paper place Archiv Hautklinik

Überwindung von Therapieresistenzen: AXL als neues Zielmolekül in der Melanombehandlung

Das maligne Melanom („schwarzer Hautkrebs“) stellt aufgrund seiner ausgeprägten Anpassungsfähigkeit nach wie vor eine erhebliche klinische Herausforderung dar.

Obwohl zielgerichtete Therapien und Immuntherapien die Behandlungsmöglichkeiten im letzten Jahrzehnt deutlich verbessert haben, besteht bei beiden Ansätzen noch Verbesserungspotenzial, da bei vielen Patienten weiterhin Therapieresistenzen auftreten.

In der kürzlich in der Fachzeitschrift Neoplasia veröffentlichten Studie identifizierte die Forschungsgruppe um Professor Dr. Marc Schmidt an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie den Tyrosinkinase-Rezeptor AXL -ein wichtiges Eiweißmolekül, das Therapieresistenz, Tumoraggressivität und Metastasierung fördert- als zentralen Effektor des MEK5/ERK5/KLF4-Signalwegs, der während der zielgerichteten Therapie des Melanoms aktiviert wird und zur Entwicklung von Resistenzen beiträgt. Den Forschern gelang es zu demonstrieren, dass AXL während der Behandlung mit MEK-Inhibitoren, die routinemäßig für zielgerichtete Therapien eingesetzt werden, signifikant hochreguliert wird. Diese Induktion kann durch pharmakologische und genetische Hemmung von ERK5 oder dessen Transkriptionseffektor KLF4 blockiert werden, wodurch die Migrationsfähigkeit und Invasivität von Melanomzellen wirksam beschränkt wird. Darüber hinaus konnten sie zeigen, dass in metastatischen Melanom-Zelllinien, die durch hohe AXL-Spiegel gekennzeichnet sind, die gleichzeitige Behandlung mit MEK- und ERK5-Inhibitoren sowie die KLF4-Depletion die AXL-Expression und Invasivität der Tumorzellen signifikant reduzierten.

Diese Erkenntnisse erweitern das derzeitige Verständnis darüber, wie Melanomzellen auf zielgerichtete Therapien reagieren und Arzneimittelresistenzen entwickeln. Da eine hohe AXL-Expression ein häufiges Merkmal sowohl von zielgerichteten als auch von immuntherapieresistenten metastasierten Melanomen ist, eröffnet die Identifizierung von AXL als Zielmolekül der medikamentös behandelbaren ERK5/KLF4-Signalkaskade neue therapeutische Perspektiven. Therapeutische Strategien, die eine ERK5-Hemmung mit bestehenden Behandlungen kombinieren, könnten deren Wirksamkeit verbessern und neue Behandlungsmöglichkeiten für Patienten mit fortgeschrittenem metastasiertem Melanom schaffen, bei denen herkömmliche Therapien derzeit versagen.

Publikation: Paudel, R., S. Goller, S. Schwarz, K. Meder, M. Goebeler, and M. Schmidt. 2026. 'AXL is a novel ERK5/KLF4 target in MEK inhibitor-treated melanoma', Neoplasia, 76: 101301 , 2026, https://doi.org/10.1016/j.neo.2026.101301

Hohe Prävalenz der stoffwechselbedingten Fettlebererkrankung bei Patienten mit Hidradenitis suppurativa

In einer im Journal JID Innovations veröffentlichten Studie zeigen die Hautklinik und die Medizinische Klinik II eine bemerkenswert hohe Häufigkeit der metabolic dysfunction–associated steatotic liver disease (MASLD, vormals nicht-alkoholische Fettlebererkrankung) bei Patientinnen und Patienten mit der chronischen Hauterkrankungen Hidradenitis suppurativa (HS, Acne inversa).

Im Rahmen der Querschnittsstudie wurden 94 an HS erkrankte Personen mittels nicht-invasiver Ultraschall-Untersuchung der Leber (transiente Leberelastographie) untersucht. Dabei wiesen rund 75 % der Teilnehmenden eine MASLD auf – ein Wert, der mehr als doppelt so hoch ist wie in der Allgemeinbevölkerung.

Patientinnen und Patienten mit HS und MASLD zeigten signifikant höhere Werte für Body-Mass-Index, Taillenumfang, Triglyzeride und γ-Glutamyltransferase (γ-GT) sowie eine häufigere Ausprägung von Dyslipidämie, arterieller Hypertonie und metabolischem Syndrom. Fortgeschrittene Leberfibrosen wurden bei etwa 15 % der Betroffenen festgestellt.

Basierend auf diesen Ergebnissen wurde ein klinisch einfach anzuwendender, pragmatischer Algorithmus zur Risikoeinschätzung, der auf Routineparametern und dem Fatty Liver Index (FLI) basiert, entwickelt. Mit diesem Ansatz lässt sich das Risiko einer MASLD bei HS-Betroffenen effektiv und nicht-invasiv abschätzen. Die Autorinnen und Autoren empfehlen daher ein regelmäßiges Screening auf Fettlebererkrankungen bei Patientinnen und Patienten mit Hidradenitis suppurativa, um Komorbiditäten frühzeitig zu erkennen und gezielt behandeln zu können.

Publikation: Verena G. Frings, Maxine Gläsel, Monika Rau, Andreas Geier, Janik Fleißner, Dagmar Presser, Matthias Goebeler, Andreas Kerstan, High Prevalence of Metabolic Dysfunction-Associated Steatotic Liver Disease in Patients with Hidradenitis Suppurativa: A Guide to Easily Assess the Clinical Risk of Comorbid Liver Disease, JID Innovations, Volume 6, Issue 1, 2026, 100419, ISSN 2667-0267, https://doi.org/10.1016/j.xjidi.2025.100419

 

Bessere Chancen bei schwarzem Hautkrebs: Immuntherapie schon vor der OP

Bei fortgeschrittenem, aber noch operierbarem schwarzen Hautkrebs wurden in internationalen Studien mit einem neuen Behandlungsansatz überlegene Behandlungsergebnisse erzielt.

Illustration
Patientinnen und Patienten erhielten eine perioperative Immuntherapie mit 3 Infusionen mit dem Immuncheckpoint-Inhibitor Pembrolizumab vor der Operation und 15 Infusionen nach der Operation.

Dabei wird die Immuntherapie nicht erst nach der Operation eingesetzt, sondern bereits davor begonnen und im Anschluss daran fortgeführt (die sogenannte perioperative Immuntherapie).

An der Hautklinik des UKW wurde die perioperative Immuntherapie Patientinnen und Patienten im klinischen Alltag schon früh zugänglich gemacht. In einer nun in der Fachzeitschrift Acta Dermato-Venereologica veröffentlichten Studie von Simon Goller et al. wurden die Verläufe von 20 Patientinnen und Patienten ausgewertet, die in Würzburg eine perioperative Immuntherapie mit dem Immuncheckpoint-Inhibitor Pembrolizumab erhalten hatten. Die Ergebnisse der Analyse zeigen, dass die Therapie im Behandlungsalltag gut durchführbar ist und eine vielversprechende Wirksamkeit sowie eine gute Verträglichkeit aufweist. Auch Möglichkeiten für schonendere Behandlungen wurden diskutiert, beispielsweise ein begrenzterer operativer Eingriff oder eine verkürzte Immuntherapie bei besonders gutem Ansprechen.

Hervorzuheben ist, dass die Daten nicht aus einer streng kontrollierten Studie stammen, sondern eine der ersten Auswertungen aus der Versorgung im Behandlungsalltag sind. Die Publikation belegt, dass sich der perioperative Behandlungsansatz auch unter Alltagsbedingungen bewährt und liefert Hinweise dazu, wie die Behandlung noch besser auf die Patientinnen und Patienten zugeschnitten werden kann.

Publikation: Simon Goller*, Tassilo Dege*, Patrick Schummer 1, Lukas Haug 2, Michael Meir 3, Thomas Gehrke 4, Detlef Klein 5, Matthias Goebeler 1, Hermann Kneitz 1, Bastian Schilling 6, Anja Gesierich*, Valerie Glutsch*. Perioperative Pembrolizumab in Locally Advanced Melanoma: A Real-world Single-centre Retrospective Study. Acta dermato-venereologica vol. 106 0009. 19 Jan. 2026, doi:10.2340/actadv.v106.adv-2025-0009
(*geteilte Autorenschaft)

Illustration
Patientinnen und Patienten erhielten eine perioperative Immuntherapie mit 3 Infusionen mit dem Immuncheckpoint-Inhibitor Pembrolizumab vor der Operation und 15 Infusionen nach der Operation.
Neuer Therapieansatz bei chronischen Wunden: Probiotische Bakterien zeigen vielversprechende Ergebnisse

Chronische Wunden sind ein wachsendes Gesundheitsproblem: In Deutschland leiden bereits ein bis zwei Millionen Menschen an schlecht heilenden Wunden – Tendenz steigend. Eine zentrale Rolle spielt dabei auch das Bakterium Pseudomonas aeruginosa, das durch die Bildung eines schützenden Biofilms die Heilung zusätzlich hemmt.

Aufnahme einer chronischen Wunde vor der Behandlung und 10 Tage später, in denen die Wunde mit Milchsäurebakterien behandelt wurde.
Milchsäurebakterien fördern die Wundheilung tragen zur Beseitigung von Pseudomonas aeruginosa bei, ohne Resistenzen zu begünstigen

Forscherinnen und Forscher der Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie haben nun einen vielversprechenden Ansatz gefunden, um dieses widerstandsfähige Bakterium zu bekämpfen. 

Zwei ältere Patientinnen und Patienten mit lang bestehenden, infizierten Wunden wurden zusätzlich zur Standardbehandlung mit einem Lactobacillus-haltigen Pulver behandelt. Bereits nach wenigen Tagen verbesserten sich Geruch und Belag der Wunden deutlich, und nach ein bis zwei Wochen zeigte sich neues, gesundes Gewebe. In Kontrollabstrichen war Pseudomonas aeruginosa nicht mehr nachweisbar. Die Behandlung wurde gut vertragen, Nebenwirkungen traten nicht auf. Auch bei weiteren Patientinnen und Patienten konnten ähnliche Verbesserungen beobachtet werden.

„Milchsäurebakterien können schädliche Keime wie Pseudomonas aeruginosa schwächen, indem sie deren Biofilme stören, Entzündungen reduzieren und Zellen der Wundheilung aktivieren“, erklärt Dr. Tassilo Dege, Erstautor der im Journal of the American Academy of Dermatology veröffentlichten Fallbeobachtung. 

Labormodelle mit menschlicher Haut bestätigten diese Ergebnisse: Lactobazillen schwächen den Biofilm der Pseudomonas-Bakterien, stören deren Kommunikation und fördern gleichzeitig die Aktivität von Keratinozyten und Fibroblasten – zentrale Zellen der Wundheilung. Auch in Tierversuchen konnte gezeigt werden, dass Stoffwechselprodukte der Lactobazillen die Bakterienzahl und Entzündung in der Wunde reduzieren. 

Die Anwendung probiotischer Bakterien könnte sich also künftig als wirksame und sichere Ergänzung in der Behandlung chronischer Wunden etablieren – ein Schritt hin zu einer heilungsfördernden, resistenzfreien Therapie.

Weitere klinische Studien sollen nun klären, wie sich dieser innovative Ansatz in der Praxis bewährt.

Details zum Fallbeispiel liefert die Pressemeldung

Publikation: Tassilo Dege, Andreas Kerstan, Matthias Goebeler, Astrid Schmieder. Clinical pearl: Topical Lactobacillus application to disrupt Pseudomonas aeruginosa biofilms and promote healing in chronic wounds, Journal of the American Academy of Dermatology, 2025, ISSN 0190-9622, https://doi.org/10.1016/j.jaad.2025.12.071

Aufnahme einer chronischen Wunde vor der Behandlung und 10 Tage später, in denen die Wunde mit Milchsäurebakterien behandelt wurde.
Milchsäurebakterien fördern die Wundheilung tragen zur Beseitigung von Pseudomonas aeruginosa bei, ohne Resistenzen zu begünstigen
Wie eine Nickelallergie auf Zellebene beginnt

Trotz vieler Vorsorgemaßnahmen* in den letzten 20 Jahren zählt die Kontaktallergie auf das Metall Nickel weiterhin zu den relevanten Volkskrankheiten. In Europa, China und Nordamerika hat Nickelallergie nach wie vor eine Inzidenz von über zehn Prozent der Gesamtbevölkerung.

Graphical Abstract der Untersuchungen
Mithilfe von scRNA-Seq wurden die Zelltypen untersucht, die die frühen und späten Entzündungsreaktionen bei der Ni2+-Allergie beim Menschen vermitteln. Die frühe Reaktionsfähigkeit wurde hauptsächlich durch TLR4+TAGLN−-Endothelzellen vermittelt, die indirekt TLR4−KRT16+ Keratinozyten und CCR7+DCN+ DCs aktivierten. Die späte Reaktionsfähigkeit wurde entscheidend durch die Infiltration von KLF2+ zentralen Gedächtnis-T-Zellen und TLR4+CD163+CCR7− DC3-Zellen vorangetrieben. CCR7 = C-C-Chemokinrezeptor Typ 7; DC = dendritische Zellen; EC = Endothelzellen; IF, Immunfluoreszenz; KC =Keratinozyten; KLF2 = Krüppel-like Faktor 2; Ni2+ = Nickel; scRNA-Seq = Einzelzell-RNA-Sequenzierung; SELL = L-Selektin; TAGLN = Transgelin; TCM = zentrale Gedächtnis-T-Zelle; Th = T-Helferzelle; TLR4 = Toll-like-Rezeptor 4. Aus: M. Schmidt, A. Knorz, K. Meder, et al., “ Single Cell Analysis Reveals Dynamic Changes of Distinct Cell Populations in Human Nickel Allergy,” Allergy (2025): 1–11, https://doi.org/10.1111/all.70108. Reproduziert im Einklang mit den Copyright Richtlinien des Verlags.

Damit sich eine Nickelallergie entwickelt, müssen im Körper zwei Schritte ablaufen. Zunächst reagiert das angeborene Immunsystem innerhalb weniger Stunden nach dem ersten Hautkontakt mit Nickel. Das geschieht unbemerkt und ohne sichtbare Symptome. Nickelionen binden dabei an den Oberflächenrezeptor Toll-like-Rezeptor 4 (TLR4), ein bestimmter „Frühwarnsensor“ der Immunabwehr in der Haut. In einem zweiten Schritt bildet das Immunsystem unter Vermittlung antigenpräsentierender dendritischer Zellen (DC) sogenannte „T-Killer-Zellen“. Diese nickelspezifischen Abwehrzellen sorgen im Zusammenspiel mit anderen Immunzellen dafür, dass es zwei bis drei Tage nach dem Kontakt zu einer allergischen Reaktion kommt. Typische Symptome sind dann ein stark juckender Hautausschlag mit Rötungen, Schwellungen und kleinen Bläschen.

Bislang war unklar, welche residenten Zelltypen der Haut an der frühen Aktivierung des angeborenen Immunsystems beteiligt sind und ob eventuell in der Haut verbliebene nickel-spezifische T-Gedächtniszellen in nickel-sensibilisierten Patienten direkt zum Entzündungsgeschehen beitragen.

In einer aktuellen Studie hat ein Forschungsteam um Prof. Dr. Marc Schmidt Einzelzellisolate aus Hautbiopsien von nickel-sensibilisierten Patientinnen und Patienten untersucht. Die Hautproben wurden zu unterschiedlichen Zeitpunkten nach einem Nickelkontakt entnommen. Dabei zeigte sich, dass in der frühen Phase vor allem TLR4-positive Endothelzellen eine wichtige Rolle spielen. Diese Zellen setzen einen entzündungsfördernden Botenstoff (Interleukin-6) frei, der die Immunreaktion durch sekundäre Aktivierung suprabasaler Keratinozyten in der Epidermis weiter verstärkt. Gleichzeitig werden nach und nach weitere Haut- und Immunzellen aktiviert (zunächst nickel-spezifische DCN/CCL21-positive, dann TLR4/CD14/CD163-positive DC-Populationen). Im späteren Verlauf wandern spezielle Gedächtniszellen des Immunsystems (nickel-spezifische, zentrale KLF2/CCR7/SELL-positive T Gedächtniszellen) aus dem Blut in die Haut ein. Dort entwickeln sie sich zu aggressiven T-Killer-Zellen, die schließlich die typischen Beschwerden der Nickelallergie auslösen.

Die Ergebnisse der Studie helfen, das Zusammenspiel der beteiligten Zellen bei der Nickelallergie besser zu verstehen. Langfristig könnten sie dazu beitragen, neue Möglichkeiten zur Vorbeugung oder Behandlung von Nickelallergien und ähnlichen allergischen Hautreaktionen zu entwickeln.

* Die Verwendung von Nickel ist inzwischen stark reguliert, besonders bei Produkten, die direkten Hautkontakt haben wie Modeschmuck und Piercings. Seit Juli 2025 gelten auch neue EU-weite Höchstgehalte für Nickel in bestimmten Lebensmitteln wie Nüssen, Schokolade und Säuglingsnahrung. 

Publikation:
Marc Schmidt, Andrea Knorz, Katharina Meder, Simon Goller, Fabian Imdahl, Yamila Rocca, Matthias Goebeler, Pierre Khoueiry “ Single Cell Analysis Reveals Dynamic Changes of Distinct Cell Populations in Human Nickel Allergy,” Allergy (2025): 1–11, https://doi.org/10.1111/all.70108.

Graphical Abstract der Untersuchungen
Mithilfe von scRNA-Seq wurden die Zelltypen untersucht, die die frühen und späten Entzündungsreaktionen bei der Ni2+-Allergie beim Menschen vermitteln. Die frühe Reaktionsfähigkeit wurde hauptsächlich durch TLR4+TAGLN−-Endothelzellen vermittelt, die indirekt TLR4−KRT16+ Keratinozyten und CCR7+DCN+ DCs aktivierten. Die späte Reaktionsfähigkeit wurde entscheidend durch die Infiltration von KLF2+ zentralen Gedächtnis-T-Zellen und TLR4+CD163+CCR7− DC3-Zellen vorangetrieben. CCR7 = C-C-Chemokinrezeptor Typ 7; DC = dendritische Zellen; EC = Endothelzellen; IF, Immunfluoreszenz; KC =Keratinozyten; KLF2 = Krüppel-like Faktor 2; Ni2+ = Nickel; scRNA-Seq = Einzelzell-RNA-Sequenzierung; SELL = L-Selektin; TAGLN = Transgelin; TCM = zentrale Gedächtnis-T-Zelle; Th = T-Helferzelle; TLR4 = Toll-like-Rezeptor 4. Aus: M. Schmidt, A. Knorz, K. Meder, et al., “ Single Cell Analysis Reveals Dynamic Changes of Distinct Cell Populations in Human Nickel Allergy,” Allergy (2025): 1–11, https://doi.org/10.1111/all.70108. Reproduziert im Einklang mit den Copyright Richtlinien des Verlags.
Resistenzhemmung beim schwarzen Hautkrebs mittels ERK5 Inhibition

Das Melanom, auch „schwarzer Hautkrebs“ genannt, ist die tödlichste Form von Hautkrebs. Wie die meisten Krebsarten, sind diese Tumoren widerstandsfähig und finden oft „Hintertüren“, um die Wirkung von Medikamenten zu umgehen, wodurch sie behandlungsresistent werden.

Marc Schmidt steht in einem weißen Kittel in seinem Büro
Arbeitsgruppenleiter Prof. Dr. Marc Schmidt.

In einer in Cell Death & Disease veröffentlichten Studie untersuchten Forschende der Arbeitsgruppe um Professor Dr. Marc Schmidt an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie eine dieser „Hintertüren“, die durch den stressaktivierten MEK5/ERK5-Signalweg vermittelt wird. Dieser Signalweg steuert unter therapeutischer Anwendung zielgerichteter Therapien die Funktion zentraler Proteine, die am Überleben und der Teilung der Tumorzellen beteiligt sind. Durch die Blockierung dieses Signalwegs - in Kombination mit gängigen zielgerichteten Therapien– wird eine „Notbremse“ aktiviert. Dadurch werden die Krebszellen in einem Zustand gefangen, in dem sie sich nicht mehr teilen können. 

Diese Erkenntnisse könnten für zukünftige Melanomtherapien von großer Bedeutung sein. Durch die Kombination bestehender Medikamente mit neuen Inhibitoren des MEK5/ERK5 Signalwegs könnten Therapieresistenzen effektiv vermieden und zielgerichtete Therapien neuen Patientengruppen zugänglich gemacht werden. Darüber hinaus könnte der Ansatz auch Patienten mit bestehender Behandlungsresistenz bessere Überlebenschancen bieten.

Publikation:
Rupesh Paudel, Simon Goller, Felix Deutzmann, Alina Gillitzer, Katharina Meder, Andrea Knorz, David Schrama, Matthias Goebeler & Marc Schmidt. MEK5/ERK5 inhibition sensitizes NRAS-mutant melanoma to MAPK-targeted therapy by preventing Cyclin D/CDK4-mediated G1/S progression. Cell Death Dis 16, 689 (2025). https://doi.org/10.1038/s41419-025-08036-7

Marc Schmidt steht in einem weißen Kittel in seinem Büro
Arbeitsgruppenleiter Prof. Dr. Marc Schmidt.
Chronische Wunden mit App "Wunderkint" dauerhaft im Blick

Ein interdisziplinäres Team der Dermatologie und des Lehrstuhls für Software-Engineering der Universität Würzburg entwickelte die App „Wunderkint“, die Patientinnen und Patienten mit chronischen Wunden eine digitale Verlaufskontrolle und ärztliche Betreuung aus der Ferne ermöglicht.

Die Informatikerin Vanessa Borst auf der Bühne am Rednerpult, im Hintergrund das Startbild ihrer Präsentation auf einem riesigen Monitor. Der Konferenzsaal ist in blauem Licht.
Informatikerin Vanessa Borst stellte am 18. September auf der ECML PKDD 2025 in Porto (Portugal) die KI-Technologie „WoundAmbit“ vor, die erstmals moderne Bildanalyse mit den praktischen Anforderungen der Wundversorgung verbindet. Die ECML PKDD (European Conference on Machine Learning and Principles and Practice of Knowledge Discovery in Databases) ist die wichtigste europäische Konferenz zu Maschinellem Lernen und Data Mining – also zur Entdeckung von Mustern in großen Datenmengen. © Martin Rackl / JMU
Das Bild zeigt einen Screenshot des Dashboards für Ärzte, oben der abfotografierte Bereich des Körpers, rechts die Wunde mit Referenzkarte und unten links die Kurven der verschiedenen Skalen. rechts
Mit der Wunderkint-App können Patientinnen und Patienten regelmäßig ihre Wunde fotografieren und auf einer Skala die Schmerzintensität, den Juckreiz, die Nässe der Wunde und ihre Stimmung angeben. Damit die KI die Größe und Röte der Wunde erkennt und analysiert, wird beim Abfotografieren eine Referenzkarte mit Farbskala und ArUco-Markern neben die Wunde gelegt. Sämtliche Daten werden auf einem sicheren Weg an die behandelnden Ärztinnen und Ärzte übermittelt, die diese auf einem Dashboard abrufen. © JMU

Mithilfe einer sicheren Datenübertragung können Fotos und Angaben zu Schmerz, Juckreiz oder Stimmung regelmäßig an das medizinische Fachpersonal übermittelt werden. So lassen sich Heilungsverläufe kontinuierlich beobachten und Therapien flexibel anpassen.

Die technische Grundlage bildet die KI „WoundAmbit“, die mithilfe moderner Bildanalyse Wundränder und -flächen präzise erkennt. Für diese Verbindung von semantischer Segmentierung und praktischer Wundversorgung wurde die Doktorandin Vanessa Borst auf der European Conference on Machine Learning (ECML PKDD 2025) in Porto mit dem Preis „Best Student Paper – Applied Data Science Track“ ausgezeichnet.

Eine laufende Machbarkeitsstudie zeigt, dass die App benutzerfreundlich ist, gut akzeptiert wird und das medizinische Personal entlastet. Die beteiligten Ärztinnen und Ärzte betonen, dass die Digitalisierung die persönliche Betreuung nicht ersetzt, aber sinnvoll ergänzt – und Patientinnen und Patienten mehr Sicherheit und Eigenständigkeit im Umgang mit ihrer Erkrankung gibt.

Weitere Details in der Pressemeldung.

Vanessa Borst, Timo Dittus, Tassilo Dege, Astrid Schmieder, Samuel Kounev. Wound Ambit: Bridging State-of-the-Art Semantic Segmentation and Real World Wound Care.In: Dutra, I., et al. Machine Learning and Knowledge Discovery in Databases. Applied Data Science Track. ECML PKDD 2025. Lecture Notes in Computer Science(), vol 16021. Springer, Cham. https://doi.org/10.1007/978-3-032-06118-8_17 
Zum Preprint als PDF 

Die Informatikerin Vanessa Borst auf der Bühne am Rednerpult, im Hintergrund das Startbild ihrer Präsentation auf einem riesigen Monitor. Der Konferenzsaal ist in blauem Licht.
Informatikerin Vanessa Borst stellte am 18. September auf der ECML PKDD 2025 in Porto (Portugal) die KI-Technologie „WoundAmbit“ vor, die erstmals moderne Bildanalyse mit den praktischen Anforderungen der Wundversorgung verbindet. Die ECML PKDD (European Conference on Machine Learning and Principles and Practice of Knowledge Discovery in Databases) ist die wichtigste europäische Konferenz zu Maschinellem Lernen und Data Mining – also zur Entdeckung von Mustern in großen Datenmengen. © Martin Rackl / JMU
Das Bild zeigt einen Screenshot des Dashboards für Ärzte, oben der abfotografierte Bereich des Körpers, rechts die Wunde mit Referenzkarte und unten links die Kurven der verschiedenen Skalen. rechts
Mit der Wunderkint-App können Patientinnen und Patienten regelmäßig ihre Wunde fotografieren und auf einer Skala die Schmerzintensität, den Juckreiz, die Nässe der Wunde und ihre Stimmung angeben. Damit die KI die Größe und Röte der Wunde erkennt und analysiert, wird beim Abfotografieren eine Referenzkarte mit Farbskala und ArUco-Markern neben die Wunde gelegt. Sämtliche Daten werden auf einem sicheren Weg an die behandelnden Ärztinnen und Ärzte übermittelt, die diese auf einem Dashboard abrufen. © JMU