Neue Erkenntnisse zur Immuntherapie bei metastasiertem Nierenzellkarzinom

Das metastasierte Nierenzellkarzinom ist die häufigste Form von Nierenkrebs bei Erwachsenen und wird heute oft mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren behandelt. Trotz verbesserter Prognosen spricht allerdings ein erheblicher Teil der Patientinnen und Patienten nicht auf diese Therapien an. Die Auswahl der Behandlung basiert bislang vor allem auf klinischen Risikofaktoren wie Krankheitsverlauf und Laborwerten.

Doch welche Patientinnen und Patienten profitieren tatsächlich von dieser Behandlung? Das untersuchte ein Team der Urologie des UKW gemeinsam mit dem Pathologischen Institut des Uniklinikums Erlangen. Die Forschenden nutzten hochauflösende räumliche Transkriptomik, um „Landkarten“ der Tumorumgebung zu erstellen. Diese zeigen, wie Immunzellen, beispielsweise Makrophagen und CD8⁺-T-Zellen, lokal organisiert sind, wie aktiv sie sind und wie sie miteinander kommunizieren. Dabei stellten sie fest, dass Metastasen und Primärtumoren sich deutlich in ihrer Immunlandschaft unterscheiden.

Ein zentrales Ergebnis: In den Metastasen konnte das Team um Privatdozent Dr. Charis Kalogirou (Erstautor) und Privatdozent Dr. Markus Eckstein (Letztautor) sogenannte „Immun-Nischen“ identifizieren – Regionen, in denen Immunzellen über Chemokin-Signale eng zusammenwirken. Patientinnen und Patienten mit solchen Immun-Nischen sprachen deutlich besser auf die Immuntherapie an, während dieser Zusammenhang im Primärtumor kaum auftrat.

Basierend auf diesen Mustern leiteten die Forschenden eine Gen-Signatur ab, die das Ansprechen auf Immuntherapie in internationalen Studien mit über 1.000 Patientinnen und Patienten zuverlässig vorhersagen konnte. In resistenten Tumorgebieten dominierten hingegen Gene, die auf eine unterdrückte Immunantwort hinweisen.

Die Ergebnisse betonen, dass nicht nur die Präsenz von Immunzellen zählt, sondern auch ihre räumliche Anordnung und Aktivität innerhalb der Metastasen. Eine gezielte Analyse der Tumormikroumgebung könnte künftig helfen, die Auswahl der Therapie besser auf die individuellen Immunprofile abzustimmen – ein wichtiger Schritt hin zu einer präziseren, biomarker-gesteuerten Krebstherapie.

Weitere Details zur Studie liefert die folgende Pressemeldung.

Publikation
Charis Kalogirou, Markus Krebs, Andreas S Kunz, Oliver Hahn, Hubert Kübler, Marcel Schwinger, Arndt Hartmann, Astrid Schmieder, Markus Eckstein. Spatial transcriptomic profiling of metastatic renal cell carcinoma identifies chemokine-driven macrophage and CD8+ T-cell interactions predictive of immunotherapy response. Journal for ImmunoTherapy of Cancer. 2025;13:e012991. https://doi.org/10.1136/jitc-2025-012991

Charis Kalogirou mit weißem Kittel im Labor - im Hintergrund arbeitet eine Mitarbeiterin an der Laborbank.
Privatdozent Dr. Charis Kalogirou, geschäftsführender Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie des UKW) untersuchte mit seinem Team Gewebeproben von zwölf Patientinnen und Patienten mit metastasiertem Nierenzellkarzinom und erstellte detaillierte Landkarten des Tumors und seiner Metastasen. © Andrey Svistunov / UKW

Privatdozent Dr. Charis Kalogirou, geschäftsführender Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie des UKW) untersuchte mit seinem Team Gewebeproben von zwölf Patientinnen und Patienten mit metastasiertem Nierenzellkarzinom und erstellte detaillierte Landkarten des Tumors und seiner Metastasen. © Andrey Svistunov / UKW