Teclistamab gehört zu den modernen Immuntherapien und verbindet gezielt körpereigene Abwehrzellen (T-Zellen) mit den Myelomzellen. Dadurch werden die T-Zellen aktiviert und können die Krebszellen erkennen und zerstören. In der Studie erhielten 49 Patientinnen und Patienten aus Heidelberg, Würzburg und weiteren deutschen Myelomzentren Teclistamab in Kombination mit etablierten Medikamenten wie Daratumumab, Lenalidomid und teilweise Bortezomib.
Die in der Fachzeitschrift Nature Medicine veröffentlichten Ergebnisse sind vielversprechend: Bei allen auswertbaren Patientinnen und Patienten waren nach sechs Monaten mit hochsensitiven Untersuchungsmethoden keine verbliebenen Myelomzellen mehr im Knochenmark nachweisbar (sogenannte MRD-Negativität). Diese besonders tiefe Form des Ansprechens gilt als wichtiger Hinweis auf eine längere Kontrolle der Erkrankung. Die Nebenwirkungen entsprachen weitgehend den Erwartungen bei dieser Art der Behandlung und waren behandelbar.
Die Studie könnte dem Letztautor Leo Rasche zufolge, ein großer und wichtiger Schritt sein, mit dem das Multiple Myelom dank moderner Immuntherapien endlich aus dem Bereich der unheilbaren Erkrankungen herauskommt und die Patientinnen und Patienten ähnlich wie beim Hodgkin-Lymphom oder der chronischen myeloischen Leukämie in eine extrem tiefe Remission geschickt werden können.
Das Ergebnis muss nun in randomisierten Phase-III-Studien validiert werden, damit diese Kombination zugelassen wird und von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird. Es gibt natürlich viele weitere Fragen: Brauchen wir die anderen Medikamente noch? Können wir ein oder zwei Wirkstoffe weglassen oder die Therapie verkürzen, wenn die Patientinnen und Patienten bereits nach drei Monaten so gut auf den bispezifischen Antikörper ansprechen? „Vielleicht erleben wir auch schon bald die Abkehr von der Chemotherapie und behandeln künftig nur noch mit Immuntherapien“, spekuliert Rasche. „Eine Tumortherapie ist kein Krieg. Bei allen Kämpfen gegen den Tumor dürfen wir die Person und deren Leben dahinter nicht vergessen. Unser Ziel ist es, unseren Patientinnen und Patienten bestmöglich zu helfen und dabei so viele Wirkstoffe wie nötig, aber so wenige wie möglich einzusetzen.“ Heilung definiert Rasche als Kombination aus Tumorfreiheit und Behandlungsfreiheit – mit möglichst wenigen Nebenwirkungen und Langzeitfolgen der Therapien.
Im Moment testet das Team in verschiedenen Kombinationen das Potenzial der Immuntherapien in der Erstlinientherapie beim Myelom. „Wir hoffen, dass wir unsere Patientinnen und Patienten damit heilen können und dass die Therapien gut verträglich sind. Bei einer 100-prozentigen MRD-Negativität können wir durchaus sagen, dass der Patient nicht mehr am Abgrund steht und es nicht nur um den Tumor, sondern auch um die Lebensqualität geht“, sagt Rasche. „Das ist eine sehr gute Nachricht für unsere Patientinnen und Patienten.“
Die Studie ist der erste Report der Deutschen Myelomstudie, in der das UKHD und das UKW ihre beiden Studiengruppen zum Multiplen Myelom zusammengeführt haben: die von Würzburg aus geleitete Deutsche Studiengruppe Multiples Myelom (DSMM) und die von Heidelberg aus geleitete German-Speaking Myeloma Multicenter Group (GMMG). „Zusammen sind wir einfach stärker“, sagt Leo Rasche, der die Studie in Würzburg gemeinsam mit Prof. Dr. Hermann Einsele (Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II und Leiter der DSMM) sowie Prof. Dr. Martin Kortüm (Leiter der Translationalen Myelomforschung) vorangetrieben.
Zur Pressemeldung
Publikation: Marc S. Raab, Niels Weinhold, K. Martin Kortüm, Jan Krönke, Roland Fenk, Katja Weisel, Lilli Podola, Uta Bertsch, Alexander Brobeil, Julia Mersi, Stefanie Huhn, Ryan Arlinghaus, Michael Hundemer, Stephan R. Bohl, Elias K. Mai, Natalie Schub, Johannes Waldschmidt, Florian Bassermann, Carsten Müller-Tidow, Christoph Heuck, Caline Sakabedoyan, Josephine Khan, Elena Ershova, Bas D. Koster, Monika Engelhardt, Mathias Hänel, Hans Salwender, Raphael Teipel, Hartmut Goldschmidt, Hermann Einsele, Leo Rasche, on behalf of the GMMG-HD10/DSMM-XX (MajesTEC-5) investigators. Teclistamab-based induction treatment in transplant-eligible, newly diagnosed multiple myeloma: a phase 2 trial. Nat Med (2026). https://doi.org/10.1038/s41591-026-04471-x
