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Isolation im Extrem: Studie zeigt Risiken für Teamdynamik bei Langzeitmissionen

Ein zwölfköpfiges Überwinterungsteam an der Concordia-Station in der Antarktis – einem der realistischsten Analoga für zukünftige Weltraummissionen – wurde über einen Zeitraum von zehn Monaten von Forschenden begleitet.

Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang in der Antarktis hinter der Station der Concordia

Mithilfe tragbarer Proximity-Sensoren und wiederholter psychologischer Erhebungen gelang es dem internationalen Studienteam um Prof. Dr. Sebastian Walther, Direktor des Zentrums für Psychische Gesundheit am UKW, detailliert darzustellen, wie sich sozialer Kontakt, Gruppenzusammenhalt, Konflikte sowie Gefühle von Einsamkeit und Misstrauen im Zeitverlauf verändern. Die im Journal PNAS (The Proceedings of the National Academy of Sciences) veröffentlichten Ergebnisse zeigen zunehmende zwischenmenschliche Spannungen, die Bildung von Untergruppen und steigendes Misstrauen trotz räumlicher Nähe. 

Das Misstrauen und paranoide Tendenzen und verdeutlichen Sebastian Walther zufolge, dass selbst psychisch robuste Personen unter extremen Bedingungen eine verzerrte soziale Wahrnehmung entwickeln können. Neben einem Anstieg paranoider Gedanken zeigen die Ergebnisse auch stärkere Einsamkeit sowie eine Zunahme von Konflikten, während der Teamzusammenhalt und die individuell wahrgenommene Leistungsfähigkeit abnahmen. Interessanterweise nahmen die durch die Sensoren erfassten zwischenmenschlichen Interaktionen im Zeitverlauf zu, ohne jedoch mit verbessertem Wohlbefinden oder einer gesteigerten Teamdynamik einherzugehen. Im Gegenteil: Häufigere Kontakte führten teilweise sogar zu mehr Konflikten und einer größeren psychischen Belastung. Die Studie deutet somit darauf hin, dass nicht nur Isolation, sondern auch enge räumliche Begrenzung beziehungsweise dauerhafte räumliche Nähe eine zentrale Belastung darstellen und zwischenmenschliche Spannungen auslösen können. 

Zudem bildeten sich innerhalb des Teams Untergruppen entlang von Sprache und Nationalität. Die Autoren vermuten, dass sich die Gruppengrenzen mit zunehmender Erschöpfung verstärkt haben und weisen auf das Risiko einer sozialen Fragmentierung und Polarisierung in internationalen Missionen hin. 

Details zur Studie und Zitate liefert die Pressemeldung.

Publikation: Andrea Cantisani, Jan B. Schmutz, Pedro Marques-Quinteiro, Lorenzo Dall’Amico, Ciro Cattuto, Mirko Antino, Walter J. Eppich, Katharina Stegmayer, and Sebastian Walther. Social interactions in isolated, confined, and extreme environments: A study of Antarctic winter teams using wearable sensors. PNAS. 2026 Vol. 123 No. 0 e2533420123 https://doi.org/10.1073/pnas.2533420123

Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang in der Antarktis hinter der Station der Concordia
ADHS und das metabolische Syndrom: Kardiovaskuläre Risiken bei Erwachsenen mit ADHS

ADHS wird meist mit den Kernsymptomen der Unaufmerksamkeit, motorischer Unruhe, Impulsivität und psychischen Belastungen in Verbindung gebracht. Zunehmend rückt jedoch auch die körperliche Gesundheit in den Fokus.

Säulendiagramm zur Verteilung der BMI-Kategorien bei Personen mit ADHS (schwarz) und gesunden Kontrollpersonen (HC, hell). Auf der x-Achse sind die BMI-Kategorien dargestellt (<18,5; 18,5–24,9; 25–29,9; ≥30), auf der y-Achse der Anteil in Prozent. In der Normalgewichtsgruppe (BMI 18,5–24,9) ist der Anteil bei den Kontrollpersonen deutlich höher (70,7 %) als bei Personen mit ADHS (39,8 %). Dagegen sind bei ADHS Übergewicht (BMI 25–29,9: 37,3 % vs. 23,2 %) und Adipositas (BMI ≥30: 19,3 % vs. 2,4 %) häufiger. Untergewicht (BMI <18,5) tritt in beiden Gruppen nahezu gleich häufig auf (3,6 % bzw. 3,7 %).
Neben den Hauptergebnissen wurde in der Studie auch der bekannte Zusammenhang zwischen ADHS und Adipositas repliziert: 57 Prozent der ADHS-Kohorte (ADHD) lag im Bereich Übergewicht oder Adipositas (BMI ≥ 25), während dies in der gesunden Kontrollkohorte (HC) nur bei 26 Prozent der Fall war.

Im Rahmen der KoR-ADHS Studie (Kardiovaskuläre Regulation bei ADHS), die aus dem von der DFG geförderten UNION-CVD Clinician Scientist Programm hervorging, untersuchte das Forscherteam um Georg Ziegler nun, ob Erwachsene mit ADHS bereits in mittlerem Lebensalter häufiger kardiovaskuläre Risikofaktoren aufweisen. Dazu wurden in der Querschnittsstudie 83 Erwachsene mit ADHS mit 82 gesunden Kontrollpersonen verglichen.

Die Ergebnisse zeigen, dass die ADHS-Gruppe etwa doppelt so häufig die Kriterien eines metabolischen Syndroms erfüllte. Darüber hinaus wiesen die Teilnehmenden mit ADHS einen leicht erhöhten nächtlichen Blutdruck und eine höhere durchschnittliche Herzfrequenz auf. Weitere Analysen deuten darauf hin, dass impulsives Essverhalten und ein höherer Body-Mass-Index zu diesem erhöhten Risiko beitragen könnten.

Die Studie unterstreicht, dass ADHS nicht ausschließlich die psychische Gesundheit betrifft. Vielmehr sprechen die Ergebnisse dafür, kardiovaskuläre Risikofaktoren bei Erwachsenen mit ADHS frühzeitig im Blick zu behalten und präventive Maßnahmen einzuleiten.

Publikation: Georg C. Ziegler, Katharina Kürten, Karla Roshop, Matthias Nieberler, Bodo Warrings, Sarah Kittel-Schneider, Klaus-Peter Lesch, Martin J. Herrmann, Stefan Störk & Jürgen Deckert. ADHD and metabolic syndrome: behavioral and weight-related pathways to cardiovascular risk. Eur Arch Psychiatry Clin Neurosci (2026). https://doi.org/10.1007/s00406-026-02246-6

Säulendiagramm zur Verteilung der BMI-Kategorien bei Personen mit ADHS (schwarz) und gesunden Kontrollpersonen (HC, hell). Auf der x-Achse sind die BMI-Kategorien dargestellt (<18,5; 18,5–24,9; 25–29,9; ≥30), auf der y-Achse der Anteil in Prozent. In der Normalgewichtsgruppe (BMI 18,5–24,9) ist der Anteil bei den Kontrollpersonen deutlich höher (70,7 %) als bei Personen mit ADHS (39,8 %). Dagegen sind bei ADHS Übergewicht (BMI 25–29,9: 37,3 % vs. 23,2 %) und Adipositas (BMI ≥30: 19,3 % vs. 2,4 %) häufiger. Untergewicht (BMI <18,5) tritt in beiden Gruppen nahezu gleich häufig auf (3,6 % bzw. 3,7 %).
Neben den Hauptergebnissen wurde in der Studie auch der bekannte Zusammenhang zwischen ADHS und Adipositas repliziert: 57 Prozent der ADHS-Kohorte (ADHD) lag im Bereich Übergewicht oder Adipositas (BMI ≥ 25), während dies in der gesunden Kontrollkohorte (HC) nur bei 26 Prozent der Fall war.
Langfristige Entwicklung der Schwere von Post-COVID

Das Post-COVID-Syndrom (PCS) beschreibt Beschwerden, die Wochen oder Monate nach einer überstandenen COVID-19-Erkrankung bestehen bleiben oder neu auftreten. Die unterschiedlichen Symptomprofile hängen von der akuten Schwere der Erkrankung (PCS-S) oder der individuellen Resilienz (PCS-R) ab.

Während Querschnittsstudien Risikofaktoren und geschlechtsspezifische Unterschiede identifiziert haben, sind die langfristigen Verläufe nach wie vor unklar. Diese Studie untersucht die Stabilität und das Fortschreiten der PCS-S- und PCS-R-Werte 9, 24 und 36 Monate nach der Erstdiagnose und identifiziert dabei wichtige prädiktive Faktoren, aufgeschlüsselt nach Geschlecht.

Ein Forschungsteam hat unter der Leitung von Prof. Dr. Grit Hein Daten von 1.526 Menschen aus der deutschen NAPKON-Kohorte ausgewertet. Mithilfe von Methoden der Künstlichen Intelligenz (Machine Learning) untersuchten die Forschenden, wie sich die Schwere der Post-COVID-Beschwerden nach 9, 24 und 36 Monaten verändert und welche Faktoren den langfristigen Verlauf vorhersagen können.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Beschwerden im Durchschnitt zwar leicht bessern, viele Betroffene jedoch auch nach drei Jahren noch unter anhaltenden Symptomen leiden. Besonders eine ausgeprägte Fatigue neun Monate nach der Infektion erwies sich als wichtiger Hinweis darauf, dass die Beschwerden langfristig bestehen bleiben könnten. Auch das Alter spielte eine Rolle. Zudem zeigten sich Unterschiede zwischen Frauen und Männern: Bei Frauen beeinflussten unter anderem die Lebensqualität und depressive Beschwerden den weiteren Verlauf, während bei Männern vor allem kognitive Einschränkungen, also Probleme mit Konzentration und Gedächtnis, eine größere Bedeutung hatten.

Die Autorinnen und Autoren kommen zu dem Schluss, dass sich der Schweregrad von Post-COVID nach den ersten neun Monaten meist nur noch wenig verändert. Deshalb ist eine frühzeitige Erkennung von Risikopatientinnen und -patienten wichtig, um Betroffene gezielt zu unterstützen und individuelle Behandlungs- und Rehabilitationsmaßnahmen anzubieten. Die Studie verdeutlicht außerdem, dass Frauen und Männer teilweise unterschiedliche Risikofaktoren aufweisen und diese Unterschiede in der Versorgung berücksichtigt werden sollten.

Publikation: Gutzeit, J., Weiß, M., Kuhn, T., Klinger-König, J., Streit, F., Jockwitz, C., Brandes, B., Wright, M. N., Friedrich, C. M., Woeckel, M., Mikolajczyk, R., Keil, T., Castell, S., Betker, P., Schlett, C. L., Bärnighausen, T. W., Bamberg, F., Günther, M., Hirsch, J., …, Erhardt-Lehmann, A., Hein, G. (2026). Long-term trends in Post-COVID severity: a machine learning analysis from the POP/COVIDOM cohort of the German NAPKON Cohort Network.  eClinicalMedicine, 93, 103822

Größte genetische Studie zu Angstsymptomen mit Würzburger Beteiligung

Angst ist ein lebenswichtiges Warnsystem des Menschen. Doch bei Millionen Betroffenen gerät diese Funktion aus dem Gleichgewicht und entwickelt sich zu einer belastenden Erkrankung.

DNA-Extraktion
Bei der Genanalyse von 693.869 Menschen europäischer Abstimmung fand das Studienteam die bislang größte Anzahl genetischer Zusammenhänge mit Angstzuständen. © Daniel Peter / UKW

Eine neue internationale Studie mit 693.869 Teilnehmenden europäischer Abstammung liefert nun in „Nature Human Behaviour“ die bislang umfassendsten Hinweise auf die genetischen Grundlagen von Angst.

Geleitet wurde die so genannte genomweite Assoziationsstudie (GWAS) vom King's College London und des QIMR Berghofer Medical Research Institute von Thalia Eley. In Würzburg arbeiteten neben Jürgen Deckert noch Nora Strom, Angelika Erhardt-Lehmann (Co-Chair der AG PGC Anxiety) und Heike Weber an dieser weltweit größten Auswertung der DNA bei Angsterkrankungen. 

Insgesamt identifiziert die Studie 74 Positionen im Genom, an denen genetische Unterschiede mit Angstsymptomen in Zusammenhang standen, 39 Positionen wurden erstmals beschrieben.

Neben dieser großen Zahl neuer genetischer Hinweise zeigen die Ergebnisse auch, dass bestimmte Gene eine Rolle bei Angst spielen könnten, zum Beispiel PCLO und SORCS3. Viele der beteiligten Gene sind besonders im Gehirn aktiv und daran beteiligt, wie Nervenzellen miteinander kommunizieren.

Es zeigte sich außerdem ein breites Spektrum signifikanter genetischer Korrelationen zwischen Angstzuständen und sowohl psychischen als auch körperlichen Erkrankungen, darunter Depressionen, Reizdarmsyndrom, chronische Schmerzen, koronare Herzkrankheit, Endometriose und Migräne.

Außerdem zeigte die Analyse: Die bekannten genetischen Unterschiede erklären lediglich etwa 6 Prozent der Unterschiede in der Ausprägung von Angstsymptomen zwischen verschiedenen Menschen. Der größte Teil der genetischen Einflüsse ist somit weiterhin unbekannt.

Es wird betont, dass die genetischen Einflüsse in Wechselwirkung mit Lebenserfahrungen, sozialen Kontexten und psychologischen Faktoren stehen und so das individuelle Risiko formen. Der Anstieg der Angstraten weise auf Umweltfaktoren hin. Das Verständnis genetischer Risiken könne jedoch helfen zu erkennen, wer für diese Faktoren besonders anfällig sein könnte, und letztlich zu wirksameren Präventions- und Behandlungsstrategien beitragen.

Die Autorinnen und Autoren hoffen, mit ihren Studienergebnissen eine neue Welle groß angelegter Analysen anregen zu können, um das Verständnis der genetischen Architektur von Angst zu beschleunigen. 

Hier geht es zur Pressemeldung.

Publikation: Skelton, M., Mitchell, B.L., Assary, E. et al. Genome-wide meta-analysis of quantitatively measured generalized anxiety symptoms in individuals of European ancestry. Nat Hum Behav (2026). https://doi.org/10.1038/s41562-026-02476-7

DNA-Extraktion
Bei der Genanalyse von 693.869 Menschen europäischer Abstimmung fand das Studienteam die bislang größte Anzahl genetischer Zusammenhänge mit Angstzuständen. © Daniel Peter / UKW
Neue Forschungsergebnisse zur Entstehung von Angststörungen und deren biologischen Grundlagen

Im Mittelpunkt der in Nature Genetics veröffentlichte Studie stehen genetische und neurowissenschaftliche Erkenntnisse, die zeigen, dass Angststörungen nicht auf eine einzelne Ursache zurückzuführen sind.

Collage von vier einzelnen Porträts
Prof. Jürgen Deckert (2. v.l.) ist u. a. Letztautor der genetischen Studie zu Angsterkrankungen. Aus Würzburg waren außerdem Privatdozentin Heike Weber (2.v.r), Prof. Angelika Erhardt-Lehmann und Prof. Paul Pauli an dem internationalen Forschungsprojekt beteiligt. Collage mit Bildern von Main-Post (Thomas Obermeier), JMU (Jonas Blank), UKW

Stattdessen entsteht eine erhöhte Anfälligkeit durch das Zusammenspiel vieler genetischer Varianten, die jeweils nur kleine Effekte haben, sowie durch Umwelt- und Entwicklungsfaktoren.

Die Studie macht deutlich, dass diese genetischen Risikofaktoren mit bestimmten Hirnprozessen und Signalwegen verknüpft sind, die an der Verarbeitung von Bedrohung, Stress und Emotionsregulation beteiligt sind. Besonders betroffen sind dabei Netzwerke im Gehirn, die die Reaktion auf Angst steuern und normalerweise helfen, Angst angemessen zu regulieren.

Insgesamt unterstreichen die Ergebnisse, dass Angststörungen als komplexe, biologisch mitgeprägte Erkrankungen zu verstehen sind, bei denen viele kleine Einflussfaktoren zusammenwirken. Dieses bessere Verständnis der zugrunde liegenden Mechanismen soll langfristig dazu beitragen, gezieltere und individuellere Präventions- und Behandlungsansätze zu entwickeln.

Weitere Details liefert die Pressemeldung

Publikation: Strom, N.I., Verhulst, B., Bacanu, SA. et al. Genome-wide association study of major anxiety disorders in 122,341 European-ancestry cases identifies 58 loci and highlights GABAergic signaling. Nat Genet (2026). https://doi.org/10.1038/s41588-025-02485-8

Collage von vier einzelnen Porträts
Prof. Jürgen Deckert (2. v.l.) ist u. a. Letztautor der genetischen Studie zu Angsterkrankungen. Aus Würzburg waren außerdem Privatdozentin Heike Weber (2.v.r), Prof. Angelika Erhardt-Lehmann und Prof. Paul Pauli an dem internationalen Forschungsprojekt beteiligt. Collage mit Bildern von Main-Post (Thomas Obermeier), JMU (Jonas Blank), UKW
Schwache Handkraft als Warnsignal für psychische Erkrankungen

Die Griffstärke gilt bereits als allgemeiner Marker für körperliche Fitness und wird zunehmend auch im Zusammenhang mit psychischer Gesundheit betrachtet.

Person hält elektronischen Manometer, andere Person misst die Zeit
Für die Studie wurden in Bern und Boston einheitliche elektronische Manometer verwendet sowie eine identische Messmethodik. Hier eine Szene aus der Schweiz. © Phil Wenger

Kann die Handkraft also als einfach messbarer körperlicher Parameter Hinweise auf psychische Erkrankungen liefern? Das wurde in einer internationalen Studie unter der Leitung von Sebastian Walther untersucht. 

Die Studie zeigt, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Schizophrenie im Durchschnitt eine geringere Handkraft aufweisen als gesunde Vergleichspersonen. Besonders interessant ist dabei, dass diese reduzierte Muskelkraft nicht nur während einer akuten depressiven Episode besteht, sondern auch nach überstandener Erkrankung fortbestehen kann.

Dies deutet darauf hin, dass psychische Erkrankungen möglicherweise mit längerfristigen körperlichen Veränderungen verbunden sind, die über die eigentliche Krankheitsphase hinausreichen. Die Forschenden diskutieren daher, ob die Handkraft als einfaches Warnsignal für psychische Belastungen oder auch für eine eingeschränkte körperliche Gesundheit dienen könnte.

Gleichzeitig betonen sie, dass weitere Untersuchungen notwendig sind, um zu klären, ob die verminderte Handkraft ursächlich mit der Erkrankung zusammenhängt oder durch Faktoren wie reduzierte Aktivität oder veränderte motorische Kontrolle entsteht.

Insgesamt legt die Studie nahe, dass ein so einfacher Test wie die Messung der Handkraft künftig helfen könnte, psychische Erkrankungen besser einzuordnen und deren körperliche Auswirkungen früher zu erkennen.

Zur Pressemeldung

Publikation: Sofie von Känel, Anastasia Pavlidou, Niluja Nadesalingam, Victoria Chapellier, Melanie G. Nuoffer, Lydia Maderthaner, Alexandra Kyrou, Alexios Malifatouratzis, Florian Wüthrich, Stephanie Lefebvre, Victor Pokorny, Zachary Anderson, Stewart A. Shankman, Vijay A. Mittal, Sebastian Walther. Transdiagnostic Patterns of Grip Strength in Schizophrenia, Current Depression, and Remitted Depression. JAMA Psychiatry. Published Online: March 18, 2026, doi: 10.1001/jamapsychiatry.2026.0144

Person hält elektronischen Manometer, andere Person misst die Zeit
Für die Studie wurden in Bern und Boston einheitliche elektronische Manometer verwendet sowie eine identische Messmethodik. Hier eine Szene aus der Schweiz. © Phil Wenger
Fatigue und Schlafstörungen bei Krankheitsbeginn können das Auftreten eines Post-Covid-Syndroms vorhersagen

Das Zentrum für Psychische Gesundheit untersuchte in dieser Studie den langfristigen Verlauf des Post-COVID-Syndroms (PCS), also anhaltender Beschwerden nach einer SARS-CoV-2-Infektion, über einen Zeitraum von bis zu drei Jahren.

Dabei wurde besonders berücksichtigt, dass sich Post-COVID in unterschiedliche Verlaufsformen unterteilen lässt – unter anderem in eine Form, die stärker mit der Schwere der akuten Infektion zusammenhängt (PCS-S), und eine Form, die eher durch individuelle Resilienz und Reaktion auf die Erkrankung geprägt ist (PCS-R).

Grundlage der Analyse waren Daten von über 1.500 Betroffenen aus dem deutschen NAPKON-Kohortennetzwerk. Mithilfe statistischer Modelle und maschineller Lernverfahren wurden die Symptome über die Zeit hinweg ausgewertet und versucht vorherzusagen, wie sich die Beschwerden langfristig entwickeln.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Symptomschwere zwar über 9 bis 36 Monate hinweg leicht verbessert, insgesamt aber relativ stabil bleibt. Das bedeutet: Viele Betroffene erleben zwar eine gewisse Besserung, die Beschwerden gehen jedoch oft nicht vollständig zurück.

Besonders wichtig ist, dass sich frühe Faktoren bereits nach neun Monaten als gute Prädiktoren für den weiteren Verlauf erwiesen haben. So waren anhaltende Erschöpfung (Fatigue) ein zentraler Risikofaktor für beide Verlaufsformen. Zusätzlich spielten Alter, psychische Gesundheit (z. B. Depression), Lebensqualität sowie Schlafstörungen eine Rolle. Interessanterweise zeigten sich geschlechtsspezifische Unterschiede: Bei Frauen waren insbesondere Lebenssituation und psychische Belastung relevant, während bei Männern eher kognitive Einschränkungen mit dem Verlauf zusammenhingen.

Insgesamt deutet die Studie darauf hin, dass sich der Verlauf von Post-COVID bereits früh recht gut einschätzen lässt und dass unterschiedliche Patientengruppen unterschiedliche Risikoprofile aufweisen. Daraus ergibt sich die Konsequenz, dass langfristige Behandlungs- und Rehabilitationsstrategien stärker individualisiert werden sollten.

Publikation: Gutzeit, J., Weiß, M., Kuhn, T., Klinger-König, J., Streit, F., Jockwitz, C., Brandes, B., Wright, M. N., Friedrich, C. M., Woeckel, M., Mikolajczyk, R., Keil, T., Castell, S., Betker, P., Schlett, C. L., Bärnighausen, T. W., Bamberg, F., Günther, M., Hirsch, J., …, Erhardt-Lehmann, A., Hein, G. (2026). Long-term trends in Post-COVID severity: a machine learning analysis from the POP/COVIDOM cohort of the German NAPKON Cohort Network.  eClinicalMedicine, 93, 103822. https://doi.org/10.1016/j.eclinm.2026.103822