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Planetare Gesundheit: Herzmedizin im Zeichen von Klima und Umwelt

Die Gesundheit des Menschen ist eng mit den Bedingungen seiner Umwelt verknüpft.

Grafik im Kreisformat: In der Mitte ist ein Herz abgebildet, drum herum sind die einzelnen Themenfelder angeordnet,  Luftverschmutzung, Klimastrafe, Hitzewellen, Waldbrände, Staubstürme und Störung der Gesundheitsdienste
Der Klimawandel beeinflusst die Herz-Kreislauf-Gesundheit über mehrere miteinander verknüpfte Mechanismen. Dazu zählen Hitzewellen, Luftverschmutzung und klimabedingte Veränderungen der Luftqualität („Klimastrafe“) sowie Staubstürme, Waldbrände und Störungen der Gesundheitsversorgung infolge von Extremwetterereignissen. Diese Faktoren erhöhen das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen, Krankenhausaufnahmen und Mortalität, insbesondere in vulnerablen Bevölkerungsgruppen.

Als Leiter der Task Force Planetare Gesundheit der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) setzt sich Prof. Dr. Christoph Maack, Sprecher des DZHI und Leiter des Departments Translationale Forschung, dafür ein, die Auswirkungen von Klimawandel und Umweltfaktoren auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit stärker in Forschung, Prävention und klinischer Praxis zu verankern. Neben einer Webinarreihe für Fachpublikum entstand unter seiner Mitwirkung eine Themenschwerpunkt-Ausgabe der Fachzeitschrift Herz, die den aktuellen Wissensstand zu zentralen Aspekten der planetaren Gesundheit zusammenfasst. Christoph Maack ist Autor folgender Publikationen: 

Herz und Klima
Der Klimawandel wirkt sich auf vielfältige Weise auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit aus – etwa durch Hitzewellen, Extremwetterereignisse oder die Ausbreitung von Infektionskrankheiten. Der Beitrag beleuchtet diese Zusammenhänge und zeigt zugleich auf, wie das Gesundheitswesen seinen eigenen ökologischen Fußabdruck reduzieren und sich besser an die Folgen des Klimawandels anpassen kann.

Publikation: Christoph Maack, Andreas Daiber, Alexandra Schneider, Jos Lelieveld, Omar Hahad, Herz und Klima. Herz (2026), https://doi.org/10.1007/s00059-026-05384-8

Ernährung und Herz
Eine pflanzenbetonte, nachhaltige Ernährung kann nicht nur Treibhausgasemissionen reduzieren, sondern auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken. Der Artikel fasst die wissenschaftliche Evidenz zu herzgesunden Ernährungsformen zusammen und zeigt, wie sich gesundheitliche und ökologische Ziele miteinander verbinden lassen.

Publikation: Niklas Oppenrieder, Christoph Maack, Andreas Daiber & Omar Hahad. Weiterentwicklung der kardiovaskulären Prävention. Evidenzbasierte Gestaltung gesunder und nachhaltiger Ernährungsumgebungen. Herz (2026), https://doi.org/10.1007/s00059-026-05387-5

Lärm und Herz
Chronischer Verkehrslärm ist ein oft unterschätzter Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Der Beitrag beschreibt die zugrunde liegenden Stressreaktionen und Entzündungsprozesse sowie die Zusammenhänge mit Bluthochdruck, Herzinfarkt und anderen kardiovaskulären Erkrankungen.

Publikation: Omar Hahad, Marin Kuntic, Christoph Maack, Andreas Daiber & Thomas Münzel. Lärm und das Herz. Herz (2026). https://doi.org/10.1007/s00059-026-05383-9

Das kardiovaskuläre Exposom
Der Übersichtsartikel zum kardiovaskulären Exposom stellt ein neues Konzept vor, das die Gesamtheit aller Umwelt- und Lebensstileinflüsse über die gesamte Lebensspanne berücksichtigt. Es verdeutlicht, dass Umweltfaktoren gemeinsam mit genetischen Voraussetzungen die Herz-Kreislauf-Gesundheit prägen und künftig stärker in Prävention, Forschung und personalisierte Medizin einbezogen werden sollten.

Publikation: Andreas Daiber, Thomas Münzel, Christoph Maack, Omar Hahad & Marin Kuntic. Das kardiovaskuläre Exposom: Handlungsfelder für Prävention und praktische Kardiologie. Herz (2026). https://doi.org/10.1007/s00059-026-05380-y

Grafik im Kreisformat: In der Mitte ist ein Herz abgebildet, drum herum sind die einzelnen Themenfelder angeordnet,  Luftverschmutzung, Klimastrafe, Hitzewellen, Waldbrände, Staubstürme und Störung der Gesundheitsdienste
Der Klimawandel beeinflusst die Herz-Kreislauf-Gesundheit über mehrere miteinander verknüpfte Mechanismen. Dazu zählen Hitzewellen, Luftverschmutzung und klimabedingte Veränderungen der Luftqualität („Klimastrafe“) sowie Staubstürme, Waldbrände und Störungen der Gesundheitsversorgung infolge von Extremwetterereignissen. Diese Faktoren erhöhen das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen, Krankenhausaufnahmen und Mortalität, insbesondere in vulnerablen Bevölkerungsgruppen.
Neue Einblicke in den Energiestoffwechsel bei dyssynchroner Herzinsuffizienz

Bei einer dyssynchronen Herzinsuffizienz, die vor allem bei Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion auftritt, also der Form, die eine „Pumpschwäche“ verursacht, arbeiten die verschiedenen Bereiche der linken Herzkammer nicht mehr im Gleichklang.

Wie sich diese gestörte Koordination auf den Energiestoffwechsel der Herzmuskelzellen auswirkt, stand im Mittelpunkt einer Kollaboration zwischen dem Department Translationale Forschung des DZHI (Leitung: Prof. Christoph Maack; Projektbearbeitung: Dr. Alexander Nickel) und der Klinik für Kardiologie der Universität Regensburg. 

Die Forschenden untersuchten die Stoffwechselveränderungen bei dyssynchroner Herzinsuffizienz. In einem Großtiermodell konnten sie zeigen, dass sich die Mitochondrien, die „Kraftwerke“ der Herzmuskelzellen, an die ungleichmäßige Belastung des Herzens anpassen und sich in den stärker beanspruchten Bereichen anreichern. Trotz dieser Anpassung gerät der Herzmuskel zunehmend in einen Energiemangel, der schließlich zu einer eingeschränkten Pumpfunktion führt. 

Die Ergebnisse liefern neue Einblicke in die Rolle des Energiestoffwechsels bei der Entstehung der Herzinsuffizienz und könnten dazu beitragen, zukünftige Therapieansätze gezielt auf die mitochondriale Funktion auszurichten.

Publikation: Alexander Dietl, Sabine Iberl, Lisa Marie Köhler, Katja Evert, Maria Heinrich, Esther Dreier, Jan Dudek, Christoph Magnes, Moritz Mayer, Michael Paulus, Christian Riehle, Stefan Wagner, Elmar Zügner, Lars S Maier, Filip Rega, Christoph Maack, Alexander Nickel, Jens-Uwe Voigt, Jürgen Duchenne, Dyssynchronous heart failure: mitochondrial distribution and functions mirror regional workload and energy demand in a large-animal model of ventricular desynchronization, European Journal of Heart Failure, 2026;, xuag112, https://doi.org/10.1093/ejhf/xuag112

Mavacamten bei hypertropher Kardiomyopathie: Vom Wirkmechanismus zur klinischen Anwendung

Mit gleich drei aktuellen Publikationen leistetet das Department Translationale Forschung des DZHI unter der Leitung von Prof. Christoph Maack wichtige Beiträge zur Weiterentwicklung der Therapie der hypertrophen Kardiomyopathie (HCM) mit dem Myosin-Inhibitor Mavacamten.

Die Arbeiten spannen den Bogen von molekularen Krankheitsmechanismen über experimentelle Modelle bis hin zur Bewertung verschiedener Behandlungsstrategien im klinischen Alltag. 

In einer internationalen Zusammenarbeit mit Forschenden aus Paris untersuchte das Team (Projektleitung: Dr. Michael Kohlhaas) die Wirkung von Mavacamten in einem Stammzellmodell einer seltenen, RAS-assoziierten Form der hypertrophen Kardiomyopathie. Die Ergebnisse zeigen, dass der Wirkstoff die krankhaft gesteigerte Kontraktionskraft der Herzmuskelzellen abschwächt und den gestörten Energiehaushalt der Zellen unter Belastung wieder ins Gleichgewicht bringen kann. Damit liefert die Studie wichtige Hinweise darauf, dass Mavacamten auch Patientinnen und Patienten mit bislang kaum untersuchten genetischen Formen der Erkrankung zugutekommen könnte. 

Publikation: Andrea Ruiz-Velasco, Charlène Jouve, Lucille Deshayes, Michael Kohlhaas, Christoph Maack & Jean-Sébastien Hulot. Mavacamten improves energy balance in a pre-clinical model of RASopathy-associated hypertrophic cardiomyopathy. Pediatr Res (2026). https://doi.org/10.1038/s41390-026-05208-9

Zwei weitere Publikationen, die unter der gemeinsamen Federführung von Dr. Vasco Sequeira vom DZHI mit Dr. Jan Reil und Dr. Smita Scholz vom Herz- und Diabeteszentrum Bad Oeynhausen entstanden, beleuchten den Einsatz von Mavacamten in der klinischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit obstruktiver hypertropher Kardiomyopathie. Dabei wurden die Behandlungsergebnisse unter Mavacamten mit denen der etablierten perkutanen transluminalen septalen Myokardablation (PTSMA, auch als alkoholische Septumablation bekannt) verglichen. Gemeinsam tragen die Studien dazu bei, die Rolle des Medikaments im Behandlungskonzept der HCM besser einzuordnen und die Therapie künftig noch gezielter an die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen anzupassen.

Publikation: Jan-Christian Reil, Vasco Sequeira, Cédric Coppée, Karina Peters, Jan M. Federspiel, Paul Steendijk, Christoph Maack, Mark T. Waddingham, Volker Rudolph, Gert-Hinrich Reil, and Smita Scholtz. Mavacamten Versus Alcohol Septal Ablation in Obstructive Hypertrophic Cardiomyopathy: An Echocardiography-Derived Pressure-Volume Analysis. Circ Heart Fail. 2026 May;19(5):e013392. https://doi.org/10.1161/CIRCHEARTFAILURE.125.013392

Publikation: Smita Scholtz, Cédric Coppée, Kawa Mohemed, Max Potratz, Felix Langkamp, Volker Rudolph, Christoph Maack, Werner Scholtz, Vasco Sequeira & Jan-Christian Reil. Mavacamten optimizes myocardial work in patients with obstructive hypertrophic cardiomyopathy: a non-invasive pressure-strain analysis. Clin Res Cardiol. 2026 May;115(5):875-886. doi: 10.1007/s00392-026-02855-0

 

First-in-human-Studie: PET-Tracer zeigt hochauflösende Bildgebung des sympathischen Nervensystems

Bei zahlreichen Erkrankungen, zum Beispiel Herzkrankheiten, neurodegenerativen Erkrankungen und bestimmten Tumoren, sind Veränderungen in der Aktivität des sympathischen Nervensystems sichtbar, oft noch bevor es zu strukturellen Schäden kommt.

Das Team steht in weißen Kitteln und Hosen um einen PET-Scanner
Prof. Dr. Takahiro Higuchi (3. v. links) und seine Arbeitsgruppe am DZHI Würzburg. © Katrin Heyer

Deshalb spielt die PET-Bildgebung (PET für Posittronen-Emissions-Tomographie) mit radioaktiv markierten Stoffen, sogenannten Tracern, für die Diagnose, Prognose und Therapie dieser Erkrankungen eine zentrale Rolle. 

Die bisherigen zur Darstellung des sympathischen Nervensystems zugelassenen Tracer weisen jedoch Limitationen hinsichtlich Bildqualität, Sensitivität und diagnostischer Aussagekraft auf. 

Die Nuklearmedizin des UKW entwickelte mit [18F]Fluproxadine einen neuartigen und vielversprechenden PET-Radiotracer zur Darstellung des Noradrenalin-Transporters (NET). Das Transportprotein NET sitzt in der Zellmembran von Nervenzellen, die den Botenstoff Noradrenalin verwenden. Noradrenalin beeinflusst neben Blutdruck und Stressreaktionen auch Stimmung und Konzentration. Der Transporter bestimmt mit, wie lange und wie stark Noradrenalin wirkt. Umfassende Voruntersuchungen des Tracers in Zell- und Tiermodellen verliefen vielversprechend, sodass [18F]Fluproxadin nun im Rahmen einer internationalen Kooperation erstmals im gesunden Menschen eingesetzt wurde.

In der im “Journal Clinical Nuclear Medicine” veröffentlichten First-in-Human-Studie zeigt das Team um Prof. Dr. Takahiro Higuchi nun gemeinsam mit der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität München und Partnern aus Japan, dass eine hochauflösende Bildgebung des sympathischen Nervensystems beim Menschen mit [18F]Fluproxadine sicher und technisch gut möglich ist. Die Strahlenbelastung war akzeptabel, es gab keinen Hinweis auf relevante Nebenwirkungen und der Tracer verteilte sich gut und interpretierbar im Körper. Mit [18F]Fluproxadin konnte die Aktivität des sympathischen Nervensystems sehr präzise sichtbar gemacht werden. 

Weitere Informationen, auch zu den nächsten Forschungsschritten, liefert die Pressemeldung zur Studie.

Publikation: Yamane, Tomohiko; Iimori, Hitoshi; Akamatsu, Go; Ikari, Yasuhiko; Hoda, Yuki; Shimizu, Keiji; Matsumoto, Keiichi; Senda, Michio; Werner, Rudolf A.; Nose, Naoko; Chen, Xinyu; Higuchi, Takahiro. First-In-Human Evaluation of [18F]Fluproxadine for Norepinephrine Transporter PET: Biodistribution, Dosimetry, and Safety. Clinical Nuclear Medicine 51(7):p 555-564, July 2026. | DOI: 10.1097/RLU.0000000000006504

Das Team steht in weißen Kitteln und Hosen um einen PET-Scanner
Prof. Dr. Takahiro Higuchi (3. v. links) und seine Arbeitsgruppe am DZHI Würzburg. © Katrin Heyer
HI-PLUS: Cluster-randomisierte Studie zu strukturiertem Case Management und Telemonitoring bei Herzinsuffizienz

Herzinsuffizienz ist in Deutschland nach wie vor eine der häufigsten Ursachen für Krankenhausaufenthalte und Todesfälle. Trotz Fortschritten in der Therapie beeinträchtigt sie die Lebensqualität der Betroffenen erheblich.

Strukturierte, multidisziplinäre Versorgungsprogramme könnten die langfristigen Behandlungsergebnisse verbessern. HI-PLUS ist eine praxisnahe Studie, die untersucht, ob eine komplexe Versorgungsintervention die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz verbessern kann. In der Fachzeitschrift „Clinical Research in Cardiology beschreibt das Studienteam aus dem Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI), dem Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie (IKE-B), dem Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, Controlling und interne Unternehmensrechnung und der Deutschen Stiftung für chronisch Kranke das Studiendesign sowie die Ergebnisse einer vorgeschalteten Machbarkeitsstudie.

HI-PLUS ist eine cluster-randomisierte, kontrollierte Studie mit zwei parallelen Studienarmen. Die Cluster bestehen jeweils aus einer kardiologischen Praxis und bis zu fünf hausärztlichen Praxen bestehen. Die Kontrollgruppe erhält die leitliniengerechte Standardversorgung. In der Interventionsgruppe wird diese durch fünf Elemente ergänzt: Einer Betreuung durch speziell qualifizierte nichtärztliche Fachkräfte für Herzinsuffizienz (HI-MFA), ein von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) zertifizierter Lehrgang für HI-MFA, eine eHealth-Plattform für Telemonitoring und die Erfassung von Symptomen, tragbare telemedizinische Geräte bei Bedarf sowie eine verbesserte Kommunikation zwischen Kardiologinnen und Kardiologen sowie Hausärztinnen und Hausärzten, unterstützt durch die HI-MFA und die eHealth-Plattform. 

Primärer Endpunkt ist die Veränderung der herzinsuffizienzspezifischen Lebensqualität nach zwölf Monaten, gemessen anhand des Kansas City Cardiomyopathy Questionnaire Overall Summary Score (KCCQ-OSS). Eine vor Beginn der Patientenrekrutierung durchgeführte Pilot-Machbarkeitsstudie bestätigte, dass die geplanten Studienabläufe praktikabel und von den Beteiligten gut akzeptiert sind.

Insgesamt wurden 712 Patientinnen und Patienten in die bundesweite HI-PLUS-Studie eingeschlossen, von denen 585 die zwölfmonatige Nachbeobachtung absolvierten. Mit deren Abschluss beginnt jetzt die wissenschaftliche Auswertung. Erweist sich das Versorgungskonzept als wirksam, könnte es als skalierbares Modell für eine integrierte Versorgung von Menschen mit Herzinsuffizienz in ganz Deutschland dienen.

Details zum Abschluss der Nachbeobachtung liefert die Pressemeldung vom 28.07. 2026.

Publikation: Martha Schutzmeier, Viktoria Rücker, Jonas Widmann, Peer Papior, Lisa Kimmelmann, Fabian Kerwagen, Lorenz Heil, Helena Manger, Andrea Szczesny, Yannick Maaser, Bettina Zippel-Schultz, Thomas Helms, Peter U Heuschmann & Stefan Störk. HI-PLUS: design of a cluster-randomized trial evaluating structured case management with telemonitoring to improve quality of life in heart failure. Clin Res Cardiol (2026). https://doi.org/10.1007/s00392-026-02904-8

Prädiktoren für den langfristigen Nutzen einer Hochdosistherapie mit Melphalan und autologer Stammzelltransplantation bei AL-Amyloidose

Die Hochdosistherapie mit Melphalan (HDM) und autologer Stammzelltransplantation ist eine etablierte Behandlung der systemischen Leichtketten-(AL-)Amyloidose, ihr zusätzlicher Nutzen im Zeitalter wirksamer Standardtherapien mit konventioneller Intensität ist jedoch bislang unbekannt.

Erstautor Maximilian Steinhardt untersuchte mit einem internationalen Team in einer multizentrischen retrospektiven Studie 475 transplantationsgeeignete Patientinnen und Patienten mit AL-Amyloidose, um herauszufinden, welche Betroffenen langfristig von einer Hochdosistherapie mit Melphalan und anschließender autologer Stammzelltransplantation profitieren. Steinhardt ist Arzt im Interdisziplinären Amyloidosezentrum Nordbayern, das seine Ambulanz im Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz DZHI Würzburg hat. 

Die Ergebnisse zeigen, dass insbesondere Patientinnen und Patienten, die nach der ersten medikamentösen Behandlung noch keine vollständige hämatologische Remission erreicht hatten oder bei Diagnosestellung eine hohe Zahl krankhafter Plasmazellen im Knochenmark aufwiesen, durch die Stammzelltransplantation einen deutlichen Vorteil hinsichtlich der Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung hatten. Dagegen zeigte sich kein zusätzlicher Nutzen für Betroffene, die bereits vor der Transplantation eine komplette Remission erreicht hatten. Die Studie spricht damit für einen gezielten, individuellen Einsatz der Hochdosistherapie statt einer routinemäßigen Anwendung bei allen transplantationsgeeigneten Patientinnen und Patienten.

Publikation: Maximilian J. Steinhardt, Ute Hegenbart, Tamer Hellou, Sara Oubari, Murielle Roussel, Rahel Schwotzer, Francis Buadi, David Dingli, Moritz Binder, Taxiarchis Kourelis, Saurabh S. Zanwar, Max J. Rieger, Caroline Morbach, Vladimir Cejka, Bernhard Gerber, Stefan Störk, Hermann Einsele, Shaji Kumar, Morie Gertz, Alexander Carpinteiro, K. Martin Kortum, Eli Muchtar, Angela Dispenzieri, Stefan Schönland. Determinants of Long-Term Benefit From High Dose Melphalan With Autologous Stem Cell Transplant in AL Amyloidosis, American Journal of Hematology 101, no. 8 (2026): 1903–1914, https://doi.org/10.1002/ajh.70371.

Mavacamten optimiert die Herzmuskelarbeit bei Patienten mit obstruktiver hypertropher Kardiomyopathie: eine nicht-invasive Druck-Dehnungs-Analyse

Die hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie ist einer Erkrankung, bei der der Herzmuskel verdickt ist und der Blutfluss aus dem Herzen behindert werden kann. Diese strukturelle Veränderung führt häufig zu einer erhöhten Belastung des Herzens und kann die körperliche Leistungsfähigkeit deutlich einschränken.

Verschiedene Bilder eines Fallbeispiels - Gradienten, Myokardarbeitsindex etc.
Fallbeispiel eines Patienten mit obstruktiver hypertropher Kardiomyopathie, der nach 12-wöchiger Mavacamten-Therapie echokardiographische Veränderungen aufweist. A LVOT-Spitzengradienten in Ruhe zu Studienbeginn und nach 12-wöchiger Mavacamten-Therapie. B GLS zu Studienbeginn und nach 12-wöchiger Mavacamten-Therapie. C Myokardarbeitsindex (GWI) zu Studienbeginn und 12 Wochen nach Mavacamten-Behandlung. D Globale konstruktive Arbeit und globale verschwendete Arbeit zu Studienbeginn und 12 Wochen nach Mavacamten-Behandlung. Abkürzungen: LVOT, linker ventrikulärer Ausflusstrakt; GLS, globale Längsdehnung; GWI, globaler Arbeitsindex

Diese strukturelle Veränderung führt häufig zu einer erhöhten Belastung des Herzens und kann die körperliche Leistungsfähigkeit deutlich einschränken. Forschende des DZHI untersuchten gemeinsam mit dem Herz- und Diabeteszentrum NRW, Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum, die Wirkung des Medikaments Mavacamten bei Patientinnen und Patienten mit hypertropher obstruktiver Kardiomyopathie. 

Im Fokus der Untersuchung stand die sogenannte myokardiale „Arbeit“, also die Effizienz, mit der das Herz Blut pumpt und dabei Energie einsetzt. Mithilfe moderner echokardiografischer Verfahren konnte diese Größe nicht-invasiv bestimmt und differenziert analysiert werden.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Behandlung mit Mavacamten zu einer signifikanten Verbesserung der kardialen Effizienz führte. Konkret arbeitete das Herz unter Therapie ökonomischer: Die mechanische Leistung nahm zu, während die Belastung des Herzmuskels gleichzeitig abnahm. Dies deutet darauf hin, dass das Medikament nicht nur die hämodynamische Situation verbessert, sondern auch die energetische Balance des Herzens positiv beeinflusst.

Die Befunde liefern damit wichtige Hinweise auf einen Wirkmechanismus, der über eine reine Symptomkontrolle hinausgeht und direkt an der Pathophysiologie der Erkrankung ansetzt. Gleichzeitig handelt es sich um eine vergleichsweise kleine Studie, sodass weiterführende Untersuchungen erforderlich sind, um die Ergebnisse zu bestätigen und insbesondere die langfristigen klinischen Auswirkungen zu bewerten.

Publikation: S. Scholtz, C. Coppée, K. Mohemed, M. Potratz, F. Langkamp, V. Rudolph, C. Maack, W. Scholtz, V. Sequeira & J.-C. Reil. Mavacamten optimizes myocardial work in patients with obstructive hypertrophic cardiomyopathy: a non-invasive pressure–strain analysis. Clin Res Cardiol 115, 875–886 (2026). https://doi.org/10.1007/s00392-026-02855-0

Verschiedene Bilder eines Fallbeispiels - Gradienten, Myokardarbeitsindex etc.
Fallbeispiel eines Patienten mit obstruktiver hypertropher Kardiomyopathie, der nach 12-wöchiger Mavacamten-Therapie echokardiographische Veränderungen aufweist. A LVOT-Spitzengradienten in Ruhe zu Studienbeginn und nach 12-wöchiger Mavacamten-Therapie. B GLS zu Studienbeginn und nach 12-wöchiger Mavacamten-Therapie. C Myokardarbeitsindex (GWI) zu Studienbeginn und 12 Wochen nach Mavacamten-Behandlung. D Globale konstruktive Arbeit und globale verschwendete Arbeit zu Studienbeginn und 12 Wochen nach Mavacamten-Behandlung. Abkürzungen: LVOT, linker ventrikulärer Ausflusstrakt; GLS, globale Längsdehnung; GWI, globaler Arbeitsindex