rezeptoren, die an entsprechende Oberflächenmoleküle binden und damit eine T-Zell- Aktivierung induzieren. Gegenstand der Forschung ist die Vermeidung oder Reduzierung immunosuppressiver Einflüsse durch das Tumormikromilieu (TGF-ß) auf die Funktionalität von ROR1 CAR T-Zellen bei triple-negativem Mammakarzinom.
Unterstützung erhält die Würzburger Forschung durch das IZKF der Universitätsklinik Würzburg und den Verein “Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V.”.

Ansprechpartner: Dr. med. Tanja Stüber, Prof. Dr. rer. nat. Jörg Wischhusen, Dr. Michael Hudecek, Prof. Dr. Hermann Einsele

Sektion für Experimentelle Tumorimmunologie

Ein Schwerpunkt des Forschungsinteresses liegt auf der immunologischen Charakterisierung Tumor-initiierender Zellen. In diesem Zusammenhang konnten wir zeigen, dass (a) Tumor-initiierende Zellen selektiv den zytotoxischen Effekten einer HER2-spezifischen Tumor-/Immuntherapie entkommen und (b) partiell differenzierte Tumorzellen unter immunologischem Selektionsdruck in „Tumorstammzellen“ dedifferenzieren und sich so der Immunantwort entziehen.
Ferner werden Immunevasionsmechanismen fortgeschrittener Tumoren untersucht, in denen lösliche Faktoren des Tumormikromilieus (a) Effektorfunktionen der angeborenen und erworbenen Immunität unterdrücken und (b) stammzellähnliche Eigenschaften Tumor-initiierender Zellen erhalten und induzieren. Aus dem Verständnis der Mechanismen werden therapeutische Angriffspunkte abgelei- tet und präklinisch analysiert. Die translationale Umsetzung der Strategien wird insbesondere in dem GO-Bio geförderten Projekt zur „Antagonisierung von GDF-15 bei soliden Tumoren“ verfolgt, zu dem ein breites Portfolio an Patenten aufgebaut wurde.
In Kooperation mit dem Lehrstuhl für Mikrobiologie werden mögliche Zusammenhänge zwischen einer Infektion mit chlamydia trachomatis und Ovarialkarzinomen erforscht, woraus eine Publikation in der Zeitschrift Cell Reports resultierte. Schließlich wird in klinischen Studien auch die diagnostische Nutzbarkeit tumorabhängig induzierter miRNA-Muster in Blutlymphozyten untersucht.
Die Abteilung wird vom BMBF (GO-Bio-Programm), vom IZKF, der DFG (über die Graduiertenschule für Lebenswissenschaften), der Else-Kröner-Fresenius-Stiftung, dem TaNeDS-Programm von Daiichi Sankyo und anderen gefördert.

Ansprechpartner: Prof. Dr. rer. nat. Jörg Wischhusen, PD Dr. med. Sebastian Häusler, Dr. med. Joachim Diessner, Dr. med. Roland Stein, Dr. rer. nat. Markus Haake, Dr. rer. nat. Tina Schäfer, Dr. rer. nat. Stefan Ebert, L. Schlahsa, Anastasia Kuzkina, B. Fischer, Evi Horn, Petra Hauck

Kontakt, Öffnungszeiten, Sprechzeiten

Sprechzeiten Privatsprechstunde:

Montag 09:30 Uhr bis 12:30 Uhr
Mittwoch 09:30 Uhr bis 12:30 Uhr
sowie nach Vereinbarung

weitere Sprechzeiten siehe Schwerpunkte oder Ambulante Behandlung

Telefon:

Auskunft / Pforte:
+49 931 201-25253 oder
+49 931 201-25621

E-Mail:
Klinikdirektor Prof. Dr. Achim Wöckel:
markert_f@ukw.de

Fax:
+49 931 201-25406


Anschrift:

Frauenklinik und Poliklinik des Universitätsklinikums | Josef-Schneider-Str. 4 | Haus C15 | 97080 Würzburg | Deutschland