Ein Forschungsteam aus Würzburg hat untersucht, welche Rolle genetische Unterschiede innerhalb einer Viruspopulation für die Krankheitsausprägung spielen. Im Fokus stand das Pneumonievirus der Maus (Pneumonia virus of mice, PVM), ein Modellvirus aus der Familie der Pneumoviridae, zu der auch wichtige menschliche Atemwegserreger wie das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) gehören. Die Forschenden konnten zeigen, dass natürliche genetische Vielfalt innerhalb einer Viruspopulation die Virulenz – also die Fähigkeit eines Virus, Erkrankungen auszulösen – beeinflussen kann. Besonders Veränderungen im G-Gen, das für ein wichtiges Oberflächenprotein des Virus kodiert, wirkten sich auf die Eigenschaften des Erregers aus. Unterschiede in diesem Gen führten zu veränderten Virusvarianten mit unterschiedlicher Fähigkeit, sich im Wirt auszubreiten und Krankheitssymptome hervorzurufen. Die Ergebnisse zeigen, dass nicht nur einzelne dominante Virusvarianten, sondern die gesamte genetische Zusammensetzung einer Viruspopulation die Infektionsdynamik beeinflussen kann. Die Studie liefert damit neue Einblicke in die Evolution von Atemwegsviren und kann dazu beitragen, besser zu verstehen, wie Virusvarianten entstehen und welche Faktoren ihre Virulenz bestimmen.
Die Studie entstand in enger Zusammenarbeit mehrerer Würzburger Einrichtungen. Beteiligt waren das Institut für Virologie und Immunbiologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, das Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI), das Institut für Klinische Genetik und Genommedizin des UKW sowie die Universitäts-Kinderklinik. Ergänzt wurde die Expertise durch eine Kooperation mit der Université de Strasbourg und dem CNRS.
Publikation: Akinbami R. Adenugba, Patrick Bohn, Jiangyan Yu, Markus Fehrholz, Anke K. Bergmann, Redmond P. Smyth, Christine D. Krempl. 2026. Sequence heterogeneity in pneumonia virus of mice reveals G gene-dependent modulation of virulence. J Virol 100:e00103-26. https://doi.org/10.1128/jvi.00103-26
