paper place Hepatologie

Vergleich zweier Erstlinientherapien zeigt Unterschiede beim Blutungsrisiko bei Leberzellkrebs

Atezolizumab/Bevacizumab und Durvalumab mit oder ohne Tremelimumab gehören zu den bevorzugten Erstlinientherapien beim hepatozellulären Karzinom (HCC, Leberzellkrebs). Beide Behandlungsansätze kombinieren eine Immuntherapie gegen PD-L1 - ein Eiweiß auf der Oberfläche von Tumorzellen und Immunzellen, das die Aktivität von T-Zellen des Immunsystems bremsen kann.

Graphical Abstract der Multicenter study of bleeding and thromboembolic events with durvalumab tremelimumab vs. atezolizumab and bevacizumab in advanced HCC

Sie unterscheiden sich jedoch darin, dass nur Atezolizumab/Bevacizumab zusätzlich den Gefäßwachstumsfaktor VEGF hemmt. Da eine VEGF-Hemmung mit einem erhöhten Risiko für Blutungen und thromboembolische Ereignisse verbunden sein kann, initiierte die Hepatologie des UKW eine multizentrische retrospektive Studie, welche die Sicherheit der beiden etablierten Erstlinientherapien für das fortgeschrittene HCC im Hinblick auf diese Komplikationen untersuchte. Beteiligt waren elf universitäre Leberzentren. 

Insgesamt wurden 490 Patientinnen und Patienten in die Studie eingeschlossen (165 mit Durvalumab ± Tremelimumab [DT/D], 325 mit Atezolizumab/Bevacizumab [A/B]). Obwohl in der DT/D-Gruppe zu Beginn häufiger Ösophagus- und Magenvarizen (erweiterte Blutgefäße in Speiseröhre und Magen, die bei Lebererkrankungen auftreten können) und größere Milzen festgestellt wurden, traten unter A/B insgesamt häufiger Blutungen auf: Blutungsereignisse jeglicher Schwere wurden bei 22,8 Prozent der A/B-behandelten Patientinnen und Patienten beobachtet, verglichen mit 13,3 Prozent unter DT/D. Auch schwere Blutungen (Grad 3 oder höher nach den CTCAE-Kriterien zur Einteilung von Nebenwirkungen) waren unter A/B häufiger (14,5 Prozent vs. 7,3 Prozent). Zudem trat unter A/B das erste Blutungsereignis früher auf. In der statistischen Analyse erwies sich die Behandlung mit A/B als eigenständiger Risikofaktor für Blutungen. Die Häufigkeit von varikösen Blutungen sowie von thromboembolischen Ereignissen (durch Blutgerinnsel verursachte Gefäßverschlüsse) unterschied sich zwischen den beiden Therapiegruppen hingegen nicht wesentlich.

Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass die VEGF-haltige Kombination aus Atezolizumab und Bevacizumab mit einem erhöhten Risiko für nicht durch Varizen verursachte Blutungen verbunden sein könnte. Sie unterstreichen die Bedeutung einer sorgfältigen individuellen Abwägung von Nutzen und Risiken bei der Auswahl der Erstlinientherapie des fortgeschrittenen hepatozellulären Karzinoms. Weitere prospektive Studien oder zusammenfassende Auswertungen mehrerer Studien (Metaanalysen) sind erforderlich, um diese Ergebnisse zu bestätigen.

Publikation: Najib Ben Khaled, Raphael Mohr, Leonie S. Jochheim, Valentina Zarka, Monika Karin, Fabian Artusa, Julia M. Schütte, Vera Himmelsbach, Ursula Ehmer, Katrin Böttcher, Friedrich Foerster, Simon Johannes Gairing, Paula Bark, Alexander Weich, Ignazio Piseddu, Monika Rau, Bernhard Scheiner, Lorenz Balcar, Marino Venerito, Philipp Heumann, Florian P. Reiter. Multicenter study of bleeding and thromboembolic events with durvalumab tremelimumab vs. atezolizumab and bevacizumab in advanced HCC, JHEP Reports, Volume 8, Issue 6, 2026, 101818, ISSN 2589-5559, https://doi.org/10.1016/j.jhepr.2026.101818.

Graphical Abstract der Multicenter study of bleeding and thromboembolic events with durvalumab tremelimumab vs. atezolizumab and bevacizumab in advanced HCC