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Diagnostische Herausforderungen bei Melanomen im Frühstadium

Eine exakte Diagnosestellung ist entscheidend für die bestmögliche Therapie von Patienten mit malignem Melanom – gleiches gilt hinsichtlich der Verlässlichkeit von zunehmend eingesetzten KI-basierten Diagnoseinstrumenten.

In einer unter Federführung von Sarah Haggenmüller und Titus Brinker (DKFZ Heidelberg) durchgeführten Studie, an der acht dermatologische Universitätskliniken in Deutschland, darunter die Würzburger Hautklinik und internationale Kooperationspartner beteiligt waren, wurde die Interrater-Variabilität zwischen acht erfahrenen Pathologen bewertet, die histopathologische Bilder und prospektiv erhobene klinische Metadaten von 792 Melanom-verdächtigen Läsionen begutachten. Im Zuge dessen wurde der bislang größte panel-validierte Datensatz dermatoskopischer und histopathologischer Bilddaten incl. Metadaten zu pigmentierten Hautläsionen (insbesondere Melanomen) zusammengetragen. 

Eine vollständige Übereinstimmung wurde in 53,5 % der Fälle (424/792) und ein Mehrheitsvotum (≥ fünf Pathologen) in 90,9 % (720/792) erreicht. Erhebliche Diskrepanzen wurden bei nicht-invasiven Melanomen (d. h. Melanomen im Frühstadium) beobachtet (vollständige Übereinstimmung in nur 10/73 Fällen). Das Expertengremium stimmte in 14,9 % bzw. 33,5 % der Fälle nicht mit den Diagnosen der lokalen Pathologen und Dermatologen überein. 

Diese Variabilität verdeutlicht die diagnostischen Herausforderungen bei Melanomen im Frühstadium und die Notwendigkeit, zu überdenken, wie die Korrektheit von Basisdaten („ground truth“) in der Routineversorgung und in der KI-Forschung ermittelt wird. Die Einbeziehung von mindestens zwei Pathologen oder von virtuellen Panels könnte zu sicheren Diagnoseergebnissen beitragen. 

 

Haggenmüller S, Wies C, Abels J, Winterstein JT, Heinlein L, Nogueira Garcia C, Utikal JS, Wohlfeil SA, Meier F, Hobelsberger S, Gellrich FF, Sergon M, Hauschild A, French LE, Heinzerling L, Schlager JG, Ghoreschi K, Schlaak M, Hilke FJ, Poch G, Korsing S, Sarfert C, Berking C, Heppt MV, Erdmann M, Haferkamp S, Drexler K, Schadendorf D, Sondermann W, Goebeler M, Schilling B, Kather JN, Fröhling S, Llamas-Velasco M, Requena LC, Ferrara G, Fernandez-Figueras M, Fraitag S, Müller CSL, Starz H, Kutzner H, Barnhill R, Carr R, Resnik KS, Braun SA, Holland-Letz T, Brinker TJ. Discordance, accuracy and reproducibility study of pathologists' diagnosis of melanoma and melanocytic tumors. Nat Commun. 2025 Jan 17;16(1):789. doi: 10.1038/s41467-025-56160-x. PMID: 39824857; PMCID: PMC11742048.

ADC-Optimierung für die Behandlung von CD56-exprimierenden Krebsarten

Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADC) ermöglichen zielgerichtete Therapien, die therapeutische Moleküle spezifisch zu Tumoren liefern, aber gesunde Gewebe weitestgehend verschonen. Es sind bereits 11 ADCs zugelassen und zahlreiche in klinischer Testung. Ein Zielmolekül für ADCs ist CD56, welches auf neuroendokrinen Tumoren wie dem kleinzelligem Lungenkarzinom und dem Merkelzellkarzinom, einem sehr aggressiven Hauttumor, exprimiert wird.

Adcitmer ist ein CD56-spezifischer ADC, der in 60% der Konjugate ein optimales DAR von 4 aufweist und dessen hämatologische Zytotoxizität durch Deglykosylierung minimiert werden kann (MCC = Merkelzellkarzinom). © David Schrama

In einem ersten Schritt der Optimierung von CD56-gerichteten ADCs hat die an der Hautklinik forschende Arbeitsgruppe von David Schrama und Roland Houben, die sich seit vielen Jahren mit dem Merkelzellkarzinom beschäftigt, zusammen mit französischen Kollegen einen spezifischen Biokonjugierungsprozess angewandt, um ein ADC zu generieren (Adcitmer), welches überwiegend eine gleichbleibende Medikament- (das Spindelzellengift Monomethyl-Auristatin E) zu Antikörper-Ratio (DAR = 4) besitzt. Nachdem früher entwickelte CD56-spezifische ADCs eine hämatologische Zytotoxizität als therapeutische Limitation gezeigt haben, wurde in der aktuellen Arbeit der Effekt der Deglykosylierung von Adcitmer untersucht. Dabei konnte gezeigt werden, dass die Deglykosylierung durch die verringerte Bindung an FcgR die Interaktion mit Immunzellen unterbindet, die Zytotoxizität gegen Zelllinien des Merkelzellkarzinoms in vitro jedoch erhalten blieb und im präklinischen Modell sogar verstärkt wurde. 

Die Studie legt nahe, dass deglykosyliertes Adcitmer als neues Therapiekonzept für Patienten mit fortgeschrittenem Merkelzellkarzinom oder anderen CD56-positiven Tumoren in Betracht kommen könnte. 

 

Drouin A, Durand L, Esnault C, Gaboriaud P, Leblond V, Karim S, Fouché M, Dhommée C, Baltus CB, Boursin F, Aubrey N, Houben R, Schrama D, Guyétant S, Desgranges A, Viaud-Massuard MC, Gouilleux-Gruart V, Samimi M, Kervarrec T, Touzé A. Optimization of Adcitmer, a Monomethyl-Auristatin E bearing antibody-drug conjugate for the treatment of CD56-expressing cancers. J Immunother Cancer. 2025 Mar 13;13(3):e010897. doi: 10.1136/jitc-2024-010897. PMID: 40086820; PMCID: PMC11907074.

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Adcitmer ist ein CD56-spezifischer ADC, der in 60% der Konjugate ein optimales DAR von 4 aufweist und dessen hämatologische Zytotoxizität durch Deglykosylierung minimiert werden kann (MCC = Merkelzellkarzinom). © David Schrama
Sicherheit der Immuntherapie mit Bienen-/Wespengift

Die Immuntherapie mit Bienen- bzw. Wespengift schützt allergische Patientinnen und Patienten wirksam vor zukünftigen anaphylaktischen Stichreaktionen. Lokale und systemische allergische Nebenwirkungen können jedoch auch während der Therapie auftreten.

Die Immuntherapie mit Bienen bzw.- Wespengift schützt allergische Patientinnen und Patienten wirksam vor zukünftigen anaphylaktischen Stichreaktionen. © privat

Die vorgestellte prospektive Beobachtungsstudie untersucht Einflussfaktoren auf die Sicherheit und Verträglichkeit der Immuntherapie mit Bienen- bzw. Wespengift bei 1342 Patientinnen und Patienten aus 26 allergologischen Zentren in 8 europäischen Staaten. In 93 (7,0%) Fällen traten systemische Reaktionen während der Aufdosierungsphase der Immuntherapie auf, die unter Therapie mit Antihistaminika, Kortikosteroiden und – wenn erforderlich – Adrenalin stets gut beherrschbar waren. Eine Vorbehandlung mit oralen Antihistaminika hatte keinen Einfluss auf das Auftreten systemischer Reaktionen, beugte aber ausgeprägten lokalen Reaktionen an der Injektionsstelle wirksam vor. Starke lokale Schwellungen waren seltener, wenn ein mit Aluminium-hydroxid adjuvantiertes Depotpräparat für die Immuntherapie verwendet wurde. In Bezug auf das Risiko systemischer Nebenwirkungen unterschieden sich die Präparate verschiedener Hersteller nicht.

 

Arzt-Gradwohl L, Herzog SA, Aberer W, Alfaya Arias T, Antolín-Amérigo D, Bonadonna P, Boni E, Bożek A, Chełmińska M, Ebner B, Frelih N, Gawlik R, Gelincik A, Hawranek T, Hoetzenecker W, Jiménez Blanco A, Kita K, Kendirlinan R, Košnik M, Laipold K, Lang R, Marchi F, Mauro M, Nittner-Marszalska M, Poziomkowska-Gęsicka I, Pravettoni V, Preziosi D, Quercia O, Reider N, Rosiek-Biegus M, Ruiz-Leon B, Schrautzer C, Serrano P, Sin A, Sin BA, Stoevesandt J, Trautmann A, Vachová M, Sturm GJ. Factors Affecting the Safety and Effectiveness of Venom Immunotherapy. J Investig Allergol Clin Immunol. 2025 Feb 18;35(1):40-49. doi: 10.18176/jiaci.0967. Epub 2023 Nov 8. PMID: 37937715.

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Die Immuntherapie mit Bienen bzw.- Wespengift schützt allergische Patientinnen und Patienten wirksam vor zukünftigen anaphylaktischen Stichreaktionen. © privat
App verbessert Ergebnisse und Lebensqualität von Patienten mit Hand- und Fußekzemen

Chronische Hand- und Fußekzeme sind nicht nur schmerzhaft und mit starkem Juckreiz verbunden, sondern schränken auch die Lebensqualität der Betroffenen erheblich ein. Ziel der Studie, bei der Astrid Schmieder als Seniorautorin fungierte, war es herauszufinden, ob eine speziell entwickelte Smartphone-App dabei helfen kann, Symptome besser zu kontrollieren und die Lebensqualität zu steigern.

Die App ermöglichte es den Nutzerinnen und Nutzern, den Zustand ihrer Haut regelmäßig zu dokumentieren, Symptome wie Juckreiz oder Rötungen zu bewerten, Fotos der betroffenen Stellen hochzuladen und die gesammelten Informationen mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten zu teilen. In einer randomisierten Studie wurden die Teilnehmenden in zwei Gruppen eingeteilt: Eine Gruppe nutzte zusätzlich zur Standardtherapie die App, die andere erhielt nur die übliche Behandlung.

Die Ergebnisse zeigen: Die Nutzerinnen und Nutzer der App konnten ihre Symptome besser kontrollieren, fühlten sich stärker in ihre Behandlung eingebunden und berichteten insgesamt über eine bessere Lebensqualität. Das Studienteam aus Mannheim, Heidelberg, Erlangen und Würzburg kommt zu dem Schluss, dass digitale Gesundheitsanwendungen wie diese App eine sinnvolle Ergänzung zur medizinischen Versorgung darstellen können – vor allem, weil sie die Eigenverantwortung der Betroffenen stärken und die Kommunikation mit dem medizinischen Personal verbessern.

 

Bruch A, Weigandt W, Schardt Y, Herr R, Benecke J, Schmieder A. Improving Outcomes and Quality of Life for Patients With Hand and Foot Eczema: Randomized Study of a Patient-Centered Monitoring App. J Med Internet Res 2025;27:e52159. doi: 10.2196/52159PMID: 39836950PMCID: 11795157

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