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Hochdosiertes Vitamin C zeigt keinen Nutzen bei schweren Verbrennungen – im Gegenteil

Schwere Verbrennungen lösen eine massive Entzündungsreaktion sowie oxidativen Stress aus. Vitamin C gilt als starkes Antioxidans und wird seit Jahrzehnten in der Behandlung von Verbrennungsopfern diskutiert.

Stoppe steht am Podium, rechts daneben ein Bild vom feierlich geschmückten und ausgeleuchteten Konferenzraum in Belfast
Prof. Dr. Christian Stoppe stellte als Erstautor und Leiter der Victory-Studie die Ergebnisse am 10. Juni 2026 beim Critical Care Reviews Meeting in Belfast vor. Zeitgleich wurde die Studie im Journal of the American Medical Association (JAMA) veröffentlicht. © Patrick Meybohm / UKW
Collage aus vier Porträtbildern und Logo der Studie
Für das Projektmanagement und die Koordination der deutschen Zentren waren neben dem Studienleiter und Erstautor Prof. Christian Stoppe auch Dr. Ellen Dresen, Prof. Patrick Meybohm und Carina Güttler vom UKW verantwortlich. Collage: UKW / erstellt mit Canva

Bisherige kleinere Studien hatten positive Effekte gezeigt, etwa einen geringeren Flüssigkeitsbedarf. Aufgrund dieser vielversprechenden, aber unsicheren Datenlage empfehlen einige internationale Leitlinien die Gabe von hochdosiertem Vitamin C, allerdings fehlt hierfür eine belastbare Evidenz aus großen randomisierten Studien.

Eine internationale, randomisierte klinische Studie unter der Leitung der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie des UKW und der kanadischen Queen’s University in Kingston kommt jetzt zu einem klaren Ergebnis: Hochdosiertes intravenöses Vitamin C verbessert bei Schwerbrandverletzten weder Überleben noch Organdysfunktion und könnte möglicherweise sogar schädlich sein.

Insgesamt nahmen 238 Erwachsene mit schweren Verbrennungen von mindestens einem Fünftel ihrer gesamten Hautoberfläche an der Studie teil. Die Patientinnen und Patienten wurden in 24 Zentren in Nord-, Zentral- und Südamerika, Europa und Asien nach dem Zufallsprinzip entweder mit hochdosiertem intravenösem Vitamin C (50 mg pro Kilogramm Körpergewicht) behandelt, das über 96 Stunden hinweg alle sechs Stunden verabreicht wurde, oder mit einem Placebo. Es zeigte sich kein Vorteil durch die Behandlung mit Vitamin C. Im Gegenteil: Der wichtigste untersuchte Endpunkt – die 28-Tage-Sterblichkeit und anhaltende Organdysfunktion, beispielsweise Beatmung, Nierenersatztherapie oder Kreislaufunterstützung – trat sogar häufiger bei den Personen auf, die Vitamin C erhielten, als bei denen, die ein Placebo erhielten (40,8 % gegenüber 29,7 %).

Besonders auffällig war die Sterblichkeit innerhalb der ersten 28 Tage: In der Vitamin-C-Gruppe starben 15 Prozent der Patienten, in der Placebogruppe waren es nur 7,6 Prozent. Das Sterberisiko war somit unter Vitamin C mehr als doppelt so hoch. Auch die Sterblichkeit während des gesamten Krankenhausaufenthalts war in der Vitamin-C-Gruppe höher (23,3 % gegenüber 16,1 %). Zudem mussten Patienten, die Vitamin C erhielten, häufiger mit einer Nierenersatztherapie, beispielsweise einer Dialyse, behandelt werden (10,8 % gegenüber 5,9 %). Dieser Unterschied könnte allerdings auch zufällig zustande gekommen sein, da er statistisch nicht eindeutig abgesichert war.

Nach einer geplanten Zwischenanalyse wurde die Studie vorzeitig beendet, da die Ergebnisse darauf hindeuteten, dass die Behandlung keinen Nutzen erwarten ließ und potenziell mit Schäden verbunden sein könnte. Ein unabhängiges Überwachungsgremium empfahl daraufhin, die Studie abzubrechen. Internationale Leitlinien sollten dem Studienleiter Christian Stoppe zufolge diese neuen Erkenntnisse dringend berücksichtigen.

Weitere Informationen und Zitate in der Pressemeldung.

Publikation: Christian Stoppe, Aileen Hill, Leopoldo C. Cancio, Andrew G. Day, Kaitlin A. Pruskowski, Alexis F. Turgeon, Tam Pham, Sylvain Bélisle, Mario Aurelio Martínez-Jiménez, Ulrich Limper, Jochen Gille, Jon Wisler, Alisa Savetamal, Jonathan Pollack, Daisy Grau Domínguez, Serge Jennes, Jeffrey W. Shupp, Marc G. Jeschke, Kirsten Colpaert, Gabriel Hundeshagen, Justus P. Beier, Pornprom Muangman, Ann Echeverri McCandless, Patrick Meybohm, Tilman Grune, Ellen Dresen, Daniela Weber, Carina Güttler, Charles Chin Han Lew, Xuran Jiang, Shawna Froese, Maureen Dansereau, Zheng-Yii Lee, Daren K. Heyland, for the VICTORY Study Team. High Dose Intravenous Vitamin C and Mortality and Organ Dysfunction in Severe Burn Injury: The VICToRY Randomized Clinical Trial. JAMA. 2026. doi: 10.1001/jama.2026.10616 https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2850392

Stoppe steht am Podium, rechts daneben ein Bild vom feierlich geschmückten und ausgeleuchteten Konferenzraum in Belfast
Prof. Dr. Christian Stoppe stellte als Erstautor und Leiter der Victory-Studie die Ergebnisse am 10. Juni 2026 beim Critical Care Reviews Meeting in Belfast vor. Zeitgleich wurde die Studie im Journal of the American Medical Association (JAMA) veröffentlicht. © Patrick Meybohm / UKW
Collage aus vier Porträtbildern und Logo der Studie
Für das Projektmanagement und die Koordination der deutschen Zentren waren neben dem Studienleiter und Erstautor Prof. Christian Stoppe auch Dr. Ellen Dresen, Prof. Patrick Meybohm und Carina Güttler vom UKW verantwortlich. Collage: UKW / erstellt mit Canva
Extraktion und Transformation von Routinedaten aus dem Patientendatenmanagementsystem

Routinedaten aus Patientendatenmanagementsystemen (PDMS) der Intensiv- und perioperativen Medizin sind eine wertvolle Ressource für die klinische Forschung.

Sie enthalten unter anderem Informationen zu Medikation, Laborwerten, Vitalparametern und Behandlungsverläufen. Eine direkte Nutzung dieser Daten für Forschungsfragen ist jedoch häufig schwierig: Die Datenstrukturen sind herstellerspezifisch, über verschiedene Tabellen und Dokumentationsbereiche verteilt und primär auf die laufende klinische Dokumentation ausgerichtet. Für die wissenschaftliche Sekundärnutzung müssen sie daher zunächst systematisch extrahiert, vereinheitlicht, geprüft und in analysierbare Formate überführt werden.

In Zusammenarbeit mit dem Servicezentrum Medizin-Informatik (SMI) wurde in der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie des UKW ein modulares, Python-basiertes ETL-Framework entwickelt, also ein in Python entwickeltes, aus einzelnen Bausteinen aufgebautes Programm, das Daten automatisch sammelt, verarbeitet und in einer Datenbank speichert. ETL steht für Extraktion, Transformation und Laden. Das Framework ermöglicht eine flexible, domänenspezifische Extraktion hochfrequenter und multimodaler PDMS-Daten, ohne dass die Kernarchitektur für jede Fragestellung neu angepasst werden muss.

Klinische Datendomänen werden jeweils über ein eigenes, schemavalidiertes Datenmodell abgebildet. Dadurch werden einheitliche Ausgabestrukturen, konsistente Datentypen und automatisierte Plausibilitätsprüfungen sichergestellt. Der Datenbankzugriff erfolgt über eine Abstraktionsschicht, sodass Abfragen wiederverwendbar und an unterschiedliche lokale Gegebenheiten anpassbar bleiben. Standardisierte Vorverarbeitungsschritte helfen zudem, typische Inkonsistenzen der klinischen Dokumentation aufzulösen.

Ein integriertes Audit-Protokoll dokumentiert die verwendeten Extraktionsparameter, Verarbeitungsschritte und abgeleiteten Felder. Zusätzlich ist eine irreversible Pseudonymisierung direkt in den Bereitstellungsprozess eingebettet: Identifikatoren werden mithilfe eines zusätzlichen geheimen Zufallswerts so gehasht, dass sie sich nicht auf einzelne Patientinnen und Patienten zurückführen lassen. Dies unterstützt die Umsetzung datenschutzrechtlicher Anforderungen nach DSGVO sowie Art. 27 des Bayerischen Krankenhausgesetzes (BayKrG).

Das Ergebnis sind reproduzierbare und direkt analysierbare Datensätze, die in einem transparenten und überprüfbaren Prozess entstehen. In Tests konnte die Verarbeitungsebene etwa 180.000 Datensätze pro Sekunde verarbeiten; die Pseudonymisierung führte dabei nur zu einem moderaten Mehraufwand von etwa 13–15 %. Auch komplexe Extraktionen über mehrere Datendomänen hinweg skalierten nahezu linear und zeigten in den Tests keine Fehler in Struktur oder Plausibilität.

Das Framework ist so aufgebaut, dass es sich auf andere Standorte übertragen lässt: Ein stabiler, übertragbarer Kern bleibt unverändert, während standortspezifische PDMS-Abfragen über eine begrenzte Adapterschicht angebunden werden können. Statt eine sofortige Angleichung an ein gemeinsames Datenmodell vorauszusetzen, schafft das Framework eine Grundlage, auf der Interoperabilität, beispielsweise über OMOP oder FHIR, schrittweise ergänzt werden kann. Zugleich erleichtert es den Aufbau datenschutzkonformer Datenpipelines, mit denen Routinedaten im klinischen Alltag für Forschungszwecke nutzbar gemacht werden können.

Publikation: Nikolas B. Schrader, Burkhard Meißner, Paul Fischer, Daniel Röder, Maximilian Ertl, Patrick Meybohm, Benedikt Schmid. Extraction and processing of intensive care chart data from a patient data management system. Front. Digit. Health 2026;8:1747227. doi:10.3389/fdgth.2026.1747227

Patient Blood Management bei intensivmedizinischen Patienten

Anämie ist bei Intensivpatienten sehr häufig und mit erhöhtem Transfusionsbedarf, längerem Aufenthalt und schlechteren Outcomes verbunden.

Schematische Darstellung der Risikofaktoren bei Patienten auf der Intensivstation, auf die Maßnahmen im Rahmen des Patient Blood Management abzielen, sowie deren potenzieller Nutzen

Die in „Intensive Care Medicine“ publizierte Übersichtsarbeit fasst die aktuelle Evidenz zu Patient-Blood-Management-Strategien (PBM) auf der Intensivstation zusammen.

PBM ist ein interdisziplinärer, evidenzbasierter Ansatz, der auf drei Säulen beruht: Anämiemanagement, Minimierung von Blutverlusten und evidenzbasierte Transfusionsstrategien.

Bei der Anämiebehandlung kann intravenöses Eisen das Hämoglobin sicher und klinisch relevant anheben, wobei der Effekt meist erst nach sieben bis 30 Tagen messbar wird. Erythropoetin - ein Hormon, das die Bildung roter Blutkörperchen im Knochenmark anregt - kann ebenso in ausgewählten Subgruppen den Transfusionsbedarf senken, sollte aber wegen unsicheren thromboembolischen Risikos individualisiert eingesetzt werden.

Um eine durch wiederholte Blutentnahmen verursachte Blutarmut (iatrogene Anämie) zu vermeiden, sollten kleinvolumige Blutentnahmeröhrchen und geschlossene Blutentnahmesysteme routinemäßig genutzt werden, um diagnostische Blutverluste zu reduzieren.

Für die Transfusion von Erythrozytenkonzentraten unterstützt die aktuelle Evidenz eine restriktive Strategie in den meisten klinischen Situationen, während eine liberalere Strategie bei Patienten mit akutem Typ-1-Myokardinfarkt oder Hirnverletzung sinnvoll sein könnte. Auch für Thrombozyten wird eine restriktive Strategie empfohlen: Prophylaktische Transfusionen sollten Hochrisikopatienten mit hämatologischen Erkrankungen vorbehalten bleiben, während bei anderen kritisch Kranken ein therapeutischer, blutungsorientierter Ansatz bevorzugt wird. Eine prophylaktische Gabe von gefrorenem Frischplasma (FFP) bei nicht blutenden Patienten wird durch die Evidenz nicht gestützt; FFP sollte schweren Blutungen oder Massivtransfusionen vorbehalten bleiben, idealerweise gesteuert durch viskoelastische Testung und Faktorkonzentrate.

Insgesamt fördert PBM eine sicherere und bedarfsgerechtere Versorgung kritisch kranker Patientinnen und Patienten. 

Publikation: Patrick Meybohm, David M. Baron, Dietmar Fries, Sigismond Lasocki, Alexander P. J. Vlaar, Kai Zacharowski & Suma Choorapoikayil. Patient blood management in general intensive care patients. Intensive Care Med 52, 1290–1305 (2026). https://doi.org/10.1007/s00134-026-08491-6

Schematische Darstellung der Risikofaktoren bei Patienten auf der Intensivstation, auf die Maßnahmen im Rahmen des Patient Blood Management abzielen, sowie deren potenzieller Nutzen
Unterbrechungen und Multitasking in der Anästhesiepflege: Kognitive Belastung und Workflow-Muster

Unterbrechungen und paralleles Arbeiten (Multitasking) sind relevante Belastungsfaktoren im Operationssaal.

Schaubild mit verschiedenen Icons, was ein Anästhesist alles erledigen muss

Bisherige Studien konzentrierten sich dabei überwiegend auf ärztliches Personal oder das gesamte OP-Team. Systematische Daten zur Anästhesiepflege fehlten bislang weitgehend.

Eine neue prospektive Beobachtungsstudie der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie des Universitätsklinikums Würzburg untersucht erstmals die Workflow-Struktur von Anästhesiepflegenden. Im Fokus stehen Arbeitsunterbrechungen, Multitasking sowie deren Zusammenhang mit Stresserleben, Fehlerpotenzial und Arbeitszufriedenheit.

In 30 Feldbeobachtungen wurden 19 Anästhesiepflegende des zentralen OP-Bereichs in Echtzeit beobachtet, mit einer Gesamtbeobachtungszeit von knapp 47,5 Stunden. Unterbrechungen machten lediglich 4 % der Gesamtarbeitszeit aus und dauerten im Schnitt 36 Sekunden. Sekundäraktivitäten entfielen auf 8,5 % der Zeit. Primäraktivitäten dominierten mit über 88 %, darunter vor allem Vorbereitungsarbeit und intraoperative Assistenz. Kommunikationsbedingte Unterbrechungen stellten mit 71 % die häufigste Form dar. Sie spiegeln die koordinative Kernrolle der Anästhesiepflegenden im perioperativen Umfeld wider. Auf subjektiver Ebene zeigte sich eine starke Korrelation zwischen wahrgenommenem Stress und Fehlerpotenzial.

Ergänzend liefert die Studie einen neuartigen Blick auf die physische Arbeitsbelastung. Anästhesiepflegende legten durchschnittlich über 514 Schritte pro Stunde zurück, was mehr als 4.100 Schritten pro 8-Stunden-Schicht entspricht.

Die Ergebnisse zeigen, dass Kommunikation und Koordination strukturelle Kernelemente der Anästhesiepflege sind. Strukturierte Kommunikationsprotokolle sowie gezielte Schutzzonen in kritischen Phasen wie der Narkoseeinleitung könnten vermeidbare Ablaufunterbrechungen reduzieren und Patientensicherheit sowie Mitarbeiterbelastung positiv beeinflussen.

Publikation: Hölzing CR, Heilgenthal P, Sellmann F, Meynhardt C, Grundgeiger T, Scheuchenpflug R, Meybohm P, Happel O. Interruptions and multitasking in anaesthesia nursing: a prospective observational study of cognitive strain and workflow patterns. BMJ Open Quality 2026;15:e003972. doi:10.1136/bmjoq-2025-003972

 

Schaubild mit verschiedenen Icons, was ein Anästhesist alles erledigen muss
Wer bekommt welche Blutprodukte?

Blutprodukte wie Erythrozytenkonzentrate (RBC), Plasma und Thrombozyten sind zentrale Ressourcen in der perioperativen Versorgung. Wie häufig einzelne Blutkomponenten eingesetzt werden, und in welchen Kombinationen, variiert jedoch stark.

Eine neue Auswertung einer prospektiven, multizentrischen Follow-up-Studie zeigt nun, welche Blutprodukte bei anästhesiologischen Patientinnen und Patienten im Krankenhausalltag tatsächlich verabreicht werden, welche Kombinationsmuster dominieren und dass sich Patientinnen und Patienten anhand ihres perioperativen Blutproduktbedarfs in drei klar unterscheidbare Transfusionsprofile einteilen lassen. Besonders relevant: In der kleinen Gruppe mit sehr hohem Blutproduktbedarf war ein gezielt eingesetztes Patient Blood Management (PBM) mit einer Reduktion eines kombinierten Endpunkts aus Sterblichkeit und schwerwiegenden Komplikationen assoziiert.

Rund jede/r Zehnte erhält Blutprodukte – Erythrozytenkonzentrate bleiben das häufigste Produkt

Von 1.125.244 eingeschlossenen anästhesiologischen Patientinnen und Patienten erhielten 119.369 (10,6%) während des Krankenhausaufenthalts mindestens ein Blutprodukt. Im Zeitraum 2010 bis 2019 war das mit Abstand am häufigsten verabreichte Blutprodukt das Erythrozytenkonzentrat. Die Kombinationsmuster sind unter diesem Link interaktiv aufbereitet:
wue-ains.shinyapps.io/blood-products/

Drei Profile – große Unterschiede beim Blutproduktbedarf

Die Auswertung identifizierte drei klar unterscheidbare Transfusionsprofile bei anästhesiologischen Patientinnen und Patienten: ein niedriges Profil mit sehr seltenem Bedarf an Blutprodukten, ein moderates Profil mit vor allem Erythrozytentransfusionen und ein hohes Profil mit komplexen Mehrkomponenten-Transfusionen.

Im niedrigen Profil traten Krankenhaussterblichkeit und schwere postoperative Komplikationen insgesamt selten auf; ein zusätzlicher Nutzen durch Patient Blood Management (PBM) war hier nicht erkennbar. Das moderate Profil diente als Vergleichsgruppe und zeigte einen regelmäßigeren, aber meist überschaubaren Transfusionsbedarf.

Das hohe Profil umfasste die Hochrisikopatientinnen und -patienten, typischerweise aus Eingriffen mit großem Blutungs- und Gerinnungsmanagement-Bedarf. Hier wurden häufig Kombinationen aus Erythrozyten, Plasma und Gerinnungsfaktoren eingesetzt. In dieser Gruppe war das Risiko für unerwünschte Ereignisse deutlich erhöht – zugleich zeigte sich gerade hier der wichtigste Befund: Gezielt eingesetzte PBM-Maßnahmen waren mit einer messbaren Reduktion von Sterblichkeit und schweren Komplikationen verbunden.

Publikation: Rumpf, Florian, Suma Choorapoikayil, Lotta Hof, Denana Mehic, Philipp Helmer, Benedikt Schmid, Kai Zacharowski, Patrick Meybohm, and German Patient Blood Management Network Collaborators. 2026. "Who Needs Most? Multicenter Subanalysis of Blood Transfusion Profiles in the German Patient Blood Management Network Registry" Journal of Clinical Medicine 15, no. 5: 1759. https://doi.org/10.3390/jcm15051759

 

Extrakorporale Zytokin-Elimination bei Patienten im septischen Schock

Der septische Schock ist durch eine Dysregulation des Immunsystems gekennzeichnet. Trotz erheblicher Fortschritte in Forschung und Intensivmedizin liegt die Sterblichkeit in Europa weiterhin bei etwa 40 %.

Grafik, mit zwei Kurven  (unspezfisches Immunsystem, persistierende Inflammation - Spezfisches Immunsystem - Immunsuppression
Schemazeichnung der Immunantwort im septischen Schock. Der CytoSorb Filter blieb in der randomisiert-kontrollierten Studie ohne Einfluss auf das Erreichen der Immunhomöostase. SIRS, systemic inflammatory response syndrome. CARS, Compensatory Anti-inflammatory Response Syndrome.

Um das Gleichgewicht zwischen entzündungsfördernden und entzündungshemmenden Prozessen wiederherzustellen, steht in der klinischen Praxis die extrakorporale Hämoadsorption (z.B. mit dem CytoSorb Zytokin-Filter) zur Verfügung. Ziel dieses Verfahrens ist es, überschüssige Mediatoren aus dem Blut zu filtern und so Organschäden zu begrenzen. Da der tatsächliche klinische Nutzen bisher wissenschaftlich umstritten war, hat nun die AG Notz der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie am Universitätsklinikum Würzburg die Effekte in einer prospektiven, randomisierten kontrollierten Studie untersucht.

In die Studie konnten 31 Intensivpatientinnen und -patienten mit septischem Schock und Hyperinflammation (Interleukin-6 > 500 pg/mL) eingeschlossen werden. Die Teilnehmenden wurden entweder einer Kontrollgruppe (Standardtherapie nach Sepsis-Leitlinien) oder einer Interventionsgruppe (Standardtherapie plus CytoSorb-Anwendung) zugeteilt.

Die Ergebnisse der Studie liefern wichtige Erkenntnisse für die Intensivmedizin:

  • Keine Reduktion des Bedarfs an Vasopressoren: Der Einsatz der extrakorporalen Zytokin-Elimination führte nicht zu einer Verringerung der benötigten Kreislaufunterstützung. Im Gegenteil: Der Vasopressor-Bedarf pro Stunde war in der Interventionsgruppe signifikant höher als in der Kontrollgruppe.
  • Keine messbaren Effekte auf das Immunsystem: Weder die Zytokin-Spiegel im Blut noch die Anzahl und Aktivität zentraler Immunzellen wurden durch die Behandlung maßgeblich verändert.
  • Sicherheit und Nutzen: Die Studie konnte keine klinischen Vorteile durch den frühen Einsatz des Verfahrens feststellen und lieferte stattdessen Hinweise auf mögliche schädliche Effekte. Die Überlebensrate nach 48 und 72 Stunden war in der Kontrollgruppe signifikant höher als in der Interventionsgruppe Gruppe (48 h: 100 % vs. 64 %; 72 h: 94 % vs. 57 %). Aufgrund der kleinen Fallzahl ist dieses explorative Ergebnis allerdings mit Vorsicht zu interpretieren.

Zusammenfassend zeigt die Studie, dass die Anwendung der extrakorporalen Zytokin-Elimination im septischen Schock den Krankheitsverlauf wahrscheinlich nicht verbessert und die Immunantwort nicht messbar moduliert. Die extrakorporalen Hämoadsorption sollte daher im septischen Schock aus Sicht der Autoren nicht angewendet werden.

 

Publikation: Lotz C, Heckelmann J, Lendzian C, Herrmann J, Haack B, Gieselmann M, Wedekink F, Röder D, Schlegel N, Meybohm P, Wischhusen J, Notz Q. Clinical and Immunologic Effects of Extracorporeal Cytokine Removal in Patients with Septic Shock: A Randomized Controlled Trial. Shock. 2026 Apr 1;65(4):637-647. doi: 10.1097/SHK.0000000000002802. Epub 2026 Feb 4. PMID: 41670614; PMCID: PMC13023102.

 

 

Grafik, mit zwei Kurven  (unspezfisches Immunsystem, persistierende Inflammation - Spezfisches Immunsystem - Immunsuppression
Schemazeichnung der Immunantwort im septischen Schock. Der CytoSorb Filter blieb in der randomisiert-kontrollierten Studie ohne Einfluss auf das Erreichen der Immunhomöostase. SIRS, systemic inflammatory response syndrome. CARS, Compensatory Anti-inflammatory Response Syndrome.
Telemedizin auf Intensivstationen: Großer Forschungsbedarf trotz Potenzial

Telemedizinische Konzepte – etwa die Fernüberwachung von Patientinnen und Patienten, digitale Datenübertragung und die Beratung durch Spezialisten aus der Ferne – gelten als wichtige Bausteine, um den Herausforderungen steigender Patientenzahlen, zunehmender Spezialisierung und Fachkräftemangel gerecht zu werden.

Zwei Mitarbeitende der Anästhesiologie stehen an einem Tele-Intensivmedizin-Wagen vorm Monitor
Das UKW bringt seine Expertise in evidenzbasierter Medizin in das bundesweite Universitäre Telemedizin-Netzwerk (UTN) ein und arbeitet zugleich bereits an der praktischen Umsetzung der Tele-Intensivmedizin im Klinikalltag – zum Beispiel im Rahmen eines Pilotprojekts zur strukturierten telemedizinischen Visite für regionale Krankenhäuser. © Kim Sammet / UKW

Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit unter Leitung des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) im Rahmen des vom Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) geförderten Projekts UTN (Universitäres Telemedizin-Netzwerk) zeigt: Telemedizin auf Intensivstationen hat zwar ein erhebliches Potenzial, doch die wissenschaftliche Evidenz für konkrete patientenrelevante Vorteile ist bislang nicht eindeutig belegt 

In der in PLOS Digital Health veröffentlichten Übersichtsarbeit wurden 26 kontrollierte Studien mit über zwei Millionen intensivmedizinischen Fällen analysiert. Dabei zeigte sich, dass die vorhandenen Studien hinsichtlich Methodik, untersuchter Modelle und Messgrößen sehr unterschiedlich sind, sodass eine quantitative Zusammenfassung (Meta-Analyse) nicht möglich war. Wichtige Fragen – etwa zu Auswirkungen auf Sterblichkeit, Aufenthaltsdauer oder Lebensqualität – bleiben daher offen. 

Die Autorinnen und Autoren betonen, dass nicht nur die technische Umsetzung, sondern vor allem methodisch hochwertige, patientenzentrierte Studien benötigt werden, um den wirklichen Nutzen der Tele-Intensivmedizin zu klären und die effektivsten Modelle zu identifizieren. 

Weitere Informationen, auch zur Expertise in Tele-Intensivmedizin der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie liefert die Pressemeldung

Publikation
Tamara Pscheidl, Carina Benstoem, Kelly Ansems, Lena Saal-Bauernschubert, Anne Ritter, Ana-Mihaela Zorger, Karolina Dahms, Sandra Dohmen, Eva Steinfeld, Julia Dormann, Claire Iannizzi, Nicole Skoetz, Heidrun Janka, Maria-Inti Metzendorf, Carla Nau, Miriam Stegemann, Patrick Meybohm, Falk von Dincklage, Sven Laudi, Falk Fichtner, Stephanie Weibel. Telemedicine in adult intensive care: A systematic review of patient-relevant outcomes and methodological considerations. PLOS Digit Health. 2025 Dec 15;4(12):e0001126. https://doi.org/10.1371/journal.pdig.0001126

Zwei Mitarbeitende der Anästhesiologie stehen an einem Tele-Intensivmedizin-Wagen vorm Monitor
Das UKW bringt seine Expertise in evidenzbasierter Medizin in das bundesweite Universitäre Telemedizin-Netzwerk (UTN) ein und arbeitet zugleich bereits an der praktischen Umsetzung der Tele-Intensivmedizin im Klinikalltag – zum Beispiel im Rahmen eines Pilotprojekts zur strukturierten telemedizinischen Visite für regionale Krankenhäuser. © Kim Sammet / UKW