Hörverlust im Alter: Screening in der Hausarztpraxis ist machbar

Altersbedingter Hörverlust ist häufig und betrifft etwa ein Drittel der Menschen ab 65 Jahren. Er erschwert nicht nur die Kommunikation, sondern ist auch mit sozialer Isolation, psychischer Belastung und kognitiven Einschränkungen verbunden.

Trotzdem wird ein systematisches Hörscreening bisher kaum routinemäßig in der hausärztlichen Versorgung eingesetzt.

Ein Forschungsteam des Instituts für Allgemeinmedizin am UKW hat in einer Pilotstudie untersucht, ob ein Screening auf altersbedingten Hörverlust in Hausarztpraxen praktikabel ist und welche weiteren Versorgungsschritte sich daraus ergeben. In sechs Hausarztpraxen wurden 108 Patientinnen und Patienten ab 65 Jahren mit easyScreen untersucht. Dieses Verfahren basiert auf auditorisch evozierten Hirnstammpotenzialen. Nach drei und sechs Monaten wurde nachverfolgt, ob weitere Diagnostik erfolgte und ob ein Hörgerät empfohlen oder genutzt wurde.

Das Screening war kurz, gut verträglich und ließ sich weitgehend in die Praxisabläufe integrieren. Im Vergleich zu einem Fragebogen allein erkannte easyScreen zusätzliche Fälle von Hörverlust. Etwa zwei Drittel der Betroffenen nahmen eine weiterführende Diagnostik beziehungsweise die Empfehlung für ein Hörgerät an.

Die Pilotstudie zeigt damit, dass ein Hörscreening in der Hausarztpraxis grundsätzlich machbar und diagnostisch hilfreich sein kann. Die größte Herausforderung liegt weniger im Screening selbst, sondern in der anschließenden Versorgung: Weitere Diagnostik und die tatsächliche Nutzung von Hörgeräten müssen zuverlässig angebahnt und begleitet werden.

Publikation: Martin J. Koch, Rebecca Betz, Peter K. Kurotschka, Anne Simmenroth. Screening for Age-Related Hearing Loss in General Practice: Feasibility, Diagnostic Value, and Subsequent Care Pathways – A Pilot Study. Frontiers in Medicine, 2026.
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