Einerseits ermöglicht die Darmbarriere die Aufnahme von Nährstoffen, andererseits verhindert sie, dass schädliche Keime oder unerwünschte Stoffe aus dem Darm, sogenannte Pathogene, in den Körper gelangen. . Die Reifung der Darmbarriere beginnt bereits in der Embryonalentwicklung und wird erst nach der Geburt abgeschlossen. Extrem frühgeborene Säuglinge weisen eine eingeschränkte Barrierefunktion auf und sind anfällig für Magen-Darm-Komplikationen, also gastrointestinale Komplikationen wie die nekrotisierende Enterokolitis (NEC).
Die Integrität der Darmbarriere wird durch Zell-Zell-Kontakte der intestinalen Epithelzellen, also Zellen, die die innere Oberfläche des Darms auskleiden, gewährleistet. Diese sind über mehrere sogenannte junktionale Proteinkomplexe (Tight Junctions, Adherens Junctions und Desmosomen) miteinander verbunden sind. Über die spezifische Rolle und Reifung der einzelnen Proteine dieser Komplexe in der frühen Entwicklung einer funktionellen Darmbarriere ist bisher nur wenig bekannt.
Ein Team um Catherine Kollmann aus der Experimentellen Viszeralchirurgie hat erstmals mittels detaillierter, immunfluoreszenzbasierter Analysen die Expression und Verteilung wichtiger junktionaler Proteine in Gewebeproben von extrem frühgeborenen Säuglingen (25 – 28 Wochen alt) untersucht. Dabei zeigten sich im Vergleich zu Proben von Erwachsenen bedeutende Unterschiede in spezifischen Proteinen der Tight Junctions (Claudin-1, -4, -5 und ZO-1), welche mit zunehmender Reifung eine erhöhte Expression sowie verbesserte Organisation aufwiesen. Diese Proteine scheinen demnach eine essentielle Rolle bei der Ausbildung funktionaler Zellkontaktkomplexe in diesem Entwicklungsstadium zu spielen.
Andere desmosomale Proteine (Desmoglein-2 und Desmoplakin) zeigten dagegen bis zu einem Alter von 28 Wochen eine verringerte Expression im Vergleich zu Erwachsenen und entwickeln sich demnach erst in späteren Stadien.
Die Ergebnisse leisten einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der frühen Entwicklung der Darmbarriere und damit assoziierter Erkrankungen. Dies bildet die Grundlage um pathologische Veränderungen früher zu erkennen und präventive Strategien zur Stabilisierung der Darmbarriere bei Frühgeborenen zu entwickeln.
Publikation: Catherine Kollmann, Carolin Niklas, Karen Ernestus, Grit Gesine Ruth Hiller, Marius Hörner, Natalie Burkard, Christoph-Thomas Germer, Christoph Härtel, Sina Bartfeld, Kirsten Glaser & Nicolas Schlegel. (2026). Developmental maturation of intestinal junctional complexes in preterm infants. Tissue Barriers. https://doi.org/10.1080/21688370.2026.2697088
