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Tumorgröße und USP8-Genstatus beeinflussen Rückfallrisiko nach Operation bei Morbus Cushing

Morbus Cushing ist eine seltene hormonelle Erkrankung, bei der der Körper zu viel des Stresshormons Cortisol produziert. Meist ist ein gutartiger Tumor der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) die Ursache. Er steigert die Ausschüttung des Hormons ACTH, wodurch die Nebennieren zu einer übermäßigen Cortisolproduktion angeregt werden.

Ein roter Pfeil auf der MRT-Aufnahme zeigt auf einen ebenfalls in rot eingekreisten Tumor.
Das MRT-Bild zeigt einen großen malignen Morbus-Cushing-Tumor. © UKW
Collage mit Porträts der Wissenschaftler, die beide einen weißen Kittel tragen
Aus Würzburg waren Prof. Dr. Martin Fassnacht, Leiter der Endokrinologie und Diabetologie, sowie PD Dr. Silviu Sbiera, Leiter des Forschungsbereichs der Endokrinologie, an der Studie beteiligt. © UKW

Die wichtigste Behandlungsmethode ist eine Hypophysenoperation. Warum aber manche Betroffene nach einer zunächst erfolgreichen Operation ein Rezidiv entwickeln, war bislang jedoch unklar. Es gab bislang keine verlässlichen Prädiktoren für den Langzeitverlauf. 

In einer retrospektiven Längsschnittstudie untersuchte ein internationales Team, an dem auch die Würzburger Endokrinologie beteiligt war, ob der USP8-Status den postoperativen Verlauf beeinflusst. Mutationen im USP8-Gen, das den Bauplan für ein Enzym liefert, welches verschiedene Signalwege in der Tumorzelle reguliert und unter anderem das Wachstum von Zellen und die Hormonproduktion beeinflusst, stehen im Verdacht, das Rezidivrisiko zu beeinflussen. 

Die Studie, die u. a. von der DFG gefördert wurde, umfasste die Auswertung der Daten von 435 Patientinnen und Patienten, die zwischen 1989 und 2024 in einem der acht teilnehmenden Zentren in Ostasien, Europa und Nordamerika erstmals operiert worden waren. Pathogene USP8-Varianten wurden in 195 Fällen (45 %) nachgewiesen. Bei 66 (18 %) der 371 Patientinnen und Patienten, die unmittelbar nach der Operation eine Remission erreicht hatten, trat ein Rezidiv auf.

Das Rezidivrisiko hing jedoch nicht nur vom USP8-Status, sondern auch von der Tumorgröße ab. Das geringste Risiko für einen Rückfall hatten Patientinnen und Patienten mit kleinen Tumoren ohne eine Veränderung im USP8-Gen. Dagegen war das Risiko deutlich höher, wenn der Tumor eine USP8-Veränderung aufwies – unabhängig davon, ob es sich um einen kleinen oder großen Tumor handelte. Das höchste Rückfallrisiko hatten Patientinnen und Patienten mit großen Tumoren ohne USP8-Veränderung.

Diese Ergebnisse zeigen, dass eine genetische Untersuchung des entfernten Tumorgewebes wertvolle zusätzliche Informationen für die Nachsorge liefern kann. Sie könnte besonders hilfreich für Patientinnen und Patienten sein, die nach der Operation zunächst als wenig gefährdet gelten, bei denen aufgrund genetischer Veränderungen jedoch ein erhöhtes Rückfallrisiko besteht.

Die Einführung einer kombinierten genetisch-klinischen Risikostratifizierung könnte deshalb eine genauere Einschätzung des individuellen Rezidivrisikos ermöglichen, Patientinnen und Patienten mit erhöhtem Rückfallrisiko identifizieren und damit langfristig zu einer personalisierten Nachsorge bei Morbus Cushing beitragen.

Publikation: Qilin Zhang, Yixin Cai, Yuyu Liu, Boyuan Yao, Prajina Sharma, Elisabeth Ruoff, Zengyi Ma, Stephanie Zopp, Yue Wu, Ana Paula Abreu, Shuo Zhang, Maria A Tichomirowa, Yi Wang, Günter Stalla, Nidan Qiao, Zhao Ye, Felicia A Hanzu, Hong Chen, Michael Buchfelder, Zhenwei Yao, Jörg Flitsch, Yiming Li, Jun Thorsteinsdottir, Yongfei Wang, Isabella Nasi-Kordhishti, Hongying Ye, Jürgen Honegger, Silviu Sbiera, Ursula B Kaiser, Martin Fassnacht, Zhaoyun Zhang, Martin Reincke, Marily Theodoropoulou, Yao Zhao, Luis Gustavo Perez-Rivas. Risk of recurrence after successful surgery for Cushing's disease and association with USP8 genotype and tumour size: an international, retrospective, longitudinal cohort study. The Lancet Diabetes & Endocrinology, Volume 14, Issue 4, 2026, Pages 327-336, ISSN 2213-8587, https://doi.org/10.1016/S2213-8587(25)00396-1.

Ein roter Pfeil auf der MRT-Aufnahme zeigt auf einen ebenfalls in rot eingekreisten Tumor.
Das MRT-Bild zeigt einen großen malignen Morbus-Cushing-Tumor. © UKW
Collage mit Porträts der Wissenschaftler, die beide einen weißen Kittel tragen
Aus Würzburg waren Prof. Dr. Martin Fassnacht, Leiter der Endokrinologie und Diabetologie, sowie PD Dr. Silviu Sbiera, Leiter des Forschungsbereichs der Endokrinologie, an der Studie beteiligt. © UKW
Chronischer Hypoparathyreoidismus: Beschwerden trotz guter Laborwerte

Der chronische Hypoparathyreoidismus (HypoPT) ist eine Unterfunktion der Nebenschilddrüsen. Bei dieser seltenen Erkrankung produziert der Körper zu wenig Parathormon, wodurch der Kalzium- und Phosphathaushalt gestört wird.

Die Standardbehandlung besteht meist aus Kalzium und aktivem Vitamin D. Dennoch berichten viele Betroffene trotz scheinbar guter Blutwerte über anhaltende Beschwerden.

Um ein umfassenderes Bild davon zu erhalten, wie die Erkrankung das Leben der Betroffenen beeinflusst untersuchte eine Studie unter der Leitung von Stefanie Hahner und Carmina Fuss, wie Menschen mit HypoPT ihre Gesundheit und Lebensqualität erleben und welche Komplikationen im Alltag auftreten. Dazu wurden Patientinnen und Patienten aus mehreren spezialisierten Zentren in Deutschland befragt. Neben medizinischen Daten wurden auch die subjektive Gesundheit, die Leistungsfähigkeit im Alltag, Beschwerden und bereits aufgetretene Folgeerkrankungen erfasst. 

Die Ergebnisse zeigen, dass viele Betroffene ihre Gesundheit als eingeschränkt empfinden. Häufig genannt wurden Müdigkeit, Erschöpfung, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme sowie Muskelbeschwerden. Viele berichteten außerdem, dass sie sich im Berufs- und Privatleben weniger belastbar fühlen und ihre Lebensqualität durch die Erkrankung beeinträchtigt ist. Auffällig war, dass diese Beschwerden auch bei Patientinnen und Patienten vorkamen, deren Blutwerte im empfohlenen Bereich lagen. Das deutet darauf hin, dass die übliche Behandlung zwar den Kalziumspiegel stabilisieren kann, die Erkrankung aber nicht immer vollständig ausgleicht. 

Ein überraschendes Ergebnis betrifft die Psyche: Angst scheint ein zentrales Symptom des chronischen Hypoparathyreoidismus zu sein. Da die erhöhte Angstbelastung auch im Vergleich zu Menschen nach Schilddrüsenoperation ohne Hypoparathyreoidismus nachweisbar war, spricht vieles dafür, dass sie zumindest teilweise eine Folge des fehlenden Parathormons und nicht nur der chronischen Erkrankung ist.

Darüber hinaus zeigte die Studie, dass Komplikationen wie Nierensteine, Nierenverkalkungen oder eine eingeschränkte Nierenfunktion vergleichsweise häufig auftreten. Auch deshalb betonen die Autorinnen und Autoren, dass Menschen mit chronischem Hypoparathyreoidismus regelmäßig kontrolliert werden sollten – nicht nur anhand der Laborwerte, sondern auch im Hinblick auf ihr Wohlbefinden und mögliche Langzeitfolgen. Eine individuelle Betreuung und regelmäßige Nachsorge können dazu beitragen, die Versorgung von Menschen mit dieser seltenen Erkrankung weiter zu verbessern.

Publikation: Carmina T. Fuss, Sarah Engbers, Nicole Reisch, Anke Hannemann, Henry Völzke, Hans J. Grabe, Matthias Nauck, Michael Droste, Holger S. Willenberg, Nada Rayes, Martin Fassnacht, Marcus Quinkler 
Stefanie Hahner. Subjective health status, life performance and complications in chronic hypoparathyroidism - a German multicenter survey. Front Endocrinol (Lausanne). 2026 Mar 31;17:1723640. doi: 10.3389/fendo.2026.1723640

ENSAT-Studie untersucht Prognose und Behandlung der vier ACC-Subtypen

Seit 2022 unterscheidet die Weltgesundheitsorganisation WHO vier verschiedene Unterformen des adrenokortikalen Karzinoms (ACC), zu Deutsch Nebennierenkrebs: den klassischen Typ, den onkozytären Typ, den myxoiden Typ und den sarkomatoiden Typ.

Bislang waren die Unterschiede in der Prognose zwischen diesen Subtypen noch nicht klar. Deshalb untersuchte ein Studienteam des Europäischen Netzwerks zur Erforschung von Nebennierentumoren (ENSAT) unter der Leitung von Otilia Kimpel und Martin Fassnacht in einer multizentrischen Studie nicht nur die Unterschiede bei den Behandlungsergebnissen, sondern auch beim klinischen Management von Patientinnen und Patienten mit verschiedenen ACC-Subtypen.

Dafür werteten die Forschenden die Daten von insgesamt 1.315 Patientinnen und Patienten aus Würzburg, aber auch einigen anderen europäischen Krebszentren aus. Der Großteil hatte den klassischen Tumortyp, während die anderen Unterformen deutlich seltener waren. Verglichen wurden unter anderem die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls nach einer vollständigen Operation, die Lebenserwartung und das Ansprechen auf verschiedene Therapien. 

Patientinnen und Patienten mit dem onkozytären ACC hatten eine deutlich bessere Prognose als alle anderen Gruppen. Selbst wenn Alter, Geschlecht und Tumorstadium berücksichtigt wurden, trat bei ihnen seltener ein Rückfall auf und sie lebten insgesamt länger. Das bedeutet, dass der günstigere Verlauf nicht einfach dadurch erklärt werden kann, dass diese Tumoren früher entdeckt wurden, sondern offenbar mit den biologischen Eigenschaften dieser Tumorart zusammenhängt. 

Für die beiden anderen seltenen Unterformen – den myxoiden und den sarkomatoiden Typ – konnte dagegen kein klarer Unterschied zur klassischen Form nachgewiesen werden. Allerdings waren diese Tumoren so selten, dass nur sehr wenige Fälle untersucht werden konnten. Deshalb lassen sich daraus keine sicheren Aussagen ableiten. 

Ein weiterer interessanter Befund betrifft Patientinnen und Patienten mit bereits metastasiertem onkozytärem ACC. Das Medikament Mitotan, das zur Standardbehandlung gehört, wirkte bei ihnen ähnlich gut wie beim klassischen ACC. Außerdem gab es Hinweise darauf, dass eine platinhaltige Chemotherapie das Fortschreiten der Erkrankung möglicherweise länger aufhalten könnte. 

Fazit: Die Studie zeigt, dass nicht alle Nebennierenrindenkarzinome gleich sind. Besonders die onkozytäre Variante scheint insgesamt weniger aggressiv zu sein und geht mit besseren Überlebenschancen einher. Für Betroffene ist das eine wichtige Information, weil sie bei der Einschätzung der Prognose und möglicherweise auch bei zukünftigen Therapieentscheidungen berücksichtigt werden kann.

Publikation: O. Kimpel, D. Cosentini, A. Calabrese, A. Jouinot, B. Altieri, S. Kircher, G. Di Dalmazi, Y.S. Elhassan, D. Vassiliadi, K. Chrysoula, S. Puglisi, K. Coscia, N.V. Gallego, P. Loli, M. Boudina, M. Lagana, V. Cremaschi, D. Pignatelli, E. Rios, C.A. Villavicencio, T.J. McKenzie, N. Rayes, C.L. Ronchi, I. Bancos, M. Terzolo, A. Berruti, G. Assié, M. Kroiss, M. Fassnacht. Current clinical management and outcome of patients with adrenal cortical carcinoma (ACC) with rare histological subtypes—an ENSAT cohort study, ESMO Open, Volume 11, Issue 3, 2026, 106092, ISSN 2059-7029, https://doi.org/10.1016/j.esmoop.2026.106092.

Belzutifan bei fortgeschrittenem Phäochromozytom oder Paragangliom

In einer internationalen Phase-2-Studie, an der auch das UKW beteiligt war, wurde untersucht, wie gut das Medikament Belzutifan bei Menschen mit fortgeschrittenem oder nicht mehr operablem Phäochromozytom und Paragangliom wirkt.

Das Phäochromozytom und das Paragangliom sind gutartige Wucherungen in der Nebennierenrinde bzw. in den Nebennierenmark-Zellen. Diese Tumoren produzieren häufig Hormone, die den Blutdruck stark steigern, und sind schwierig zu kontrollieren, wenn sie sich bereits ausgebreitet haben. Die meisten Fälle von metastasiertem Phäochromozytom und Paragangliom werden durch eine Fehlregulation des Hypoxie-induzierbaren Faktors 2α (HIF-2α) verursacht. Belzutifan kann bei Patienten mit bestimmten Blutkrankheiten die Wirkung von Tumoren verringern.

Die Ergebnisse zeigen, dass rund ein Viertel der insgesamt 72 Patientinnen und Patienten, die an der Studie teilnahmen, eine deutliche Tumorverkleinerung erlebte und 85 % der Teilnehmenden zumindest ein dauerhaftes Stillstehen der Krankheit erreichten – also ohne Fortschreiten über längere Zeit stabil blieben. Die mediane Ansprechdauer betrug 20,4 Monate mit einer medianen progressionsfreien Überlebensdauer von 22,3 Monaten. Nach zwei Jahren lebten noch etwa 76 % der Teilnehmenden.

Ein weiterer interessanter Befund war, dass bei einem Drittel derjenigen, die Bluthochdruckmedikamente benötigten, die Dosis nach Beginn der Behandlung deutlich reduziert werden konnte – ein Hinweis darauf, dass Belzutifan auch den hormonellen Einfluss der Tumoren günstig beeinflusst. 

Nebenwirkungen traten häufig auf – fast alle Teilnehmenden (11%) berichteten über unerwünschte Effekte. Acht Teilnehmer hatten behandlungsbedingte schwerwiegende Nebenwirkungen. Allerdings sind diese Nebenwirkungen im Vergleich zu anderen Medikamenten, die für das metastasierte Phäochromozytom eingesetzt werden, eher weniger beeinträchtigend. 

Insgesamt deutet diese Studie darauf hin, dass Belzutifan eine wirksame und dauerhafte Behandlungsoption für Menschen mit fortgeschrittenem Phäochromozytom oder Paragangliom sein kann, für die es bislang nur begrenzt wirksame Therapien gab.

 

Publikation
Camilo Jimenez, Mikkel Andreassen, Alice Durand, Sophie Moog, Andrew Hendifar, Staffan Welin, Francesca Spada, Rohini Sharma, Edward Wolin, Joseph Ruether, Rocio Garcia-Carbonero, Martin Fassnacht, Jaume Capdevila, Jaydira Del Rivero, Othon Iliopoulos, Olivier Huillard, Raymond Jang, Knut Mai, Elena Artamonova, Andreas Hallqvist, Tobias Else, Amos Odeleye-Ajakaye, Alexander Gozman, Girish S Naik, Alfredo Berruti 26; LITESPARK-015 Investigators. Belzutifan for Advanced Pheochromocytoma or Paraganglioma. N Engl J Med. 2025 Nov 20;393(20):2012-2022. doi: 10.1056/NEJMoa2504964. Epub 2025 Oct 18. PMID: 41124218.
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Agouti-related Peptide: Ein vielversprechender Biomarker bei Nebennierenkarzinomen

Das Nebennierenkarzinom (ACC für adrenocortikales Carcinom) ist eine seltene, häufig aber aggressive Krebserkrankung. Im Gegensatz zu anderen Tumorentitäten gibt es für das ACC bislang keine zuverlässigen Biomarker, um den klinischen Verlauf vorherzusagen.

Mikroskopische Aufnahmen aus der Endokrinologie von Nebenniere, Adenom und Karzinom.
Repräsentative Bilder einer normalen Nebenniere, eines Cortisol-produzierenden Adenoms und eines Nebennierenrindenkarzinoms. ACA, Nebennierenrindenadenom; ACC, Nebennierenrindenkarzinom; c, Rinde; CPA, Cortisol produzierendes Adenom; m, Mark; NAG, normale Nebenniere; zf, Zona fasciculata; zg, Zona glomerulosa; zr, Zona reticularis. Quelle: Eur J Endocrinol, Volume 193, Issue 5, November 2025, Pages 604–612, https://doi.org/10.1093/ejendo/lvaf226

Ein möglicher Kandidat hierfür, das Agouti-related Peptide (AgRP), ein appetitanregendes Neuropeptid des Hypothalamus, wird auch von der Nebenniere produziert. Seine Expression in Nebennierentumoren war jedoch bislang unklar. 

In einer groß angelegten Würzburger Querschnittsanalyse untersuchte ein Team der Endokrinologie die AgRP-Spiegel in Gewebe und Plasma von Patientinnen und Patienten mit ACC, gutartigen Nebennierentumoren (Adenome) und anderen malignen Erkrankungen.

Dabei zeigte sich, dass bei Patientinnen und Patienten mit ACC im Vergleich zu Adenomen und anderen Krebsarten deutlich höhere AgRP-Werte gemessen wurden, sowohl im Tumorgewebe als auch im Blut.

Besonders interessant war, dass hohe AgRP-Werte eng mit der Tumorlast zusammenhingen: Je größer der Tumor oder je mehr Metastasen vorhanden waren, desto höher war auch der AgRP-Spiegel im Blut. Außerdem hatten Betroffene mit erhöhten AgRP-Werten insgesamt eine schlechtere Prognose – die Erkrankung schritt schneller voran und die Überlebenszeit war kürzer.

Die starke Assoziation mit der Tumorlast und der Prognose unterstreicht das Potenzial von AgRP als Biomarker bei ACC, um den Schweregrad der Erkrankung besser einzuschätzen, Therapien gezielter zu planen und möglicherweise auch in der Tumornachsorge. Weitere Studien sind allerdings notwendig und bereits in Planung, bevor dieser Marker routinemäßig in der klinischen Praxis eingesetzt werden kann.

Publikation
Mario Detomas, Lisa R Kagan, James F H Pittaway, Marc P Schauer, Simon Kloock, Niklas Geiger, Otilia Kimpel, Martin Fassnacht, Barbara Altieri, Ulrich Dischinger, Agouti-related peptide: a promising prognostic biomarker in adrenocortical carcinoma. Results from a large single-centre cross-sectional analysis, European Journal of Endocrinology, Volume 193, Issue 5, November 2025, Pages 604–612, https://doi.org/10.1093/ejendo/lvaf226

Mikroskopische Aufnahmen aus der Endokrinologie von Nebenniere, Adenom und Karzinom.
Repräsentative Bilder einer normalen Nebenniere, eines Cortisol-produzierenden Adenoms und eines Nebennierenrindenkarzinoms. ACA, Nebennierenrindenadenom; ACC, Nebennierenrindenkarzinom; c, Rinde; CPA, Cortisol produzierendes Adenom; m, Mark; NAG, normale Nebenniere; zf, Zona fasciculata; zg, Zona glomerulosa; zr, Zona reticularis. Quelle: Eur J Endocrinol, Volume 193, Issue 5, November 2025, Pages 604–612, https://doi.org/10.1093/ejendo/lvaf226
Stoffwechselhormone und Entzündungsmarker nach einem Roux-en-Y-Magenbypass bei Menschen und Nagetieren

Bei hochgradiger Adipositas (in der Regel BMI > 40kg/m²) ist die bariatrische Operation eine besonders effektive Behandlung zur Gewichtsreduktion, beispielsweise der Roux-en-Y Magenbypass (RYGB).

Durch die Operation kommt es zu durchgreifenden Änderungen diverser endogener Stoffwechselhormone, sowie zu einem Rückgang der systemischen Entzündung, mit nachhaltigen Auswirkungen auf Adipositas-assoziierte Komorbiditäten. Eine genaue Kenntnis über die Vergleichbarkeit von hormonellen Veränderungen des Stoffwechsels zwischen Menschen und Versuchstieren (hier Ratten) ist eine Grundvoraussetzung für den sinnvollen Einsatz von Tierversuchen, die unterschiedliche Physiologie ist jedoch nicht ausreichend erforscht.

Ein Team der Würzburger Universitäts-Endokrinologie und Chirurgie untersuchte 20 stark übergewichtige Personen vor und ein Jahr nach einer RYGB-Operation sowie übergewichtige Ratten sieben Wochen nach einem entsprechenden Eingriff. In den Blutproben wurden verschiedene metabolische Hormone, Entzündungsmarker und Aminosäuren mit verschiedenen Messmethoden bestimmt.

Ein Jahr nach der Operation sanken beim Menschen vor allem die Nüchternspiegel von Insulin und Leptin, passend zur Besserung der Insulinsensitivität sowie der Abnahme der Körperfettmasse. Unerwartet fielen bei Menschen auch die appetithemmenden Hormone GLP-1 und PYY nach der Operation ab, während sie bei den Ratten anstiegen. Es ist davon auszugehen, dass die Effekte dieser Hormone eher postprandial, also nach dem Essen, von Bedeutung sind, darüber hinaus werden im Laufe der Zeit regulatorische Mechanismen neu justiert. Entzündungsmarker wie IL-6 und MCP-1 gingen beim Menschen deutlich zurück, was auf die entzündungshemmende Wirkung des Eingriffs hinweist. Dies ist vor allem für die Gesundheit, beispielsweise für das Herz-Kreislauf- und Stoffwechselsystem, relevant. Bei Ratten war dieser Effekt allerdings nicht festzustellen.

Die Forscher beschäftigten sich auch mit der Frage, ob anhand von Nüchternspiegeln diverser Stoffwechselhormone Patientinnen und Patienten identifiziert werden können, die besonders von einer solchen Operation profitieren würden. Patientinnen und Patienten mit höheren GLP-1-Werten vor der OP verloren tendenziell mehr Gewicht. Daher könnte das Hormon als prognostischer Marker dabei helfen, im Voraus einzuschätzen, wer besonders gut auf die Operation anspricht. Die essentielle Aminosäure Leucin zeigte eine positive Korrelation mit dem GLP-1-Wert nach zwölf Monaten bei Menschen, jedoch nicht bei Ratten. Eine gesonderte Ergänzung der Nahrung mit dieser Aminosäure könnte daher sinnvoll sein.

Insgesamt zeigt die Studie, dass der Magenbypass nicht nur zu einer Gewichtsreduktion führt, sondern auch tiefgreifende hormonelle und entzündungsbezogene Veränderungen auslöst. Diese verlaufen beim Menschen teils anders als im Tiermodell. Die Unterschiede zwischen Mensch und Tiermodell, insbesondere hinsichtlich der Entzündungsreaktion, zeigen einmal mehr, dass Tierdaten nur mit Vorsicht auf Menschen übertragen werden können.

Simon Kloock, Lukas Scheller, Julia Hasinger, Ilja Balonov, Max Kurlbaum, Martin Fassnacht, Ann-Cathrin Koschker, Florian Seyfried, Ulrich Dischinger. In-depth analysis of metabolic hormones and inflammatory markers following Roux-en-Y gastric bypass in humans and rodents: similarities and differences. Diabetes Research and Clinical Practice. Volume 229, 2025, 112923, ISSN 0168-8227, https://doi.org/10.1016/j.diabres.2025.112923.

Parakrine und endokrine Kommunikation zwischen Nebenniere und Fettgewebe bei primärem Hyperaldosteronismus

Beim primären Hyperaldosteronismus (Conn Syndrom) handelt es sich um eine hormonelle Erkrankung, bei welcher der Körper zu viel Aldosteron produziert. Aldosteron spielt eine wichtige Rolle in der Regulation des Blutdrucks, Salz- und Flüssigkeitshaushalts.

Collage aus zwei Porträts der beiden Hauptautoren im weißen Kittel.
PD Dr. Ulrich Dischinger (links) und Dr. Simon Kloock sind die Hauptautoren der Studie.

Eine Überproduktion von Aldosteron führt zu Bluthochdruck und erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen. Das Fettgewebe ist in diesen Prozessen nicht nur als Energiespeicher involviert, sondern auch als direkter Wirkort von Aldosteron. Obwohl die Nebenniere komplett von einem Fettdepot umgeben ist, ist bei primärem Hyperaldosteronismus die Wechselwirkung zwischen der Nebenniere und dem Fettgewebe noch nicht gut untersucht.

Um zu verstehen, wie Tumor- und Fettgewebe miteinander kommunizieren – sowohl durch lokal (parakrin) wirkende Stoffe als auch durch Hormone, die über das Blut (endokrin) wirken – untersuchten Forschende der Endokrinologie an der Universität Würzburg in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Leipzig, ob und wie sich das Fettgewebe rund um die Nebennieren und unter der Haut bei Patientinnen und Patienten mit einem Aldosteron-produzierenden Adenom (APA), also einem gutartigen hormonaktiven Tumor der Nebenniere, im Vergleich zu Menschen mit einem gutartigen nicht-funktionalen Nebennierentumor (NFA) verhält. 

Zunächst analysierten sie, welche Gene in den Fettzellen unterschiedlich exprimiert wurden. Mit immunhistochemischen Methoden untersuchten sie zudem, wie stark bestimmte Proteine (z. B. Leptin, Adiponectin oder Signalproteine) in den Fettzellen ausgeprägt sind. Im Vergleich zur NFA-Gruppe fanden die Forschenden bei den APA-Patientinnen und -Patienten viele Unterschiede in der Genexpression der Fettzellen. In beiden Fettbereichen (unter der Haut und um die Nebenniere) waren Gene mit Bedeutung für Inflammation weniger aktiv. Fettabbau-Wege (Lipolyse) hingegen waren bei den Patientinnen und Patienten mit APA im Unterhautfett stärker aktiviert. Die Immunfärbung zeigte, dass bestimmte Proteine mit Zusammenhang dazu im Unterhautfettgewebe von APA-Patientinnen -Patienten stärker vorhanden sind als bei Kontrollpersonen.

Die Autorinnen und Autoren schließen aus diesen Befunden, dass bei APA nicht nur Botenstoffe produziert werden, die den Körper systemisch beeinflussen, sondern auch lokal auf das umgebende Fettgewebe wirken (parakriner Einfluss). Umgekehrt kann das Fettgewebe auch Rückwirkungen auf den Tumor haben. Diese „Kommunikation” zwischen Tumor und Fettgewebe könnte erklären, warum Menschen mit übermäßigem Aldosteron oft auch Herz-Kreislauf- und Stoffwechselprobleme entwickeln. Zugleich eröffnen sich mögliche diagnostische Wege: Da subkutanes Fett relativ leicht zugänglich ist, könnten bestimmte Veränderungen dort in der Diagnostik der APA relevant sein.

Simon Kloock, Lisa Kagan, Christian Ziegler, Mugdha Srivastava, Anke Tönjes, Nada Rayes, Nicolas Schlegel, Niklas Geiger, Matthias Blüher, Martin Fassnacht, Ulrich Dischinger, Adipose tissue signaling in aldosterone-producing adenomas: paracrine and endocrine effects, European Journal of Endocrinology, Volume 193, Issue 4, October 2025, Pages 440–452, https://doi.org/10.1093/ejendo/lvaf190

Collage aus zwei Porträts der beiden Hauptautoren im weißen Kittel.
PD Dr. Ulrich Dischinger (links) und Dr. Simon Kloock sind die Hauptautoren der Studie.