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GDF-15-Blockade: Ein Türöffner für die Immuntherapie

VALIDIERUNG VON GDF-15 ALS THERAPEUTISCHES ZIELMOLEKÜL ZUR VERBESSERUNG DER IMMUNANTWORT GEGEN TUMORE

Erste klinische in Nature publizierte Studie mit dem anti-GDF-15-Antikörper Visugromab in Kombination mit dem Immun-Checkpoint-Inhibitor Nivolumab bei fortgeschrittenem Krebs bestätigt den Erfolg der Forschung „from bench to bedside“. Wichtige Vorarbeiten leistete die Arbeitsgruppe von Prof. Jörg Wischhusen am Uniklinikum Würzburg (UKW) mit der Erkenntnis, dass der Wachstums- und Differenzierungsfaktor 15 (GDF-15) die Wirkung von Immuntherapien wie anti-PD-1 hemmt, mit dem Konzept zur Verbesserung der Immuninfiltration in Tumore durch GDF-15-Blockade sowie mit der Entwicklung und Patentierung von anti-GDF-15-Antikörpern.

 

Das Bild zeigt wie der pink eingefärbten Antikörper den in vielen soliden Tumoren stark überexprimierte Wachstums- und Differenzierungsfaktor GDF-15 blockiert.
Der Antikörper Visugromab (dargestellt in pink) blockiert gezielt den Wachstums- und Differenzierungsfaktor 15 (GDF-15, dargestellt in orange). Durch die Neutralisierung von GDF-15 kann Visugromab das Immunsystem dabei unterstützen, Tumore effektiver anzugreifen und Resistenzen gegen Immuntherapien zu überwinden. © CatalYm

Würzburg. Eigentlich sollen Immun-Checkpoint-Moleküle die Aktivität des Immunsystems regulieren. Die speziellen Proteine auf der Oberfläche von Immunzellen wirken dabei oft als Bremse, damit das Immunsystem nicht versehentlich gesunde Zellen angreift. Bestimmte Tumorzellen können diese Immun-Checkpoints jedoch ausnutzen, um eine Immunantwort gegen sich selbst zu verhindern. Ein bekanntes Immun-Checkpoint-Molekül ist PD-1, kurz für Programmed Cell Death 1. Bindet der von vielen Tumoren exprimierte Ligand PD-L1 an diesen Rezeptor, wird die Immunzelle regelrecht entwaffnet. Krebsimmuntherapien, die diese Immun-Checkpoint-Moleküle mit Antikörpern blockieren, haben die Behandlung vieler Krebsarten verbessert. Allerdings spricht nur eine Minderheit der Patientinnen und Patienten auf diese Immuntherapie an. Ein Grund dafür sind bestimmte von Tumorzellen produzierte, lösliche und zellgebundene immunsuppressive Faktoren. Ein Beispiel hierfür ist GDF-15.

GDF-15-Blockade verstärkt anti-PD-1- Immuntherapie 

Dass und wie der in vielen soliden Tumoren stark überexprimierte Wachstums- und Differenzierungsfaktor GDF-15 (Growth/Differentiation Factor 15) effektive Immunantworten gegen Tumore verhindert, zeigten die Universitätsmedizin Würzburg und ihr Spin-Off CatalYm im vergangenen Jahr erstmals im Wissenschaftsjournal Nature Communications. Die tumorimmunologische Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Jörg Wischhusen an der Frauenklinik des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) konnte in präklinischen Modellen demonstrieren, dass eine Blockade von GDF-15 die etablierte Anti-PD-1-vermittelte Immuntherapie verstärkt. Auch die zur GDF-15-Blockade eingesetzten Antikörper wurden in Würzburg entwickelt. Die entsprechenden Patente wurden von der Julius-Maximilians-Universität an die Ausgründung CatalYm GmbH 2016 auslizenziert, die inzwischen ihren Sitz in München hat und seitdem rund 250 Millionen Euro an Venture-Kapital einwerben konnte.

Validierung der präklinischen Untersuchung in klinischer Studie 

Die Erkenntnis, dass GDF-15 die Einwanderung von Immunzellen in das Tumormikromilieu und damit den Erfolg von Immuntherapien verhindert, und das daraus abgeleitete Konzept der GDF-15-Blockade wurden nun in einer klinischen Phase-1/2a-Studie validiert und die Daten in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht. Die Translation erfolgte durch CatalYm, unterstützt von einem Konsortium klinischer Studienzentren, darunter das von Dr. Maria-Elisabeth Göbeler und Professor Ralf Bargou geleitete Interdisziplinäre Studienzentrum am Comprehensive Cancer Center Mainfranken (CCC MF) mit der Early Clinical Trial Unit (ECTU). 

In der sogenannten GDFATHER-1/2a-Studie (NCT04725474) wurden Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen, die auf etablierte Therapien inklusive anti-PD1 Therapien nicht mehr ansprachen, mit dem neutralisierenden Anti-GDF-15-Antikörper Visugromab in Kombination mit dem Anti-PD-1-Antikörper Nivolumab behandelt. Zwei Krebsarten, bei denen GDF-15 besonders häufig zu einer schwächeren Immunantwort führt, sind nicht-kleinzelliger Lungenkrebs und Blasenkrebs. Das Studienteam beobachtete bei einigen der eigentlich austherapierten Patientinnen und Patienten eine außergewöhnliche Dauer und Tiefe des Ansprechens. In einigen Fällen kam es sogar zu einem vollständigen Tumorrückgang - „komplette Remission“. Zudem erwies sich die Therapie als sehr gut verträglich. 

Hoffnungsvolles Konzept zur Behandlung solider Tumore

In Übereinstimmung mit den präklinischen Daten wurden vermehrt aktivierte, tumorinfiltrierende Immunzellen nachgewiesen. „Die Blockade von GDF-15 ist damit ein vielversprechender neuer Ansatz, um die Resistenz gegen Immun-Checkpoint-Inhibition bei Krebs zu überwinden“, freut sich Jörg Wischhusen. „Da die Studienergebnisse unsere wissenschaftlichen Vorarbeiten voll bestätigen, ist dies ein Musterbeispiel für eine erfolgreiche Translation ‚from bench to bedside‘.“

Entscheidend für den Erfolg der Studie waren laut Wischhusen das exzellente klinische Entwicklungs-Team der CatalYm GmbH um Chief Medical Officer Prof. Dr. Eugen Leo, die Biomarkerspezialistin Dr. Kathrin Klar und die Leiterin Clinical Operations Dr. Petra Fettes sowie die mitwirkenden Studienzentren, die mit großem Engagement die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer rekrutierten. Als Lead Investigator konnte mit Ignacio Melero von der Universidad de Navarra einer der international renommiertesten Spezialisten für Tumorimmuntherapie gewonnen werden, der die klinische Umsetzung „mit höchster Kompetenz und ansteckendem Enthusiasmus begleitet hat“, so Wischhusen. Insgesamt waren 76 Autorinnen und Autoren an der Studie beteiligt, für Würzburg neben Jörg Wischhusen u.a. Maria-Elisabeth Goebeler und Cyrus Sayehli als Principal Investigators der Studie und Ralf Bargou als Mitglied des Advisory Boards.

Wirkmechanismen noch besser verstehen und in früheren Tumorstadien testen

Wie geht es weiter? „Wissenschaftlich wäre es wünschenswert, den Wirkmechanismus noch besser zu verstehen. Bisher wissen wir noch nicht, warum manche Patientinnen und Patienten auf die Kombinationstherapie ansprechen und andere nicht“, so Wischhusen. Klinisch soll die neue Therapie nun in kontrollierten randomisierten Studien bei Patientinnen und Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom in früheren Tumorstadien in Kombination mit einer Immunchemotherapie getestet werden. Dazu die Leiterin der interdisziplinären ECTU Maria-Elisabeth Goebeler: „Der Start für diese Phase II Studie ist für das erste Quartal 2025 zu erwarten. Wir freuen uns, dass die ECTU des UKW diese attraktive Studie für unsere Patientinnen und Patienten anbieten wird.“ Bargou, Direktor des CCC Mainfranken, spricht Visugromab viel Potential für zukünftige Behandlungsansätze zu und meint: „Grundsätzlich könnte Visugromab auch die Wirksamkeit anderer Immuntherapien verbessern, etwa mit CAR-T-Zellen oder bispezifischen Antikörpern, verbessern. Zudem ist davon auszugehen, dass der Antikörper auch bei anderen Tumorentitäten wirksam ist.“

Publikation: Melero, I., de Miguel Luken, M., de Velasco, G. et al. Neutralizing GDF-15 can overcome anti-PD-1 and anti-PD-L1 resistance in solid tumours. Nature (2024). https://doi.org/10.1038/s41586-024-08305-z

Pressemeldung von CatalYm: CatalYm Highlights Visugromab’s Potential to Treat Cachexia in Cancer Patients at International SCWD Conference

Pressemeldung vom 20. Juli 2023 anlässlich der Publikation in Nature Communications zur Wirkung des Zytokins GDF-15 auf die LFA-1/Zelladhäsionsachse bei Tumor-assoziierten T Zellen.

Text: Kirstin Linkamp / UKW
 

Das Bild zeigt wie der pink eingefärbten Antikörper den in vielen soliden Tumoren stark überexprimierte Wachstums- und Differenzierungsfaktor GDF-15 blockiert.
Der Antikörper Visugromab (dargestellt in pink) blockiert gezielt den Wachstums- und Differenzierungsfaktor 15 (GDF-15, dargestellt in orange). Durch die Neutralisierung von GDF-15 kann Visugromab das Immunsystem dabei unterstützen, Tumore effektiver anzugreifen und Resistenzen gegen Immuntherapien zu überwinden. © CatalYm
Dr. Carolin Curtaz mit dem AGO-Preis 2024 ausgezeichnet

Würzburg, 21. Oktober 2024 – Dr. Carolin Curtaz, Funktionsoberärztin an der Frauenklinik des Universitätsklinikums Würzburg, wurde mit dem renommierten AGO-Preis 2024 der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) ausgezeichnet. Die Verleihung fand im Rahmen des 65. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) statt, der vom 16. bis 19. Oktober 2024 in Berlin abgehalten wurde.

Bild: (c) Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie e.V. (AGO). Im Bild: Univ.-Prof. Dr. med. Annette Hasenburg, MHBA und Dr. med. Carolin Curtaz

Dr. Carolin Curtaz wurde für ihre herausragende Arbeit in der gynäkologischen Onkologie und ihre bedeutenden Forschungsbeiträge im Bereich der zerebralen Metastasierung bei Brustkrebs geehrt. Ihre Forschung zielt darauf ab, die komplexen biologischen Prozesse der Gehirn-Metastasierung bei Brustkrebs besser zu verstehen, innovative therapeutische Ansätze zu entwickeln und somit die Lebensqualität sowie das Überleben von Patientinnen mit dieser schweren Diagnose zu verbessern.

Der AGO-Preis ist eine bedeutende Anerkennung in der Fachwelt und würdigt die außergewöhnliche wissenschaftliche und klinische Expertise von Dr. Carolin Curtaz. Mit dem Preis verbunden ist die Teilnahme an einem AGO-Zertifizierungskurs, der höchste Qualitätsstandards in der gynäkologischen Onkologie gewährleistet. Dieser Kurs bietet den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Möglichkeit, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten in der Behandlung gynäkologischer Tumorerkrankungen auf ein neues Niveau zu heben.

Die Auszeichnung unterstreicht die führende Rolle der Frauenklinik des Universitätsklinikums Würzburg in der klinischen und wissenschaftlichen Behandlung von gynäkologischen Tumorerkrankungen. Dr. Carolin Curtaz’s Einsatz für die translationale Forschung und die Verbesserung der Patientenversorgung ist ein herausragendes Beispiel für den hohen Anspruch, den das Universitätsklinikum an die onkologische Versorgung stellt.

Informationstag zur Inkontinenz bei Frauen

Die Klinik für Urologie und die Frauenklinik des Uniklinikums Würzburg organisieren am Samstag, den 9. November 2024 den 1. Würzburger Inkontinenz-Tag. Im Mittelpunkt der Vortragsveranstaltung stehen die Behandlungsmöglichkeiten bei weiblicher Harninkontinenz.

Inkontinenztag.jpg, © Thiago de Paula Oliveira / Pixabay
Inkontinenztag.jpg, © Thiago de Paula Oliveira / Pixabay Dem ungewollten Abgang von Urin können sehr unterschiedliche Ursachen zugrundeliegen.

Würzburg. Harninkontinenz tritt sowohl bei Männern als auch Frauen auf, wobei Frauen durchschnittlich zwei- bis viermal häufiger daran leiden als Männer. Schätzungsweise ist jede zweite Frau im Alter zu einem gewissen Grad davon betroffen. „Leider ist die Erkrankung nach wie vor ein Tabuthema“, bedauert Prof. Dr. Hubert Kübler, Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie des Uniklinikums Würzburg (UKW). Und Prof. Dr. Achim Wöckel, Direktor der Frauenklinik des UKW ergänzt: „Nicht zuletzt deshalb wissen viele Patientinnen gar nicht, dass es heutzutage viele hilfreiche Behandlungsmethoden gibt, die auch in Unterfranken unkompliziert verfügbar sind.“

Um hier weitere Aufklärungsarbeit zu leisten, organisieren die beiden Kliniken am Samstag, den 9. November 2024 gemeinsam den 1. Würzburger Inkontinenz-Tag. Die kostenlose Veranstaltung findet im Großen Hörsaal der Universitäts-Zahnklinik am Pleicherwall 2 statt. Zwischen 10:00 und 12:15 Uhr werden in Vorträgen die Beratungsangebote sowie die konservativen und operativen Therapien vorgestellt, die am UKW in der Gynäkologie und der Urologie sowie in lokalen urologischen Praxen verfügbar sind. Zum Abschluss haben die Teilnehmenden zudem die Möglichkeit, mit den Fachleuten zu diskutieren.

Für die Teilnahme wichtig ist eine Anmeldung bei Astrid Breitenstein unter Tel. 0931/201-32012 oder E-Mail: Breitenste_A@ ukw.de.

 

Text: Pressestelle / UKW

Inkontinenztag.jpg, © Thiago de Paula Oliveira / Pixabay
Inkontinenztag.jpg, © Thiago de Paula Oliveira / Pixabay Dem ungewollten Abgang von Urin können sehr unterschiedliche Ursachen zugrundeliegen.

Würzburger Universitäts-Frauenklinik macht mit beim Brustkrebs-Awareness-Monat Pinktober

Im Aktionsmonat Oktober trägt die Frauenklinik des Uniklinikums Würzburg verstärkt dazu bei, das Bewusstsein für Brustkrebs und die Möglichkeiten zu dessen Früherkennung zu schärfen.

Pinke Äpfel werden verteilt
Zum Auftakt des Brustkrebs-Awareness-Monat Pinktober wurden an der Würzburger Universitäts-Frauenklinik unter anderem pinke Äpfel verteilt. Bild: Lena Ossiander / UKW

Würzburg. Als offizieller Awareness-Monat für Brustkrebs ist der Oktober auch als Pinktober bekannt. Ziel der internationalen Initiative ist es, mehr Aufmerksamkeit auf das Krankheitsbild selbst, aber auch auf Vorsorgeuntersuchungen zu lenken – und so Leben zu retten.
Auch die Frauenklinik des Uniklinikums Würzburg (UKW) unterstützt die diesjährige Kampagne. So wurden am 1. Oktober, dem weltweiten Tag des Brustkrebses, pinke Ansteckschleifen – das internationale Zeichen für Brustkrebs – sowie Äpfel der Sorte „Pink Lady“ an die Patientinnen und Patienten sowie die Mitarbeitenden der Klinik verteilt. Außerdem erstrahlte das Klinikgebäude zu diesem Anlass innen wie außen in rosafarbenem Licht. 

„Mit diesen äußeren Zeichen verbinden wir eine im Grunde einfache, aber nichtsdestotrotz essentielle Botschaft“, kommentiert Prof. Dr. Achim Wöckel, Direktor der Würzburger Universitäts-Frauenklinik, und präzisiert: „Je früher eine bösartige Veränderung der Brust erkannt wird, desto größer ist die Chance auf Heilung oder zumindest einen dauerhaften Behandlungserfolg.“

Früherkennungsuntersuchungen unverzichtbar

Unverzichtbar seien deshalb Früherkennungsuntersuchungen. Dazu gehört nach seinen Worten das Mammografie-Screening, dessen Durchführung ab einem Alter von 50 Jahren alle zwei Jahre empfohlen wird – bei Risikogruppen auch schon früher. „Ebenso wichtig ist es, mindestens monatlich selbst die Brust detailliert zu betrachten und abzutasten“, rät Wöckel. Besonders wachsam sollten Frauen sein, bei denen familiäre Brustkrebsfälle bekannt sind.

Sobald eine Veränderung der Brust, wie tastbare Knoten oder schuppende, nicht verheilende Hautrötungen, registriert werden, sollte eine Haus- oder Frauenarztpraxis oder eine spezialisierte Einrichtung wie das Brustzentrum des UKW aufgesucht werden.

 

Text: Pressestelle / UKW

Pinke Äpfel werden verteilt
Zum Auftakt des Brustkrebs-Awareness-Monat Pinktober wurden an der Würzburger Universitäts-Frauenklinik unter anderem pinke Äpfel verteilt. Bild: Lena Ossiander / UKW

Erneute Rezertifizierung des Endometriosezentrums

Eine aktuelle Rezertifizierung belegt, dass die Würzburger Universitäts-Frauenklinik über umfassende Kompetenzen bei der Diagnostik, Behandlung und Erforschung von Endometriose verfügt.

Freuen sich über die erneute Rezertifizierung: Dr. Anastasia Altides, die Leiterin des Endometriosezentrums, und Prof. Dr. Achim Wöckel, der Direktor der Würzburger Universitäts-Frauenklinik.
Freuen sich über die erneute Rezertifizierung: Dr. Anastasia Altides, die Leiterin des Endometriosezentrums, und Prof. Dr. Achim Wöckel, der Direktor der Würzburger Universitäts-Frauenklinik. © Heike Barral / UKW

Würzburg. Im Jahr 2016 wurde das Endometriosezentrum der Frauenklinik des Uniklinikums Würzburg (UKW) erstmals von der Stiftung Endometriose-Forschung, der Europäischen Endometriose Liga und der Endometriose-Vereinigung-Deutschland zertifiziert. Seither stellte sich die wegweisende Einrichtung immer wieder erfolgreich einem aufwändigen, regelmäßigen Rezertifizierungsprozess. So zuletzt im August dieses Jahres. „Die erneut bestandene Rezertifizierung bestätigt unseren Patientinnen, dass sie am UKW nach dem bestmöglichen Erkenntnisstand beraten und therapiert werden“, betont Dr. Anastasia Altides, die Leiterin des Zentrums. Und der Bedarf für diese Versorgungsleistung ist hoch: Etwa jede zehnte Frau in Deutschland ist von Endometriose betroffen. Sie liegt damit nach dem Brustkrebs auf Platz zwei der häufigsten weiblichen Krankheiten. 

Erfahrung als Schlüssel zum Therapieerfolg

Bei der Endometriose wächst Gewebe, das der natürlichen Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutterhöhle. Dabei kann es an vielen Stellen im Körper auftreten, zum Beispiel an den Eierstöcken, im kleinen Becken, am Darm, an der Blase oder im Bauchfell. „Je nach Lokalisation und Einzelfall kann dies zu sehr unterschiedlichen Beschwerden führen“, berichtet Dr. Altides. Die individuell stark variierende Symptomatik führt nach ihren Worten dazu, dass die Erkrankung oft erst spät richtig diagnostiziert wird. „Hier ist der Erfahrungsschatz der Behandlerin oder des Behandlers ein zentraler Schlüssel zum Erfolg. Gleiches gilt für die Durchführung der in vielen Fällen nötigen operativen Eingriffe“, weiß die Zentrumsleiterin. 

Umfangreiche Überprüfungen

Für die Rezertifizierung kam eine Auditorin an die Frauenklinik des UKW und prüfte zum Beispiel die Anzahl der konservativ und operativ versorgten Patientinnen, die Dokumentation, die Empfehlungen zur weiteren Therapie und die OP-Berichte. Darüber hinaus kontrollierte sie die Forschungs-, Publikations- und Vortragsarbeiten zum Thema Endometriose. Auch die Fortbildungen und OP-Erfahrungen der Ärztinnen und Ärzte kamen auf den Prüfstand. 

Text: Pressestelle / UKW
 

Freuen sich über die erneute Rezertifizierung: Dr. Anastasia Altides, die Leiterin des Endometriosezentrums, und Prof. Dr. Achim Wöckel, der Direktor der Würzburger Universitäts-Frauenklinik.
Freuen sich über die erneute Rezertifizierung: Dr. Anastasia Altides, die Leiterin des Endometriosezentrums, und Prof. Dr. Achim Wöckel, der Direktor der Würzburger Universitäts-Frauenklinik. © Heike Barral / UKW

Bluthochdruck in der Schwangerschaft: Neue Leitlinie für bessere Versorgung in Deutschland
Prof. Dr. Ulrich Pecks ist Leiter der Geburtshilfe am Universitätsklinikum Würzburg. Er ist verantwortlicher Koordinator für die neue Leitlinie zur Schwangerenversorgung bei Bluthochdruck. Foto: UKW / Thomas Berberich

Würzburger Experte Prof. Ulrich Pecks koordinierte die Leitlinienerstellung / Neuer Nachsorgepass gibt Frauen mehr Orientierung

Würzburg. Etwa sechs bis acht Prozent aller schwangeren Frauen erkranken an einem Bluthochdruck. Eine neue Versorgungs-Leitlinie soll nun die frühzeitige Diagnose und Behandlung verbessern. „Damit wollen wir das Risiko für Komplikationen in der Schwangerschaft senken und zudem langfristig die Gesundheit der Frauen stärken. Denn auch nach der Schwangerschaft bleibt das Risiko für Folgeerkrankungen erhöht“, erklärt Prof. Dr. Ulrich Pecks, Leiter der Geburtshilfe am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) und verantwortlicher Koordinator für die neue Leitlinie, die am 17. Juli 2024 veröffentlicht wurde. Zudem wurde ein Nachsorgepass für betroffene Frauen entwickelt, der zum Download bereitsteht. 

„In der neuen Leitlinie wird empfohlen, den Bluthochdruck präziser medikamentös einzustellen als bislang. Hierzu wurden in den vergangenen Jahren wichtige Studien veröffentlicht, die nun in die Leitlinie eingeflossen sind“, so Prof. Pecks. Mit dieser medikamentösen Einstellung des Bluthochdrucks kann idealerweise auch der Zeitpunkt der Entbindung bei optimalen Verlauf weiter verschoben werden. Somit können frühe Geburten mit den Risiken für Mutter und Kind minimiert werden, erklärt der Würzburger Mediziner. „Denn weiterhin ist die einzige kurative, also heilende Therapie für einen Schwangerschafts-Bluthochdruck die Entbindung. Oft bessern sich die Werte schon 48 Stunden nach der Geburt“, sagt Prof. Pecks.

Ziel: Komplikationsrisiken minimieren / Folgeerkrankungen reduzieren

Ein Bluthochdruck in der Schwangerschaft ist auch ein Hinweis auf eine mögliche Präeklampsie, die oft umgangssprachlich „Schwangerschaftsvergiftung“ genannt wird. Von einer Präeklampsie spricht man, wenn zusätzlich zu einem Bluthochdruck („Hypertonie“) Organschäden festgestellt werden, etwa an Niere oder Leber. Dabei scheiden die Frauen dann z.B. vermehrt Eiweiße über die Niere aus oder haben erhöhte Leberwerte im Blut. Weltweit versterben jährlich mehr als 50.000 Frauen und 500.000 Babys an den Folgen einer Präeklampsie. Mütterliche Todesfälle sind in den industriell entwickelten Ländern zum Glück selten. Aber das Leid der Frauen und die Folgen einer Frühgeburt wegen einer Präeklampsie können erheblich sein. 

Daher empfiehlt die neue Leitlinie ein allgemeines Screening auf Präeklampsie bei jeder Schwangeren. Auch angesichts des demographischen Wandels, älter werdenden Frauen bei der ersten Schwangerschaft und zunehmenden Schwangerschaften bei Frauen mit Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus ist eine frühe Erkennung wichtig. „Dieses Screening ist leider aktuell keine Kassen-Leistung. Dabei kann es enorm helfen, Risiken frühzeitig zu erkennen, um vorbeugende Maßnahmen einzuleiten und eine Präeklampsie zu verhindern“, so Pecks. Ein solches Screening sollte in der 12. oder 13. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden. 

Nachsorgepass gibt wertvolle Orientierung

Mit der Leitlinie soll auch das Risiko von Folgeerkrankungen nach der Schwangerschaft stärker in das Bewusstsein rücken. Prof. Pecks: „Frauen, die einen Bluthochdruck in der Schwangerschaft entwickelt haben, zeigen ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen im weiteren Leben. Daher haben wir einen neuen Nachsorgepass entwickelt, der jetzt für die Frauen zum Download (Link: 
https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/015-018) bereitsteht und der helfen soll, dieses Thema mit den weiterbehandelnden Ärztinnen und Ärzten nach Geburt und Wochenbett zu besprechen.“ 

Hintergrund: Leitlinie „Hypertensive Erkrankungen in der Schwangerschaft: Diagnostik und Therapie“

Die Leitlinie „Hypertensive Erkrankungen in der Schwangerschaft: Diagnostik und Therapie“ ist im Leitlinienprogramm der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), der Österreichischen Gesellschaft für Geburtshilfe und Gynäkologie (OEGGG) sowie der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe entwickelt worden. Sie löst die vorherige Leitlinie aus dem Jahr 2019 ab. Sie wurde geprüft durch die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) und steht hier zum Download bereit, Link: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/015-018 

Prof. Dr. Ulrichs Pecks ist der Leitlinienkoordinator, er forscht seit 20 Jahren zu schwangerschaftsassoziiertem Bluthochdruck. Er leitet seit Oktober 2023 die Geburtshilfe an der Würzburger Uniklinik und bekleidet die Professur „Maternale Gesundheit und Hebammenwissenschaft“ an der Würzburger Universitätsmedizin. In der UKW-Geburtshilfe werden die Möglichkeiten eines Präeklampsiescreenings im Rahmen der Schwangerenberatung individuell vorgestellt.
 

Prof. Dr. Ulrich Pecks ist Leiter der Geburtshilfe am Universitätsklinikum Würzburg. Er ist verantwortlicher Koordinator für die neue Leitlinie zur Schwangerenversorgung bei Bluthochdruck. Foto: UKW / Thomas Berberich

Auszeichnung für Forschungsarbeit zu Brustkrebs und Hirnmetastasen

Dresden, 7. Juni 2024 – Die Forschungsgruppe um Dr. Carolin Curtaz hat auf dem Deutschen Senologie Kongress, der vom 06. bis 08. Juni 2024 in Dresden stattfand, den Posterpreis gewonnen. Ausgezeichnet wurde ihre retrospektive monozentrische Analyse prognostischer Faktoren bei Brustkrebspatientinnen mit Hirnmetastasen.

In der prämierten Studie untersuchte das Team die klinischen Daten von 337 Patientinnen, um positive und negative prognostische Faktoren zu identifizieren.

Die Ergebnisse dieser Studie liefern wertvolle Erkenntnisse für die Verbesserung der Behandlungsstrategien bei Brustkrebspatientinnen mit Hirnmetastasen und unterstreichen die Bedeutung individueller Therapieansätze.

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