paper place Rheumatologie

Versorgungsrealität bei rheumatologischen Patientinnen und Patienten in Unterfranken und zum Beitrag der Digitalisierung

Durch den demografischen Wandel wird sich die bestehende rheumatologische Mangelversorgung in Deutschland vor allem im ländlichen Raum weiter verschärfen.

Als Ansätze zur Verbesserung der Versorgung rheumatologischer Patientinnen und Patienten werden daher eine vermehrte Einbindung von Hausärztinnen und Hausärzten und mehr Digitalisierung vorgeschlagen. Ziel der Arbeit war eine Erhebung des Status quo der hausärztlichen Versorgung rheumatologischer Patientinnen unter besonderer Berücksichtigung des Einsatzes von Digitalisierung.

Zur Beantwortung dieser Fragen erfolgte eine Querschnittsstudie unter Hausärztinnen und Hausärzten im Bereich des Rheumazentrums Würzburg unter Verwendung eines Fragebogens mit 10 Domänen und 13 Fragenitems. An der Umfrage nahmen 92 Hausärztinnen und Hausärzte teil, was etwa 10 % der in Unterfranken tätigen Hausärztinnen und Hausärzte entspricht. Im Schnitt werden 3,9 Personen mit Verdacht auf eine rheumatische Erkrankung pro Quartal gesehen und 22 rheumatologische Patientinnen und Patienten mitbetreut. 62 % trauen sich eine eigenverantwortliche Versorgung von stabil eingestellten rheumatologischen Patientinnen und Patienten zu. Hierfür bezieht der Großteil (94,6 %) seine Informationen bereits jetzt aus digitalen Quellen. Nur 30,4 % kennen digitale Fortbildungen und nur 3 % nutzen Screeningtools auf entzündlich-rheumatische Erkrankungen. DiGAs wurden bereits von 61 % verordnet.

Hausärztinnen und Hausärzte tragen bereits jetzt erheblich zur Versorgung rheumatologischer Patientinnen und Patienten bei und wären auch bereit dazu, stabil eingestellte rheumatologische Patientinnen und Patienten eigenständig zu versorgen. Digitalisierung wird bereits von Hausärztinnen und Hausärzten in der Versorgung von rheumatologischen Patientinnen und Patienten eingesetzt, es eröffnen sich noch zahlreiche Unterstützungsmöglichkeiten für digitale Tools.

Publikation: Strunz PP, et al. Umfrage zur hausärztlichen Versorgungsrealität bei rheumatologischen Patient:innen in Unterfranken und zum Beitrag der Digitalisierung. Z Rheumatol. 2026 Apr;85(3):179-187. German. doi: 10.1007/s00393-025-01754-5. Epub 2025 Dec 1. PMID: 41324648; PMCID: PMC13021800. doi.org/10.1007/s00393-025-01754-5

Erste App für entzündlich-rheumatische Erkrankung in der Regelversorgung

Die Smartphone-App AXIA für die axiale Spondyloarthritis (axSpA, früher as Morbus Bechterew bezeichnet) ist seit kurzem CE-zertifiziert und als Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) zugelassen.

Damit steht erstmals eine App für eine entzündlich-rheumatische Erkrankung in der Regelversorgung in Deutschland zur Verfügung. 

Nun wurde auch die Studie, in der die App Axia evaluiert wurde, publiziert. Die App kombiniert die personalisierte Bewegungstherapie, Patientenschulung und Krankheitsmanagement und fördert durch spielerische Elemente (Gamification) die langfristige Nutzung. Zur Bewertung der Wirksamkeit wurde eine zwölfwöchige, monozentrische, randomisierte kontrollierte deutschlandweite Studie mit 200 Patientinnen und Patienten mit stabil eingestellter medikamentöser Therapie durchgeführt. Die Teilnehmenden wurden zufällig (1:1) entweder der Axia-Gruppe (Interventionsgruppe) oder der Standardbehandlung (Kontrollgruppe) zugeteilt.
Insgesamt schlossen 186 Personen die Studie ab (Durchschnittsalter ca. 51 Jahre, 66 % Frauen). Im Vergleich zur Kontrollgruppe zeigte die Interventionsgruppe deutliche Verbesserungen in der Krankheitsaktivität (BASDAI), der Funktionsfähigkeit sowie der Lebensqualität – und zwar in einem Ausmaß, das auch klinisch relevant ist. Zudem erreichten deutlich mehr Patientinnen und Patienten in der Axia-Gruppe eine messbare klinische Verbesserung (ASAS20: 51 % vs. 9 %; ASAS40: 23 % vs. 3 %). Sicherheitsbedenken traten nicht auf.

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass die App Axia eine sichere und wirksame ergänzende, nicht-medikamentöse Behandlungsoption darstellt, um die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit axialer Spondyloarthritis zusätzlich zur medikamentösen Therapie zu verbessern.

Pressemeldung zur Zulassung: https://www.ukw.de/medien-kontakt/presse/pressemitteilungen/detail/news/erste-diga-fuer-entzuendlich-rheumatische-erkrankungen-zugelassen/

Pressemeldung zu den Ergebnissen der Studie: https://www.ukw.de/medien-kontakt/presse/pressemitteilungen/detail/news/weniger-schmerz-mehr-lebensfreude-axia-app-hilft-bei-axialer-spondyloarthritis/

Pressemeldung zum Peter-Müller-Innovationspreis 2026Universitätsklinikum Würzburg: DGIM prämiert Würzburger App Axia für Bewegungstherapie bei axialer Spondyloarthritis

Publikation: Patrick-Pascal Strunz, Matthias Froehlich, Tobias Heusinger, Maxime le Maire, Anna Fleischer, Karsten Sebastian Luetkens, Patricia Possler, Michael Gernert, Hannah Labinsky, Ottar Gadeholt, Robert Leppich, Astrid Schmieder, Ludwig Hammel, Billy Sperlich, Hermann Einsele, Marc Schmalzing, An app-based nonpharmacological intervention improves patient-reported disease activity, functionality, and quality of life in patients with axial spondyloarthritis: a randomised controlled trial, Annals of the Rheumatic Diseases, 2026, ISSN 0003-4967, https://doi.org/10.1016/j.ard.2026.02.016.