Molekulargenetik
Sie kommt bei einer Vielzahl von Fragestellungen zum Einsatz, darunter seltene genetische Erkrankungen, neuromuskuläre Erkrankungen, erbliche Tumorprädispositionen sowie gezielte Abklärungen bei bekannter familiärer Variante. Ziel ist es, genetische Ursachen sicher nachzuweisen oder auszuschließen und die Ergebnisse für Diagnose, Prognose, Therapieplanung und genetische Beratung nutzbar zu machen.
Passgenaue Diagnoseverfahren je nach Fragestellung
Je nach Fragestellung werden unterschiedliche methodische Ansätze eingesetzt. Dazu gehören gezielte Genanalysen, panelbasierte Untersuchungen, Exom- und Genomanalysen und spezielle Verfahren für Fragestellungen mit besonderen methodischen Anforderungen. Die Auswahl des Verfahrens richtet sich nach der klinischen Verdachtsdiagnose, der Familienanamnese, der Art der gesuchten Veränderung und dem verfügbaren Material.
Diagnostische Schwerpunkte
Ein Schwerpunkt der molekularen Diagnostik liegt auf der Analyse genetischer Veränderungen aus EDTA-Blut. Damit können je nach Indikation Sequenzvarianten, kleine Insertionen oder Deletionen sowie in geeigneten Verfahren auch andere krankheitsrelevante Veränderungen untersucht werden. Für bestimmte Erkrankungen, insbesondere solche mit Repeat-Expansionen oder strukturell anspruchsvollen Loci, gelten besondere methodische und präanalytische Anforderungen.
Spezialanforderungen bestehen insbesondere bei Untersuchungen wie FSHD1 oder Myotone Dystrophie Typ 1, bei denen in bestimmten Konstellationen mehr Ausgangsmaterial benötigt wird und nicht jede Art der DNA-Aufbereitung gleichermaßen geeignet ist. Auch bei pränatalen molekulargenetischen Fragestellungen können je nach Methode und Untersuchungsziel abweichende Anforderungen an Material und Logistik bestehen.
Material und präanalytische Anforderungen
- Standardmaterial: EDTA-Blut
- Menge: in der Regel mindestens 2 ml EDTA-Blut; für viele allgemeine Analysen genügt auch mind. 1 ml, sofern die Fragestellung und das Patientenalter dies zulassen
- Spezialanalysen (z. B. FSHD1, DM1): in der Regel 5–10 ml EDTA-Blut, bevorzugt eher mindestens 8 ml
- Versand: eindeutig beschriftet, bruch- und stoßfest verpackt, nicht gekühlt, nicht abzentrifugiert
- Begleitunterlagen: Auftrag, Einwilligung sowie bei gesetzlich versicherten Patientinnen und Patienten ein Laborüberweisungsschein
- Kritische Frist: für allgemeine molekulargenetische Analysen besteht in den vorliegenden Unterlagen keine spezifische kritische Eingangsfrist
- Wichtige Hinweise:
- Bei Spezialanalysen können abweichende Anforderungen gelten.
- Für bestimmte pränatale Spezialanalysen wird zusätzlich mütterliches EDTA-Blut zur Kontaminationskontrolle benötigt.
- Falls fetale DNA eingesandt wird, ist zu beachten, dass nicht jede DNA-Präparation für jede Spezialmethode geeignet ist.
- Bitte beachten: Unbeschriftete Proben können wir leider NICHT bearbeiten.
Besondere präanalytische Anforderungen bei speziellen pränatalen molekulargenetischen Analysen
- Chorionzotten: ca. 35–40 mg
- Fruchtwasser: ca. 20 ml
- Abortmaterial: geeignetes Gewebe, z. B. Nabelschnur oder Achillessehne
- Mütterliche Kontrollprobe: 1 ml EDTA-Blut
- Versand: wie in der Zytogenetik bei Raumtemperatur, eindeutig beschriftet und bruchsicher verpackt
- Zeitfenster: idealerweise Eingang innerhalb von 24 bis 48 Stunden
- Zusatzhinweis: Bei bestimmten Southern-Blot-basierten Spezialanalysen ist salzextrahierte DNA erforderlich ; kit-präparierte DNA ist nicht für alle Fragestellungen geeignet.
Klinische und methodische Einordnung
Die Qualität molekulargenetischer Diagnostik hängt wesentlich von einer passenden Probenwahl und einer geeigneten Präanalytik ab. Während für viele Standardfragestellungen EDTA-Blut ausreichend ist, erfordern einzelne Spezialanalysen deutlich spezifischere Vorgaben. Eine vorherige Abstimmung ist daher insbesondere dann sinnvoll, wenn wenig Material verfügbar ist, pränatale Proben untersucht werden sollen oder eine methodisch komplexe Fragestellung vorliegt.
Die Befunde der molekularen Diagnostik werden stets in Zusammenschau mit der klinischen Fragestellung interpretiert. Gerade bei seltenen Erkrankungen oder komplexen genetischen Konstellationen ist die Kombination aus präziser Labordiagnostik, fachkundiger Befundbewertung und genetischer Beratung entscheidend.
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