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Unterbrechungen und Multitasking in der Anästhesiepflege: Kognitive Belastung und Workflow-Muster

Unterbrechungen und paralleles Arbeiten (Multitasking) sind relevante Belastungsfaktoren im Operationssaal.

Schaubild mit verschiedenen Icons, was ein Anästhesist alles erledigen muss

Bisherige Studien konzentrierten sich dabei überwiegend auf ärztliches Personal oder das gesamte OP-Team. Systematische Daten zur Anästhesiepflege fehlten bislang weitgehend.

Eine neue prospektive Beobachtungsstudie der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie des Universitätsklinikums Würzburg untersucht erstmals die Workflow-Struktur von Anästhesiepflegenden. Im Fokus stehen Arbeitsunterbrechungen, Multitasking sowie deren Zusammenhang mit Stresserleben, Fehlerpotenzial und Arbeitszufriedenheit.

In 30 Feldbeobachtungen wurden 19 Anästhesiepflegende des zentralen OP-Bereichs in Echtzeit beobachtet, mit einer Gesamtbeobachtungszeit von knapp 47,5 Stunden. Unterbrechungen machten lediglich 4 % der Gesamtarbeitszeit aus und dauerten im Schnitt 36 Sekunden. Sekundäraktivitäten entfielen auf 8,5 % der Zeit. Primäraktivitäten dominierten mit über 88 %, darunter vor allem Vorbereitungsarbeit und intraoperative Assistenz. Kommunikationsbedingte Unterbrechungen stellten mit 71 % die häufigste Form dar. Sie spiegeln die koordinative Kernrolle der Anästhesiepflegenden im perioperativen Umfeld wider. Auf subjektiver Ebene zeigte sich eine starke Korrelation zwischen wahrgenommenem Stress und Fehlerpotenzial.

Ergänzend liefert die Studie einen neuartigen Blick auf die physische Arbeitsbelastung. Anästhesiepflegende legten durchschnittlich über 514 Schritte pro Stunde zurück, was mehr als 4.100 Schritten pro 8-Stunden-Schicht entspricht.

Die Ergebnisse zeigen, dass Kommunikation und Koordination strukturelle Kernelemente der Anästhesiepflege sind. Strukturierte Kommunikationsprotokolle sowie gezielte Schutzzonen in kritischen Phasen wie der Narkoseeinleitung könnten vermeidbare Ablaufunterbrechungen reduzieren und Patientensicherheit sowie Mitarbeiterbelastung positiv beeinflussen.

Publikation: Hölzing CR, Heilgenthal P, Sellmann F, Meynhardt C, Grundgeiger T, Scheuchenpflug R, Meybohm P, Happel O. Interruptions and multitasking in anaesthesia nursing: a prospective observational study of cognitive strain and workflow patterns. BMJ Open Quality 2026;15:e003972. doi:10.1136/bmjoq-2025-003972

 

Schaubild mit verschiedenen Icons, was ein Anästhesist alles erledigen muss
Wer bekommt welche Blutprodukte?

Blutprodukte wie Erythrozytenkonzentrate (RBC), Plasma und Thrombozyten sind zentrale Ressourcen in der perioperativen Versorgung. Wie häufig einzelne Blutkomponenten eingesetzt werden, und in welchen Kombinationen, variiert jedoch stark.

Eine neue Auswertung einer prospektiven, multizentrischen Follow-up-Studie zeigt nun, welche Blutprodukte bei anästhesiologischen Patientinnen und Patienten im Krankenhausalltag tatsächlich verabreicht werden, welche Kombinationsmuster dominieren und dass sich Patientinnen und Patienten anhand ihres perioperativen Blutproduktbedarfs in drei klar unterscheidbare Transfusionsprofile einteilen lassen. Besonders relevant: In der kleinen Gruppe mit sehr hohem Blutproduktbedarf war ein gezielt eingesetztes Patient Blood Management (PBM) mit einer Reduktion eines kombinierten Endpunkts aus Sterblichkeit und schwerwiegenden Komplikationen assoziiert.

Rund jede/r Zehnte erhält Blutprodukte – Erythrozytenkonzentrate bleiben das häufigste Produkt

Von 1.125.244 eingeschlossenen anästhesiologischen Patientinnen und Patienten erhielten 119.369 (10,6%) während des Krankenhausaufenthalts mindestens ein Blutprodukt. Im Zeitraum 2010 bis 2019 war das mit Abstand am häufigsten verabreichte Blutprodukt das Erythrozytenkonzentrat. Die Kombinationsmuster sind unter diesem Link interaktiv aufbereitet:
wue-ains.shinyapps.io/blood-products/

Drei Profile – große Unterschiede beim Blutproduktbedarf

Die Auswertung identifizierte drei klar unterscheidbare Transfusionsprofile bei anästhesiologischen Patientinnen und Patienten: ein niedriges Profil mit sehr seltenem Bedarf an Blutprodukten, ein moderates Profil mit vor allem Erythrozytentransfusionen und ein hohes Profil mit komplexen Mehrkomponenten-Transfusionen.

Im niedrigen Profil traten Krankenhaussterblichkeit und schwere postoperative Komplikationen insgesamt selten auf; ein zusätzlicher Nutzen durch Patient Blood Management (PBM) war hier nicht erkennbar. Das moderate Profil diente als Vergleichsgruppe und zeigte einen regelmäßigeren, aber meist überschaubaren Transfusionsbedarf.

Das hohe Profil umfasste die Hochrisikopatientinnen und -patienten, typischerweise aus Eingriffen mit großem Blutungs- und Gerinnungsmanagement-Bedarf. Hier wurden häufig Kombinationen aus Erythrozyten, Plasma und Gerinnungsfaktoren eingesetzt. In dieser Gruppe war das Risiko für unerwünschte Ereignisse deutlich erhöht – zugleich zeigte sich gerade hier der wichtigste Befund: Gezielt eingesetzte PBM-Maßnahmen waren mit einer messbaren Reduktion von Sterblichkeit und schweren Komplikationen verbunden.

Publikation: Rumpf, Florian, Suma Choorapoikayil, Lotta Hof, Denana Mehic, Philipp Helmer, Benedikt Schmid, Kai Zacharowski, Patrick Meybohm, and German Patient Blood Management Network Collaborators. 2026. "Who Needs Most? Multicenter Subanalysis of Blood Transfusion Profiles in the German Patient Blood Management Network Registry" Journal of Clinical Medicine 15, no. 5: 1759. https://doi.org/10.3390/jcm15051759

 

Extrakorporale Zytokin-Elimination bei Patienten im septischen Schock

Der septische Schock ist durch eine Dysregulation des Immunsystems gekennzeichnet. Trotz erheblicher Fortschritte in Forschung und Intensivmedizin liegt die Sterblichkeit in Europa weiterhin bei etwa 40 %.

Grafik, mit zwei Kurven  (unspezfisches Immunsystem, persistierende Inflammation - Spezfisches Immunsystem - Immunsuppression
Schemazeichnung der Immunantwort im septischen Schock. Der CytoSorb Filter blieb in der randomisiert-kontrollierten Studie ohne Einfluss auf das Erreichen der Immunhomöostase. SIRS, systemic inflammatory response syndrome. CARS, Compensatory Anti-inflammatory Response Syndrome.

Um das Gleichgewicht zwischen entzündungsfördernden und entzündungshemmenden Prozessen wiederherzustellen, steht in der klinischen Praxis die extrakorporale Hämoadsorption (z.B. mit dem CytoSorb Zytokin-Filter) zur Verfügung. Ziel dieses Verfahrens ist es, überschüssige Mediatoren aus dem Blut zu filtern und so Organschäden zu begrenzen. Da der tatsächliche klinische Nutzen bisher wissenschaftlich umstritten war, hat nun die AG Notz der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie am Universitätsklinikum Würzburg die Effekte in einer prospektiven, randomisierten kontrollierten Studie untersucht.

In die Studie konnten 31 Intensivpatientinnen und -patienten mit septischem Schock und Hyperinflammation (Interleukin-6 > 500 pg/mL) eingeschlossen werden. Die Teilnehmenden wurden entweder einer Kontrollgruppe (Standardtherapie nach Sepsis-Leitlinien) oder einer Interventionsgruppe (Standardtherapie plus CytoSorb-Anwendung) zugeteilt.

Die Ergebnisse der Studie liefern wichtige Erkenntnisse für die Intensivmedizin:

  • Keine Reduktion des Bedarfs an Vasopressoren: Der Einsatz der extrakorporalen Zytokin-Elimination führte nicht zu einer Verringerung der benötigten Kreislaufunterstützung. Im Gegenteil: Der Vasopressor-Bedarf pro Stunde war in der Interventionsgruppe signifikant höher als in der Kontrollgruppe.
  • Keine messbaren Effekte auf das Immunsystem: Weder die Zytokin-Spiegel im Blut noch die Anzahl und Aktivität zentraler Immunzellen wurden durch die Behandlung maßgeblich verändert.
  • Sicherheit und Nutzen: Die Studie konnte keine klinischen Vorteile durch den frühen Einsatz des Verfahrens feststellen und lieferte stattdessen Hinweise auf mögliche schädliche Effekte. Die Überlebensrate nach 48 und 72 Stunden war in der Kontrollgruppe signifikant höher als in der Interventionsgruppe Gruppe (48 h: 100 % vs. 64 %; 72 h: 94 % vs. 57 %). Aufgrund der kleinen Fallzahl ist dieses explorative Ergebnis allerdings mit Vorsicht zu interpretieren.

Zusammenfassend zeigt die Studie, dass die Anwendung der extrakorporalen Zytokin-Elimination im septischen Schock den Krankheitsverlauf wahrscheinlich nicht verbessert und die Immunantwort nicht messbar moduliert. Die extrakorporalen Hämoadsorption sollte daher im septischen Schock aus Sicht der Autoren nicht angewendet werden.

 

Publikation: Lotz C, Heckelmann J, Lendzian C, Herrmann J, Haack B, Gieselmann M, Wedekink F, Röder D, Schlegel N, Meybohm P, Wischhusen J, Notz Q. Clinical and Immunologic Effects of Extracorporeal Cytokine Removal in Patients with Septic Shock: A Randomized Controlled Trial. Shock. 2026 Apr 1;65(4):637-647. doi: 10.1097/SHK.0000000000002802. Epub 2026 Feb 4. PMID: 41670614; PMCID: PMC13023102.

 

 

Grafik, mit zwei Kurven  (unspezfisches Immunsystem, persistierende Inflammation - Spezfisches Immunsystem - Immunsuppression
Schemazeichnung der Immunantwort im septischen Schock. Der CytoSorb Filter blieb in der randomisiert-kontrollierten Studie ohne Einfluss auf das Erreichen der Immunhomöostase. SIRS, systemic inflammatory response syndrome. CARS, Compensatory Anti-inflammatory Response Syndrome.
Telemedizin auf Intensivstationen: Großer Forschungsbedarf trotz Potenzial

Telemedizinische Konzepte – etwa die Fernüberwachung von Patientinnen und Patienten, digitale Datenübertragung und die Beratung durch Spezialisten aus der Ferne – gelten als wichtige Bausteine, um den Herausforderungen steigender Patientenzahlen, zunehmender Spezialisierung und Fachkräftemangel gerecht zu werden.

Zwei Mitarbeitende der Anästhesiologie stehen an einem Tele-Intensivmedizin-Wagen vorm Monitor
Das UKW bringt seine Expertise in evidenzbasierter Medizin in das bundesweite Universitäre Telemedizin-Netzwerk (UTN) ein und arbeitet zugleich bereits an der praktischen Umsetzung der Tele-Intensivmedizin im Klinikalltag – zum Beispiel im Rahmen eines Pilotprojekts zur strukturierten telemedizinischen Visite für regionale Krankenhäuser. © Kim Sammet / UKW

Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit unter Leitung des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) im Rahmen des vom Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) geförderten Projekts UTN (Universitäres Telemedizin-Netzwerk) zeigt: Telemedizin auf Intensivstationen hat zwar ein erhebliches Potenzial, doch die wissenschaftliche Evidenz für konkrete patientenrelevante Vorteile ist bislang nicht eindeutig belegt 

In der in PLOS Digital Health veröffentlichten Übersichtsarbeit wurden 26 kontrollierte Studien mit über zwei Millionen intensivmedizinischen Fällen analysiert. Dabei zeigte sich, dass die vorhandenen Studien hinsichtlich Methodik, untersuchter Modelle und Messgrößen sehr unterschiedlich sind, sodass eine quantitative Zusammenfassung (Meta-Analyse) nicht möglich war. Wichtige Fragen – etwa zu Auswirkungen auf Sterblichkeit, Aufenthaltsdauer oder Lebensqualität – bleiben daher offen. 

Die Autorinnen und Autoren betonen, dass nicht nur die technische Umsetzung, sondern vor allem methodisch hochwertige, patientenzentrierte Studien benötigt werden, um den wirklichen Nutzen der Tele-Intensivmedizin zu klären und die effektivsten Modelle zu identifizieren. 

Weitere Informationen, auch zur Expertise in Tele-Intensivmedizin der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie liefert die Pressemeldung

Publikation
Tamara Pscheidl, Carina Benstoem, Kelly Ansems, Lena Saal-Bauernschubert, Anne Ritter, Ana-Mihaela Zorger, Karolina Dahms, Sandra Dohmen, Eva Steinfeld, Julia Dormann, Claire Iannizzi, Nicole Skoetz, Heidrun Janka, Maria-Inti Metzendorf, Carla Nau, Miriam Stegemann, Patrick Meybohm, Falk von Dincklage, Sven Laudi, Falk Fichtner, Stephanie Weibel. Telemedicine in adult intensive care: A systematic review of patient-relevant outcomes and methodological considerations. PLOS Digit Health. 2025 Dec 15;4(12):e0001126. https://doi.org/10.1371/journal.pdig.0001126

Zwei Mitarbeitende der Anästhesiologie stehen an einem Tele-Intensivmedizin-Wagen vorm Monitor
Das UKW bringt seine Expertise in evidenzbasierter Medizin in das bundesweite Universitäre Telemedizin-Netzwerk (UTN) ein und arbeitet zugleich bereits an der praktischen Umsetzung der Tele-Intensivmedizin im Klinikalltag – zum Beispiel im Rahmen eines Pilotprojekts zur strukturierten telemedizinischen Visite für regionale Krankenhäuser. © Kim Sammet / UKW
Ursachen der präoperativen Anämie

Eine Anämie, umgangssprachlich auch Blutarmut genannt, schwächt den Körper bereits im Normalzustand. Während einer Operation steht der Körper zusätzlich unter Stress, sodass das Risiko für Komplikationen wie Herz-Kreislauf-Probleme und Infektionen steigt.

Eine Schwester nimmt einem Patienten Blut ab.
Jeder Dritte, der sich einem größeren chirurgischen Eingriff unterzieht, leidet unter Blutarmut. © Daniel Peter / UKW

Da die Organe und das Gewebe schlechter mit Sauerstoff versorgt werden, verzögert sich auch die Wundheilung. Schließlich benötigen anämische Patientinnen und Patienten häufiger Bluttransfusionen, was weitere Risiken birgt.

Oft wird Eisenmangel als Hauptgrund für diese Blutarmut angesehen. Deshalb beschränkt sich die präoperative Behandlung im Rahmen des „Patient Blood Managements“ bisher auf die Gabe von Eisenpräparaten. Das Auffüllen der Eisenspeicher fördert die Bildung neuer Blutzellen, verbessert die Sauerstoffversorgung und verringert den Transfusionsbedarf.

Tatsächlich kann eine Anämie jedoch viele verschiedene Ursachen haben. Um diese besser zu verstehen und die Behandlung gezielter zu gestalten, wurde in der internationalen, multizentrischen, prospektiven ALICE-Studie untersucht, wie häufig Anämie vor größeren Operationen auftritt und welche Gründe dafür verantwortlich sind.

Ergebnis: Von den 2.830 Patientinnen und Patienten aus 79 Krankenhäusern in 20 Ländern auf fünf Kontinenten hatte jeder Dritte eine Anämie. Mehr als die Hälfte von ihnen (55,2 Prozent) wies einen Eisenmangel auf, 7,7 Prozent einen Vitamin-B12-Mangel, 14,5 Prozent einen Folsäuremangel und 8,7 Prozent eine chronische Nierenerkrankung. Zudem zeigte sich, dass eine präoperative Anämie das Risiko für Bluttransfusionen um das Dreifache, die Komplikationsrate um das Zweieinhalbfache und die Sterblichkeit um das Fünffache erhöht.

Die Autoren sind sich einig, dass es entscheidend für die Zukunft ist, eine präoperative Anämie, die mit einer so hohen Häufigkeit auftritt und einen erheblichen Einfluss auf das operative Ergebnis hat, nicht mehr zu ignorieren. Zudem müsse neben dem Eisenmangel auch ein Vitamin-B12- und Folsäuremangel diagnostisch und therapeutisch berücksichtigt werden.

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Publikation: 
Suma Choorapoikayil, David M. Baron, Donat R. Spahn, Sigismond Lasocki, Daniela Boryshchuk, Lusine Yeghiazaryan, Martin Posch, Elvira Bisbe, Philipp Metnitz, Martin Reichmayr, Kai Zacharowski, Patrick Meybohm; German Society of Anaesthesiology and Intensive Care (GSAIC) Trials Group; SFAR research network; Supportive Anaesthesia Trainee-led Audit and Research Network (SATURN); ALICE study collaborators (2025). The aetiology and prevalence of preoperative anaemia in patients undergoing major surgery (ALICE): an international, prospective, observational cohort study. Lancet Glob Health. 2025 Dec;13(12):e2041-e2050

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Eine Schwester nimmt einem Patienten Blut ab.
Jeder Dritte, der sich einem größeren chirurgischen Eingriff unterzieht, leidet unter Blutarmut. © Daniel Peter / UKW
Umgang mit spitzen Kanülen ist auch in Schwangerschaft und Stillzeit möglich

Das novellierte Mutterschutzgesetz von 2018 verfolgt eine doppelte Zielsetzung: den Schutz der Gesundheit schwangerer und stillender Frauen sowie die Ermöglichung ihrer Weiterbeschäftigung.

Eine Arbeitsgruppe aus der Anästhesiologie hat in den letzten Jahren praktische Handlungsempfehlungen zur Umsetzung des Mutterschutzes im klinischen Alltag der Anästhesiologie und Intensivmedizin veröffentlicht. Ein bislang ungeklärtes Thema sind dabei Tätigkeiten, bei denen das Risiko von Stich- und Schnittverletzungen besteht und damit einhergehend die Übertragung blutübertragbarer Infektionserreger, wenngleich die Infektionswahrscheinlichkeit für Hepatitis B, C oder HIV gering sind. Um dieses Risiko weiter zu minimieren, wurden stichsichere Kanülen entwickelt. Mit Ausnahme von Injektionsnadeln und peripheren Verweilkanülen sind allerdings Kanülen zur Anlage zentralvenöser oder arterieller Katheter und solche für die Durchführung von Nervenblockaden nicht „stichsicher“, so dass im klinischen Alltag immer wieder Unsicherheiten auftauchen. 

In einem neuen Positionspapier mit Patrick Meybohm als Letztautor wird nun Verantwortlichen, die in ihrer Klinik oder Praxis den Arbeitsplatz für schwangere oder stillende Mitarbeiterinnen in der Anästhesiologie und Intensivmedizin gestalten, ein Leitfaden und eine Erläuterung zum Umgang mit invasiven Tätigkeiten wie das Legen zentralvenöser oder arterieller Katheter und Durchführung von Regionalanästhesien während der Schwangerschaft und Stillzeit an die Hand gegeben werden. 

Eine individuelle Gefährdungsbeurteilung ist entscheidend und muss den Erfahrungsstand der schwangeren oder stillenden Anästhesistin berücksichtigen. Bei Einhaltung aller Schutzmaßnahmen ist es im Hinblick auf die aktuelle Literatur- und Studienlage vertretbar, den Umgang mit Kanülen als „verantwortbare Gefährdung“ einzustufen, sodass eine Weiterbeschäftigung und Fortführung der Weiterbildung in Anästhesiologie und Intensivmedizin möglich sind. Voraussetzung hierfür ist der freiwillige und selbstbestimmte Wunsch der schwangeren oder stillenden Ärztin, invasive Tätigkeiten durchzuführen, sowie die Umsetzbarkeit der Schutzmaßnahmen, getragen durch den Arbeitgebenden.

Publikation
Aehling K, Münster T, Weis E, Ochmann U, Meffert R, Simon P, Meybohm P (2025)
Mutterschutz: Ein Umgang mit spitzen Kanülen in der Anästhesiologie und Intensivmedizin ist auch in Schwangerschaft und Stillzeit möglich.
Anästh Intensivmed. 2025;66:V81–V84

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„Trinken bis zum Abruf in den OP“ reduziert Durstgefühl, verhindert Kopfschmerzen und steigert Patientenzufriedenheit

Nach den aktuellen Leitlinien dürfen chirurgische Patientinnen und Patienten vor einer Operation sechs Stunden lang nichts essen und zwei Stunden lang nichts trinken.

Eine Frau liegt mit OP-Haube und -Hemd im Bett und trinkt ein Glas Wasser.
Die Studie untersuchte, ob es machbar und sicher ist, wenn Patientinnen und Patienten bis vor dem Abruf in den OP klare Flüssigkeiten wie Wasser trinken dürfen. (KI-generiertes Bild / Canva)

Dadurch soll das Risiko minimiert werden, dass Mageninhalt während der Narkose in die Lunge gelangt.

Da der eigentliche OP-Beginn häufig nicht vorhersagbar ist oder Notfälle zwischengeschoben werden müssen, sind die Patientinnen und Patienten sehr häufig bis zu zwölf Stunden nüchtern. Die daraus resultierende Dehydratation erhöht das Risiko für akutes Nierenversagen, Delir und verstärkt Angst, Durstgefühl und Schmerzen, besonders bei vulnerablen Patienten.

Zurückliegende Studien zeigen jedoch, dass ein bis zwei Gläser klare Flüssigkeit (z.B. Wasser, Tee, Kaffee mit etwas Milch) den Magen innerhalb von 20 bis 30 Minuten verlassen. Und da zwischen Patientenabruf in den OP und Beginn der Narkose ohnehin immer viel mehr Zeit vergeht, erlauben einige Krankenhäuser inzwischen das freie Trinken von klaren Flüssigkeiten bis Patienten in den OP abgerufen werden. Verschiedene Beobachtungsstudien bestätigen die Machbarkeit des neuen Konzepts einer großzügigeren Flüssigkeitsaufnahme. Die belastbare Evidenz aus randomisierten kontrollierten Studien ist bislang jedoch begrenzt.

Eine Arbeitsgruppe aus der Anästhesiologie hat daher weltweit zum ersten Mal das neue Konzept in einer prospektiven, kontrollierten, randomisierten Studie untersucht. Insgesamt wurden 174 chirurgische Patientinnen und Patienten entweder einer Kontrollgruppe (etablierter Standard), einer konservativen Intervention (Unterstützung bei der Einhaltung einer zweistündigen Nüchternheit) oder einer liberalen Intervention (freies Trinken bis zum Abruf in den Operationssaal) zugeteilt. 

„Trinken bis zum Abruf“ verkürzte signifikant die mittlere Nüchternheitszeit von fünf bis sechs Stunden in der Kontrollgruppe auf drei Stunden in der konservativen und auf zwei Stunden in der liberalen Interventionsgruppe, und reduzierte signifikant das Durstgefühl und Kopfschmerzen. Entscheidend ist auch, dass das freie Trinken klarer Flüssigkeit bis zum Abruf in den OP sicher war und nicht das Risiko für Aspiration erhöhte, wenngleich zukünftige Studien mit einer höheren Anzahl an Patientinnen und Patienten noch erforderlich sind.

Publikation:
Tobias E Haas, Peter Kranke, Miriam N Stegemann, Philipp Helmer, Benedikt Schmid, Franziska M Diehl, Peter U Heuschmann, Viktoria Rücker, Anna K Seitz, Joachim Diessner, Timo Heintel, Thomas Saller, Anne Rüggeberg, Silvia Krönert, Jona von Keitz, Patrick Meybohm. Benefits in adults allowed to drink clear liquids before anaesthesia until called to the operating room: A randomised pilot study. European Journal of Anaesthesiology ():10.1097/EJA.0000000000002309, November 19, 2025. | DOI: 10.1097/EJA.0000000000002309 

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Eine Frau liegt mit OP-Haube und -Hemd im Bett und trinkt ein Glas Wasser.
Die Studie untersuchte, ob es machbar und sicher ist, wenn Patientinnen und Patienten bis vor dem Abruf in den OP klare Flüssigkeiten wie Wasser trinken dürfen. (KI-generiertes Bild / Canva)