Die Forschenden rund um Emma Dohmann und Güzin Surat bestimmten bei drei Patientengruppen mit unterschiedlich starker Nierenschwäche die Konzentration des Antibiotikums im Blut und verglichen diese Werte mit den sogenannten pharmakodynamischen Zielgrößen – also mit dem, was notwendig ist, damit das Medikament die Erreger zuverlässig hemmen kann.
Das Ergebnis: Für normale Infektionen war die Wahrscheinlichkeit, dass die empfohlene Standarddosierung ausreicht, sehr hoch – über 90 Prozent der Patientinnen und Patienten erreichten mit verabreichten Kurzinfusionen die erforderlichen Wirkstoffspiegel. Anders sah es jedoch bei schwierigen Infektionen aus, bei denen eine höhere oder dauerhaft wirksame Medikamentenkonzentration nötig ist. Hier lag die Wahrscheinlichkeit, das Ziel zu erreichen, unter 15 Prozent – ein Hinweis darauf, dass viele dieser Patienten möglicherweise unterdosiert sind.
Mittels Computersimulationen konnte demonstriert werden, dass eine kontinuierliche Infusion des Medikaments auch bei reduzierter Nierenleistung die anvisierten Zielwerte sicherstellen kann. Vor allem bei Patientinnen und Patienten mit einer mittleren Nierenschwäche (eGFR 30–40 ml/min) ließen sich damit deutlich bessere Werte erzielen.
„Unsere Ergebnisse sprechen dafür, dass man bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen nicht pauschal die Antibiotikadosis senken sollte“, erklärt Letztautorin Dr. Güzin Surat, Oberärztin in der Zentralen Einrichtung für Krankenhaushygiene und Antimicrobial Stewardship (AMS) und Gründerin der AMS des Netzwerks AMS-MAN. „Gerade bei schweren Infektionen kann das Risiko bestehen, dass die Konzentration des Medikaments zu niedrig ist und die Bakterien dadurch nicht vollständig abgetötet und damit unnötig Resistenzen geschürt werden.“
Publikation
Emma Dohmann, Stefan Hagel, Max Kurlbaum, Paul Schellong, Oliver Scherf-Clavel, Güzin Surat. Probability of pharmacokinetic/pharmacodynamic target attainment for different piperacillin/tazobactam dosing regimens in renally impaired patients in a non-intensive care unit setting. Br J Clin Pharmacol. 2025 Nov;91(11):3070-3081. https://doi.org/10.1002/bcp.70153
