Auszeichnung für modern gedachte Lehre

146 examinierte Ärztinnen und Ärzte legen Genfer Gelöbnis ab – Albert Kölliker-Lehrpreis geht an Dr. Matthias Kiesel für seine herausragenden didaktischen Leistungen.

Würzburg. 146 examinierte Ärztinnen und Ärzte haben zum Abschluss des Sommersemesters 2022 feierlich gelobt, ihr Leben fortan in den Dienst der Menschlichkeit zu stellen und die Würde und Autonomie ihrer Patientinnen und Patienten zu respektieren. Die Gesundheit und das Wohlergehen der Patientin oder des Patienten werden ihr oberstes Anliegen sein. Das Genfer Gelöbnis haben die Studierenden am 23. Juli in der Neubaukirche der Universität Würzburg abgelegt, nachdem sie von Studiendekanin Prof. Dr. med. Sarah König und Dekan Prof. Dr. med. Matthias Frosch ihre Examensurkunden erhalten haben. 

3D-Modell des weiblichen Beckens

Eine besondere Ehre wurde Dr. med. Matthias Kiesel von der Frauenklinik des Universitätsklinikums Würzburg zuteil. Er erhielt den Albert-Kölliker-Lehrpreis. Als Assistenzarzt bemerkte Matthias Kiesel, dass die Studierenden, die er betreute, bei der gynäkologischen Tastuntersuchung im Rahmen des Skills-Training ähnliche Schwierigkeiten hatten, wie er selbst im Studium. Ein reines Tastmodell zu untersuchen, ohne weitergehende praktische Vorkenntnisse zu besitzen und ohne die Anatomie des weiblichen Beckens vor Augen zu haben, führte bei vielen Studierenden zu Enttäuschung. Daher hat Matthias Kiesel aus Eigeninitiative und in Eigenregie ein 3D-Modell des weiblichen Beckens erstellt, das die für die Tastuntersuchung entscheidenden Strukturen beinhaltet. Das Modell wurde in Lebensgröße mittels 3-Duck so hergestellt, dass sich verschiedene Teile zusammenfügen lassen. Es dient primär dem explorativen Lernen sowie der Visualisierung und räumlichen Vorstellung und hat auch während der Pandemie, als aufgrund der Corona-Beschränkungen praktische Lehre kaum möglich war, vielen Studierenden das Skills-Training ermöglicht. Inzwischen wurde das Modell vervielfältigt, weiterentwickelt und um flexible Bestandteile erweitert. Es ist als fester Bestandteil in das reguläre Curriculum etabliert. 

OP-Simulationstraining 

Optimierungsbedarf hat Matthias Kiesel auch in den Abläufen der Dysplasiesprechstunde und in der Ausbildung der operativen Therapie von Krebsvorstufen am Gebärmutterhals gesehen – und gehandelt. In seiner Freizeit hat er einen OP-Simulator mittels 3D-Drucktechnik hergestellt und 60 interessierten Studierenden im Rahmen eines 1-zu-1-Trainings zur Verfügung gestellt. Er hat mit jedem einzelnen die diagnostischen Schritte als auch die operative Schlingenexzision mittels echtem OP-Instrumentarium am OP-Simulator geübt. Somit konnten die Studierenden in die Rolle des Operierenden schlüpfen und wertvolle Erfahrungen in der praktischen gynäkologischen Untersuchung und Elektrochirurgie sammeln. Der OP-Simulator soll künftig in die virtuelle Realität übertragen werden. Dadurch entfällt zeitaufwendiger Auf- und Abbau sowie kostenintensiver Materialverbrauch. 

Albert-Kölliker-Lehrpreis

„Das Engagement von Dr. Kiesel in beiden Projekten ist bemerkenswert. In Zeiten, in denen die praktische Ausbildung aufgrund der Kontaktbeschränkungen stark eingeschränkt bis unmöglich war, hat er unter den erschwerten Bedingungen der Pandemie und damit verbundenem Mehraufwand neue innovative Lehrkonzepte etabliert“, schildert Prof. Dr. Achim Wöckel, Klinikdirektor der Universitätsfrauenklinik. „Zum Zweck des Ausbaus und der Weiterentwicklung der gynäkologisch-geburtshilflichen Ausbildung und als Auszeichnung seiner herausragenden didaktischen Leistungen haben wir Dr. Kiesel für die Förderung mit dem Albert Kölliker-Lehrpreis der Medizinischen Fakultät Würzburg vorgeschlagen.“ Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird für herausragende didaktische Leistungen, die Entwicklung innovativer Lehrformen, die Verbesserung der Studienbedingungen und besonderes Engagement für Studierende und den studentischen Unterricht verliehen. 

Darüber hinaus wurden die drei Fachschaftsmitglieder Regina Pistorius, Jan Hoffmann und Dominik Keitel für ihre gute Arbeit ausgezeichnet.

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