paper place Archiv 1. Quartal 2026

Neuartige Entzündungsfunktion von Blutplättchen entdeckt

Forschende aus der Experimentellen Biomedizin I zeigen in der Fachzeitschrift Science, dass das Oberflächenprotein Integrin αIIbβ3 nicht nur ein Schlüsselmolekül der Blutgerinnung ist, sondern bei schwerwiegenden Krankheitsprozessen wie einem Infarkt oder einer Infektion auch als pro-inflammatorischer Effektor agieren kann.

Intravitalmikroskopische Aufnahme des PITT
Ein einzelnes Blutplättchen bildet entzündungsfördernde PITTs in einem entzündeten Blutgefäß. Intravitalmikroskopische Aufnahme aus der Leber eines Mausmodells: Ein Thrombozyt (türkis) haftet an der entzündeten Gefäßwand (gelb gestrichelt) und schnürt einen langen, fadenförmigen Membranfortsatz ab – einen sogenannten PITT (magenta). Diese von Thrombozyten freigesetzten Integrin- und Tetraspanin-reichen Tethers bleiben an der Gefäßwand zurück und fördern Entzündungsreaktionen, während sich der Thrombozyt selbst wieder in den Blutstrom löst. Maßstab: 1 µm. © Lehrstuhl für Experimentelle Biomedizin I, Universitätsklinikum Würzburg

αIIbβ3 schaltet sich um und dient dann als Baustein eines neuartigen Organells, bei dem es sich um einen fadenförmiger Membranfortsatz namens PITT (Platelet-derived Integrin- and Tetraspanin-rich Tethers) handelt. PITT wird von den Blutplättchen freigesetzt, bleibt an der entzündeten Gefäßwand zurück und treibt die Entzündungsprozesse weiter an. 

Durch die Blockade von αIIbβ3 mit monoklonalen Antikörpern kann die Bildung von PITTs verringert werden. 

Mit ihrer Arbeit, die im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Sonderforschungsbereichs 1525 „Cardio-Immune Interfaces“ und durch den ERC Advanced Grant „PITT-Inflame“ der Europäischen Union unterstützt wurde, haben die Forschenden das Verständnis der Thrombozytenbiologie grundlegend geändert. Sie beschreiben einen völlig neuen Mechanismus, der so noch in keiner Zelle beobachtet worden ist und grundlegende Fragen zur Organisation und gesteuerten Beweglichkeit von Membranproteinen aufwirft. 

Details zur Studie liefert die Pressemeldung

Publikation: Kusch C.*, Stegner D.*, Weiß L.J., Nurden P., Burkard P., Johnson D., Bergmeier W., Onursal C., Navarro S., Hackenbroch C., Pfeiffer D., Bonfiglio S.I., Meub M., Groß C., Schenk J., Fumagalli V., Mott K., Bender M., Iannacone M., Andres O., Kastenmüller W., Heinze K.G., Sauer S., Schulze H., Ley K., Nurden A.T. & Nieswandt B. “Platelet-derived integrin- and tetraspanin-enriched tethers exacerbate severe inflammation.” Science 391, eadu2825 (2026). DOI: 10.1126/science.adu2825. https://doi.org/10.1126/science.adu2825

Intravitalmikroskopische Aufnahme des PITT
Ein einzelnes Blutplättchen bildet entzündungsfördernde PITTs in einem entzündeten Blutgefäß. Intravitalmikroskopische Aufnahme aus der Leber eines Mausmodells: Ein Thrombozyt (türkis) haftet an der entzündeten Gefäßwand (gelb gestrichelt) und schnürt einen langen, fadenförmigen Membranfortsatz ab – einen sogenannten PITT (magenta). Diese von Thrombozyten freigesetzten Integrin- und Tetraspanin-reichen Tethers bleiben an der Gefäßwand zurück und fördern Entzündungsreaktionen, während sich der Thrombozyt selbst wieder in den Blutstrom löst. Maßstab: 1 µm. © Lehrstuhl für Experimentelle Biomedizin I, Universitätsklinikum Würzburg
Erhöhte Wirksamkeit von P2Y12-Inhibitoren in Thrombozyten während einer Infektion

Die Therapie mit Inhibitoren der Thrombozytenfunktion - sogenannten P2Y12-Inhibitoren - ist eine zentrale Säule der Behandlung von Patientinnen und Patienten nach einem Herzinfarkt.

Ein großes Problem in der Verwendung dieser Medikamente ist allerdings das gesteigerte Blutungsrisiko. Eine besonders fragile Patientengruppe unter dieser Therapie sind Menschen mit Infektionen, bei denen Blutungskomplikationen gehäuft auftreten. Warum diese erhöhte Anfälligkeit besteht, war bislang jedoch unklar. Deshalb hat Harald Schulze mit seiner Arbeitsgruppe aus der Experimentellen Biomedizin I untersucht, wie sich Infektionen auf die Wirkung von P2Y12-Inhibitoren auswirken. Dafür analysierten die Forschenden die Thrombozytenfunktion bei Patientinnen und Patienten mit Infektion oder Sepsis in experimentellen Testsystemen und ergänzten diese Daten durch eine klinische Fall-Kontroll-Kohorte von KHK-Patienten unter Clopidogrel-Therapie.

Die Studie zeigt, dass Infektionen die Wirkung von P2Y12-Inhibitoren deutlich verstärken. Schon niedrige Konzentrationen des Hemmstoffs Cangrelor führten bei Patientinnen und Patienten mit Infektionserkrankungen zu einer nahezu vollständigen Unterdrückung der Thrombozytenaktivierung, Aggregation und Thrombusbildung. Dieser Befund bestätigte sich auch klinisch: KHK-Patienten mit Infektion wiesen unter Clopidogrel eine deutlich stärkere Hemmung der Plättchenfunktion auf als vergleichbare Patienten ohne Infektion. Im VerifyNow-Test lagen 93 % der infizierten Patienten in einem Bereich, der mit einem erhöhten Blutungsrisiko assoziiert ist.

Fazit: Infektionen können P2Y12-Inhibitoren funktionell überdosieren. Unsere Arbeit liefert damit erstmalig eine Erklärung dafür, warum Patientinnen und Patienten mit Infektionen unter antithrombozytärer Therapie besonders blutungsgefährdet sind, und unterstreicht die Notwendigkeit, Strategien wie Deeskalation, Dosisreduktion oder zeitweilige Anpassung der Therapie in klinischen Studien gezielt zu prüfen.

Publikation: Lukas Johannes Weiss, Maria Drayss, David Unsin, Bastian Just, Tahnee Korth, Johanna Brandt, Katharina Kloss, Frédéric Bertram, Patricia Öftering, Kristina Mott, Harald Schulze: Increased P2Y12 inhibitor potency in platelets during infection. Cardiovascular Research (2026)  https://doi.org/10.1093/cvr/cvag052

Mavacamten optimiert die Herzmuskelarbeit bei Patienten mit obstruktiver hypertropher Kardiomyopathie: eine nicht-invasive Druck-Dehnungs-Analyse

Die hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie ist einer Erkrankung, bei der der Herzmuskel verdickt ist und der Blutfluss aus dem Herzen behindert werden kann. Diese strukturelle Veränderung führt häufig zu einer erhöhten Belastung des Herzens und kann die körperliche Leistungsfähigkeit deutlich einschränken.

Verschiedene Bilder eines Fallbeispiels - Gradienten, Myokardarbeitsindex etc.
Fallbeispiel eines Patienten mit obstruktiver hypertropher Kardiomyopathie, der nach 12-wöchiger Mavacamten-Therapie echokardiographische Veränderungen aufweist. A LVOT-Spitzengradienten in Ruhe zu Studienbeginn und nach 12-wöchiger Mavacamten-Therapie. B GLS zu Studienbeginn und nach 12-wöchiger Mavacamten-Therapie. C Myokardarbeitsindex (GWI) zu Studienbeginn und 12 Wochen nach Mavacamten-Behandlung. D Globale konstruktive Arbeit und globale verschwendete Arbeit zu Studienbeginn und 12 Wochen nach Mavacamten-Behandlung. Abkürzungen: LVOT, linker ventrikulärer Ausflusstrakt; GLS, globale Längsdehnung; GWI, globaler Arbeitsindex

Diese strukturelle Veränderung führt häufig zu einer erhöhten Belastung des Herzens und kann die körperliche Leistungsfähigkeit deutlich einschränken. Forschende des DZHI untersuchten gemeinsam mit dem Herz- und Diabeteszentrum NRW, Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum, die Wirkung des Medikaments Mavacamten bei Patientinnen und Patienten mit hypertropher obstruktiver Kardiomyopathie. 

Im Fokus der Untersuchung stand die sogenannte myokardiale „Arbeit“, also die Effizienz, mit der das Herz Blut pumpt und dabei Energie einsetzt. Mithilfe moderner echokardiografischer Verfahren konnte diese Größe nicht-invasiv bestimmt und differenziert analysiert werden.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Behandlung mit Mavacamten zu einer signifikanten Verbesserung der kardialen Effizienz führte. Konkret arbeitete das Herz unter Therapie ökonomischer: Die mechanische Leistung nahm zu, während die Belastung des Herzmuskels gleichzeitig abnahm. Dies deutet darauf hin, dass das Medikament nicht nur die hämodynamische Situation verbessert, sondern auch die energetische Balance des Herzens positiv beeinflusst.

Die Befunde liefern damit wichtige Hinweise auf einen Wirkmechanismus, der über eine reine Symptomkontrolle hinausgeht und direkt an der Pathophysiologie der Erkrankung ansetzt. Gleichzeitig handelt es sich um eine vergleichsweise kleine Studie, sodass weiterführende Untersuchungen erforderlich sind, um die Ergebnisse zu bestätigen und insbesondere die langfristigen klinischen Auswirkungen zu bewerten.

Publikation: S. Scholtz, C. Coppée, K. Mohemed, M. Potratz, F. Langkamp, V. Rudolph, C. Maack, W. Scholtz, V. Sequeira & J.-C. Reil. Mavacamten optimizes myocardial work in patients with obstructive hypertrophic cardiomyopathy: a non-invasive pressure–strain analysis. Clin Res Cardiol 115, 875–886 (2026). https://doi.org/10.1007/s00392-026-02855-0

Verschiedene Bilder eines Fallbeispiels - Gradienten, Myokardarbeitsindex etc.
Fallbeispiel eines Patienten mit obstruktiver hypertropher Kardiomyopathie, der nach 12-wöchiger Mavacamten-Therapie echokardiographische Veränderungen aufweist. A LVOT-Spitzengradienten in Ruhe zu Studienbeginn und nach 12-wöchiger Mavacamten-Therapie. B GLS zu Studienbeginn und nach 12-wöchiger Mavacamten-Therapie. C Myokardarbeitsindex (GWI) zu Studienbeginn und 12 Wochen nach Mavacamten-Behandlung. D Globale konstruktive Arbeit und globale verschwendete Arbeit zu Studienbeginn und 12 Wochen nach Mavacamten-Behandlung. Abkürzungen: LVOT, linker ventrikulärer Ausflusstrakt; GLS, globale Längsdehnung; GWI, globaler Arbeitsindex
Echokardiografische Druck-Volumen-Analyse vergleicht die Wirkung von Mavacamten und Alkohol-septaler Ablation bei einer oHCM

Bei der hypertrophen Kardiomyopathie (HCM) kommt es zu einer krankhaften Verdickung der Herzscheidewand (Septum), und bei etwa zwei Drittel aller HCM Patienten zu einer Obstruktion des linksventrikulären Ausflusstraktes (LVOT). Man spricht dann von der obstruktiven hypertrophen Kardiomyopathie (oHCM).

2 Bilder der LVOT-Gradienten
Echokardiographisch abgeleitete Veränderungen im linksventrikulären Ausflusstrakt (LVOT) und in den Druck-Volumen-(PV)-Beziehungen vor und nach Behandlung mit Mavacamten bei einem Responder mit obstruktiver hypertropher Kardiomyopathie (oHCM). Hier sind kontinuierliche Doppler-Aufzeichnungen des LVOT bei einem einzelnen Patienten mit oHCM (aus der Responder-Kohorte) vor und nach drei Monaten Mavacamten-Therapie dargestellt. Dabei sinkt der LVOT-Gradient von 80 auf 7 mmHg, begleitet von einer Verkürzung der systolischen Austreibungszeit (SET) von 359 auf 319 ms.

Die Verengung des LVOT erhöht die sog. „Nachlast“ des Herzens, den Widerstand, gegen den das Herz anarbeiten muss. Wenn ein gesundes Herz akut einer erhöhten Nachlast ausgesetzt wird, kann es seine Kontraktilität durch zelluläre Prozesse steigern, um trotz erhöhter Nachlast noch einen hinreichenden Auswurf des Blutes zu gewährleisten (sog. Anrep-Effekt). Allerdings erfordert diese Kontraktilitätssteigerung erhöhte Mengen an Energie, und bei einer Chronifizierung (wie sie bei oHCM auftritt) leidet das Herz unter diesem erhöhten Energiebedarf, der auch oxidativen Stress verursacht. 

Therapeutisch ist es daher das Ziel, die erhöhte Nachlast bei oHCM zu reduzieren. Bisher erfolgte dies effektiv durch eine Katheter-Intervention, bei der durch Alkoholinjektion eine Verödung des hypertrophierten Septums erzeugt wird und dadurch der Widerstand im LVOT abnimmt (sog. alkoholische Septumablation; ASA). Seit wenigen Jahren sind nun Medikamente verfügbar, die durch eine gezielte Senkung der Kontraktilität ebenfalls die Obstruktion im LVOT verringern können (sog. Myosin-Inhibitoren). Es hat bisher aber noch keine Kopf-an-Kopf Vergleich gegeben, der den Effekt der Myosin-Inhibitoren mit der ASA vergleicht. 

Im renommierten Journal „Circulation: Heart Failure“ hat das DZHI in einem internationalen Team untersucht, ob der Myosin-Inhibitor Mavacamten diesen Zustand rückgängig machen kann und wie seine Wirkung im Vergleich zur anatomischen Entlastung durch eine ASA ausfällt. Dazu wurden 36 symptomatische Patientinnen und Patienten mit oHCM mit Mavacamten behandelt. Von diesen erreichten 29 nach drei Monaten einen Ruhegradienten im LVOT von unter 50 mmHg und wurden als Responder eingestuft. Bei ihnen wurden vor und nach der Therapie echokardiographisch abgeleitete Druck-Volumen-Analysen durchgeführt. Zum Vergleich wurde eine weitere Gruppe von 13 Patientinnen und Patienten untersucht, die eine Alkoholseptumablation erhielten und ebenfalls vor sowie drei Monate nach dem Eingriff analysiert wurden.

Zu Beginn zeigten alle Patientinnen und Patienten Zeichen einer chronisch aktivierten Anrep-Reaktion: eine erhöhte Nachlast, eine gesteigerte Kontraktilität, eine verlängerte systolische Austreibungszeit sowie eine deutlich erhöhte mechanische Arbeitsbelastung des Myokards. Nach drei Monaten zeigten sowohl die auf Mavacamten ansprechenden Patientinnen und Patienten als auch diejenigen nach ASA vergleichbare Verbesserungen. Es kam zu einer Entlastung des linken Ventrikels mit reduzierter Nachlast und Kontraktilität, verkürzter Austreibungszeit und verminderter myokardialer Arbeitsbelastung, wobei das Schlagvolumen erhalten blieb. Zusätzlich verbesserten sich diastolische Parameter. Bei den Nicht-Respondern unter Mavacamten hingegen blieben diese hämodynamischen Veränderungen aus.

Die Ergebnisse demonstrieren, dass sowohl die medikamentöse Myosinhemmung durch Mavacamten als auch die strukturelle Entlastung durch die Alkoholseptumablation auf denselben zentralen therapeutischen Mechanismus abzielen: die Reduktion der LVOT-Obstruktion und die Rückbildung des chronisch nachlastbedingten Anrep-Effektes. Klinisch bedeutet dies, dass Mavacamten eine nichtinvasive Alternative oder Ergänzung zur ASA darstellen kann. Zudem können echokardiographisch bestimmte Druck-Volumen-Parameter künftig helfen, den Therapieerfolg individueller zu überwachen und Behandlungsentscheidungen besser anzupassen.

Publikation: Jan-Christian Reil und Vasco Sequeira et al. “Mavacamten Versus Alcohol Septal Ablation in Obstructive Hypertrophic Cardiomyopathy: An Echocardiography-Derived Pressure-Volume Analysis.” Circulation. Heart failure, e013392. 13 Apr. 2026, doi:10.1161/CIRCHEARTFAILURE.125.013392

2 Bilder der LVOT-Gradienten
Echokardiographisch abgeleitete Veränderungen im linksventrikulären Ausflusstrakt (LVOT) und in den Druck-Volumen-(PV)-Beziehungen vor und nach Behandlung mit Mavacamten bei einem Responder mit obstruktiver hypertropher Kardiomyopathie (oHCM). Hier sind kontinuierliche Doppler-Aufzeichnungen des LVOT bei einem einzelnen Patienten mit oHCM (aus der Responder-Kohorte) vor und nach drei Monaten Mavacamten-Therapie dargestellt. Dabei sinkt der LVOT-Gradient von 80 auf 7 mmHg, begleitet von einer Verkürzung der systolischen Austreibungszeit (SET) von 359 auf 319 ms.
Therapeutisches Fasten als neuartiger Ansatz zur Linderung muskuloskelettaler Symptome bei Brustkrebspatientinnen unter Aromatasehemmer-Therapie

Sogenannte aromatasehemmerbedingte Muskel- und Gelenkbeschwerden (AIMSS bzw. AIA), können bei vielen Patientinnen im Rahmen einer antihormonellen Therapie auftreten und die Lebensqualität teils erheblich beeinträchtigen.

Im Rahmen einer multizentrischen Zusammenarbeit mit dem CCC Mainfranken, der Charité Universitätsmedizin Berlin, dem Universitätsklinikum Tübingen, sowie dem Robert Bosch Centrum für Integrative Medizin wird ein Studienprotokoll zu einem innovativen unterstützenden Ansatz zur Linderung von Nebenwirkungen einer Brustkrebstherapie vorgestellt: das therapeutische Fasten. 

Vorläufige Hinweise aus anderen Krankheitsbereichen, etwa bei rheumatischen Erkrankungen, legen nahe, dass Fasten entzündliche Prozesse und Schmerzen positiv beeinflussen könnte. Gleichzeitig ist die Datenlage zum Einsatz von Fasten bei onkologischen Patientinnen unter laufender Therapie derzeit unzureichend. Leitlinien betonen, dass eine Anwendung außerhalb klinischer Studien nicht empfohlen werden kann.

Vor diesem Hintergrund prüft die Studie nun, ob ein mehrtägiges, medizinisch begleitetes Fastenprogramm für betroffene Patientinnen überhaupt praktikabel und sicher durchführbar ist.

Geplant ist eine einarmige Pilotstudie mit 54 Teilnehmerinnen unter endokriner adjuvanter Therapie, die ein siebentägiges, kontrolliertes Fastenprogramm mit definierter Kalorienrestriktion (≤ 350 kcal/Tag) durchführen. 

Dieses basiert vor allem auf Gemüsebrühen und Säften und wird durch strukturierte Anleitung sowie medizinische Begleitung unterstützt. Ziel ist explizit nicht der Nachweis einer klinischen Wirksamkeit, sondern die Evaluation von Durchführbarkeit, Sicherheit und Akzeptanz im klinischen Alltag. Neben der Durchführbarkeit wird auch untersucht, wie gut sich verschiedene etablierte Fragebögen und Messinstrumente einsetzen lassen, um Beschwerden, Lebensqualität, Stress, Achtsamkeit und Schlaf zu erfassen. Damit soll eine methodische Grundlage für zukünftige, größere Studien geschaffen werden.

Ergänzend werden Veränderungen im Lebensstil, etwa Ernährungsgewohnheiten, sowie Aspekte wie Fatigue (tumorbedingte Erschöpfung) beobachtet. Zudem sollen digitale Selbstbeobachtungen und qualitative Interviews helfen, individuelle Erfahrungen und subjektive Veränderungen besser zu verstehen.

Insgesamt dient die Studie als wichtige Vorarbeit für eine größere, kontrollierte Untersuchung. Vor dem Hintergrund der aktuell limitierten Evidenz verfolgt die Studie damit einen klar hypothesengenerierenden Ansatz innerhalb eines sicheren, kontrollierten Studienrahmens.

Publikation: Meyer H, Koppold DA, Shaker O, Eden L, Schiffmann L, Konigorski S, Cramer H, Choi KA, Einsele H, Winkler M, Löffler C. Therapeutic Fasting as a Novel Approach to Mitigate Musculoskeletal Symptoms in Breast Cancer Patients undergoing Aromatase Inhibitor Therapy: A Feasibility Study Protocol. Integrative Cancer Therapies. 2026;25. doi:10.1177/15347354261426272

Riboflavin-Stoffwechsel als Determinante der FSP1-vermittelten Ferroptose-Resistenz

Ferroptose stellt eine eisenabhängige Form des regulierten Zelltods dar, die durch Lipidperoxidation charakterisiert ist und zunehmend als therapeutisch nutzbarer Mechanismus in der Onkologie in den Fokus rückt.

Vera Skafar und José Pedro Friedmann Angeli in weißen Kitteln im Labor
Vera Skafar und José Pedro Friedmann Angeli haben die Studie am Rudolf-Virchow-Zentrum durchgeführt. (Bild: Natalie Fahmer / Universität Würzburg)

Zentrale Komponenten des anti-ferroptotischen Schutzsystems sind die Glutathionperoxidase 4 sowie Coenzym Q, Vitamin E und das NAD(P)H-abhängige Oxidoreduktase-System um FSP1. Während die Funktion von GPX4 gut charakterisiert ist, sind die regulatorischen Determinanten der FSP1-Aktivität bislang unzureichend verstanden.

Arbeiten aus der Arbeitsgruppe von José Pedro Friedmann Angeli vom Rudolf-Virchow-Zentrum und Comprehensive Cancer Center Mainfranken identifizieren den Riboflavin-Stoffwechsel als kritischen Regulator der FSP1-Funktion. Insbesondere konnte gezeigt werden, dass Riboflavin (Vitamin B₂) nach Umwandlung in FAD essenziell für die Stabilität und enzymatische Aktivität von FSP1 ist.

Weiterhin wurde nachgewiesen, dass das Riboflavin-Analogon Roseoflavin als modifiziertes Kofaktor-Derivat (RoFAD) in FSP1 eingebaut wird und dessen anti-ferroptotische Funktion inhibiert. Funktionell führt dies in Tumorzellen zu einer ausgeprägten Sensibilisierung gegenüber Ferroptose.

Diese Ergebnisse legen nahe, dass der Riboflavin-Stoffwechsel eine bislang unterschätzte metabolische Verwundbarkeit darstellt und die gezielte pharmakologische Modulation dieses Signalwegs ein vielversprechender Ansatz zur Induktion von Ferroptose in Tumorzellen sein könnte.

Zur Pressemeldung

Publikation: Skafar V, de Souza I, Ghosh B, Ferreira Dos Santos A, Porto Freitas F, Chen Z, Sun S, Donate Castillo M, Nepachalovich P, Seufert L, Bothe S, Tschuck J, Mathur A, Nunes-Alves A, Buhr J, Aponte-Santamaría C, Schmitz W, Mack M, Eilers M, Bargou R, Chaufan M, Kaur M, Palma M, Ubellacker JM, Elling U, Augustin HG, Hadian K, Meierjohann S, Proneth B, Conrad M, Fedorova M, Alborzinia H, Friedmann Angeli JP. Riboflavin metabolism shapes FSP1-driven ferroptosis resistance. Nat Cell Biol. 2026 Mar 13. doi: 10.1038/s41556-025-01856-x. Epub ahead of print. PMID: 41826699.

 

Vera Skafar und José Pedro Friedmann Angeli in weißen Kitteln im Labor
Vera Skafar und José Pedro Friedmann Angeli haben die Studie am Rudolf-Virchow-Zentrum durchgeführt. (Bild: Natalie Fahmer / Universität Würzburg)
Auswirkungen einer geriatrischen Mitbetreuung auf die Selbstständigkeit, die Lebensqualität und schwere Toxizität bei gebrechlichen älteren Krebspatienten

Menschen ab 70 Jahren haben unter Krebstherapien besonders häufig mit Nebenwirkungen, funktionellen Einschränkungen und einer verminderten Lebensqualität zu kämpfen.

In einer aktuellen randomisierten Studie untersuchte ein Team des Comprehensive Cancer Center Mainfrankens, ob eine sogenannte geriatrische Co-Betreuung die Behandlung älterer Krebspatientinnen und -patienten verbessern kann. 

In der Studie wurden über 200 Patientinnen und Patienten, die eine neue medikamentöse Krebstherapie begannen, in zwei Gruppen aufgeteilt: Eine erhielt die übliche Standardversorgung, während die andere zusätzlich von einem multiprofessionellen Team geriatrisch mitbetreut wurde. Diese Co-Betreuung umfasste eine umfassende Einschätzung des Gesundheitszustands sowie gezielte unterstützende Maßnahmen, etwa zur Stabilisierung der Selbstständigkeit oder zur besseren Verträglichkeit der Therapie.

Nach zwölf Wochen zeigte sich in der Interventionsgruppe eine tendenzielle Verbesserung sowohl der Selbstständigkeit im Alltag als auch der Lebensqualität. Diese Unterschiede waren statistisch jedoch nicht eindeutig abgesichert. Deutlicher fiel hingegen ein anderer Effekt aus: Schwere Nebenwirkungen der Krebstherapie traten in der Gruppe mit geriatrischer Co-Betreuung deutlich seltener auf. Auch ungeplante Krankenhausaufenthalte konnten etwas reduziert werden.

Die Ergebnisse legen nahe, dass eine engere, auf ältere Menschen zugeschnittene Begleitung während der Krebstherapie insbesondere dazu beitragen kann, Risiken und Komplikationen zu verringern. Auch wenn der Einfluss auf Lebensqualität und Selbstständigkeit in dieser Studie nicht eindeutig belegt werden konnte, sprechen die Befunde insgesamt dafür, geriatrische Expertise stärker in die onkologische Versorgung älterer Patientinnen und Patienten zu integrieren.

Publikation: Gabriele Ihorst, Elisabeth Jentschke, Kathrin Tatschner, Carmen Roch, Birgitt van Oorschot, Peter Baier, Bernhard Geyer, Miriam Hüttmeyer, Christoph Hohlbein, Anna Heckers, Johanna Gerber, Barbara Deschler-Baier. Effect of geriatric co-management on independence, quality of life, and severe toxicity in vulnerable older patients with cancer: Results of a randomized clinical trial. Journal of Geriatric Oncology. Volume 17, Issue 2, 2026, 102896, ISSN 1879-4068, https://doi.org/10.1016/j.jgo.2026.102896