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App verbessert Ergebnisse und Lebensqualität von Patienten mit Hand- und Fußekzemen

Chronische Hand- und Fußekzeme sind nicht nur schmerzhaft und mit starkem Juckreiz verbunden, sondern schränken auch die Lebensqualität der Betroffenen erheblich ein. Ziel der Studie, bei der Astrid Schmieder als Seniorautorin fungierte, war es herauszufinden, ob eine speziell entwickelte Smartphone-App dabei helfen kann, Symptome besser zu kontrollieren und die Lebensqualität zu steigern.

Die App ermöglichte es den Nutzerinnen und Nutzern, den Zustand ihrer Haut regelmäßig zu dokumentieren, Symptome wie Juckreiz oder Rötungen zu bewerten, Fotos der betroffenen Stellen hochzuladen und die gesammelten Informationen mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten zu teilen. In einer randomisierten Studie wurden die Teilnehmenden in zwei Gruppen eingeteilt: Eine Gruppe nutzte zusätzlich zur Standardtherapie die App, die andere erhielt nur die übliche Behandlung.

Die Ergebnisse zeigen: Die Nutzerinnen und Nutzer der App konnten ihre Symptome besser kontrollieren, fühlten sich stärker in ihre Behandlung eingebunden und berichteten insgesamt über eine bessere Lebensqualität. Das Studienteam aus Mannheim, Heidelberg, Erlangen und Würzburg kommt zu dem Schluss, dass digitale Gesundheitsanwendungen wie diese App eine sinnvolle Ergänzung zur medizinischen Versorgung darstellen können – vor allem, weil sie die Eigenverantwortung der Betroffenen stärken und die Kommunikation mit dem medizinischen Personal verbessern.

 

Bruch A, Weigandt W, Schardt Y, Herr R, Benecke J, Schmieder A. Improving Outcomes and Quality of Life for Patients With Hand and Foot Eczema: Randomized Study of a Patient-Centered Monitoring App. J Med Internet Res 2025;27:e52159. doi: 10.2196/52159PMID: 39836950PMCID: 11795157

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Interdisziplinäre Konsultation optimiert Diagnose und Behandlung von Psoriasis-Arthritis

Psoriasis ist eine chronische Hauterkrankung, bei der sich die Hautzellen schneller als normal erneuern. Dadurch entstehen schuppende, gerötete und entzündete Hautstellen, die oft mit silbrig-weißen Schuppen bedeckt sind. Bei fast jedem dritten Betroffenen kommt es zusätzlich zu einer Psoriasis-Arthritis, einer Entzündung der Gelenke.

Verteilung der extraartikulären Krankheitsmanifestationen, dargestellt durch Piktogramme, und Häufigkeiten einschließlich Kombinationen davon unter den Arthritis-Subtypen (verschiedene Farben) bei Patienten mit Psoriasis-Arthritis (n = 56).
Prof. Dr. Astrid Schmieder forscht an einer besseren Diagnose und Behandlung von Psoriasis-Arthritis

Prof. Dr. Astrid Schmieder hat mit ihren ehemaligen Kolleginnen und Kollegen aus Mannheim untersucht, ob eine interdisziplinäre dermatologisch-rheumatologische Sprechstunde bei der Diagnose und Behandlung helfen kann.

Die Studie zeigte, dass Patientinnen und Patienten mit Psoriasis und muskuloskelettalen Symptomen, die diese gemeinsame Sprechstunde in einer Sitzung erhielten, schneller diagnostiziert wurden und sich ihre Krankheitswerte sowohl objektiv als auch subjektiv verbesserten. Auch die psychische Belastung der Betroffenen nahm ab, da sie weniger Zeit für Arztbesuche aufwenden mussten.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein solcher interdisziplinärer Ansatz die Diagnose und Behandlung der Psoriasis-Arthritis deutlich optimieren könnte.

Georg Gross, Christian Lull, Jan von Ahnen , Mara Blauth, Johanna Schwaan, Victor Olsavszky, Astrid Schmieder, Jan Leipe. Interdisciplinary approach to patients with psoriatic arthritis: a prospective, single-center cohort study. Therapeutic Advances in Chronic Disease. 2024;15. doi:10.1177/20406223241293698

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Verteilung der extraartikulären Krankheitsmanifestationen, dargestellt durch Piktogramme, und Häufigkeiten einschließlich Kombinationen davon unter den Arthritis-Subtypen (verschiedene Farben) bei Patienten mit Psoriasis-Arthritis (n = 56).
Prof. Dr. Astrid Schmieder forscht an einer besseren Diagnose und Behandlung von Psoriasis-Arthritis
Hemmung der T-Antigen-Expression ist neue Option für Therapie des Merkelzellkarzinoms

Das Merkelzellkarzinom (MCC) ist ein aggressiver neuroendokriner Hauttumor, der in ungefähr 80% der Fälle durch das Merkelzellpolyomavirus hervorgerufen wird. In vitro Experimente haben gezeigt, dass das Wachstum von Virus-positiven MCC-Zellen von der Expression der viralen Onkoproteine, den sogenannten T-Antigenen, abhängt.

Abbildung: © David Schrama

Die an der Hautklinik forschende Arbeitsgruppe von David Schrama und Roland Houben, die sich seit vielen Jahren mit der Pathogenese des Merkelzellkarzinoms beschäftigt, konnte gemeinsamen mit französischen Arbeitsgruppen und Forschenden in Heidelberg und Essen seltene Fälle dieser Tumorerkrankung molekular charakterisieren, bei denen die Tumoren jeweils aus einer MCC- und einer neuroblastischen Komponente bestanden. In ihrer Arbeit konnten sie nunmehr die vorgenannte Hypothese bekräftigen: obwohl in beiden Komponenten das Virus nachweisbar war, zeigte nur die MCC-Komponente die Expression der T-Antigene. Der Verlust der T-Antigen-Expression führte zu einer neuroblastischen Transdifferenzierung verbunden mit einem Verlust der Proliferation. Eine Inhibition der Expression der T-Antigene könnte somit eine potentielle therapeutische Option für das MCC darstellen.

 

Kervarrec T, Appenzeller S, Gramlich S, Coyaud E, Bachiri K, Appay R, Macagno N, Tallet A, Bonenfant C, Lecorre Y, Kapfer J, Kettani S, Srinivas N, Lei KC, Lange A, Becker JC, Sarosi EM, Sartelet H, von Deimling A, Touzé A, Guyétant S, Samimi M, Schrama D, Houben R. Analyses of combined Merkel cell carcinomas with neuroblastic components suggests that loss of T antigen expression in Merkel cell carcinoma may result in cell cycle arrest and neuroblastic transdifferentiation. J Pathol. 2024 Sep;264(1):112-124. doi: 10.1002/path.6304. Epub 2024 Jul 25. PMID: 39049595.

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Abbildung: © David Schrama
NFAT fördert Kontaktallergie

Mit einem Auftreten von bis zu 20 Prozent in der Bevölkerung zählt die allergische Kontaktdermatitis auch als Kontaktallergie bezeichnet, zu den häufigsten entzündlichen Hauterkrankungen. Neben der hohen Belastung für die Betroffenen hat die Erkrankung insbesondere bei berufsbedingter Ursache weitreichende sozioökonomische Auswirkungen.

Forscher der Hautklinik konnten zusammen mit dem Team der Molekularen Pathologie, Pathologisches Institut der Universität Würzburg, in der renommierten dermatologischen Zeitschrift Journal of Investigative Dermatology zeigen, dass der wichtige Transkiptionsfaktor „Nuclear Factor of Activated T cells c1“ (NFATc1) eine herausragende Rolle bei der Kontrolle der kontaktallergischen Entzündung einnimmt. Wird NFATc1 ausgeschaltet, so resultiert bei Kontakt zu einem Allergen eine deutliche Reduktion des allergischen Geschehens. Die Forscher fanden heraus, dass dies auf eine fehlende, NFAT-getriebene Induktion von „krankmachenden“ Interleukin-17-produzierenden CD8-Zellen zurückzuführen ist. Die Erkenntnisse könnten den Weg für eine therapeutisch nutzbare Intervention bei Allergieerkrankungen ebnen.

 

Muhammad Azeem, Moutaz Helal, Stefan Klein-Hessling, Edgar Serfling, Matthias Goebeler, Khalid Muhammad, Andreas Kerstan. NFATc1 fosters allergic contact dermatitis responses by enhancing the induction of IL-17-producing CD8 cells. J Invest Dermatol. 2024 Dec 27:S0022-202X(24)03036-7. doi: 10.1016/j.jid.2024.11.014. Epub ahead of print. PMID: 39733935. 

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Wie wird bei Bienen- oder Wespengiftallergie mit serologischer Doppelsensibilisierung gegen beide Gifte das Therapiegift für die Immuntherapie identifiziert?

Bei Menschen, die gegen Bienen- und Wespengift sensibilisiert sind, ist es oft schwierig zu bestimmen, welches Gift die allergische Reaktion ausgelöst hat. Dies ist jedoch wichtig, da die Behandlung, insbesondere eine Immuntherapie, gezielt auf das auslösende Gift abgestimmt werden muss. Kann man anhand der Menge spezifischer IgE-Antikörper im Blut unterscheiden, welches Gift verantwortlich ist?

Bei Patientinnen und Patienten mit serologischer Doppelsensibilisierung gegen Bienen- und Wespengift stellt die Identifizierung des therapierelevanten Giftes eine diagnostische Herausforderung dar (Foto: privat).

IgE steht für Immunglobulin E, IgE-Antikörper sind spezielle Proteine des Immunsystems, die bei Allergien eine Rolle spielen. Ein Vergleich der IgE-Werte für Bienengift und Wespengift könnte Hinweise geben.

In der vorgestellten retrospektiven Beobachtungsstudie an 1.069 Patientinnen und Patienten der Würzburger Hautklinik mit gesicherter Allergie gegen Bienen- und/oder Wespengift wurden IgE-Werte für beide Einzelgifte und die Komponenten rApi m 1 und rVes v 5 quantitativ verglichen. Bei 52,1% der doppelt sensibilisierten Patientinnen und Patienten war eine dominante Sensibilisierung nachweisbar, bei der das spezifische IgE gegen Bienen- oder Wespengift das IgE gegen das jeweils andere Gift um mindestens den Faktor 5 überwog. Die Mehrzahl (97,1 %) dieser Patientinnen und Patienten wies eine Monoallergie ausschließlich gegen das dominante Gift auf. Eine zusätzliche komponentenspezifische Diagnostik erscheint im Falle einer 5:1-dominanten Sensibilisierung verzichtbar.

Eine Doppelimmuntherapie ist nur dann notwendig, wenn tatsächlich eine echte Doppelallergie vorliegt, also eine unabhängige allergische Reaktion auf beide Gifte, welche jedoch eher selten ist. 

 

Simon Tischler, Axel Trautmann, Matthias Goebeler, Johanna Stoevesandt. Bee/Vespula Venom-Specific IgE Ratio Greater Than 5:1 Indicates Culprit Insect in Double-Sensitized Patients. J Allergy Clin Immunol Pract. 2025 Jan;13(1):79-88.e4. doi: 10.1016/j.jaip.2024.10.029. Epub 2024 Nov 4. PMID: 39505106.

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Bei Patientinnen und Patienten mit serologischer Doppelsensibilisierung gegen Bienen- und Wespengift stellt die Identifizierung des therapierelevanten Giftes eine diagnostische Herausforderung dar (Foto: privat).
Verlust des KIR3DL1-Proteins könnte für die Entstehung eines seltenen Hautlymphoms („TLPD“) eine Rolle spielen

An der Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie beschäftigt sich die Arbeitsgruppe „Kutane Lymphome“ seit Jahren mit der molekularen Pathogenese kutaner B- und T-Zell-Lymphome.

Erstmals ist es dem Team Kutane Lymphome gemeinsam mit Mitarbeitenden des Pathologischen Instituts gelungen, mittels Deep Sequencing genetische Veränderungen bei einem seltenen Hautlymphom, der sog. Akralen CD8+ T-Zell-Lymphoproliferation (TLPD), zu identifizieren. Diese Art von Lymphom wächst normalerweise langsam und zeigt daher insgesamt wenige genetische Veränderungen. Sie fanden heraus, dass bei diesen Lymphomen bestimmte Gene, wie das KIR3DL1-Gen, vollständig fehlten und das PIK3R1-Gen eine schädliche Mutation aufwies. Alle untersuchten Fälle dieses speziellen Lymphoms wiesen zudem einen Verlust der KIR3DL1-Proteinexpression auf, während in einer Vergleichsgruppe (CD8+ Mycosis fungoides) mehr als 50% KIR3DL1-positiv waren. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Verlust des KIR3DL1-Proteins eine Rolle bei der Entstehung dieses speziellen Lymphoms spielen könnte.

 

Marion Wobser, Silke Appenzeller, Sabine Roth, Claudia Siedel, Matthias Goebeler, Eva Geissinger, Andreas Rosenwald, Katja Maurus. Oncogenic alterations in KIR3DL1 in cutaneous acral CD8+ lymphoproliferative disorder. British Journal of Dermatology (2024). doi:10.1093/bjd/ljae256

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Durch Hemmung des Signalwegs WNT5A die Immunantwort gegen Melanom stärken

In Melanomen wird oft das CDKN2A-Gen deaktiviert, das für zwei wichtige Proteine (p14 und p16) verantwortlich ist, die das Tumorwachstum unterdrücken. Diese Deaktivierung steht in Zusammenhang mit einer schwächeren Immunreaktion gegen den Tumor.

Um zu verstehen, wie der Verlust des p14-Proteins die Immunabwehr beeinflusst, haben Forschende in der Hautklinik den Effekt des Knockdowns von p14 untersucht, also was passiert, wenn p14 ausgeschaltet wird. Sie fanden heraus, dass dadurch eine bestimmte Klasse von Antigenen, die sogenannten Melanozyten-Differenzierungsantigene (MDA), weniger stark gebildet und präsentiert werden. Dies führt dazu, dass T-Zellen, die speziell auf diese MDA reagieren, weniger aktiv sind. Die Forschenden konnten jedoch durch die Hemmung eines bestimmten Signalwegs (WNT5A) die Immunantwort gegen den Tumor wieder verstärken.

 

Jonas Wohlfarth, Corinna Kosnopfel, Dominic Faber, Marion Berthold, Claudia Siedel, Melissa Bernhardt, Andreas Schlosser, Tyler Aprati, David Liu, David Schrama, Roland Houben, Dirk Schadendorf, Matthias Goebeler, Svenja Meierjohann, Bastian Schilling. Loss of p14 diminishes immunogenicity in melanoma via non-canonical Wnt signaling by reducing the peptide surface density. Molecular Oncology (2024). doi:10.1002/1878-0261.13660

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