paper place Hautklinik

Überwindung von Therapieresistenzen: AXL als neues Zielmolekül in der Melanombehandlung

Das maligne Melanom („schwarzer Hautkrebs“) stellt aufgrund seiner ausgeprägten Anpassungsfähigkeit nach wie vor eine erhebliche klinische Herausforderung dar.

Obwohl zielgerichtete Therapien und Immuntherapien die Behandlungsmöglichkeiten im letzten Jahrzehnt deutlich verbessert haben, besteht bei beiden Ansätzen noch Verbesserungspotenzial, da bei vielen Patienten weiterhin Therapieresistenzen auftreten.

In der kürzlich in der Fachzeitschrift Neoplasia veröffentlichten Studie identifizierte die Forschungsgruppe um Professor Dr. Marc Schmidt an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie den Tyrosinkinase-Rezeptor AXL -ein wichtiges Eiweißmolekül, das Therapieresistenz, Tumoraggressivität und Metastasierung fördert- als zentralen Effektor des MEK5/ERK5/KLF4-Signalwegs, der während der zielgerichteten Therapie des Melanoms aktiviert wird und zur Entwicklung von Resistenzen beiträgt. Den Forschern gelang es zu demonstrieren, dass AXL während der Behandlung mit MEK-Inhibitoren, die routinemäßig für zielgerichtete Therapien eingesetzt werden, signifikant hochreguliert wird. Diese Induktion kann durch pharmakologische und genetische Hemmung von ERK5 oder dessen Transkriptionseffektor KLF4 blockiert werden, wodurch die Migrationsfähigkeit und Invasivität von Melanomzellen wirksam beschränkt wird. Darüber hinaus konnten sie zeigen, dass in metastatischen Melanom-Zelllinien, die durch hohe AXL-Spiegel gekennzeichnet sind, die gleichzeitige Behandlung mit MEK- und ERK5-Inhibitoren sowie die KLF4-Depletion die AXL-Expression und Invasivität der Tumorzellen signifikant reduzierten.

Diese Erkenntnisse erweitern das derzeitige Verständnis darüber, wie Melanomzellen auf zielgerichtete Therapien reagieren und Arzneimittelresistenzen entwickeln. Da eine hohe AXL-Expression ein häufiges Merkmal sowohl von zielgerichteten als auch von immuntherapieresistenten metastasierten Melanomen ist, eröffnet die Identifizierung von AXL als Zielmolekül der medikamentös behandelbaren ERK5/KLF4-Signalkaskade neue therapeutische Perspektiven. Therapeutische Strategien, die eine ERK5-Hemmung mit bestehenden Behandlungen kombinieren, könnten deren Wirksamkeit verbessern und neue Behandlungsmöglichkeiten für Patienten mit fortgeschrittenem metastasiertem Melanom schaffen, bei denen herkömmliche Therapien derzeit versagen.

Publikation: Paudel, R., S. Goller, S. Schwarz, K. Meder, M. Goebeler, and M. Schmidt. 2026. 'AXL is a novel ERK5/KLF4 target in MEK inhibitor-treated melanoma', Neoplasia, 76: 101301 , 2026, https://doi.org/10.1016/j.neo.2026.101301

Hohe Prävalenz der stoffwechselbedingten Fettlebererkrankung bei Patienten mit Hidradenitis suppurativa

In einer im Journal JID Innovations veröffentlichten Studie zeigen die Hautklinik und die Medizinische Klinik II eine bemerkenswert hohe Häufigkeit der metabolic dysfunction–associated steatotic liver disease (MASLD, vormals nicht-alkoholische Fettlebererkrankung) bei Patientinnen und Patienten mit der chronischen Hauterkrankungen Hidradenitis suppurativa (HS, Acne inversa).

Im Rahmen der Querschnittsstudie wurden 94 an HS erkrankte Personen mittels nicht-invasiver Ultraschall-Untersuchung der Leber (transiente Leberelastographie) untersucht. Dabei wiesen rund 75 % der Teilnehmenden eine MASLD auf – ein Wert, der mehr als doppelt so hoch ist wie in der Allgemeinbevölkerung.

Patientinnen und Patienten mit HS und MASLD zeigten signifikant höhere Werte für Body-Mass-Index, Taillenumfang, Triglyzeride und γ-Glutamyltransferase (γ-GT) sowie eine häufigere Ausprägung von Dyslipidämie, arterieller Hypertonie und metabolischem Syndrom. Fortgeschrittene Leberfibrosen wurden bei etwa 15 % der Betroffenen festgestellt.

Basierend auf diesen Ergebnissen wurde ein klinisch einfach anzuwendender, pragmatischer Algorithmus zur Risikoeinschätzung, der auf Routineparametern und dem Fatty Liver Index (FLI) basiert, entwickelt. Mit diesem Ansatz lässt sich das Risiko einer MASLD bei HS-Betroffenen effektiv und nicht-invasiv abschätzen. Die Autorinnen und Autoren empfehlen daher ein regelmäßiges Screening auf Fettlebererkrankungen bei Patientinnen und Patienten mit Hidradenitis suppurativa, um Komorbiditäten frühzeitig zu erkennen und gezielt behandeln zu können.

Publikation: Verena G. Frings, Maxine Gläsel, Monika Rau, Andreas Geier, Janik Fleißner, Dagmar Presser, Matthias Goebeler, Andreas Kerstan, High Prevalence of Metabolic Dysfunction-Associated Steatotic Liver Disease in Patients with Hidradenitis Suppurativa: A Guide to Easily Assess the Clinical Risk of Comorbid Liver Disease, JID Innovations, Volume 6, Issue 1, 2026, 100419, ISSN 2667-0267, https://doi.org/10.1016/j.xjidi.2025.100419

 

Bessere Chancen bei schwarzem Hautkrebs: Immuntherapie schon vor der OP

Bei fortgeschrittenem, aber noch operierbarem schwarzen Hautkrebs wurden in internationalen Studien mit einem neuen Behandlungsansatz überlegene Behandlungsergebnisse erzielt.

Illustration
Patientinnen und Patienten erhielten eine perioperative Immuntherapie mit 3 Infusionen mit dem Immuncheckpoint-Inhibitor Pembrolizumab vor der Operation und 15 Infusionen nach der Operation.

Dabei wird die Immuntherapie nicht erst nach der Operation eingesetzt, sondern bereits davor begonnen und im Anschluss daran fortgeführt (die sogenannte perioperative Immuntherapie).

An der Hautklinik des UKW wurde die perioperative Immuntherapie Patientinnen und Patienten im klinischen Alltag schon früh zugänglich gemacht. In einer nun in der Fachzeitschrift Acta Dermato-Venereologica veröffentlichten Studie von Simon Goller et al. wurden die Verläufe von 20 Patientinnen und Patienten ausgewertet, die in Würzburg eine perioperative Immuntherapie mit dem Immuncheckpoint-Inhibitor Pembrolizumab erhalten hatten. Die Ergebnisse der Analyse zeigen, dass die Therapie im Behandlungsalltag gut durchführbar ist und eine vielversprechende Wirksamkeit sowie eine gute Verträglichkeit aufweist. Auch Möglichkeiten für schonendere Behandlungen wurden diskutiert, beispielsweise ein begrenzterer operativer Eingriff oder eine verkürzte Immuntherapie bei besonders gutem Ansprechen.

Hervorzuheben ist, dass die Daten nicht aus einer streng kontrollierten Studie stammen, sondern eine der ersten Auswertungen aus der Versorgung im Behandlungsalltag sind. Die Publikation belegt, dass sich der perioperative Behandlungsansatz auch unter Alltagsbedingungen bewährt und liefert Hinweise dazu, wie die Behandlung noch besser auf die Patientinnen und Patienten zugeschnitten werden kann.

Publikation: Simon Goller*, Tassilo Dege*, Patrick Schummer 1, Lukas Haug 2, Michael Meir 3, Thomas Gehrke 4, Detlef Klein 5, Matthias Goebeler 1, Hermann Kneitz 1, Bastian Schilling 6, Anja Gesierich*, Valerie Glutsch*. Perioperative Pembrolizumab in Locally Advanced Melanoma: A Real-world Single-centre Retrospective Study. Acta dermato-venereologica vol. 106 0009. 19 Jan. 2026, doi:10.2340/actadv.v106.adv-2025-0009
(*geteilte Autorenschaft)

Illustration
Patientinnen und Patienten erhielten eine perioperative Immuntherapie mit 3 Infusionen mit dem Immuncheckpoint-Inhibitor Pembrolizumab vor der Operation und 15 Infusionen nach der Operation.