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Neuartige Magnesiumphosphat-Zementpaste ermöglicht wirksame Verstärkung von Pedikelschrauben in osteoporotischem Knochen

In der klinischen Praxis werden Schrauben in der Wirbelsäule (Pedikelschrauben) häufig mit Knochenzement aus Polymethylmethacrylat (PMMA) verstärkt.

Dieser Zement ist allerdings sehr fest und steif, sodass er eher wie eine zusätzliche Versteifung wirkt als wie echter Knochenersatz. Dadurch können in angrenzenden Wirbelabschnitten häufiger Brüche nach einer Instrumentierung entstehen. Ein neuer experimenteller Knochenzement aus Magnesiumphosphat könnte hier eine bessere Alternative sein, da er günstigere biomechanische Eigenschaften besitzt und sich über dünne Kanülen gut einspritzen lässt. Allerdings wurde dieser Zement bisher noch kaum systematisch untersucht.

Maximilian Heilig, Philipp Heilig, Martin Cornelius Jordan, Rainer Heribert Meffert, Uwe Gbureck und Stefanie Hoelscher-Doht setzten spezielle, an den Spitzen gefensterte Wirbelschrauben in künstliche Knochenblöcke ein, die eine unterschiedliche Dichte der Knochenbälkchen (wie bei unterschiedlich ausgeprägter Osteoporose) auswiesen. Diese Schrauben wurden anschließend mit dem neuen Magnesiumphosphat-Zement stabilisiert. Danach wurde getestet, wie stabil die Konstruktion unter Belastung ist. Zusätzlich wurde gemessen, wie viel Kraft nötig ist, um den Zement je nach verwendeter Spritze einzubringen. 

Das Einbringen des Zements war in allen getesteten Knochen möglich. Dadurch wurden die Schrauben in allen Fällen stabiler. Wie stark dieser Effekt war, hing davon ab, wie dicht bzw. fest der Knochen war: In „weicherem“ Knochen brachte die Verstärkung teilweise andere Effekte als in „härterem“. Ein klarer Grenzwert, ab wann man den Zement einsetzen sollte, ließ sich nicht feststellen.

Der neue Magnesiumphosphat-Zement ließ sich zuverlässig verwenden, um Schrauben in der Wirbelsäule zu stabilisieren. Insgesamt führte er zu einer besseren mechanischen Stabilität. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass dieser gut verträgliche und abbaubare Knochenzement künftig eine mögliche Alternative zu herkömmlichem PMMA-Zement bei Wirbelsäulenoperationen sein könnte.

Publikation: Maximilian Heilig, Philipp Heilig, Martin Cornelius Jordan, Rainer Heribert Meffert, Uwe Gbureck und Stefanie Hoelscher-Doht. A novel magnesium phosphate cement paste enables effective augmentation of pedicle screws in osteoporotic bone. International Orthopaedics. 2026 Apr;50(4):865-871. DOI: 10.1007/s00264-026-06794-3. PMID: 41894009.

Biomechanische Untersuchung zur Stabilität retrograder kanülierter Schrauben bei Mittelhandknochenfrakturen

Biomechanische Studien zu Mittelhandfrakturen konzentrierten sich vor allem darauf, wie viel maximale Kraft unterschiedliche Stabilisierungstechniken aushalten, bevor sie versagen.

Sechs verschiedene Röntgenbilder
Röntgenaufnahmen von Schweinepräparaten der Gruppen 1, 2 und 3, die die verschiedenen verwendeten Implantate zeigen. (a, c, e) zeigen die erzeugten Frakturen. (b–d) zeigen ein Präparat, das mit einem teilweise oder vollständig mit Gewinde versehenen Schrauben stabilisiert wurde. Der Eintrittspunkt der Schrauben wurde im dorsalen Drittel der Gelenkfläche gewählt, um die Knorpelschädigung zu minimieren. (f) zeigt eine Probe, die mit der 2,0-TriLock-Handplatte behandelt wurde. Ziel war es, eine nahezu bikortikale Länge der Schrauben zu erreichen.

Wie stabil diese Techniken bei wiederholten physiologischen Belastungen sind, die bei Bewegungen der Finger wie dem Faustschluss oder der Fingerstreckung ohne maximale Krafteinwirkung auftreten, wurde dagegen bisher kaum untersucht. Die vorliegende Studie der Chirurgie II unter der Leitung von Prof. Dr. Stefanie Hölscher-Doht aus der Klinik und Poliklinik für Unfall-, Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie beschäftigte sich deshalb mit verschiedenen Methoden zur Behandlung von Schaftfrakturen der Mittelhand und untersuchte insbesondere die Stabilität sogenannter kanülierter Kompressionsschrauben. Diese speziellen Schrauben werden im Inneren des Knochens eingebracht und mit kleinen Metallplatten verglichen.

Für die biomechanischen Testungen wurden standardisiert erzeugte Knochenbrüche an Schweineknochen und menschlichen Mittelhandknochen mit unterschiedlichen Implantaten versorgt: entweder mit in den Knochen versenkbaren Schrauben (Teil- oder durchgehendes Gewinde) oder mit einer kleinen Handplatte. Anschließend wurden die Knochen tausendfach zyklisch belastet, um die Bewegungen und die Stabilität der Versorgung zu testen.

Die Ergebnisse zeigten, dass die Platten die Bruchstelle bei wiederholter Belastung etwas besser stabilisierten und weniger Bewegung zuließen. Allerdings hielten vollständig gewindete Schrauben bei sehr hohen Belastungen insgesamt mehr Kraft aus als die Teilgewinde-Schrauben oder die Platten. Eine klare Überlegenheit der Platten konnte insgesamt nicht nachgewiesen werden.

Die Autorin und Autoren kommen daher zu dem Schluss, dass kanülierte Kompressionsschrauben eine gute und stabile Alternative zur Plattenosteosynthese bei schrägen Mittelhandbrüchen darstellen. Besonders vollständig gewindete Schrauben scheinen eine hohe Stabilität zu bieten. Wichtig für den Behandlungserfolg ist vor allem, dass die Schraube möglichst fest und lang im stabilen Knochen verankert wird.

Publikation: Maximilian Heilig, Julian Wagenhäuser, Henner Huflage, Philipp Heilig, Martin Cornelius Jordan, Rafael Gregor Jakubietz, Rainer Heribert Meffert, Stefanie Hoelscher-Doht. Sufficient stability using retrograde cannulated screws in a metacarpal fracture model: a biomechanical evaluation. Front Bioeng Biotechnol. 2026 Jan 5;13:1714404. doi: 10.3389/fbioe.2025.1714404

Sechs verschiedene Röntgenbilder
Röntgenaufnahmen von Schweinepräparaten der Gruppen 1, 2 und 3, die die verschiedenen verwendeten Implantate zeigen. (a, c, e) zeigen die erzeugten Frakturen. (b–d) zeigen ein Präparat, das mit einem teilweise oder vollständig mit Gewinde versehenen Schrauben stabilisiert wurde. Der Eintrittspunkt der Schrauben wurde im dorsalen Drittel der Gelenkfläche gewählt, um die Knorpelschädigung zu minimieren. (f) zeigt eine Probe, die mit der 2,0-TriLock-Handplatte behandelt wurde. Ziel war es, eine nahezu bikortikale Länge der Schrauben zu erreichen.
Drei von vier PJ- Studierende haben im Medizinstudium sexuelle Belästigung erlebt

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz – etwa in Form unerwünschter sexueller Kommentare, Annäherungen oder Handlungen – stellt ein bekanntes und auch in der medizinischen Ausbildung relevantes Problem dar.

Frühere Studien zeigen, dass entsprechende Erfahrungen erhebliche Auswirkungen auf die Betroffenen haben können: Sie sind mit einer erhöhten psychischen Belastung verbunden, verstärken Stress und Angst und können das Lernen sowie die berufliche Entwicklung beeinträchtigen. Zudem tragen sie zur Entstehung von Burnout bei.

Als besonders herausfordernd gilt der Umgang mit solchen Vorfällen im Kontext der stark hierarchisch geprägten Strukturen des medizinischen Systems. Diese erschweren es Betroffenen häufig, Grenzüberschreitungen zu adressieren oder zu melden – insbesondere aufgrund bestehender Abhängigkeitsverhältnisse und möglicher negativer Konsequenzen. 

Sabine Drossard, Oberärztin in der Kinderchirurgie des UKW, hat gemeinsam mit den Studierenden Michelle Förstel und Maximilian Vogt von den Universitäten Heidelberg und Dresden und in Kooperation mit der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) in einer Querschnittstudie das Ausmaß und die Formen sexueller Belästigung unter Medizinstudierenden in Deutschland untersucht. In einer anonymen Online-Umfrage unter Medizinstudierenden in ganz Deutschland wurden Erfahrungen mit sexueller Belästigung, Art der Vorfälle, Tätergruppen und der Umgang mit Vorfällen sowie deren Auswirkungen erfasst. Insgesamt nahmen 5681 Studierende teil. Durch die große Stichprobe waren erstmals auch Subgruppenanalysen möglich wie etwa von Studierenden im Praktischen Jahr (PJ) und betroffenen männlichen Studenten. Insgesamt handelt es sich bei dem Datensatz um den größten der bislang zu dem Thema in Deutschland erstellt wurde. 

Insgesamt gaben 42 % der Medizinstudierenden an, im Laufe des Studiums mindestens einmal sexuelle Belästigung erlebt zu haben. Dabei zeigte sich ein deutlicher Anstieg mit zunehmender Ausbildungsdauer: Während der Anteil in den frühen Studienphasen niedriger lag, gaben im Praktischen Jahr (PJ) bereits 66 % der Studierenden entsprechende Erfahrungen an. Besonders betroffen waren weibliche Studierende – drei von vier Studentinnen im PJ berichteten von sexueller Belästigung

Das Verhalten ging unter Anderem von ärztlichem Personal, aber auch von Patientinnen und Patienten sowie Mitstudierenden aus. Zu den Risikobereichen zählen neben praktischem Unterricht mit Patientinnen und Patienten das Pflegepraktikum, Famulaturen, das PJ sowie Einsätze im OP. Die Mehrheit der Vorfälle wurden nicht gemeldet – unter anderem aus Angst vor negativen Konsequenzen, Abhängigkeit von Vorgesetzten und Unsicherheit bei der Einschätzung des Erlebten. 

Sexuelle Belästigung im Medizinstudium ist mehr als eine individuelle Erfahrung – sie ist Ausdruck institutionalisierter Machtdynamiken. Strukturelle Reformen sind dringend notwendig

„Unsere Ergebnisse bestätigen internationale Studien“, sagt Sabine Drossard. „Sexuelle Belästigung ist ein häufiges und strukturelles Problem in der Medizin, das vor allem – aber nicht nur - Frauen betrifft. Hierarchien verstärken das Risiko und fehlende Unterstützungssysteme erschweren den Umgang.“ Gefährlich sei die Normalisierung solcher Erfahrungen im Klinikalltag.

Dass auch Patientinnen und Patienten eine relevante und bislang häufig unterschätzte Tätergruppe darstellen unterstreicht die besondere Verantwortung von Lehrenden im klinischen Kontext: Sie sollten für die spezifischen Risiken, denen Studierende ausgesetzt sind, sensibilisiert sein, proaktiv über mögliche Grenzüberschreitungen aufklären und ein konsequentes, nicht tolerierendes Vorgehen gegenüber entsprechendem Verhalten etablieren. Gleichzeitig ist es entscheidend, Studierende in solchen Situationen aktiv zu unterstützen, ihre Handlungssicherheit zu stärken und sie bei Bedarf gezielt an geeignete Beratungs- und Unterstützungsangebote – etwa der Universität oder des Universitätsklinikums – zu verweisen.

Vor diesem Hintergrund betont das Autorenteam die Notwendigkeit gezielter Verbesserungen: Erforderlich sind insbesondere wirksame Präventionsprogramme, klar definierte und niedrigschwellige Meldewege sowie verlässliche Schutzstrukturen für Studierende. Am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) bestehen hierfür bereits etablierte Angebote, etwa durch eine Beratungsstelle für Beschäftigte mit der Möglichkeit zur anonymen Meldung. Im deutschlandweiten Vergleich zeigt sich das UKW damit strukturell gut aufgestellt.

Nicht zuletzt bedarf es jedoch eines nachhaltigen kulturellen Wandels im medizinischen System, um Grenzüberschreitungen konsequent entgegenzuwirken.

Die Studie wurde im Journal BMC Medical Education veröffentlicht. Kurze Zeit später erschien die Vorarbeit zur Studie, die Sabine Drossard noch in Augsburg durchgeführt hat: Im Rahmen einer qualitativen Arbeit hat die Kinderchirurgin Interviews mit Studierenden im Praktischen Jahr geführt und hierbei differenzierte Einblicke in das Erleben der Studierenden erhalten: #MEDToo – sexual harassment in medical education: perceptions and coping strategies of medical students in Germany, a qualitative study | BMC Medical Education | Springer Nature Link 

Basierend auf den Ergebnissen dieser Arbeiten hat Sabine Drossard ein gezielt auf die Bedürfnisse der Studierenden zugeschnittenes Lehrprojekt zur Stärkung von Medizinstudierenden im Umgang mit Grenzüberschreitungen im Klinikalltag entwickelt, das im Sommersemester 2025 erstmalig am UKW durchgeführt und nun als Wahlangebot verstetigt wurde. Zusätzlich gibt es eine Informationsveranstaltung für Medizinstudierende, ebenfalls erstmalig im Sommersemester 2025, in der unter anderem die Beratungsangebote von UKW und Universität vorgestellt werden. 

Die Ergebnisse der Studie wurden auf der Webseite www.medtoo.de übersichtlich und laienverständlich aufbereitet. 

Zum Interview mit Sabine Drossard zur aktuellen Studie

Zum Porträt von Sabine Drosssard in der UKW-Serie WomenInScience

Beratungsstelle für Beschäftigte des UKW

Webseite der Universität zum Sexismus in der Medizinischen Lehre

Anonyme Meldestelle der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd): https://www.bvmd.de/gleichstellung/

Publikation: Michelle Förstel, Maximilian Vogt und Sabine Drossard. Sexual harassment at German medical schools – a national cross-sectional study. BMC Med Educ 26, 558 (2026). doi.org/10.1186/s12909-026-08890-9