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Hochdosiertes Vitamin C zeigt keinen Nutzen bei schweren Verbrennungen – im Gegenteil

Schwere Verbrennungen lösen eine massive Entzündungsreaktion sowie oxidativen Stress aus. Vitamin C gilt als starkes Antioxidans und wird seit Jahrzehnten in der Behandlung von Verbrennungsopfern diskutiert.

Stoppe steht am Podium, rechts daneben ein Bild vom feierlich geschmückten und ausgeleuchteten Konferenzraum in Belfast
Prof. Dr. Christian Stoppe stellte als Erstautor und Leiter der Victory-Studie die Ergebnisse am 10. Juni 2026 beim Critical Care Reviews Meeting in Belfast vor. Zeitgleich wurde die Studie im Journal of the American Medical Association (JAMA) veröffentlicht. © Patrick Meybohm / UKW
Collage aus vier Porträtbildern und Logo der Studie
Für das Projektmanagement und die Koordination der deutschen Zentren waren neben dem Studienleiter und Erstautor Prof. Christian Stoppe auch Dr. Ellen Dresen, Prof. Patrick Meybohm und Carina Güttler vom UKW verantwortlich. Collage: UKW / erstellt mit Canva

Bisherige kleinere Studien hatten positive Effekte gezeigt, etwa einen geringeren Flüssigkeitsbedarf. Aufgrund dieser vielversprechenden, aber unsicheren Datenlage empfehlen einige internationale Leitlinien die Gabe von hochdosiertem Vitamin C, allerdings fehlt hierfür eine belastbare Evidenz aus großen randomisierten Studien.

Eine internationale, randomisierte klinische Studie unter der Leitung der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie des UKW und der kanadischen Queen’s University in Kingston kommt jetzt zu einem klaren Ergebnis: Hochdosiertes intravenöses Vitamin C verbessert bei Schwerbrandverletzten weder Überleben noch Organdysfunktion und könnte möglicherweise sogar schädlich sein.

Insgesamt nahmen 238 Erwachsene mit schweren Verbrennungen von mindestens einem Fünftel ihrer gesamten Hautoberfläche an der Studie teil. Die Patientinnen und Patienten wurden in 24 Zentren in Nord-, Zentral- und Südamerika, Europa und Asien nach dem Zufallsprinzip entweder mit hochdosiertem intravenösem Vitamin C (50 mg pro Kilogramm Körpergewicht) behandelt, das über 96 Stunden hinweg alle sechs Stunden verabreicht wurde, oder mit einem Placebo. Es zeigte sich kein Vorteil durch die Behandlung mit Vitamin C. Im Gegenteil: Der wichtigste untersuchte Endpunkt – die 28-Tage-Sterblichkeit und anhaltende Organdysfunktion, beispielsweise Beatmung, Nierenersatztherapie oder Kreislaufunterstützung – trat sogar häufiger bei den Personen auf, die Vitamin C erhielten, als bei denen, die ein Placebo erhielten (40,8 % gegenüber 29,7 %).

Besonders auffällig war die Sterblichkeit innerhalb der ersten 28 Tage: In der Vitamin-C-Gruppe starben 15 Prozent der Patienten, in der Placebogruppe waren es nur 7,6 Prozent. Das Sterberisiko war somit unter Vitamin C mehr als doppelt so hoch. Auch die Sterblichkeit während des gesamten Krankenhausaufenthalts war in der Vitamin-C-Gruppe höher (23,3 % gegenüber 16,1 %). Zudem mussten Patienten, die Vitamin C erhielten, häufiger mit einer Nierenersatztherapie, beispielsweise einer Dialyse, behandelt werden (10,8 % gegenüber 5,9 %). Dieser Unterschied könnte allerdings auch zufällig zustande gekommen sein, da er statistisch nicht eindeutig abgesichert war.

Nach einer geplanten Zwischenanalyse wurde die Studie vorzeitig beendet, da die Ergebnisse darauf hindeuteten, dass die Behandlung keinen Nutzen erwarten ließ und potenziell mit Schäden verbunden sein könnte. Ein unabhängiges Überwachungsgremium empfahl daraufhin, die Studie abzubrechen. Internationale Leitlinien sollten dem Studienleiter Christian Stoppe zufolge diese neuen Erkenntnisse dringend berücksichtigen.

Weitere Informationen und Zitate in der Pressemeldung.

Publikation: Christian Stoppe, Aileen Hill, Leopoldo C. Cancio, Andrew G. Day, Kaitlin A. Pruskowski, Alexis F. Turgeon, Tam Pham, Sylvain Bélisle, Mario Aurelio Martínez-Jiménez, Ulrich Limper, Jochen Gille, Jon Wisler, Alisa Savetamal, Jonathan Pollack, Daisy Grau Domínguez, Serge Jennes, Jeffrey W. Shupp, Marc G. Jeschke, Kirsten Colpaert, Gabriel Hundeshagen, Justus P. Beier, Pornprom Muangman, Ann Echeverri McCandless, Patrick Meybohm, Tilman Grune, Ellen Dresen, Daniela Weber, Carina Güttler, Charles Chin Han Lew, Xuran Jiang, Shawna Froese, Maureen Dansereau, Zheng-Yii Lee, Daren K. Heyland, for the VICTORY Study Team. High Dose Intravenous Vitamin C and Mortality and Organ Dysfunction in Severe Burn Injury: The VICToRY Randomized Clinical Trial. JAMA. 2026. doi: 10.1001/jama.2026.10616 https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2850392

Stoppe steht am Podium, rechts daneben ein Bild vom feierlich geschmückten und ausgeleuchteten Konferenzraum in Belfast
Prof. Dr. Christian Stoppe stellte als Erstautor und Leiter der Victory-Studie die Ergebnisse am 10. Juni 2026 beim Critical Care Reviews Meeting in Belfast vor. Zeitgleich wurde die Studie im Journal of the American Medical Association (JAMA) veröffentlicht. © Patrick Meybohm / UKW
Collage aus vier Porträtbildern und Logo der Studie
Für das Projektmanagement und die Koordination der deutschen Zentren waren neben dem Studienleiter und Erstautor Prof. Christian Stoppe auch Dr. Ellen Dresen, Prof. Patrick Meybohm und Carina Güttler vom UKW verantwortlich. Collage: UKW / erstellt mit Canva
Extraktion und Transformation von Routinedaten aus dem Patientendatenmanagementsystem

Routinedaten aus Patientendatenmanagementsystemen (PDMS) der Intensiv- und perioperativen Medizin sind eine wertvolle Ressource für die klinische Forschung.

Sie enthalten unter anderem Informationen zu Medikation, Laborwerten, Vitalparametern und Behandlungsverläufen. Eine direkte Nutzung dieser Daten für Forschungsfragen ist jedoch häufig schwierig: Die Datenstrukturen sind herstellerspezifisch, über verschiedene Tabellen und Dokumentationsbereiche verteilt und primär auf die laufende klinische Dokumentation ausgerichtet. Für die wissenschaftliche Sekundärnutzung müssen sie daher zunächst systematisch extrahiert, vereinheitlicht, geprüft und in analysierbare Formate überführt werden.

In Zusammenarbeit mit dem Servicezentrum Medizin-Informatik (SMI) wurde in der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie des UKW ein modulares, Python-basiertes ETL-Framework entwickelt, also ein in Python entwickeltes, aus einzelnen Bausteinen aufgebautes Programm, das Daten automatisch sammelt, verarbeitet und in einer Datenbank speichert. ETL steht für Extraktion, Transformation und Laden. Das Framework ermöglicht eine flexible, domänenspezifische Extraktion hochfrequenter und multimodaler PDMS-Daten, ohne dass die Kernarchitektur für jede Fragestellung neu angepasst werden muss.

Klinische Datendomänen werden jeweils über ein eigenes, schemavalidiertes Datenmodell abgebildet. Dadurch werden einheitliche Ausgabestrukturen, konsistente Datentypen und automatisierte Plausibilitätsprüfungen sichergestellt. Der Datenbankzugriff erfolgt über eine Abstraktionsschicht, sodass Abfragen wiederverwendbar und an unterschiedliche lokale Gegebenheiten anpassbar bleiben. Standardisierte Vorverarbeitungsschritte helfen zudem, typische Inkonsistenzen der klinischen Dokumentation aufzulösen.

Ein integriertes Audit-Protokoll dokumentiert die verwendeten Extraktionsparameter, Verarbeitungsschritte und abgeleiteten Felder. Zusätzlich ist eine irreversible Pseudonymisierung direkt in den Bereitstellungsprozess eingebettet: Identifikatoren werden mithilfe eines zusätzlichen geheimen Zufallswerts so gehasht, dass sie sich nicht auf einzelne Patientinnen und Patienten zurückführen lassen. Dies unterstützt die Umsetzung datenschutzrechtlicher Anforderungen nach DSGVO sowie Art. 27 des Bayerischen Krankenhausgesetzes (BayKrG).

Das Ergebnis sind reproduzierbare und direkt analysierbare Datensätze, die in einem transparenten und überprüfbaren Prozess entstehen. In Tests konnte die Verarbeitungsebene etwa 180.000 Datensätze pro Sekunde verarbeiten; die Pseudonymisierung führte dabei nur zu einem moderaten Mehraufwand von etwa 13–15 %. Auch komplexe Extraktionen über mehrere Datendomänen hinweg skalierten nahezu linear und zeigten in den Tests keine Fehler in Struktur oder Plausibilität.

Das Framework ist so aufgebaut, dass es sich auf andere Standorte übertragen lässt: Ein stabiler, übertragbarer Kern bleibt unverändert, während standortspezifische PDMS-Abfragen über eine begrenzte Adapterschicht angebunden werden können. Statt eine sofortige Angleichung an ein gemeinsames Datenmodell vorauszusetzen, schafft das Framework eine Grundlage, auf der Interoperabilität, beispielsweise über OMOP oder FHIR, schrittweise ergänzt werden kann. Zugleich erleichtert es den Aufbau datenschutzkonformer Datenpipelines, mit denen Routinedaten im klinischen Alltag für Forschungszwecke nutzbar gemacht werden können.

Publikation: Nikolas B. Schrader, Burkhard Meißner, Paul Fischer, Daniel Röder, Maximilian Ertl, Patrick Meybohm, Benedikt Schmid. Extraction and processing of intensive care chart data from a patient data management system. Front. Digit. Health 2026;8:1747227. doi:10.3389/fdgth.2026.1747227

Patient Blood Management bei intensivmedizinischen Patienten

Anämie ist bei Intensivpatienten sehr häufig und mit erhöhtem Transfusionsbedarf, längerem Aufenthalt und schlechteren Outcomes verbunden.

Schematische Darstellung der Risikofaktoren bei Patienten auf der Intensivstation, auf die Maßnahmen im Rahmen des Patient Blood Management abzielen, sowie deren potenzieller Nutzen

Die in „Intensive Care Medicine“ publizierte Übersichtsarbeit fasst die aktuelle Evidenz zu Patient-Blood-Management-Strategien (PBM) auf der Intensivstation zusammen.

PBM ist ein interdisziplinärer, evidenzbasierter Ansatz, der auf drei Säulen beruht: Anämiemanagement, Minimierung von Blutverlusten und evidenzbasierte Transfusionsstrategien.

Bei der Anämiebehandlung kann intravenöses Eisen das Hämoglobin sicher und klinisch relevant anheben, wobei der Effekt meist erst nach sieben bis 30 Tagen messbar wird. Erythropoetin - ein Hormon, das die Bildung roter Blutkörperchen im Knochenmark anregt - kann ebenso in ausgewählten Subgruppen den Transfusionsbedarf senken, sollte aber wegen unsicheren thromboembolischen Risikos individualisiert eingesetzt werden.

Um eine durch wiederholte Blutentnahmen verursachte Blutarmut (iatrogene Anämie) zu vermeiden, sollten kleinvolumige Blutentnahmeröhrchen und geschlossene Blutentnahmesysteme routinemäßig genutzt werden, um diagnostische Blutverluste zu reduzieren.

Für die Transfusion von Erythrozytenkonzentraten unterstützt die aktuelle Evidenz eine restriktive Strategie in den meisten klinischen Situationen, während eine liberalere Strategie bei Patienten mit akutem Typ-1-Myokardinfarkt oder Hirnverletzung sinnvoll sein könnte. Auch für Thrombozyten wird eine restriktive Strategie empfohlen: Prophylaktische Transfusionen sollten Hochrisikopatienten mit hämatologischen Erkrankungen vorbehalten bleiben, während bei anderen kritisch Kranken ein therapeutischer, blutungsorientierter Ansatz bevorzugt wird. Eine prophylaktische Gabe von gefrorenem Frischplasma (FFP) bei nicht blutenden Patienten wird durch die Evidenz nicht gestützt; FFP sollte schweren Blutungen oder Massivtransfusionen vorbehalten bleiben, idealerweise gesteuert durch viskoelastische Testung und Faktorkonzentrate.

Insgesamt fördert PBM eine sicherere und bedarfsgerechtere Versorgung kritisch kranker Patientinnen und Patienten. 

Publikation: Patrick Meybohm, David M. Baron, Dietmar Fries, Sigismond Lasocki, Alexander P. J. Vlaar, Kai Zacharowski & Suma Choorapoikayil. Patient blood management in general intensive care patients. Intensive Care Med 52, 1290–1305 (2026). https://doi.org/10.1007/s00134-026-08491-6

Schematische Darstellung der Risikofaktoren bei Patienten auf der Intensivstation, auf die Maßnahmen im Rahmen des Patient Blood Management abzielen, sowie deren potenzieller Nutzen