Extrakorporale Zytokin-Elimination bei Patienten im septischen Schock

Der septische Schock ist durch eine Dysregulation des Immunsystems gekennzeichnet. Trotz erheblicher Fortschritte in Forschung und Intensivmedizin liegt die Sterblichkeit in Europa weiterhin bei etwa 40 %.

Um das Gleichgewicht zwischen entzündungsfördernden und entzündungshemmenden Prozessen wiederherzustellen, steht in der klinischen Praxis die extrakorporale Hämoadsorption (z.B. mit dem CytoSorb Zytokin-Filter) zur Verfügung. Ziel dieses Verfahrens ist es, überschüssige Mediatoren aus dem Blut zu filtern und so Organschäden zu begrenzen. Da der tatsächliche klinische Nutzen bisher wissenschaftlich umstritten war, hat nun die AG Notz der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie am Universitätsklinikum Würzburg die Effekte in einer prospektiven, randomisierten kontrollierten Studie untersucht.

In die Studie konnten 31 Intensivpatientinnen und -patienten mit septischem Schock und Hyperinflammation (Interleukin-6 > 500 pg/mL) eingeschlossen werden. Die Teilnehmenden wurden entweder einer Kontrollgruppe (Standardtherapie nach Sepsis-Leitlinien) oder einer Interventionsgruppe (Standardtherapie plus CytoSorb-Anwendung) zugeteilt.

Die Ergebnisse der Studie liefern wichtige Erkenntnisse für die Intensivmedizin:

  • Keine Reduktion des Bedarfs an Vasopressoren: Der Einsatz der extrakorporalen Zytokin-Elimination führte nicht zu einer Verringerung der benötigten Kreislaufunterstützung. Im Gegenteil: Der Vasopressor-Bedarf pro Stunde war in der Interventionsgruppe signifikant höher als in der Kontrollgruppe.
  • Keine messbaren Effekte auf das Immunsystem: Weder die Zytokin-Spiegel im Blut noch die Anzahl und Aktivität zentraler Immunzellen wurden durch die Behandlung maßgeblich verändert.
  • Sicherheit und Nutzen: Die Studie konnte keine klinischen Vorteile durch den frühen Einsatz des Verfahrens feststellen und lieferte stattdessen Hinweise auf mögliche schädliche Effekte. Die Überlebensrate nach 48 und 72 Stunden war in der Kontrollgruppe signifikant höher als in der Interventionsgruppe Gruppe (48 h: 100 % vs. 64 %; 72 h: 94 % vs. 57 %). Aufgrund der kleinen Fallzahl ist dieses explorative Ergebnis allerdings mit Vorsicht zu interpretieren.

Zusammenfassend zeigt die Studie, dass die Anwendung der extrakorporalen Zytokin-Elimination im septischen Schock den Krankheitsverlauf wahrscheinlich nicht verbessert und die Immunantwort nicht messbar moduliert. Die extrakorporalen Hämoadsorption sollte daher im septischen Schock aus Sicht der Autoren nicht angewendet werden.

 

Publikation: Lotz C, Heckelmann J, Lendzian C, Herrmann J, Haack B, Gieselmann M, Wedekink F, Röder D, Schlegel N, Meybohm P, Wischhusen J, Notz Q. Clinical and Immunologic Effects of Extracorporeal Cytokine Removal in Patients with Septic Shock: A Randomized Controlled Trial. Shock. 2026 Apr 1;65(4):637-647. doi: 10.1097/SHK.0000000000002802. Epub 2026 Feb 4. PMID: 41670614; PMCID: PMC13023102.

 

 

Grafik, mit zwei Kurven  (unspezfisches Immunsystem, persistierende Inflammation - Spezfisches Immunsystem - Immunsuppression
Schemazeichnung der Immunantwort im septischen Schock. Der CytoSorb Filter blieb in der randomisiert-kontrollierten Studie ohne Einfluss auf das Erreichen der Immunhomöostase. SIRS, systemic inflammatory response syndrome. CARS, Compensatory Anti-inflammatory Response Syndrome.

Schemazeichnung der Immunantwort im septischen Schock. Der CytoSorb Filter blieb in der randomisiert-kontrollierten Studie ohne Einfluss auf das Erreichen der Immunhomöostase. SIRS, systemic inflammatory response syndrome. CARS, Compensatory Anti-inflammatory Response Syndrome.