Dadurch soll das Risiko minimiert werden, dass Mageninhalt während der Narkose in die Lunge gelangt.
Da der eigentliche OP-Beginn häufig nicht vorhersagbar ist oder Notfälle zwischengeschoben werden müssen, sind die Patientinnen und Patienten sehr häufig bis zu zwölf Stunden nüchtern. Die daraus resultierende Dehydratation erhöht das Risiko für akutes Nierenversagen, Delir und verstärkt Angst, Durstgefühl und Schmerzen, besonders bei vulnerablen Patienten.
Zurückliegende Studien zeigen jedoch, dass ein bis zwei Gläser klare Flüssigkeit (z.B. Wasser, Tee, Kaffee mit etwas Milch) den Magen innerhalb von 20 bis 30 Minuten verlassen. Und da zwischen Patientenabruf in den OP und Beginn der Narkose ohnehin immer viel mehr Zeit vergeht, erlauben einige Krankenhäuser inzwischen das freie Trinken von klaren Flüssigkeiten bis Patienten in den OP abgerufen werden. Verschiedene Beobachtungsstudien bestätigen die Machbarkeit des neuen Konzepts einer großzügigeren Flüssigkeitsaufnahme. Die belastbare Evidenz aus randomisierten kontrollierten Studien ist bislang jedoch begrenzt.
Eine Arbeitsgruppe aus der Anästhesiologie hat daher weltweit zum ersten Mal das neue Konzept in einer prospektiven, kontrollierten, randomisierten Studie untersucht. Insgesamt wurden 174 chirurgische Patientinnen und Patienten entweder einer Kontrollgruppe (etablierter Standard), einer konservativen Intervention (Unterstützung bei der Einhaltung einer zweistündigen Nüchternheit) oder einer liberalen Intervention (freies Trinken bis zum Abruf in den Operationssaal) zugeteilt.
„Trinken bis zum Abruf“ verkürzte signifikant die mittlere Nüchternheitszeit von fünf bis sechs Stunden in der Kontrollgruppe auf drei Stunden in der konservativen und auf zwei Stunden in der liberalen Interventionsgruppe, und reduzierte signifikant das Durstgefühl und Kopfschmerzen. Entscheidend ist auch, dass das freie Trinken klarer Flüssigkeit bis zum Abruf in den OP sicher war und nicht das Risiko für Aspiration erhöhte, wenngleich zukünftige Studien mit einer höheren Anzahl an Patientinnen und Patienten noch erforderlich sind.
Publikation:
Tobias E Haas, Peter Kranke, Miriam N Stegemann, Philipp Helmer, Benedikt Schmid, Franziska M Diehl, Peter U Heuschmann, Viktoria Rücker, Anna K Seitz, Joachim Diessner, Timo Heintel, Thomas Saller, Anne Rüggeberg, Silvia Krönert, Jona von Keitz, Patrick Meybohm. Benefits in adults allowed to drink clear liquids before anaesthesia until called to the operating room: A randomised pilot study. European Journal of Anaesthesiology ():10.1097/EJA.0000000000002309, November 19, 2025. | DOI: 10.1097/EJA.0000000000002309
