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Tumorgröße und USP8-Genstatus beeinflussen Rückfallrisiko nach Operation bei Morbus Cushing

Morbus Cushing ist eine seltene hormonelle Erkrankung, bei der der Körper zu viel des Stresshormons Cortisol produziert. Meist ist ein gutartiger Tumor der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) die Ursache. Er steigert die Ausschüttung des Hormons ACTH, wodurch die Nebennieren zu einer übermäßigen Cortisolproduktion angeregt werden.

Ein roter Pfeil auf der MRT-Aufnahme zeigt auf einen ebenfalls in rot eingekreisten Tumor.
Das MRT-Bild zeigt einen großen malignen Morbus-Cushing-Tumor. © UKW
Collage mit Porträts der Wissenschaftler, die beide einen weißen Kittel tragen
Aus Würzburg waren Prof. Dr. Martin Fassnacht, Leiter der Endokrinologie und Diabetologie, sowie PD Dr. Silviu Sbiera, Leiter des Forschungsbereichs der Endokrinologie, an der Studie beteiligt. © UKW

Die wichtigste Behandlungsmethode ist eine Hypophysenoperation. Warum aber manche Betroffene nach einer zunächst erfolgreichen Operation ein Rezidiv entwickeln, war bislang jedoch unklar. Es gab bislang keine verlässlichen Prädiktoren für den Langzeitverlauf. 

In einer retrospektiven Längsschnittstudie untersuchte ein internationales Team, an dem auch die Würzburger Endokrinologie beteiligt war, ob der USP8-Status den postoperativen Verlauf beeinflusst. Mutationen im USP8-Gen, das den Bauplan für ein Enzym liefert, welches verschiedene Signalwege in der Tumorzelle reguliert und unter anderem das Wachstum von Zellen und die Hormonproduktion beeinflusst, stehen im Verdacht, das Rezidivrisiko zu beeinflussen. 

Die Studie, die u. a. von der DFG gefördert wurde, umfasste die Auswertung der Daten von 435 Patientinnen und Patienten, die zwischen 1989 und 2024 in einem der acht teilnehmenden Zentren in Ostasien, Europa und Nordamerika erstmals operiert worden waren. Pathogene USP8-Varianten wurden in 195 Fällen (45 %) nachgewiesen. Bei 66 (18 %) der 371 Patientinnen und Patienten, die unmittelbar nach der Operation eine Remission erreicht hatten, trat ein Rezidiv auf.

Das Rezidivrisiko hing jedoch nicht nur vom USP8-Status, sondern auch von der Tumorgröße ab. Das geringste Risiko für einen Rückfall hatten Patientinnen und Patienten mit kleinen Tumoren ohne eine Veränderung im USP8-Gen. Dagegen war das Risiko deutlich höher, wenn der Tumor eine USP8-Veränderung aufwies – unabhängig davon, ob es sich um einen kleinen oder großen Tumor handelte. Das höchste Rückfallrisiko hatten Patientinnen und Patienten mit großen Tumoren ohne USP8-Veränderung.

Diese Ergebnisse zeigen, dass eine genetische Untersuchung des entfernten Tumorgewebes wertvolle zusätzliche Informationen für die Nachsorge liefern kann. Sie könnte besonders hilfreich für Patientinnen und Patienten sein, die nach der Operation zunächst als wenig gefährdet gelten, bei denen aufgrund genetischer Veränderungen jedoch ein erhöhtes Rückfallrisiko besteht.

Die Einführung einer kombinierten genetisch-klinischen Risikostratifizierung könnte deshalb eine genauere Einschätzung des individuellen Rezidivrisikos ermöglichen, Patientinnen und Patienten mit erhöhtem Rückfallrisiko identifizieren und damit langfristig zu einer personalisierten Nachsorge bei Morbus Cushing beitragen.

Publikation: Qilin Zhang, Yixin Cai, Yuyu Liu, Boyuan Yao, Prajina Sharma, Elisabeth Ruoff, Zengyi Ma, Stephanie Zopp, Yue Wu, Ana Paula Abreu, Shuo Zhang, Maria A Tichomirowa, Yi Wang, Günter Stalla, Nidan Qiao, Zhao Ye, Felicia A Hanzu, Hong Chen, Michael Buchfelder, Zhenwei Yao, Jörg Flitsch, Yiming Li, Jun Thorsteinsdottir, Yongfei Wang, Isabella Nasi-Kordhishti, Hongying Ye, Jürgen Honegger, Silviu Sbiera, Ursula B Kaiser, Martin Fassnacht, Zhaoyun Zhang, Martin Reincke, Marily Theodoropoulou, Yao Zhao, Luis Gustavo Perez-Rivas. Risk of recurrence after successful surgery for Cushing's disease and association with USP8 genotype and tumour size: an international, retrospective, longitudinal cohort study. The Lancet Diabetes & Endocrinology, Volume 14, Issue 4, 2026, Pages 327-336, ISSN 2213-8587, https://doi.org/10.1016/S2213-8587(25)00396-1.

Ein roter Pfeil auf der MRT-Aufnahme zeigt auf einen ebenfalls in rot eingekreisten Tumor.
Das MRT-Bild zeigt einen großen malignen Morbus-Cushing-Tumor. © UKW
Collage mit Porträts der Wissenschaftler, die beide einen weißen Kittel tragen
Aus Würzburg waren Prof. Dr. Martin Fassnacht, Leiter der Endokrinologie und Diabetologie, sowie PD Dr. Silviu Sbiera, Leiter des Forschungsbereichs der Endokrinologie, an der Studie beteiligt. © UKW
Chronischer Hypoparathyreoidismus: Beschwerden trotz guter Laborwerte

Der chronische Hypoparathyreoidismus (HypoPT) ist eine Unterfunktion der Nebenschilddrüsen. Bei dieser seltenen Erkrankung produziert der Körper zu wenig Parathormon, wodurch der Kalzium- und Phosphathaushalt gestört wird.

Die Standardbehandlung besteht meist aus Kalzium und aktivem Vitamin D. Dennoch berichten viele Betroffene trotz scheinbar guter Blutwerte über anhaltende Beschwerden.

Um ein umfassenderes Bild davon zu erhalten, wie die Erkrankung das Leben der Betroffenen beeinflusst untersuchte eine Studie unter der Leitung von Stefanie Hahner und Carmina Fuss, wie Menschen mit HypoPT ihre Gesundheit und Lebensqualität erleben und welche Komplikationen im Alltag auftreten. Dazu wurden Patientinnen und Patienten aus mehreren spezialisierten Zentren in Deutschland befragt. Neben medizinischen Daten wurden auch die subjektive Gesundheit, die Leistungsfähigkeit im Alltag, Beschwerden und bereits aufgetretene Folgeerkrankungen erfasst. 

Die Ergebnisse zeigen, dass viele Betroffene ihre Gesundheit als eingeschränkt empfinden. Häufig genannt wurden Müdigkeit, Erschöpfung, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme sowie Muskelbeschwerden. Viele berichteten außerdem, dass sie sich im Berufs- und Privatleben weniger belastbar fühlen und ihre Lebensqualität durch die Erkrankung beeinträchtigt ist. Auffällig war, dass diese Beschwerden auch bei Patientinnen und Patienten vorkamen, deren Blutwerte im empfohlenen Bereich lagen. Das deutet darauf hin, dass die übliche Behandlung zwar den Kalziumspiegel stabilisieren kann, die Erkrankung aber nicht immer vollständig ausgleicht. 

Ein überraschendes Ergebnis betrifft die Psyche: Angst scheint ein zentrales Symptom des chronischen Hypoparathyreoidismus zu sein. Da die erhöhte Angstbelastung auch im Vergleich zu Menschen nach Schilddrüsenoperation ohne Hypoparathyreoidismus nachweisbar war, spricht vieles dafür, dass sie zumindest teilweise eine Folge des fehlenden Parathormons und nicht nur der chronischen Erkrankung ist.

Darüber hinaus zeigte die Studie, dass Komplikationen wie Nierensteine, Nierenverkalkungen oder eine eingeschränkte Nierenfunktion vergleichsweise häufig auftreten. Auch deshalb betonen die Autorinnen und Autoren, dass Menschen mit chronischem Hypoparathyreoidismus regelmäßig kontrolliert werden sollten – nicht nur anhand der Laborwerte, sondern auch im Hinblick auf ihr Wohlbefinden und mögliche Langzeitfolgen. Eine individuelle Betreuung und regelmäßige Nachsorge können dazu beitragen, die Versorgung von Menschen mit dieser seltenen Erkrankung weiter zu verbessern.

Publikation: Carmina T. Fuss, Sarah Engbers, Nicole Reisch, Anke Hannemann, Henry Völzke, Hans J. Grabe, Matthias Nauck, Michael Droste, Holger S. Willenberg, Nada Rayes, Martin Fassnacht, Marcus Quinkler, Stefanie Hahner. Subjective health status, life performance and complications in chronic hypoparathyroidism - a German multicenter survey. Front Endocrinol (Lausanne). 2026 Mar 31;17:1723640. 
doi: 10.3389/fendo.2026.1723640

ENSAT-Studie untersucht Prognose und Behandlung der vier ACC-Subtypen

Seit 2022 unterscheidet die Weltgesundheitsorganisation WHO vier verschiedene Unterformen des adrenokortikalen Karzinoms (ACC), zu Deutsch Nebennierenkrebs: den klassischen Typ, den onkozytären Typ, den myxoiden Typ und den sarkomatoiden Typ.

Bislang waren die Unterschiede in der Prognose zwischen diesen Subtypen noch nicht klar. Deshalb untersuchte ein Studienteam des Europäischen Netzwerks zur Erforschung von Nebennierentumoren (ENSAT) unter der Leitung von Otilia Kimpel und Martin Fassnacht in einer multizentrischen Studie nicht nur die Unterschiede bei den Behandlungsergebnissen, sondern auch beim klinischen Management von Patientinnen und Patienten mit verschiedenen ACC-Subtypen.

Dafür werteten die Forschenden die Daten von insgesamt 1.315 Patientinnen und Patienten aus Würzburg, aber auch einigen anderen europäischen Krebszentren aus. Der Großteil hatte den klassischen Tumortyp, während die anderen Unterformen deutlich seltener waren. Verglichen wurden unter anderem die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls nach einer vollständigen Operation, die Lebenserwartung und das Ansprechen auf verschiedene Therapien. 

Patientinnen und Patienten mit dem onkozytären ACC hatten eine deutlich bessere Prognose als alle anderen Gruppen. Selbst wenn Alter, Geschlecht und Tumorstadium berücksichtigt wurden, trat bei ihnen seltener ein Rückfall auf und sie lebten insgesamt länger. Das bedeutet, dass der günstigere Verlauf nicht einfach dadurch erklärt werden kann, dass diese Tumoren früher entdeckt wurden, sondern offenbar mit den biologischen Eigenschaften dieser Tumorart zusammenhängt. 

Für die beiden anderen seltenen Unterformen – den myxoiden und den sarkomatoiden Typ – konnte dagegen kein klarer Unterschied zur klassischen Form nachgewiesen werden. Allerdings waren diese Tumoren so selten, dass nur sehr wenige Fälle untersucht werden konnten. Deshalb lassen sich daraus keine sicheren Aussagen ableiten. 

Ein weiterer interessanter Befund betrifft Patientinnen und Patienten mit bereits metastasiertem onkozytärem ACC. Das Medikament Mitotan, das zur Standardbehandlung gehört, wirkte bei ihnen ähnlich gut wie beim klassischen ACC. Außerdem gab es Hinweise darauf, dass eine platinhaltige Chemotherapie das Fortschreiten der Erkrankung möglicherweise länger aufhalten könnte. 

Fazit: Die Studie zeigt, dass nicht alle Nebennierenrindenkarzinome gleich sind. Besonders die onkozytäre Variante scheint insgesamt weniger aggressiv zu sein und geht mit besseren Überlebenschancen einher. Für Betroffene ist das eine wichtige Information, weil sie bei der Einschätzung der Prognose und möglicherweise auch bei zukünftigen Therapieentscheidungen berücksichtigt werden kann.

Publikation: O. Kimpel, D. Cosentini, A. Calabrese, A. Jouinot, B. Altieri, S. Kircher, G. Di Dalmazi, Y.S. Elhassan, D. Vassiliadi, K. Chrysoula, S. Puglisi, K. Coscia, N.V. Gallego, P. Loli, M. Boudina, M. Lagana, V. Cremaschi, D. Pignatelli, E. Rios, C.A. Villavicencio, T.J. McKenzie, N. Rayes, C.L. Ronchi, I. Bancos, M. Terzolo, A. Berruti, G. Assié, M. Kroiss, M. Fassnacht. Current clinical management and outcome of patients with adrenal cortical carcinoma (ACC) with rare histological subtypes—an ENSAT cohort study, ESMO Open, Volume 11, Issue 3, 2026, 106092, ISSN 2059-7029, https://doi.org/10.1016/j.esmoop.2026.106092.