Nach einer allogenen Stammzelltransplantation bleibt das CMV zum Beispiel eine klinisch hochrelevante Komplikation, selbst wenn moderne Medikamente zur Vorbeugung eingesetzt werden. Ein solches Medikament ist Letermovir, das die Zahl schwerer CMV-Infektionen deutlich reduzieren kann. Allerdings zeigt sich, dass das Virus oft erst später wieder aktiv wird – nämlich nach dem Absetzen der Prophylaxe. Zu diesem Zeitpunkt hat sich das Immunsystem des Körpers bereits teilweise erholt, insbesondere der Teil, der Antikörper bildet.
Ein Team unter der Leitung von Priv.-Doz. Dr. Sabrina Kraus und Dr. Chris Lauruschkat von der Medizinischen Klinik und Poliklinik II untersuchte, wie sich die Abwehrreaktionen gegen CMV entwickeln. Dabei wurde sowohl die Antikörperantwort als auch das Verhalten relevanter Immunzellen betrachtet. Ziel war es herauszufinden, welche Kombinationen dieser Faktoren dazu beitragen, das Virus gut zu kontrollieren, und welche eher mit einer klinisch relevanten Infektion verbunden sind.
Die Ergebnisse zeigen, dass eine Reaktivierung des Virus in einer späteren Phase, also nach der Prophylaxe, oft mit einer bereits ausgeprägten Antikörperantwort einhergeht. Bei Patientinnen und Patienten ohne Behandlung gegen CMV tritt die Antikörperantwort eher früh auf und ist von einem bestimmten Antikörpertyp (IgG) geprägt. Bei klinisch relevanten Infektionen ist dagegen häufiger ein anderer, unreiferer Antikörpertyp, Immunglobulin M (IgM), beteiligt.
Höhere IgG-Spiegel gingen hierbei mit einer Zunahme spezieller natürlicher Killerzellen (sogenannter „memory-like“ NK-Zellen) einher, die eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von CMV spielen. Dies spricht für ein enges Zusammenspiel humoraler und angeboren-zellulärer Immunität bei der Kontrolle von CMV nach einer allogenen Stammzelltransplantation.
Auch eine bestimmte Untergruppe von T-Zellen (Vδ1+ γδ-T-Zellen) scheint dabei eine Rolle zu spielen. Diese Zellen könnten zusammen mit den NK-Zellen als zusätzliche Hinweise darauf dienen, wie gut sich das Immunsystem nach der Transplantation erholt hat und wie effektiv es gegen CMV vorgehen kann.
Insgesamt trägt die Arbeit dazu bei, die Immunreaktion gegen CMV nach einer Stammzelltransplantation im Zeitalter moderner Prophylaxe besser zu verstehen. Sie zeigt, dass es für die Einschätzung des Infektionsrisikos nicht ausreicht, nur klassische Immunparameter zu betrachten. Stattdessen könnten in Zukunft auch Antikörperprofile sowie bestimmte Zelltypen des Immunsystems genutzt werden, um gefährdete Patientinnen und Patienten genauer zu erkennen. Das eröffnet Möglichkeiten für individuell angepasste Kontrollen und neue, gezieltere Behandlungsstrategien.
Die Studie ist Teil der Arbeit innerhalb der DFG-Forschungsgruppe 2830 (Sprecher: Prof. Dr. L. Dölken) und bring das Team einen Schritt näher daran, die Sicherheit der allogenen Stammzelltransplantation weiter zu verbessern.
Publikation: Chris D. Lauruschkat, Hannah Görge, Kerstin Knies, Benedikt Weißbrich, Lars Dölken, Carolin Köchel, Nina Imhof, Magdalena Huber, Hartmut Hengel, Hermann Einsele, Sebastian Wurster, Sabrina Kraus. Human cytomegalovirus control in allogeneic stem cell transplant recipients in the letermovir era – emerging humoral and cellular players. Haematologica.Vol. 111 No. 4 (2026): April, 2026 https://doi.org/10.3324/haematol.2025.288237