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Telemedizin auf Intensivstationen: Großer Forschungsbedarf trotz Potenzial

Telemedizinische Konzepte – etwa die Fernüberwachung von Patientinnen und Patienten, digitale Datenübertragung und die Beratung durch Spezialisten aus der Ferne – gelten als wichtige Bausteine, um den Herausforderungen steigender Patientenzahlen, zunehmender Spezialisierung und Fachkräftemangel gerecht zu werden.

Zwei Mitarbeitende der Anästhesiologie stehen an einem Tele-Intensivmedizin-Wagen vorm Monitor
Das UKW bringt seine Expertise in evidenzbasierter Medizin in das bundesweite Universitäre Telemedizin-Netzwerk (UTN) ein und arbeitet zugleich bereits an der praktischen Umsetzung der Tele-Intensivmedizin im Klinikalltag – zum Beispiel im Rahmen eines Pilotprojekts zur strukturierten telemedizinischen Visite für regionale Krankenhäuser. © Kim Sammet / UKW

Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit unter Leitung des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) im Rahmen des vom Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) geförderten Projekts UTN (Universitäres Telemedizin-Netzwerk) zeigt: Telemedizin auf Intensivstationen hat zwar ein erhebliches Potenzial, doch die wissenschaftliche Evidenz für konkrete patientenrelevante Vorteile ist bislang nicht eindeutig belegt 

In der in PLOS Digital Health veröffentlichten Übersichtsarbeit wurden 26 kontrollierte Studien mit über zwei Millionen intensivmedizinischen Fällen analysiert. Dabei zeigte sich, dass die vorhandenen Studien hinsichtlich Methodik, untersuchter Modelle und Messgrößen sehr unterschiedlich sind, sodass eine quantitative Zusammenfassung (Meta-Analyse) nicht möglich war. Wichtige Fragen – etwa zu Auswirkungen auf Sterblichkeit, Aufenthaltsdauer oder Lebensqualität – bleiben daher offen. 

Die Autorinnen und Autoren betonen, dass nicht nur die technische Umsetzung, sondern vor allem methodisch hochwertige, patientenzentrierte Studien benötigt werden, um den wirklichen Nutzen der Tele-Intensivmedizin zu klären und die effektivsten Modelle zu identifizieren. 

Weitere Informationen, auch zur Expertise in Tele-Intensivmedizin der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie liefert die Pressemeldung

Publikation
Tamara Pscheidl, Carina Benstoem, Kelly Ansems, Lena Saal-Bauernschubert, Anne Ritter, Ana-Mihaela Zorger, Karolina Dahms, Sandra Dohmen, Eva Steinfeld, Julia Dormann, Claire Iannizzi, Nicole Skoetz, Heidrun Janka, Maria-Inti Metzendorf, Carla Nau, Miriam Stegemann, Patrick Meybohm, Falk von Dincklage, Sven Laudi, Falk Fichtner, Stephanie Weibel. Telemedicine in adult intensive care: A systematic review of patient-relevant outcomes and methodological considerations. PLOS Digit Health. 2025 Dec 15;4(12):e0001126. https://doi.org/10.1371/journal.pdig.0001126

Zwei Mitarbeitende der Anästhesiologie stehen an einem Tele-Intensivmedizin-Wagen vorm Monitor
Das UKW bringt seine Expertise in evidenzbasierter Medizin in das bundesweite Universitäre Telemedizin-Netzwerk (UTN) ein und arbeitet zugleich bereits an der praktischen Umsetzung der Tele-Intensivmedizin im Klinikalltag – zum Beispiel im Rahmen eines Pilotprojekts zur strukturierten telemedizinischen Visite für regionale Krankenhäuser. © Kim Sammet / UKW
Ursachen der präoperativen Anämie

Eine Anämie, umgangssprachlich auch Blutarmut genannt, schwächt den Körper bereits im Normalzustand. Während einer Operation steht der Körper zusätzlich unter Stress, sodass das Risiko für Komplikationen wie Herz-Kreislauf-Probleme und Infektionen steigt.

Eine Schwester nimmt einem Patienten Blut ab.
Jeder Dritte, der sich einem größeren chirurgischen Eingriff unterzieht, leidet unter Blutarmut. © Daniel Peter / UKW

Da die Organe und das Gewebe schlechter mit Sauerstoff versorgt werden, verzögert sich auch die Wundheilung. Schließlich benötigen anämische Patientinnen und Patienten häufiger Bluttransfusionen, was weitere Risiken birgt.

Oft wird Eisenmangel als Hauptgrund für diese Blutarmut angesehen. Deshalb beschränkt sich die präoperative Behandlung im Rahmen des „Patient Blood Managements“ bisher auf die Gabe von Eisenpräparaten. Das Auffüllen der Eisenspeicher fördert die Bildung neuer Blutzellen, verbessert die Sauerstoffversorgung und verringert den Transfusionsbedarf.

Tatsächlich kann eine Anämie jedoch viele verschiedene Ursachen haben. Um diese besser zu verstehen und die Behandlung gezielter zu gestalten, wurde in der internationalen, multizentrischen, prospektiven ALICE-Studie untersucht, wie häufig Anämie vor größeren Operationen auftritt und welche Gründe dafür verantwortlich sind.

Ergebnis: Von den 2.830 Patientinnen und Patienten aus 79 Krankenhäusern in 20 Ländern auf fünf Kontinenten hatte jeder Dritte eine Anämie. Mehr als die Hälfte von ihnen (55,2 Prozent) wies einen Eisenmangel auf, 7,7 Prozent einen Vitamin-B12-Mangel, 14,5 Prozent einen Folsäuremangel und 8,7 Prozent eine chronische Nierenerkrankung. Zudem zeigte sich, dass eine präoperative Anämie das Risiko für Bluttransfusionen um das Dreifache, die Komplikationsrate um das Zweieinhalbfache und die Sterblichkeit um das Fünffache erhöht.

Die Autoren sind sich einig, dass es entscheidend für die Zukunft ist, eine präoperative Anämie, die mit einer so hohen Häufigkeit auftritt und einen erheblichen Einfluss auf das operative Ergebnis hat, nicht mehr zu ignorieren. Zudem müsse neben dem Eisenmangel auch ein Vitamin-B12- und Folsäuremangel diagnostisch und therapeutisch berücksichtigt werden.

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Publikation: 
Suma Choorapoikayil, David M. Baron, Donat R. Spahn, Sigismond Lasocki, Daniela Boryshchuk, Lusine Yeghiazaryan, Martin Posch, Elvira Bisbe, Philipp Metnitz, Martin Reichmayr, Kai Zacharowski, Patrick Meybohm; German Society of Anaesthesiology and Intensive Care (GSAIC) Trials Group; SFAR research network; Supportive Anaesthesia Trainee-led Audit and Research Network (SATURN); ALICE study collaborators (2025). The aetiology and prevalence of preoperative anaemia in patients undergoing major surgery (ALICE): an international, prospective, observational cohort study. Lancet Glob Health. 2025 Dec;13(12):e2041-e2050

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Eine Schwester nimmt einem Patienten Blut ab.
Jeder Dritte, der sich einem größeren chirurgischen Eingriff unterzieht, leidet unter Blutarmut. © Daniel Peter / UKW
Umgang mit spitzen Kanülen ist auch in Schwangerschaft und Stillzeit möglich

Das novellierte Mutterschutzgesetz von 2018 verfolgt eine doppelte Zielsetzung: den Schutz der Gesundheit schwangerer und stillender Frauen sowie die Ermöglichung ihrer Weiterbeschäftigung.

Eine Arbeitsgruppe aus der Anästhesiologie hat in den letzten Jahren praktische Handlungsempfehlungen zur Umsetzung des Mutterschutzes im klinischen Alltag der Anästhesiologie und Intensivmedizin veröffentlicht. Ein bislang ungeklärtes Thema sind dabei Tätigkeiten, bei denen das Risiko von Stich- und Schnittverletzungen besteht und damit einhergehend die Übertragung blutübertragbarer Infektionserreger, wenngleich die Infektionswahrscheinlichkeit für Hepatitis B, C oder HIV gering sind. Um dieses Risiko weiter zu minimieren, wurden stichsichere Kanülen entwickelt. Mit Ausnahme von Injektionsnadeln und peripheren Verweilkanülen sind allerdings Kanülen zur Anlage zentralvenöser oder arterieller Katheter und solche für die Durchführung von Nervenblockaden nicht „stichsicher“, so dass im klinischen Alltag immer wieder Unsicherheiten auftauchen. 

In einem neuen Positionspapier mit Patrick Meybohm als Letztautor wird nun Verantwortlichen, die in ihrer Klinik oder Praxis den Arbeitsplatz für schwangere oder stillende Mitarbeiterinnen in der Anästhesiologie und Intensivmedizin gestalten, ein Leitfaden und eine Erläuterung zum Umgang mit invasiven Tätigkeiten wie das Legen zentralvenöser oder arterieller Katheter und Durchführung von Regionalanästhesien während der Schwangerschaft und Stillzeit an die Hand gegeben werden. 

Eine individuelle Gefährdungsbeurteilung ist entscheidend und muss den Erfahrungsstand der schwangeren oder stillenden Anästhesistin berücksichtigen. Bei Einhaltung aller Schutzmaßnahmen ist es im Hinblick auf die aktuelle Literatur- und Studienlage vertretbar, den Umgang mit Kanülen als „verantwortbare Gefährdung“ einzustufen, sodass eine Weiterbeschäftigung und Fortführung der Weiterbildung in Anästhesiologie und Intensivmedizin möglich sind. Voraussetzung hierfür ist der freiwillige und selbstbestimmte Wunsch der schwangeren oder stillenden Ärztin, invasive Tätigkeiten durchzuführen, sowie die Umsetzbarkeit der Schutzmaßnahmen, getragen durch den Arbeitgebenden.

Publikation
Aehling K, Münster T, Weis E, Ochmann U, Meffert R, Simon P, Meybohm P (2025)
Mutterschutz: Ein Umgang mit spitzen Kanülen in der Anästhesiologie und Intensivmedizin ist auch in Schwangerschaft und Stillzeit möglich.
Anästh Intensivmed. 2025;66:V81–V84

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„Trinken bis zum Abruf in den OP“ reduziert Durstgefühl, verhindert Kopfschmerzen und steigert Patientenzufriedenheit

Nach den aktuellen Leitlinien dürfen chirurgische Patientinnen und Patienten vor einer Operation sechs Stunden lang nichts essen und zwei Stunden lang nichts trinken.

Eine Frau liegt mit OP-Haube und -Hemd im Bett und trinkt ein Glas Wasser.
Die Studie untersuchte, ob es machbar und sicher ist, wenn Patientinnen und Patienten bis vor dem Abruf in den OP klare Flüssigkeiten wie Wasser trinken dürfen. (KI-generiertes Bild / Canva)

Dadurch soll das Risiko minimiert werden, dass Mageninhalt während der Narkose in die Lunge gelangt.

Da der eigentliche OP-Beginn häufig nicht vorhersagbar ist oder Notfälle zwischengeschoben werden müssen, sind die Patientinnen und Patienten sehr häufig bis zu zwölf Stunden nüchtern. Die daraus resultierende Dehydratation erhöht das Risiko für akutes Nierenversagen, Delir und verstärkt Angst, Durstgefühl und Schmerzen, besonders bei vulnerablen Patienten.

Zurückliegende Studien zeigen jedoch, dass ein bis zwei Gläser klare Flüssigkeit (z.B. Wasser, Tee, Kaffee mit etwas Milch) den Magen innerhalb von 20 bis 30 Minuten verlassen. Und da zwischen Patientenabruf in den OP und Beginn der Narkose ohnehin immer viel mehr Zeit vergeht, erlauben einige Krankenhäuser inzwischen das freie Trinken von klaren Flüssigkeiten bis Patienten in den OP abgerufen werden. Verschiedene Beobachtungsstudien bestätigen die Machbarkeit des neuen Konzepts einer großzügigeren Flüssigkeitsaufnahme. Die belastbare Evidenz aus randomisierten kontrollierten Studien ist bislang jedoch begrenzt.

Eine Arbeitsgruppe aus der Anästhesiologie hat daher weltweit zum ersten Mal das neue Konzept in einer prospektiven, kontrollierten, randomisierten Studie untersucht. Insgesamt wurden 174 chirurgische Patientinnen und Patienten entweder einer Kontrollgruppe (etablierter Standard), einer konservativen Intervention (Unterstützung bei der Einhaltung einer zweistündigen Nüchternheit) oder einer liberalen Intervention (freies Trinken bis zum Abruf in den Operationssaal) zugeteilt. 

„Trinken bis zum Abruf“ verkürzte signifikant die mittlere Nüchternheitszeit von fünf bis sechs Stunden in der Kontrollgruppe auf drei Stunden in der konservativen und auf zwei Stunden in der liberalen Interventionsgruppe, und reduzierte signifikant das Durstgefühl und Kopfschmerzen. Entscheidend ist auch, dass das freie Trinken klarer Flüssigkeit bis zum Abruf in den OP sicher war und nicht das Risiko für Aspiration erhöhte, wenngleich zukünftige Studien mit einer höheren Anzahl an Patientinnen und Patienten noch erforderlich sind.

Publikation:
Tobias E Haas, Peter Kranke, Miriam N Stegemann, Philipp Helmer, Benedikt Schmid, Franziska M Diehl, Peter U Heuschmann, Viktoria Rücker, Anna K Seitz, Joachim Diessner, Timo Heintel, Thomas Saller, Anne Rüggeberg, Silvia Krönert, Jona von Keitz, Patrick Meybohm. Benefits in adults allowed to drink clear liquids before anaesthesia until called to the operating room: A randomised pilot study. European Journal of Anaesthesiology ():10.1097/EJA.0000000000002309, November 19, 2025. | DOI: 10.1097/EJA.0000000000002309 

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Eine Frau liegt mit OP-Haube und -Hemd im Bett und trinkt ein Glas Wasser.
Die Studie untersuchte, ob es machbar und sicher ist, wenn Patientinnen und Patienten bis vor dem Abruf in den OP klare Flüssigkeiten wie Wasser trinken dürfen. (KI-generiertes Bild / Canva)
Digitale Entscheidungshilfe räumt mit vielen vermeintlichen Antibiotika-Allergien auf

Viele Menschen geben an, allergisch auf bestimmte Antibiotika zu reagieren, insbesondere sogenannte Beta-Laktam-Antibiotika wie Penicillin. In Wirklichkeit trifft das aber oft nicht zu.

Die Grafik ist ein Flussdiagramm und zeigt, wie viele Patienten rekrutiert wurden und wer was angab und erhielt.
Flussdiagramm zur Patientenaufnahme
Die Abbildung zeigt eine weiße Medikamentendose und drumherum viele Pillen.
Eine neue Studie aus der Anästhesie, Dermatologie und der Zentralen Einrichtung Krankenhaushygiene und Antimicrobial Stewardship hat ein digitales Frage-Tool getestet, das helfen soll, vermeintliche Antibiotika-Allergien schon vor einer Operation besser einzuschätzen. Quelle: Canva

Solche falschen Allergieangaben führen dazu, dass Ärztinnen und Ärzte auf andere, weniger geeignete Antibiotika ausweichen müssen, was das Risiko für Infektionen und Resistenzen erhöhen kann.

Eine neue Studie aus der Anästhesie, Dermatologie und der Zentralen Einrichtung Krankenhaushygiene und Antimicrobial Stewardship hat nun ein digitales Frage-Tool getestet, das helfen soll, diese vermeintlichen Allergien schon vor einer Operation besser einzuschätzen. So kann möglichst vielen Patientinnen und Patienten wieder das Standard-Antibiotikum zur Vorbeugung von Infektionen (perioperative Antibiotikaprophylaxe, PAP) verabreicht werden, ohne vorher aufwendige Allergietests durchführen zu müssen.

Zwischen September 2020 und Oktober 2022 wurden 983 Patientinnen und Patienten, die vor einer Operation eine Beta-Laktam-Allergie angaben, mithilfe eines digitalen Fünf-Schritte-Fragebogens bewertet. Der Fragebogen schätzte ab, wie wahrscheinlich eine echte Allergie ist, und empfahl entweder das Standard-Antibiotikum oder ein alternatives Mittel. Die Forschenden überprüften dann, ob das medizinische Personal den Empfehlungen folgte – und ob allergische Reaktionen auftraten.

Von den 983 Personen benötigten 661 tatsächlich ein Antibiotikum zur Vorbeugung. Bei 420 von ihnen (64%) bewertete das digitale System das Risiko als gering und empfahl das Standard-Antibiotikum. 262 dieser Personen erhielten es auch – und nur 2 zeigten leichte allergische Reaktionen (also weniger als 1%). 158 bekamen trotz Empfehlung ein alternatives Mittel – dabei traten 3 Reaktionen auf. Bei den übrigen 241 Personen (36%) wurde das Risiko für eine echte Allergie als hoch eingeschätzt: 197 erhielten ein alternatives Antibiotikum, 4 zeigten eine Reaktion (2%); 44 bekamen trotzdem ein Beta-Laktam – und keine Reaktion trat auf.

Das digitale Fünf-Schritte-System erwies sich als einfach, sicher und effektiv. Es half, bei rund zwei Dritteln der Patientinnen und Patienten mit angeblicher Beta-Laktam-Allergie das Standard-Antibiotikum gefahrlos zu verwenden. Damit könnte das Tool in Zukunft helfen, unnötige Ausweichmedikamente zu vermeiden und gleichzeitig die Patientensicherheit zu erhöhen.

Daniel Röder, Kathrin Eichhorn, Johanna Stoevesandt, Jan Stumpner, Patrick Meybohm und Güzin Surat. Digital five-step questionnaire to enhance standard perioperative prophylaxis in surgical patients with reported allergy to beta-lactam-antibiotics. Antimicrobial Stewardship & Healthcare Epidemiology. 2025;5(1):e231. doi:10.1017/ash.2025.10140

Die Grafik ist ein Flussdiagramm und zeigt, wie viele Patienten rekrutiert wurden und wer was angab und erhielt.
Flussdiagramm zur Patientenaufnahme
Die Abbildung zeigt eine weiße Medikamentendose und drumherum viele Pillen.
Eine neue Studie aus der Anästhesie, Dermatologie und der Zentralen Einrichtung Krankenhaushygiene und Antimicrobial Stewardship hat ein digitales Frage-Tool getestet, das helfen soll, vermeintliche Antibiotika-Allergien schon vor einer Operation besser einzuschätzen. Quelle: Canva
Untersuchung zur prospektiven Registrierung von COVID-19-Studien

In einer aktuellen Publikation im Fachjournal BMJ Open mit dem Titel Investigation of trial registration as part of a research integrity assessment of randomised controlled trials in COVID-19 evidence syntheses: a meta-epidemiological study analysierte ein Forschungsteam der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie die Bedeutung der prospektiven Registrierung randomisierter kontrollierter Studien (RCTs) im Kontext von COVID-19.

Die Illustration zeigt einen Stand mit Studienregistrierung, Corona-Virus auf Laptop deutet auf das Thema hin, zwei Ärzte stehen mit Tablets vor dem Infostand, eine Person steht dahinter; ein Schild am Stand besagt, dass 58 Prozent bereits prospektiv registriert sind.

Prospektiv registriert bedeutet, dass eine klinische Studie vor dem Start – also bevor die ersten Teilnehmenden eingeschlossen wurden – offiziell in einem Studienregister angemeldet wurde. Dabei werden wichtige Informationen festgehalten, wie zum Beispiel das Ziel der Studie, Teilnahmebedingung, Art der Behandlung und gemessener Ergebnisse. Das schafft Transparenz, vermeidet Manipulation und stärkt das Vertrauen in die Forschung. 

Die Analyse von 188 RCTs ergab, dass lediglich 58 % der Studien prospektiv registriert wurden, also den internationalen Standards guter klinischer Praxis entsprechen. Ein erheblicher Anteil der Studien wurde entweder nicht oder nur retrospektiv registriert, was potenzielle ethische und methodologische Bedenken aufwirft. Besonders auffällig war, dass größere, internationale Multicenterstudien sowie Studien aus Europa häufiger prospektiv registriert waren.

Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit einer konsequenten prospektiven Registrierung klinischer Studien, um die Vertrauenswürdigkeit und Qualität wissenschaftlicher Evidenz zu gewährleisten. Insbesondere im Rahmen von systematischen Übersichtsarbeiten ist die Berücksichtigung der Studienregistrierung ein entscheidender Faktor für die Bewertung der Studienqualität.

Tamara Pscheidl, Florencia Weber, Emma Sydenham, Patrick Meybohm, Stephanie Weibel. Investigation of trial registration as part of a research integrity assessment of randomised controlled trials in COVID-19 evidence syntheses: a meta-epidemiological study. BMJ Open. 2025 May 11;15(5):e092243. doi: 10.1136/bmjopen-2024-092243. PMID: 40350190; PMCID: PMC12067809.

Zur Publikation bei PubMed

 

Die Illustration zeigt einen Stand mit Studienregistrierung, Corona-Virus auf Laptop deutet auf das Thema hin, zwei Ärzte stehen mit Tablets vor dem Infostand, eine Person steht dahinter; ein Schild am Stand besagt, dass 58 Prozent bereits prospektiv registriert sind.
Vitalparameterüberwachung in der Palliativmedizin: Eine Pilotstudie zu tragbaren Sensorsystemen

Palliativpatientinnen und -patienten leiden häufig unter belastenden Symptomen wie Atemnot oder Schmerzen. Um diese möglichst frühzeitig zu erkennen und zu lindern, könnte die kontinuierliche Überwachung von Vitalzeichen – etwa Herzfrequenz, Atemfrequenz und Sauerstoffsättigung – eine wichtige Rolle spielen.

Bisher wird in der Palliativmedizin meist auf solche Messungen verzichtet, da herkömmliche Verfahren oft als unangenehm empfunden werden und eine sporadische Messung der Vitalparameter am Lebensende kritisch hinterfragt wird.

Ein interdisziplinäres Forschungsteam der Palliativmedizin und Anästhesie des UKW hat nun untersucht, ob moderne, tragbare Sensoren dabei helfen können, gesundheitliche Veränderungen bei Palliativpatientinnen und -patienten frühzeitig zu erkennen, ohne ihre Lebensqualität einzuschränken. In einer Pilotstudie wurden kleine, nicht-invasive Sensoren am Handgelenk und an der Brust eingesetzt, die kontinuierlich Vitaldaten erfassen. Ziel war es, herauszufinden, wie zuverlässig die Geräte auch in der letzten Lebensphase funktionieren und wie gut die Datenqualität tatsächlich ist. 

Die Ergebnisse zeigen, dass die Sensoren bei vielen Patientinnen und Patienten teilweise verlässlich arbeiteten. Besonders die Brustsensoren lieferten qualitativ hochwertige Herzfrequenzdaten. Auch bei Patientinnen und Patienten, die während der Studie verstarben, konnten teilweise noch bis unmittelbar vor dem Tod Daten aufgezeichnet werden. Die Messung der Sauerstoffsättigung über das Handgelenk erwies sich allerdings als störanfällig und unverlässlich, was die Grenzen dieser Technologie deutlich macht.

Langfristig könnten tragbare Sensorsysteme dazu beitragen, Symptome frühzeitig zu erkennen und gezielter zu behandeln. So ließe sich die medizinische Betreuung am Lebensende noch besser an die individuellen Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten anpassen. Die Studie schafft damit eine wichtige Grundlage für weiterführende Forschung und die zukünftige Integration moderner Monitoring-Technologie in die Palliativmedizin.

Philipp Helmer, Jessica Glück, Anastasios Anastasiadis, Florian Rumpf, Sebastian Hottenrott, Bernd E. Winkler, Patrick Meybohm, Peter Kranke, Carmen Roch & Michael Sammeth. The use of wearable sensor technology to enhance supportive care in hospitalized palliative patients (Support trial): a prospective preliminary pilot study. BMC Palliat Care 24, 154 (2025). https://doi.org/10.1186/s12904-025-01794-3

Zur Publikation bei PubMed